EZB

Internationaler Zinssenkungswettlauf

Die Zinsen sinken rund um den Globus. Noch Anfang 2019 sah es so aus, als sollte sich die gerade erst gestartete Normalisierung der Geldpolitik, ausgehend von der US-Notenbank, auch allmählich auf die anderen Zentralbanken der Welt übertragen. Heute stehen die Zeichen dagegen weltweit schon wieder auf Zinssenkung. Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Fed haben jedenfalls verschiedene andere Notenbanken ebenfalls einen Schwenk in Richtung expansiver Geldpolitik vollführt. So haben beispielsweise die Währungshüter in Indien, Thailand, Neuseeland, Brasilien oder Peru nachgezogen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik erhöht. Die EZB wird wohl im September ein großes Maßnahmenpaket ankündigen. Der politische Druck auf die US-Notenbank dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Andere Zentralbanken könnten dann erneut im Schlepptau folgen. Sollte sich dieser vermeintliche Wettlauf um die lockerste Geldpolitik fortsetzen, können die Zentralbanken jedoch nur verlieren. Die Zeiten extrem niedriger Renditen an den Anleihemärkten dürften also weitergehen, die Situation könnte sich sogar noch verschärfen….

EZB ändert die Inflationssteuerung

Wenn die jüngste Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi eine Sache gezeigt hat, dann die, dass die Währungshüter mit der Inflationsentwicklung alles andere als zufrieden sind. Insbesondere die Inflationserwartungen bereiten Sorgen, da diese mittlerweile diejenigen Niveaus unterschritten haben, die bei Auflegung der Netto- Anleihekäufe beziehungsweise bei der Aufstockung der Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro herrschten. Die Währungshüter haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, damit die Inflationserwartungen nicht ihre Verankerung verlieren. So wurde erst im Juni die Forward Guidance bis Mitte 2020 verlängert. Außerdem hatte die EZB neue TLTROs auf den Weg gebracht. All diese Maßnahmen scheinen jedoch kaum Wirkung entfaltet zu haben, denn die Inflationserwartungen sind weiter gesunken. Diese Entwicklung könnte in einer letzten Konsequenz darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer befürchten, die EZB habe die Kontrolle über die Inflation verloren. Vor diesem Hintergrund haben die Währungshüter zu einem weiteren Schachzug gegriffen, um die Sorgen des Marktes zu zerstreuen und die Inflationserwartungen…

Inflationsrate im Euro-Raum ohne große Bewegung – EZB steht unter hohem Erwartungsdruck

Im Juni hat sich die Inflationsrate im Euro-Raum nicht bewegt. So lag die jährliche Teuerungsrate der Verbraucherpreise mit 1,2% genauso hoch wie im Vormonat. Dabei haben zwei gegensätzliche Effekte auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex eingewirkt: Auf der einen Seite hat der geringere Preisauftrieb bei den Energiepreisen die Inflationsrate gesenkt. Auf der anderen Seite stiegen die Dienstleistungspreise nach dem Auf und Ab in den Vormonaten aufgrund des späten Osterfests in diesem Jahr wieder etwas stärker und erreichten das gewohnte Maß. Auf Länderebene zeigte sich in den Volkswirtschaften, die ebenfalls schon erste Schätzungen zur Preisentwicklung abgegeben haben, eine unterschiedliche Preisdynamik. In Deutschland blieb der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) unverändert bei 1,3%, in Frankreich stieg er von 1,1 auf 1,4%. In Spanien ermäßigte sich der Preisauftrieb von 0,9 auf 0,6%. Die italienische Inflationsrate ging von 0,9 auf 0,8% zurück. Einheitlich schwächte sich in allen Ländern der Preisauftrieb für den Bereich Energie ab, während die Dienstleistungspreise…

EZB: Rennen um Draghi-Nachfolge in vollem Gange

Ende Oktober endet die achtjährige Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi und nach wie vor ist unklar, wer die Nachfolge des Italieners antreten wird. Unabhängig davon, wer letztlich die EZB-Amtsgeschäfte ab November leiten wird, gehen wir von einer Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik aus. Denn die geldpolitische Marschrichtung der Notenbank wird nicht vom Vorsitzenden allein festgelegt, sondern vom geldpolitischen Rat als Ganzes. Somit wird selbst ein bekennender Zinsfalke keinen unmittelbaren Kursschwenk herbeiführen können. In den kommenden Wochen muss jedoch nicht nur ein Nachfolger für EZB-Chef Draghi gefunden werden, sondern auch für den ebenfalls aus dem Amt scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Einem ungeschriebenen Gesetz zufolge werden beide Spitzenpositionen nicht mit Vertretern eines einzelnen europäischen Landes besetzt. Da das Europäische Parlament bereits Anfang Juli über den EU-Kommissionsvorsitz abstimmen dürfte, wird der Ausgang dieses Personalpokers richtungsweisend für die Besetzung des EZB-Vorsitzes sein. Neben Bundesbankchef Weidmann werden noch zwei Franzosen (Villeroy de Galhau / Coeuré) und…

Warum dieser Aktionismus bei der EZB?

Völlig überraschend und aus meiner Sicht auch ohne nachvollziehbaren ökonomischen Grund hat Notenbankchef Draghi gestern die EZB unter enormen Zugzwang gesetzt: Er kündigte an, dass die EZB weitere geldpolitische Stimuli erwägt, sollte die Inflation nicht anziehen und sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Wochen nicht verbessern. Höchst ungewöhnlich für eine Notenbank forderte Draghi ausdrücklich eine Verbesserung der konjunkturellen Lage sowie eine höhere Inflationserwartung. Dies bedeutet natürlich, dass die EZB von der aktuellen Lage überrascht wurde oder man in den letzten Wochen zu zögerlich war. Explizit wurde eine weitere Zinssenkung angekündigt und – sollte das nicht reichen – ein weiteres Anleihekaufprogramm. Rein formal könnte der Auslöser für die neue geldpolitische Ausrichtung der deutliche Rückgang der Inflationserwartungen sein. Entscheidend scheinen die längerfristigen Inflationserwartungen zu sein, die – trotz der verlängerten Forward Guidance – seit der letzten EZB-Sitzung nochmals deutlich gesunken sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Einbruch nicht…

Das Bild trübt sich ein

Die protektionistische Politik der USA zeigt sich immer deutlicher in der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Dabei sind exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und China natürlich stärker betroffen als binnenwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsmodelle. Aber dies ist genau der Zweck dieser Politik. Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Zollspirale zerschlagen sich immer mehr und selbst wenn es zu einer Einigung kommen sollte, dürfte sich der Status quo nicht ändern. Wegen der starken internationalen Verflechtungen gibt es am Ende kaum ein Land, das nicht auf irgendeine Weise von diesem Konflikt betroffen ist. Die Folge ist ein stagnierender Welthandel, der zu weiterer Schwäche neigt. Dieses weltwirtschaftliche Bild haben wir nun stärker berücksichtigt und unsere Wachstumsprognosen gesenkt. Wir rechnen aber auch damit, dass die Regierungen auf das schwächere Wachstum mit einer höheren Ausgabendynamik reagieren und dass die schwächere Nachfrage nach Öl zu einem niedrigeren Ölpreis führt. Insgesamt trübt sich also der Wachstumsausblick ein, die Staatsverschuldung steigt und die…

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