Emerging Markets

Türkische Notenbank hebt Leitzins an – Lira zurecht skeptisch

Die türkische Zentralbank (TCMB) hat zuletzt eher unerwartet den Leitzins um 200 Bp auf 10,25% erhöht. Begründet wurde der Schritt explizit mit den Risiken für den Inflationsausblick sowie der Notwendigkeit, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Lange hatten sich die Währungshüter geziert, diesen Schritt in Form einer Erhöhung des offiziellen Leitzinses zu gehen und damit eine seit Wochen überfällige Abkehr von der „restriktiveren Geldpolitik durch die Hintertür“ zu vollziehen. Spätestens seit Mitte August hatte die Zentralbank die Liquiditätsversorgung so gestaltet, dass Geschäftsbanken in teurere Refinanzierungsfazilitäten gedrängt wurden. Damit gelang es den Währungshütern zwar, die durchschnittlichen Refinanzierungskosten der Finanzinstitute zu erhöhen und so einen restriktiven Impuls in Richtung der türkischen Geldmärkte zu geben. Zugleich ging jedoch geldpolitische Transparenz und Glaubwürdigkeit verloren, wurde die zögerliche Haltung doch als Kniefall vor Staatspräsident Erdogan interpretiert. Dieser hatte sich auch zuletzt wieder lautstark für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Die Anhebung des offiziellen Leitzinses stellt zwar gerade…

Türkei auf Kurs – für die nächste Lira-Krise

Die Lira kommt nicht zur Ruhe. Gegenüber dem US-Dollar verzeichnete die türkische Landeswährung jüngst ein neues Allzeittief, und auch im Verhältnis zur europäischen Gemeinschaftswährung sieht es nicht nennenswert besser aus. Erschwerend hinzu kommt, dass staatseigene Geschäftsbanken laut Medienberichten Lira-stützend am Devisenmarkt eingegriffen haben. Ansonsten wäre die Abwertung wohl noch deutlicher ausgefallen. Zwar waren die vergangenen Monate für das Gros der Währungen des Schwellenländersegments von enormen Herausforderungen geprägt. Es gibt jedoch nur wenige Vertreter, die seit Ausbruch der Corona-Krise ähnlich schlecht abgeschnitten haben wie die Lira. Auffällig ist zudem, dass noch nicht einmal die seit Anfang Mai zu beobachtende Aufhellung des globalen Sentiments nachhaltig positive Spuren bei der Lira hinterlassen hat. Der Eindruck, dass es sich bei der Schwäche der Landeswährung vorrangig um hausgemachte Probleme handelt, drängt sich demnach geradezu auf. Im Zentrum der Kritik steht die türkische Zentralbank. Die Währungshüter um Murat Uysal halten stur an ihrem offiziellen Leitzins von…

Türkische Lira: Altbekannte Schwächen rücken wieder in den Blick

Nachdem es in den vergangenen Wochen um die türkische Lira vergleichsweise ruhig geworden und USD-TRY stabil um 6,85 TRY gependelt war, ist es mit dieser Ruhe wieder schlagartig vorbei. So hat doch das Währungspaar erstmals seit Mitte Mai wieder die Marke von 7,00 TRY und aktuell sogar die historisch schwachen Notierungen aus dem Mai hinter sich gelassen. Diese Bewegung ist umso bemerkenswerter, als dass der US-Dollar aktuell selber einen schweren Stand hat – gerade im Vergleich zur Situation im Mai – und verdeutlicht den vorherrschenden Druck auf die Lira. Dabei sind die bestehenden heimischen Probleme keineswegs neu. Trotz der relativ stabilen Entwicklung im Juni und Juli hatten wir die Konstellation für die Lira als fragil eingestuft, bietet die Türkei doch grundsätzlich mit einer tief in die Rezession abrutschenden Volkswirtschaft, einem deutlich ansteigenden Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit und einem expansiven geldpolitischen Kurs der türkischen Zentralbank ungeachtet der zu beobachtenden Inflationsentwicklung genügend Angriffsfläche….

Schwellenländer im Corona-Stress

Für die Schwellenländer ist die COVID-19 Krise eine große Herausforderung. Die Wachstumsdynamik der Länder leidet sichtlich und gleichzeitig nimmt die Risikobereitschaft der Investoren nimmt ab. Kapitalabzug und geringere Investitionen sind die Folge. Für die türkische Wirtschaft ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung, da diese noch von den Folgen der letzten Währungskrise von vor zwei Jahren geschwächt ist. In der Türkei sind mit der Exportindustrie und dem Tourismussektor zwei wichtige Branchen schwer getroffen. Anders als in der Währungskrise vor zwei Jahren fallen sie nun als Stütze völlig weg. Die türkische Wirtschaft dürfte daher im laufenden Jahr einen größeren Schaden erleiden als in der Währungskrise 2018 und in der Finanzkrise 2009. Die türkische Wirtschaft dürfte in 2020 um 8%gegenüber dem Vorjahr sinken. Die Entwicklung der Währungen spiegeln die waschsenden Sorgen der Investoren wider. So hat die türkische Lira deutlich an Wert verloren. Aber auch der brasilianische Real und andere EM-Währungen haben zuletzt…

Erneute Niederlage in Istanbul erhöht Druck auf Erdogan

Der neue Bürgermeister von Istanbul heißt Ekrem Imamoglu – dieses Mal wirklich. Gegenkandidat Yildirim von der AKP hat seine Niederlage bereits eingeräumt, Präsident Erdogan gratulierte Imamoglu zu seinem Erfolg. Für die AKP und vor allem für das Staatsoberhaupt ist der Verlust der Wirtschaftsmetropole an die Opposition ein Problem. Kein geringerer als Erdogan persönlich soll einmal gesagt haben: „Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“. Hiervon ist Imamoglu zwar sicherlich noch weit entfernt, allerdings verliert die AKP mit der größten Stadt des Landes eine wichtige Geldquelle, um Günstlinge und solche, die es werden sollen, mit lukrativen Posten und Verträgen zu versorgen. Hinzu kommt, dass die AKP in keiner der drei größten Städte des Landes die Zügel in der Hand hält. Auch wenn viele Beobachter den Sieg Imamoglus – durchaus zu Recht – für einen Sieg der Demokratie in der Türkei halten, sollte sich die Opposition nicht zu sehr auf der Siegerstraße wähnen….

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

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