Emerging Markets

Rubel bewahrt im Ukraine-Russland-Konflikt die Nerven

Das Jahr 2018 neigt sich allmählich dem Ende zu, Zeit auch für den Rubel, Bilanz zu ziehen. Diese dürfte für die russische Landeswährung durchwachsen ausfallen, musste sie doch im Jahresverlauf sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar zeitweise spürbar Federn lassen. Einige Klippen gab es zu umschiffen – unter anderem die Schwellenländerkrise sowie den restriktiveren geldpolitischen Kurs der Fed. Doch in den vergangenen Monaten brachten primär die von den USA verhängten Sanktionen gegenüber Russland die dortige Landeswährung in die Defensive. Die erste Runde erfolgte Anfang April als Antwort auf die mutmaßliche russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf. Weitere Strafmaßnahmen folgten im August/September in Reaktion der USA auf die vermutete russische Beteiligung an dem Giftgasanschlag auf den Ex-Agenten Skripal und dessen Tochter sowie auf generell „bösartige Aktivitäten“ Russlands. Überraschenderweise konnte der steigende Ölpreis, traditionell ein Unterstützungsfaktor für die russische Landeswährung, in diesen Zeiten keinen nennenswerten Support bieten. Vielmehr verlor der Rubel…

Lateinamerika nach dem Superwahljahr

Der Trend, dass neben der wählenden Bevölkerung auch internationale Anleger bei Wahlen oftmals den Atem anhalten, hat auch vor Lateinamerika nicht haltgemacht. Vor diesem Hintergrund waren die letzten zwölf Monate in der Region äußerst spannend, da in gleich vier Ländern wichtige Urnengänge anstanden – und das in einem Umfeld sinkender Zustimmungswerte hinsichtlich des Funktionierens der Demokratie. In Chile und Kolumbien sind dabei (immerhin) Regierungen aus dem Mitte-Rechts-Lager gewählt worden, die für einen pragmatischen Kurs in der Wirtschaftspolitik stehen. In Mexiko und Brasilien haben sich die Wähler jedoch weiter „an die Ränder gewagt“. Während sich mit Andres López Manuel Obrador – kurz AMLO – in Mexiko ein Bewerber des linken Spektrums durchgesetzt hat, siegte in Brasilien der Rechtsaußen Jair Bolsonaro. Damit herrscht nun zumindest Klarheit darüber, wer die Geschicke des jeweiligen Landes leiten wird. Über den Kurs sowie die Art und Weise des Regierens kann aktuell jedoch nur spekuliert werden. Während…

Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb. Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira…

Wenn die Rubel-Krise 2014 eine Blaupause für die Lira wäre…

Zwischen der Krise der russischen Landeswährung, die Ende des Jahres 2014 zu beobachten war, und den momentan vorherrschenden Lira-Turbulenzen gibt es einige auffällige Parallelen. Dies beginnt beim bisherigen Kursverlauf. Gegenüber Jahresanfang hat die Lira in der Spitze rund 45% gegenüber dem US-Dollar eingebüßt, beim Rubel waren es gerechnet auf denselben Zeitraum nur 3%-Punkte mehr. Zudem folgte auch bei der russischen Landeswährung im Anschluss an eine rund drei Wochen anhaltende, rapide Abwertung eine vorübergehende moderate Erholung, nur um im Anschluss hieran erneut deutlich nachzugeben. Gemeinsamkeiten zwischen beiden Währungskrisen gibt es auch hinsichtlich der Ursachen. Den Grundstein für die Rubel-Abwertung lieferte im Jahr 2014 zwar der deutliche Rückgang des Rohölpreises. Die eigentliche Eskalation der Kapitalflucht ergab sich jedoch durch einen Mix aus diversen Faktoren, die durchaus mit denen für die Türkei vergleichbar sind. Diplomatische Differenzen mit „dem Westen“, Sanktionen vonseiten der EU und den USA, ein sich eintrübender Wirtschaftsausblick, strukturelle wirtschaftspolitische Versäumnisse…

Risiko einer globalen Emerging Markets Krise ist gering

Nach einer kurzfristigen Erholung hat der Druck auf die Währung und die Anleihen der Türkei wieder zugenommen. Eine Reihe an Ratingherabstufungen hat das ohnehin angeschlagene Bild weiter belastet. Damit rückt auch die Frage nach einer Ansteckung der Türkei-Krise auf andere Schwellenländer wieder prominent in den Vordergrund. Real- und finanzwirtschaftlich sollten alleine aus einer neuerlichen Verschärfung der Krise keine markanten Ansteckungseffekte resultieren. Die Türkei ist handelsseitig kein sehr wesentlicher Handelspartner für die relevanten EM. Staaten wie Russland, Bulgarien oder Rumänien sind zwar im Außenhandel mit gewisser Bedeutung zu erwähnen und ein deutlicher BIP-Abschwung in der Türkei dürfte hier das Wachstum belasten, aber nicht in einer handfesten Krise münden. Zudem scheint es so, dass die Kredit-Verbindungen zwischen Banken laut BIZ-Daten eher zu Industrie- denn zu Schwellenländern bestehen. Auch über diesen Kanal sehen wir nur geringe Ansteckungsgefahr. Kritisch könnte im Fall einer Krisenverschärfung in der Türkei aber das Risiko eines anhaltenden und wenig…

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