Eurozone

Brexit-Verhandlungsphase II kommt

Vorweihnachtliche Harmonie in Brüssel und London: Nach Aussagen ranghoher Vertreter der Europäischen Union, darunter Kommissionspräsident Juncker und Brexit-Chefunterhändler Barnier, sowie der britischen Premierministerin May wurde bei den seit Monaten andauernden Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens ein Durchbruch erzielt. Laut einem Statement der EU-Kommission sei ein „ausreichender Fortschritt“ erreicht worden, so dass dem kommende Woche anstehenden EU-Gipfel empfohlen wird, die zweite Gesprächsphase einzuläuten. Sollte dies geschehen, hat EU-Ratspräsident Tusk angekündigt, unmittelbar mit den Verhandlungen über eine Übergangsphase und die künftige Partnerschaft beginnen zu wollen. Das Britische Pfund regierte sehr erfreut auf die Ankündigung und kletterte gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit Juni dieses Jahres. Wegweisend für den Durchbruch war offenbar die Zusage Theresa Mays, dass es keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben werde. Demnach würden entweder die Regelungen des EU-Binnenmarktes im nordirischen Teil der Insel weiter Gültigkeit besitzen oder Großbritannien schlägt eine für die EU annehmbare Lösung…

Inflationsrate im Euroraum: Energiepreise sorgen für nur kleinen Anstieg

Die heutige Schnellschätzung für die Entwicklung der Verbraucherpreise im November wies eine Inflationsrate von +1,5 Prozent aus. Im Vormonat hatte sie noch bei +1,4 gelegen. Damit hat sich Inflationsrate dem eigentlichen Ziel der europäischen Zentralbank (EZB) für Verbraucherpreisentwicklung von „unter aber nahe 2 Prozent“ zwar wieder etwas angenähert. Dass sie dies aber in den kommenden Monaten erreicht und dauerhaft in allen Mitgliedsländern dort bleibt, darf weiterhin bezweifelt werden. Der zugrundeliegende Trend in den EWU-Ländern ist derzeit einheitlich: Höhere Preise für Energie sorgen für einen leichten Anstieg der Inflationsrate. Der Preisauftrieb in den anderen Güter- und Dienstleistungsbereichen fiel weitestgehend verhalten aus.  Gemäß ersten Schätzungen für den November lag die Inflationsrate – gemessen am europaweit einheitlich ermittelten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – in Deutschland bei +1,8 Prozent, in Spanien bei +1,7 Prozent, in Frankreich bei +1,3 Prozent und in Italien bei +1,1 Prozent. Dies zeigt, dass das Inflationsniveau auf Länderebene weiterhin deutlich auseinanderklafft….

EU Parlament könnte Belastung vieler Banken erleichtern

Die Banken in der EU verfügen in einzelnen Ländern über enorm hohe Bestände an zahlungsgestörten Krediten (NPLs). So ist der Durchschnitt in der EU zwar in den letzten Jahren gesunken, von 6,5% Ende 2014 auf 4,5% Ende Juni 2017, er liegt damit aber immer noch deutlich über dem Wert in den USA (1,2% per Ende Juni 2017). Zudem liegt er in einigen Ländern teilweise deutlich über 10%. Der Abbau dieser NPLs erfolgte in den letzten Jahren sehr schleppend, da ein solcher die Eigenkapitalquoten der Banken in der Regel doppelt trifft: zum einen belasten Veräußerungsverluste bei den zu verkaufenden Portfolien die Ertragslage und somit die Eigenkapitalquoten. Zum anderen sorgen sie dafür, dass die Verlustschätzungen für den Restbestand an Krediten beziehungsweise vor allem für die in den Bankbilanzen verbleibenden NPLs und damit die berechneten Kreditrisikoaktiva höher ausfallen. Genau hier setzt möglicherweise das EU-Parlament an. So schlägt der Ausschuss für Wirtschaft und Währung…

Das italienische Bankensystem bleibt anfällig

Nach einem turbulenten ersten Halbjahr war es ein wenig ruhiger geworden um die italienischen Banken, doch nun haben die Probleme von Banca Carige den Fokus der Marktteilnehmer wieder auf den Sektor gelenkt. Die Bank aus Genua benötigt dringend frisches Kapital, doch die Geldbeschaffung drohte zu scheitern. Durch mittlerweile ausgesprochene Übernahmegarantien von unter Umständen nicht gezeichneten neuen Aktien scheint die Kapitalerhöhung, die bis zum 6. Dezember laufen wird, nun zwar „in trockenen Tüchern“, doch es bleibt abzuwarten, ob die weitere Sanierung des Instituts gelingt. Wieder sind es vor allem hohe Volumina an notleidenden Krediten (NPL), die für die Probleme der Bank verantwortlich sind und ihr Kapital aufzehren. Der ganze italienische Bankensektor ächzt weiterhin unter der schlechten Kreditqualität. Insgesamt noch rund 300 Mrd. Euro an „sofferenze“ – Kredite, ausgereicht an insolvente oder ähnlich bonitätsschwache Schuldner – halten die italienischen Banken noch in ihren Büchern. Dabei handelt es sich vor allem um an…

Stimmung der Einkaufsmanager im Euro-Raum kennt kein Halten

    Die schon in den vergangenen Monaten sehr gute Stimmung unter den europäischen Einkaufsmanagern hat sich im November nochmal verbessert. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich zogen die jeweiligen Stimmungsbarometer nochmal an. In beiden Sektoren führen gemäß der vorläufigen Ergebnisse Kapazitätsengpässe zu einem verstärkten Beschäftigungsaufbau, der im November so stark ausgefallen ist, wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Damit festigt sich nicht nur der konjunkturelle Aufschwung, er gewinnt mehr und mehr an Breite. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum stieg von 56,0 auf 57,5 Indexpunkte. Das ist der höchste Stand seit 79 Monaten! Auftragslage, Produktion und Beschäftigungsabsichten werden durchweg sehr gut bewertet. Die betrifft vor allem die wirtschaftlichen Schwergewichte Deutschland und Frankreich. In Deutschland dürfte die konjunkturelle Dynamik aufgrund der Befragungsergebnisse auch im Schlussquartal ungebrochen stark bleiben. Die Ampel steht bei Produktion, Auftragslage und Beschäftigung tief im grünen Bereich. In der Industrie stieg das Stimmungsbarometer um…

Euro-Raum: Inlandsnachfrage trägt das Wachstum, Export als wichtiger Impulsgeber

Der wirtschaftliche Aufschwung der Euro-Raum hält nun schon das vierte Jahr in Folge an. Nach dem Überwinden der tiefen Rezession der Finanzkrise im Jahr 2009 und der Rezession der Jahre 2012 und 2013 in Folge der Staatsschuldenkrise erweist sich die derzeitige Erholung als recht kräftig. Für das Jahr 2017 erwarten wir den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen Währungsunion bei +2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wird sich voraussichtlich auch im kommenden Jahr ähnlich stark fortsetzen und dürfte bei +2,0 Prozent liegen. Ein genaueres Bild über die Wachstumstreiber gibt eine Aufschlüsselung der beiden Größen Außenbeitrag und inländische Verwendung, als maßgebliche Größen der Nachfrageseite. Der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte schlägt seit 2014 kaum noch zu Buche, weil die Zuwachsraten der Exporte und Importe ähnlich stark ausfallen und der Nettoeffekt des Außenbeitrags daher fast neutral ausfällt. Innerhalb der inländischen Verwendung kommt der größte Wachstumsbeitrag von den privaten Konsumausgaben, gefolgt von den Investitionen….

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