Eurozone

Einkaufsmanager im Euro-Raum: Industrieklima trotzt Corona-Sorgen

Der befürchtete Sentiment-Rückgang in der europäischen Privatwirtschaft ist erst einmal ausgeblieben. Laut den Ergebnissen der Einkaufsmanagerbefragungen im Februar konnte sich die Stimmung sowohl im Dienstleistungssektor (von 52,5 auf 52,8 Zähler) als auch der Industrie verbessern. Letztere überrascht sogar mit einer merklich nachlassenden Skepsis. Trotz der Sorge vor einer Ausbreitung des Corona-Virus stieg der Index für das verarbeitende Gewerbe gegenüber dem Vormonat um kräftige 1,2 auf 49,1 Zähler an. Damit hat sich der Abstand zur „Wachstumsschwelle“ von 50 Punkten, ab der ein Produktionszuwachs signalisiert wird, deutlich verringert. Bereits seit mehreren Monaten leidet die europäische Industrie unter dem abflauenden Welthandel. Mit dem Corona-Virus war zuletzt ein neues Großrisiko hinzugekommen. Für den Moment dürften die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Sars-CoV-2 genannten Erregers aber vor allem auf den südostasiatischen Raum konzentriert bleiben. Zwar wurden auch in Europa erste Lieferengpässe gemeldet. Die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum sollten aus jetziger Sicht jedoch…

Wohnen ist teurer als (statistisch) gedacht!

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat seit Jahren trotz der extrem expansiven Ausrichtung der Geldpolitik das Inflationsziel von knapp unter 2 Prozent verfehlt. Ein Grund dafür dürfte auch in den nur unzureichend erfassten Kosten für das Wohnen im harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euro-Raum liegen. Gemäß verschiedener Verbrauchererhebungen wenden die privaten Haushalte den größten Anteil ihres verfügbaren Einkommens für den Bereich Wohnen auf. Zu diesen Kosten zählen neben den gezahlten Mieten auch Zinsen und Tilgungen auf Hypotheken für den selbstgenutzten Wohnraum. In den HVPI für den Euro-Raum gehen tatsächlich gezahlte Mieten nur mit einem Gewicht von 6,5 Prozent ein. Der gesamte Bereich der Kosten für selbstgenutzte Wohnimmobilien wird dagegen gar nicht berücksichtigt. Gemäß der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung belief sich der Anteil der gezahlten Wohnungsmieten und der unterstellten Mieten an den gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte 2018 im Euro-Raum aber auf zusammen 17 Prozent. Lässt man die Kosten für den selbstgenutzten Wohnraum anhand…

Zankapfel EU-Haushalt: Blockade statt Fortschritt

Im Streit um den künftigen mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU soll nun endlich eine Einigung erzielt werden. Diese ist längst überfällig, denn der aktuelle MFR läuft zum Ende dieses Jahres aus. Der amtierende Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, hat nun die Notbremse gezogen und für den 20. Februar einen Sondergipfel einberufen. Angesichts etlicher Streitpunkte der Mitgliedsstaaten ist eine schnelle Einigung nicht abzusehen. Durch den Brexit entsteht auf der Einnahmenseite eine Milliardenlücke. Über die Höhe des künftigen EU-Budgets bestehen daher massive Meinungsverschiedenheiten. Aber auch bei der geplanten Verwendung der Gelder liegen die Positionen weit auseinander: Während die Nettozahler der EU Mehrausgaben verhindern wollen, sperren sich die Nettoempfänger gegen Kürzungen bei Agrar- und Strukturhilfen. Dabei sind die Herausforderungen auf der Ausgabenseite vor allem durch die zunehmende Digitalisierung und die hohen Investitionen für den Klimaschutz so groß wie nie. Die Hoffnung auf einen modernen Haushalt ohne höhere Ausgaben wird sich kaum erfüllen….

Corona-Virus und Zentralbanken

Die Dynamik der Ansteckungen durch das Corona-Virus scheint etwas nachzulassen, was zu einer entspannung an den Finanzmärkten beiträgt. Jedoch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Grippe-Welle in China noch nicht abschätzbar. Da überrascht es nicht, dass die Zentralbanken sich und die Märkte auf eine wirtschaftliche Abkühlung in Q1 2020 vorbereiten. So hat Fed-Chef Powell seine erste diesjährige Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses genutzt auf möglichen Gefahren hinzuweisen. Laut US-Notenbank könnte es potenzielle negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft geben. Für Powell sei es jedoch wichtig, ob diese nachhaltig und dauerhaft seien. Bei einer temporären Abkühlung muss die Fed wohl nicht mit einer Zinssenkung reagieren. Nur bei einer nachhaltigen und länger andauernden Beeinträchtigung des Wachstumsausblicks dürfte die Fed handeln. Ähnliches gilt sicherlich auch für die EZB. Jedoch im Euroraum kommt erschwerend hinzu, dass mit Italien und Deutschland bereits jetzt zwei große Länder nur ein sehr schwaches Wachstum aufweisen. Somit ist die Rezessionsgefahr…

EWU-Konjunktur: Bodenbildung ja – Erholung nein

Seit rund einem halben Jahr geht es mit der Konjunktur im Euro-Raum mehr oder weniger nur noch seitwärts: Zwar ist der Abwärtstrend, der Anfang 2018 einsetzte, ganz offensichtlich ausgelaufen. Eine durchgreifende Erholung zeichnet sich allerdings auch nicht ab. Das verdeutlicht die jüngste Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK. Seit Juni 2019 hat sich der Indikator, der konjunkturelle Wendepunkte frühzeitig anzeigen kann, kaum von der Stelle bewegt. Im Januar 2020 stieg die Messzahl im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent an, im Dezember hatte noch ein entsprechendes Minus zu Buche gestanden. Die Vorjahresrate bleibt zu Jahresbeginn fast unverändert bei -0,5 Prozent. Erfreulich ist zumindest, dass sich die Lage im gebeutelten Industriesektor allmählich stabilisiert. Die Stimmungsindikatoren haben offensichtlich im Herbst letzten Jahren ihren Tiefpunkt durchschritten. So hat sich gemäß dem Einkaufsmanagerindex von IHS Markit die Talfahrt der Euro-Raum-Industrie im Januar verlangsamt. Die entsprechende Messzahl stieg immerhin auf den höchsten Wert seit letztem…

EZB hat ihre Grenzen erreicht

Die um sich greifende Grippewelle hat die Diskussion über notwendige Zinssenkungen wiederbelebt. Dies kommt eigentlich zur Unzeit. Denn in den zurückliegenden Wochen wurde am Kapitalmarkt eher zunehmend darüber diskutiert, ob die ultraexpansive Geldpolitik der vergangenen Jahre die Finanzmarktstabilität gefährde. Hintergrund dieser Diskussion ist weniger, dass die Leitzinsen bei null liegen beziehungsweise der Einlagesatz einen negativen Wert aufweist, sondern vielmehr der lange Zeitraum der lockeren Geldpolitik. Obwohl man schon seit einem Jahr geldpolitisch Vollgas gibt, ist die Inflation hartnäckig niedrig, die Löhne steigen kaum und Investitionen, wie Wirtschaftswachstum entwickeln sich bestenfalls moderat. Diese Entwicklungen haben Zweifel an der Effektivität der Geldpolitik aufkommen lassen. Während die Leitzinssenkungen und die Anleihekäufe wichtige und richtige Schritte zur Krisenbewältigung waren, schafft es die EZB nicht mehr, die zugrunde liegenden Probleme innerhalb der Europäischen Währungsunion zu beheben. Die geldpolitischen Grenzen sind im Euroraum erreicht worden. Bei der aktuellen geldpolitischen Ausrichtung sollte zudem nicht das Risiko unterschätzt…

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