EZB

Weiter Vollgas, aber nicht noch mehr

Die EZB hat wie von uns erwartet ihr Pressestatement und damit auch die Forward Guidance (bis auf fünf Worte) unverändert gelassen. Die Märkte haben entsprechend eher verhalten reagiert. Die Kaufprogramme und Liquiditätsmaßnahmen laufen weiter mit Vollgas. Eine Lachgaseinspritzung für noch mehr PS war auch nicht nötig. Die Wirtschaftsdaten bewegen sich im Bereich des Basisszenarios der EZB, weshalb noch keine Anpassungen der Geldpolitik erforderlich sind. Diese wird sich die EZB in der Hinterhand behalten, sollte die Pandemie für weitere, unvorhergesehene wirtschaftliche Schäden sorgen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die EZB aber bis Ende des Jahres bei den Kaufprogrammen (PEPP läuft bisher im Sommer 2021 aus) nochmal nachlegen muss, um über den Kreditkanal der auch nächstes Jahr noch schwächelnden Konjunktur weiter unter die Arme zu greifen. Diese Aussicht bestätigte Lagarde auch in der Pressekonferenz, indem sie die Fortsetzung der aktuellen Geldpolitik aufgrund der hohen Unsicherheiten und Schwächen in der Konjunktur betonte….

Orientiert sich die EZB an der Fed?

Vor dem Hintergrund, dass viele Zentralbanken trotz einer ultra-expansiven Geldpolitik ihre selbstgesteckten Inflationsziele schon seit Jahren verfehlen, kann die Frage nach der Angemessenheit dieser Ziele gestellt werden. Die Fed ist nun vorgeprescht und hat neue Zielgrößen für die Inflationsrate und die Beschäftigungsentwicklung angekündigt. Auch die EZB hat schon vor längerer Zeit angekündigt, ihre geldpolitische Strategie auf den Prüfstand zu stellen und eventuell die angestrebte Inflationsrate von derzeit „auf mittlere Sicht nahe, aber unter 2%“, die sie seit 2003 benutzt, anzupassen. Unseres Erachtens dürfte sich die EZB bei ihrer Strategieüberprüfung, die bis Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein soll, ebenfalls an einer durchschnittlichen Inflationsrate orientieren. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich die EZB an der Fed orientieren wird und ein flexibleres Inflationsziel anstreben wird. Dabei ist die neue strategische Ausrichtung der Fed nicht ohne Kritik zu sehen. So hat keinen konkreten Zeitraum für die Erreichung der durchschnittlichen Inflation, beziehungsweise…

Starker Euro trifft schwachen Dollar

„Ein historischer Tag für Europa“. Das waren die Worte von Frankreichs Präsident Macron nach dem Durchbruch beim EU-Gipfel. Und selbst für langjährige Beobachter, die schon einiges an Hoch- und Tiefpunkten in der Geschichte des Euros erlebt haben, dürfte das Ergebnis ein besonderer Meilenstein gewesen sein. Nicht nur der Umfang der Corona-Hilfen vermag zu überzeugen, noch beeindruckender waren die Entschlossenheit und das Tempo, mit denen Europa neuerdings an einem Strang zieht – trotz aller offensichtlichen Differenzen. Natürlich gibt es noch einige Details zu klären, aber anders als in früheren Krisen hat man auf die einst EU-typische Hinhaltetaktik verzichtet und sich für die wesentlichen Entscheidungen nicht von Gipfel zu Gipfel vertagt. Auch der Euro reitet derzeit auf der Welle des neu entdeckten Selbstbewusstseins der EU und kümmert sich während seines Höhenflugs bis temporär über 1,19 USD nicht um die fraglos bestehenden Implementierungsrisiken des Hilfspaketes. Diese Ignoranz fällt ihm umso leichter, als sein…

„Früh“- und „Spätindikatoren“ in der Krise

Aktienkurse gelten gemeinhin als „Frühindikatoren“ für die Konjunktur. Sie beruhen vor allem auf Erwartungen bezüglich der weiteren Entwicklung der Unternehmensgewinne, sind also in die Zukunft gerichtet. Und da die Unternehmensgewinne üblicherweise eng mit dem konjunkturellen Auf und Ab korreliert sind, sollten die Aktienkurse auch eine gute Prognose für den weiteren Konjunkturverlauf darstellen. Der Arbeitsmarkt gilt hingegen als typischer „Spätindikator“ für die Konjunktur. Denn die Unternehmen benötigen üblicherweise Zeit, um ihren Personalbestand an die wirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Bei Neueinstellungen geht ein Such- und Auswahlprozess voraus, und betriebsbedingte Kündigungen aufgrund von Auftragsmangel oder Geschäftsschließungen benötigen ebenfalls eine Vorlaufzeit. Derzeit herrscht am Aktienmarkt ein großer Optimismus, trotz der schweren Corona-Krise. Der Arbeitsmarkt hat unterdessen – zumindest in Europa – bislang nur recht verhalten auf die Krise reagiert. Bedeutet das nun, dass die Krise bereits überwunden ist und alles gar nicht so schlimm war? Oder kommt das dicke Ende noch? Die Aussagekraft der gängigen…

Mehr Macht für die Zentrale

Der neue EU-Hilfsfonds – oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde – soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen. Der Fonds wird in den kommenden drei Jahren 390 Mrd. Euro an Zuschüssen und 360 Mrd. Euro an Krediten an die Mitgliedsstaaten ausreichen. Zur Finanzierung dieses Programms wird die EU-Kommission ermächtigt, im Namen der EU eigene Anleihen aufzulegen und am Kapitalmarkt zu platzieren. Damit hat die EU erstmals die Möglichkeit, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Der Schuldendienst für die neuen EU-Bonds wird dann über den EU-Haushalt abgewickelt, der zukünftig auch eigene Steuereinnahmen haben soll: Ab 2021 soll eine Steuer auf Einwegplastik eingeführt werden, und ab 2023 sollen eine Digitalsteuer und eine CO2-Grenzsteuer hinzukommen. Eine Finanztransaktionssteuer ist ja ohnehin schon länger in Planung. Die EU wird mit den Brüsseler Beschlüssen erstmals zu einem…

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