EZB

Inflationsrate im Euro-Raum ohne große Bewegung – EZB steht unter hohem Erwartungsdruck

Im Juni hat sich die Inflationsrate im Euro-Raum nicht bewegt. So lag die jährliche Teuerungsrate der Verbraucherpreise mit 1,2% genauso hoch wie im Vormonat. Dabei haben zwei gegensätzliche Effekte auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex eingewirkt: Auf der einen Seite hat der geringere Preisauftrieb bei den Energiepreisen die Inflationsrate gesenkt. Auf der anderen Seite stiegen die Dienstleistungspreise nach dem Auf und Ab in den Vormonaten aufgrund des späten Osterfests in diesem Jahr wieder etwas stärker und erreichten das gewohnte Maß. Auf Länderebene zeigte sich in den Volkswirtschaften, die ebenfalls schon erste Schätzungen zur Preisentwicklung abgegeben haben, eine unterschiedliche Preisdynamik. In Deutschland blieb der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) unverändert bei 1,3%, in Frankreich stieg er von 1,1 auf 1,4%. In Spanien ermäßigte sich der Preisauftrieb von 0,9 auf 0,6%. Die italienische Inflationsrate ging von 0,9 auf 0,8% zurück. Einheitlich schwächte sich in allen Ländern der Preisauftrieb für den Bereich Energie ab, während die Dienstleistungspreise…

EZB: Rennen um Draghi-Nachfolge in vollem Gange

Ende Oktober endet die achtjährige Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi und nach wie vor ist unklar, wer die Nachfolge des Italieners antreten wird. Unabhängig davon, wer letztlich die EZB-Amtsgeschäfte ab November leiten wird, gehen wir von einer Fortsetzung der ultraexpansiven Geldpolitik aus. Denn die geldpolitische Marschrichtung der Notenbank wird nicht vom Vorsitzenden allein festgelegt, sondern vom geldpolitischen Rat als Ganzes. Somit wird selbst ein bekennender Zinsfalke keinen unmittelbaren Kursschwenk herbeiführen können. In den kommenden Wochen muss jedoch nicht nur ein Nachfolger für EZB-Chef Draghi gefunden werden, sondern auch für den ebenfalls aus dem Amt scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. Einem ungeschriebenen Gesetz zufolge werden beide Spitzenpositionen nicht mit Vertretern eines einzelnen europäischen Landes besetzt. Da das Europäische Parlament bereits Anfang Juli über den EU-Kommissionsvorsitz abstimmen dürfte, wird der Ausgang dieses Personalpokers richtungsweisend für die Besetzung des EZB-Vorsitzes sein. Neben Bundesbankchef Weidmann werden noch zwei Franzosen (Villeroy de Galhau / Coeuré) und…

Warum dieser Aktionismus bei der EZB?

Völlig überraschend und aus meiner Sicht auch ohne nachvollziehbaren ökonomischen Grund hat Notenbankchef Draghi gestern die EZB unter enormen Zugzwang gesetzt: Er kündigte an, dass die EZB weitere geldpolitische Stimuli erwägt, sollte die Inflation nicht anziehen und sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Wochen nicht verbessern. Höchst ungewöhnlich für eine Notenbank forderte Draghi ausdrücklich eine Verbesserung der konjunkturellen Lage sowie eine höhere Inflationserwartung. Dies bedeutet natürlich, dass die EZB von der aktuellen Lage überrascht wurde oder man in den letzten Wochen zu zögerlich war. Explizit wurde eine weitere Zinssenkung angekündigt und – sollte das nicht reichen – ein weiteres Anleihekaufprogramm. Rein formal könnte der Auslöser für die neue geldpolitische Ausrichtung der deutliche Rückgang der Inflationserwartungen sein. Entscheidend scheinen die längerfristigen Inflationserwartungen zu sein, die – trotz der verlängerten Forward Guidance – seit der letzten EZB-Sitzung nochmals deutlich gesunken sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Einbruch nicht…

Das Bild trübt sich ein

Die protektionistische Politik der USA zeigt sich immer deutlicher in der weltwirtschaftlichen Entwicklung. Dabei sind exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland und China natürlich stärker betroffen als binnenwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsmodelle. Aber dies ist genau der Zweck dieser Politik. Die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Zollspirale zerschlagen sich immer mehr und selbst wenn es zu einer Einigung kommen sollte, dürfte sich der Status quo nicht ändern. Wegen der starken internationalen Verflechtungen gibt es am Ende kaum ein Land, das nicht auf irgendeine Weise von diesem Konflikt betroffen ist. Die Folge ist ein stagnierender Welthandel, der zu weiterer Schwäche neigt. Dieses weltwirtschaftliche Bild haben wir nun stärker berücksichtigt und unsere Wachstumsprognosen gesenkt. Wir rechnen aber auch damit, dass die Regierungen auf das schwächere Wachstum mit einer höheren Ausgabendynamik reagieren und dass die schwächere Nachfrage nach Öl zu einem niedrigeren Ölpreis führt. Insgesamt trübt sich also der Wachstumsausblick ein, die Staatsverschuldung steigt und die…

EZB: Notfalls handlungsbereit

Die EZB hat im Rahmen der heutigen Sitzung ihre Forward Guidance adjustiert. Hieß es im geldpolitischen Statement bislang, dass die Leitzinsen mindestens über das Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden, wurde dieser Zeitrahmen nun bis mindestens Mitte des kommenden Jahres ausgedehnt. Damit tragen die Notenbank-Oberen den derzeit auszumachenden Risikofaktoren (Handelsstreit / Brexit) für den gesamteuropäischen Konjunkturausblick Rechnung. Die vorsichtige Haltung der Notenbank spiegelt sich auch in den überarbeiteten Stabsprojektionen wider. Für die Zeithorizonte 2020 und 2021 wurde der Wachstumsausblick leicht nach unten revidiert. Zugleich war Draghi aber auch bemüht, nicht übermäßig pessimistisch zu wirken. So verwies er in diesem Zusammenhang auf die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Inflationsprojektionen wurden nur geringfügig angepasst. Bemerkenswert ist, dass der längerfristige Ausblick (2021) unverändert geblieben ist. Marktseitig waren zuletzt verstärkt Zweifel aufgekommen, wonach die EZB ihr selbstgestecktes Inflationsziel erreichen kann. Diesen Befürchtungen hat Draghi durchaus energisch widersprochen. Seiner Einschätzung nach seien gegenwärtig…

Niedrigzinsphase: keine Trendwende erkennbar – wachsende Zinseinbußen privater Haushalte

Vor rund zehn Jahren schwenkte die Zinslandschaft in Richtung Niedrigzinsphase ein. So gingen die Renditen festverzinslicher Wertpapiere in Deutschland tendenziell immer weiter zurück, bis 2016 erstmals sogar eine negative Durchschnittsrendite registriert werden musste. Begleitet wurde die Entwicklung von der EZB, die im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise die Leitzinsen auf historische Tiefstände senkte und ein gigantisches Anleihekaufprogramm startete. Für die privaten Haushalte führte das Niedrigzinsniveau zu beträchtlichen Einbußen bei den Zinseinkünften. Obwohl das in Einlagen, Rentenpapiere und Versicherungen angelegte Vermögen seit 2009 um über 40% gewachsen ist, reduzieren sich die Zinseinnahmen hieraus auf voraussichtlich 54 Mrd. Euro im laufenden Jahr und damit auf nur noch gut die Hälfte der Zinseinkünfte des Jahres 2009. Die jährlichen Zinseinbußen im Vergleich zum Normalzinsniveau summieren sich nach unseren Berechnungen auf 648 Mrd. Euro in zehn Jahren. Während Sparer unter den niedrigen Zinsen leiden, freuen sich die Kreditnehmer unter den privaten Haushalten über günstige Konditionen….

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