Eurozone

Die EZB wartet noch

Die heutige EZB-Ratssitzung wurde mit Spannung erwartet. Angesichtes stark steigender Neuinfektionszahlen und einer sukzessiven Verschärfung der Restriktionsmaßnahmen in Europa stiegen die Erwartungen im Vorfeld der Sitzung, dass es schon heute neue Lockerungsmaßnahmen verkündet werden könnten. Diese blieben zwar aus, allerdings wurde die Tür für weitere Lockerungen weit aufgestoßen. In der Pressekonferenz betonte Frau Lagarde, dass die stark steigende Zahl der Neuinfektionszahlen sowie die Maßnahmen zur Eindämmung dieser Entwicklung auf dem kurzfristigen Ausblick lasten würden. Die Risiken für den weiteren Ausblick seien klar abwärtsgerichtet. Daher sei es auch erforderlich, dass die Unterstützung der Wirtschaft durch die Fiskalpolitik auf nationaler und europäischer Ebene entschlossen fortgesetzt werde. Der Fokus richtet sich nun auf die Sitzung am 10. Dezember. Dann werden die Notenbanker ihre neuen Projektionen für Wachstum und Inflation vorlegen. Diese dürften für das vierte Quartal und auch für den Beginn des kommenden Jahres deutlich niedriger als bisher ausfallen. Frau Lagarde betonte, dass die…

EWU-Einkaufsmanager: Zweite Welle drückt auf die Stimmung der Dienstleister – Industrie zeigt sich robust

Bei den europäischen Dienstleistern steigt angesichts zunehmender Infektionszahlen im Oktober die Unsicherheit. Die Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen lässt den Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich deutlich sinken. In einigen Ländern sind die Gastronomie und der Beherbergungsbereich spürbar eingeschränkt. Zudem gibt es teilweise nächtliche Ausgangsperren. Mit Irland und den Niederlanden befinden sich zwei Länder sogar schon wieder in einer Art Lockdown. Dies hinterlässt Spuren und drückt die bei den Dienstleistern auf das Sentiment. In der Industrie können die Stimmungsmesszahlen dagegen sogar noch zulegen und für die Gesamtbetrachtung Schlimmeres verhindern. Der umfassende Composite-Index aus beiden Bereichen geht im Oktober gemäß IHS Markit von 50,4 auf 49,4 Punkte zurück. Zu Beginn des vierten Quartals verschlechtern sich damit die Wachstumsaussichten des Euro-Raums. Da bei den steigenden Infektionszahlen derzeit noch kein Ende in Sicht ist, sind weitere Verschärfungen bei der Virus-Bekämpfung nicht auszuschließen. Die Stimmungslage der deutschen Einkaufsmanager ist im Oktober zweigeteilt. Die Messzahl für die Industrie kann…

Jungendarbeitslosigkeit wird zu einem Problem im Euroraum

Das Corona-Virus hat im ersten Halbjahr harte konjunkturelle Rückschläge in den Volkswirtschaften rund um den Globus bewirkt. Im Euro-Raum konnte mithilfe umfangreicher Maßnahmen immerhin der Arbeitsmarkt vor schwereren Verwerfungen bewahrt werden. Doch läuft es längst nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen gut. Insbesondere in der Gruppe der unter 25-jährigen wurde seit den Lockdownmaßnahmen ab März ein recht zügiger Anstieg in der EWU-Arbeitslosenquote verzeichnet. Einer der Gründe für die rapide Verschlechterung der Jugendarbeitslosigkeit ist der Umstand, dass Unternehmen in Corona-Zeiten aufgrund erhöhter Unsicherheit deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Das stellt insbesondere all jene vor eine Herausforderung, die nach ihrem Abschluss im Corona-Sommer die Schule verlassen haben und nur schwer oder gar keine Ausbildung finden. Zudem werden befristete Arbeitsverhältnisse in den unsicheren Zeiten kaum verlängert. Die Gefahr dabei ist, dass diese Personen dauerhaft in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Je länger sich eine Person in Arbeitslosigkeit befindet, desto schwierig wird die Integration in den…

EWU Inflationsrate bleibt im September negativ

Im September blieb die Inflationsrate im Euro-Raum mit -0,3 Prozent weiterhin im negativen Bereich. Im Vormonat lag sie schon bei -0,2 Prozent. Zu der Preisreduktion haben erneut die Energiepreise mit einem kräftigen Minus im Vorjahresvergleich beigetragen. Bei den industriellen Gütern fiel die Teuerungsrate nach der Verschiebung des Sommerschlussverkaufs überraschend schwach aus und ging erneut zurück. In einigen Ländern haben sich die „summer sales“ wohl sogar bis in den September hineingezogen und die Preise noch länger gedrückt. Der Preisauftrieb bei den immer noch Corona-geplagten Dienstleistungen schwächte sich erneut ab. Allein für Nahrungsmittel mussten die Verbraucher zuletzt etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Die abgebremste Preisentwicklung bei Gütern und Dienstleistungen prägt auch die Kernrate: Sie ging im September von 0,6 auf 0,4 Prozent zurück Dieses Bild zeigt sich fast einheitlich in den großen Mitgliedsländern des Euro-Raums: Insgesamt kaum oder negativer Preisdruck. In Frankreich lag die Inflationsrate im September bei 0,0 Prozent, in Deutschland…

Erneute Infektionswelle ist eine Gefahr für die wirtschaftliche Erholung in Frankreich

Nach einem kräftigen Minus im ersten Quartal ist Frankreichs Wirtschaft im zweiten Vierteljahr um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal regelrecht abgestürzt. Ein so starker Rückgang wurde bislang noch nicht gemessen. Grund dafür waren die strengen und andauernden Corona-Schutzmaßnahmen. Nach Berechnungen der Banque de France wurde das wirtschaftliche Aktivitätsniveau durch den Lockdown im März um rund 30 Prozent und im April um 27 Prozent im Vergleich zu einer „normalen“ Woche gedrückt. Inzwischen hat die Volkswirtschaft aber schon wieder mehr als 90 Prozent des Normalniveaus erreicht. Das zunächst schnelle Anspringen des Wirtschaftsmotors zeigte sich an den gängigen Konjunkturindikatoren. Die Industrie hat schon wieder ein gutes Stück des Produktionsrückgangs aufarbeiten können. Auch die Auftragseingänge haben schon zugelegt. Zudem ist die Ausgabenfreude der Konsumenten zurückgekehrt. Insgesamt erholt sich die französische Wirtschaft, aber die Dynamik scheint aktuell etwas an Schwung zu verlieren. Was Kopfzerbrechen bereitet, ist das inzwischen deutlich beschleunigte Infektions-geschehen in Frankreich. Angesichts der…

Weiter Vollgas, aber nicht noch mehr

Die EZB hat wie von uns erwartet ihr Pressestatement und damit auch die Forward Guidance (bis auf fünf Worte) unverändert gelassen. Die Märkte haben entsprechend eher verhalten reagiert. Die Kaufprogramme und Liquiditätsmaßnahmen laufen weiter mit Vollgas. Eine Lachgaseinspritzung für noch mehr PS war auch nicht nötig. Die Wirtschaftsdaten bewegen sich im Bereich des Basisszenarios der EZB, weshalb noch keine Anpassungen der Geldpolitik erforderlich sind. Diese wird sich die EZB in der Hinterhand behalten, sollte die Pandemie für weitere, unvorhergesehene wirtschaftliche Schäden sorgen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die EZB aber bis Ende des Jahres bei den Kaufprogrammen (PEPP läuft bisher im Sommer 2021 aus) nochmal nachlegen muss, um über den Kreditkanal der auch nächstes Jahr noch schwächelnden Konjunktur weiter unter die Arme zu greifen. Diese Aussicht bestätigte Lagarde auch in der Pressekonferenz, indem sie die Fortsetzung der aktuellen Geldpolitik aufgrund der hohen Unsicherheiten und Schwächen in der Konjunktur betonte….

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