Finanzmärkte

Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran

Die Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres war das Wachstum im Euroraum mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur noch halb so hoch wie in Q1. Wenig überraschend hat die Binnenwirtschaft das Wachstum gestützt, während die Nettoexporte wohl eher das Wachstum gedämpft haben. Das deckt sich mit dem generellen Bild eines eher schwierigen internationalen Umfelds, das durch geopolitische Konjunkturrisiken und protektionistische Tendenzen gehemmt wird. Die Daten aus dem Euroraum sprechen für ein leicht positives Wirtschaftswachstum in Q2 in Deutschland. Der Ausblick für die Konjunktur im Euroraum ist nicht vielversprechend. Nahezu alle relevanten Frühindikatoren im Euroraum sind in den letzten Monaten gefallen und deuten auf eine weitere Wachstumsabkühlung hin, insbesondere die Industrie leidet unter dem schwachen Welthandel. Jedoch ist eine nachlassende Wachstumsdynamik zwischenzeitlich auch in den binnenwirtschaftlichen Sektoren feststellbar. Die EZB hat auf die abnehmende Wachstumsdynamik reagiert und relativ deutlich eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung…

Altes, Neues und G20

Wenn der Preis fällt, steigt die Nachfrage, so auch bei Krediten. Mit fallenden Zinsen steigt die Verschuldung weltweit an. Dabei ist die regionale Verteilung sehr unterschiedlich. In den Emerging Markets kann man insbesondere einen Anstieg der Verschuldung bei Unternehmen feststellen, während die Staaten sich hier zurückhalten. Gegensätzlich stellt sich die Lage in den Industrieländern dar. Hier sind es die Staaten, die die niedrigen Zinsen zu einer Ausweitung der Verschuldung nutzen, während sich die Unternehmen zurückhalten. Insbesondere in Deutschland haben die Unternehmen das gute wirtschaftliche Umfeld genutzt und die finanziellen Kennzahlen verbessert. Dies dürfte sich in der Zukunft, wenn die wirtschaftliche Dynamik nachlässt, positiv bemerkbar machen. Es gibt auch neue Entwicklungen. Ein privates Konsortium um Facebook hat in den letzten Tagen angekündigt, eine neue Kryptowährung namens Libra in Umlauf zu bringen. Zentralbanken, Aufseher und Politik reagieren nervös auf diese Nachricht, nicht ganz ohne Grund. Mit über 2 Mrd. Nutzern ist das…

Warum dieser Aktionismus bei der EZB?

Völlig überraschend und aus meiner Sicht auch ohne nachvollziehbaren ökonomischen Grund hat Notenbankchef Draghi gestern die EZB unter enormen Zugzwang gesetzt: Er kündigte an, dass die EZB weitere geldpolitische Stimuli erwägt, sollte die Inflation nicht anziehen und sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Wochen nicht verbessern. Höchst ungewöhnlich für eine Notenbank forderte Draghi ausdrücklich eine Verbesserung der konjunkturellen Lage sowie eine höhere Inflationserwartung. Dies bedeutet natürlich, dass die EZB von der aktuellen Lage überrascht wurde oder man in den letzten Wochen zu zögerlich war. Explizit wurde eine weitere Zinssenkung angekündigt und – sollte das nicht reichen – ein weiteres Anleihekaufprogramm. Rein formal könnte der Auslöser für die neue geldpolitische Ausrichtung der deutliche Rückgang der Inflationserwartungen sein. Entscheidend scheinen die längerfristigen Inflationserwartungen zu sein, die – trotz der verlängerten Forward Guidance – seit der letzten EZB-Sitzung nochmals deutlich gesunken sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Einbruch nicht…

Druck auf Weltpolitik und Weltwirtschaft steigt

US-Präsident Trump dreht immer weiter an der Eskalationsschraube, zuletzt ging es gegen Mexiko. Wie so oft ist die Begründung zwar nachvollziehbar, doch mit höheren Zöllen wird man das Migrationsproblem sicherlich nicht lösen. Zudem könnte die Ankündigung höherer Zölle im Zusammenhang mit den lauter werdenden Forderungen für ein Amtsenthebungsverfahren stehen. Auch in Zukunft ist kaum damit zu rechnen, dass sich die vielen Streitigkeiten allesamt lösen lassen. Und selbst wenn: Der Schaden für die Weltwirtschaft ist da. Im Euroraum gibt es für die italienische Regierung auch kein Halten mehr. Innenminister Salvini stellt sich nach dem Erfolg bei den Europawahlen ganz offen gegen die Fiskalregeln und fordert nun ein schuldenfinanziertes Wachstumsprogramm für Italien. Damit könnte er die populistische Tür im Euroraum weit aufstoßen und den Stabilitätsgedanken weiter schwächen. Dies wird sich natürlich auch auf das Verhalten der Investoren auswirken, die sich von Ländern wie Italien wieder distanzieren könnten. In Deutschland dagegen wird die…

Inflationsrate im Euroraum entfernt sich weiter von der EZB-Zielmarke

Die Inflation im Euroraum ebbt weiter ab. Im Januar erreichte die jährliche Rate nur noch einen Anstieg von 1,4%, nach 1,6% im Dezember 2018. Der Grund für die Abwärtsbewegung sind – wie schon in den Vormonaten – die Energiepreise, die im Vorjahresvergleich mittlerweile nur noch einen moderaten Preisdruck ausüben. Damit wachsen auch die Zweifel, ob die EZB ihr Inflationsziel von „nahe, aber unter 2%“ erreicht. Die Hoffnungen des EZB-Präsidenten Mario Draghi lagen zuletzt auf den Ländern, die derzeit mit einem erhöhten Fachkräftemangel zu kämpfen haben und ein steigendes Lohnwachstum aufweisen, vor allem Deutschland. Hier – aber auch in vielen anderen Euroländern – bleibt die Lohndynamik bisher jedoch bestenfalls auf einem soliden Niveau. Die harmonisierte Inflationsrate stabilisierte sich hierzulande im Januar bei 1,7%. Damit ist zumindest in den kommenden Monaten auf EWU-Ebene kein nennenswerter Auftrieb bei der Inflationsrate zu erwarten. Das bestätigt auch ein Blick auf die sogenannte Kernrate, jene Komponente…

„Shutdown“ in den USA wirkt sich kurzfristig kaum aus

Im Dezember 2018 einigte sich der US-Kongress auf ein Gesetz, das die noch verbleibenden 25% der Gelder der US-Bundesregierung finanzieren soll, denen für das laufende Jahr noch keine Haushaltsmittel zugewiesen worden waren. Präsident Trump lehnte eine Unterzeichnung dieses Gesetzes ab, weil darin ein Betrag von 5,7 Mrd. US-Dollar nicht enthalten war, die er für sein wichtiges Projekt fordert – die Mauer zwischen den USA und Mexiko. Wegen fehlender Finanzmittel haben einige Abteilungen in den Ministerien ihren Betrieb seit dem 22. Dezember 2018 vollständig oder teilweise einstellen müssen. Betroffen sind beispielsweise das Finanz-, Handels-, Außen- sowie das Justizministerium. Die Auswirkungen dieses teilweisen „Shutdowns“ waren bisher begrenzt. Von rund 800.000 betroffenen Mitarbeitern arbeiten einige derzeit unbezahlt. Andere in nicht so wesentlichen Positionen Tätige wurden in unbezahlten Urlaub geschickt. Viele betroffene Staatsbedienstete schränken ihre Ausgaben ein, weil es ihnen schlicht an Geld mangelt. Dies wird sich kurzfristig auf den Konsum und damit für…

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