Emerging Markets

Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb. Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira…

Wenn die Rubel-Krise 2014 eine Blaupause für die Lira wäre…

Zwischen der Krise der russischen Landeswährung, die Ende des Jahres 2014 zu beobachten war, und den momentan vorherrschenden Lira-Turbulenzen gibt es einige auffällige Parallelen. Dies beginnt beim bisherigen Kursverlauf. Gegenüber Jahresanfang hat die Lira in der Spitze rund 45% gegenüber dem US-Dollar eingebüßt, beim Rubel waren es gerechnet auf denselben Zeitraum nur 3%-Punkte mehr. Zudem folgte auch bei der russischen Landeswährung im Anschluss an eine rund drei Wochen anhaltende, rapide Abwertung eine vorübergehende moderate Erholung, nur um im Anschluss hieran erneut deutlich nachzugeben. Gemeinsamkeiten zwischen beiden Währungskrisen gibt es auch hinsichtlich der Ursachen. Den Grundstein für die Rubel-Abwertung lieferte im Jahr 2014 zwar der deutliche Rückgang des Rohölpreises. Die eigentliche Eskalation der Kapitalflucht ergab sich jedoch durch einen Mix aus diversen Faktoren, die durchaus mit denen für die Türkei vergleichbar sind. Diplomatische Differenzen mit „dem Westen“, Sanktionen vonseiten der EU und den USA, ein sich eintrübender Wirtschaftsausblick, strukturelle wirtschaftspolitische Versäumnisse…

Risiko einer globalen Emerging Markets Krise ist gering

Nach einer kurzfristigen Erholung hat der Druck auf die Währung und die Anleihen der Türkei wieder zugenommen. Eine Reihe an Ratingherabstufungen hat das ohnehin angeschlagene Bild weiter belastet. Damit rückt auch die Frage nach einer Ansteckung der Türkei-Krise auf andere Schwellenländer wieder prominent in den Vordergrund. Real- und finanzwirtschaftlich sollten alleine aus einer neuerlichen Verschärfung der Krise keine markanten Ansteckungseffekte resultieren. Die Türkei ist handelsseitig kein sehr wesentlicher Handelspartner für die relevanten EM. Staaten wie Russland, Bulgarien oder Rumänien sind zwar im Außenhandel mit gewisser Bedeutung zu erwähnen und ein deutlicher BIP-Abschwung in der Türkei dürfte hier das Wachstum belasten, aber nicht in einer handfesten Krise münden. Zudem scheint es so, dass die Kredit-Verbindungen zwischen Banken laut BIZ-Daten eher zu Industrie- denn zu Schwellenländern bestehen. Auch über diesen Kanal sehen wir nur geringe Ansteckungsgefahr. Kritisch könnte im Fall einer Krisenverschärfung in der Türkei aber das Risiko eines anhaltenden und wenig…

Politische Spannungen lassen Lira weiter einbrechen

Das Währungspaar Dollar-Lira ist gestern Abend erstmals überhaupt über die Marke von 5,00 TRY geklettert – Tendenz heute Morgen weiter steigend. Auch gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung verzeichnet die Lira aktuell neue Rekordtiefs. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung über 22% gegenüber dem Euro verloren, verglichen mit dem Greenback waren es sogar fast 25%. Unter den nennenswerten Währungen weltweit schnitt nur der argentinische Peso schlechter ab. Zentral für die Schwäche der Landeswährung ist zwar weiterhin der Mangel an Entschlossenheit auf Seiten der türkischen Zentralbank und die damit einhergehenden, berechtigten Zweifel an der politischen Unabhängigkeit der Währungshüter. Ausschlaggebend für den jüngsten Kurseinbruch war jedoch die Eskalation der zwischen der Türkei und den USA vorherrschenden diplomatischen Differenzen. Die US-Administration fordert die sofortige Freilassung des seit Monaten festgehaltenen US-Pastors Brunson und hat gestern Sanktionen gegen zwei türkische Minister erlassen, die bei dessen Festsetzung eine führende Rolle gespielt haben sollen. Die Türkei hat die US-Strafmaßnahmen als…

Globalisierung kann nicht gerecht sein – schafft aber mehr Wohlstand

  Globalisierung – über kein anderes Thema wird so heftig und so emotional gestritten. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen meist zwei Fragen: Kann Globalisierung gerecht sein? Und: Verbessert die Globalisierung unseren Wohlstand? Die ehrliche Antwort auf die erste Frage heißt: Nein. Und die Antwort auf die zweite Frage: Ja. Warum ist das so? Die Wohlstandsunterschiede zwischen Schwellenländern und Industrieländern haben sich innerhalb relativ kurzer Zeit erheblich angenähert. Diese Entwicklung wurde von einem weit überdurchschnittlichen Wachstum in den Schwellenländern getragen. Das Wachstum wiederum wurde durch starke Lohnunterschiede und einer entsprechenden Verlagerung der arbeitsintensiven Prozesse von den Industrieländern in die Schwellenländer ausgelöst, dabei war das Wirtschaftsmodell der Schwellenländer stark exportgetrieben und weniger abhängig von der Binnenwirtschaft. Wenn die Schwellenländer durch die Verlagerung von bestimmten Arbeitsprozessen aus den Industrieländern einen solchen Aufschwung nehmen, dann hat dies auch sozialpolitische Folgen in den Industrieländern. Die Arbeiter, die bislang die arbeitsintensiven Prozesse erbracht haben sind unmittelbar…

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