Konjunktur

Fed und EZB: Widerspruch von Denken und Handeln

Die Geldpolitik soll restriktiver werden. Dies scheint das Ziel der amerikanischen Notenbank und der EZB zu sein. Die EZB wird wohl schon bald eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe bekannt geben, während die Fed ihre Bilanz reduzieren sowie gegebenenfalls weitere Leitzinserhöhungen vornehmen wird. Obwohl diese Maßnahmen unzweifelhaft von den Marktteilnehmern erwartet werden und sich auch in Reden von verschiedenen Währungshütern widerspiegeln, scheint bei beiden Zentralbanken eine klare Kommunikationsstrategie zu fehlen. So haben es sich die Notenbanker zur Gewohnheit werden lassen, die Risiken für die Wirtschaft in den schillerndsten Farben auszuschmücken. Das jüngst veröffentlichte Protokoll der EZB hebt beispielsweise die Risiken eines möglichen Überschießens des Euro deutlicher hervor als in der Vergangenheit. Ein starker Euro könne sich negativ auf die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft auswirken. Auch das Thema Inflation wurde auf dem jüngsten Treffen der europäischen Geldpolitiker intensiv diskutiert. So gebe es immer noch keine überzeugenden Anzeichen dafür, dass die Inflation in den kommenden…

Gute Perspektiven für den Euro Stoxx 50

Die Kursentwicklung des Euro Stoxx 50 ist im Vergleich zu den US-Börsenindizes zuletzt deutlich zurückgefallen. Während die US-Indizes Rückenwind durch den Aufschwung bei Finanz- und Technologie-Titeln erfuhren, hemmten hierzulande Krisen den Kursaufschwung. Hinsichtlich des erwarteten Gewinnzuwachs 2017/18 für Euro Stoxx 50 und S&P 500 (10-12% p.a.) gibt es kaum Unterschiede, so dass sich beide Indizes in dieser Kategorie Remis stellen. Jedoch könnte Europa wieder Trumpf für Anleger werden, weil die Bewertung des Euro Stoxx deutlich günstiger ist als in den USA und Europa damit wieder interessant wird für internationale Investoren. Selten zuvor in der Geschichte der Aktienindizes fiel die transatlantische KGV-Differenz so hoch aus. Die US-Börseneuphorie rund um Trump dürfte hingegen weiter verblassen. Das politische Länderrisiko in den Ländern, in denen die deutliche Mehrheit der Euro Stoxx 50-Unternehmen beheimatet ist, scheint überschaubar. Italien bleibt in Anbetracht bekannter Probleme (Politik, Verschuldung, Banken) ein Störenfried, der 2018 über die Marktstimmung wirken könnte….

Deutsches Wirtschaftswachstum: Inlandsnachfrage sorgt für kräftigen Wachstumsschub

Gemäß der heutigen Schnellschätzung konnte die deutsche Volkswirtschaft  im zweiten Quartal ihre Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigern. Das ist erneut kräftig, aber etwas weniger als zum Jahresbeginn. Denn nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurde das Wachstum im ersten Quartal leicht auf +0,7 Prozent nach oben korrigiert. Die inländische Nachfrage war dabei erneut der Wachstumsmotor. Ausführliche Details wurden noch nicht veröffentlicht, aber es gab einige Hinweise zu den maßgeblichen Wachstumstreibern im zweiten Quartal. Demnach kamen die Wachstumsimpulse ausschließlich aus dem Inland: Private und öffentliche Konsumausgaben legten zu und es wurde mehr in Ausrüstungen und Bauten investiert. Die Außenwirtschaft bremste dagegen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, da das Plus der Importe größer ausfiel als der Zuwachs der Exporte. Dass die Inlandsnachfrage erneut kräftig ausfiel, verwundert nicht, denn die Zahl der Beschäftigten ist binnen Jahresfrist um 664.000 Personen oder um +1,5 Prozent gestiegen. Die positive Arbeitsmarktentwicklung stellt eine wichtige Basis dar und…

Japans Wirtschaftswachstum überrascht positiv

Japans reale Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2017 um +1,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, was auf eine Jahresrate hochgerechnet +4,0 Prozent entspricht. Diese Zuwachsrate markiert die höchste Wachstumsdynamik seit über zwei Jahren. Die Konjunkturbeschleunigung im zweiten Quartal ging auf inländische Faktoren zurück. So wuchsen die Ausrüstungsinvestitionen mit +2,8 Prozent gegenüber Q1, mehr als drei Mal so stark wie im Vorquartal. Auch der private Konsum zeigte sich im zweiten Quartal robust und stieg mit +0,9 Prozent und war damit eine wichtige Stütze des BIP-Wachstums. Die Deflation hält sich trotz des hohen Wachstums hartnäckig. So geht das hohe Realwachstum in Japan immer noch mit niedrigeren nominalen Wachstumsraten einher. Der BIP-Deflator, also der Preisindex für alle im Inland hergestellten Güter und Dienste, war zuletzt weiter negativ. Insgesamt eine sehr positive Entwicklung in Japan. Dies zeigt, dass das weltwirtschaftliche fundamentale Umfeld weiterhin sehr robust ist. In einem solchen Umfeld können politische Aktivitäten zwar…

US-Arbeitsmarkt weiterhin eine Stütze der Konjunktur

Auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ist in der größten Demokratie der Welt der Jobmotor mit einer erfreulich hohen Drehzahl gelaufen, dies zeigt der jüngste offizielle Arbeitsmarktbericht. Allein in der privaten Wirtschaft stieg im Juli die Zahl der Beschäftigten um 205.000 Personen, im öffentlichen Sektor wurde noch ein geringfügiges Plus von 4.000 Arbeitsplätzen hinzugefügt. Die Arbeitslosenquote fiel dadurch von 4,4 auf 4,3 Prozent. Auch wenn in den vergangenen sechs Jahren die Erfolgsgeschichte des US-Arbeitsmarktes schon sehr an ein „perpetuum mobile“ erinnert hat, so ist bei einer genaueren Betrachtung bereits seit dem Jahr 2015 eine stetige Verlangsamung bei der Beschäftigungsdynamik zu erkennen. Einen Grund zum Schwarzmalen können wir jedoch kaum ausmachen, da die Umfragen in der Wirtschaft weiterhin auf einen robusten Beschäftigungsaufbau hinweisen. Aber auch der jüngste Arbeitsmarktbericht bestätigt, dass der wesentliche Treibstoff für den Jobmotor vom Dienstleistungssektor geliefert wird. Das Beschäftigungsplus im güterproduzierenden Bereich, auch wenn es in den letzten…

Der Euro steigt und steigt… was bedeutet das für die deutsche Konjunktur?

Der Euro hat derzeit kräftig Aufwind. Aktuell nähert er sich gegenüber dem US-Dollar der Marke von 1,20 EUR-USD, seit Jahresanfang 2017 hat er gegenüber dem Dollar mehr als 13 Prozent zugelegt. Auch gegenüber anderen wichtigen Währungen wie dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen zeigt sich der Euro derzeit von seiner starken Seite. Was bedeutet die aktuelle Euro-Stärke für die europäische und besonders die deutsche Konjunktur? Zunächst muss man bei dieser Betrachtung festhalten, dass sich der Euro zu Jahresbeginn 2017 auf einem sehr niedrigen Niveau bewegte. Gegenüber dem US-Dollar stand er Anfang Januar bei rund 1,05 EUR-USD, das war der niedrigste Wert seit rund 15 Jahren. Seit seiner Einführung 1999 notierte der Euro-Kurs im Vergleich zum US-Dollar durchschnittlich bei 1,21 Dollar pro Euro, also noch leicht höher als aktuell. Daher wäre es wohl richtiger zu sagen, dass der Euro derzeit eine Schwächephase beendet, als dass er bereits besonders stark ist….

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