EZB

Europäische Politik gewinnt an Bedeutung

Es ist noch nicht lange her, da war die Europawahl kein nennenswertes Ereignis, und Brüssel war für viele Politiker (freiwillig oder nicht) eine bequeme Endstation ihrer Karriere. Dies hat sich deutlich gewandelt. Das Europa-Parlament und die Europäische Kommission haben sich zu wichtigen Elementen der europäischen, aber auch nationalen Politik entwickelt. Viele politische Impulse kommen zwischenzeitlich aus Brüssel, und die Weiterentwicklung der EU wird hier in Zusammenarbeit mit den Regierungschefs orchestriert. Umso wichtiger wird sein, die demokratische Legitimation zu stärken und den Einfluss von nationalen Interessen in geordneten Bahnen zu halten. Vor diesem Hintergrund wäre ein Initiativrecht des EU-Parlaments eine wichtige Weiterentwicklung. Jedoch wird dies wohl noch einige Zeit dauern. Wir erleben in den letzten Wahlen eine zunehmende Spreizung der politischen Meinung. Parteien an den Rändern des politischen Spektrums werden gestärkt, zulasten des politischen Mainstreams. Ein gemeinsamer Faktor dürfte die steigende Zukunftsangst der Menschen sein. Über die hohe Veränderungsgeschwindigkeit in den…

Die Hoffungen der EZB kollidieren mit der Wirklichkeit

Die Währungshüter haben im Rahmen ihrer heutigen Ratssitzung keine neuen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Dies war grundsätzlich auch nicht zu erwarten, da die EZB jüngst ihre Forward Guidance verlängert und neue Liquiditätsmaßnahmen auf den Weg gebracht hatte. Im Hinblick auf die TLTRO III hat Draghi in Aussicht gestellt, dass deren genaue Rahmenbedingungen im Zuge einer der nächsten Ratssitzungen bekanntgegeben werden. Es wurde hervorgehoben, dass sich die Ausgestaltung der TLTROs sowohl an der Entwicklung der europäischen Konjunktur als auch an der Kreditvergabe der Banken orientiert. Es deutet sich an, dass die Notenbank-Oberen im Rahmen der Juni-Ratssitzung über die TLTRO III-Details entscheiden werden. Zu diesem Zeitpunkt werden turnusgemäß die BIP-Projektionen überarbeitet. Bemerkenswert ist, dass Draghi im Eingangsstatement hervorgehoben hat, dass die EZB die Auswirkungen auf des Niedrigzinsumfelds auf den Bankensektor untersuchen werde. Dies stützt Spekulationen, wonach die Notenbank einen abgestuften Einlagesatz/Freibetrag einführen könnte. Der EZB-Chef war zwar bemüht zu betonen, dass die Währungshüter…

Nächste EZB Ratssitzung – was kann man erwarten

In der kommenden Woche beraten die europäischen Währungshüter turnusgemäß über die Angemessenheit der Geldpolitik. Da die EZB-Vertreter bereits im Rahmen der März-Ratssitzung die geldpolitischen Weichen adjustiert haben (Forward Guidance / TLTRO III), rechnen wir zu dieser Zusammenkunft mit keinen richtungsweisenden Entscheidungen. Leider ist auch davon auszugehen, dass sich die EZB hinsichtlich der noch ausstehenden Details zu den neuen TLTRO III-Operationen weiter bedeckt halten wird. Spätestens im Rahmen der an die Ratssitzung anschließenden Pressekonferenz dürften die gegenwärtigen Marktspekulationen über die Einführung eines abgestuften Einlagesatzes zur Sprache kommen. Über dieses Thema wird am Finanzmarkt und auch in der EZB kontrovers debattiert. Als problematisch erachten wir in diesem Zusammen-hang unter anderem, dass die EZB durch einen gestaffelten Einlagesatz widersprüchli-che Signale aussenden würde. Während die Forward Guidance derzeit auf ein unverändertes Leitzinsniveau hindeutet, nährt die Debatte um einen abgestuften Einlagesatz Zinssenkungsfantasien. Daher stehen wir dem Vorhaben grundsätzlich skeptisch gegenüber.

Adjustierung des Einlagesatzes mit unerwünschten Nebenwirkungen

Negative Zinsen, der Einlagesatz liegt schon geraume Zeit bei -0,4%, sind im Euroraum fast schon ein Normalzustand geworden. Zu Beginn sollten die negativen Zinsen die Kreditvergabe der Banken beflügeln, was auch teilweise funktioniert hat. Zwischenzeitlich ist dieser positive Effekt weitestgehend verschwunden. Geblieben ist eine Art Sondersteuer für Banken und Unternehmen im Euroraum, die insbesondere im Bankensektor die internationale Wettbewerbsfähigkeit verringert. Nun scheint sich auch die EZB langsam unwohl zu fühlen. Dies mag auch daher rühren, dass man nun auch in der Notenbank eine baldige Änderung der Zinspolitik abgeschrieben hat. Damit steht die EZB nun vor dem Problem, dass die negativen Zinsen auf unbestimmte Zeit bestehen bleiben, bzw. wenn die Konjunkturdynamik sich noch weiter verlangsamt, die Leitzinsen noch tiefer in den negativen Bereich gesenkt werden könnten. Entsprechend haben nun EZB Chef Draghi und Chefvolkswirt Praet auf die möglichen Gefahren von negativen Zinsen hingewiesen und auch angedeutet, dass man ungewollte ungünstige Effekte…

EZB geht der Kompass verloren

Die EZB steht wieder einmal vor einem Problem: Die Inflation und vor allem die Inflationserwartungen fallen im Euroraum. So lag die Inflationsschnellschätzung für Deutschland im Monat März bei 1,5% (J/J) und damit unterhalb der Prognosen. Die Inflationserwartungen für die EWU sind jüngst regelrecht abgestürzt und liegen bei rund 1,3% und damit auf dem Tief von 2016 als die EZB das QE-Programm auf 80 Mrd. EUR pro Monat erhöhte. Die Kernrate der Inflation, ohne die Komponenten Energie und Nahrungsmittel, pendelt seit Jahren zwischen 1% und 1,2%. Die lange Phase des Aufschwungs spiegelt sich also nicht in der Inflationsentwicklung wider . Die Reaktionsfunktion der EZB fußt im Grunde auf Veränderungen in den Inflations- und Wachstumserwartungen. Folglich müsste die EZB jetzt eigentlich die Zinsen senken, um Deflationsgefahren zu begegnen, bevor sie aufkommen. Bei Zinsen von null und einem negativen Einlagesatz fällt das natürlich sehr schwer. Also hat man erstmal die Erwartungen für einen…

EZB: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die EZB-Vertreter haben zur gestrigen Ratssitzung verschiedene Maßnahmen beschlossen, um sicherzustellen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen bis auf Weiteres günstig bleiben. Die Forward Guidance für die Leitzinsentwicklung wurde dahingehend angepasst, dass der Hauptrefinanzierungssatz zumindest noch bis zum Ende des Jahres auf dem aktuellen Niveau verbleiben wird – bisher wurde noch eine Erhöhung im Herbst angedeutet. Wie von uns erwartet, haben die EZB-Vertreter eine neue Serie von Targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) auf den Weg gebracht. Diese neuen Langfristtender sollen vierteljährlich im Zeitraum zwischen September 2019 und März 2021 angeboten werden. Die TLTRO III haben eine Laufzeit von jeweils zwei Jahren; ihre Verzinsung orientiert sich am Hauptrefinanzierungssatz. Wie die bisherigen TLTRO II sollen die neuen Tender ein nicht näher spezifiziertes Anreizsystem beinhalten, fallen aber insgesamt ungünstiger aus. Weitere Details zu den neuen längerfristigen Tenderoperationen will die EZB später bekannt geben. Bemerkenswert ist zudem, dass die EZB ihre Vollzuteilungspolitik für die regulären…

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