Italien

Das Risiko einer Italien-Pleite – ein Szenario

Italiens politische Krise hat die Finanzmärkte mit voller Wucht getroffen. Die Ausschläge bei den Renditen italienischer Staatsanleihen haben längst Niveaus wie zu den Hochzeiten der Staatenfinanzkrise erreicht. Allerdings ist die Solvenz des italienischen Staates weniger durch überschießende Renditen gefährdet. Angesichts einer Duration von fast sieben Jahren fallen steigende Refinanzierungskosten erst langfristig nennenswert ins Gewicht. Weitaus problematischer wäre es, wenn sich Italiens Liquiditätslage rapide verschlechtern würde. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die anstehenden Auktionen italienischer Staatsanleihen nicht den gewünschten Erfolg brächten und die Käufer trotz hoher Renditen in den Streik treten würden. Das gesamte Refinanzierungsvolumen auslaufender Bonds des italienischen Staates beläuft sich bis Ende 2018 auf 136,2 Mrd. Euro. Italien dürfte ohne Marktzugang kaum in der Lage sein, diesen Finanzaufwand aus eigener Kraft zu stemmen. Tritt dieses Szenario ein, könnte Rom rasch an den Punkt gelangen, die E(W)U um finanzielle Hilfe bitten zu müssen. Der ESM in Verbindung…

Italien: Jetzt also doch

Nach langem hin und her haben sich die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und Lega nun doch auf die Bildung einer Regierung in Italien geeinigt, Staatspräsident Mattarella hat bereits seine Zustimmung gegeben. Als Ministerpräsident wird der ehemalige Universitätsprofessor Conte vereidigt, der erst am vergangenen Sonntag die Regierungsbildung für gescheitert erklärt hatte. Die wichtigsten weiteren Personalien: Finanzminister wird Giovanni Tria, ein Unterstützer der Flat-Tax, der Europa-Gegner Paolo Savona wird Europa-Minister und die Parteichefs Salvini (Lega) und Di Maio (M5S) werden Innenminister respektive Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Während viele der Personalien in Europa und an den Märkten auf Skepsis stoßen werden, dürfte zumindest die Berufung von Enzo Moavero Milanesi zum Außenminister, Europaminister in der Letta-Regierung bis 2014, für Erleichterung sorgen. So lange sich die Verhandlungen hinzogen und etliche unerwartete Wendungen bargen, dürfte die Regierungsbildung nun sehr schnell abgeschlossen werden. Conte soll noch heute um 16 Uhr vereidigt werden, die Regierung muss sich dann innerhalb von…

Droht nach dem Zinsanstieg eine Pleitewelle europäischer Zombie-Unternehmen?

In den meisten europäischen Ländern sind die Firmenpleiten in den letzten Jahren zurückgegangen. Hierzu haben neben der konjunkturellen Erholung auch die extrem niedrigen Kreditzinsen beigetragen. Die daraus resultierende Kostenersparnis ist zwar erfreulich für die Unternehmen. Allerdings besteht die Gefahr, dass das langanhaltende Niedrigzinsumfeld die Entstehung von Zombie-Unternehmen begünstigt. Die Sorgen richten sich auf die Zeit, wenn die Zinsen wieder signifikant steigen. Das dürfte viele Zombie-Unternehmen überfordern und könnte eine Pleitewelle auslösen. In Deutschland und Frankreich besteht kaum Gefahr, dass ein signifikanter Anstieg des Zinsniveaus in eine Pleitewelle führt. Hier nutzen die Firmen vorwiegend mittel- und langfristige Festzinskredite, die ihnen das niedrige Zinsniveau über einen längeren Zeitraum sichern. Vor allem aber spricht die niedrige Non-Performing Loans-Quote bei Unternehmenskrediten für eine geringe Verbreitung von Zombie-Unternehmen. Sorgen um eine kräftig wachsende Zahl an Insolvenzen bei einem Zinsanstieg müssen sich dagegen Portugal, Italien und Irland machen. Hier deuten hohe NPL-Quoten auf eine stärkere Verbreitung…

Populisten-Regierung in Italien aufgeschoben, nicht aufgehoben

Die politische Krise in Italien ist nunmehr perfekt. Nach dem vorläufigen Scheitern der Regierungsbildung durch Lega und Fünf-Sterne muss Staatspräsident Mattarella einen Ausweg aus der Krise finden. Für heute hat er dafür den Ökonomen Cottarelli zum Gespräch geladen. Diesen könnte er eventuell mit der Bildung einer Technokratenregierung beauftragen. Eine solche dürfte aber nur übergangsweise die Amtsgeschäfte Italiens übernehmen, da die populistischen Kräfte einer Experten-Exekutive die Zustimmung verweigern würden. In dem Fall könnte Mattarella gezwungen sein, Neuwahlen auszurufen. Diese könnten frühestens im September oder Oktober stattfinden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass vor allem die Lega durch die Turbulenzen der vergangenen Wochen profitieren konnte, während die Fünf-Sterne-Bewegung ihr Ergebnis hielt. Um einen Urnengang eventuell doch noch zu verhindern, könnte Mattarella die Populistenkoalition erneut mit dem Mandat der Regierungsbildung beauftragen. Dazu müsste sich aber Lega-Chef Salvini, der vehement auf seinen Minister-Kandidaten Savona gepocht hat, erweichen lassen. Die Märkte haben heute zunächst erleichtert auf die…

Dem Euroraum droht die Zerreißprobe

Noch nicht im Amt sorgt die neue italienische Regierung quer durch Europa schon für mächtig Furore. Das Regierungsprogramm von Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und Lega ist nicht weniger als eine politische Kampferklärung an der bisherige Austeritätspolitik Brüssels. Galt bislang die Devise „Sparen und Reformieren“ als Patentrezept, Krisen zu überwinden und neuen vorzubeugen, will Rom zukünftig genau das Gegenteil tun. Mit deutlich höheren Ausgaben und dem Zurückdrehen von erreichten Reformen will die populistische Regierung einen sich selbst tragenden Aufschwung in Gang setzen. Die Erfahrungen seit der Weltfinanzkrise des 19. Jahrhunderts zeigen jedoch, dass solche Ideen zwar nicht grundlegend falsch sind, es hier aber entscheidend auf Zeitpunkt, Umfang und die äußeren Umstände ankommt. Angesichts der konjunkturell aktuell ausgesprochen guten Lage in ganz Europa sind die Pläne der designierten Regierung aber sicherlich wider aller Vernunft. Allerdings ist kaum damit zu rechnen, dass sich dieser Erkenntnisgewinn am Tiber kurzfristig einstellen wird. Vielmehr droht ein politisches Kräftemessen…

Italien unter Druck

Die Renditen von italienischen Staatsanleihen verzeichneten gestern den größten Tagesanstieg seit Juni 2017. Ausgelöst wurde der Verkauf von Berichten, dass die beiden populistischen Parteien Lega und Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) im Rahmen ihrer Koalitionsverhandlungen auch über Forderungen nach einem Schuldenerlass durch die EZB sowie Szenarien eines Euro-Austritts sprachen. Zwar sagten Vertreter beider Parteien, diese Ideen seien in der neuesten Entwurfsfassung des noch nicht fertigen Koalitionsvertrages nicht mehr enthalten, den Markt konnte dies aber kaum beruhigen. Vielmehr setzt sich im Kreis der Anleger allmählich die Ansicht durch, dass ein Links-Rechts-Bündnis, sofern eine Einigung wirklich gelingt, sowohl innen- als auch europapolitisch erhebliche Risiken birgt. Erinnerungen an die Anfangszeit der amtierenden griechischen Regierung werden wach, die 2015 die Konfrontation mit Brüssel suchte, was erhebliche Marktturbulenzen ausgelöst hatte. Der schleppende Fortschritt bei den Verhandlungen in Italien zeigt, dass Lega und M5S weiter hart um einen Kompromiss ringen. Während man in der Europapolitik gleichfalls kritische Ansichten vertritt,…

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