EZB

Das Bild trübt sich ein

Die protektionistische Politik der USA zeigt sich immer deutlicher in der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Dabei sind exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und China natürlich stärker betroffen als binnenwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsmodelle. Aber dies ist genau der Zweck dieser Politik. Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Zollspirale zerschlagen sich immer mehr und selbst wenn es zu einer Einigung kommen sollte, dürfte sich der Status quo nicht ändern. Wegen der starken internationalen Verflechtungen gibt es am Ende kaum ein Land, das nicht auf irgendeine Weise von diesem Konflikt betroffen ist. Die Folge ist ein stagnierender Welthandel, der zu weiterer Schwäche neigt. Dieses weltwirtschaftliche Bild haben wir nun stärker berücksichtigt und unsere Wachstumsprognosen gesenkt. Wir rechnen aber auch damit, dass die Regierungen auf das schwächere Wachstum mit einer höheren Ausgabendynamik reagieren und dass die schwächere Nachfrage nach Öl zu einem niedrigeren Ölpreis führt. Insgesamt trübt sich also der Wachstumsausblick ein, die Staatsverschuldung steigt und die…

EZB: Notfalls handlungsbereit

Die EZB hat im Rahmen der heutigen Sitzung ihre Forward Guidance adjustiert. Hieß es im geldpolitischen Statement bislang, dass die Leitzinsen mindestens über das Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden, wurde dieser Zeitrahmen nun bis mindestens Mitte des kommenden Jahres ausgedehnt. Damit tragen die Notenbank-Oberen den derzeit auszumachenden Risikofaktoren (Handelsstreit / Brexit) für den gesamteuropäischen Konjunkturausblick Rechnung. Die vorsichtige Haltung der Notenbank spiegelt sich auch in den überarbeiteten Stabsprojektionen wider. Für die Zeithorizonte 2020 und 2021 wurde der Wachstumsausblick leicht nach unten revidiert. Zugleich war Draghi aber auch bemüht, nicht übermäßig pessimistisch zu wirken. So verwies er in diesem Zusammenhang auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Inflationsprojektionen wurden nur geringfügig angepasst. Bemerkenswert ist, dass der längerfristige Ausblick (2021) unverändert geblieben ist. Marktseitig waren zuletzt verstärkt Zweifel aufgekommen, wonach die EZB ihr selbstgestecktes Inflationsziel erreichen kann. Diesen Befürchtungen hat Draghi durchaus energisch widersprochen. Seiner Einschätzung nach seien gegenwärtig…

Niedrigzinsphase: keine Trendwende erkennbar – wachsende Zinseinbußen privater Haushalte

Vor rund zehn Jahren schwenkte die Zinslandschaft in Richtung Niedrigzinsphase ein. So gingen die Renditen festverzinslicher Wertpapiere in Deutschland tendenziell immer weiter zurück, bis 2016 erstmals sogar eine negative Durchschnittsrendite registriert werden musste. Begleitet wurde die Entwicklung von der EZB, die im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise die Leitzinsen auf historische Tiefstände senkte und ein gigantisches Anleihekaufprogramm startete. Für die privaten Haushalte führte das Niedrigzinsniveau zu beträchtlichen Einbußen bei den Zinseinkünften. Obwohl das in Einlagen, Rentenpapiere und Versicherungen angelegte Vermögen seit 2009 um über 40% gewachsen ist, reduzieren sich die Zinseinnahmen hieraus auf voraussichtlich 54 Mrd. Euro im laufenden Jahr und damit auf nur noch gut die Hälfte der Zinseinkünfte des Jahres 2009. Die jährlichen Zinseinbußen im Vergleich zum Normalzinsniveau summieren sich nach unseren Berechnungen auf 648 Mrd. Euro in zehn Jahren. Während Sparer unter den niedrigen Zinsen leiden, freuen sich die Kreditnehmer unter den privaten Haushalten über günstige Konditionen….

Europäische Politik gewinnt an Bedeutung

Es ist noch nicht lange her, da war die Europawahl kein nennenswertes Ereignis, und Brüssel war für viele Politiker (freiwillig oder nicht) eine bequeme Endstation ihrer Karriere. Dies hat sich deutlich gewandelt. Das Europa-Parlament und die Europäische Kommission haben sich zu wichtigen Elementen der europäischen, aber auch nationalen Politik entwickelt. Viele politische Impulse kommen zwischenzeitlich aus Brüssel, und die Weiterentwicklung der EU wird hier in Zusammenarbeit mit den Regierungschefs orchestriert. Umso wichtiger wird sein, die demokratische Legitimation zu stärken und den Einfluss von nationalen Interessen in geordneten Bahnen zu halten. Vor diesem Hintergrund wäre ein Initiativrecht des EU-Parlaments eine wichtige Weiterentwicklung. Jedoch wird dies wohl noch einige Zeit dauern. Wir erleben in den letzten Wahlen eine zunehmende Spreizung der politischen Meinung. Parteien an den Rändern des politischen Spektrums werden gestärkt, zulasten des politischen Mainstreams. Ein gemeinsamer Faktor dürfte die steigende Zukunftsangst der Menschen sein. Über die hohe Veränderungsgeschwindigkeit in den…

Die Hoffungen der EZB kollidieren mit der Wirklichkeit

Die Währungshüter haben im Rahmen ihrer heutigen Ratssitzung keine neuen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Dies war grundsätzlich auch nicht zu erwarten, da die EZB jüngst ihre Forward Guidance verlängert und neue Liquiditätsmaßnahmen auf den Weg gebracht hatte. Im Hinblick auf die TLTRO III hat Draghi in Aussicht gestellt, dass deren genaue Rahmenbedingungen im Zuge einer der nächsten Ratssitzungen bekanntgegeben werden. Es wurde hervorgehoben, dass sich die Ausgestaltung der TLTROs sowohl an der Entwicklung der europäischen Konjunktur als auch an der Kreditvergabe der Banken orientiert. Es deutet sich an, dass die Notenbank-Oberen im Rahmen der Juni-Ratssitzung über die TLTRO III-Details entscheiden werden. Zu diesem Zeitpunkt werden turnusgemäß die BIP-Projektionen überarbeitet. Bemerkenswert ist, dass Draghi im Eingangsstatement hervorgehoben hat, dass die EZB die Auswirkungen auf des Niedrigzinsumfelds auf den Bankensektor untersuchen werde. Dies stützt Spekulationen, wonach die Notenbank einen abgestuften Einlagesatz/Freibetrag einführen könnte. Der EZB-Chef war zwar bemüht zu betonen, dass die Währungshüter…

Nächste EZB Ratssitzung – was kann man erwarten

In der kommenden Woche beraten die europäischen Währungshüter turnusgemäß über die Angemessenheit der Geldpolitik. Da die EZB-Vertreter bereits im Rahmen der März-Ratssitzung die geldpolitischen Weichen adjustiert haben (Forward Guidance / TLTRO III), rechnen wir zu dieser Zusammenkunft mit keinen richtungsweisenden Entscheidungen. Leider ist auch davon auszugehen, dass sich die EZB hinsichtlich der noch ausstehenden Details zu den neuen TLTRO III-Operationen weiter bedeckt halten wird. Spätestens im Rahmen der an die Ratssitzung anschließenden Pressekonferenz dürften die gegenwärtigen Marktspekulationen über die Einführung eines abgestuften Einlagesatzes zur Sprache kommen. Über dieses Thema wird am Finanzmarkt und auch in der EZB kontrovers debattiert. Als problematisch erachten wir in diesem Zusammen-hang unter anderem, dass die EZB durch einen gestaffelten Einlagesatz widersprüchli-che Signale aussenden würde. Während die Forward Guidance derzeit auf ein unverändertes Leitzinsniveau hindeutet, nährt die Debatte um einen abgestuften Einlagesatz Zinssenkungsfantasien. Daher stehen wir dem Vorhaben grundsätzlich skeptisch gegenüber.

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