EZB

Ein Perpetuum Mobile gibt es nicht

Die Finanzmärkte scheinen sich immer weiter von der Realwirtschaft abzukoppeln. Diesen Eindruck kann man zunehmend gewinnen. Alle Assetklassen profitieren von den weltweit niedrigen Zinsen, den sehr niedrigen Zinsenerwartungen bei gleichzeitig einer schier unerschöpflichen Bereitstellung von Liquidität. Dazu kommt noch ein nicht enden wollender Reigen an staatlichen Hilfspaketen. Alles zusammen scheint ein Umfeld zu erschaffen, in dem selbst in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise seit mehr als 50 Jahren, die Hoffnung alle aktuellen Ängste und Sorgen überwiegt. Die Folge sind hohe Bewertungen in allen Assetklassen, insbesondere Staats- und Unternehmensanleihen haben sich von den fundamentalen Grundlagen zum Teil weit entfernt, da hier die Zentralbanken auch direkt kaufen. Diese Beobachtungen sind nicht neu. Seit der Finanzmarktkrise kann man diese Entwicklung an den Finanzmärkten mit unterschiedlicher Intensität beobachten. Die hohen Bewertungen waren in der Vergangenheit zu keiner Zeit ein wesentlicher Risikofaktor. Wichtig war letztendlich nur, dass die Zentralbanken jederzeit bereit sind die Finanzmärkte zu stützen….

Der EU-Wiederaufbaufonds: Auf dem Weg zur Transferunion

Es kommt Bewegung in die Diskussion um einen EU-Wiederaufbaufonds. Nach dem deutsch-französischen Vorschlag und dem Gegenentwurf der „Sparsamen Vier“ in der vergangenen Woche hat nun auch die EU-Kommission ihr Konzept vorgestellt. Wie erwartet weist der Brüsseler Plan deutliche Parallelen zum deutsch-französischen Modell auf. Das Gesamtvolumen des Fonds soll mit 750 Mrd. Euro aber noch größer sein. Analog zum Merkel-Macron-Plan sieht auch Brüssel Zuschüsse von insgesamt 500 Mrd. Euro vor. Darüber hinaus soll der Fonds aber auch Kredite in Höhe von 250 Mrd. Euro vergeben. Der Plan der Kommission nennt sogar bereits Details, welches Land wie stark vom Fonds profitieren würde. Erwartungsgemäß soll das durch die Corona-Krise besonders hart getroffene Italien Hauptnutznießer sein. Es würde 81 Mrd. Euro an Zuschüssen und 90 Mrd. Euro an Krediten erhalten. Zum Vergleich: Deutschland soll Zuschüsse in Höhe von 28 Mrd. Euro und keine Kredite erhalten. Die Gelder sollen möglichst schnell fließen. Zur Finanzierung des…

25 Jahre Jumbo Pfandbrief

  Vor 25 Jahren legte die Frankfurter Hypothekenbank einen Pfandbrief mit einem Emissionsvolumen von damals sensationellen 500 Mio. D-Mark auf. Daraus entwickelte sich zuerst der Jumbo-Pfandbriefmarkt und später ein globaler Markt für Euro-Benchmark-Covered-Bonds. Großvolumige Pfandbrief-Neuemissionen sind momentan rar. Die günstigen Refinanzierungsangebote der Europäischen Zentralbank (EZB), die wiederum eine Reaktion auf die Corona-Krise sind, führen zur aktuellen Emissionsflaute. Die fehlenden Impulse vom Primärmarkt und die fortlaufenden EZB-Käufe unter CBPP3 verschlimmern die Illiquidität im Sekundärmarkt. Das Markenzeichen des Jumbo-Pfandbriefs war neben seiner hohen Bonität auch immer der Anspruch auf möglichst transparente Preise und ein hohes Maß an Liquidität für Investoren. Wir wünschen dem Jumbo-Pfandbrief zum 25. Geburtstag bezüglich der Liquidität stets eine „handbreit Wasser unter dem Kiel“. Aus Investorensicht wären Pfandbriefneuemissionen momentan wünschenswert. Aus Sicht der Emittenten ist es aber verständlich, dass sie die attraktiven Refinanzierungsangebote der EZB nutzen. Damit lässt sich viel Geld sparen. Es bleibt zu hoffen, dass die Banken…

Vor Inflation muss man keine Angst haben

Angst und Sorge vor Inflation ist unbegründet. Die langfristigen Folgen der Notenbankpolitik sind wohl auf anderen Feldern zu beobachten, die aber genauso folgenreich sein können wie eine dauerhaft hohe Inflation. Wieder einmal geht die Angst vor Inflation um. Auslöser sind diesmal, wie immer wieder in den letzten Jahren, die großen Rettungsprogramme der Zentralbanken. Weltweit wurden die Zinsen gesenkt, Liquidität in die Märkte gepumpt und Assets gekauft. In der Corona Krise haben diese Programme in den größeren Ländern in der Regel die Billionengrenze weit überschritten. Ein Ende ist nicht absehbar. Der enorme Einsatz der Zentralbanken ist kein neues Phänomen. Bereits nach der Finanz- und Schuldenkrise haben die Zentralbanken die Weltwirtschaft mit Programmen dieser Art vor größeren Schäden bewahrt. Auch damals gab es immer wieder Phasen mit einer größeren Sorge vor einem schnellen Inflationsanstieg, doch Inflation gab es in den letzten 10 Jahren aber eigentlich nicht. In der Regel haben die Protagonisten…

Europa und EZB am Limit

Die Wirtschaft im Euro-Raum stürzt in die mit Abstand tiefste Krise seit der Einführung der Gemeinschaftswährung. Die EU-Kommission spricht in ihrer aktuellen Frühjahrsprognose sogar davon, dass Europa 2020 einen ökonomischen Schock erlebt, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat. In der Eurozone dürfte die Wirtschaftsleistung dieses Jahr demnach um 7,7 Prozent schrumpfen. Für 2021 wird zwar eine deutliche Erholung vorhergesagt, doch wird sie den großen Einbruch nicht wettmachen können. Nach unseren aktualisierten Prognosen dürfte es in diesem Jahr sogar noch kräftiger nach unten gehen. Wir gehen von einem Minus von gut neun Prozent für den Euro-Raum aus. Ob sich dann eine schnelle Erholung anschließt, ist noch alles andere als ausgemacht. Auch wenn EU-Kommission, die nationalen Regierungen und die Europäische Zentralbank alles in ihrer Macht Stehende dafür tun. Durch ein Urteil aus Karlsruhe ist die EZB in dieser Woche noch zusätzlich unter Druck geraten. Das Bundesverfassungsgericht hat…

BVerfG setzt EZB Frist

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat heute ein für die europäische Geldpolitik sowie die Finanzmärkte wegweisendes Urteil gefällt. Es hat der Beschwerde der Beschwerdeführer gegen das PSPP in Teilen stattgegeben. Das Gericht mahnt vor allem die fehlende Prüfung der Verhältnismäßigkeit der gewählten Mittel an und stellt sich damit auch gegen die Entscheidung des EuGH, der das PSPP für zulässig erklärt hatte. In seiner Begründung stellt das BVerfG konkret fest, dass die PSPP-Beschlüsse der EZB trotz der EuGH-Entscheidung als „Ultra-vires-Maßnahmen“ zu qualifizieren seien. Das bedeutet: Die EZB hat, so wie sie verfahren ist, außerhalb der ihr zustehenden Kompetenzen gehandelt. Das Gericht gibt den Beschwerdeführern allerdings nur in Teilen Recht, weil sie wiederum den Vorwurf der monetären Staatsfinanzierung verneint. Was folgt nun konkret aus dem Urteil? » Das BVerfG gibt der EZB drei Monate Zeit, die Verhältnismäßigkeit der gewählten Mittel nachvollziehbar gegenüber der Öffentlichkeit zu begründen. Erfolgt diese Begründung und Bundesregierung und Bundestag akzeptieren…

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