Eurozone

Ein Ende des geldpolitischen Gleichlaufs ist wahrscheinlich

Die im Juli verkündete vorausschauende Erwartungssteuerung der „Forward Guidance“ läuft im EZB-Falle über das Versprechen an die Finanzmarktakteure, für einen ausgedehnten Zeitraum die eigenen Leitzinsen auf deren derzeitigen Niveaus zu belassen oder sogar noch einmal abzusenken. Unterfüttert wird dieses Versprechen durch makroökonomische Argumente: Vor dem Hintergrund einer Stagnation der Realwirtschaft im Euro-Raum, einer schwachen Geldmengenentwicklung und einer Inflation auf dem Rückzug könne schlechterdings niemand ernsthaft bezweifeln, dass die EZB die Leitzinsen tatsächlich lange Zeit niedrig halten werde. Die EZB scheint gut beraten, argumentativ scharfe Waffen ins Feld zu führen. Immerhin lehrt die Erfahrung aus früheren geldpolitischen Zyklen: Fängt die Fed erst einmal an, ehedem mit Leitzinsanhebungen, dieser Tage mit einem Ausstieg aus ihren quantitativen Maßnahmen, dann folgen die übrigen Notenbanken der westlichen Welt in der Regel auf dem Fuße. Dieses Mal könnte es anders verlaufen. Zu gewaltig sind die Hinterlassenschaften der Euro-Fiskalkrise: keiner Konjunkturkrise, sondern einer tiefgreifenden Strukturkrise. Sichtbarster Ausdruck…

Befragung der Einkaufsmanager Im Oktober: Produktion im Euro-Raum wächst, aber etwas langsamer

Die Konjunktur in Deutschland und im Währungsraum ist zu Beginn des vierten Quartals stabil, die Ausweitung der Produktion dürfte aber etwas langsamer ausfallen als im Vormonat. Zu diesem Ergebnis kommt die vorläufige Befragung der Einkaufsmanager im Euro-Raum für Oktober. Während im gesamten Währungsraum die Produktion steigt, weist die französische Volkswirtschaft dagegen Schwächen auf. Gerade die Fertigung in der Industrie kommt in Frankreich nicht recht in Schwung und steht einer stärkeren Erholung der Gesamtwirtschaft weiter im Weg. Der Gesamtindex für den Euro-Raum, gebildet aus Indizes der beiden Teilbereiche Industrie und Dienstleistungen, sank von 52,2 auf 51,6 Indexpunkte. Er verbleibt aber den vierten Monat in Folge über der neutralen Marke von 50 Punkten, ab der eine Ausweitung der Produktion in der privaten gewerblichen Wirtschaft angezeigt wird. Die Wertschöpfung steigt demnach weiter, aber in vermindertem Tempo. Ein Rückfall in die Rezession ist unwahrscheinlich. In Deutschland nahm der Gesamtindex um 0,6 Punkte auf 52,6…

Italien in Geiselhaft

Der ehemalige Ministerpräsident hat seine Drohung wahr gemacht, die gerade erst im Frühjahr 2013 gebildete Regierung in Italien zu Fall zu bringen. Nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Steuerdelikten steht seit Längerem eine Abstimmung über den Verlust seines Sitzes im Senat im politischen Mittelpunkt in Italien. Da sich in einer ersten Abstimmung eine Entscheidung gegen Berlusconi ergeben hatte und eine „Begnadigung“ durch Staatspräsident Neapolitano sich nicht abzeichnet, haben am Wochenende die Fünf Minister der PdL, der Partei Berlusconis, ihren Rücktritt erklärt. Die Partei will die Regierung nicht mehr unterstützen. Damit fehlt der Regierung Letta die nötige Mehrheit zum Weiterregieren. Je nach betrachteter Konstellation kann Ministerpräsident Letta im Senat, der zweiten Kammer in Italien, in der ohne die PdL keine stabile Mehrheit gebildet werden kann, bei insgesamt 321 Abgeordneten mit etwa 137 bis 147 Stimmen rechnen. Ihm fehlen also 25 bis 35 Stimmen. Die Hoffnung beruht darauf, dass sich Abweichler in der…

Euro-PMI signalisieren bestes Wirtschaftsklima seit Juni 2011

Die Wirtschaft in der Eurozone nimmt weiter Fahrt auf. Das zeigen neueste Umfragen bei den Einkaufsmanagern im September. Das Stimmungsbarometer kletterte gegenüber dem Vormonat um 0,6 auf 52,1 Punkte. Der gewichtete Indikator aus Industrie- und Dienstleistungsindex deutet damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit Juni 2011 hin. Zu den erfreulichen Werten konnten beide Sektoren positiv beitragen. Der gute Ausblick sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass es im Euro-Währungsgebiet weiter hohe Rückschlagsrisiken gibt. Mit den aktuellen Zahlen steigt jedoch die Zuversicht, dass die Wirtschaftsleistung in der Eurozone auch im dritten Quartal weiter, wenn auch nur schwach, zulegen wird. Unterstützung erhielt der Indikator aus den beiden größten Mitgliedsländern: In Deutschland konnte der gewichtete Gesamtindikator weiter in den expansiven Bereich vordringen und verbesserte sich leicht auf 53,8 Punkten im September. Besonders kräftig war hierbei der Aufschwung im Servicesektor. Auch Frankreichs Composite PMI signalisierte für den privaten Sektor eine breite Stabilisierung. Mit 50,2 Punkten konnte die seit 18…

Keine „Abkopplung“ der Bunds von den US-Treasuries, aber auch kein blindes Folgen

Während die Vereinigten Staaten bereits mehrere Quartale mit vergleichsweise ordentlichen Zuwachsraten beim Bruttoinlandsprodukt aufwarten, hat sich die Eurozone gerade erst aus der Rezession befreit. Der Rentenmarkt hat diese divergente transatlantische Entwicklung der Realwirtschaft feinfühlig in seine Notierungen eingebaut. Abzulesen ist dies nicht zuletzt an den Renditeaufschlägen zwischen den US-Treasuries und den deutschen Bundesanleihen. So hat sich im Zehnjahresbereich beim Renditeaufschlag zwischen den US-Treasuries und den deutschen Bundesanleihen, von einem Jahrestief per Januar bei 25 Basispunkten kommend, seit Anfang des Sommers eine Differenz von in der Spitze knapp 105 Basispunkten aufgetan. Diese „Outperformance“ der Bunds ist Anfang August zum Stehen gekommen; seither oszilliert der Zehnjahres-Transatlantikspread zwischen den Marken von 90 und 100 Basispunkten. Untersuchungen des DZ BANK Research zeigen, dass speziell die Gegebenheiten am Arbeitsmarkt die Transatlantikspreads bestimmen. So sind in Zeiten einer niedrigen Arbeitslosenquote auf Euroraum-Ebene relativ zur sogenannten „inflationsstabilen Arbeitslosenquote“ regelmäßig vergleichsweise hohe Bund-Renditen zu beobachten. Umgekehrt herrschen am…

Renditen dürften 2014 ihren Anstieg fortsetzen

Vor dem Hintergrund teils kräftiger Kursverluste am Rentenmarkt seit Anfang Mai haben wir aktuell an unserem Zinsausblick nur wenig geändert. Auf Sicht dreier Monate dürften sowohl die US- als auch die Bund-Renditen nochmals sinken. Auf einen mittel- bis längerfristigen Horizont rechnen wir dann wieder mit höheren Renditeniveaus. Für einen nochmaligen Renditerückgang in den kommenden Wochen sprechen insbesondere die folgenden Gründe: Die US-Notenbank wird die um sich greifenden Leitzinserhöhungsängste weiter dämpfen wollen. Sie betont bereits jetzt, dass eine Rückführung ihrer Anleihekäufe keiner restriktiven Geldpolitik gleichkomme.

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