Eurozone

Türkei-Krise erreicht Rom

Die hausgemachte Krise der Türkei hat auf den ersten Blick wenig mit Italien zu tun. Nichtsdestotrotz hat ausgerechnet der Absturz der Lira auch den italienischen Staatsanleihen deutlich zugesetzt. Seit Mitte Juli weiteten sich Risikoaufschläge italienischer Schuldtitel gegenüber Bundesanleihen zunächst aus Sorge vor einer Zunahme der Neuverschuldung Italiens sowie einer möglichen Eskalation im Streit mit der EU-Kommission bereits aus. Die jüngste Zunahme der Risikoprämien geht allerdings primär auf die verschärfte Krise in der Türkei zurück. Erst heute Morgen erholten sich erstmals seit Tagen die Kurse italienischer Staatstitel wieder, als auch die türkische Lira ebenfalls leichte Gewinne verzeichnen konnte. Wenngleich der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, Pressemeldungen zufolge jedwede Ausstrahlungseffekte der Türkei-Krise in Richtung Italien für unlogisch erachtet, dürften zwei wesentliche Gründe die Bewegung erklären: Zum einen steigt die Sorge, dass eine Pleitewelle in der Türkei auch europäischen Banken schaden könnte. Nach spanischen und französischen sind italienische Banken die am stärksten in…

Türkei-Risiken beherrschbar für europäische Banken

Der massive Verfall der türkischen Lira – die Währung hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang April mittlerweile über 70% an Wert verloren -, der sich insbesondere in der vergangenen Woche noch einmal beschleunigt hat, hat die wirtschaftlichen Probleme der Türkei in den Vordergrund und das Bewusstsein der Marktakteure gerückt. Wenig überraschend sind in diesem Umfeld insbesondere die Aktien und Anleihen türkischer Banken unter Druck geraten, doch viele Marktbeobachter sprechen von einem Pulverfass und fürchten mögliche Ansteckungseffekte auf andere Entwicklungsländer und andere Bankensysteme. Und so gerieten auch einige europäische Banken immer stärker in den Blick der Marktteilnehmer – spätestens, nachdem die Financial Times (FT) am Freitag in einem Artikel schrieb, dass sich die EZB-Bankenaufsicht mit Blick auf den Verfall der türkischen Währung zunehmend um Institute mit starkem Engagement in dem Land sorge. Vor allem die Großbanken BBVA, BNP Paribas und UniCredit stünden, so die Zeitung weiter, unter besonderer Beobachtung, die Lage…

Es bleibt dabei: Hohe Netto-Zinseinbußen der privaten Haushalte in Deutschland

In ihrem Wirtschaftsbericht vom August berechnet die Europäische Zentralbank die Veränderung der Netto-Zinseinkommen privater Haushalte im Euroraum für den Zeitraum von 2008 bis 2017. Für Deutschland kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Zinserträge nur marginal größer ausfiel als der Rückgang der Zinsbelastungen durch Kredite. Die extrem niedrigen Zinsen hätten damit nur geringen Einfluss auf die Nettozinseinkommen der privaten Haushalte. Die EZB reagiert damit auf die – vor allem auch von uns – geäußerte Kritik zu den Auswirkungen ihrer Geldpolitik. Allerdings bezieht sie in die Berechnung der Zinseinnahmen im wesentlichen nur Einlagen und Anleihen ein und lässt Lebens- und Pensionsversicherung außen vor. Die machen in Deutschland jedoch über 30 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens aus. Obwohl der Garantiezins den Anlegern einen gewissen Schutz vor Zinsrückgängen bietet, hat die langanhaltende Niedrigzinsphase auch stark an der Durchschnittsrendite von Lebensversicherungen geknabbert. Das liegt daran, dass der Garantiezins für Neuverträge im Laufe…

Euro-Raum: Unsicherheit bestimmt das Wirtschaftswachstum – Inflation überschreitet leicht 2 Prozent-Marke

Die Konjunktur im Währungsgebiet hat sich seit dem Schlussquartal 2017 merklich verlangsamt. Nach 0,7 Prozent Ende 2017, wuchs das Bruttoinlandsprodukt bereits zu Jahresbeginn nur noch um 0,4 Prozent und hat das Tempo in Q2 ein weiteres Stück auf 0,3 Prozent gedrosselt. Dabei hat sich die Verlangsamung der konjunkturellen Gangart nahezu parallel in den meisten großen Euro-Volkswirtschaften entwickelt. In Frankreich hat der Bahnstreik gegen die inzwischen umgesetzte Reform der französischen Staatsbahn die gesamtwirtschaftliche Produktion merklich auf 0,2 Prozent abgebremst. Ein Umstand, den man auch im benachbarten Belgien zu spüren bekam. Das belgische Königreich ist eng mit der französischen und der deutschen Wirtschaft verknüpft. Die abgeflachte Dynamik der beiden Nachbarländer hat offenbar auch hier mit mauen 0,3 Prozent seine Spuren hinterlassen. Eine Ausnahme in dem sonst eher verhaltenen Bild ist Spanien. Trotz der innenpolitischen Turbulenzen, mit Blick auf die Regierungskrise im Juni und dem anhaltend schwelenden Katalonienkonflikt, wurde das hohe Tempo der Vorquartale nahezu gehalten. Im…

Frankreichs Bahnstreik bremst Wirtschaftswachstum aus

Das Wirtschaftswachstum in Frankreich im zweiten Quartal 2018 belief sich gemäß der Schnellschätzung auf moderate 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit wurde die schwache Dynamik vom Vorquartal beibehalten. Insgesamt passen die heutigen Daten zu unserem Prognosebild. Während im ersten Vierteljahr noch eine ausgeprägte kalte Winterwitterung ein stärkeres Wachstum verhinderte, so dürfte zuletzt der Bahnstreik gegen die inzwischen umgesetzte Reform der französischen Staatsbahn die gesamtwirtschaftliche Produktion gebremst haben. Der Streik hatte sich fast über das gesamte Quartal hingezogen. Zudem haben sich während des Quartalsverlaufs die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten erhöht, etwa durch die Handelstreitigkeiten zwischen den USA und der EU. Positive Beiträge zum Quartalswachstum lieferten im zweiten Quartal die öffentlichen Konsumausgaben und im stärkeren Ausmaß die Investitionen. Gerade das letztere ist erfreulich, denn die oben erwähnten Unsicherheiten haben demnach den intakten Investitionszyklus bei den französischen Unternehmen nicht zum Erliegen gebracht. Negativ schlugen dagegen die privaten Konsumausgaben – wenn auch nur leicht – sowie…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Industrie zeigt sich etwas zuversichtlicher, ansonsten weiterhin gedämpfte Wachstumsaussichten

Gemäß den vorläufigen Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragung im Euro-Raum gaben die Stimmungsbarometer im Juli gegenüber dem Vormonat nur leicht nach. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum ging nach einem Anstieg im Vormonat wieder leicht zurück. Von den hohen Niveaus des Vorjahres bleibt er auch ein gutes Stück entfernt. Trotzdem, in Anbetracht des schwelenden Handelskonflikts eine vergleichsweise robuste Entwicklung. Das Signal, welches von der Umfrage ausgeht, ist aber weiterhin ein erneut gedämpftes Wachstum zu Beginn des dritten Quartals 2018. Dies deckt sich mit unserem Prognosebild. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum ging im Juli gemäß den vorläufigen Zahlen von 54,9 auf 54,3 Indexpunkte zurück. Dahinter steht eine leicht verbesserte Einschätzung der Industrie, während das Sentiment bei den Dienstleistern wieder etwas zurückging. Das Wachstumstempo fiel im Juli relativ etwas schwächer aus. Nach Angaben der befragten Einkaufsmanager trugen der schwächere Auftragseingang und die geringeren Geschäftserwartungen für zukünftige Aktivitäten dazu bei. Auf nationaler Ebene fiel…

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