Eurozone

Anleihekäufe der EZB lassen Target2-Salden steigen

Der deutsche Target2-Saldo ist in jüngster Vergangenheit wieder merklich angestiegen und summiert sich derzeit auf etwa 916 Mrd. Euro (Stand Mai). Im Gegenzug sind auch die Target2-Verbindlichkeiten der europäischen Peripherie weiter angewachsen. Spitzenreiter ist hier weiterhin Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 517 Mrd. Euro. Der Anstieg der Target2-Salden dürfte vor allem durch das Anleiheankaufprogramm der EZB beeinflusst sein. So geht der Anstieg der positiven Target-Salden in Deutschland, Finnland, Luxemburg, Irland und den Niederlanden vergleichsweise eng mit einem Anwachsen des EZB-Anleiheportfolios einher. Perspektivisch ist allerdings davon auszugehen, dass sich das Auseinanderdriften der Target2-Salden weiter fortsetzt. So haben die europäischen Währungshüter zuletzt den Ankaufrahmen für das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) um 600 Mrd. Euro auf nunmehr 1.350 Mrd. Euro aufgestockt. Eine Trendwende bei der Entwicklung der Target2-Salden erscheint daher bis auf weiteres nicht abzusehen. Die Konstruktion des Target2-Systems legt nahe, dass keine gravierenden Risiken für die Gläubiger bestehen, solange das…

Der Euroraum ist stabil

Der konjunkturelle Tiefpunkt wurde im April/Mai durchschritten, soweit die gute Nachricht. Die Tiefe des konjunkturellen Falls war jedoch ohne jedes Beispiel und Folgen für Investitionen und Beschäftigung werden erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. Im Euroraum trafen die größten Belastungen Spanien und Italien. Mit Italien war ein Land betroffen, dass bereits in den letzten Jahren von einer ausgeprägten politischen und wirtschaftlichen Strukturkrise erfasst war. Die Staaten haben reagiert und versuchen, durch eine kräftige Steigerung der Staatsausgaben die negativen Effekte der Corona-Krise abzufedern. Die Staatsverschuldungsquote sollte daher auf etwa 104 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in 2020 im Euroraum steigen, wobei Italien mit 160 Prozent heraussticht. Diese Entwicklung führte bislang aber nicht zu einer Diskussion über die Stabilität des Euroraums und einer Neuauflage der Eurokrise. Ausschlaggebend für die gelassene Entwicklung war der Zusammenhalt der Euro-Länder und die Unterstützung der EZB. Die EZB hat durch Staatsanleihekäufe und dauerhaft niedrige Zinsen die Schuldentragfähigkeit der…

Inflationsrate in der EWU knapp über Null – negative Werte in der Zweiten Jahreshälfte zu erwarten

  Der Auftrieb bei den Verbraucherpreisen im Euro-Raum bleibt im Juni gemäß der vorläufigen Berechnung von Eurostat nur verhalten. Die Inflationsrate, gemessen am europaweit harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), lag im Juni gemäß der vorläufigen Berechnung bei 0,3 Prozent. Damit war die Rate etwas höher als im Vormonat mit 0,1 Prozent. Dabei ließ der hohe Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln etwas nach, für Energie musste erneut deutlich weniger bezahlt werden als noch vor einem Jahr. Bei den übrigen Dienstleistungs- und Güterpreisen bleibt der Preisauftrieb positiv aber moderat. Noch immer konnten wegen der Coronakrise nicht alle Preisdaten erhoben werden. Im Juni mussten in der Summe 11 Prozent der relevanten Daten geschätzt werden. Damit ergibt sich eine gewisse Fehleranfälligkeit der Daten. Auf Länderebene zog die Inflationsrate in Deutschland von 0,5 auf 0,8 Prozent an. In Frankreich verringerte sie sich von 0,4 auf 0,1 Prozent, Spanien und Italien verzeichneten negative Raten von -0,3 beziehungsweise -0,4 Prozent. Eine…

Also doch eine V-förmige Erholung?

Die Indikatoren der Woche: Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni so stark angestiegen wie nie zuvor, und die Stimmung unter den Einkaufsmanagern in der Industrie hat sich kräftig erholt und war zuletzt schon wieder besser als im vierten Quartal 2019. Angesichts der immer noch schwierigen Situation von Unternehmen in vielen Branchen überraschen diese Meldungen. Können wir also doch mit einer schnellen V-förmigen Wirtschaftserholung rechnen? Der Anstieg der Geschäftstätigkeit würde ähnlich schnell erfolgen wie der Einbruch in März und April – die schnelle Kurserholung an den Aktienmärkten wäre hierfür ein guter Vorbote gewesen. Doch es gibt einige Gründe, warum sich der rasche Anstieg der Stimmungsindikatoren nicht in eine entsprechende Erholung der Realwirtschaft übersetzen wird. Zum einen bedeutet ein Einkaufsmanagerindex im Bereich von 50 Punkten nicht, dass sich die Wirtschaft wieder im „Normalzustand“ befindet. Er zeigt lediglich an, dass im Vergleich zum Vormonat keine weitere Verschlechterung eingetreten ist. Und der starke Anstieg beim…

ifo-Geschäftsklima: „Der stärkste jemals gemessene Anstieg“

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juni weiter stark verbessert. Das zeigt die Umfrage des ifo-Instituts. Der Geschäftsklimaindex ist von 79,7 auf 86,2 Punkte angestiegen, und das ifo-Institut hebt hervor, dass es sich damit um den „stärksten jemals gemessenen Anstieg“ handelt. Aber heißt das auch, dass sich die reale Lage der deutschen Unternehmen im Juni entsprechend stark verbessert hat? Davon kann man leider nicht ausgehen. Zum einen ist der jüngste Anstieg des Geschäftsklimaindexes stark erwartungsbedingt. Das heißt, dass die Unternehmen davon ausgehen, dass sich ihre Umsätze bzw. ihre Produktion in den nächsten sechs Monaten – verglichen mit dem Status quo – positiv entwickeln werden. Das anzunehmen ist angesichts der in den meisten Branchen immer noch sehr schwierigen Situation sicherlich plausibel. Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sind die Unternehmen dagegen deutlich vorsichtiger. Die Messzahl für die aktuelle Lage hat sich im Juni von dem Tief im Vormonat…

Globaler Handel vorübergehend auf Entzug

Der Corona-bedingte Lockdown hat weltweit zu gravierenden gesamtwirtschaftlichen Einbußen geführt. Das haben die starken Rückgänge des Bruttoinlandsproduktes in vielen Regionen bereits gezeigt. Angesichts dessen fiel der Rückgang im globalen Warenhandel zwischen Januar und März vergleichsweise gedämpft aus. Ein Grund ist auch der regional stark unterschiedliche Verlauf der Pandemie und den damit einhergehenden Lockdown-Maßnahmen. Aktuelle Daten deuten allerdings daraufhin, dass der Tiefpunkt im Außenhandel noch nicht erreicht wurde. Insbesondere in Ostasien zeigen Zahlen für den Mai, dass sich der Rückgang im Güteraußenhandel offenbar nochmals verstärkt hat. Besonders die Importtätigkeit aus den wichtigen Handelsregionen EU und den USA verringerte sich abermals deutlich. Ähnlich pessimistische Signale deuten die Auslandsaufträge der globalen Einkaufsmanager (PMI; J.P. Morgan Chase Bank/ IHS Markit) ebenfalls für den Mai an. Demnach haben sich zwei entscheidende Probleme für die Unternehmen bisher nicht auflösen können. Nicht nur die stark eingetrübte Nachfrage bleibt erheblich geschwächt. Viele Betriebe melden auch weiterhin Störungen in…

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