Finanzmärkte

Sommerruhe fällt aus

Die sommerliche Ruhe fällt dieses Jahr aus. Die Krisen dieser Welt verschärfen sich allenthalben. Dabei steht natürlich die Entwicklung des Handelskonflikts zwischen USA und China im Mittelpunkt der Diskussion an den internationalen Finanzmärkten und auch hier dreht sich die Eskalationsschraube munter weiter. Langsam zeigen sich hier auch realwirtschaftliche Folgen. Das Welthandelswachstum stagniert und die Wachstumsperspektiven verdüstern sich – die exportorientierten Volkswirtschaften sind dabei überproportional betroffen. Dies geht nicht spurlos an den Bilanzen der Unternehmen vorbei. In der laufenden Berichtssaison gab es bereits einige Gewinnwarnungen und die Qualität der Unternehmensbilanz hat sich im Durchschnitt verschlechtert. Insgesamt hat sich der Ausblick spürbar eingetrübt. Die Aktienmärkte haben diese Entwicklung bislang ignoriert. Jedoch mit der Ankündigung, dass die Zölle in den USA für chinesische Einfuhren weiter ausgeweitet werden sollen, sind die Dämme nun doch gebrochen. Auch wenn der Ausblick für die Aktienmärkte nicht vielversprechend ist, könnten die negativen Renditen bei Anleihen mit guter Bonität…

EZB ändert die Inflationssteuerung

Wenn die jüngste Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi eine Sache gezeigt hat, dann die, dass die Währungshüter mit der Inflationsentwicklung alles andere als zufrieden sind. Insbesondere die Inflationserwartungen bereiten Sorgen, da diese mittlerweile diejenigen Niveaus unterschritten haben, die bei Auflegung der Netto- Anleihekäufe beziehungsweise bei der Aufstockung der Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro herrschten. Die Währungshüter haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, damit die Inflationserwartungen nicht ihre Verankerung verlieren. So wurde erst im Juni die Forward Guidance bis Mitte 2020 verlängert. Außerdem hatte die EZB neue TLTROs auf den Weg gebracht. All diese Maßnahmen scheinen jedoch kaum Wirkung entfaltet zu haben, denn die Inflationserwartungen sind weiter gesunken. Diese Entwicklung könnte in einer letzten Konsequenz darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer befürchten, die EZB habe die Kontrolle über die Inflation verloren. Vor diesem Hintergrund haben die Währungshüter zu einem weiteren Schachzug gegriffen, um die Sorgen des Marktes zu zerstreuen und die Inflationserwartungen…

Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran

Die Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres war das Wachstum im Euroraum mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur noch halb so hoch wie in Q1. Wenig überraschend hat die Binnenwirtschaft das Wachstum gestützt, während die Nettoexporte wohl eher das Wachstum gedämpft haben. Das deckt sich mit dem generellen Bild eines eher schwierigen internationalen Umfelds, das durch geopolitische Konjunkturrisiken und protektionistische Tendenzen gehemmt wird. Die Daten aus dem Euroraum sprechen für ein leicht positives Wirtschaftswachstum in Q2 in Deutschland. Der Ausblick für die Konjunktur im Euroraum ist nicht vielversprechend. Nahezu alle relevanten Frühindikatoren im Euroraum sind in den letzten Monaten gefallen und deuten auf eine weitere Wachstumsabkühlung hin, insbesondere die Industrie leidet unter dem schwachen Welthandel. Jedoch ist eine nachlassende Wachstumsdynamik zwischenzeitlich auch in den binnenwirtschaftlichen Sektoren feststellbar. Die EZB hat auf die abnehmende Wachstumsdynamik reagiert und relativ deutlich eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung…

Altes, Neues und G20

Wenn der Preis fällt, steigt die Nachfrage, so auch bei Krediten. Mit fallenden Zinsen steigt die Verschuldung weltweit an. Dabei ist die regionale Verteilung sehr unterschiedlich. In den Emerging Markets kann man insbesondere einen Anstieg der Verschuldung bei Unternehmen feststellen, während die Staaten sich hier zurückhalten. Gegensätzlich stellt sich die Lage in den Industrieländern dar. Hier sind es die Staaten, die die niedrigen Zinsen zu einer Ausweitung der Verschuldung nutzen, während sich die Unternehmen zurückhalten. Insbesondere in Deutschland haben die Unternehmen das gute wirtschaftliche Umfeld genutzt und die finanziellen Kennzahlen verbessert. Dies dürfte sich in der Zukunft, wenn die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, positiv bemerkbar machen. Es gibt auch neue Entwicklungen. Ein privates Konsortium um Facebook hat in den letzten Tagen angekündigt, eine neue Kryptowährung namens Libra in Umlauf zu bringen. Zentralbanken, Aufseher und Politik reagieren nervös auf diese Nachricht, nicht ganz ohne Grund. Mit über 2 Mrd. Nutzern ist das…

Warum dieser Aktionismus bei der EZB?

Völlig überraschend und aus meiner Sicht auch ohne nachvollziehbaren ökonomischen Grund hat Notenbankchef Draghi gestern die EZB unter enormen Zugzwang gesetzt: Er kündigte an, dass die EZB weitere geldpolitische Stimuli erwägt, sollte die Inflation nicht anziehen und sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Wochen nicht verbessern. Höchst ungewöhnlich für eine Notenbank forderte Draghi ausdrücklich eine Verbesserung der konjunkturellen Lage sowie eine höhere Inflationserwartung. Dies bedeutet natürlich, dass die EZB von der aktuellen Lage überrascht wurde oder man in den letzten Wochen zu zögerlich war. Explizit wurde eine weitere Zinssenkung angekündigt und – sollte das nicht reichen – ein weiteres Anleihekaufprogramm. Rein formal könnte der Auslöser für die neue geldpolitische Ausrichtung der deutliche Rückgang der Inflationserwartungen sein. Entscheidend scheinen die längerfristigen Inflationserwartungen zu sein, die – trotz der verlängerten Forward Guidance – seit der letzten EZB-Sitzung nochmals deutlich gesunken sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Einbruch nicht…

Druck auf Weltpolitik und Weltwirtschaft steigt

US-Präsident Trump dreht immer weiter an der Eskalationsschraube, zuletzt ging es gegen Mexiko. Wie so oft ist die Begründung zwar nachvollziehbar, doch mit höheren Zöllen wird man das Migrationsproblem sicherlich nicht lösen. Zudem könnte die Ankündigung höherer Zölle im Zusammenhang mit den lauter werdenden Forderungen für ein Amtsenthebungsverfahren stehen. Auch in Zukunft ist kaum damit zu rechnen, dass sich die vielen Streitigkeiten allesamt lösen lassen. Und selbst wenn: Der Schaden für die Weltwirtschaft ist da. Im Euroraum gibt es für die italienische Regierung auch kein Halten mehr. Innenminister Salvini stellt sich nach dem Erfolg bei den Europawahlen ganz offen gegen die Fiskalregeln und fordert nun ein schuldenfinanziertes Wachstumsprogramm für Italien. Damit könnte er die populistische Tür im Euroraum weit aufstoßen und den Stabilitätsgedanken weiter schwächen. Dies wird sich natürlich auch auf das Verhalten der Investoren auswirken, die sich von Ländern wie Italien wieder distanzieren könnten. In Deutschland dagegen wird die…

1 2 5