Devisenmärkte

US-Dollar und Euro: Chaotische Zustände dies- und jenseits des Atlantiks

Als Beobachter von Euro und Dollar glaubt man derzeit, versehentlich auf die Zeitungsseite über die Dritte Welt gerutscht zu sein: Bürgerkriegsähnliche Zustände und politisches Chaos in Griechenland; ein offener Disput zwischen Regierungen und EZB; das weltweit schlechteste Rating eines Euro-Landes, bei dessen Umschuldung es längst nur noch um das „wie“ und nicht mehr um das „ob“ geht. Eigentlich ein Wunder, dass der Euro nicht bis zur Parität abgerutscht ist.

EUR-USD: Jüngstes Verlaufshoch bei 1,4940 USD zunächst im Fokus

Der Datenkalender der kommenden Woche präsentiert sich prall gefüllt. Am Dienstag stechen insbesondere die US-Einzelhandelsumsätze für den Monat Mai hervor. Die zuletzt enttäuschende Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte die Konsumfreude der Amerikaner trüben. Eine gewisse Konsumzurückhaltung hat sich bereits bei den jüngst schwächeren Autoabsatzzahlen gezeigt. Darüber hinaus stehen im Wochenverlauf mit dem Empire State Index, dem Philadelphia Fed Index und dem Verbrauchervertrauen der Uni Michigan verschiedene Stimmungsindikatoren auf der Agenda. Hierbei gehen wir mehrheitlich von niedrigen Indikatoren aus.

Wohl und Wehe des Euro eng mit Schicksal Griechenlands verknüpft

Die wieder aufgekommenen Hoffnungen auf eine Lösung der griechischen Schuldenkrise sowie die Warnung von Moody´s vor steigenden Risiken für das Kreditrating der USA greifen dem Euro derzeit unter die Arme. Spannend dürfte es heute mit Blick auf Griechenland werden, wird doch zum Wochenausklang der Abschlussbericht von EZB, IWF und EU erwartet, worin die Troika überprüft, welche Fortschritte das Land bei der Sanierung seines Haushalts gemacht hat. Von diesem Urteil hängt es dann auch ab, ob Griechenland die nächste Tranche aus dem 110 Mrd. Euro schweren EU/IWF-Hilfspaket erhalten wird. Derzeit sieht es so aus, als ob Griechenland zu einem verschärften Sparkurs bereit ist und dafür im Gegenzug informierten Kreisen zufolge ein neues Rettungspaket erhalten wird.

Griechenland dominiert erneut die Nachrichtenlage – Euro leidet

Unter dem Eindruck der Nachricht, dass die Ratingagentur S&P den Ausblick für die italienische Bonitätsnote von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat, ist die europäische Einheitswährung zum Wochenauftakt kurzzeitig unter die Schwelle von 1,40 USD gerutscht. Zwischenzeitlich hat sich der Euro wieder etwas oberhalb dieser Marke stabilisieren können. Ein Dauerbrenner ist auch in dieser Woche das leidige Thema Griechenland. Wie ein Ausweg aus der griechischen Schuldenmisere letztendlich aussehen könnte, dürfte sich frühestens Mitte Juni auf dem geplanten EU-Finanzministertreffen in Brüssel zeigen. Bis dahin bleibt die ausgeprägte Unsicherheit an den Finanzmärkten wohl bestehen.

Franken-Stärke ungebrochen

Der Euro hat in den zurückliegenden Handelstagen gegenüber dem Franken erhebliche Kursverluste erlitten und sich im Tief bei etwa 1,2270 CHF gezeigt. Damit wurde das bisherige Rekordtief vom 30. Dezember 2010 (1,2400 CHF) unterschritten und ein neues Allzeittief markiert.

Währungen – Beruhigung der EWU-Schuldenkrise wohl nur temporär

Nachdem der Euro angesichts der wieder in den Fokus gerückten europäischen Schuldenkrise auch in der zurückliegenden Woche weiter gegenüber dem US-Dollar unter Abgabedruck gestanden hat, haben die jüngsten europäischen Beschlüsse, Portugal finanziell unter die Arme zu greifen, zu Wochenbeginn zu einer zumindest temporären Beruhigung der Schuldenkrise geführt. Dem Euro sind damit in den letzten Tagen weitere Kursverluste erspart geblieben.

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