Eurozone

Einer gegen alle – einer für alle

In unserem westlichen Nachbarland gehen die Menschen deutlich häufiger auf die Barrikaden als diesseits des Rheins. Daran haben wir uns nicht erst in den letzten Jahren gewöhnt. Aktuell führt ein großflächiger Streik in Frankreich wieder einmal zu geschlossenen Schulen und einem zusammenbrechenden Nah- und Fernverkehr, vor allem im Großraum Paris. Das ist – insbesondere in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäftes – auch wirtschaftlich eine große Herausforderung. Politisch geht es um die geplante Rentenreform der Regierung. Diese ist dringend notwendig, vor allem angesichts der vergleichsweise hohen Kosten des französischen Rentensystems und des sehr frühen Ruhestands in einigen Berufsgruppen. Doch in Frankreich werden auch Partikularinteressen seit jeher mit großer Militanz verteidigt. Den Protesten schließen sich nicht nur die in der Defensive befindlichen Gewerkschaften, sondern auch die erstarkten Populisten von rechts und links außen an. Präsident Macron steht mit den Seinen relativ allein in der Mitte und muss dem Druck standhalten. Wir alle…

Mut und Fantasie

Das Wirtschaftswachstum in Italien stagniert bereits seit einiger Zeit und das Land ist damit das Wachstumsschlusslicht im Euroraum gewesen. Deutschland und auch andere Länder haben diese Entwicklung schon länger mit Sorge verfolgt. Nun hat sich das Blatt zumindest für Deutschland aber gewendet. Mit dem wachsenden Protektionismus und Nationalismus in vielen Ländern ist das exportorientierte Wachstumsmodell Deutschlands auch unter die Räder gekommen und Deutschland wurde in den Wachstumsstatistiken des Euroraums nach hinten durchgereicht. Hier steht Deutschland nun mit Italien auf den hinteren Plätzen. Italien möchte das Wachstum mit einer höheren Staatsverschuldung ankurbeln. Hierzu ist die italienische Regierung aber auf das Wohlwollen der EU Kommission angewiesen, da Italiens Verschuldung für solche Fiskalproramme eigentlich zu hoch ist. In Bezug auf Alternativen besteht innerhalb der italienischen Regierung aber offenbar wenig Einigkeit. Deutschland hätte den fiskalpolitischen Spielraum, jedoch fehlen hier, in allen Bereichen der Wirtschaft, die notwendigen wirtschaftlichen Kapazitäten. Das hindert die neue SPD-Führung aber…

Inflationsrate im Euroraum verlässt Dreijahrestief

Im November hat sich die Inflationsrate wieder etwas erhöht. Gemäß der Schnellschätzung lag im abgelaufenen Monat die Steigerungsrate der Verbraucherpreise im Euroraum bei 1,0%, nach 0,7% im Vormonat. Dieser Anstieg der Inflation ist auf eine stärkere Dynamik bei den Preisen von unverarbeiteten Lebensmitteln und Dienstleistungen zurückzuführen. Die Preisentwicklung der sonstigen Güter blieb moderat. Dagegen sanken die Energiepreise erneut in einem ähnlichen Umfang wie schon im Vormonat. Dies ist vor allem auf die im Jahresvergleich niedrigere Notierung von Rohöl zurückzuführen, was sich an den Tankstellen bemerkbar machte. In allen großen Mitgliedsländern hat sich die Teuerungsrate zuletzt etwas beschleunigt. In Deutschland und Frankreich stieg die Jahresrate jeweils von 0,9% auf 1,2% an. In Spanien stieg die Rate von 0,2% auf 0,5% und in Italien von 0,2% auf 0,4%. Insgesamt bleibt die Inflationsentwicklung im Euroraum trotz des jüngsten Anstiegs aber weiterhin verhalten. Im Falle der stärkeren Preisdynamik bei Lebensmitteln und Dienstleistungen dürfte es…

Spanien hat gewählt, aber nicht entschieden

Sozialisten bleiben nach Parlamentswahl zwar stärkste Kraft eine stabile Regierung ist aber nicht in Sicht. Ultrarechte gewinnen am stärksten hinzu und verdoppeln Anzahl ihrer Sitze. Nach der Parlamentswahl im April dieses Jahres haben es die Sozialisten (PSOE) in Spanien abermals geschafft, die stärkste Fraktion im Unterhaus zu stellen. Laut vorläufigem Endergebnis werden sie mit 120 Sitzen in das Unterhaus einziehen. Auf dem zweiten Platz landen die Konservativen (PP), die mit 88 Sitzen einen Zugewinn von 22 Mandaten im Unterhaus verzeichneten. Der klare Wahlsieger des Abends ist die ultrarechte VOX, die mit 52 Sitzen nun die drittstärkste Fraktion in Madrid stellen wird. Im April lag die VOX mit 24 Sitzen noch auf Platz fünf. Die gewonnenen Sitze der VOX gingen vor allem auf Kosten der rechtsliberalen Ciudadanos (Cs; 10 Sitze), die mit einem Verlust von 47 Sitzen nahezu marginalisiert worden sind. Der von der PSOE präferierte Koalitionspartner, Unidas Podemos (UP), erleidet…

Noch kein Ende der Konjunkturflaute abzusehen

Die Konjunktur im Euro-Raum steckt in einer Schwächephase, deren Ursachen vor allem in den außenwirtschaftlichen Belastungen zu suchen sind. Mit Blick auf die kommenden Monate ist hier noch keine Trendwende zu erwarten. Das zeigt auch ein Blick auf den DZ BANK Euro-Indikator, der im Oktober abermals minimal schwächer tendierte als im Vormonat. Der Indikator verlor im abgelaufenen Monat gegenüber September 0,1 Prozent und erreichte einen neuen Stand von 98,4 Punkten. Er notiert damit 1,2 Prozent unter seinem Vorjahresniveau. Die Vorjahresrate hatte ihren tiefsten Wert zu Jahresbeginn 2019 erreicht, seitdem verbessert sie sich wieder ganz allmählich. Das kann als Hinweis darauf interpretiert werden, dass sich die aktuelle Konjunkturschwäche seither zumindest nicht weiter intensiviert hat. Aber eine Wende zum Besseren ist aus den Daten eben auch noch nicht ablesbar. Im letzten Monat waren es abermals die Kennzahlen aus dem Industriesektor, die den stärksten Negativbeitrag zum Euro-Indikator lieferten. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe…

Euro-Raum: Schwaches Wachstum bei rückläufiger Inflation im Herbst

Wie erwartet, zeigt sich das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum im dritten Quartal 2019 weiterhin nur schwach. Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt belief sich im dritten Quartal wie zuvor auf 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch wenn von der europäischen Statistikbehörde Eurostat noch keine Details bekanntgegeben worden sind, so ist es nicht schwer einen Verdächtigen für die Wachstumsabschwächung auszumachen: Die zu großen Teilen exportabhängige europäische Industrie. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres unterschritt die Industrieproduktion bislang ihr Vorjahresniveau um 1,2 Prozent. Die Wertschöpfung in den Dienstleistungsbereichen ist zwar auch schwächer geworden, aber gerade sie dürfte einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts insgesamt verhindert haben. Auf Länderebene zeigen sich dabei einige Überraschungen. Gerade die französische Volkswirtschaft blieb mit 0,3 Prozent relativ unbeeindruckt auf Kurs. Auch Spanien konnte seine robuste konjunkturelle Gangart mit einer Zuwachsrate von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal beibehalten. Beiden Ländern dürfte in Zeiten von Brexit-Unsicherheiten und Handelsstreitigkeiten zugutekommen, dass der Anteil…

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