Finanzmärkte

Die Zollschraube dreht sich munter weiter

Die USA dreht munter weiter an der Zollschraube und bringt damit zusehends das weltweite Wachstumsmodell einer arbeitsteiligen Wirtschaft in Gefahr. Die US Wirtschaft dürfte hiervon zunächst am wenigsten betroffen sein. Deutschland und Europa dürften dagegen am stärksten die Folgen dieser Handelspolitik spüren. Anbei die Faktenlage in ein paar Grafiken dargestellt.      

Trump und die unfreiwillige Politik des starken USD

» Trotz der diplomatischen Entgleisungen beim G7-Gipfel lässt sich bislang keine nennenswerte Reaktion am Devisenmarkt erkennen. » Marktseitig überwiegt die Wahrnehmung, dass der USD bei einer weiteren Eskalation am besten gewappnet ist (Konjunkturdifferenz, Fed-Schritte, …) » Dass Trumps Kurs damit eine kontraproduktive USD-Stärke als unerwünschte Nebenwirkung haben könnte, wird derzeit nicht thematisiert. Während die öffentliche Meinung über die Ereignisse beim G7-Gipfel noch zwischen Entsetzen, Ernüchterung und stillschweigender Bewunderung schwankt, lässt sich an den Finanzmärkten bislang keine auffällige Bewegung erkennen. Weder das Risiko eines eskalierenden Handelskriegs noch der weltwirtschaftliche Ausblick werden nennenswert anders beurteilt als noch am Freitag. Ob Trumps Vorstellungen von Freihandel umsetzbar sind und sich der Rest der Welt tatsächlich unfair an den USA bereichert, sei dahingestellt. Fakt ist: der US-Präsident will die Situation „seiner“ Exporteure verbessern und das US-Handelsdefizit (als Symptom der unfairen Behandlung der USA) abbauen. Dafür sind neben verbalen Drohkulissen Importzölle sein Mittel der Wahl. Diese…

„Sichere Staatsanleihen“ – Brüssel setzt aufs falsche Pferd

Totgesagte leben sprichwörtlich länger. Dieses gilt auch für das Konzept der European Safe Bonds (ESBies). Zur Erinnerung: Brunnermeier et al. hatten 2016 ihre Idee strukturierter Anleihen erstmals vorgestellt. Ziel war es, den Mangel an „sicheren“ Staatanleihen in der Eurozone zu beheben und gleichzeitig dem Staaten-Banken-Nexus, der vor allem ein Problem in der Peripherie ist, entgegenzuwirken. Hierzu sollten eigens Zweckgesellschaften gegründet werden, die Staatsanleihen der Eurozone kaufen und dies durch die Ausgabe von mindestens zwei verschiedenen Tranchen strukturierter Anleihen zu finanzieren – besonders sichere Senioranleihen, die vor allem für Banken interessant wären, und höher verzinste Juniortranchen. Der Clou: Etwaige Ausfälle bei Staatsanleihen sollten zunächst voll von den Inhabern der Juniortranchen getragen werden, erst wenn eine bestimmte Verlustschwelle überschritten wird, drohten den Inhabern der Seniorbonds Verluste. Weil etwa 70% der ESBies auf die Seniortranche entfallen sollten, könnte der Umfang sicherer Staatsanleihen in der Eurozone erheblich vergrößert werden – so die Autoren. Die…

USA, Europa, Iran, Ölpreis – ein weiteres Dilemma

Gestern erklärte der US-Präsident Trump den einseitigen Rückzug der USA aus dem von den Vereinten Nationen abgesegneten gemeinsamen Aktionsplan, den die „P5+1“-Staaten (USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) nach einem rund zweijährigen Verhandlungs-Marathon im Juli 2015 mit dem Iran fixiert hatten. Mit der gestrigen Entscheidung hat Donald Trump seine aus dem vergangenen Oktober stammende Ankündigung wahrgemacht, den Aktionsplan aufzukündigen, wenn es nicht bis Anfang Mai zu einer substanziellen Härtung des multilateralen Vertragswerks kommen würde. Der US-Präsident hatte den Atom-Deal bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2016 als „schlechtesten, jemals ausgehandelten Vertrag“ gebrandmarkt, weil er (a) dem Iran ab 2025 die schrittweise Rückkehr zur Produktion hoch angereicherten (und damit waffenfähigen) Urans gestattet, (b) das ballistische Raketenprogramm des Iran unberücksichtigt lässt und (c) er der mit der Überprüfung der iranischen Vertragstreue beauftragten Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) unzureichende Kontrollrechte (insbesondere für Militäranlagen) gewährt. Wie zu erwarten war, geht mit dem US-Rückzug auch die Wiedereinführung der bis…

Anlagejahr 2017: „Landunter“ bei der realen Verzinsung privater Geldvermögen

Nach unseren vorläufigen Berechnungen dürften die Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im Anlagejahr 2017 um rund 300 Mrd. Euro auf 6,1 Billionen Euro gestiegen sein. Mit 5,2 Prozent lag das Wachstum über dem von 2016 (+4,7 Prozent). Getragen wurde der Vermögenszuwachs erneut vom Sparfleiß der Bürger und Kursgewinnen an den Aktienmärkten. Die Verzinsung von Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen erreichte dagegen einen neuen Tiefpunkt. Offenbar lassen sich die privaten Haushalte bei ihren Sparbemühungen nicht von den niedrigen Zinsen entmutigen und legen einen wachsenden Teil ihres Einkommens zur Seite. So stieg die Sparquote im vierten Jahr in Folge auf voraussichtlich 9,8 Prozent. Neben der Ersparnis bildeten steigende Aktienkurse die zweite Stütze für den Vermögensaufbau in 2017. In der Summe sorgten Kursgewinne für einen Wertzuwachs bei Aktien, Aktien- und Mischfonds sowie Zertifikaten privater Haushalte von 93 Mrd. Euro. In den letzten Jahren blieb die reale Verzinsung von Einlagen, Rentenwerten und Versicherungen dank…

Retail Banken: Bei wieder steigenden Zinsen wird die Luft dünner

Dem deutschen Bankensektor droht in der Zeit nach der Niedrigzinsphase, wenn die Zinsen wieder spürbar steigen, eine drastische Verengung der Zinsmargen. Dabei gilt: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss der Banken. Außerdem dürfte der Konditionenwettbewerb zwischen Direktbanken und traditionellen Filialbanken bei wieder steigenden Zinsen in eine zweite Runde gehen. Im wettbewerbsintensiven deutschen Retail Banking haben Kreditinstitute keinen großen Konditionengestaltungsspielraum. Da auch keine grundsätzlich neuen Ertragsquellen absehbar sind, bleiben vor allem zwei strategische Optionen, um einer drohenden Verschlechterung der Cost-Income-Ratio entgegen zu wirken: Kostenreduktion und/oder Marktanteilsgewinne. Insgesamt erhöht sich bei wieder steigenden Zinsen der Druck auf die GuV, die Risiken nehmen zu und den Banken dürfte es schwerer fallen, Rücklagen zu bilden. Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB unterstreichen zwar, dass die EZB einen unkontrollierten kräftigen Zinsanstieg nicht zulassen will. Das ist im Hinblick auf die Finanzmarktstabilität und…

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