Finanzmärkte

Japans Wirtschaft mit kräftigem „Rebound“ im Sommer

Japans Wirtschaftsleistung hat im dritten Quartal mit 5,0 Prozent zum Vorquartal vorläufigen Angaben zufolge einen stärker als erwarteten Sprung nach oben vollzogen. Maßgeblich dafür waren Nachholeffekte beim Konsum nach dem Corona-Tief vom Frühjahr und kräftig gestiegene Güterausfuhren. Auch die expansive Fiskalpolitik hat geholfen. Das Vorkrisenniveau vom ohnehin bereits schwachen Jahresbeginn konnte aber noch nicht wieder erreicht werden. Zudem wurde das Ergebnis vom zweiten Quartal erneut nach unten revidiert auf nun -8,2 Prozent (Q/Q). Obwohl Japans inländischer Dienstleistungssektor, und hier vor allem das Gastgewerbe, der Fremdenverkehr und alle freizeitbezogenen Bereiche, nach wie vor unter Corona-bedingten Einschränkungen leiden, hat sich bei den privaten Konsumausgaben im Sommer doch ein Wachstum von immerhin 4,7 Prozent (Q/Q) eingestellt, nach -8,1 Prozent im „Corona-Quartal“ vom Frühjahr. Die staatlichen Einkommenshilfen für Privathaushalte haben mitgeholfen, dass die Ausgaben für langlebige Güter, z.B. Klimaanlagen für zuhause, deutlicher als erwartet anzogen. Ausgaben für die Gesundheitsversorgung stiegen ebenfalls deutlich an. Größter…

ifo-Geschäftsklima: Breite Erholung bei deutschen Unternehmen

Die wirtschaftliche Erholung, die mit den ersten Lockerungen im Mai begonnen hat, setzt sich auch in den Sommermonaten fort. Die deutschen Unternehmen schätzen ihre Lage im August im Durchschnitt besser ein als in den Vormonaten, und auch ihre Geschäftserwartungen sind gemäß aktueller ifo-Umfrage bereits zum vierten Mal in Folge angestiegen. Besonders auffällig ist, dass die Erwartungen insgesamt so positiv sind wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. In den meisten Branchen macht sich also wieder Optimismus breit, sogar in der zuletzt heftig gebeutelten Industrie. Nur im Handel bleiben die Erwartungen der ifo-Umfrage zu Folge weiter pessimistisch. Hier dürfte die Angst vor einer zweiten Corona-Welle und neuen Einschränkungen in den letzten Wochen stärker geworden sein. Auch in der Bauwirtschaft bleibt der Ausblick eher verhalten. Hier allerdings – anders als beim Handel – ausgehend von einem sehr hohen Produktionsniveau. Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen immer noch schwach ein, auch wenn sich…

Spaniens Tourismus in der Corona-Falle – konjunkturelle Abwärtsrisiken für Südeuropa groß

Es ist ein schwerer Schlag für den spanischen Tourismus-Sektor. Nach zahlreichen Warnungen aus mehreren europäischen Staaten verhängte auch Deutschland eine Reisewarnung für nahezu ganz Spanien. Die Zahl der Neuinfizierten war in den vergangenen Wochen wieder stark angestiegen. Diese Entwicklung ist insofern ein Schock, da die deutschen Urlauber nach den Briten die größte grenzüberschreitende Besuchergruppe in Spanien darstellen. Ein schwerer Herbst steht bevor. Eine Reisewarnung ist zwar noch kein Reiseverbot. Von der Warnung dürfte dennoch ein spürbares Signal ausgehen – denn eine Rückkehr aus einen Risikogebiet ist mit unangenehmen Prozeduren für den Reisenden verbunden. Für die stark gebeutelte Tourismus-Industrie in Spanien sollte die Erholung im dritten Quartal damit nochmals merklich abgebremst werden – mit Folgen für die Gesamtwirtschaft. Denn der spanische Tourismus trägt direkt und indirekt zu rund 18 Prozent der Bruttowertschöpfung bei. An unserer Prognose für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 von derzeit -13,0 Prozent halten wir trotz der ungünstigen…

Corona update – Virus ist aktiv, Kauflaune ungebrochen

Rund um den Globus steigt die Anzahl bestätigter Virusinfektionen erstmals über die Marke von 20 Millionen – Indien löst die USA ab Die wirtschaftliche Erholung in den USA und der EU halt an, wenngleich sich die Dynamik bereits abflacht – Auslandsnachfrage hinkt hinterher Gesamtmarkt: Die Kauflaune der Investoren ist ungebrochen, insbesondere riskantere Anleihen sind gut nachgefragt. Laut Daten der Johns Hopkins Universität wurde auf globaler Ebene Anfang dieser Woche erstmals die Marke von 20 Millionen bestätigten Virusinfektionen erreicht. Mehr als die Hälfe aller Infizierten konzentriert sich auf nur drei Länder: die USA mit rund 5,1 Millionen, Brasilien mit rund 3,1 Millionen und Indien mit rund 2,3 Millionen. Mit Blick auf die Neuansteckungen hält auf globaler Ebene der Dynamikverlust bislang weiter an. Die jüngst in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Konjunkturdaten haben bestätigt, dass sich die Wirtschaft erholt, aber die Dynamik abnimmt. Unseres Erachtens wird der zukünftige Wachstumspfad erheblich von den Verhandlungen…

Starker Euro trifft schwachen Dollar

„Ein historischer Tag für Europa“. Das waren die Worte von Frankreichs Präsident Macron nach dem Durchbruch beim EU-Gipfel. Und selbst für langjährige Beobachter, die schon einiges an Hoch- und Tiefpunkten in der Geschichte des Euros erlebt haben, dürfte das Ergebnis ein besonderer Meilenstein gewesen sein. Nicht nur der Umfang der Corona-Hilfen vermag zu überzeugen, noch beeindruckender waren die Entschlossenheit und das Tempo, mit denen Europa neuerdings an einem Strang zieht – trotz aller offensichtlichen Differenzen. Natürlich gibt es noch einige Details zu klären, aber anders als in früheren Krisen hat man auf die einst EU-typische Hinhaltetaktik verzichtet und sich für die wesentlichen Entscheidungen nicht von Gipfel zu Gipfel vertagt. Auch der Euro reitet derzeit auf der Welle des neu entdeckten Selbstbewusstseins der EU und kümmert sich während seines Höhenflugs bis temporär über 1,19 USD nicht um die fraglos bestehenden Implementierungsrisiken des Hilfspaketes. Diese Ignoranz fällt ihm umso leichter, als sein…

„Früh“- und „Spätindikatoren“ in der Krise

Aktienkurse gelten gemeinhin als „Frühindikatoren“ für die Konjunktur. Sie beruhen vor allem auf Erwartungen bezüglich der weiteren Entwicklung der Unternehmensgewinne, sind also in die Zukunft gerichtet. Und da die Unternehmensgewinne üblicherweise eng mit dem konjunkturellen Auf und Ab korreliert sind, sollten die Aktienkurse auch eine gute Prognose für den weiteren Konjunkturverlauf darstellen. Der Arbeitsmarkt gilt hingegen als typischer „Spätindikator“ für die Konjunktur. Denn die Unternehmen benötigen üblicherweise Zeit, um ihren Personalbestand an die wirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Bei Neueinstellungen geht ein Such- und Auswahlprozess voraus, und betriebsbedingte Kündigungen aufgrund von Auftragsmangel oder Geschäftsschließungen benötigen ebenfalls eine Vorlaufzeit. Derzeit herrscht am Aktienmarkt ein großer Optimismus, trotz der schweren Corona-Krise. Der Arbeitsmarkt hat unterdessen – zumindest in Europa – bislang nur recht verhalten auf die Krise reagiert. Bedeutet das nun, dass die Krise bereits überwunden ist und alles gar nicht so schlimm war? Oder kommt das dicke Ende noch? Die Aussagekraft der gängigen…

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