Eurozone

Athen: Rückkehr mit Fragezeichen

Der 1. April ist für den alten Brauch bekannt, mit erfundenen und fantastischen Geschichten Mitmenschen zum Narren zu halten. Bei dem heutigen Verkauf griechischer Staatsanleihen handelt es sich zwar nicht um einen verspäteten Aprilscherz, sicher jedoch um eine fantastische Geschichte. So gelang es der griechischen Schuldenagentur PDMA, erstmals seit April 2010 wieder Langläufer bei Investoren zu platzieren, nachdem sich die Kapitalmarktaktivität der Hellenen in den vergangenen vier Jahren auf Geldmarktpapiere beschränkt hatte. Mehr als 550 verschiedene Investoren gaben in Summe mehr als 20 Mrd. Euro an Geboten ab, um Athen zu einem Zinssatz von 4,95% Geld für fünf Jahre zu leihen. Angesichts der hohen Nachfrage entschied sich die PDMA, das Emissionsvolumen der neuen Anleihen statt der ursprünglich angepeilten 2,5 Mrd. Euro bei drei Mrd. Euro festzusetzen. Während zehnjährige Titel Ende Januar noch bei 8,4% rentierten, bieten diese aktuell 5,8% Rendite, was zudem in etwa dem Niveau aus dem April 2010…

Marktakteure hoffen auf ein QE-Programm der EZB

Die Ausführungen von EZB-Chef Draghi im Rahmen der jüngsten Zinssitzung hallen weiter nach, wird doch an den Finanzmärkten derzeit intensiv über ein mögliches „Quantitative Easing“ der Notenbank debattiert. In ihrem Basisszenario rechnen die Währungshüter zwar mit einem über einen längeren Zeitraum niedrigen Preisauftrieb, doch nicht mit einem absolut rückläufigen Preisniveau in der Eurozone. Nichtsdestotrotz scheinen die Notenbank-Oberen für den Fall gewappnet sein zu wollen, falls sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten wider Erwarten weiter rückläufig entwickeln sollte. Im Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren gilt hierbei ein Anleiheankaufprogramm als Mittel der Wahl. Medienberichte, wonach die EZB bereits eine Modellrechnung zu den Auswirkungen einer solchen Liquiditätsspritze auf die Teuerungsentwicklung durchgeführt habe, beflügeln momentan die Hoffnungen der Marktakteure. Nach Ausführungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wurde in dieser EZB-Modellrechnung mit einem Anleiheankaufvolumen von einer Milliarde Euro kalkuliert. Die Auswirkungen auf die Teuerungsentwicklung scheinen in diesem Gedankenspiel allerdings nicht eindeutig. So berichtet die FAZ,…

Aus der Geschichte lernen

Wir sollten uns glücklich schätzen, das Jahr 2004 im Gedächtnis zu haben. Vor zehn Jahren wurde ein wichtiger, wenn nicht der bedeutendste Grundstein für die europäische Schuldenkrise gelegt. 2004 haben die deutsche Bundesregierung und die französische Regierung gemeinsam dafür Sorge getragen, dass die beiden Länder, die gegen die Defizitquoten des Maastrichtvertrags verstoßen hatten, nicht verwarnt wurden. Die Regeln innerhalb des Stabilitätspaktes wurden gelockert. In der Folge kam es zu einer verstärkten Verschuldung der Euro-Länder sowie zu einer zunehmenden Sorglosigkeit hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Das mündete in der europäischen Schuldenkrise – mit den bekannten Folgen. Man sagt, die Geschichte wiederhole sich nicht. Man sagt aber auch, sie reime sich, und wir könnten zurzeit tatsächlich Zeugen hiervon sein. Die EU-Kommission und auch Deutschland predigen seit langem völlig zu Recht, dass die meisten Euro-Länder ihre Arbeitsmärkte reformieren müssen. Sie sollen mehr Wettbewerb zulassen und die Märkte öffnen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und das…

Draghi versucht, Deflationssorgen zu dämpfen

Notenbankchef Draghi ist auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz sichtlich darum bemüht gewesen, die Deflationssorgen der Marktakteure zu zerstreuen. Zwar rechnen die Währungshüter mit einem über einen längeren Zeitraum niedrigen Preisauftrieb in den Euro-Staaten, doch nicht mit einem absolut rückläufigen Preisniveau für die Eurozone insgesamt. Das von EZB-Chef Draghi skizzierte Inflationsbild stellt eine Absage der Währungshüter an die Spekulationen des Finanzmarktes über eine weitere quantitative Lockerung der Geldpolitik dar. Auch wenn die Notenbank-Oberen stets betonen, dass Anleihekäufe grundsätzlich ein mögliches geldpolitisches Instrumentarium darstellen, dürfte die EZB diese auf absehbare Zeit nicht vornehmen. Sollte sich allerdings die Abwärtsdynamik bei der Teuerung wider Erwarten fortsetzen, sind Anleihekäufe weiterhin eine mögliche Handlungsoption. Insgesamt gesehen, setzt die EZB derzeit aber trotz der zuletzt nochmals rückläufigen Teuerung auf eine Politik der ruhigen Hand, und sie scheint hieran festzuhalten, solange sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld nicht erneut eintrübt.

EWU-Inflation im März: Ostereffekt und Energiepreise dämpfen Preisentwicklung

Die Inflationsrate im Euroraum ist im März nach vorläufigen Angaben auf 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Im Februar lag die Jahresrate noch bei 0,7 Prozent. Im Hinblick auf die Unterkomponenten gab der Teilbereich Energie etwas weniger nach als noch im Vormonat (-2,1 Prozent nach -2,3 Prozent im Februar). In den anderen Teilbereichen Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, Industriegüter ohne Energie sowie Dienstleistungen stiegen die Verbraucherpreise. Jedoch fiel die Preissteigerung geringer aus als in den Vormonaten. Die Kernrate ohne die volatilen Komponenten der Nahrungsmittel und Energie verlangsamte sich von 1,0 Prozent im Vormonat auf 0,8 Prozent. Die heute veröffentlichen Daten sind eine erste Schätzung der Inflationsentwicklung im abgelaufenen Monat. Von den Mitgliedsländern sind bisher nur Zahlen für Deutschland, Italien und Spanien veröffentlicht worden. Während ohne weitere Angabe von Details die harmonisierte Inflationsrate in Spanien in den negativen Bereich rutschte (von +0,1 auf -0,2 Prozent) sanken die Teuerungsraten in Italien von 0,4…

Einmal Krise und zurück – Peripheriespreads weiter im Sinkflug

Seit fast zwei Jahren entwickeln sich die Spreadniveaus in der Eurozone bereits rückläufig. Ist es Zeit Gewinne mitzunehmen oder wird sich der Trend weiter fortsetzen können? An den kurzen Enden der Renditestrukturkurven vollzog sich der Spreadeinengungstrend bei EWU-Staatsanleihen, ausgelöst durch die Einrichtung der Krisenmechanismen der EZB, wesentlich früher und anfangs auch mit höherer Geschwindigkeit. Während die Konvergenz der Kurzläuferrenditen im Kern-Segment in einem früheren Krisenstadium schon abgeschlossen war, mündet dieser Trend im Fall kurzer Peripherieanleihen gegenwärtig in eine finale Phase ein. Das bedeutet, dass zwar mit weiteren Spreadeinengungen zu rechnen ist, dieser Prozess im Fall Spaniens oder Italiens in den kommenden Monaten aber nahezu abgeschlossen sein könnte. Portugal dürfte bei kurzen Peripherie-Bonds noch über das größte Potenzial verfügen. Am langen Ende der Zinskurven spielen längerfristige Bonitätsfragen eine größere Rolle, sodass die Krisenbewältigungsmechanismen hier nicht sofort die gleiche Wirkung entfalteten. Inzwischen scheint der Spreadeinengungstrend bei einigen Kernstaaten (Frankreich und Belgien) schon…

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