Konjunktur

Die Zollschraube dreht sich munter weiter

Die USA dreht munter weiter an der Zollschraube und bringt damit zusehends das weltweite Wachstumsmodell einer arbeitsteiligen Wirtschaft in Gefahr. Die US Wirtschaft dürfte hiervon zunächst am wenigsten betroffen sein. Deutschland und Europa dürften dagegen am stärksten die Folgen dieser Handelspolitik spüren. Anbei die Faktenlage in ein paar Grafiken dargestellt.      

Warum die USA die Steuern senkte und Deutschland darunter leidet

Bereits seit einigen Monaten fallen die europäischen Stimmungsindikatoren. Bislang war das noch kein Grund zur Beunruhigung, da das Sentiment in den Unternehmen sich immer noch auf einem hohen Niveau befindet. Doch Vorsicht: Die weltpolitische Lage hinterlässt hier immer deutlicher ihre Spuren.   Der aktuelle Zollstreit und die bereits erhobenen Zölle durch die USA werden den Unternehmen im Euroraum und insbesondere in Deutschland weiter auf den Magen schlagen. Doch tatsächlich sind die bislang beschlossenen Zölle auf Stahl und Aluminium nicht das Problem. Denn der wirtschaftliche Schaden, der aus diesen Zöllen resultiert ist nicht beträchtlich. Anders sähe es bei Zöllen auf Autos und ähnliches aus. Wenn solche Zölle eingeführt werden, hätte dies erhebliche Folgen für die deutsche und europäische Wirtschaft. US Präsident Trump zeigt sehr eigene wirtschaftspolitische Ansichten. So ist scheinbar aus seiner Sicht ein Handelsbilanzdefizit prinzipiell eine offene Rechnung. Damit hätten aus Sicht des US Präsidenten Europa, und hier insbesondere Deutschland,…

Trump und die unfreiwillige Politik des starken USD

» Trotz der diplomatischen Entgleisungen beim G7-Gipfel lässt sich bislang keine nennenswerte Reaktion am Devisenmarkt erkennen. » Marktseitig überwiegt die Wahrnehmung, dass der USD bei einer weiteren Eskalation am besten gewappnet ist (Konjunkturdifferenz, Fed-Schritte, …) » Dass Trumps Kurs damit eine kontraproduktive USD-Stärke als unerwünschte Nebenwirkung haben könnte, wird derzeit nicht thematisiert. Während die öffentliche Meinung über die Ereignisse beim G7-Gipfel noch zwischen Entsetzen, Ernüchterung und stillschweigender Bewunderung schwankt, lässt sich an den Finanzmärkten bislang keine auffällige Bewegung erkennen. Weder das Risiko eines eskalierenden Handelskriegs noch der weltwirtschaftliche Ausblick werden nennenswert anders beurteilt als noch am Freitag. Ob Trumps Vorstellungen von Freihandel umsetzbar sind und sich der Rest der Welt tatsächlich unfair an den USA bereichert, sei dahingestellt. Fakt ist: der US-Präsident will die Situation „seiner“ Exporteure verbessern und das US-Handelsdefizit (als Symptom der unfairen Behandlung der USA) abbauen. Dafür sind neben verbalen Drohkulissen Importzölle sein Mittel der Wahl. Diese…

Brexit-Belastungen für die britische Wirtschaft immer deutlicher

Schlechte Nachrichten aus der britischen Industrie: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im April gegenüber dem Vormonat so stark gesunken, wie seit fünf Jahren nicht mehr – minus 1,4 Prozent stehen zu Buche. Es ist bereits der dritte Rückgang in Folge. In der Gesamtindustrie war das Minus nicht ganz so verheerend, weil die Ölförderung deutlich zulegen konnte. Ebenfalls schwach sind die Exportzahlen ausgefallen. Die Warenausfuhren sanken um fast 6 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegen nun mehr als 7 Prozent unter dem Niveau vom April letzten Jahres. Damit reihen sich auch die britischen Angaben in die Serie schwacher Industrie- und Außenhandelsdaten ein, die momentan aus vielen Ländern der EU für den Start des zweiten Quartals gemeldet werden. Die Exportkonjunktur in ganz Europa stockt. Für die Briten ist dieser Rückschlag jedoch besonders herb. Dank der lebhaften Nachfrage aus dem Ausland, die zudem durch das schwache Pfund befeuert wurde, waren die Belastungen…

US-Dollar und Treasury-Rendite: eine Scheinehe

Die Makroökonomische Theorie befasst sich ausführlich mit der Beziehung zwischen Währungen und Zinsen. So besagt die Zinsparität, dass der Zinsvorteil eines Landes durch eine Anpassung des Wechselkurses ausgeglichen werden muss. Anders ausgedrückt: der Zinsvorteil eines Landes resultiert in höheren Kapitalzuflüssen, die Währung wertet auf, wodurch der Zinsvorteil nivelliert wird. Diese Argumentationskette („höhere Zinsen = stärkere Währung“) ist tief im kollektiven Wissen des Finanzmarktes verankert. Und auch wenn der Zusammenhang in der Praxis bei weitem nicht so eng ist, wie manch einer glaubt, ist unbestreitbar, dass der Währungsmarkt sich insbesondere in Phasen starker Renditebewegungen vom Zinsniveau leiten lässt. So belegen langfristige Korrelationsanalysen, dass die Relation zwischen dem US-Dollar-Index und der 10J-Rendite amerikanischer Staatsanleihen überwiegend positiv, wenngleich recht volatil, ist. Seit geraumer Zeit ist diese Korrelation jedoch stark rückläufig und bewegt sich nunmehr seit Ende des vergangenen Jahres in der Region von Null, hier und da sogar im negativen Bereich. Geschuldet ist…

Inflationsrate im Euro-Raum: Ölpreis, das schwarze Schaf

Die Inflationsrate im Euro-Raum macht einen überraschend kräftigen Satz nach oben. Die jährliche Rate hat sich innerhalb von nur einem Monat von +1,2 Prozent auf +1,9 Prozent beschleunigt. Damit liegt sie auf den ersten Blick auf der Zielgeraden nach EZB-Vorstellung, die eine Teuerung nahe aber unter 2 Prozent anstrebt. Die Preistreiber im Mai lassen sich im Wesentlichen auf zwei Komponenten eingrenzen: Ein Auslaufen des sogenannten Ostereffekts und auf einen markanten Anstieg des Ölpreises. Da das Osterfest in diesem Jahr in den März rutschte, stiegen die Preise vor allem für tourismusnahe Dienstleistungen in dem Monat besonders kräftig an. Im April folgte dann ein entgegengesetzter Effekt und die Preise gaben im Vorjahresvergleich überdurchschnittlich stark nach. Diese Verwerfungen (Ostereffekt) sind im Mai nun weitestgehend ausgelaufen und haben den Preisdruck bei den Dienstleistungen wieder „normalisiert“. Daher wurde auch bei der Kernrate – also der Teuerungsrate ohne Energie-, Nahrungs- und Genussmitteln – ein sichtbarer Anstieg auf +1,1 Prozent vermeldet,…

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