Eurozone

Griechenland: Schuldenschnitt durch die Hintertür

In den laufenden Gesprächen zwischen Griechenland und den Kreditgebern über etwaige Schuldenerleichterungen werden vor allem eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten sowie eine Herabsetzung der Zinslast diskutiert. Unsere Berechnungen zeigen, dass die Verlängerung der Kreditlaufzeit von 24 auf 50 Jahre den gleichen Barwertvorteil für Griechenland aufweist, als wenn man die Laufzeiten unverändert ließe, aber den Kreditnominalbetrag um ca. 23% reduzierte. Gewährte man Griechenland außerdem einen Zinsvorteil in Höhe von 50 Basispunkten, entspräche dies sogar einer Kreditnominalwertherabsetzung von ca. 40%. Der Barwert der griechischen Gesamtverbindlichkeiten inklusive Zinszahlungen in Höhe von gegenwärtig 194% des BIP ließe sich durch die angedachten Erleichterungen auf 174% reduzieren, wohingegen die aktuelle Schuldenstandsquote – anders als bei einer Herabsetzung des Kreditnominalbetrages – hiervon unberührt und damit auf Rekordniveau bliebe. Der Aussagewert der vielfach beachteten und als Vergleichsgröße gängigen Schuldenstandsquote würde bei einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten damit sinken. Griechenlands finanzielle Lasten als Barwertgröße wären unter Berücksichtigung der diskutierten Krediterleichterungen zwar…

Neuerliche Zinssenkung der EZB im Juni

Währungshüter müssen den Worten nun Taten folgen lassen. Unseres Erachtens hat sich EZB-Präsident Draghi auf seiner gestrigen Pressekonferenz sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Um die Ankündigung einer neuen geldpolitischen Lockerung im Juni wird er nun kaum noch herumkommen. Ein großes Anleihe-Ankaufprogramm wäre sicherlich effizient, hätte sehr wahrscheinlich auch dämpfende Wirkung auf den Wechselkurs und könnte treibend auf die Inflationserwartungen einwirken. Dennoch ist dieses geldpolitische Instrument deutlich umstrittener und wird wohl für den Ernstfall aufgehoben werden. Dagegen wäre eine Leitzinssenkung unseres Erachtens die schnellste und einfachste Maßnahme, um dem Handlungsdruck, den man sich mit den jüngsten Äußerungen auf der Pressekonferenz selbst auferlegt hat, nachzugeben. Wir erwarten daher auf der kommenden Sitzung der EZB eine Senkung des Refinanzierungssatzes von 0,25% auf 0,10%. Vorstellbar ist außerdem, dass die EZB mehrere Maßnahmen kombiniert. In diesem Fall könnte neben der Leizinssenkung auch ein Ankaufprogramm von ABS-Krediten in Aussicht gestellt werden. Auch ein Aussetzen der…

EUR-USD: asymmetrische Wahrnehmung vom Feinsten

Der Euro lässt im Vorfeld der heutigen EZB-Sitzung keine Chance aus, dem US-Dollar zu zeigen, wer die Hosen anhat. Aber auch gegenüber den anderen Währungen ist er kein Kind von Traurigkeit und neigt „quer Beet“ zur Stärke. Und auch wenn der Schlüssel zur Euro-Stärke bei der EZB vermutet wird, tut der US-Dollar wenig, um daran aus eigener Kraft etwas zu ändern. Es ist ja nicht nur so, dass der Euro nur aufgrund von positiven EWU-Meldungen profitiert, vielmehr versäumt es der US-Dollar regelmäßig, von guten US-Daten zu profitieren. Nicht einmal der überragende US-Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag konnte die US-Dollar-Skepsis zur Seite schieben. Ein klassischer Fall von asymmetrischer Wahrnehmung: der Euro nimmt nur das wahr, was zu seinen Gunsten spricht, und ignoriert den Rest systematisch. Wenn diese Erkenntnis den Devisenmarkt erreicht, dürfte das Erwachen entsprechend schmerzhaft sein – aber dazu ist es in der kommenden Handelswoche wohl noch zu früh. Stattdessen dürfte die…

Was passiert, wenn die Ukraine-Krise weiter eskaliert?

Die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konfliktes in der Ukraine haben sich bislang leider nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Situation spitzt sich immer noch weiter zu und es gibt ständig neue Unruheherde. Die Vereinbarung von Genf hat keine Lösung gebracht. Nach wie vor besteht die Gefahr einer Eskalation. In einem solchen Fall würden wir hierzulande deutlich die Auswirkungen zu spüren bekommen. Mit welchen Einbrüchen müssten wir dann rechnen? Eine weitere Verschärfung der Lage und ein Eingreifen russischer Truppen ist ein durchaus realistisches Risikoszenario. Eine solche Entwicklung hätte dann erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen zur Folge – auch auf Deutschland und die EU-Länder. Denn in diesem Fall würden die westlichen Länder wichtige Wirtschaftssanktionen beschließen. Wir gehen davon aus, das dann die Exporte von Deutschland und den anderen EWU-Länder nach Russland im laufenden Jahr um rund 25% und im Jahr 2015 um rund 50% zurückgehen würden. Die russischen Gasexporte über das ukrainische Pipeline-Netz…

Spanien: Gefallene Renditen ein Strohhalm für die Staatsfinanzen

Die positiven Marktentwicklungen in den vergangenen Monaten haben wir zum Anlass genommen, die Schuldentragfähigkeit Spaniens einer Analyse zu unterziehen und diese den Ergebnissen aus dem vergangenen Jahr gegenüberzustellen. Während sich gegenüber dem Vorjahr kaum Änderungen bei den Wachstumsaussichten für Spanien bis zum Jahr 2020 ergeben und die hohen Sozialausgaben sowie die geringe Steuerkraft des Landes einen langen Atem beim Abbau des Primärdefizits erfordern, könnte vor allem der weitaus schnellere und stärkere Rückgang der Risikoprämien Spanien zugutekommen. Im Vergleich zu früheren Annahmen dürfte der Anstieg der spanischen Verschuldung in den kommenden Jahren mit geringerer Geschwindigkeit vonstattengehen. Allerdings wird es auch bei günstigeren Spreadannahmen als vormals mindestens bis zum Jahr 2018 dauern, bis Spanien den Gipfel der Schuldenstandsquote erreicht, da erwartungsgemäß steigende Bundrenditen selbst im Idealfall den Spreadeffekt überkompensieren. Weiteten sich die Spreads hingegen wieder aus, dürften die Sparbemühungen nicht ausreichen, um den Anstieg der Schuldenstandsquote zu stoppen. Sollte Spanien seine jetzigen…

Europas Banken glauben an den Aufschwung

Wie aus der neuen Quartalsumfrage der EZB unter Europas Banken („Bank Lending Survey“) hervorgeht, rechnet eine wachsende Mehrheit der Banken im Euroraum mit einer steigenden Kreditnachfrage der Firmenkunden in den nächsten Monaten. Lagen die Optimisten im Januar noch mit 10 Prozent vorne, so ist der Vorsprung der Kreditinstitute, die an eine wachsende Kreditnachfrage glauben, im April auf 25 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit 2011. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich das Kreditgeschäft im Euroraum zum Sorgenkind entwickelt hat. Seit 2009 sind tendenziell schrumpfende Kreditbestände zu verzeichnen und der Abwärtssog hat sich im letzten Jahr nochmals deutlich verstärkt. Auch im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich der Rückgang fort. Der anhaltende Kreditabfluss wird mit Sorge betrachtet, weil Engpässe in der Kreditversorgung Südeuropas mit dazu beitrugen, dass die ersehnte konjunkturelle Erholung in Europa nur zögerlich einsetzte und weiterhin auf tönernen Füßen steht. Die optimistische Einschätzung der…

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