Emerging Markets

Erneute Niederlage in Istanbul erhöht Druck auf Erdogan

Der neue Bürgermeister von Istanbul heißt Ekrem Imamoglu – dieses Mal wirklich. Gegenkandidat Yildirim von der AKP hat seine Niederlage bereits eingeräumt, Präsident Erdogan gratulierte Imamoglu zu seinem Erfolg. Für die AKP und vor allem für das Staatsoberhaupt ist der Verlust der Wirtschaftsmetropole an die Opposition ein Problem. Kein geringerer als Erdogan persönlich soll einmal gesagt haben: „Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“. Hiervon ist Imamoglu zwar sicherlich noch weit entfernt, allerdings verliert die AKP mit der größten Stadt des Landes eine wichtige Geldquelle, um Günstlinge und solche, die es werden sollen, mit lukrativen Posten und Verträgen zu versorgen. Hinzu kommt, dass die AKP in keiner der drei größten Städte des Landes die Zügel in der Hand hält. Auch wenn viele Beobachter den Sieg Imamoglus – durchaus zu Recht – für einen Sieg der Demokratie in der Türkei halten, sollte sich die Opposition nicht zu sehr auf der Siegerstraße wähnen….

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

Südafrika hält dem ANC die Treue

Südafrika hat gewählt. Zwar ist heute Morgen erst rund ein Viertel der abgegebenen Stimmen ausgezählt, und das offizielle Endergebnis wird erst für den kommenden Samstag erwartet. Für die Nationalversammlung zeichnet sich jedoch bereits jetzt eine klare absolute Mehrheit für den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) und seinen Präsidenten Ramaphosa mit derzeit etwa 55% der Stimmen ab. Gegenüber der Parlamentswahl vor fünf Jahren würde die Regierungspartei nach aktuellem Stand zwar Stimmenverluste erleiden. Verglichen mit dem Ergebnis der Kommunalwahl 2016, bliebe der Anteil allerdings mehr oder weniger unverändert. Zu berücksichtigen ist zudem, dass die Regierungspartei in den ländlichen Gebieten einen größeren Rückhalt genießt und die Auszählung hier tendenziell länger dauert. Der ANC hätte auf Basis dieser Überlegungen gute Chancen, ein Ergebnis zwischen 55% und 60% einzufahren. Das Erreichen beziehungsweise Überschreiten der Schwelle von 55% der Stimmen auf nationaler Ebene ist für Präsident Ramaphosa vor allem innerhalb der eigenen Partei von Bedeutung. Hier stehen…

Türkische Zentralbank mit schlechtem Timing

Die türkische Zentralbank hat im Zuge ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, den Leitzins bei 24,00% zu belassen – so weit, so gut. Weniger gut ist, dass nun der Passus im begleitenden Statement fehlt, wonach bei Bedarf weitere restriktive Schritte ergriffen werden. Neuerdings heißt es, dass die geldpolitische Ausrichtung so festgelegt wird, dass sich die Inflationsrate im Rahmen des Zielpfades bewegt. Marktseitig wurde dies als Signal einer Aufweichung der restriktiven Haltung interpretiert. Die Lira zeigte sich entsprechend verunsichert und fiel gegenüber dem Euro sowie dem US-Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Bei genauerer Betrachtung ist die veränderte Haltung der Notenbank auf Basis der fundamentalen Gegebenheiten durchaus nachvollziehbar. Der Preisdruck hat in den vergangenen Monaten spürbar nachgelassen und sollte perspektivisch weiter zurückgehen. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts gibt ebenfalls wenig Anlass für eine übermäßig restriktive Geldpolitik, ist die Wirtschaft doch im zweiten Halbjahr 2018 in eine tiefe Rezession gerutscht. Und…

CE3-Staaten gespalten über tiefere europäische Integration

Die Europäische Union (EU) hat Ende November 2018 ihr jüngstes „Standard-Eurobarometer“ veröffentlicht. Diese Umfrage gibt u.a. einen Einblick in die Haltung der Bevölkerung der kleinen CE3-Staaten (Polen, Tschechien und Ungarn) gegenüber der EU sowie weiterer europäischer Integrationsschritte. Festzuhalten bleibt, dass die Bevölkerung in allen drei kleinen osteuropäischen Staaten ihr Land mehrheitlich innerhalb der EU besser für die Zukunft gerüstet sieht als außerhalb der Staatengemeinschaft. Als Gründe hierfür sind sicherlich zunächst finanzielle Aspekte und damit verbunden, der Wunsch nach wirtschaftlichem Wohlstand zu nennen. So ist doch Polen seit 2009 der größte Netto-Empfänger von EU-Mitteln und auch Ungarn sowie Tschechien rangieren den entsprechenden Zahlen von 2017 zufolge mit Platz vier und fünf weiterhin auf den vorderen Rängen der Netto-Empfänger. Allerdings hat die jüngste EU-Umfrage auch deutlich gemacht, dass die Anreize für eine EU-Mitgliedschaft über diesen pekuniären Punkt hinausgehen und der Wunsch nach Frieden sowie Demokratieaspekte und damit wesentliche europäische Grundwerte ebenfalls eine…

Rubel bewahrt im Ukraine-Russland-Konflikt die Nerven

Das Jahr 2018 neigt sich allmählich dem Ende zu, Zeit auch für den Rubel, Bilanz zu ziehen. Diese dürfte für die russische Landeswährung durchwachsen ausfallen, musste sie doch im Jahresverlauf sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar zeitweise spürbar Federn lassen. Einige Klippen gab es zu umschiffen – unter anderem die Schwellenländerkrise sowie den restriktiveren geldpolitischen Kurs der Fed. Doch in den vergangenen Monaten brachten primär die von den USA verhängten Sanktionen gegenüber Russland die dortige Landeswährung in die Defensive. Die erste Runde erfolgte Anfang April als Antwort auf die mutmaßliche russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf. Weitere Strafmaßnahmen folgten im August/September in Reaktion der USA auf die vermutete russische Beteiligung an dem Giftgasanschlag auf den Ex-Agenten Skripal und dessen Tochter sowie auf generell „bösartige Aktivitäten“ Russlands. Überraschenderweise konnte der steigende Ölpreis, traditionell ein Unterstützungsfaktor für die russische Landeswährung, in diesen Zeiten keinen nennenswerten Support bieten. Vielmehr verlor der Rubel…

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