Eurozone

EZB-Geldpolitik bis Sommer 2019 auf Autopilot

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen beschlossen, das Anleiheankaufprogramm (APP) bis zum Ende des Jahres zu verlängern. Sollte sich die Inflation in die von der Notenbank gewünschten Richtung entwickeln, wird das Volumen der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) ab Oktober auf 15 Mrd. Euro vermindert. Unter den genannten Voraussetzungen würden die Nettoneukäufe dann Ende Dezember beendet werden. Um unerwünschten Zinserhöhungsspekulationen zu begegnen, hat die EZB ihre Forward Guidance für den Leitzinsausblick grundlegend adjustiert. So gehen die Währungshüter nunmehr davon aus, dass die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben werden. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die EZB für einen solch langen Zeitraum festlegt. Dies wurde von den Marktakteuren als „dovishes“ Signal interpretiert und der Bund-Future hat mit Kursgewinnen reagiert. Aus der Forward Guidance selbst lässt sich nicht sicher ableiten, inwieweit die EZB eine Zinserhöhung für Herbst 2019 oder sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt erwägen…

Die Welt ist im Wandel – Deutschland muss sich positionieren

Der Themenpalette auf dem kommenden G7 Treffen – das sich langsam in G6 plus 1 (USA) wandelt – zeigt eindringlich, wie die Weltpolitik sich verändert. Die Globalisierung hat zu großen sozialen Verschiebungen geführt, die politisch nicht ausreichend abgefedert wurden. Die Digitalisierung hat die Veränderungsgeschwindigkeit in den Gesellschaften spürbar erhöht. Globale Wanderungsbewegungen, angetrieben durch Krieg, Armut und Klimaveränderungen, führen zu einem hohen Migrationsdruck in den Industrieländern. Die Folge in den Gesellschaften sind zunehmende Verlust- oder/und Abstiegsängste. Diese Entwicklungen haben spürbare Folgen in der politischen Willensbildung in den Industrieländern. Die Menschen werden empfänglich für populistische Politik und vermeintlich einfache Antworten auf komplexe Probleme. Hinzu kommt eine zunehmende Entfremdung der politischen Klasse von der restlichen Bevölkerung. Ergebnisse dieser Umwälzungen sind nicht zuletzt die Wahl von US Präsident Trump und die neue italienische Regierung. Insbesondere Trump krempelt mit seinem Politikstil, der zu einem Großteil auf Unberechenbarkeit fußt und die Interessen der USA in den…

Das Risiko einer Italien-Pleite – ein Szenario

Italiens politische Krise hat die Finanzmärkte mit voller Wucht getroffen. Die Ausschläge bei den Renditen italienischer Staatsanleihen haben längst Niveaus wie zu den Hochzeiten der Staatenfinanzkrise erreicht. Allerdings ist die Solvenz des italienischen Staates weniger durch überschießende Renditen gefährdet. Angesichts einer Duration von fast sieben Jahren fallen steigende Refinanzierungskosten erst langfristig nennenswert ins Gewicht. Weitaus problematischer wäre es, wenn sich Italiens Liquiditätslage rapide verschlechtern würde. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die anstehenden Auktionen italienischer Staatsanleihen nicht den gewünschten Erfolg brächten und die Käufer trotz hoher Renditen in den Streik treten würden. Das gesamte Refinanzierungsvolumen auslaufender Bonds des italienischen Staates beläuft sich bis Ende 2018 auf 136,2 Mrd. Euro. Italien dürfte ohne Marktzugang kaum in der Lage sein, diesen Finanzaufwand aus eigener Kraft zu stemmen. Tritt dieses Szenario ein, könnte Rom rasch an den Punkt gelangen, die E(W)U um finanzielle Hilfe bitten zu müssen. Der ESM in Verbindung…

Merkel steht europapolitisch zwischen den Stühlen

Bundeskanzlerin Merkel hat ihr Schweigen nun doch gebrochen und ihre Reformversion für die Zukunftsfestigkeit der Eurozone vorgestellt. Sie hat lange gezögert und gezaudert – wollen sich doch die Regierungschefs der Währungsgemeinschaft bereits Ende dieses Monats treffen, um über eine neue Architektur des Euro zu verhandeln. Ihren Stempel wird Merkel der Debatte nicht mehr aufdrucken können, hatte doch schon Präsident Macron vor Monaten bereits für seine Vorstellungen eines solidarischen Europas mit vertiefter finanzieller Gemeinschaft werben können. Merkel steht zwischen den Stühlen – sie muss zwischen innenpolitischen Stimmungen und europapolitischen Erwägungen eine Balance finden. Auf der einen Seite darf sie zu Hause sowohl ihren Koalitionspartner als auch die eigenen Reihen der Union nicht verprellen. Vor allem mit Blick auf die bayerischen Landtagswahlen im Herbst dieses Jahres wird die CSU auf einen harten Kurs gegenüber den, ihrer Einschätzung nach, fiskalisch verantwortungslos handelnden Peripherieländer pochen. Auf der anderen Seite versucht Merkel ihren europäischen Bündnispartnern…

Inflationsrate im Euro-Raum: Ölpreis, das schwarze Schaf

Die Inflationsrate im Euro-Raum macht einen überraschend kräftigen Satz nach oben. Die jährliche Rate hat sich innerhalb von nur einem Monat von +1,2 Prozent auf +1,9 Prozent beschleunigt. Damit liegt sie auf den ersten Blick auf der Zielgeraden nach EZB-Vorstellung, die eine Teuerung nahe aber unter 2 Prozent anstrebt. Die Preistreiber im Mai lassen sich im Wesentlichen auf zwei Komponenten eingrenzen: Ein Auslaufen des sogenannten Ostereffekts und auf einen markanten Anstieg des Ölpreises. Da das Osterfest in diesem Jahr in den März rutschte, stiegen die Preise vor allem für tourismusnahe Dienstleistungen in dem Monat besonders kräftig an. Im April folgte dann ein entgegengesetzter Effekt und die Preise gaben im Vorjahresvergleich überdurchschnittlich stark nach. Diese Verwerfungen (Ostereffekt) sind im Mai nun weitestgehend ausgelaufen und haben den Preisdruck bei den Dienstleistungen wieder „normalisiert“. Daher wurde auch bei der Kernrate – also der Teuerungsrate ohne Energie-, Nahrungs- und Genussmitteln – ein sichtbarer Anstieg auf +1,1 Prozent vermeldet,…

Droht nach dem Zinsanstieg eine Pleitewelle europäischer Zombie-Unternehmen?

In den meisten europäischen Ländern sind die Firmenpleiten in den letzten Jahren zurückgegangen. Hierzu haben neben der konjunkturellen Erholung auch die extrem niedrigen Kreditzinsen beigetragen. Die daraus resultierende Kostenersparnis ist zwar erfreulich für die Unternehmen. Allerdings besteht die Gefahr, dass das langanhaltende Niedrigzinsumfeld die Entstehung von Zombie-Unternehmen begünstigt. Die Sorgen richten sich auf die Zeit, wenn die Zinsen wieder signifikant steigen. Das dürfte viele Zombie-Unternehmen überfordern und könnte eine Pleitewelle auslösen. In Deutschland und Frankreich besteht kaum Gefahr, dass ein signifikanter Anstieg des Zinsniveaus in eine Pleitewelle führt. Hier nutzen die Firmen vorwiegend mittel- und langfristige Festzinskredite, die ihnen das niedrige Zinsniveau über einen längeren Zeitraum sichern. Vor allem aber spricht die niedrige Non-Performing Loans-Quote bei Unternehmenskrediten für eine geringe Verbreitung von Zombie-Unternehmen. Sorgen um eine kräftig wachsende Zahl an Insolvenzen bei einem Zinsanstieg müssen sich dagegen Portugal, Italien und Irland machen. Hier deuten hohe NPL-Quoten auf eine stärkere Verbreitung…

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