Eurozone

EZB bleibt optimistisch

Die EZB sieht trotz schwächerer Wirtschaftsdaten die Konjunktur auf einem breit angelegten Expansionspfad. Zwar gaben die Notenbank-Oberen zu Protokoll, dass Unsicherheit und Fragilität die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusse. Insgesamt seien die Wachstumsrisiken jedoch ausgeglichen. Trotz dieses Ausblicks wurde im Rahmen der September-Ratssitzung insbesondere auf die Gefahr von Protektionismus, auf die Schwäche von einigen Schwellen-ländern und die Volatilität an den Finanzmärkten hingewiesen. Die italienischen Turbulenzen standen hingegen nicht im Fokus. Zwar seien die Renditen für ein großes EWU-Land gestiegen. Die Staatsanleihen von anderen Ländern wurden hiervon jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Mit neuen Stabsprojektionen im Dezember wird die EZB ihre konjunkturelle Einschätzung nochmals auf den Prüf-stand stellen. Die Notenbank gab sich weiterhin zuversichtlich, dass sich die Inflationsrate in Richtung des Zielwertes der Notenbank entwickele. Die enttäuschende Entwicklung bei der Kernrate sei hauptsächlich auf die Dienstleistungspreise zurückzuführen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das Lohnwachstum zugenommen habe, wenngleich die Notenbank nun einen nicht mehr…

Industrie im Euro-Raum verliert an Schwung

Die Industrie war im Jahr 2017 eine wichtige Triebfeder des konjunkturellen Aufschwungs im Euro-Raum. Im fast abgelaufenen Jahr 2018 hat sie aber erheblich an Dynamik verloren. Einer verhaltenen Entwicklung bei den Auftragseingängen folgend verzeichnete die Industrieproduktion kaum noch Zuwächse und verläuft tendenziell seitwärts. Dabei haben sich die gängigen Stimmungsindikatoren im Jahresverlauf deutlich eingetrübt. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch das Industrieklima gemäß der Umfrage der EU-Kommission befinden sich auf dem Rückzug. Dies dürfte zum einen die Unsicherheiten aufgrund der gestiegenen Risiken, wie etwa den von den USA ausgehende Handelskonflikt mit der Gefahr der Zollausweitung auf europäische Produkte, widerspiegeln. Zum anderen spüren die Unternehmen die nachlassende Nachfrage, und dabei gerade die geringeren Auftragseingänge aus dem Ausland. Allerdings finden die Korrekturen auf einem hohen Niveau statt. Die Kapazitäten in der Industrie sind am aktuellen Rand zwar weniger stark ausgelastet als zuvor, aber auch der Auslastungsgrad ist noch vergleichsweise hoch. Allerdings schmelzen die vorhandenen…

EZB – neuer Kapitalschlüssel hat kaum Auswirkungen

Am 1. Januar 2019 wird der Schlüssel für die Kapitalzeichnung der EZB geändert. Die EZB passt die Kapitalanteile der Nationalen Zentralbanken (NZB) mindestens alle fünf Jahre und immer dann an, wenn ein neues Land der Europäischen Union (EU) beitritt. Das letzte Mal wurde der EZB-Kapitalschlüssel am 1. Januar 2014 angepasst. Die Anteile der NZB am Kapital der EZB werden dabei zu gleichen Teilen nach den Anteilen der jeweiligen Mitgliedstaaten an der Gesamtbevölkerung und am Bruttoinlandsprodukt der EU gewichtet. Auf Basis der aktuellsten Eurostat-Daten aus dem Jahr 2017 ergeben sich die größten Veränderungen für Italien und Deutschland. Während der Kapitalanteil Deutschlands um rund 0,7 Prozentpunkte ansteigen sollte, dürfte der Anteil Italiens um rund 0,9 Prozentpunkte fallen. Das würde bedeuten, dass die EZB-Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen im Rahmen des APP ab 2019 abnehmen würde. Im Rahmen des Anleiheankaufprogramms für öffentliche Titel (PSPP) müssen sowohl die Neukäufe der Staatsanleihen als auch die Reinvestitionen…

Eurozonen-Budget braucht man, wenn man den Euro bewahren will

Frankreich und Deutschland haben sich Ende der vergangenen Woche auf die Eckpunkte eines Entwurfs für ein eigenes Eurozonen-Budget verständigt. Ziel ist es, über die Förderung von Investitionen die Konvergenz im Währungsraum zu stärken und Krisen vorzubeugen, was auch die Stabilität des Euro verbessern soll. Nach Monaten des Stillstands in den Gesprächen über die Reform von EU und EWU erhoffen sich die beiden größten Mitgliedsstaaten nun eine neue Dynamik sowohl in der öffentlichen Debatte als auch zwischen den Mitgliedsstaaten. Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig gewählt. Im kommenden Jahr finden Europawahlen statt und die Regierungen sind den Bürgern Europas noch die versprochenen Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen der Gemeinschaft schuldig. Wer auf ein ausgereiftes Konzept gehofft hatte, dürfte jedoch enttäuscht sein. Das zweiseitige Positionspapier beinhaltet vor allem Allgemeinplätze und generelle Absichtserklärungen, ohne wirklich konkrete Maßnahmen und einen finanziellen Umfang zu benennen. Die bremsende Seite der deutsch-französischen Achse dürfte eher in…

Theresa May bleibt standhaft und zieht es durch

Die Ankündigung der gestrigen Pressekonferenz hatte, vorhersehbarerweise, Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Theresa Mays ausgelöst. Und wer könnte es ihr verdenken? Selbst in einer Amtszeit, die von Anfang an von Problemen geplagt war, dürfte der gestrige Tag unter die Top-5 der Tiefpunkte fallen. Nach den Rücktritten mehrerer Kabinettsmitglieder und einiger Staatssekretäre am Vormittag, musste sich May geschlagene drei Stunden den Fragen der Parlamentarier stellen. Das Urteil über den von ihr verhandelten Vertrag mit Brüssel fiel dabei durch die Bank weg vernichtend aus. Größter Stein des Anstoßes ist nach wie vor der Backstop, den viele Mitglieder des Parlaments als Hintertür in Richtung einer dauerhaften Zollunion Großbritanniens mit der EU betrachten. Gleichzeitig wächst nicht nur auf Seiten der nordirischen DUP der Unmut darüber, dass Nordirland, welches weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandelt werden soll, einen Sonderstatus innerhalb des Vereinigten Königreiches erhalten könnte. Manch einer sieht hierin bereits das Ende der Union gefährdet….

Rom will es wissen

Nachdem Rom am Dienstag einen „überarbeiteten Budgetentwurf“ in Brüssel eingereicht hat, liegt der Ball nun wieder bei der EU-Kommission. Diese wird die lediglich kosmetisch veränderten Fiskalpläne Italiens weiterhin nicht akzeptieren können, da das veranschlagte Defizit und die Wachstumsprognosen zu optimistisch bleiben. Doch die Überzeugungskraft der Mittel, mit Hilfe derer Brüssel Druck auf die pan-populistische Exekutive im Stiefelstaat ausüben könnte, sind recht begrenzt. Zunächst kann der Europäische Rat auf Vorschlag der EU-Kommission mit qualifizierter Mehrheit ein Verfahren wegen übermäßigen Defizits etwa Anfang nächsten Jahres einleiten. Das wäre der erste Akt eines EU-Eskalationsdramas, den schon viele Euroländer erfahren haben. In Folge dessen würden Italien wirtschaftspolitische Maßnahmen oder Reformen auferlegt, die innerhalb von drei bis sechs Monaten zu erfüllen wären. Bei Nicht-Einhaltung der Forderungen könnten am Ende Sanktionen in Form von Geldbußen (0,2% des BIP, rund 4 Mrd. Euro) stehen. Die Ende Mai 2019 anstehenden Europa-Wahlen dürften die Handlungsfähigkeit der EU-Kommission jedoch behindern…

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