EZB

Handeln im Grenzbereich

Die Reaktivierung des Anleihekaufprogramms in Kombination steigender Staatsschulden kann schnell zu steigenden Renditen führen. Die EZB wird das Anleihekaufprogramm wieder reaktivieren, das damit nun vollends als zur Zinspolitik gleichwertiges geldpolitisches Instrument anzusehen ist. Dem Kaufprogramm wurde diesmal aber kein Enddatum gegeben, was schnell zu Problemen führen kann. Staatsanleihen beanspruchen den größten Teil des geplanten Ankaufvolumens von 20 Milliarden Euro pro Monat für sich, was Schätzungen zufolge der EZB die Möglichkeit gibt, Staatsanleihen bis Ende 2020 zu kaufen. Gleichzeitig ist ein Ende der EZB-Käufe mit einer Inflation nahe des Zielwertes von knapp zwei Prozent verbunden, den selbst die EZB-Prognostiker bis einschließlich 2021 nicht vorhersehen. Änderungen am Emittentenlimit oder dem Kapitalschlüssel könnten die Staatsanleihekäufe verlängern, sind aber mit rechtlichen Hürden verbunden und entsprechend unsicher, was eine Ausweitung der APP-Käufe um neue Vermögensklassen wahrscheinlich macht. Angesichts der Tatsache, dass die Geldpolitik langsam am Rande ihrer Möglichkeiten angelangt ist, appellierte Draghi auf der Pressekonferenz…

EZB ist am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen

Die EZB hat heute eigentlich fast alles geliefert, was sich die Investoren gewünscht haben. Der Einlagesatz ist wie erwartet auf minus 0,5% abgesenkt worden. Begleitet wird diese Maßnahme durch einen Freibetrag, für den kein Negativzins anfällt. Zweck dieser Staffelung ist es, die Belastungen der Banken durch den negativen Einlagenzins in Grenzen zu halten. Die Staffelung dürfte insbesondere für deutsche, französische und niederländische Banken eine Erleichterung bringen. Diese halten mit zusammen knapp 70% den größten Teil an den Überschussreserven bei der EZB. Die EZB muss jedoch darauf achten, dass die Geldmarktsätze durch dieses abgestufte System nicht in Bewegung nach oben geraten. Die Anleihekäufe sollen zum 1. November wiederaufgenommen werden – diesmal jedoch ohne festes Enddatum. Das Programm soll nahezu solange durchgeführt werden, bis sie die Leitzinsen wieder erhöht. Da das sehr lange dauern kann, ist dies ein klares Signal an die Märkte, dass die EZB bis auf weiteres sehr expansiv agieren…

EZB muss sich für ein neues Anleihekaufprogramm mehr Spielraum schaffen

Die EZB bereitet eine Wiederaufnahme der Nettoneukäufe von EWU-Staatsanleihen (PSPP) vor, die sie bereits auf ihrer September-Sitzung verkünden könnte. Eine PSPP-Fortsetzung wäre unter den gegenwärtigen Programmbedingungen allerdings zeitlich stark beschränkt. Bereits nach etwa sieben Monaten dürfte das ESZB im Fall von Deutschland das Emittenten-Limit erreichen. Eine Änderung der PSPP-Bedingungen wird deswegen vielfach diskutiert. In der Praxis dürften sich Anpassungen aber deutlich schwieriger als gemeinhin angenommen gestalten. Eine Anhebung des Emittenten-Limits von derzeit 33% auf 50% könnte nicht nur gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verstoßen, sie bliebe ohne Anpassung des Emissions-Limits nahezu wirkungslos. Eine Änderung des Emissions-Limits von derzeit überwiegend 33% würde jedoch ebenfalls Fragen nach sich ziehen. Alle seit 2013 begebenen EWU-Staatsanleihen enthalten eine Euro area model Collective Action Clause (CAC). Hielte die EZB in Zukunft mehr als 33% des ausstehenden Kapitals einer Emission, müsste sie zumindest ihre bisherige politisch neutrale Haltung aufgeben. Insbesondere in Krisenfällen, in denen beispielsweise…

Internationaler Zinssenkungswettlauf

Die Zinsen sinken rund um den Globus. Noch Anfang 2019 sah es so aus, als sollte sich die gerade erst gestartete Normalisierung der Geldpolitik, ausgehend von der US-Notenbank, auch allmählich auf die anderen Zentralbanken der Welt übertragen. Heute stehen die Zeichen dagegen weltweit schon wieder auf Zinssenkung. Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Fed haben jedenfalls verschiedene andere Notenbanken ebenfalls einen Schwenk in Richtung expansiver Geldpolitik vollführt. So haben beispielsweise die Währungshüter in Indien, Thailand, Neuseeland, Brasilien oder Peru nachgezogen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik erhöht. Die EZB wird wohl im September ein großes Maßnahmenpaket ankündigen. Der politische Druck auf die US-Notenbank dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Andere Zentralbanken könnten dann erneut im Schlepptau folgen. Sollte sich dieser vermeintliche Wettlauf um die lockerste Geldpolitik fortsetzen, können die Zentralbanken jedoch nur verlieren. Die Zeiten extrem niedriger Renditen an den Anleihemärkten dürften also weitergehen, die Situation könnte sich sogar noch verschärfen….

EZB ändert die Inflationssteuerung

Wenn die jüngste Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi eine Sache gezeigt hat, dann die, dass die Währungshüter mit der Inflationsentwicklung alles andere als zufrieden sind. Insbesondere die Inflationserwartungen bereiten Sorgen, da diese mittlerweile diejenigen Niveaus unterschritten haben, die bei Auflegung der Netto- Anleihekäufe beziehungsweise bei der Aufstockung der Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro herrschten. Die Währungshüter haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, damit die Inflationserwartungen nicht ihre Verankerung verlieren. So wurde erst im Juni die Forward Guidance bis Mitte 2020 verlängert. Außerdem hatte die EZB neue TLTROs auf den Weg gebracht. All diese Maßnahmen scheinen jedoch kaum Wirkung entfaltet zu haben, denn die Inflationserwartungen sind weiter gesunken. Diese Entwicklung könnte in einer letzten Konsequenz darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer befürchten, die EZB habe die Kontrolle über die Inflation verloren. Vor diesem Hintergrund haben die Währungshüter zu einem weiteren Schachzug gegriffen, um die Sorgen des Marktes zu zerstreuen und die Inflationserwartungen…

Inflationsrate im Euro-Raum ohne große Bewegung – EZB steht unter hohem Erwartungsdruck

Im Juni hat sich die Inflationsrate im Euro-Raum nicht bewegt. So lag die jährliche Teuerungsrate der Verbraucherpreise mit 1,2% genauso hoch wie im Vormonat. Dabei haben zwei gegensätzliche Effekte auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex eingewirkt: Auf der einen Seite hat der geringere Preisauftrieb bei den Energiepreisen die Inflationsrate gesenkt. Auf der anderen Seite stiegen die Dienstleistungspreise nach dem Auf und Ab in den Vormonaten aufgrund des späten Osterfests in diesem Jahr wieder etwas stärker und erreichten das gewohnte Maß. Auf Länderebene zeigte sich in den Volkswirtschaften, die ebenfalls schon erste Schätzungen zur Preisentwicklung abgegeben haben, eine unterschiedliche Preisdynamik. In Deutschland blieb der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) unverändert bei 1,3%, in Frankreich stieg er von 1,1 auf 1,4%. In Spanien ermäßigte sich der Preisauftrieb von 0,9 auf 0,6%. Die italienische Inflationsrate ging von 0,9 auf 0,8% zurück. Einheitlich schwächte sich in allen Ländern der Preisauftrieb für den Bereich Energie ab, während die Dienstleistungspreise…

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