Italien

Türkei-Krise erreicht Rom

Die hausgemachte Krise der Türkei hat auf den ersten Blick wenig mit Italien zu tun. Nichtsdestotrotz hat ausgerechnet der Absturz der Lira auch den italienischen Staatsanleihen deutlich zugesetzt. Seit Mitte Juli weiteten sich Risikoaufschläge italienischer Schuldtitel gegenüber Bundesanleihen zunächst aus Sorge vor einer Zunahme der Neuverschuldung Italiens sowie einer möglichen Eskalation im Streit mit der EU-Kommission bereits aus. Die jüngste Zunahme der Risikoprämien geht allerdings primär auf die verschärfte Krise in der Türkei zurück. Erst heute Morgen erholten sich erstmals seit Tagen die Kurse italienischer Staatstitel wieder, als auch die türkische Lira ebenfalls leichte Gewinne verzeichnen konnte. Wenngleich der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, Pressemeldungen zufolge jedwede Ausstrahlungseffekte der Türkei-Krise in Richtung Italien für unlogisch erachtet, dürften zwei wesentliche Gründe die Bewegung erklären: Zum einen steigt die Sorge, dass eine Pleitewelle in der Türkei auch europäischen Banken schaden könnte. Nach spanischen und französischen sind italienische Banken die am stärksten in…

Italien bleibt sich treu

Die Zielkonflikte innerhalb der Regierung in Italien treten immer öfter zutage. Nach einem weiteren Treffen der Regierungsspitze im Vorfeld der im September offiziell startenden Budgetplanungen für 2019 äußerten sich gestern sowohl Ministerpräsident Conte als auch der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), Di Maio, öffentlich zum Stand der Gespräche. Conte sprach zuerst und gab sich gemäßigt. Er beruhigte die Märkte mit Äußerungen, die Regierung werde sich realistische Ziele setzen und nicht alle Maßnahmen kurzfristig und vollumfänglich umsetzen. Heute zitiert ihn die italienische Presse, die Regierung strebe für die Vollendung der Flat-Tax und des Grundeinkommens eine Zeitspanne von fünf Jahren an. Eine gänzlich andere Tonart wählte hingegen Di Maio. Er forderte eine rasche Umsetzung des Regierungsplans und stellte eine harte Verhandlungsführung mit der EU-Kommission zur Durchsetzung der fiskalischen Lockerungsmaßnahmen in Aussicht. Der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, ließ jüngst durchblicken, dass sich die Regierung sogar ein Budgetdefizit von 4 oder 5% im kommenden…

Italien: Stimmung nach der Regierungsbildung gemischt

Schon im Vorfeld der tatsächlichen Regierungsbildung hatten die Vorhaben der Lega und der 5-Sterne-Bewegung mit der Rücknahme von Strukturreformen und den kaum finanzierbaren Steuer- und Ausgabenplänen an den Finanzmärkten für eine deutliche Verunsicherung gesorgt. Sichtbar war dies beispielweise an dem schnellen und deutlichen Anstieg der Renditedifferenz zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen. Das Signal war eindeutig: Deutliche Skepsis gegenüber der neuen Regierung. Nach der Regierungsbildung liegen nun auch erste umfragebasierte Konjunkturindikatoren für Italien vor. Sowohl das Wirtschaftsvertrauen als auch die Einkaufsmanagerindizes konnten sich dabei verbessern. In den Unterkomponenten des Wirtschaftsvertrauens zeigt sich, dass die privaten Haushalte optimistischer sind bezüglich der zukünftigen finanziellen und wirtschaftlichen Situation. Auch der Einzelhandel und Teile des Dienstleistungsbereichs erwarten zukünftig bessere Geschäftsmöglichkeiten. Die Aussetzung der eigentlich fest eingeplanten Mehrwertsteuererhöhung im kommenden Jahr könnte sich hier positiv auf die Erwartungen ausgewirkt haben. Trotz Stimmungsverbesserungen bei den Einkaufsmanagern insgesamt gaben die Geschäftserwartungen sowohl in der Industrie als auch bei…

Das Risiko einer Italien-Pleite – ein Szenario

Italiens politische Krise hat die Finanzmärkte mit voller Wucht getroffen. Die Ausschläge bei den Renditen italienischer Staatsanleihen haben längst Niveaus wie zu den Hochzeiten der Staatenfinanzkrise erreicht. Allerdings ist die Solvenz des italienischen Staates weniger durch überschießende Renditen gefährdet. Angesichts einer Duration von fast sieben Jahren fallen steigende Refinanzierungskosten erst langfristig nennenswert ins Gewicht. Weitaus problematischer wäre es, wenn sich Italiens Liquiditätslage rapide verschlechtern würde. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die anstehenden Auktionen italienischer Staatsanleihen nicht den gewünschten Erfolg brächten und die Käufer trotz hoher Renditen in den Streik treten würden. Das gesamte Refinanzierungsvolumen auslaufender Bonds des italienischen Staates beläuft sich bis Ende 2018 auf 136,2 Mrd. Euro. Italien dürfte ohne Marktzugang kaum in der Lage sein, diesen Finanzaufwand aus eigener Kraft zu stemmen. Tritt dieses Szenario ein, könnte Rom rasch an den Punkt gelangen, die E(W)U um finanzielle Hilfe bitten zu müssen. Der ESM in Verbindung…

Italien: Jetzt also doch

Nach langem hin und her haben sich die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und Lega nun doch auf die Bildung einer Regierung in Italien geeinigt, Staatspräsident Mattarella hat bereits seine Zustimmung gegeben. Als Ministerpräsident wird der ehemalige Universitätsprofessor Conte vereidigt, der erst am vergangenen Sonntag die Regierungsbildung für gescheitert erklärt hatte. Die wichtigsten weiteren Personalien: Finanzminister wird Giovanni Tria, ein Unterstützer der Flat-Tax, der Europa-Gegner Paolo Savona wird Europa-Minister und die Parteichefs Salvini (Lega) und Di Maio (M5S) werden Innenminister respektive Minister für wirtschaftliche Entwicklung. Während viele der Personalien in Europa und an den Märkten auf Skepsis stoßen werden, dürfte zumindest die Berufung von Enzo Moavero Milanesi zum Außenminister, Europaminister in der Letta-Regierung bis 2014, für Erleichterung sorgen. So lange sich die Verhandlungen hinzogen und etliche unerwartete Wendungen bargen, dürfte die Regierungsbildung nun sehr schnell abgeschlossen werden. Conte soll noch heute um 16 Uhr vereidigt werden, die Regierung muss sich dann innerhalb von…

Droht nach dem Zinsanstieg eine Pleitewelle europäischer Zombie-Unternehmen?

In den meisten europäischen Ländern sind die Firmenpleiten in den letzten Jahren zurückgegangen. Hierzu haben neben der konjunkturellen Erholung auch die extrem niedrigen Kreditzinsen beigetragen. Die daraus resultierende Kostenersparnis ist zwar erfreulich für die Unternehmen. Allerdings besteht die Gefahr, dass das langanhaltende Niedrigzinsumfeld die Entstehung von Zombie-Unternehmen begünstigt. Die Sorgen richten sich auf die Zeit, wenn die Zinsen wieder signifikant steigen. Das dürfte viele Zombie-Unternehmen überfordern und könnte eine Pleitewelle auslösen. In Deutschland und Frankreich besteht kaum Gefahr, dass ein signifikanter Anstieg des Zinsniveaus in eine Pleitewelle führt. Hier nutzen die Firmen vorwiegend mittel- und langfristige Festzinskredite, die ihnen das niedrige Zinsniveau über einen längeren Zeitraum sichern. Vor allem aber spricht die niedrige Non-Performing Loans-Quote bei Unternehmenskrediten für eine geringe Verbreitung von Zombie-Unternehmen. Sorgen um eine kräftig wachsende Zahl an Insolvenzen bei einem Zinsanstieg müssen sich dagegen Portugal, Italien und Irland machen. Hier deuten hohe NPL-Quoten auf eine stärkere Verbreitung…

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