Eurozone

Geldpolitik der EZB erhöht Druck auf die Banken

Die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank belasten zunehmend die Ertragslage der Banken in Deutschland und Europa. Dies hat die Bank Lending Survey der EZB im April zum Kreditgeschäft der Banken ergeben. Zwar hat das erweiterte Anleihen-Kaufprogramm des Eurosystems die Liquiditätsposition und die Finanzierungsbedingungen der Banken in den letzten sechs Monaten direkt oder indirekt verbessert. Die Verbesserungen in Deutschland resultierten vor allem aus Geldvermögensumschichtungen der Kunden in Bankeinlagen und in geringerem Umfang aus dem Verkauf bankeigener Wertpapiere. Allerdings berichtet eine deutliche Mehrheit der befragten Institute in Europa auch von schrumpfenden Netto-Zinsmargen und einer Verschlechterung der Gesamtertragslage der Bank. Hierzu hat insbesondere der vom Anleihen-Kaufprogramm beflügelte Rückgang der Kreditzinsen beigetragen. So fiel der durchschnittliche europäische Effektivzins im Neugeschäft mit Firmenkunden im Februar auf ein neues Rekordtief von 1,56 Prozent. In Deutschland erreichte der entsprechende Zinssatz bereits im Januar ein neues Minimum von gerade einmal 1,32 Prozent. Hinzu kommt die Belastung der Bankenerträge…

Präsidentenwahl in Frankreich: Macron und Le Pen ziehen in zweite Runde ein

Bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen hat der unabhängige und liberal positionierte Macron wahrscheinlich den Sieg davongetragen und damit die Kandidatin des rechtspopulistischen Front National, Le Pen, mit einem Vorsprung von etwa zwei Prozentpunkten hinter sich gelassen. Auf Macron entfallen nach ersten Hochrechnungen knapp 24% der Stimmen, Le Pen kommt auf annähernd 22%. Der zu Beginn des Jahres noch aussichtsreichste Kandidat, der Republikaner Fillon, verpasste hingegen den Einzug in die Finalrunde. Auch der linkspopulistische Mélenchon, dem in den vergangenen Wochen eine enorme Aufholjagd gelang, konnte im entscheidenden Moment nicht mehr zulegen und verfehlte es somit, für eine Überraschung zu sorgen. Eine Stichwahl zwischen zwei radikal positionierten Kandidaten, die Frankreich und wahrscheinlich ganz Europa erschüttert hätte, bleibt somit aus. Trotz des bis zuletzt spannenden Wahlkampfes und eines knappen Ausgangs haben sich mit Le Pen und Macron die beiden Favoriten und von den Demoskopen stets als wahrscheinliche Finalteilnehmer bezeichneten Kandidaten durchgesetzt….

Frankreich zittert Wahl entgegen

Die letzte TV-Debatte vor der französischen Präsidentschaftswahl gestern Abend wurde von einem vermutlich terroristischen Angriff auf französische Polizisten überschattet. Da die vier aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Umfragen relativ nahe beieinander liegen, sind die jüngsten Ereignisse in dem ohnehin von vielen überraschenden Wendungen bestimmten Wahlkampf von gewisser Brisanz. Kurzerhand rückt nun das Thema Sicherheit und Terrorismus in den Fokus der Kampagne, die heute ein verfrühtes Ende finden könnte. Le Pen und Fillon haben letzte Wahlauftritte für heute ausgesetzt, bevor am Samstag ohnehin die Black-out Periode beginnt. Ob Le Pen oder Fillon nun im Schlussspurt vor der Wahl von den Anschlägen profitieren können, bleibt abzuwarten – immerhin ist das Thema Sicherheit zentraler, programmatischer Bestandteil der beiden Spitzenkandidaten. Während die Flüchtlingsthematik in der Vergangenheit dem Front National einen Höhenflug bereitete, konnte die Rechtspopulistin aus den Anschlägen in Frankreich jedoch bisher wenig politisches Kapital ziehen. Le Pen schwächelte mit inzwischen nur noch 22% deutlich in…

Einkaufsmanagerindizes zeichnen guten Start für das zweite Quartal

Die Stimmungslage unter den europäischen Einkaufsmanagern lässt auf ein gefestigtes konjunkturelles Grundtempo in der Europäischen Währungsunion schließen. Gemäß der heutigen Vorabveröffentlichung, die auf rund 85 Prozent der Antworten der befragten Einkaufsmanager beruht, bleiben die Stimmungsinkatoren nicht nur auf einem hohen Niveau, sie können sogar gegenüber den hohen Werten aus dem März etwas zulegen. Dies spiegelt sich an dem umfassenden Composite-Einkaufsmanagerindex wider, der die Stimmungslage in der gesamten Privatwirtschaft erfasst. Er verbesserte sich nochmal um 0,3 Zähler und liegt im April bei 56,7 Indexpunkten: Das ist der höchste Zählerstand seit 72 Monaten. Sowohl die Dienstleister als auch die Industrieunternehmen vermeldeten eine bessere Stimmung. Auf Länderebene wurden leichte Stimmungseintrübungen bei den deutschen Einkaufsmanagern auf hohem Niveau durch bessere Stimmungswerte in Frankreich und den anderen Ländern mehr als ausgeglichen. Gemäß der Umfrageergebnisse steht die konjunkturelle Erholung der Währungsunion damit auf einem breiten Fundament. Die Einschätzungen der deutschen Unternehmen aus der Industrie und dem…

Märkte hängen immer stärker am EZB-Tropf

Seit Frühjahr 2015 kauft die EZB Anleihen im Rahmen ihres mehrfach angepassten Kaufprogramms auf und hat dabei inzwischen ein Volumen von knapp 1772 Mrd. Euro erreicht. Das monatliche Ankaufvolumen wurde seit diesem Monat von 80 wieder auf 60 Mrd. Euro reduziert. Laut EZB sollen die Ankäufe mindestens bis Ende Dezember 2017 laufen, und eine Verlängerung ist nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Die Notenbank sollte angesichts der zunehmenden Probleme, die das Ankaufprogramm am Kapitalmarkt verursacht, besser früher als später mit den Vorbereitungen für den Ausstieg beginnen. In einigen Marktsegmenten mehren sich die Anzeichen für Liquiditätsengpässe und Marktverzerrungen. Die EZB hat mit ihrer anhaltend hohen Nachfrage die Märkte in eine Abhängigkeit gebracht, die wohl nur schwer ohne Entzugserscheinungen wieder beendet werden kann. Das zeigt sich etwa bei längeren Anleihelaufzeiten, bei denen im Laufe des vergangenen Jahres aufgrund der hohen Nachfrage und des relativ knappen Angebots die Geld-Brief-Spannen teilweise um das Drei-…

EZB hat Spielraum zur Reduzierung des Stimulus

Seit EZB-Chef Draghi im Rahmen der Zinssitzung im März hat durchblicken lassen, dass die Währungshüter eine Anpassung ihrer Forward Guidance erwogen haben, sind vermehrt Spekulationen aufgekommen, wie und ob eine Verminderung des geldpolitischen Stimulus vollzogen werden könnte. Unter anderem aufgrund der EZB-Anleihekäufe ist die Überschussliquidität im Euroraum zwischenzeitlich auf über 1,5 Billionen Euro angewachsen und wird im Fortgang des Programms noch an die 2-Billionen-Marke stoßen. Die im Markt befindliche Zentralbankliquidität ist aber sehr heterogen zwischen den verschiedenen Euroländern verteilt. Über 70% der Überschussliquidität konzentriert sich bei deutschen, französischen und niederländischen Geldinstituten. Die deutschen Geschäftsbanken halten signifikant mehr Zentralbankliquidität bei der Bundesbank als sie im Zuge der Tenderoperationen nachfragt haben oder ihnen im Rahmen der Anleihekäufe zugeflossen ist. Dies hat wiederum zur Folge, dass deutsche Geschäftsbanken im Vergleich zu den übrigen europäischen Geldinstituten übermäßig durch den negativen Einlagesatz belastet werden. Doch nicht nur dieser Umstand spricht dafür, den negativen Einlagensatz zu…

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