EZB

Euphorie folgt der Depression

Seit gestern kennen die Märkte kein Halten mehr. Als wollte man die Tristesse der letzten Woche abschütteln sind die Aktienkurse kräftigst gestiegen. Der Treibstoff für die dynamische Erholung war das große Hilfspaket der Fed und die Hoffnung, dass sich nun endlich auch die beiden Kammern des US-Parlaments auf das Corona-Unterstützungspaket von rund 2.000 Mrd. US Dollar einigen können, was man dann auch geschafft hat. In Europa ist man in diesem Feld schon weiter. Hier hat die EZB bereits in der letzten Woche ein umfangreiches Unterstützungspaket für Investoren und die Euroraum-Länder verkündet. Die Regierungen im Euroraum haben gleichzeitig umfangreiche fiskalische Maßnahmen beschlossen. Dabei ist die Aufgabenteilung zwischen Notenbanken und Regierungen in allen Ländern sehr ähnlich. Die Notenbanken kümmern sich darum, dass die Finanzmärkte funktionieren und die Liquiditäts- und Kreditkosten für Staaten und Unternehmen nicht zu teuer werden, was Insolvenzen und Staatenkrisen vorbeugen soll.  Dafür nehmen die Notenbanken einen starken Volumenanstieg der…

Notenbanken haben erste Erfolge

Die Krisenmaßnahmen der Notenbanken haben in den letzten beiden Tagen Wirkung gezeigt. Insbesondere die EZB hat mit ihren Ankündigungen im Euroraum deutlich zur Beruhigung beigetragen. Die EZB wird ihr Anleihekaufprogramm bis Jahresende um das PEPP mit einem Volumen von 750 Mrd. Euro erweitern und dieses auch auf Anleihen von Griechenland ausweiten. Das Rating von Griechenland liegt zurzeit unterhalb des „Investment Grade“. Nach den bisherigen Regelungen konnten Hellas-Anleihen nicht von der EZB gekauft werden. Mit dieser Entscheidung hat die EZB das Signal gegeben, dass man auch italienische Anleihen weiterhin kaufen wird, auch wenn das Länderrating herabgestuft würde. Hinter dieser Entscheidung steht der politische Wille, dass der Euroraum auch durch diese Krise nicht gespalten wird. Die strukturelle Integrität soll also auf jeden Fall erhalten werden. Dies sollte zunächst möglich sein. Jedoch kommen mit den Problemen in Italien und ggf. auch in Spanien große Herausforderungen auf die europäische Solidarität zu. Da ist es…

Die Krise kommt in den Daten an

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden, die durch die Corona-Krise angerichtet werden, lässt sich erst ansatzweise ermessen. Klar ist, dass sich wohl alle wichtigen Volkswirtschaften der Welt bereits in der Rezession befinden, und damit auch die Weltwirtschaft insgesamt. Das war zuletzt in der „großen Rezession“ 2008/2009 der Fall. Der Vergleich der heutigen Krise mit der Finanzkrise hinkt natürlich in vielerlei Hinsicht, schließlich sind die Ursache und die Art der Verbreitung völlig anders als damals. Doch die Höhe des wirtschaftlichen Schadens könnte vergleichbar sein. Dabei sind die einzelnen Länder unterschiedlich schwer getroffen, vor allem was den jeweiligen Schweregrad der Pandemie angeht. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionswelle unterscheiden sich jedoch in Europa nur noch wenig von Land zu Land, und so dürften auch die wirtschaftlichen Kosten ähnlich sein. Noch liegen – zumindest außerhalb Chinas – wenig ökonomische Daten vor, die einen Hinweis auf die Schwere des konjunkturellen Abschwungs geben können. Das ändert…

Bundesregierung und EZB machen alles richtig!

Ein dickes Lob an EZB und Bundesregierung! Mit ihren jeweiligen Beschlüssen haben sie sich nicht dem anfangs der Woche herrschenden Aktionismus gebeugt, sondern jeweils die richtigen Impulse gegeben. Die EZB hat zusammen mit der EBA über mehrere Pressemitteilungen Anpassungen bei den geldpolitischen Maßnahmen beziehungsweise Erleichterungen für Banken angekündigt. So bleiben die Leitzinsen zwar unverändert, dafür wird es zusätzliche Wertpapierankäufe über 120 Mrd. Euro bis Jahresende geben. Zudem werden die Konditionen für die Liquiditätsversorgung gelockert. Daneben werden Banken aufgefordert, auf ihre bestehenden Eigenkapital- und Liquiditätspuffer zurückzugreifen, um die Kreditversorgung der Realwirtschaft aufrecht zu erhalten. Die regulatorischen Anforderungen werden entsprechend etwas gesenkt. Auch wenn einige Marktteilnehmer enttäuscht waren, sind diese Maßnahmen ausgewogen und hilfreich. Die EZB hat das Einzige getan, was in ihrer Macht steht. Sie stellt durch die Bereitstellung günstiger und ausreichender Liquidität sicher, dass Banken dank adäquater Refinanzierung ihrer Aufgabe, die Realwirtschaft mit Krediten zu versorgen, nachkommen können. Die Krise,…

Immer tiefer in die Krise

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt weiter an, aber noch nicht schneller als man das erwarten kann. Die privaten und wirtschaftlichen Einschränkungen werden in Europa immer größer. Zudem gibt es nun ein Einreiseverbot von EU-Bürgern in die USA. Somit wird die Rezession in Q1 eigentlich immer tiefer. Solange die Einschränkungen aber jeden Tag zunehmen, ist es müßig die Prognosen täglich nach unten anzupassen. Da man von politischer Seite nun davon ausgeht, dass sich 60 – 70% der Bevölkerung am Ende infiziert haben werden, dürfte diese Phase noch einige Wochen anhalten. Zudem stellt sich langsam auch die Frage, wann ein guter Zeitpunkt ist, infiziert zu werden. Heute gibt die EZB ihre geldpolitischen Beschlüsse bekannt. Der Handlungsspielraum ist sehr eingeschränkt. Für die kurzfristigen Maßnahmen könnte die Bank of England ein Beispiel sein. Die BoE hat in einem für sie ungewöhnlichen Schritt auf einer außerordentlichen Sitzung umfangreiche Notfallmaßnahmen beschlossen. Der Leitzins wurde von 0,75%…

EZB: Hoher Erwartungsdruck und geringer Spielraum

Der EZB-Rat trifft sich in dieser Woche und die Erwartungen sind hoch, nachdem die US Notenbanken die Zinsen überraschend um 50 Basispunkte gesenkt hat.Viel Raum zum Reagierten hat die EZB jedoch nicht. Nun rächt sich die verhaltende Politik der letzten Jahre. Die Ausbreitung des Corona-Virus nährt gegenwärtig Sorgen, dass die ohnehin schon schwache europäische Konjunktur weiter in Mitleidenschaft gezogen wird. Die EONIA-Forwards eskomptieren bereits eine weitere Senkung des Einlagesatzes um 10 Basispunkte. Auch wenn eine Zinssenkung zur März-Ratssitzung nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden kann, wäre der Nutzen im gegenwärtigen Umfeld eher begrenzt. Um die Stabilität des Finanzsystems sicherzustellen sind Liquiditätsmaßnahmen sinnvoller. Die Notenbank könnte daher eine Neuauflage der einjährigen Langfristten-der (1J-LTRO) beschließen. Hinsichtlich des Anleiheankaufprogramms dürfte die EZB pragmatisch agieren und ihre Käufe vor allem auf die Marktsegmente konzentrieren, welche unter Spreadausweitungen leiden (Unternehmens- und Peripherie-Anleihen). Eine grundsätzliche Erhöhung des monatlichen Ankaufvolumens birgt das Risiko, dass die Notenbank schneller in Konflikt…

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