Eurozone

Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen. Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell…

Der Euroraum ist in Champagnerlaune

Die Konjunktur im Euroraum läuft weiterhin sehr gut. Dies zeigen die heute veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes. Der umfassende Composite-Index blieb im Mai mit 56,8 Zählern unverändert auf dem Langzeithoch des Vormonats. Während der Index der Dienstleister leicht nachgab, verbesserte sich das Stimmungsbarometer in der Industrie. Dabei hellte sich das Klima maßgeblich in Deutschland und Frankreich auf, während nach Angaben des Umfrageinstituts Markit in den übrigen EWU-Ländern die Stimmungslage auf sehr hohem Niveau leicht nachgab. Die gute Entwicklung in Deutschland wurde auch durch eine positive Entwicklung des Ifo- Index unterstrichen. In Deutschland bleibt gemäß der befragten Einkaufsmanager die Industrie der maßgebliche konjunkturelle Taktgeber. Die Bewertung der Industrieproduktion zeigte in der Umfrage den stärksten Anstieg seit 2011. Aber auch die Bewertung der Auftragseingänge und der -bestände befinden sich auf einem Langzeithoch. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich leicht nachgab. Es bleibt aber trotzdem deutlich im Expansionsbereich oberhalb der…

Wie die EZB die geldpolitische Normalisierung gestalten könnte

Innerhalb der EZB diskutiert man kontrovers über die richtige Strategie zur geldpolitischen Normalisierung. Die Grafik zeigt, wie aus meiner Sicht der Ausstieg gestaltet werden könnte. Dabei sollte im ersten Schritt der Einlagezins etwas angehoben und damit die aus der Angst vor Deflation geborene Notmaßnahme wieder rückgängig gemacht werden. Zudem würde die EZB auch anerkennen, dass sich das fundamentale Umfeld im Euroraum merklich verbessert hat. Die Finanzmärkte werden damit auch auf den geldpolitischen Wandel eingestimmt. Das Anleihekaufprogramm sollte aus meiner Sicht erst nach der Wahl in Italien reduziert werden. Die politische Unsicherheit vor der Wahl ist schlicht zu groß, so dass es zu unerwünschten Verwerfungen an den Kapitalmärkten kommen könnte.

Griechenland: Schulden für die Ewigkeit

In den Dauerstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern kommt Bewegung. Sowohl Vertreter der Eurogruppe als auch von Hellas haben Anfang Mai eine vorläufige Einigung über einen neuen Maßnahmenkatalog bekanntgegeben. Dieser sieht unter anderem Einsparungen in Höhe von 2% des griechischen BIP vor. Die Eurogruppe tritt am 22. Mai zusammen und befindet über mögliche Auszahlungen. Ein Liquiditätsengpass, der im Juli gedroht hätte, sollte somit noch rechtzeitig abgewendet werden. Eine langfristige Schuldentragfähigkeit ist damit aber nach wie vor nicht gegeben. Bislang profitiert das Land davon, dass die Aufwendungen für den Schuldendienst minimal sind. Unsere Modellanalyse zeigt aber auf, dass Griechenlands Weg zum Abbau der massiven Verschuldung ohne einen Schuldenerlass ein langer sein wird und sowohl von einer jahrzehntelangen wirtschaftlichen Erholung als auch von langfristig sehr günstigen Kreditbedingungen abhängt. Das Land ist deswegen auch zukünftig auf neue, günstige Hilfskredite angewiesen. Würde Griechenland alternativ darauf setzen, fällige Anleihen oder Kredite über den Markt zu…

Frankreich: Macron sendet positive Signale an die Republikaner und Deutschland

Der neue französische Staatspräsident Macron hat den Republikaner Édouard Philippe zum Chef seiner Regierung ernannt. Der bisherige Bürgermeister von Le Havre genoss zwar wie Macron eine Ausbildung an der Kaderschmiede ENA, ansonsten bleibt sich Macron mit der Entscheidung treu, eher einem politisch unbeschriebenen Blatt zu vertrauen und nicht auf einen Insider des Pariser Politgeschäfts zu setzen. Die Wahl Philippes ist insofern eine richtungsweisende Entscheidung, als dass Macron hiermit ein klares Zeichen an die Republikaner sendet, mit Ihnen nach der Parlamentswahl im Juni zusammenarbeiten zu wollen. Die Wahl Philippes hat überdies außenpolitisch Bedeutung, da der neue Premier lange in Deutschland lebte und auch die Sprache fließend beherrscht. Dies dürfte somit als Zeichen an Berlin verstanden werden, dass Macron tatsächlich stark auf eine Zusammenarbeit mit der Bundesregierung setzt.

EZB – Es wird Zeit den Kurs zu ändern

Die geldpolitische Strategie der EZB steht immer mehr in der öffentlichen Kritik und dies auch zu recht. Die fundamentalen Daten wie BIP Wachstum und Inflation rechtfertigen die negativen Einlagezinsen und das laufende Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen nicht mehr. Trotzdem hält die EZB an dieser Politik fest und begibt sich immer mehr in die politische Abhängigkeit. Die nationalen Notenbanken sind bereits oder werden die größten Gläubiger der Euro-Staaten. Eine unabhängige Zinspolitik wird somit immer schwieriger durchzusetzen, da die EZB erpressbar wird. Dadurch wird mit der Zeit die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigt und eine effiziente Geldpolitik massiv erschwert. In den letzten Jahren hat die EZB durch die Geldpolitik zur stabilen Entwicklung des Euroraumes beigetragen, aber nun wird es Zeit den Kurs zu ändern.

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