Eurozone

„Früh“- und „Spätindikatoren“ in der Krise

Aktienkurse gelten gemeinhin als „Frühindikatoren“ für die Konjunktur. Sie beruhen vor allem auf Erwartungen bezüglich der weiteren Entwicklung der Unternehmensgewinne, sind also in die Zukunft gerichtet. Und da die Unternehmensgewinne üblicherweise eng mit dem konjunkturellen Auf und Ab korreliert sind, sollten die Aktienkurse auch eine gute Prognose für den weiteren Konjunkturverlauf darstellen. Der Arbeitsmarkt gilt hingegen als typischer „Spätindikator“ für die Konjunktur. Denn die Unternehmen benötigen üblicherweise Zeit, um ihren Personalbestand an die wirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Bei Neueinstellungen geht ein Such- und Auswahlprozess voraus, und betriebsbedingte Kündigungen aufgrund von Auftragsmangel oder Geschäftsschließungen benötigen ebenfalls eine Vorlaufzeit. Derzeit herrscht am Aktienmarkt ein großer Optimismus, trotz der schweren Corona-Krise. Der Arbeitsmarkt hat unterdessen – zumindest in Europa – bislang nur recht verhalten auf die Krise reagiert. Bedeutet das nun, dass die Krise bereits überwunden ist und alles gar nicht so schlimm war? Oder kommt das dicke Ende noch? Die Aussagekraft der gängigen…

ifo-Geschäftsklima: Der dritte Anstieg in Folge

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli weiter verbessert. Das zeigt die aktuelle Umfrage des ifo-Instituts. Der Geschäftsklimaindex ist in den letzten vier Wochen von 86,3 auf 90,5 Punkte angestiegen. Damit beschleunigt sich dieser wichtige Pulsmesser für die deutsche Wirtschaft das dritte Mal in Folge. Das wird gemäß der gebräuchlichen Faustregel als verlässliches Indiz für einen Wendepunkt angesehen. Man kann also mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass sich die deutsche Wirtschaft nach dem tiefen Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr wieder in der Erholungsphase befindet. Dabei sind die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate sogar so positiv wie seit rund 1 1/2 Jahren nicht mehr. Auch das zeigt, dass die deutsche Wirtschaft überzeugt ist, dass in der Corona-Krise das Schlimmste überwunden ist und es im dritten Quartal wieder kräftig aufwärtsgehen wird. Noch sind die Unternehmen allerdings ein gutes Stück vom „Normalzustand“ entfernt. Die aktuelle Geschäftslage schätzen sie immer…

Beflügelte Einkaufsmanagerindizes im Juli – Ist die Krise bereits ausgestanden?

Die europäischen Einkaufsmanager haben sich gemäß der Umfrage von IHS Markit im Juli deutlich zuversichtlicher gezeigt. Der Composite-Einkaufsmanagerindex als umfassendes Stimmungsbarometer zur Lage bei den Dienstleistern und im verarbeitenden Gewerbe stieg 6,3 Zähler auf 54,8 Punkte im Juli. Das ist der höchste Wert seit Mitte 2018. Dahinter stand eine deutliche Stimmungsverbesserung in beiden Bereichen der Privatwirtschaft. Beim ersten Blick auf die Zahlen möchte man fast meinen, dass die Corona-Krise nach einem kurzen, aber tiefen Einschnitt ausgestanden ist. Doch bei der genaueren Betrachtung der Messzahl, beispielsweise für den Dienstleistungsbereich, die das größte Plus in der Monatsbefragung erzielte, darf man nicht vergessen, wie diese erhoben wird. Sie beruht allein auf einer Schlüsselfrage, nämlich: „Ist das Niveau der Geschäftstätigkeit in Ihrem Unternehmen höher, gleich oder niedriger als vor einem Monat?“. Angesichts der fortgeschrittenen Lockerungen und des zunehmenden (touristischen) Reiseverkehrs ist es kein Wunder, dass Dienstleister von einer besseren Geschäftstätigkeit berichten. Zuletzt haben aber…

Mehr Macht für die Zentrale

Der neue EU-Hilfsfonds – oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde – soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen. Der Fonds wird in den kommenden drei Jahren 390 Mrd. Euro an Zuschüssen und 360 Mrd. Euro an Krediten an die Mitgliedsstaaten ausreichen. Zur Finanzierung dieses Programms wird die EU-Kommission ermächtigt, im Namen der EU eigene Anleihen aufzulegen und am Kapitalmarkt zu platzieren. Damit hat die EU erstmals die Möglichkeit, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Der Schuldendienst für die neuen EU-Bonds wird dann über den EU-Haushalt abgewickelt, der zukünftig auch eigene Steuereinnahmen haben soll: Ab 2021 soll eine Steuer auf Einwegplastik eingeführt werden, und ab 2023 sollen eine Digitalsteuer und eine CO2-Grenzsteuer hinzukommen. Eine Finanztransaktionssteuer ist ja ohnehin schon länger in Planung. Die EU wird mit den Brüsseler Beschlüssen erstmals zu einem…

EU einigt sich auf Corona-Hilfspaket

Es war mal wieder ein zähes Ringen in Brüssel. Die Positionen lagen zu Beginn der Verhandlungen sehr weit auseinander und das Gesprächsklima im Verhandlungssaal dürfte eher unterkühlt gewesen sein. Aber es gab immerhin den deutsch-französischen Vorschlag eines „Aufbaufonds“ von 750 Mrd. Euro, der den besonders schwer von der Corona-Krise betroffenen Staaten zugutekommen sollte. Strittig war insbesondere die Aufteilung der Summe auf Zuschüsse bzw. Kredite. Ursprünglich sollten 500 Mrd. Euro als nicht rückzahlbare Zuschüsse ausgezahlt werden und 250 Mrd. Euro als Kredite vergeben werden. Die Aufteilung hat sich nunmehr in 390 Mrd. Euro Zuschüsse und 360 Mrd. Euro Kredite verändert, nachdem die „Sparsamen 4“ (Niederlande. Österreich, Dänemark und Schweden) auf einer Reduzierung der Zuschuss-Summe bestanden hatten. Auch gibt es Auflagen für die Verwendung der Hilfszahlungen, die sich nach den wirtschaftspolitischen Empfehlungen der EU-Kommission richten sollen. Neu ist, dass die EU die Möglichkeit hat, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu…

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