Konjunktur

Der Staat ist kein guter Unternehmer

Das Kabinett hat diese Woche das Kurzarbeitergeld verlängert. Damit möchte die Bundesregierung an den bislang erfolgreichen Einsatz dieser Maßnahme anknüpfen und im Wahljahr hiervon profitieren. Das Kurzarbeitergeld hat sich sicherlich in früheren, relativ kurzen Rezessionen als sehr probates Krisenbewältigungsinstrument bewährt. Jedoch werden die Nebenwirkungen mit der Dauer der Anwendung größer, dies gilt aktuell in Kombination mit Insolvenzschutz und wachsenden Staatsbeteiligungen umso mehr. Das Kurzarbeitergeld bewahrt Strukturen und verhindert notwendige Anpassungen. Dringend gesuchte Fachkräfte bleiben in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle vielfach nicht mehr existieren oder stark angeschlagen sind. Damit werden die notwendigen Erneuerungsprozesse zunehmend außer Kraft gesetzt. Und es wächst die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft im Zuge der Corona-Krise weiter an Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verliert. Die Bundesregierung hat zu Beginn der Krise vieles richtiggemacht und konnte damit die deutsche Wirtschaft vor einer tiefen und langen Krise bewahren. Jedoch hat sich die Lage im Zeitablauf verändert. Es wird immer offensichtlicher, dass wir…

Extreme vermeiden

Gold ist einer der großen Gewinner der jüngsten Entwicklungen. Steigende Schuldenstände, niedrige Zinsen für einen unabsehbar langen Zeitraum und zunehmende politische Verunsicherung in vielen Teilen der Welt haben das Interesse für Gold kräftig steigen lassen. Dabei soll Gold die Portfolien resistenter gegen Risiken machen, die man aus der aktuellen Sicht nur vage oder gar nicht einschätzen kann – also sogenannte schwarze Schwäne. Neben Gold sind vor allem Industriemetalle kräftig gestiegen. Dabei spielten natürlich die rasante Konjunkturerholung in China und die ergriffenen Fiskalmaßnahmen in anderen Industrieländern eine wichtige Rolle. Zudem macht sich bei vielen Industriemetallen langsam eine gewisse Knappheitsprämie bemerkbar. Die schnell fortschreitende Digitalisierung dürfte mittelfristig zu einer spürbar höheren Nachfrage nach Metallen führen, die in diesem Bereich benötigt werden. Dies geht so weit, dass sich viele Länder über ihre Abhängigkeit von ausländischen Förderstätten Gedanken machen. Eine höhere heimische Produktion wird vor diesem Hintergrund immer attraktiver. Damit rücken natürlich auch die…

USA: Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich fort, Dynamik dürfte aber weiter abnehmen

Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich im August aufgrund der konjunkturellen Erholung weiter gebessert: Zwar wurden etwas weniger Jobs geschaffen als im Juli, dennoch fiel das Plus bei der Beschäftigung mit rund 1,4 Millionen insgesamt recht ordentlich aus. Die Arbeitslosenquote sank infolgedessen überraschend stark von zuvor knapp über 10 Prozent auf 8,4 Prozent, möglicherweise eine Folge der nun deutlich reduzierten Bundesszuschüsse zur Arbeitslosenhilfe. Laut dem Statistikamt kommt es aber auch immer noch zu Fehlern bei der Klassifizierung, sodass die Arbeitslosenquote tatsächlich etwas höher liegen dürfte. Nichtsdestotrotz, die jüngsten Arbeitsmarktzahlen geben ein positives Signal für die US-Konjunktur, das gerade im Wahlkampf viel Beachtung erhält und Donald Trump sicherlich willkommen ist. Der Stellenaufbau fand erneut vor allem im Dienstleistungsbereich statt, wo sich die Beschäftigungssituation weiter „normalisiert“. So wurden besonders im Einzelhandel und im Freizeit- und Beherbergungsgewerbe wieder viele Personen eingestellt, die noch infolge des Lockdowns entlassen wurden. Aber auch der Staat…

Wenn die Realität zu kompliziert wird

Die Corona-Pandemie hat Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Ländern auf eine harte Probe gestellt. Nicht alle schaffen es, sich der veränderten Realität anzupassen. Bei den Unternehmen gibt es viele Verlierer, auch in bislang eher vom Zeitgeist begünstigten Branchen wie dem Tourismus und dem Flugverkehr. Sie müssen ums Überleben kämpfen, sind teils auf staatliche Hilfe angewiesen. Auch in der Gesellschaft gibt es Gruppen, die mit der neuen Realität nicht zurechtkommen und sich derzeit lautstark bemerkbar machen. Teilweise wird hier die Existenz des Virus einfach negiert. Einfache Lösungen werden gesucht, um der Komplexität der Welt zu entfliehen. Die Helden dieser Menschen sind häufig Politiker wie Donald Trump oder Wladimir Putin, die den Eindruck vermitteln, dass ein einfaches Weltbild und hartes Durchgreifen zur Problemlösung führen können. In dieser speziellen Welt gibt es ein grundsätzliches Misstrauen gegen alle Institutionen. Dazu gehören auch die Banken und das Finanzsystem. Unter den Anlagemöglichkeiten steht hier traditionell das…

Trump oder Biden – kurzfristig macht das wohl kaum einen Unterschied für die Wirtschaft

Welche Auswirkung hätte eine Wiederwahl Trumps oder ein Wahlsieg Bidens? Beide würden ihren Fokus nach der Wahl wohl darauf richten, die Wirtschaft auf ihrem Erholungskurs zu unterstützen. Vor allem Biden hat sich wiederholt für eine stärkere Rolle des Staates ausgesprochen – die Staatsausgaben würde er kräftig steigern. Finanzieren will er das mit höheren Steuern für Unternehmen und wohlhabende Bürger. Trump dürfte dagegen seinem Kurs treu bleiben: Er will mit Steuersenkungen der Wirtschaft wieder Schwung verleihen. Selbst wenn sich die Herangehensweise an das Thema Fiskalpolitik zwischen Trump und Biden damit unterscheidet, würde das Wahlergebnis zumindest mit Blick auf die kommenden zwei bis drei Jahre wohl kaum einen größeren Effekt für die Wirtschaft bedeuten. Die Maßnahmen, die letztlich umgesetzt werden können, werden maßgeblich von der Zusammensetzung im Kongress abhängen. Nur mit der Rückendeckung beider Kammern könnte der künftige US-Präsident größere Reformen umsetzen. Gerade für Trump scheinen die Chancen dafür derzeit gering. Auch…

Verspäteter Sommerschlussverkauf drückt Inflationsrate in der EWU unter Null

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im August recht deutlich abgeschwächt. Der harmonisierte Verbraucherpreiseindex (HVPI) in der Währungsunion sank von +0,4 auf -0,2 Prozent. Dabei wird die Gesamtinflation weiterhin durch das niedrige Niveau der Energiepreise gedämpft. Das Gros des Rückgangs in zahlreichen Ländern ist jedoch dem verspäteten Sommerschlussverkauf zuzuschreiben, der in Folge der Corona-Pandemie vom Juli auf den August verschoben wurde. Im Warenkorb der Verbraucher ließ nämlich maßgeblich der Preisauftrieb bei den industriellen Gütern ohne Energie nach. Dies sind typischerweise die Waren des klassischen Einzelhandels. Während beispielsweise in Italien und Frankreich im Vormonat Bekleidung und Schuhe ungewöhnlich teuer waren und damit die gesamte Inflationsrate merklich angeschoben hatten, fiel der Preisauftrieb mit dem Sommerschlussverkauf im August deutlich ab. Auf Länderebene waren die Korrekturen unter anderem bei den Jahresraten in Frankreich und in Italien zu spüren. In Frankreich ging die Inflationsrate von 0,9 auf 0,2 Prozent zurück, in Italien rutschte sie sogar…

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