EZB

Lagarde hat keine Eile

Die 500. Ratssitzung genau fünf Jahre nach der Ankündigung des QE-Programms hätte eigentlich für ein aufregendes Ereignis hergehalten. Dass es heute dennoch keine neuen Ankündigungen zur aktuellen Geldpolitik der EZB gab, war nicht überraschend. Zum einen entwickelt sich das Konjunkturbild mit abnehmenden Abwärtsrisiken in etwa so, wie von der EZB erwartet. Dementsprechend musste man den Kurs nicht ändern. Ein interessantes Statement bezüglich Hinweisen, ob Frau Lagarde eher einen hawkishen oder dovishen Kurs favorisiert, war die Brosche, die sie heute trug – eine Eule! Auf der anderen Seite wird die EZB angesichts der nun laufenden strategischen Überprüfung der Geldpolitik auch nicht unbedingt gewillt sein, Anpassungen vorzunehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Warum sollte man auch, wenn man in einem Jahr vielleicht eine andere Herangehensweise hat. Bezüglich der strategischen Überprüfung der Geldpolitik ließ sich Frau Lagarde erstmal nicht in die Karten schauen bzw. festlegen. Auch die Presseinformationen, die inzwischen veröffentlicht wurden,…

In der EZB werden erste Bedenken gegenüber Negativzinspolitik sichtbar

Die Zusammenfassung der letzten Ratssitzung der EZB im Dezember (Accounts) gibt keine Hinweise auf eine baldige Änderung des geldpolitischen Kurses. Die Währungshüter rechnen weiterhin mit einer anhaltend schwachen Wachstumsdynamik im Euroraum, aber zumindest wurden erste Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung ausgemacht. In diesem Zusammenhang wird auf die Annäherung im Handelsstreit (China/USA) verwiesen, wodurch eine Eskalation des Konflikts weniger wahrscheinlich geworden sei. Da aber nach wie vor Unsicherheitsfaktoren (u.a. Brexit) bestehen, seien die Konjunkturaussichten weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet. Hinsichtlich der Inflationsentwicklung zeigen sich die Währungshüter überzeugt, dass in den kommenden Monaten mit einem stärkeren Preisauftrieb zu rechnen sei. Das voranschreitende Wirtschaftswachstum und die solide Lohnentwicklung würden diese Tendenz stützen. Im Zuge der Beratungen wurde von einigen Ratsvertretern angeregt, die Ursachen für die auf niedrigem Niveau verharrende Inflationsentwicklung näher zu untersuchen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem darüber gesprochen worden, die Kosten für selbst genutzten Wohnraum stärker zu berücksichtigen. Ein weiterer Diskussionspunkt…

Die EZB hat sich verändert

Die EZB hat nach der Finanzkrise ihr Verhalten und die Reaktionsfunktion spürbar verändert und die Geldpolitik einen Strukturbruch erfahren. Gab es im ersten Jahrzehnt des Bestehens der Notenbank noch einen engen Gleichlauf zwischen konjunktureller Entwicklung und geldpolitischer Ausrichtung, ist in den letzten zehn Jahren eine zunehmende Entkoppelung der Geldpolitik vom realwirtschaftlichen Geschehen zu verzeichnen. Ein Grund hierfür liegt in der asymmetrischen Reaktionsfunktion der Währungshüter. In wirtschaftlichen Abschwung reagiert die EZB schneller und stärker als in Aufschwungphasen. Dies fiel besonders sowohl in der ausklingenden Finanzkrise als auch 2015 auf, als die EZB trotz Aufschwung, aber aus Sorge vor deflationären Risiken, den Einstieg in das PSPP verkündete. Trotz der Nullzinspolitik sowie des umfangreichen Einsatzes unkonventioneller Maßnahmen ist es der EZB bislang nicht gelungen, den Trend sinkender Inflationserwar-tungen zu stoppen. Das primäre Ziel der Geldwertstabilität wird seit Jahren überwiegend verfehlt, was den niedrigen Wirkungsgrad der geldpolitischen Mittel belegt. Der Grund hierfür liegt darin,…

Bis der Krug bricht

Die Zentralbanken, insbesondere die EZB und die Fed, machen sich zunehmend Sorgen um die Folgen der niedrigen Zinsen für die Finanzstabilität. Viele Assetklassen haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und teilweise deutlich von ihren fundamental gerechtfertigten Preisen entfernt. Die Bewertung ist teuer geworden. Das gilt für die Immobilienmärkte, die Anleihemärkte bis hin zu den Aktienmärkten. Diese Entwicklung sollte nicht überraschen, denn es wurde oft auf dieses zu erwartende Szenario hingewiesen. Dabei spielen die niedrigen Zinsen die wichtigste Rolle. Eigentlich sollen sie die Investitionen und den Konsum anregen. Im aktuellen Zyklus blieb die Kreditnachfrage jedoch recht schwach, und die erwarteten und erhofften realwirtschaftlichen Effekte blieben aus. Die niedrigen Zinsen haben aber auf der anderen Seite dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingegangen sind. Dies wurde unterstützt durch die bislang gerechtfertigte Annahme, dass die Notenbanken bei jedem noch so kleinen Krisensignal bereitstünden. Die…

Wenn Wünsche nicht wahr werden

Christine Lagarde hat das Ruder in der EZB übernommen. Es werden aber noch zwei weitere wichtige personelle Veränderungen folgen. Die geldpolitische Ausrichtung der EZB wird sich dadurch aber nicht ändern. Vielmehr dürfte die Neigung hin zu einer moderaten Geldpolitik sogar noch leicht gestärkt werden. Mögliche Hoffnungen auf eine schnelle geldpolitische Wende kann man also begraben. Zumal das wirtschaftliche Umfeld eine geldpolitische Straffung nicht unterstützt und die Inflation notorisch niedrig ist. Die Zinsen bleiben niedrig. Da wundert es nicht, dass Banken beginnen, die negativen Einlagenzinsen an Kunden weiterzugeben. Der von der EZB gewünschte Effekt eines steigenden Konsums hat sich bislang aber nicht eingestellt. Stattdessen steigt die Sparquote in Deutschland leicht an, was Angesicht der wachsenden Rentenlücke sogar sinnvoll ist. Jedoch ist die Aktienquote immer noch viel zu niedrig in den Depots der privaten Haushalte. Mit anhaltend niedrigen Zinsen und steigenden Immobilienpreisen in Deutschland wächst auch die Sorge vor einer Immobilienpreisblase. Diese…

Christine Lagarde übernimmt das Ruder

Christine Lagarde übernimmt von Mario Draghi eine tief gespaltene EZB – Frau Lagarde wird hier moderierend einwirken müssen. Im geldpolitischen Tagesgeschäft ist vorerst wenig zu tun. Umso mehr Herausforderungen bestehen auf der konzeptionellen Seite. Hier muss die Diskussion über die geldpolitische Steuerung geführt werden. Das Inflationsziel steht dabei im Mittelpunkt des Interesses https://bielmeiersblog.dzbank.de/wp-content/uploads/2019/10/BW_2019_10_Lagarde.pdf

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