Eurozone

Euro-Raum: Endet der Aufschwung am Arbeitsmarkt?

Die Arbeitslosenquote des Euro-Raums kennt seit mehreren Jahren eigentlich nur eine Richtung: Es geht nahezu ungebremst bergab – im positiven Sinne. Setzt sich der Trend fort, dürfte das Vorkrisenniveau mit 7,3 Prozent vom März 2008 in zwei bis drei Monaten erreicht sein. Doch ein Ende der Erholungsphase scheint allmählich in Sicht zu kommen. Der von uns berechnete Indikator für die Arbeitslosenquote im Euro-Raum deutet seit Monaten eine merkliche Verlangsamung des Abwärtstrends an, die zunehmend sichtbar in eine Bodenbildung übergehen dürfte. Noch überwiegt die Zahl der Euroländer, in denen die Erholung am Arbeitsmarkt intakt ist. Eine Reihe von Ländern hat in den vergangenen beiden Jahren aber bereits eine sehr niedrige Arbeitslosenquote erreicht. Hier wurden historische Tiefstände bereits unterschritten oder es herrscht praktisch nahezu Vollbeschäftigung. Ein weiterer Beitrag zur Senkung der Arbeitslosenquote ist von diesen Ländern kaum mehr zu erwarten. Eine Verlangsamung der Erholung am Arbeitsmarkt deckt sich auch mit unserem generellen…

EZB: Rennen um Draghi-Nachfolge in vollem Gange

Ende Oktober endet die achtjährige Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi und nach wie vor ist unklar, wer die Nachfolge des Italieners antreten wird. Unabhängig davon, wer letztlich die EZB-Amtsgeschäfte ab November leiten wird, gehen wir von einer Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik aus. Denn die geldpolitische Marschrichtung der Notenbank wird nicht vom Vorsitzenden allein festgelegt, sondern vom geldpolitischen Rat als Ganzes. Somit wird selbst ein bekennender Zinsfalke keinen unmittelbaren Kursschwenk herbeiführen können. In den kommenden Wochen muss jedoch nicht nur ein Nachfolger für EZB-Chef Draghi gefunden werden, sondern auch für den ebenfalls aus dem Amt scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Einem ungeschriebenen Gesetz zufolge werden beide Spitzenpositionen nicht mit Vertretern eines einzelnen europäischen Landes besetzt. Da das Europäische Parlament bereits Anfang Juli über den EU-Kommissionsvorsitz abstimmen dürfte, wird der Ausgang dieses Personalpokers richtungsweisend für die Besetzung des EZB-Vorsitzes sein. Neben Bundesbankchef Weidmann werden noch zwei Franzosen (Villeroy de Galhau / Coeuré) und…

Warum dieser Aktionismus bei der EZB?

Völlig überraschend und aus meiner Sicht auch ohne nachvollziehbaren ökonomischen Grund hat Notenbankchef Draghi gestern die EZB unter enormen Zugzwang gesetzt: Er kündigte an, dass die EZB weitere geldpolitische Stimuli erwägt, sollte die Inflation nicht anziehen und sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Wochen nicht verbessern. Höchst ungewöhnlich für eine Notenbank forderte Draghi ausdrücklich eine Verbesserung der konjunkturellen Lage sowie eine höhere Inflationserwartung. Dies bedeutet natürlich, dass die EZB von der aktuellen Lage überrascht wurde oder man in den letzten Wochen zu zögerlich war. Explizit wurde eine weitere Zinssenkung angekündigt und – sollte das nicht reichen – ein weiteres Anleihekaufprogramm. Rein formal könnte der Auslöser für die neue geldpolitische Ausrichtung der deutliche Rückgang der Inflationserwartungen sein. Entscheidend scheinen die längerfristigen Inflationserwartungen zu sein, die – trotz der verlängerten Forward Guidance – seit der letzten EZB-Sitzung nochmals deutlich gesunken sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Einbruch nicht…

EZB: Notfalls handlungsbereit

Die EZB hat im Rahmen der heutigen Sitzung ihre Forward Guidance adjustiert. Hieß es im geldpolitischen Statement bislang, dass die Leitzinsen mindestens über das Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden, wurde dieser Zeitrahmen nun bis mindestens Mitte des kommenden Jahres ausgedehnt. Damit tragen die Notenbank-Oberen den derzeit auszumachenden Risikofaktoren (Handelsstreit / Brexit) für den gesamteuropäischen Konjunkturausblick Rechnung. Die vorsichtige Haltung der Notenbank spiegelt sich auch in den überarbeiteten Stabsprojektionen wider. Für die Zeithorizonte 2020 und 2021 wurde der Wachstumsausblick leicht nach unten revidiert. Zugleich war Draghi aber auch bemüht, nicht übermäßig pessimistisch zu wirken. So verwies er in diesem Zusammenhang auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Inflationsprojektionen wurden nur geringfügig angepasst. Bemerkenswert ist, dass der längerfristige Ausblick (2021) unverändert geblieben ist. Marktseitig waren zuletzt verstärkt Zweifel aufgekommen, wonach die EZB ihr selbstgestecktes Inflationsziel erreichen kann. Diesen Befürchtungen hat Draghi durchaus energisch widersprochen. Seiner Einschätzung nach seien gegenwärtig…

Inflationsanstieg im Euro-Raum merklich langsamer

Im Mai hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise im Euro-Raum merklich verlangsamt. Die Inflationsrate – gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) – sank gemäß der Schnellschätzung von Eurostat von 1,7% im April auf 1,2% im Mai. Dies ist hauptsächlich auf einen geringeren Anstieg der Preise für Dienstleistungen zurückzuführen. Während der Osterferienzeit im vergangenen Monat hatten sich Dienstleistungen stärker als sonst verteuert. Dieser Preisanstieg wurde im Mai nun wieder korrigiert. Da die Teuerung bei den sonstigen Gütern, bei den Nahrungsmitteln und bei Energie nur moderat ausfiel, hat sich die Inflationsrate insgesamt reduziert. Auf Länderebene berichteten alle Volkswirtschaften, die Schnellschätzungen veröffentlichen, ebenfalls von niedrigeren Verbraucherpreisanstiegen. Besonders deutlich fielen die Korrekturen in Deutschland und Spanien aus. Hier verringerte sich die Jahresrate um 0,8 beziehungsweise 0,7 Prozentpunkte. Die deutsche Inflationsrate lag im Mai bei 1,3%, die spanische sogar nur bei 0,9%. Wie geht es nun weiter? Nach dem Auslaufen des Ostereffektes deutet im Moment kaum…

Geld- kann Fiskalpolitik nicht ersetzen

Die steigenden Risikoprämien für italienische Staatsanleihen sind der Lega und ihrem Vize-Regierungschef Salvini ein Dorn im Auge. Aktuell muss die Regierung in Rom einen Zuschlag von fast drei Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen zahlen, wenn sie sich für zehn Jahre neues Geld am Finanzmarkt leiht. Selbst das krisengebeutelte Griechenland leistet inzwischen kaum höhere Zuschläge. Salvini hat deswegen im Glanze des Sieges seiner Partei bei der Europawahl gefordert, dass nicht Italien, sondern die EZB die Mehrkosten Italiens bei der Refinanzierung tragen solle. Details zur Umsetzung des Vorschlags blieb Salvini bislang allerdings schuldig. Wie auch immer Salvini die Idee konkret umsetzen möchte, sie weist aus mehreren Gründen in die falsche Richtung. Zum einen gilt seit Bestehen der Eurozone: Monetäre Staatsfinanzierung (durch die EZB) ist verboten. Die Behauptung, dass die EZB bereits heute monetäre Staatsfinanzierung betreibe, ist falsch und unterliegt einem grundlegenden Irrtum. Das Anleihekaufprogramm der EZB, PSPP, dient per Definition dem Zweck, die Preisniveaustabilität…

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