Finanzmärkte

Starker Euro trifft schwachen Dollar

„Ein historischer Tag für Europa“. Das waren die Worte von Frankreichs Präsident Macron nach dem Durchbruch beim EU-Gipfel. Und selbst für langjährige Beobachter, die schon einiges an Hoch- und Tiefpunkten in der Geschichte des Euros erlebt haben, dürfte das Ergebnis ein besonderer Meilenstein gewesen sein. Nicht nur der Umfang der Corona-Hilfen vermag zu überzeugen, noch beeindruckender waren die Entschlossenheit und das Tempo, mit denen Europa neuerdings an einem Strang zieht – trotz aller offensichtlichen Differenzen. Natürlich gibt es noch einige Details zu klären, aber anders als in früheren Krisen hat man auf die einst EU-typische Hinhaltetaktik verzichtet und sich für die wesentlichen Entscheidungen nicht von Gipfel zu Gipfel vertagt. Auch der Euro reitet derzeit auf der Welle des neu entdeckten Selbstbewusstseins der EU und kümmert sich während seines Höhenflugs bis temporär über 1,19 USD nicht um die fraglos bestehenden Implementierungsrisiken des Hilfspaketes. Diese Ignoranz fällt ihm umso leichter, als sein…

„Früh“- und „Spätindikatoren“ in der Krise

Aktienkurse gelten gemeinhin als „Frühindikatoren“ für die Konjunktur. Sie beruhen vor allem auf Erwartungen bezüglich der weiteren Entwicklung der Unternehmensgewinne, sind also in die Zukunft gerichtet. Und da die Unternehmensgewinne üblicherweise eng mit dem konjunkturellen Auf und Ab korreliert sind, sollten die Aktienkurse auch eine gute Prognose für den weiteren Konjunkturverlauf darstellen. Der Arbeitsmarkt gilt hingegen als typischer „Spätindikator“ für die Konjunktur. Denn die Unternehmen benötigen üblicherweise Zeit, um ihren Personalbestand an die wirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Bei Neueinstellungen geht ein Such- und Auswahlprozess voraus, und betriebsbedingte Kündigungen aufgrund von Auftragsmangel oder Geschäftsschließungen benötigen ebenfalls eine Vorlaufzeit. Derzeit herrscht am Aktienmarkt ein großer Optimismus, trotz der schweren Corona-Krise. Der Arbeitsmarkt hat unterdessen – zumindest in Europa – bislang nur recht verhalten auf die Krise reagiert. Bedeutet das nun, dass die Krise bereits überwunden ist und alles gar nicht so schlimm war? Oder kommt das dicke Ende noch? Die Aussagekraft der gängigen…

Was kann man vom europäischen Wiederaufbaufonds erwarten?

Nach langem Ringen auf dem EU-Gipfel gab es die ersehnte Einigung auf einen europäischen „Solidaritätsfonds“. Der Hilfsfonds oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde, soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen – allerdings hat sich die Zusammensetzung geändert. Anstatt 500 Mrd. Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse an die Mitgliedsstaaten auszuschütten und 250 Mrd. Euro an Darlehen, sind es nun lediglich 390 Mrd. Euro an Zuschüssen. In den Jahren 2021 und 2022 sollen 70 Prozent der Mittel und in 2023 nochmal die restlichen 30 Prozent der Mittel ausgezahlt werden. Die Zuweisungen aus der Fazilität in den Jahren 2021-2022 werden nach den Zuweisungskriterien der Kommission unter Berücksichtigung des jeweiligen Lebensstandards, der wirtschaftlichen Größe und der Arbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten festgelegt. Für die Zuweisungen ab dem Jahr 2023 wird das Kriterium der Arbeitslosigkeit durch den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP)…

EU einigt sich auf Corona-Hilfspaket

Es war mal wieder ein zähes Ringen in Brüssel. Die Positionen lagen zu Beginn der Verhandlungen sehr weit auseinander und das Gesprächsklima im Verhandlungssaal dürfte eher unterkühlt gewesen sein. Aber es gab immerhin den deutsch-französischen Vorschlag eines „Aufbaufonds“ von 750 Mrd. Euro, der den besonders schwer von der Corona-Krise betroffenen Staaten zugutekommen sollte. Strittig war insbesondere die Aufteilung der Summe auf Zuschüsse bzw. Kredite. Ursprünglich sollten 500 Mrd. Euro als nicht rückzahlbare Zuschüsse ausgezahlt werden und 250 Mrd. Euro als Kredite vergeben werden. Die Aufteilung hat sich nunmehr in 390 Mrd. Euro Zuschüsse und 360 Mrd. Euro Kredite verändert, nachdem die „Sparsamen 4“ (Niederlande. Österreich, Dänemark und Schweden) auf einer Reduzierung der Zuschuss-Summe bestanden hatten. Auch gibt es Auflagen für die Verwendung der Hilfszahlungen, die sich nach den wirtschaftspolitischen Empfehlungen der EU-Kommission richten sollen. Neu ist, dass die EU die Möglichkeit hat, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu…

Fiskalunion 1.0

Auf den ersten Blick mag man sich ungläubig die Augen reiben. Italien ist das mitunter am stärksten durch die Corona-Krise gebeutelte Land in Europa. Die Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr voraussichtlich im zweistelligen Prozentbereich sinken, während die Schuldenstandsquote geradezu sprunghaft ansteigt. Den italienischen Staatsanleihen scheint die Krise dagegen kaum zuzusetzen. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt bei etwa 1,5%, der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit bei rund 180 Basispunkten. Zum Vergleich: Zum Höhepunkt des Streits zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission im Herbst 2018 lag die Rendite noch bei rund 3,7% und der Spread bei etwa 320 Basispunkten. Die damals von Rom geplanten Mehrausgaben, die einen Großteil des Streits ausmachten, waren im Vergleich zu den aktuell diskutierten Fiskalprogrammen jedoch fast verschwindend gering. Zwei wesentliche Einflussgrößen zeichnen für ein Umdenken der Anleger verantwortlich und haben die bislang geltenden Wirkungsmechanismen am Staatsanleihemarkt der Eurozone nahezu außer Kraft gesetzt: Das EZB-Anleihekaufprogramm PEPP…

25 Jahre Jumbo Pfandbrief

  Vor 25 Jahren legte die Frankfurter Hypothekenbank einen Pfandbrief mit einem Emissionsvolumen von damals sensationellen 500 Mio. D-Mark auf. Daraus entwickelte sich zuerst der Jumbo-Pfandbriefmarkt und später ein globaler Markt für Euro-Benchmark-Covered-Bonds. Großvolumige Pfandbrief-Neuemissionen sind momentan rar. Die günstigen Refinanzierungsangebote der Europäischen Zentralbank (EZB), die wiederum eine Reaktion auf die Corona-Krise sind, führen zur aktuellen Emissionsflaute. Die fehlenden Impulse vom Primärmarkt und die fortlaufenden EZB-Käufe unter CBPP3 verschlimmern die Illiquidität im Sekundärmarkt. Das Markenzeichen des Jumbo-Pfandbriefs war neben seiner hohen Bonität auch immer der Anspruch auf möglichst transparente Preise und ein hohes Maß an Liquidität für Investoren. Wir wünschen dem Jumbo-Pfandbrief zum 25. Geburtstag bezüglich der Liquidität stets eine „handbreit Wasser unter dem Kiel“. Aus Investorensicht wären Pfandbriefneuemissionen momentan wünschenswert. Aus Sicht der Emittenten ist es aber verständlich, dass sie die attraktiven Refinanzierungsangebote der EZB nutzen. Damit lässt sich viel Geld sparen. Es bleibt zu hoffen, dass die Banken…

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