Konjunktur

USA: Weiter schwindende Fiskaldisziplin ermöglicht „Budget-Deal“

Kurz vor Ende eines Countdowns, für den die so genannte Schuldenobergrenze verantwortlich war, konnte sich die Politik in den Vereinigten Staaten auf einen Ausgaben-Deal einigen. Dabei sichert jetzt vor allem das weitere Dahinschwinden der Fiskaldisziplin die Zahlungsfähigkeit der US-Regierung bis Ende Juli 2021, also bis deutlich nach den nächsten Kongress- und Präsidentschaftswahlen. Der „Budget Control Act“ aus dem Jahr 2011 ist damit jetzt wohl endgültig Geschichte, das jährliche Defizit im Bundeshaushalt dürfte Schätzungen zu Folge auf rund 1 Billion US-Dollar steigen. Eigentlich soll die Schuldenobergrenze (debt ceiling) als gesetzliche Höchstgrenze den Gesamtbetrag an Schulden im Zaum halten, den der Staat aufsammeln darf. In den letzten Wochen waren Schätzungen bekannt geworden, dass die Mittel des Finanzministers wohl doch nicht bis Oktober reichen, wie zunächst angenommen wurde. Jetzt hat im Kongress die letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause begonnen und es wurde offensichtlich eine Einigung über die Staatsfinanzen erreicht. Der erreichte Kompromiss beinhaltet…

Deutschland: Konjunktureintrübung schlägt sich zunehmend im Kreditgeschäft nieder

Die konjunkturelle Eintrübung, von der vor allem auch die exportorientierte deutsche Industrie betroffen ist, schlägt sich zunehmend im Geschäft der Banken in Deutschland nieder. Wie aus der Juli-Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) hervorgeht, haben die befragten Banken zum zweiten Mal in Folge über Verschärfungen ihrer Kreditrichtlinien für Unternehmen berichtet. So wurden vermehrt Kreditanträge abgelehnt und die Margen für risikoreichere Kredite ausgeweitet. Betroffen waren stärker große Unternehmen. Gründe sind eine verschlechterte Lage verschiedener Firmen bzw. Branchen mit der Folge einer sinkenden Kreditwürdigkeit. Die Umfrageergebnisse stützen unsere Einschätzung, dass sich das äußerst dynamische Wachstum der Kreditmärkte in Deutschland in diesem Jahr spürbar abschwächt. Zuletzt stiegen die Firmenkundenkreditbestände um 6,1 Prozent (Ende Q1/2019) und die privaten Wohnungsbaukredite um 4,9 Prozent. Im Firmenkundenkreditgeschäft sind für die nächsten drei Monate zunächst keine weiteren Verschärfungen der Kreditrichtlinien geplant. Allerdings erwarten die Banken mehrheitlich eine sinkende Kreditnachfrage der Großunternehmen. Stütze des Kreditgeschäfts bleiben die…

USA: Moderate Inflation – trotz robuster Konjunktur

Ein insgesamt moderater Ausblick für die Inflation hatte der US-amerikanischen Notenbank den Spielraum gegeben, bereits mit dem vergangenen Jahreswechsel ihren geldpolitischen Normalisierungskurs zu beenden. Dafür ist vor allem der verhaltene Lohnanstieg verantwortlich, der trotz einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit verzeichnet wird. Auch Fed-Chef Jerome Powell hat jüngst darauf hingewiesen, dass sich der Zusammenhang zwischen einer guten Beschäftigungslage und den Steigerungsraten bei den Löhnen gelockert hat. Damit fällt auch der daraus resultierende Auftrieb bei den Verbraucherpreisen niedriger aus als in früheren konjunkturellen Erholungsphasen. Dennoch dürften die Inflationsraten in den kommenden Monaten etwas anziehen. 2019 rechnen wir im Durchschnitt mit einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent, 2020 sollte die Inflation bei 2,4 Prozent liegen. Beim Ausblick für das kommende Jahr schlagen sich neben den wieder leicht anziehenden Lohnforderungen auch ein Basiseffekt und die bestehenden Strafzölle auf Importe aus China bei den Verbraucherpreisen nieder. Der Ölpreis wird hingegen wohl eher inflationsdämpfend wirken. Nach unserer Einschätzung…

Besorgte Notenbanken – sorglose Anleger?

In den Vereinigten Staaten dreht sich die aktuelle geldpolitische Diskussion nicht mehr um die Frage, ob die Zinsen in der nächsten Notenbanksitzung gesenkt werden sollen, sondern nur noch darum, wie stark sie sinken werden. Damit steht die erste Zinssenkung seit zehn Jahren bevor, und das, obwohl sich die US-Konjunktur in einer – von Deutschland aus gesehen – beneidenswert guten Verfassung befindet. Die Arbeitslosenquote steht mit 3,7 Prozent fast auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre, und auch andere wichtige Kennzahlen zeigen sich ausgesprochen robust. Es ist daher in Notenbankkreisen viel von einem Zinsschritt zur „Versicherung“ gegen die zahlreichen weltwirtschaftlichen Risiken die Rede. Als Begründung wird auch die sehr moderate Inflationsrate herangezogen. Sie liegt auf einem für die Spätphase eines Konjunkturaufschwungs untypisch niedrigen Niveau. Das wiederum hat mit der verhaltenen Lohndynamik zu tun, die auf den ersten Blick so gar nicht zum leergefegten Arbeitsmarkt passen will. Wenn die Notenbanken die…

Südafrika in der Wirtschaftskrise

Das Wirtschaftswachstum in Südafrika blieb letztes Jahr mit nur 0,8% deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen. Im ersten Quartal 2019 gab es gar einen neuen Wachstumsrückschlag, die Gesamtwirtschaft sank gegenüber dem Schlussquartal 2018 um 0,8%, die Arbeitslosenquote hat fast 28% und damit den höchsten Stand seit Sommer 2017 erreicht. Der reformorientierte und auf Ausgleich bedachte Präsident Cyril Ramaphosa hat es bisher nicht geschafft, sein Land aus dem ökonomischen Krisenmodus zu führen. Die wirtschaftliche Misere Südafrikas beruht ganz wesentlich auf strukturellen Ursachen, die sich kurzfristig kaum lösen lassen. Dazu gehören die zu hohe Zahl von unproduktiven Staatsunternehmen, darunter auch der zuletzt wegen rotierender Stromabschaltungen in die Schlagzeilen geratene staatliche Energieversorger Eskom. Aber auch gravierende Mängel im Bildungssystem, zu viele wachstumshemmende Regulierungen und ein beängstigendes Maß an Korruption behindern den Beschäftigungsaufbau und den wirtschaftlichen Fortschritt. Trotz aller Missstände hat Ramaphosa es geschafft, die Parlamentswahlen vom Mai mit unerwartet gutem Ergebnis für die Regierungspartei…

China: Schwaches Wachstum in Q2 lässt neue Konjunkturstimuli erwarten

Unter dem Druck des Handelsstreits mit den USA hat Chinas Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal weiter auf 6,2 Prozent nachgegeben. Es ist wohl der schwächste Wert seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Zum Jahresauftakt hatte sich die Konjunktur dank höherer Staatsausgaben noch stabilisiert. Da es sich dabei aber primär um vorgezogene Ausgaben handelte, ist der Effekt schnell verpufft. Der Wachstumsrückschlag jetzt ist auch eine Folge der Kurzlebigkeit dieser Maßnahmen. Gleichzeitig ist die Last der gegenseitigen Strafzölle inzwischen beträchtlich. Chinas Exporte in die USA liegen aktuell knapp 10 Prozent, Chinas Importe aus den USA sogar rund 30 Prozent im Minus. Dabei dürfte die Anhebung der bestehenden Zölle von 10 auf 25 Prozent, die US-Präsident Trump im Mai angeordnet hat, bislang noch kaum Wirkung gezeigt haben. Die Bremseffekte werden erst jetzt ab der Jahresmitte zu spüren sein. Die Belastungen für Chinas Exportindustrie dürften sich noch einmal etwa verdoppeln. Positiv ist sicherlich, dass die weitere…

1 2 175