Finanzmärkte

Die EZB hat sich verändert

Die EZB hat nach der Finanzkrise ihr Verhalten und die Reaktionsfunktion spürbar verändert und die Geldpolitik einen Strukturbruch erfahren. Gab es im ersten Jahrzehnt des Bestehens der Notenbank noch einen engen Gleichlauf zwischen konjunktureller Entwicklung und geldpolitischer Ausrichtung, ist in den letzten zehn Jahren eine zunehmende Entkoppelung der Geldpolitik vom realwirtschaftlichen Geschehen zu verzeichnen. Ein Grund hierfür liegt in der asymmetrischen Reaktionsfunktion der Währungshüter. In wirtschaftlichen Abschwung reagiert die EZB schneller und stärker als in Aufschwungphasen. Dies fiel besonders sowohl in der ausklingenden Finanzkrise als auch 2015 auf, als die EZB trotz Aufschwung, aber aus Sorge vor deflationären Risiken, den Einstieg in das PSPP verkündete. Trotz der Nullzinspolitik sowie des umfangreichen Einsatzes unkonventioneller Maßnahmen ist es der EZB bislang nicht gelungen, den Trend sinkender Inflationserwar-tungen zu stoppen. Das primäre Ziel der Geldwertstabilität wird seit Jahren überwiegend verfehlt, was den niedrigen Wirkungsgrad der geldpolitischen Mittel belegt. Der Grund hierfür liegt darin,…

Private Haushalte: Rekordjagd an Aktienmärkten rettet Anlagejahr 2019

Nach unseren vorläufigen Berechnungen dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im abgelaufenen Jahr um 7,1 Prozent auf 6,6 Billionen Euro gewachsen sein. Im Vergleich zu 2018, als die Wachstumsrate bei 2,2 Prozent lag, hat sich der Vermögensaufbau stark beschleunigt. Der kräftige Anstieg ist allerdings vor allem dem Sparfleiß der Bürger und einer äußerst positiven Aktienmarktentwicklung zu verdanken. So dürfte sich die private Sparquote mit rund 11 Prozent auf dem erhöhten Niveau von 2018 eingependelt haben. Und trotz des geringen Aktienanteils von gut 7 Prozent im Anlageportfolio der privaten Haushalte haben Kursanstiege 2019 zu Bewertungsgewinnen im Geldvermögen von rund 184 Mrd. Euro geführt. Sorgen bereitet dagegen die anhaltende Niedrigzinsphase: Zum einen ist der gerade für die private Altersvorsorge wichtige Zinseszinseffekt weitgehend weggebrochen und ein negativer Realzins führte 2019 zu beträchtlichen Wertverlusten im Geldvermögen. Zum anderen hat sich ein beträchtlicher Geldanlagestau aufgebaut, weil den tendenziell eher risikoscheuen deutschen Privatanlegern die…

ESG – Eine nachhaltige Welle überrollt die Finanzbranche

Das Thema ESG übernimmt im Investmentprozess eine zunehmend wichtige Rolle. Die Performance ist mit herkömmlichen Indices vergleichbar. Anleger können somit auf nachhaltige Strategien setzen, ohne Abstriche bei der Performance erwarten zu müssen. Gleichzeitig kann dadurch Druck auf Unternehmen ausgeübt werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Ein guter Ertrag und ein gutes Gefühl sind somit vereinbar. Die Definition von Nachhaltigkeit im Investmentprozess ist bislang sehr heterogen. Einer der wesentlichsten Unterschiede besteht darin, dass ein großer Teil der Produkte mit Ausschlussfiltern arbeitet, der andere Teil hingegen direkte ESG-Themen (wobei „E“ für Umweltbewusstsein (Environmental), „S“ für Sozial und „G“ für Betriebsführung (Governance) steht) in der Anlagestrategie verankert hat. Bei Produkten im Aktienbereich kommt zusätzlich die Herausforderung hinzu, dass anders als bei „Green-Bonds“, typischerweise eine Zweckbindung an umweltfreundliche Projekte nicht möglich ist. Aktienprodukte stützen sich stärker auf ESG-Ratings. Die Kundennachfrage nach ESG-Produkten hat deutlich zugenommen. Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von 90 Billionen USD bekennen…

US-Wirtschaft profitiert von steigenden Schulden, ein Beispiel für andere Länder?

In Deutschland ist eine hitzige Debatte über die Sinnhaftigkeit der Schuldenbremse entbrannt. Dabei bietet die jetzige Regelung der Regierung eigentlich genug Flexibilität, diese möchte man aber nicht nutzen. In den USA geht man dagegen einen völlig anderen Weg, was zu einer deutlichen Ausweitung des Defizits im staatlichen Haushalt geführt hat. Insbesondere die Steuersenkungen und wachsende Sozialkosten haben die Lücke im US Bundeshaushalt deutlich vergrößert. Vor allem die finanzielle Entlastung der Unternehmen und der privaten Haushalte hat für positive Konjunkturimpulse gesorgt hat. Durch die Steuersenkungen der Trump’schen Regierung sind die Unternehmen Schätzungen zu Folge um rund 80 Mrd. US-Dollar entlastet worden und die privaten Haushalte um rund 120 Mrd. US-Dollar. Dies alleine dürfte zu einem Wachstumsplus von rund 0,7 %-Punkten beigetragen haben. Bei einem erwarteten BIP-Wachstum von 2,3% gg. Vj. im Jahr 2019 ist das ein nicht unerheblicher Beitrag. Ob geplant oder nicht, mit diesen Maßnahmen hat die US-Regierung die Wirtschaft…

EZB ist am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen

Die EZB hat heute eigentlich fast alles geliefert, was sich die Investoren gewünscht haben. Der Einlagesatz ist wie erwartet auf minus 0,5% abgesenkt worden. Begleitet wird diese Maßnahme durch einen Freibetrag, für den kein Negativzins anfällt. Zweck dieser Staffelung ist es, die Belastungen der Banken durch den negativen Einlagenzins in Grenzen zu halten. Die Staffelung dürfte insbesondere für deutsche, französische und niederländische Banken eine Erleichterung bringen. Diese halten mit zusammen knapp 70% den größten Teil an den Überschussreserven bei der EZB. Die EZB muss jedoch darauf achten, dass die Geldmarktsätze durch dieses abgestufte System nicht in Bewegung nach oben geraten. Die Anleihekäufe sollen zum 1. November wiederaufgenommen werden – diesmal jedoch ohne festes Enddatum. Das Programm soll nahezu solange durchgeführt werden, bis sie die Leitzinsen wieder erhöht. Da das sehr lange dauern kann, ist dies ein klares Signal an die Märkte, dass die EZB bis auf weiteres sehr expansiv agieren…

EZB muss sich für ein neues Anleihekaufprogramm mehr Spielraum schaffen

Die EZB bereitet eine Wiederaufnahme der Nettoneukäufe von EWU-Staatsanleihen (PSPP) vor, die sie bereits auf ihrer September-Sitzung verkünden könnte. Eine PSPP-Fortsetzung wäre unter den gegenwärtigen Programmbedingungen allerdings zeitlich stark beschränkt. Bereits nach etwa sieben Monaten dürfte das ESZB im Fall von Deutschland das Emittenten-Limit erreichen. Eine Änderung der PSPP-Bedingungen wird deswegen vielfach diskutiert. In der Praxis dürften sich Anpassungen aber deutlich schwieriger als gemeinhin angenommen gestalten. Eine Anhebung des Emittenten-Limits von derzeit 33% auf 50% könnte nicht nur gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verstoßen, sie bliebe ohne Anpassung des Emissions-Limits nahezu wirkungslos. Eine Änderung des Emissions-Limits von derzeit überwiegend 33% würde jedoch ebenfalls Fragen nach sich ziehen. Alle seit 2013 begebenen EWU-Staatsanleihen enthalten eine Euro area model Collective Action Clause (CAC). Hielte die EZB in Zukunft mehr als 33% des ausstehenden Kapitals einer Emission, müsste sie zumindest ihre bisherige politisch neutrale Haltung aufgeben. Insbesondere in Krisenfällen, in denen beispielsweise…

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