EZB

Bei den Notenbanken geht es sehr geordnet zu

Im Vergleich zur Realpolitik verlaufen bei bedeutendsten Notenbanken die Entwicklungen in ruhigen Bahnen und dies wird sich in den kommenden Monaten auch kaum ändern. Die europäischen Währungshüter haben jüngst die Weichen für den weiteren Fortgang der Geldpolitik neu gestellt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Leitzins unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis über den Sommer nächsten Jahres unverändert bleiben soll. Damit befindet sich die Geldpolitik der EZB derzeit im Autopilot-Modus. Einzig das Thema „Target2“ wird zuletzt wieder kontrovers debattiert. Jedoch liegen die Schwerpunkte bei der Diskussion falsch. Weniger die Haftungsrisiken sollten im Vordergrund der Debatte stehen, als vielmehr die Frage, wie das Vertrauen in die Peripheriestaaten wieder gestärkt werden kann. Auf der anderen Seite des Atlantiks sollte das geldpolitische Vorgehen der Fed ebenfalls weiterhin in sehr geordneten Bahnen verlaufen. Die US-Währungshüter sind derzeit bemüht eine weiche Landung der US-Wirtschaft hinzubekommen und straffen daher nach und nach die Zinszügel. Für das…

Türkei-Risiken beherrschbar für europäische Banken

Der massive Verfall der türkischen Lira – die Währung hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang April mittlerweile über 70% an Wert verloren -, der sich insbesondere in der vergangenen Woche noch einmal beschleunigt hat, hat die wirtschaftlichen Probleme der Türkei in den Vordergrund und das Bewusstsein der Marktakteure gerückt. Wenig überraschend sind in diesem Umfeld insbesondere die Aktien und Anleihen türkischer Banken unter Druck geraten, doch viele Marktbeobachter sprechen von einem Pulverfass und fürchten mögliche Ansteckungseffekte auf andere Entwicklungsländer und andere Bankensysteme. Und so gerieten auch einige europäische Banken immer stärker in den Blick der Marktteilnehmer – spätestens, nachdem die Financial Times (FT) am Freitag in einem Artikel schrieb, dass sich die EZB-Bankenaufsicht mit Blick auf den Verfall der türkischen Währung zunehmend um Institute mit starkem Engagement in dem Land sorge. Vor allem die Großbanken BBVA, BNP Paribas und UniCredit stünden, so die Zeitung weiter, unter besonderer Beobachtung, die Lage…

Es bleibt dabei: Hohe Netto-Zinseinbußen der privaten Haushalte in Deutschland

In ihrem Wirtschaftsbericht vom August berechnet die Europäische Zentralbank die Veränderung der Netto-Zinseinkommen privater Haushalte im Euroraum für den Zeitraum von 2008 bis 2017. Für Deutschland kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Zinserträge nur marginal größer ausfiel als der Rückgang der Zinsbelastungen durch Kredite. Die extrem niedrigen Zinsen hätten damit nur geringen Einfluss auf die Nettozinseinkommen der privaten Haushalte. Die EZB reagiert damit auf die – vor allem auch von uns – geäußerte Kritik zu den Auswirkungen ihrer Geldpolitik. Allerdings bezieht sie in die Berechnung der Zinseinnahmen im wesentlichen nur Einlagen und Anleihen ein und lässt Lebens- und Pensionsversicherung außen vor. Die machen in Deutschland jedoch über 30 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens aus. Obwohl der Garantiezins den Anlegern einen gewissen Schutz vor Zinsrückgängen bietet, hat die langanhaltende Niedrigzinsphase auch stark an der Durchschnittsrendite von Lebensversicherungen geknabbert. Das liegt daran, dass der Garantiezins für Neuverträge im Laufe…

Target2-Salden: Falsche Diskussion über ein brisantes Euro-Thema

Eine atemberaubende Summe: Die Deutsche Bundesbank weist in ihrem Target2-Saldo eine fast eine Billion Euro schwere Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Doch was sagt diese Zahl tatsächlich aus? Müssen wir uns Sorgen machen? Seit der Finanzmarktkrise dienen Target2-Salden als eine Art Fieberkurve für die strukturellen Ungleichgewichte im Euroraum. In den vergangenen Monaten sind nun die Target2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone immer stärker auseinandergedriftet. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentralem Counterpart des Target2-Systems um etwa 70 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 976 Mrd. Euro (Stand Juni) erhöht. Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang derzeit, Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus. Im Gegenzug haben insbesondere die Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 464 Mrd. Euro. Dicht…

Einwertung der heutigen EZB-Ratssitzung

Die Erwartungen, nach der heutigen EZB-Ratssitzung neue Hinweise auf das weitere Vorgehen zu erhalten, waren zu Recht nicht sehr hochgesteckt. Die EZB ging heute kaum über ihre Äußerungen vom 14. Juni hinaus. Auch das nach der Sitzung veröffentlichte Statement ist unverändert. Draghi zeigte sich in der Pressekonferenz zuversichtlich, dass das solide Wachstum in der Eurozone anhalten wird. Gleichzeitig zeigte er sich etwas optimistischer als zuvor, dass das Inflationsziel auf mittlere Sicht erreicht werden kann. Hinsichtlich der künftigen Zinspolitik gibt es ebenfalls nichts Neues – erste Zinserhöhungen stehen bis Ende des Sommers 2019 aller Voraussicht nicht auf der Agenda. Unklar bleibt bis auf weiteres, wie die EZB die Reinvestitionen fälliger Anleihen im kommenden Jahr ausgestalten wird. Nach Aussage von Draghi wurde das heute nicht diskutiert. Draghi stellte allerdings klar, dass der Kapitalschlüssel der EZB auch nach Ende der Nettokäufe der Anker für die Verteilung der EZB-Anleihebestände bleiben soll. Die Modalitäten der…

Die EZB macht einen strategischen Fehler

Mögliche Zinsanhebungen sind weit in die Zukunft verschoben worden. Aus meiner Sicht ist diese Strategie der EZB ein Fehler. Die EZB sollte jetzt die Gelegenheit nutzen und zumindest die Einlagensätze aus dem negativen Bereich anheben. Diese wirken nämlich zunehmend als Sondersteuer für den europäischen Bankensektor und verschlechtern die globale Wettbewerbssituation. Der schwelende Handelskonflikt könnte die Wachstumsdynamik bremsen und damit das Umfeld für mögliche Zinsanhebungen in Q4 2019 spürbar eintrüben. Dann stünde die EZB vor einem Dilemma. Die europäischen Währungshüter gaben im Rahmen der heute veröffentlichten Accounts zu Protokoll, dass das Versprechen, die Leitzinsen über den Sommer 2019 unverändert zulassen, ein guter Kompromiss gewesen sei, den Märkten eine geldpolitische Orientierung an die Hand zu geben und trotzdem die Flexibilität der EZB zu wahren. Gleichzeitig war es den Notenbankern ein Anliegen, mögliche negative Marktentwicklungen aufgrund der avisierten Beendigung der Anleihekäufe zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund haben die EZB-Vertreter betont, dass die Geldpolitik…

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