Italien

Geld- kann Fiskalpolitik nicht ersetzen

Die steigenden Risikoprämien für italienische Staatsanleihen sind der Lega und ihrem Vize-Regierungschef Salvini ein Dorn im Auge. Aktuell muss die Regierung in Rom einen Zuschlag von fast drei Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen zahlen, wenn sie sich für zehn Jahre neues Geld am Finanzmarkt leiht. Selbst das krisengebeutelte Griechenland leistet inzwischen kaum höhere Zuschläge. Salvini hat deswegen im Glanze des Sieges seiner Partei bei der Europawahl gefordert, dass nicht Italien, sondern die EZB die Mehrkosten Italiens bei der Refinanzierung tragen solle. Details zur Umsetzung des Vorschlags blieb Salvini bislang allerdings schuldig. Wie auch immer Salvini die Idee konkret umsetzen möchte, sie weist aus mehreren Gründen in die falsche Richtung. Zum einen gilt seit Bestehen der Eurozone: Monetäre Staatsfinanzierung (durch die EZB) ist verboten. Die Behauptung, dass die EZB bereits heute monetäre Staatsfinanzierung betreibe, ist falsch und unterliegt einem grundlegenden Irrtum. Das Anleihekaufprogramm der EZB, PSPP, dient per Definition dem Zweck, die Preisniveaustabilität…

Italien bleibt sich treu

Die Verunsicherung über die (fiskal-)politische Entwicklung in Italien ist zurück. Der Risikoaufschlag zehnjähriger Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen ist auf einen neuen Jahreshöchststand gestiegen. Ein massiver Ausverkauf italienischer Anleihen, wie zuletzt im Frühjahr letzten Jahres geschehen, blieb bislang aber aus. Die jüngste Verunsicherung wurde – wie bereits häufiger – durch Äußerungen von Innenminister Salvini ausgelöst. Der Lega-Chef hatte einmal mehr die EU-Fiskalregeln kritisiert und für Italien ein Defizit von mehr als 3% des BIP sowie einen Anstieg der Gesamtverschuldung in Richtung 140% des BIP nicht ausgeschlossen. Salvini sagte auf einer Wahlkampfveranstaltung außerdem, dass der Staat alle notwendigen fiskalischen Maßnahmen ergreifen solle, bis sich Italiens Arbeitslosenquote auf 5% halbiere. Bislang war die generelle Hoffnung, dass sich ein möglicher Bruch der Regierungskoalition in Rom vorteilhaft auf die Haushaltssituation in Italien auswirken sollte. Die „verquere“ Logik dabei: Eine rein rechtspopulistische Allianz, die laut Umfragen bei einer vorgezogenen Parlamentswahl Aussichten auf eine Mehrheit hätte, würde sich…

Italien – Vorgezogene Neuwahlen werden wahrscheinlicher

Der Streit innerhalb der italienischen Regierung droht zu eskalieren. Lega und Fünf-Sterne-Bewegung (Movimento 5 Stelle, kurz: M5S) waren von Beginn an ein höchst ungleiches Paar. Die Verlockung der Macht und die gemeinsame ablehnende Haltung gegenüber den EU-Fiskalregeln hatten die Parteien nach den Parlamentswahlen im Frühjahr 2018 zusammengeführt. Inzwischen weist das Bündnis aber immer mehr Risse auf. Nachdem vor wenigen Wochen noch die Finanzen der hochverschuldeten Stadt Rom Gegenstand des Konflikts waren, dreht sich der politische Disput nunmehr um die Personalie des Transportstaatssekretärs Siri, dem Bestechung vorgeworfen wird. Fünf-Sterne-Chef di Maio fordert Siris Rücktritt, Lega-Chef Salvini hält bislang aber noch zu seinem Parteikollegen. Premier Conte, bis dato meist in der Rolle des Vermittlers zwischen den Koalitionsparteien, stützt inzwischen die Forderung di Maios. Selbst wenn der aktuelle Streit beigelegt werden kann, zeichnet sich doch immer mehr ab, dass das panpopulistische Bündnis nicht auf Dauer angelegt ist. Innenminister Salvini könnte daher nach den…

Wachstumsrate im Euro-Raum überraschend verdoppelt – Unsicherheit bleibt

Nach der positiven Wachstumsüberraschung in den USA folgt nun auch ein gutes Quartalsergebnis für den Euro-Raum. Die gefürchtete konjunkturelle Abkühlung zu Jahresbeginn ist damit ausgeblieben. Die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum legte im ersten Quartal 2019 mit 0,4% gegenüber dem Vorquartal sogar doppelt so schnell zu wie Ende 2018. Dabei haben ein widriges Umfeld aus Handelsstreitigkeiten, einer abflauenden Konjunktur in China und einer anhaltenden Absatzschwäche in der Automobilindustrie berechtigte Sorgen keimen lassen. Spannend bleibt die Frage, wie die deutsche Wirtschaft abgeschnitten hat, die im Besonderen von einem Stimmungsabschwung in der Industrie betroffen ist. Hier ist weiterhin Geduld gefragt, denn die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden erst am 15. Mai veröffentlicht. Die bislang vorliegenden Daten signalisieren aber auch hier die Möglichkeit einer positiven Überraschung. Bereits bekannt ist unter anderem das Quartalsergebnis für Frankreich. Hier stabilisierte sich das Wachstum bei 0,3%. Angesichts der andauernden „Gelbwesten“-Proteste kann von einem soliden Ergebnis gesprochen werden. Erfreulich…

Im Bann des Populismus

Am vergangenen Freitag hat die Ratingagentur S&P die Bonitätseinstufungen von Italien und Griechenland bestätigt. In Athen dürfte diese Entscheidung wenig, in Rom dafür aber umso mehr Begeisterung hervorgerufen haben, waren im Vorfeld doch Hoffnungen auf eine Heraufstufung beziehungsweise Sorgen über eine Herabstufung umgegangen. In beiden Fällen spielen politische Unsicherheitsfaktoren eine bedeutende Rolle. Trotz des im EWU-Vergleich hohen BIP-Wachstums Griechenlands und des sehr günstigen Schuldenprofils (trotz seiner extremen Höhe liegen die Fälligkeiten in weiter Ferne) zögerte S&P, den positiven Ausblick in eine Heraufstufung münden zu lassen. Ein zentraler Grund sind die Parlamentswahlen im Oktober, deren Ausgang über die Fortsetzung der Reformpolitik mitentscheidet. Wie schon in der Vergangenheit könnten populistische Parteien des linken wie auch des rechten Randes eine erhebliche Rolle bei der Regierungsbildung spielen. In Italien sind die neuen „Volkstribunen“ bekanntlich bereits mehrere Schritte weiter und bilden, nach der Marginalisierung der „etablierten“ Parteien, ein pan-populistisches Bündnis. Neben dem globalen Konjunkturabschwung zitiert…

Frühes Sommerende für den italienischen Bankensektor

Der Bankensektor und die Politik sind in Italien eng miteinander verwoben. Da überrascht es nicht, dass sich die häufigen politischen Turbulenzen belastend auf die italienischen Banken auswirken, obwohl die fundamentalen Entwicklungen der Institute eigentlich positiv gewesen sind. In den vergangenen Monaten hat vor allem der fortgesetzte Abbau von ausfallgefährdeten Krediten (NPL) für ein positives Umfeld gesorgt. Unterstützt von einem zumindest bis Herbst 2018 vergleichsweise freundlichen konjunkturellen Umfeld, konnten die Banken mithilfe von Verbriefungen und/oder Verkäufen sowie dank geringerer NPL-Neuzuflüsse ihre Kreditqualität merklich verbessern. Sektorweit ging die NPL-Quote nach Berechnungen der EBA auf 8,3% zurück und hat sich damit seit ihrem Höhepunkt 2015 ungefähr halbiert. Doch auch nach all den bisherigen Anstrengungen und Erfolgen liegt sie immer noch deutlich über dem Durchschnittswert europäischer Geldinstitute von 3,2%. Die Fortführung des NPL-Abbaus zählt daher in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Aufgaben der italienischen Banken. Die sich eintrübende Konjunktur in Italien und in…

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