Eurozone

Negative Zinsen können unerwünschte Nebenwirkungen haben

Im Zuge der geldpolitischen Beratungen in der letzten EZB-Ratssitzung wurden endlich die möglichen negativen Auswirkungen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus auf die Profitabilität des Bankensektors diskutiert. Zudem wurde auch erörtert, ob sich solche unerwünschten Konsequenzen längerfristig negativ auf die Finanzstabilität auswirken können. Zugleich wurde aber auch hervorgehoben, dass die Auswirkungen auf die Banken je nach Geschäftsmodell sehr unterschiedlich seien. Über konkrete Maßnahmen, wie die Belastungen für den Bankensektor gemildert werden könnten, wurde den Accounts zufolge nicht gesprochen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass sich zuletzt die Spekulationen über die Einführung eines abgestuften Einlagesatzes belebt haben. Unserer Einschätzung nach würde dies allerdings die geldpolitische Kommunikation zusätzlich verkomplizieren. Daher sind wir gegenüber einer Adjustierung des Einlagesatzes skeptisch eingestellt. Für eine ausführlichere Darstellung der Thematik verweisen wir auf unsere Studie „Adjustierung Einlagesatz: Unerwünschte Nebenwirkungen“ vom 1. April. Zum jüngsten Maßnahmenpaket der EZB gehört auch eine neue Serie an Langfristtendern (TLTRO III). Bemerkenswert ist in diesem…

Industrie im Euroraum weiterhin im Rückwärtsgang

Die Stabilisierung des Konjunkturausblicks für den Euro-Raum, die sich seit Beginn des Jahres 2019 angedeutet hat, wird durch die anhaltenden Belastungen im Industriesektor gefährdet. Das zeigt die aktuelle Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK. Unser konjunktureller Frühindikator ist im März wieder um 0,2 Prozent gesunken, nachdem er sich in Januar und Februar 2019 leicht erholen konnte. Während sich fast die Hälfte der Einzelindikatoren, die in die Berechnung des Euro-Indikators eingehen, im abgelaufenen Monat zumindest leicht positiv entwickelten, gab es aus dem Industriebereich einen deutlich negativen Beitrag. Besonders ungünstig wirkte sich die Stimmungsverschlechterung unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe aus. Denn gemäß Markit-Umfrage verzeichnete der EWU-Industriesektor im März die stärksten Geschäftseinbußen seit knapp sechs Jahren. Zudem sind auch die Produktionserwaetungen im verarbeiteten Gewerbe zum vierten Mal in Folge gefallen. Eine eher optimistische Stimmung herrscht dagegen weiterhin bei den privaten Haushalten vor. Zwar sehen auch sie den Konjunkturausblick nicht mehr ganz so…

Adjustierung des Einlagesatzes mit unerwünschten Nebenwirkungen

Negative Zinsen, der Einlagesatz liegt schon geraume Zeit bei -0,4%, sind im Euroraum fast schon ein Normalzustand geworden. Zu Beginn sollten die negativen Zinsen die Kreditvergabe der Banken beflügeln, was auch teilweise funktioniert hat. Zwischenzeitlich ist dieser positive Effekt weitestgehend verschwunden. Geblieben ist eine Art Sondersteuer für Banken und Unternehmen im Euroraum, die insbesondere im Bankensektor die internationale Wettbewerbsfähigkeit verringert. Nun scheint sich auch die EZB langsam unwohl zu fühlen. Dies mag auch daher rühren, dass man nun auch in der Notenbank eine baldige Änderung der Zinspolitik abgeschrieben hat. Damit steht die EZB nun vor dem Problem, dass die negativen Zinsen auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben, bzw. wenn die Konjunkturdynamik sich noch weiter verlangsamt, die Leitzinsen noch tiefer in den negativen Bereich gesenkt werden könnten. Entsprechend haben nun EZB Chef Draghi und Chefvolkswirt Praet auf die möglichen Gefahren von negativen Zinsen hingewiesen und auch angedeutet, dass man ungewollte ungünstige Effekte…

Ostereffekt drückt Inflationsrate im Euro-Raum leicht auf 1,4 Prozent

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat sich im März kaum bewegt. Nach der vorläufigen Berechnung von Eurostat fielen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,4 Prozent höher aus. Im Vormonat belief sich die jährliche Rate noch auf 1,5 Prozent. Der leicht geringere Preisdruck geht dabei auf die Dienstleistungen zurück. Dies dürfte an dem vergleichsweise späten Termin für das Osterfest am 21. April in diesem Jahr liegen. Deutlich wird dies auch an der Kernrate, die die volatileren Elemente der Nahrungs- und Energiepreise ausklammert. Sie sank um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Im vergangenen Jahr lag Ostern am 1. April. Dementsprechend begannen die Osterferien im letzten Jahr zu großen Teilen schon im März. Die Preise im Hotel- und Übernachtungsbereich sowie für Transportdienstleistungen fielen im März 2018 dementsprechend höher aus. Dies bremste dann den Preisauftrieb bei den Dienstleistungspreisen im März 2019. Das bedeutet aber auch, dass im April 2019 bei den Dienstleistungspreisen ein entsprechender…

EZB geht der Kompass verloren

Die EZB steht wieder einmal vor einem Problem: Die Inflation und vor allem die Inflationserwartungen fallen im Euroraum. So lag die Inflationsschnellschätzung für Deutschland im Monat März bei 1,5% (J/J) und damit unterhalb der Prognosen. Die Inflationserwartungen für die EWU sind jüngst regelrecht abgestürzt und liegen bei rund 1,3% und damit auf dem Tief von 2016 als die EZB das QE-Programm auf 80 Mrd. EUR pro Monat erhöhte. Die Kernrate der Inflation, ohne die Komponenten Energie und Nahrungsmittel, pendelt seit Jahren zwischen 1% und 1,2%. Die lange Phase des Aufschwungs spiegelt sich also nicht in der Inflationsentwicklung wider . Die Reaktionsfunktion der EZB fußt im Grunde auf Veränderungen in den Inflations- und Wachstumserwartungen. Folglich müsste die EZB jetzt eigentlich die Zinsen senken, um Deflationsgefahren zu begegnen, bevor sie aufkommen. Bei Zinsen von null und einem negativen Einlagesatz fällt das natürlich sehr schwer. Also hat man erstmal die Erwartungen für einen…

Brexit – ein Synonym für Politikversagen

Bei der gestrigen Abstimmung über acht Brexit-Alternativen im britischen Unterhaus erhielt keiner der Vorschläge die Mehrheit. Am besten schnitten die Initiativen zugunsten einer Zollunion und eines sogenannten Bestätigungsreferendums ab, bei dem die Bevölkerung das letzte Wort über ein Abkommen mit der EU hätte. Das Brexit-Drama nimmt also kein Ende und verstärkt die Zweifel an den politischen Institutionen. Ein eindrucksvolleres Zeichen für Politikversagen kann man sich kaum vorstellen. Es wäre kaum verwunderlich, wenn daraufhin die Politikverdrossenheit zunähme. Bis jetzt gehen wir weiterhin von einem geregelten Brexit aus. Jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Großbritannien am 12. April in einem ungeregelten Prozess aus der EU ausscheidet. Die Warnungen aus der britischen Wirtschaft, aber auch von anderen EU-Ländern über die dann wohl folgenden Konsequenzen werden jeden Tag eindringlicher. Im Falle eines ungeregelten Brexits rechnen wir mit einer tiefen Rezession in UK und einem Wachstumsrückgang von 0,5 Prozentpunkten in Deutschland und dem Euroraum im Jahr…

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