Eurozone

Droht dem Euro-Raum eine Deflation?

Die Inflation im Euro-Raum hat sich wegen des Ölpreisverfalls bereits seit Jahresbeginn abgeschwächt. Und die Corona-Krise drückt die Preise noch weiter. Die Inflationsrate (HVPI) in der Währungsunion sank im Mai von 0,3 auf 0,1 Prozent und nähert sich damit zusehends der Nulllinie an. Die Frage, ob in den kommenden Monaten auch andere Preise nachgeben und ob der Euro-Raum damit auf mittlere Sicht in eine Deflation abrutschen könnte, wird die Marktbeobachter in den kommenden Monaten sicher stark beschäftigen. Der Blick auf die Hauptaggregate zeigt, dass der Trend der fallenden Inflationsrate maßgeblich auf rückläufige Preise für Energiegüter zurückzuführen ist, während auf der anderen Seite die Preise für Nahrungsmittel in der Tendenz etwas stärker zugelegt haben. Klammert man diese beiden Komponenten aus, und fokussiert sich damit auf die Kernrate, dann blieb die jährliche Veränderungsrate der Verbraucherpreise im Mai mit 1,2 Prozent weitestgehend stabil. Kurz- bis mittelfristig wirken unterschiedliche Aspekte auf die Preisentwicklung. Für…

Fiskalunion 1.0

Auf den ersten Blick mag man sich ungläubig die Augen reiben. Italien ist das mitunter am stärksten durch die Corona-Krise gebeutelte Land in Europa. Die Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr voraussichtlich im zweistelligen Prozentbereich sinken, während die Schuldenstandsquote geradezu sprunghaft ansteigt. Den italienischen Staatsanleihen scheint die Krise dagegen kaum zuzusetzen. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt bei etwa 1,5%, der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit bei rund 180 Basispunkten. Zum Vergleich: Zum Höhepunkt des Streits zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission im Herbst 2018 lag die Rendite noch bei rund 3,7% und der Spread bei etwa 320 Basispunkten. Die damals von Rom geplanten Mehrausgaben, die einen Großteil des Streits ausmachten, waren im Vergleich zu den aktuell diskutierten Fiskalprogrammen jedoch fast verschwindend gering. Zwei wesentliche Einflussgrößen zeichnen für ein Umdenken der Anleger verantwortlich und haben die bislang geltenden Wirkungsmechanismen am Staatsanleihemarkt der Eurozone nahezu außer Kraft gesetzt: Das EZB-Anleihekaufprogramm PEPP…

EZB stemmt sich gegen die Krise – Aufstockung des PEPP

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen entschieden, das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) um 600 Mrd. Euro auf nunmehr 1.350 Mrd. Euro aufzustocken. Im Hinblick auf das Volumen wurde diese Entscheidung wohl nicht von allen Ratsvertretern mitgetragen. Zudem wurde beschlossen, die Anleihekäufe nicht nur bis zum Jahresende, sondern zumindest bis Juni 2021 fortzuführen. Um die gegenwärtige Dynamik der Anleihekäufe bis dahin aufrechtzuerhalten, müssten die Notenbank-Oberen das Ankaufvolumen sogar nochmals anheben. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die Notenbank die Liquidität aus im PEPP fälligen Wertpapieren mindestens bis Ende 2022 wieder reinvestieren will. Damit wird der geldpolitische Stimulus zeitlich nochmals deutlich gestreckt. Zudem ermöglicht dies der EZB, aufgrund der Flexibilität des PEPP noch über einen längeren Zeitraum vom Kapitalschlüssel abzuweichen. Spekulationen, wonach sich die EZB gänzlich von diesem lösen könnte, haben sich nicht bestätigt. Das Maßnahmenpaket der Notenbank hat die Erwartungen der Marktakteure übertroffen. Dies spiegelt sich unter anderem in…

Corona-Krise dominiert Entwicklung des Kreditgeschäfts im Euroraum

Die Kreditvergabedynamik im Euroraum hat sich im April weiter verstärkt. Das geht aus Zahlen hervor, die heute von der EZB im Zusammenhang mit der Geldmengenentwicklung veröffentlicht wurden. Danach stieg die jährliche Wachstumsrate der Gesamtkreditvergabe an Ansässige im Euroraum auf 4,9 Prozent. Der kräftige Anstieg ist vor allem auf die Folgen der Corona-Krise und die ergriffenen Hilfsmaßnahmen zurückzuführen und macht sich bei den Kreditnehmern unterschiedlich bemerkbar: Während sich der Zuwachs der Bankschulden privater Haushalte verlangsamte, beschleunigte er sich bei den Unternehmen von 5,5 Prozent im März auf beachtliche 6,6 Prozent im April. Noch stärker fiel die Dynamik beim Staatskredit aus. Für die Kreditwirtschaft bedeutet die Krise eine große Herausforderung. Das gilt nicht nur für den organisatorischen Aufwand im Zusammenhang mit den Hilfskrediten. Hinzu kommen die massiven Verschiebungen in der Kreditnachfrage: Während kurz- bis mittelfristige Kredite zur Überbrückung der Krise wachsen, dürfte die Nachfrage nach Investitionskrediten der Unternehmen und nach privaten Wohnungsbaukrediten,…

Ölpreis und Pandemie drücken die Inflationsrate in der EWU – Die Aussagekraft ist derzeit aber begrenzt

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im Mai wegen des Ölpreisverfalls, aber auch wegen der Corona-Krise noch einmal deutlich abgeschwächt. Auch auf Länderebene konnte sich die Verbraucherpreisentwicklung dem Druck nach unten nicht entziehen. Der harmonisierte Verbraucherpreiseindex (HVPI) in der Währungsunion sank von 0,3 auf 0,1 Prozent und nähert sich damit der Nulllinie an. Im Warenkorb der Verbraucher verbilligte sich maßgeblich Energie. Kein Wunder angesichts des im Vergleich zum Vorjahr deutlich niedrigeren Ölpreises. Aber auch der Preisdruck bei anderen Gütern ließ nach. Dies spiegelt die durch die Lockdown-Maßnahmen geschwächte Nachfrage wider, die den Anbietern kaum Spielraum für Preiserhöhungen lässt. Allerdings bleiben Fragezeichen bezüglich der Validität der Preisdaten. Denn zum einen waren viele Bereiche durch den Lockdown praktisch vollkommen stillgelegt. Die Messung der Verbraucherpreise in diesen Bereichen ist seit März mit hoher Unsicherheit belegt. In Frankreich wurden im Mai beispielsweise noch rund 45 Prozent der relevanten Daten nicht erhoben und konnten nur…

Ein Perpetuum Mobile gibt es nicht

Die Finanzmärkte scheinen sich immer weiter von der Realwirtschaft abzukoppeln. Diesen Eindruck kann man zunehmend gewinnen. Alle Assetklassen profitieren von den weltweit niedrigen Zinsen, den sehr niedrigen Zinsenerwartungen bei gleichzeitig einer schier unerschöpflichen Bereitstellung von Liquidität. Dazu kommt noch ein nicht enden wollender Reigen an staatlichen Hilfspaketen. Alles zusammen scheint ein Umfeld zu erschaffen, in dem selbst in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise seit mehr als 50 Jahren, die Hoffnung alle aktuellen Ängste und Sorgen überwiegt. Die Folge sind hohe Bewertungen in allen Assetklassen, insbesondere Staats- und Unternehmensanleihen haben sich von den fundamentalen Grundlagen zum Teil weit entfernt, da hier die Zentralbanken auch direkt kaufen. Diese Beobachtungen sind nicht neu. Seit der Finanzmarktkrise kann man diese Entwicklung an den Finanzmärkten mit unterschiedlicher Intensität beobachten. Die hohen Bewertungen waren in der Vergangenheit zu keiner Zeit ein wesentlicher Risikofaktor. Wichtig war letztendlich nur, dass die Zentralbanken jederzeit bereit sind die Finanzmärkte zu stützen….

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