Konjunktur

Türkei: In der Wahrnehmungsfalle

Ein speziell für die Türkei enorm wichtiges Fundament hat tiefe Risse bekommen: Das Vertrauen der internationalen Märkte. Der erhebliche externe Finanzbedarf des Landes – beispielsweise zur Finanzierung des chronischen Leistungsbilanzdefizits – erfordert regelmäßig den Rückgriff auf den globalen Kapitalmarkt. Sollte sich die Wahrnehmung der Märkte in Bezug auf die Türkei eintrüben, wird diese Fremdfinanzierung schwieriger oder zumindest kostspieliger. Dabei ist die Liste der Faktoren, welche die Risikowahrnehmung belastet haben, lang: Der Umbau des Landes hin zu einem System mit hoher präsidialer Machtfülle, die Aussagen von Präsident Erdogan, die Geldpolitik nun stärker mitgestalten zu wollen sowie die Ablösung erfahrener und angesehener Wirtschaftspolitiker sind Beispiele. Eine Reihe außenpolitischer Konfrontationen war auch nicht hilfreich. Der jüngste Streit mit Washington ist vielleicht der eine Konflikt zu viel – zumal im Weißen Haus auch nicht mit diplomatischem Florett gefochten wird. Welche Auswege gibt es? Es bleibt der Eindruck, dass Ankara mindestens eine bittere Pille schlucken…

Deutsche Konjunktur: Runter von der Überholspur

Das Wachstumstempo in Deutschland hat sich normalisiert. Die Wirtschaftsleistung ist im 2. Quartal um 0,5 Prozent gewachsen, nach 0,4 Prozent im 1. Quartal. Die deutsche Konjunktur hat damit nach dem sehr dynamischen Jahr 2017 die Überholspur wieder verlassen, läuft aber weiter robust. Die Verlangsamung im Vergleich zum letzten Jahr geht auf die Eintrübung des internationalen Umfelds zurück. Die Exporte haben zwar im Vergleich zum schwachen Vorquartal wieder in die Wachstumsspur zurückgefunden, doch der Schwung des Vorjahres ist beim Außenhandel in Anbetracht der schwelenden Handelskonflikte definitiv vorbei. Die Unternehmen stellen sich darauf ein und passen auch ihre Investitionsplanung entsprechend an. Angetrieben wird das Wachstum weiterhin durch die robuste Binnenkonjunktur. Der Arbeitsmarkt ist in sehr guter Verfassung, die Arbeitslosenzahl sinkt und die Beschäftigung steigt kräftig. Damit sind die Voraussetzungen für einen weiterhin lebhaften privaten Konsum gegeben. Die ausgesprochen dynamische Baukonjunktur ist ein weiterer Stützpfeiler der Konjunktur. Für das Gesamtjahr 2018 gehen wir von…

Deutscher Wohnungsmarkt: Im 2. Quartal 2018 sind die Preise erneut dynamisch gestiegen, die Metropolen haben aber an Tempo eingebüßt

Berichte zum deutschen Wohnungsmarkt sind mittlerweile fast schon langweilig: Die Preise steigen dank guter wirtschaftlicher Rahmenbedingen, niedriger Zinsen und einem knappen Angebot mit hohem Tempo. Auch das zweite Quartal 2018 fällt hierbei nicht aus dem Rahmen. Die gerade vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) veröffentlichten Preisdaten zum Wohnungsmarkt weisen erneut ein kräftiges Plus aus. Beim Wohneigentum waren es 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei den von Investoren gesuchten Mehrfamilienhäusern erreichte die Jahresrate fast 10 Prozent. Und in den Metropolen, den sieben größten deutschen Städten, sind die Preise noch stärker gestiegen. Wohneigentum hat sich hier um 9 Prozent verteuert, bei Mehrfamilienhäusern fiel das Preisplus noch 2 Prozentpunkte höher aus. Aus den Zahlen des vdp lassen sich aber durchaus interessante Entwicklungen extrahieren. Denn während die Wohnungspreise landesweit ihr hohes Tempo beibehalten konnten, hat die Preisdynamik der Top-7 Städte – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – an Schwung verloren. Zeitweilig verteuerten…

Britische Wirtschaft trotzt dem Brexit – noch…

Nein, schwungvoll entwickelt sich die britische Wirtschaft momentan sicherlich nicht. Hält man sich aber vor Augen, dass Großbritannien in nur noch sieben Monaten aus der EU austreten wird und immer noch keine Verhandlungslösung mit Brüssel absehbar ist, ist das moderate Wirtschaftswachstum des Landes durchaus beachtlich. Im zweiten Quartal hat das Wachstum gegenüber dem Vorquartal sogar noch etwas an Tempo zulegen können. Um 0,4 Prozent ist die Wirtschaft während der Frühjahrsmonate gewachsen – zum Jahresauftakt wurden nur 0,2 Prozent erreicht. Damit hat Großbritannien zuletzt sogar wieder die EWU in puncto Wachstum leicht überholt. Der Blick auf die Nachfragedetails vom vergangenen Quartal ist allerdings weniger vielversprechend. Der private Konsum, der die Konjunktur im vergangenen Jahr maßgeblich gebremst hat, blieb auch zuletzt verhalten, obwohl die Einzelhandelsumsätze dank der wieder etwas moderateren Inflation in den letzten Monaten deutlich zugelegt hatten. Die Investitionstätigkeit ist zwar ins Plus zurückgekehrt, wobei vor allem die Bauproduktion kräftig expandierte….

Japan überrascht mit hohem Wachstum im zweiten Quartal 2018

Die japanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal für eine außerordentlich positive Überraschung gesorgt: Ihre Wirtschaftsleistung stieg ersten vorläufigen Schätzungen zufolge saisonbereinigt um 0,5 Prozent zum Vorquartal. Ein solches Wachstum war nach dem negativen Ergebnis von -0,2 Prozent für das erste Quartal und nach den insgesamt eher mäßigen Konjunktur- und Stimmungsindikatoren in den Frühjahrsmonaten überhaupt nicht erwartet worden. Getragen wurde die positive Entwicklung im zweiten Quartal maßgeblich von einem kräftigen Umschwung bei den privaten Konsumausgaben. Diese lagen um 0,7 Prozent über ihrem Wert vom Vorquartal und markierten damit ihren höchsten Anstieg seit einem Jahr. Die privaten Investitionsausgaben ohne den Wohnungsbau waren ebenfalls mit ihrem Plus von 1,3 Prozent (Q/Q) maßgeblich am jüngsten Wachstumsschub beteiligt. Der Wohnungsbau selbst fiel allerdings mit -2,7 Prozent weiter zurück, nachdem er bereits in den drei Vorquartalen deutlich negative Raten verzeichnet hatte. Vom Staat kamen im Frühjahrsquartal nur moderate Impulse: Der Staatsverbrauch kam nur auf ein Plus…

Italien bleibt sich treu

Die Zielkonflikte innerhalb der Regierung in Italien treten immer öfter zutage. Nach einem weiteren Treffen der Regierungsspitze im Vorfeld der im September offiziell startenden Budgetplanungen für 2019 äußerten sich gestern sowohl Ministerpräsident Conte als auch der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), Di Maio, öffentlich zum Stand der Gespräche. Conte sprach zuerst und gab sich gemäßigt. Er beruhigte die Märkte mit Äußerungen, die Regierung werde sich realistische Ziele setzen und nicht alle Maßnahmen kurzfristig und vollumfänglich umsetzen. Heute zitiert ihn die italienische Presse, die Regierung strebe für die Vollendung der Flat-Tax und des Grundeinkommens eine Zeitspanne von fünf Jahren an. Eine gänzlich andere Tonart wählte hingegen Di Maio. Er forderte eine rasche Umsetzung des Regierungsplans und stellte eine harte Verhandlungsführung mit der EU-Kommission zur Durchsetzung der fiskalischen Lockerungsmaßnahmen in Aussicht. Der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, ließ jüngst durchblicken, dass sich die Regierung sogar ein Budgetdefizit von 4 oder 5% im kommenden…

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