Konjunktur

Einkaufsmanager in der EWU zeigen sich verhalten optimistisch

Auf den ersten Blick bleibt die Stimmungslage unter den Einkaufsmanagern zu Beginn des neuen Jahres 2020 gemäß der Umfrage von IHS Markit im Euro-Raum gedämpft. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Lage in der Industrie und im Dienstleistungsbereich blieb mit 50,9 Punkten im Januar laut der Vorabveröffentlichung auf dem Niveau des Vormonats. Im Detail zeigt sich aber eine Aufhellung der Geschäftsaussichten, die sich wohl auch aufgrund der ersten Deeskalation im pazifischen Handelsstreit verbesserten. Ein weiterer Lichtblick ist die Entwicklung der Auftragseingänge, die die befragten Einkaufsmanager nicht mehr so pessimistisch bewerten wie noch in den Vormonaten. Dies lässt zumindest für den weiteren Jahresverlauf hoffen, dass die Konjunktur im Euro-Raum das Schlimmste hinter sich hat und sich weiter stabilisiert. Zwar bleibt die Zweiteilung mit einer schwachen Industrie auf der einen Seite und einem Dienstleistungssektor, der maßgeblich das Wachstum trägt, auf der anderen Seite erhalten. Aber die Rückgänge in der Industrie verlieren an Schärfe. Aufträge…

Wirtschaftliche Schäden durch Corona-Virus dürften begrenzt bleiben

Medizinisch und menschlich ist der Ausbruch und die schnelle Ausbreitung des neuen Corona-Virus in China und über Chinas Grenzen hinaus sicherlich sehr bedauerlich und besorgniserregend. Ökonomisch gesehen dürften sich die Schäden aus jetziger Sicht aber in Grenzen halten. Dazu sollte nicht zuletzt das rigorose Durchgreifen der chinesischen Behörden beitragen, sowie deren – anders als während der SARS-Epidemie vor 17 Jahren – fast schon erstaunlich transparente Informationspolitik. Der Vergleich mit der Ausbreitung von SARS im Winter 2002/03 und dessen wirtschaftlichen Folgen ist aktuell natürlich naheliegend. Damals brach in China der Konsum ein, der Personenflugverkehr ging ebenfalls deutlich zurück. Im benachbarten Taiwan, in Singapur und in Hongkong schrumpfte die Wirtschaftsleistung. Seinerzeit allerdings hatten die chinesischen Behörden Informationen über den Ausbruch der Epidemie so lange wie möglich unter Verschluss gehalten. Das Virus konnte sich in dieser Zeit ungehindert in China und bis über Chinas Grenzen hinaus ausbreiten. Als die Behörden schließlich im März/April…

Industriekonjunktur bremst Wachstum der Firmenkundenkredite in Deutschland

Die konjunkturellen Probleme in Teilen der deutschen Industrie schlagen sich zunehmend im Kreditgeschäft der Banken nieder. Wie aus Ergebnissen der aktuellen Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland hervorgeht, haben die Banken im Schlussquartal 2019 ihre Kreditbedingungen für Unternehmen verschärft, z. B. indem Margen ausgeweitet wurden. Zwar war die Kreditnachfrage der Firmenkunden insgesamt weiter gestiegen. Das Wachstum ging jedoch von den kleinen und mittleren Unternehmen aus, während die Kreditnachfrage von Großunternehmen sogar zurückging. Für die kommenden Monate rechnet eine deutliche Mehrheit der Banken mit einer schrumpfenden Kreditnachfrage der Firmenkunden. Im Vergleich zur Oktober-Befragung hat der Anteil pessimistischer Kreditinstitute sogar noch zugenommen, insbesondere was große Unternehmen anbelangt. Auch wenn zunächst keine weiteren Verschärfungen, teils sogar Lockerungen der Kreditvergaberichtlinien geplant sind, dürfte sich das Wachstum der Firmenkundenkredite in den Büchern der Banken Anfang 2020 weiter abschwächen. Damit verstärkt sich ein Trend, der bereits Ende letzten Jahres erkennbar war. Vor…

In der EZB werden erste Bedenken gegenüber Negativzinspolitik sichtbar

Die Zusammenfassung der letzten Ratssitzung der EZB im Dezember (Accounts) gibt keine Hinweise auf eine baldige Änderung des geldpolitischen Kurses. Die Währungshüter rechnen weiterhin mit einer anhaltend schwachen Wachstumsdynamik im Euroraum, aber zumindest wurden erste Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung ausgemacht. In diesem Zusammenhang wird auf die Annäherung im Handelsstreit (China/USA) verwiesen, wodurch eine Eskalation des Konflikts weniger wahrscheinlich geworden sei. Da aber nach wie vor Unsicherheitsfaktoren (u.a. Brexit) bestehen, seien die Konjunkturaussichten weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet. Hinsichtlich der Inflationsentwicklung zeigen sich die Währungshüter überzeugt, dass in den kommenden Monaten mit einem stärkeren Preisauftrieb zu rechnen sei. Das voranschreitende Wirtschaftswachstum und die solide Lohnentwicklung würden diese Tendenz stützen. Im Zuge der Beratungen wurde von einigen Ratsvertretern angeregt, die Ursachen für die auf niedrigem Niveau verharrende Inflationsentwicklung näher zu untersuchen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem darüber gesprochen worden, die Kosten für selbst genutzten Wohnraum stärker zu berücksichtigen. Ein weiterer Diskussionspunkt…

Alles ruhig

Der geopolitische Start des Jahres 2020 war mit den Entwicklungen im Iran zeitweise turbulent. Es hat sich aber einmal mehr gezeigt, dass keine Partei den Beginn einer Eskalationsspirale riskieren möchte. Dies war besonders augenfällig und auch überraschend beim Iran der Fall. Die Art und Weise der Provokation und anschließender Deeskalation folgt aber einem gewissen Muster, das man auch schon in den letzten Jahren immer wieder beobachten konnte. Politische Themen dürften in 2020 auch weiterhin bestimmend sein. Allen voran die Wahl des Präsidenten in den USA im November. Hier sprechen viele Gründe für die Wiederwahl von Trump. Das schwelende Impeachment-Verfahren könnte ihm zwar noch die Wiederwahl verhageln. Aber hierfür müssten noch deutlich mehr Beweise und belastendes Material gegen Trump auf den Tisch. Ansonsten sollte sich der US-Präsident auf seine Mehrheit im Senat verlassen können. Für Europa stehen neben dem Brexit unmittelbar keine politischen Großereignisse an, aber bei der Vielzahl der schwachen…

China: Abschwung pausiert, US-Deal ist aber kein Konjunkturprogramm

Der Konjunkturabschwung in China hat Ende 2019 deutlich an Schärfe verloren. Das Wirtschaftswachstum büßte im vierten Quartal nicht weiter an Tempo ein. Mit unveränderten 6,0% (J/J) liegt der aktuelle Wachstumswert nicht nur im Rahmen der Markterwartungen, sondern auch knapp innerhalb der von Peking vorgegebenen Wachstumsspanne – das ist in China immer noch ein Politikum. Sicherlich haben die Deeskalation im Handelsstreit mit den USA und die Hoffnung auf zumindest eine partielle Einigung ihren Teil dazu beigetragen, um den Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft zu mildern. Auch wenn US-Präsident Trump zunächst lediglich weitere Zollerhöhungen von der Agenda nahm, verschaffte dies Chinas Exportindustrie in den vergangenen Monaten eine Atempause. Ganz ohne staatliche Anschubhilfe scheint die Konjunkturstabilisierung jedoch nicht ausgekommen zu sein. Dies legt die deutliche Wachstumsbeschleunigung in der Industrie zum Jahresschluss nahe, welche die Handschrift früherer Kurzzeit-Stimuli Pekings trägt, wie wir sie im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Mit der nun erfolgten Unterzeichnung…

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