Eurozone

Rom setzt in Kenntnis

Nach Wochen der Diskussionen hat sich das italienische Kabinett auf einen Haushaltsentwurf einigen können. Dieser konnte gerade noch fristgerecht der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Im Rahmen des Entwurfs bestätigte die Regierung in Rom nochmals die bereits bekannten Neuverschuldungskennziffern von 2,4% des BIP in 2019, 2,1% in 2020 und 1,8% in 2021. Den Ertragsverlust aus der Aussetzung einer eingeplanten Mehrwertsteuererhöhung taxiert das italienische Finanzministerium auf 0,68% des BIP. Die Senkung des Renteneintrittsalters sowie das Bürgereinkommen fallen ausgabenseitig mit jeweils 0,37% des BIP ins Gewicht. Auf Basis der Annahmen des Budgetentwurfs beziffern sich die drei Posten in absoluten Größen auf 25,9 Mrd. Euro. Zwar liegt die Gesamtgröße für die fiskalische Agenda in etwa in dem Bereich, der bereits bekannt geworden war, allerdings zeigen sich Abweichungen mit Blick auf die Einzelposten. Die makroökonomischen Prognosen des Entwurfs erscheinen recht optimistisch. Die Summe aus realem BIP-Wachstum und BIP-Deflator wurde so hoch eingeschätzt, dass das Nominalwachstum…

Italiens Woche der Wahrheit

Die nächste Woche könnte sich für Italien als richtungsweisend herausstellen. Bis Montag muss die Regierung in Rom der EU-Kommission den vollständigen Haushaltsentwurf für 2019 vorlegen. Bislang sind nur Teile der Planung, vor allem die Defizitzahlen für die kommenden drei Jahre und die zugrundliegenden BIP-Prognosen, bekannt. Insbesondere die über den Konsensschätzungen liegenden Wachstumsannahmen hatten nach Bekanntwerden bereits Fragen aufgeworfen. Erst mit Veröffentlichung aller geplanten Maßnahmen einschließlich Mehrausgaben / Mindereinnahmen ist aber mit einem abschließenden Votum durch Brüssel, Investoren und Ratingagenturen zu rechnen. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die EU-Kommission Italiens Plan ohne Nachverhandlungen akzeptieren wird. Selbst wenn das für 2019 geplante Defizit in Höhe von 2,4% des BIP realistisch erscheinen würde, läge es deutlich über dem zwischen der Vorgängerregierung und Brüssel ausgehandelten Pfad, der zu einem Abbau der Schuldenstandsquote führen soll. Für Investoren wird aber vielmehr entscheidend sein, ob Brüssel den Vorschlag zumindest als Verhandlungsgrundlage ansieht und ein Kompromiss…

DZ BANK Euro-Indikator: Die Zeichen stehen auf weitere Abkühlung

Die Konjunktur im Euro-Raum verliert bereits seit Anfang 2018 an Fahrt, daran dürfte sich auch im weiteren Jahresverlauf nichts ändern. Das lässt sich aus der aktuellen Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK schließen, der im September den achten Rückgang in Folge verbuchte. Der Indikator sank im abgelaufenen Monat um 0,2 Prozent auf einen Stand von genau 100 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verliert der Indikator damit 0,9 Prozent, im Vormonat lag hier das Minus noch bei 0,4 Prozent. Wie schon in den Vormonaten lieferten die Kennzahlen aus dem Industriesektor den größten Beitrag zum Rückgang des Euro-Indikators. So sind die Produktionserwartungen der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe im September auf den tiefsten Stand seit April 2017 gesunken. Die Markit-Umfrage unter den Einkaufsmanagern belegt, dass die EWU-Industrie an Dynamik verliert und im abgelaufenen Monat das schwächste Wachstum seit zwei Jahren verzeichnete. Dabei zeigte die Messzahl für Neuaufträge im Exportgeschäft zuletzt sogar den niedrigsten…

Inflationsrate im Euro-Raum steigt auf 2,1 Prozent

Die Inflationsrate im Euro-Raum lag im September gemäß der Eurostat- Schnellschätzung bei 2,1 Prozent, nach 2,0 Prozent im August. Damit bleibt sie nun schon den vierten Monat in Folge über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von „nahe, aber unter zwei Prozent“. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass der binnenwirtschaftliche Preisdruck weiterhin schwach ist. Die Kernrate, also die Messzahl ohne die Preise für unverarbeitete Nahrungsmittel und Energiegüter, ging im September sogar wieder leicht zurück. Für den Anstieg der Gesamtinflation sorgten dagegen die üblichen Verdächtigen, also die Preise für Energiegüter sowie die Nahrungsmittelpreise. Auf Länderebene verhielt sich die nach europäischen Maßgaben ermittelte Inflationsrate HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) unterschiedlich. Gemäß den vorliegenden nationalen Schnellschätzungen zog die Jahresrate der Verbraucherpreise in Deutschland von 1,9 auf 2,2 Prozent an. In Italien blieb sie mit 1,6 Prozent unverändert. In Frankreich und Spanien ging sie hingegen jeweils leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 bzw. 2,2 Prozent zurück. Dass…

Stimmung bei den deutschen Unternehmen trotz Handelssorgen überraschend stabil

Trotz des leichten Rückgangs des Geschäftsklimas sind die aktuellen Umfrageergebnisse des ifo-Instituts eine positive Überraschung. Der Stimmungsaufschwung aus dem Vormonat wurde damit weitgehend bestätigt. Die hiesigen Unternehmen haben im September auf die weitere Zuspitzung im Handelsstreit zwischen USA und China sehr gelassen reagiert. Zwar sind sie nicht mehr so euphorisch wie zu Jahresbeginn, aber die Stimmung ist nach wie vor gut. In der Industrie sind die Erwartungen zuletzt sogar noch gestiegen, das ist schon bemerkenswert angesichts der hohen Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft. Die wichtigsten Stützen der deutschen Konjunktur bleiben aber Bau und privater Konsum. Niedrige Zinsen, der feste Arbeitsmarkt und die stabile Binnennachfrage sorgen derzeit gemeinsam für eine Fortsetzung der konjunkturellen Aufwärtsbewegung. Für das zu Ende gehende Quartal erwarten wir trotz der schwachen Produktionszahlen im Juli ein positives Wachstum für die Gesamtwirtschaft. Die Dynamik dürfte aber im Vergleich zur ersten Jahreshälfte etwas nachgelassen haben. Für das Gesamtjahr 2018 gehen wir…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Stimmung in der Industrie dämpft die Wachstumsaussichten

Während im September die Dienstleister im Euro-Raum in vergleichsweise guter Stimmung sind, verdunkelt sich die Lage in der Industrie. Schwache Produktionszahlen und so gut wie keine Zuwächse der Exportbestellungen mehr, das sind keine guten Vorgaben. Im Durchschnitt des dritten Quartals liegen die Umfragewerte so niedrig wie seit Ende 2016 nicht mehr. Auf Basis der Einkaufsmanagerbefragung dürfte das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum kaum das Ergebnis des zweiten Quartals erreichen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man auch bei der Betrachtung der Befragung der EU-Kommission zum Wirtschaftsvertrauen. Der zusammengefasste Composite-Index für den Euro-Raum ging im September gemäß den vorläufigen Zahlen von 54,5 auf 54,2 Indexpunkte zurück. Dahinter steht eine leicht verbesserte Einschätzung bei den Dienstleistern, während das Sentiment in der Industrie kräftig zurückging. Nach Angaben der befragten Einkaufsmanager trugen ein kaum mehr steigender Auftragseingang, und dabei vor allem eine Stagnation der Exportbestellungen dazu bei. Auch die Bestände an nicht-bearbeiteten Aufträgen gaben zum ersten Mal…

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