Finanzmärkte

Target2-Salden: Falsche Diskussion über ein brisantes Euro-Thema

Eine atemberaubende Summe: Die Deutsche Bundesbank weist in ihrem Target2-Saldo eine fast eine Billion Euro schwere Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Doch was sagt diese Zahl tatsächlich aus? Müssen wir uns Sorgen machen? Seit der Finanzmarktkrise dienen Target2-Salden als eine Art Fieberkurve für die strukturellen Ungleichgewichte im Euroraum. In den vergangenen Monaten sind nun die Target2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone immer stärker auseinandergedriftet. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentralem Counterpart des Target2-Systems um etwa 70 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 976 Mrd. Euro (Stand Juni) erhöht. Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang derzeit, Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus. Im Gegenzug haben insbesondere die Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 464 Mrd. Euro. Dicht…

Die EZB macht einen strategischen Fehler

Mögliche Zinsanhebungen sind weit in die Zukunft verschoben worden. Aus meiner Sicht ist diese Strategie der EZB ein Fehler. Die EZB sollte jetzt die Gelegenheit nutzen und zumindest die Einlagensätze aus dem negativen Bereich anheben. Diese wirken nämlich zunehmend als Sondersteuer für den europäischen Bankensektor und verschlechtern die globale Wettbewerbssituation. Der schwelende Handelskonflikt könnte die Wachstumsdynamik bremsen und damit das Umfeld für mögliche Zinsanhebungen in Q4 2019 spürbar eintrüben. Dann stünde die EZB vor einem Dilemma. Die europäischen Währungshüter gaben im Rahmen der heute veröffentlichten Accounts zu Protokoll, dass das Versprechen, die Leitzinsen über den Sommer 2019 unverändert zulassen, ein guter Kompromiss gewesen sei, den Märkten eine geldpolitische Orientierung an die Hand zu geben und trotzdem die Flexibilität der EZB zu wahren. Gleichzeitig war es den Notenbankern ein Anliegen, mögliche negative Marktentwicklungen aufgrund der avisierten Beendigung der Anleihekäufe zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund haben die EZB-Vertreter betont, dass die Geldpolitik…

Das aktuelle Zollregime ist nicht mehr zeitgemäß

Donald Trump hat recht. Das aktuelle Zollregime passt nicht mehr in die Weltordnung von heute. Doch eine Veränderung dieses Systems ist überaus kompliziert. Und der von Trump vom Zaun gebrochene globale Zollstreit wird nicht zu einer Lösung des Problems führen. Stattdessen werden alle unter der Zollspirale leiden. Eigentlich dürfen sich die Europäer in der aktuellen Diskussion um Straf- und Schutzzölle nicht beklagen. Nach Berechnungen des Münchner ifo Instituts liegt der ungewichtete Durchschnittszoll der EU auf die Warenimporte aus anderen Ländern bei rund 5,2 Prozent. Die USA erheben dagegen durchschnittlich 3,2 Prozent auf ihre Importe. Der einfache Durchschnitt zeichnet dabei aber nur ein ungenaues Bild, denn er erfasst über die zahlreichen Gütergruppen hinweg nicht die wirtschaftliche Bedeutung der Güter im Außenhandel. Deutlicher wird dies bei der aktuell diskutierten Gütergruppe von PKWs. Die EU veranschlagt auf US-Autos aus den USA derzeit einen zehnprozentigen Zoll, die USA dagegen verlangen für eingeführte EU-Autos nur…

Die Zollschraube dreht sich munter weiter

Die USA dreht munter weiter an der Zollschraube und bringt damit zusehends das weltweite Wachstumsmodell einer arbeitsteiligen Wirtschaft in Gefahr. Die US Wirtschaft dürfte hiervon zunächst am wenigsten betroffen sein. Deutschland und Europa dürften dagegen am stärksten die Folgen dieser Handelspolitik spüren. Anbei die Faktenlage in ein paar Grafiken dargestellt.      

Trump und die unfreiwillige Politik des starken USD

» Trotz der diplomatischen Entgleisungen beim G7-Gipfel lässt sich bislang keine nennenswerte Reaktion am Devisenmarkt erkennen. » Marktseitig überwiegt die Wahrnehmung, dass der USD bei einer weiteren Eskalation am besten gewappnet ist (Konjunkturdifferenz, Fed-Schritte, …) » Dass Trumps Kurs damit eine kontraproduktive USD-Stärke als unerwünschte Nebenwirkung haben könnte, wird derzeit nicht thematisiert. Während die öffentliche Meinung über die Ereignisse beim G7-Gipfel noch zwischen Entsetzen, Ernüchterung und stillschweigender Bewunderung schwankt, lässt sich an den Finanzmärkten bislang keine auffällige Bewegung erkennen. Weder das Risiko eines eskalierenden Handelskriegs noch der weltwirtschaftliche Ausblick werden nennenswert anders beurteilt als noch am Freitag. Ob Trumps Vorstellungen von Freihandel umsetzbar sind und sich der Rest der Welt tatsächlich unfair an den USA bereichert, sei dahingestellt. Fakt ist: der US-Präsident will die Situation „seiner“ Exporteure verbessern und das US-Handelsdefizit (als Symptom der unfairen Behandlung der USA) abbauen. Dafür sind neben verbalen Drohkulissen Importzölle sein Mittel der Wahl. Diese…

„Sichere Staatsanleihen“ – Brüssel setzt aufs falsche Pferd

Totgesagte leben sprichwörtlich länger. Dieses gilt auch für das Konzept der European Safe Bonds (ESBies). Zur Erinnerung: Brunnermeier et al. hatten 2016 ihre Idee strukturierter Anleihen erstmals vorgestellt. Ziel war es, den Mangel an „sicheren“ Staatanleihen in der Eurozone zu beheben und gleichzeitig dem Staaten-Banken-Nexus, der vor allem ein Problem in der Peripherie ist, entgegenzuwirken. Hierzu sollten eigens Zweckgesellschaften gegründet werden, die Staatsanleihen der Eurozone kaufen und dies durch die Ausgabe von mindestens zwei verschiedenen Tranchen strukturierter Anleihen zu finanzieren – besonders sichere Senioranleihen, die vor allem für Banken interessant wären, und höher verzinste Juniortranchen. Der Clou: Etwaige Ausfälle bei Staatsanleihen sollten zunächst voll von den Inhabern der Juniortranchen getragen werden, erst wenn eine bestimmte Verlustschwelle überschritten wird, drohten den Inhabern der Seniorbonds Verluste. Weil etwa 70% der ESBies auf die Seniortranche entfallen sollten, könnte der Umfang sicherer Staatsanleihen in der Eurozone erheblich vergrößert werden – so die Autoren. Die…

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