Konjunktur

Starker Euro trifft schwachen Dollar

„Ein historischer Tag für Europa“. Das waren die Worte von Frankreichs Präsident Macron nach dem Durchbruch beim EU-Gipfel. Und selbst für langjährige Beobachter, die schon einiges an Hoch- und Tiefpunkten in der Geschichte des Euros erlebt haben, dürfte das Ergebnis ein besonderer Meilenstein gewesen sein. Nicht nur der Umfang der Corona-Hilfen vermag zu überzeugen, noch beeindruckender waren die Entschlossenheit und das Tempo, mit denen Europa neuerdings an einem Strang zieht – trotz aller offensichtlichen Differenzen. Natürlich gibt es noch einige Details zu klären, aber anders als in früheren Krisen hat man auf die einst EU-typische Hinhaltetaktik verzichtet und sich für die wesentlichen Entscheidungen nicht von Gipfel zu Gipfel vertagt. Auch der Euro reitet derzeit auf der Welle des neu entdeckten Selbstbewusstseins der EU und kümmert sich während seines Höhenflugs bis temporär über 1,19 USD nicht um die fraglos bestehenden Implementierungsrisiken des Hilfspaketes. Diese Ignoranz fällt ihm umso leichter, als sein…

Corona-Krise wirft den Euro-Raum zurück in das Jahr 2005!

Der länderübergreifende Corona-Lockdown hat im Euro-Raum im zweiten Quartal zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geführt. Dieser Einbruch ist nicht nur historisch hoch. Das BIP befindet sich nun sogar nur noch auf dem Niveau des Jahres 2005! 15 Jahre Konjunkturgeschehen wurden innerhalb von nur zwei Quartalen zurückgesetzt. Es wird trotz der zu erwartenden teils kräftigen Erholung dauern, bis dieser Einschnitt wieder aufgeholt sein wird. Auch der Blick auf die großen Mitgliedsländer, für die schon ersten Berechnungen oder Schätzungen vorliegen, zeigt die Dramatik der Corona-Rezession. Alle Länder mussten im zweiten Vierteljahr 2020 jeweils zweistellige Rückgänge bei der Quartalsrate verbuchen. Am besten kam noch die deutsche Volkswirtschaft weg. Hier belief sich das Minus auf 10,1 Prozent, in Italien -12,4 Prozent, in Frankreich waren es -13,8 Prozent und in Spanien sogar -18,5 Prozent. Alles jeweils noch nie dagewesene Rückgänge der Wirtschaftsleistung und dramatische Einschnitte ins Wirtschaftsgeschehen, die…

US-Wirtschaft stürzt tief, Hoffnung ruhen auf Stützungsmaßnahmen

Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten ist in der ersten Jahreshälfte 2020 abgestürzt. Wie tief die US-Wirtschaft gefallen ist, zeigen die jüngsten Wachstumszahlen vom zweiten Quartal: Demnach sank die Wirtschaftsleistung zwischen April und Juni mit einer annualisierten Rate von fast 33 Prozent – so steil ging es mit der US-Wirtschaft noch nie bergab, zumindest in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Dabei schrumpfte die wirtschaftliche Leistung schon in den ersten drei Monaten des Jahres annualisiert um 5 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2019. Das Vorjahresniveau liegt in weiter Ferne. Schuld an dem Absturz ist die Corona-Pandemie: Die Angst vor einer Ansteckung und die harten Lockdown-Maßnahmen sorgten besonders bei den Investitionen und beim privaten Verbrauch für enorme Einbußen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg in schwindelerregende Höhen, die Arbeitslosenquote erreichte in der Spitze fast 15 Prozent im April. Das hat die konsumgetriebene US-Wirtschaft im Kern erschüttert. Mittlerweile hat sich die Wirtschaft aber auf…

Schnellschätzung deutsches Bruttoinlandsprodukt – Premiere mit historischem Wachstumseinbruch

Zum ersten Mal gibt das Statistische Bundesamt eine Schnellschätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland innerhalb von nur 30 Tagen nach Quartalsende bekannt. Üblich waren bislang 45 Tage. Und diese Premiere startet gleich mit einem historischen Ergebnis. Gegenüber dem Vorquartal gab die Wirtschaftsleistung preis-, saison-, und kalenderbereinigt um 10,1 Prozent nach. Der Abstand zum Vorjahresquartal beträgt sogar mehr als 11 Prozent. So schlimm war es noch nie. Da fällt auch kaum ins Gewicht, dass das Ergebnis für das erste Quartal ganz leicht nach oben korrigiert wurde. Der Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie von Mitte März bis in den Mai hinein hat zwischenzeitlich viele Branchen in einen Tiefschlaf versetzt und damit die Wirtschaft auf eine rasante Talfahrt geschickt. Ohne Angaben von näheren Details rutschten gemäß des Statistischen Bundesamtes fast alle Nachfragekomponenten ins Minus. Die privaten Konsumausgaben und die Investitionen in Ausrüstungen brachen deutlich ein genauso wie die Exporte und Importe von Waren…

ifo-Geschäftsklima: Der dritte Anstieg in Folge

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juli weiter verbessert. Das zeigt die aktuelle Umfrage des ifo-Instituts. Der Geschäftsklimaindex ist in den letzten vier Wochen von 86,3 auf 90,5 Punkte angestiegen. Damit beschleunigt sich dieser wichtige Pulsmesser für die deutsche Wirtschaft das dritte Mal in Folge. Das wird gemäß der gebräuchlichen Faustregel als verlässliches Indiz für einen Wendepunkt angesehen. Man kann also mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass sich die deutsche Wirtschaft nach dem tiefen Corona-bedingten Einbruch im Frühjahr wieder in der Erholungsphase befindet. Dabei sind die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate sogar so positiv wie seit rund 1 1/2 Jahren nicht mehr. Auch das zeigt, dass die deutsche Wirtschaft überzeugt ist, dass in der Corona-Krise das Schlimmste überwunden ist und es im dritten Quartal wieder kräftig aufwärtsgehen wird. Noch sind die Unternehmen allerdings ein gutes Stück vom „Normalzustand“ entfernt. Die aktuelle Geschäftslage schätzen sie immer…

Was kann man vom europäischen Wiederaufbaufonds erwarten?

Nach langem Ringen auf dem EU-Gipfel gab es die ersehnte Einigung auf einen europäischen „Solidaritätsfonds“. Der Hilfsfonds oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde, soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen – allerdings hat sich die Zusammensetzung geändert. Anstatt 500 Mrd. Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse an die Mitgliedsstaaten auszuschütten und 250 Mrd. Euro an Darlehen, sind es nun lediglich 390 Mrd. Euro an Zuschüssen. In den Jahren 2021 und 2022 sollen 70 Prozent der Mittel und in 2023 nochmal die restlichen 30 Prozent der Mittel ausgezahlt werden. Die Zuweisungen aus der Fazilität in den Jahren 2021-2022 werden nach den Zuweisungskriterien der Kommission unter Berücksichtigung des jeweiligen Lebensstandards, der wirtschaftlichen Größe und der Arbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten festgelegt. Für die Zuweisungen ab dem Jahr 2023 wird das Kriterium der Arbeitslosigkeit durch den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP)…

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