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EZB-Protokolle: Handelsstreit bereitet Währungshütern Sorge

Aus den EZB-Accounts zur September-Ratssitzung geht hervor, dass die Währungshüter unter anderem über die möglichen Auswirkungen des zunehmenden Protektionismus im Welthandel diskutiert haben. Einzelne Notenbank-Vertreter haben ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, wonach ein eskalierender Handelsstreit die Wachstumsaussichten für die Eurozone nachhaltiger eintrüben könnte. Demgegenüber wurde aber angemerkt, dass die Widerstandsfähigkeit der europäischen Binnenwirtschaft zugenommen habe. Letztlich sind die EZB-Vertreter darin übereingekommen, an ihrer Einschätzung, wonach die Risiken für den Konjunkturausblick weitestgehend ausgeglichen sind, festzuhalten. Wir gehen davon aus, dass die Währungshüter diesen Punkt zur Oktober-Ratssitzung erneut kontrovers diskutieren werden. So hat jüngst der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt. Hinsichtlich der Inflation zeigt sich die EZB zuversichtlich, dass sich die Teuerungsrate in die gewünschte Richtung entwickeln werde. Nach Einschätzung der Währungshüter habe die Unsicherheit über die zukünftige Preisentwicklung abgenommen. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang unter anderem auf die höhere Kapazitätsauslastung der europäischen Wirtschaft. Darüber hinaus sind angesichts der…

EZB – Weiter so wie angekündigt!

Wenig überraschend hat die EZB auf der heutigen Ratssitzung ihre Absicht bekräftigt, die Leitzinsen frühestens ab Sommer 2019 zu erhöhen. Gleichzeitig gab die Notenbank nun endgültig bekannt, die Anleihekäufe ab Oktober dieses Jahres von 30 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Außerdem beabsichtigen die Währungshüter, die Nettokäufe im Dezember zu beenden, wenngleich diese Option weiterhin unter dem Vorbehalt steht, dass sich die Inflationsrate mittelfristig den Erwartungen der Währungshüter annähert. Damit wurde das Ende der Nettoanleihekäufe letztlich offengelassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Hürde für die EZB, von dem skizzierten Weg abzuweichen, sehr hoch sein wird. An der Reinvestitionspolitik wird vorerst festgehalten. Insgesamt haben die Finanzmärkte kaum auf die Sitzung des EZB-Rates und/oder auf die Pressekonferenz des EZB-Präsidenten reagiert. Dies deutet darauf hin, dass der Markt den langsamen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ausreichend antizipiert. Außerdem herrscht die Marktmeinung vor, dass die Geldpolitik weiterhin sehr akkommodierend bleiben…

Anleiheankäufe der EZB im Zenit, aber noch lange nicht auf absteigendem Ast

Ab dem kommenden Jahr wird das Eurosystem keine Nettoneukäufe im Rahmen seiner Anleiheankaufprogramme mehr vornehmen und lediglich fällig werdende Wertpapiere reinvestieren. Auf den kommenden EZB-Sitzungen wird das Direktorium die Reinvestitionspolitik konkretisieren, wobei grundsätzlich davon auszugehen ist, dass die EZB eine größtmögliche Flexibilität anstreben wird. Mit Blick auf die „beträchtliche Zeit“, in der die Reinvestitionen vollumfänglich fortgeführt werden sollen, ist allerdings noch nicht mit einer klaren Aussage zu rechnen. Zieht man jedoch Parallelen zum Agieren der Fed, könnte die EZB in etwa drei Jahre nach dem Ende der Anleihe-Nettoneukäufe mit ihrer Bilanzreduktion beginnen. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass das Eurosystem angesichts bedeutender Fälligkeiten bis auf Weiteres als stetiger Nachfrager in den betroffenen Anleihe-Segmenten erhalten bleibt. Grundpfeiler der Reinvestitionen sollten wie schon bisher die Orientierung am Kapitalschlüssel der EZB und das Bestreben sein, möglichst keine Verwerfungen an den jeweiligen Märkten zu verursachen (Marktneutralität). Entsprechend ist mit keinen Änderungen an diesen Stellschrauben…

Geldmarktreform setzt auf Sicherheit statt Laufzeitprämie

Die Zeit drängt – das ist die einhellige Meinung der Arbeitsgruppe für einen risikofreien Referenzzins in der Eurozone. Nur noch bis Ende 2019 darf der aktuelle Übernacht-Referenzzins in der Eurozone, Eonia (Euro OvernIight Index Average), in Neugeschäften verwendet werden, danach allenfalls in Altverträgen. Als heißester Kandidat für die Nachfolge gilt ESTER (Euro Short-TErm Rate) von der EZB, auch wenn die Entscheidung hierzu noch aussteht. Allerdings notiert ESTER im Schnitt neun Basispunkte tiefer als Eonia, was eine Umstellung heikel macht. Während ein Zinsaufschlag auf ESTER, der zum Beispiel über die Zeit abschmilzt, den Wechsel des Referenzzinses erleichtern könnte, spricht die konzeptionelle Einfachheit als auch der knappe Zeitrahmen für einen sauberen Schnitt. Anders als Eonia könnte der Euribor (Euro InterBank Offered Rate) zwar als Benchmark über das 2019 hinaus weiterexistieren, sein langfristiges Überleben ist damit aber nicht gesichert – zu sehr dürfte die geplante, neue hybride Fixingkaskade aus 1) Transaktionen, 2) Entwicklungen…

Bei den Notenbanken geht es sehr geordnet zu

Im Vergleich zur Realpolitik verlaufen bei bedeutendsten Notenbanken die Entwicklungen in ruhigen Bahnen und dies wird sich in den kommenden Monaten auch kaum ändern. Die europäischen Währungshüter haben jüngst die Weichen für den weiteren Fortgang der Geldpolitik neu gestellt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Leitzins unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis über den Sommer nächsten Jahres unverändert bleiben soll. Damit befindet sich die Geldpolitik der EZB derzeit im Autopilot-Modus. Einzig das Thema „Target2“ wird zuletzt wieder kontrovers debattiert. Jedoch liegen die Schwerpunkte bei der Diskussion falsch. Weniger die Haftungsrisiken sollten im Vordergrund der Debatte stehen, als vielmehr die Frage, wie das Vertrauen in die Peripheriestaaten wieder gestärkt werden kann. Auf der anderen Seite des Atlantiks sollte das geldpolitische Vorgehen der Fed ebenfalls weiterhin in sehr geordneten Bahnen verlaufen. Die US-Währungshüter sind derzeit bemüht eine weiche Landung der US-Wirtschaft hinzubekommen und straffen daher nach und nach die Zinszügel. Für das…

Türkei-Risiken beherrschbar für europäische Banken

Der massive Verfall der türkischen Lira – die Währung hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang April mittlerweile über 70% an Wert verloren -, der sich insbesondere in der vergangenen Woche noch einmal beschleunigt hat, hat die wirtschaftlichen Probleme der Türkei in den Vordergrund und das Bewusstsein der Marktakteure gerückt. Wenig überraschend sind in diesem Umfeld insbesondere die Aktien und Anleihen türkischer Banken unter Druck geraten, doch viele Marktbeobachter sprechen von einem Pulverfass und fürchten mögliche Ansteckungseffekte auf andere Entwicklungsländer und andere Bankensysteme. Und so gerieten auch einige europäische Banken immer stärker in den Blick der Marktteilnehmer – spätestens, nachdem die Financial Times (FT) am Freitag in einem Artikel schrieb, dass sich die EZB-Bankenaufsicht mit Blick auf den Verfall der türkischen Währung zunehmend um Institute mit starkem Engagement in dem Land sorge. Vor allem die Großbanken BBVA, BNP Paribas und UniCredit stünden, so die Zeitung weiter, unter besonderer Beobachtung, die Lage…

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