Eurozone

Spanien: Gefallene Renditen ein Strohhalm für die Staatsfinanzen

Die positiven Marktentwicklungen in den vergangenen Monaten haben wir zum Anlass genommen, die Schuldentragfähigkeit Spaniens einer Analyse zu unterziehen und diese den Ergebnissen aus dem vergangenen Jahr gegenüberzustellen. Während sich gegenüber dem Vorjahr kaum Änderungen bei den Wachstumsaussichten für Spanien bis zum Jahr 2020 ergeben und die hohen Sozialausgaben sowie die geringe Steuerkraft des Landes einen langen Atem beim Abbau des Primärdefizits erfordern, könnte vor allem der weitaus schnellere und stärkere Rückgang der Risikoprämien Spanien zugutekommen. Im Vergleich zu früheren Annahmen dürfte der Anstieg der spanischen Verschuldung in den kommenden Jahren mit geringerer Geschwindigkeit vonstattengehen. Allerdings wird es auch bei günstigeren Spreadannahmen als vormals mindestens bis zum Jahr 2018 dauern, bis Spanien den Gipfel der Schuldenstandsquote erreicht, da erwartungsgemäß steigende Bundrenditen selbst im Idealfall den Spreadeffekt überkompensieren. Weiteten sich die Spreads hingegen wieder aus, dürften die Sparbemühungen nicht ausreichen, um den Anstieg der Schuldenstandsquote zu stoppen. Sollte Spanien seine jetzigen…

Europas Banken glauben an den Aufschwung

Wie aus der neuen Quartalsumfrage der EZB unter Europas Banken („Bank Lending Survey“) hervorgeht, rechnet eine wachsende Mehrheit der Banken im Euroraum mit einer steigenden Kreditnachfrage der Firmenkunden in den nächsten Monaten. Lagen die Optimisten im Januar noch mit 10 Prozent vorne, so ist der Vorsprung der Kreditinstitute, die an eine wachsende Kreditnachfrage glauben, im April auf 25 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 2011. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich das Kreditgeschäft im Euroraum zum Sorgenkind entwickelt hat. Seit 2009 sind tendenziell schrumpfende Kreditbestände zu verzeichnen und der Abwärtssog hat sich im letzten Jahr nochmals deutlich verstärkt. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich der Rückgang fort. Der anhaltende Kreditabfluss wird mit Sorge betrachtet, weil Engpässe in der Kreditversorgung Südeuropas mit dazu beitrugen, dass die ersehnte konjunkturelle Erholung in Europa nur zögerlich einsetzte und weiterhin auf tönernen Füßen steht. Die optimistische Einschätzung der…

Inflation im Euroraum: Ostern treibt die Preise – aber nicht sehr stark

Die Verbraucherpreise sind im Euro-Raum im April wieder etwas stärker angestiegen. Die harmonisierte Jahresrate bleibt nach vorläufigen Zahlen von Eurostat mit 0,7 Prozent jedoch weiterhin schwach. Immerhin konnte sich die Rate nach dem schwachen Vormonat mit 0,5 Prozent wieder leicht beschleunigen. Hintergrund für das markante Auf und Ab in der Inflationsrate im März und April ist der saisonale Ostereffekt. Denn im jeweiligen Ostermonat steigen die Preise in der Regel etwas stärker als gewöhnlich an, was vor allem mit anziehenden Preisen in der Tourismusbranche zusammenhängt. Und in diesem Jahr fiel Ostern in den April, während es im vergangenen Jahr im März lag. Wird der direkte Vergleich von April 2014 (Ostermonat) mit April 2013 (kein Ostermonat) gezogen, dann treibt das die Inflationsberechnungen nach oben. Anders als im vergangenen Monat, als sich die Rate deutlich auf 0,5 Prozent abkühlte. Was die Komponenten der Inflationsrate angeht,  konnten vor allem die Dienstleistungspreise stärker zulegen. Im April erreichten sie…

Einkaufsmanager im Euroraum: Optimismus in Deutschland, zögerliche Franzosen

Die vorläufigen Umfrageergebnisse unter den Einkaufsmanagern im Euroraum (PMI) sorgen für Überraschungen sowohl in positiver wie auch negativer Hinsicht. Die Einschätzungen für den konjunkturellen Ausblick in den beiden größten Volkswirtschaften für den Start in das zweite Quartal 2014 laufen im April wieder stärker auseinander. Während der zusammengefasste PMI für die Industrieproduktion und der Geschäftstätigkeit im Dienstleistungssektor – der sogenannte Composite Index Produktion – in Deutschland überraschend deutlich zulegte, sank Frankreichs PMI stärker als erwartet. Bedenken in Bezug auf die Turbulenzen rund um die Ukraine oder die Sorge vor einem anhaltend verhaltenen Wachstum in China zeigen sich damit für Deutschland bisher nicht. Das hat der wirtschaftlichen Aktivität im gesamten Euro-Raum zumindest kein weiteres Hindernis in den Weg gelegt. Der Composite PMI für die Eurozone konnte, trotz der entgegengesetzten Signale aus Deutschland und Frankreich, aktuell noch etwas zulegen. Im April stieg der Index auf 54,0 Punkte, nach 53,1 im März und signalisiert damit…

Einsparpläne in Frankreich: Weniger ambitioniert als gedacht

Nach der Ankündigung von Präsident Hollande zum Jahresbeginn hat Premierminister Valls nun erste Details zu den geplanten Einsparungen im französischen Staatshaushalt folgen lassen. Zwischen 2015 und 2017 sollen die Ausgaben des französischen Staates um 50 Mrd. Euro reduziert werden. Bei einer staatliche Ausgabenquote von mehr als 57 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, um die Abgabenlast für die Wirtschaft zu senken und das Budgetdefizit 2015 wieder unter die 3-Prozent-Grenze zu bringen. Allerdings dürfte sich aus der geplanten Aufteilung der Einsparungen Konfliktpotenzial ergeben. 18 Mrd. Euro sollen im Bereich der Zentralregierung  gekürzt werden, 11 Mrd. an Einsparungen sind bei den Departements und lokalen Verwaltungseinheiten geplant. Darüber hinaus sollen die Ausgaben im Gesundheitswesen um 10 Mrd. Euro und im Sozialsystem um 11 Mrd. Euro reduziert werden. Neben den Gehältern im öffentlichen Dienst und zahlreicher Leistungen im Sozialsystem sollen die Renten, deren Entwicklung sonst an die Inflationsrate…

Sparen, solange das Spreadniveau hoch ist

Die überschießenden Risikoprämien an den Märkten haben die EWU-Krisenstaaten in den vergangenen Jahren gezwungen, prozyklische Fiskalmaßnahmen zu ergreifen und damit von der Lehrbuchauffassung antizyklischer Handlungsweise abzuweichen. Jüngste Berechnungen der EZB zeigen, dass die Krisenstaaten nicht nur richtig mit ihrer prozyklischen Vorgehensweise gehandelt haben, sondern auch, dass länderbezogene Fiskalmultiplikatoren (diese messen die negativen Auswirkungen einer fiskalischen Konsolidierung um ein Prozent vom BIP auf die Wirtschaftsleitung in Prozent) deutlich unter eins liegen und damit eine vergleichsweise moderate Auswirkung der Sparmaßnahmen auf das BIP nahelegen. Vor allem der positive Spreadeffekt der Sparmaßnahmen dürfte zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Als effizient hat sich auch die Entscheidung der EWU-Länder herausgestellt, die Staatsquote in der Krise tendenziell zu vergrößern und Steuern anzuheben. Der negative BIP-Effekt ist hier deutlich niedriger als bei rückläufigen staatlichen Investitionen. Obwohl die Krise an den Märkten ihren Gipfelpunkt bereits hinter sich gelassen hat und die meisten EWU-Länder der Rezession inzwischen entkommen sind,…

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