Emerging Markets

Globalisierung kann nicht gerecht sein – schafft aber mehr Wohlstand

  Globalisierung – über kein anderes Thema wird so heftig und so emotional gestritten. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen meist zwei Fragen: Kann Globalisierung gerecht sein? Und: Verbessert die Globalisierung unseren Wohlstand? Die ehrliche Antwort auf die erste Frage heißt: Nein. Und die Antwort auf die zweite Frage: Ja. Warum ist das so? Die Wohlstandsunterschiede zwischen Schwellenländern und Industrieländern haben sich innerhalb relativ kurzer Zeit erheblich angenähert. Diese Entwicklung wurde von einem weit überdurchschnittlichen Wachstum in den Schwellenländern getragen. Das Wachstum wiederum wurde durch starke Lohnunterschiede und einer entsprechenden Verlagerung der arbeitsintensiven Prozesse von den Industrieländern in die Schwellenländer ausgelöst, dabei war das Wirtschaftsmodell der Schwellenländer stark exportgetrieben und weniger abhängig von der Binnenwirtschaft. Wenn die Schwellenländer durch die Verlagerung von bestimmten Arbeitsprozessen aus den Industrieländern einen solchen Aufschwung nehmen, dann hat dies auch sozialpolitische Folgen in den Industrieländern. Die Arbeiter, die bislang die arbeitsintensiven Prozesse erbracht haben sind unmittelbar…

China ächzt unter seiner Schuldenlast – und scheut doch Reformen

Chinas Verschuldung ist seit der Wirtschaftskrise 2008/09 dramatisch gestiegen und zählt zu den höchsten weltweit. Übertreibungen am Immobilienmarkt, der stark angeschwollene Schattenbankensektor und zahlreiche staatseigene „Zombie“-Unternehmen stellen beträchtliche Risiken dar und machen das Land verwundbar. Peking hält einen Teufelskreis aus Effizienzverlusten, Wachstumsverlangsamung und immer höheren Schulden aufrecht. Das Risiko steigt, dass sich die Schieflagen irgendwann in einer Krise entladen. Doch eine systemische Finanzkrise dürfte dank der enormen Finanzkraft der Zentralregierung abwendbar sein. Ein auf Dauer niedrigeres Wirtschaftswachstum ist dagegen wohl unausweichlich. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnen vor allem vor der hohen Dynamik des Schuldenaufbaus in China. Sie weise erschreckende Parallelen zur Entwicklung in anderen Ländern auf, die letztlich in Finanzkrisen mündete, wie in Spanien oder in Thailand. Zwar ist die Lage in China aufgrund der engen Verquickung von privatem und staatlichem Sektor nur bedingt mit der Entwicklung in anderen Ländern vergleichbar, sie ist…

Weg zum Referendum über Verfassungsreform in der Türkei frei

Die Türkische Lira hat einen äußerst schwachen Start in das Jahr 2017 hingelegt und verzeichnete mit einem Minus von gut 9% gegenüber dem Euro unter allen weltweit etablierten Währungen die deutlichsten Kursverluste. Sowohl gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung als auch gegenüber dem US-Dollar bewegt sich die Lira momentan auf historischen Tiefstständen. Die Aussicht auf eine restriktiver agierende US-Zentralbank hat der türkischen Landeswährung zwar nicht gerade geholfen. Getrieben ist die aktuelle Schwäche jedoch vor allem von inländischen Faktoren. So geht nicht nur Präsident Erdogan seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer mit harter Hand gegen seine politischen Gegner vor. Die Maßnahmen der Staatsführung, die damit einhergehende Unsicherheit sowie immer wieder aufflammende Konflikte mit radikalen Gruppierungen im Inland haben mittlerweile auch greifbare Spuren in der wirtschaftlichen Situation und im Konjunkturausblick hinterlassen. Hinzu kommt eine Zentralbank, die sich bislang nur zögerlich gegen einen steigenden Preisdruck und die Schwäche der Landeswährung zur Wehr setzt. Präsident Erdogan…

Globale Konjunktur 2017: Erholung mit Risiken

In ihrem aktuellen Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung zeigt sich die Weltbank recht optimistisch für das kommende Jahr. Sie erwartet nach dem schwachen Jahr 2016 eine Erholung der Konjunktur in den Industrieländern, vor allem aber eine Verbesserung in den Schwellenländern. Dort war das abgelaufene Jahr teilweise von anhaltenden Krisen gekennzeichnet, etwa in Brasilien, Argentinien und Russland. Für 2017 wird für diese Länder mit einer – wenn auch eher zögerlichen – Erholung gerechnet. Und während sich in China die allmähliche Wachstumsverlangsamung auch 2017 fortsetzen dürfte, ist in Indien nach den wirtschaftspolitisch bedingten Problemen im Jahresverlauf wieder mit einer Beschleunigung zu rechnen. Die Ökonomen der Weltbank betonen aber auch die Risiken für den Ausblick, die sich vor allem im Bereich der Wirtschaftspolitik zeigen. So haben das Brexit-Votum und die Entscheidung der US-Präsidentschaftswahlen zwar noch keine realwirtschaftlichen Folgen gehabt und sind von den Finanzmärkten nach anfänglicher Irritation gut aufgenommen worden. Sie haben jedoch…

Versorgeraktien dürften alle Risiken eingepreist haben

Die Aktienkurse europäischer Versorger sind dem Gesamtmarktindex Stoxx 600 in den vergangenen zehn Jahren deutlich hinterher gelaufen. Während der Stoxx 600 seine erheblichen Kursverluste, die er während der Finanzmarktkrise und dem Crash 2009 erleiden musste, im Wesentlichen wieder ausgeglichen hat und zwischenzeitlich auch oberhalb des Niveaus aus 2006 notierte, liegen Versorgeraktien in diesem Vergleichszeitraum noch deutlich im Minus. Auf der Suche nach Ursachen für die schwache Kursentwicklung trifft man unweigerlich auf die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, welche sich im März 2011 ereignete. In der Folge wurde die Zukunft nuklearer Stromerzeugung weltweit verstärkt diskutiert und die Kosten eines Ausstiegs aus dieser, für die Versorger höchst ertragsstarken Stromerzeugung, neu kalkuliert. Der fortschreitende und in der Folge der Reaktorkatastrophe intensivierte Ausbau der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien lastet ebenfalls auf den Gewinnperspektiven der etablierten Stromerzeuger. Die Strompreise und –futures haben sich zuletzt positiv entwickelt. Damit liegen sie zwar noch immer deutlich unterhalb früherer und…

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