Konjunktur

Wirtschaftsklima in Europa weiter verschlechtert, deutsche Unternehmen ebenfalls skeptischer

Die leichte Entspannung, die sich an den Finanzmärkten in den letzten Wochen im Hinblick auf die europäische Schuldenkrise gezeigt hat, hat für die Mehrzahl der Unternehmen im Euro-Raum die Geschäftsaussichten noch nicht positiv beeinflusst. Im Oktober haben sich vielmehr die Einschätzungen der Einkaufsmanager im Industrie- und im Dienstleistungsbereich weiter eingetrübt, wie sich am jüngsten Rückgang des Einkaufsmanagerindexes (EMI) von 46,1 auf 45,8 Punkte ablesen lässt. Dieser Umfrageindikator befand sich zuletzt im Januar dieses Jahres oberhalb der Wachstums-Schwelle von 50 Punkten. Nach den heute veröffentlichten vorläufigen Zahlen verbesserte sich zwar im Dienstleistungsbereich bei den befragten Managern die Stimmung geringfügig, für den Industriesektor wurde jedoch eine deutliche Verschlechterung gemeldet. Bezüglich einer Aufschlüsselung nach Ländern liegen bisher nur Zahlen für Deutschland und Frankreich vor: Danach ging der „Gesamt-EMI“ für Deutschland von 49,2 auf 48,1 Punkte zurück, für Frankreich wurde hingegen ein Anstieg von 43,2 auf 44,8 gemeldet. Im zweitgrößten Euroland konnte der Stimmungseinbruch…

Konjunktur in China: Talsohle nun endlich erreicht

Die Konjunktur in China hat über die Sommermonate weiter an Schwung verloren, das Wirtschaftswachstum hat sich gegenüber dem Frühjahr aber nur noch geringfügig verlangsamt. Wie das chinesische Statistikamt heute Morgen gemeldet hat, ist die chinesische Wirtschaft im abgelaufenen dritten Quartal um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das ist zwar der niedrigste Wert seit über drei Jahren. Im vorangegangenen zweiten Quartal hatte das Wirtschaftswachstum aber nur leicht darüber, bei 7,6 Prozent, gelegen, während noch vor etwa einem Jahr Wachstumsraten von rund 9 Prozent und vor zwei Jahren von knapp 10 Prozent erzielt werden konnten. Nach über zwei Jahren Wachstumsdrosselung dürfte die chinesische Wirtschaft nun endlich die Talsohle im aktuellen Konjunkturzyklus erreicht haben.

Irland: Erfolge im Reformprozess

Im Gegensatz zu den anderen beiden Programm-Ländern Griechenland und Portugal konnte die Wirtschaftsleistung in Irland im Jahr 2011 schon wieder deutlich gesteigert werden, maßgeblich aufgrund der Exporte, während die inländische Nachfrage noch immer rückläufig war. Dies verwundert nicht, denn der Konsolidierungsdruck auf die öffentlichen Haushalte bleibt aufrecht erhalten, die hohe Arbeitslosigkeit belastet den privaten Konsum und der Immobiliensektor sucht nach fünf Jahren freien Falls noch immer den Boden. Mit Blick auf das Jahr 2013 dürfte sich die konjunkturelle Erholung weiter fortsetzen – und allmählich auch auf einer breiteren Basis stehen, wenn es nicht zu einer deutlichen Verschlechterung des außenwirtschaftlichen Umfelds kommt. Unter diesen Bedingungen dürfte der Pfad für den erfolgreichen Abschluss des Konsolidierungsprogramms Ende 2013 bereitet sein. In seinem bisherigen Verlauf hat Irland nahezu alle Anforderungen im Anpassungsprogramm erfüllt. Irland hat große Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen gemacht und hält die Sparbemühungen aufrecht. Auch die Reform und Umstrukturierung…

Deutsche Konjunktur hält sich noch wacker

In ihrem aktuellen Herbstgutachten betonen die führenden Forschungsinstitute die negativen Effekte der Euro-Krise für die deutsche Wirtschaft. Sie sehen das Wachstum im laufenden Jahr nun bei 0,8%, was noch einen Tick unter ihrer Prognose vom Frühjahr liegt. Das dürfte jedoch nach unserer Meinung – auch angesichts der jüngsten Konjunkturdaten – etwas zu niedrig gegriffen sein. Zwar zeigen sich die Auswirkungen der Schuldenkrise etwa in den Stimmungsindikatoren aus dem Unternehmenssektor sehr deutlich, laut der ifo-Umfrage sind die Geschäftserwartungen seit dem Frühjahr merklich gesunken. Dennoch weisen die guten Exportzahlen und die stabile Industrieproduktion darauf hin, dass sich die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal immer noch auf einem Wachstumspfad halten kann. Daher sind wir für das Jahr 2012 mit einer Wachstumsrate von 1,2% auch etwas zuversichtlicher als die Institute. Über die Konjunktur im kommenden Jahr äußern sich die Institute nun deutlich weniger zuversichtlich als noch im Frühjahr. Sie haben ihre Prognose für 2013 glatt…

Reformen in Portugal sind auf Kurs

Die Finanzminister der Eurogruppe haben gestern die Auszahlung einer weiteren Kredittranche in Höhe von 800 Mio. Euro an Portugal freigegeben und gleichzeitig vereinbart, dass auch die nächste am Ende dieses Monats anstehende Zahlung von 3,5 Mrd. Euro überwiesen wird. Die Euro-Finanzminister honorieren damit den schwierigen Balance-Akt der Regierung zwischen weiterer Haushaltskonsolidierung und einer Begrenzung der Belastungen für Wirtschaft und Bevölkerung. Für den Abbau des Budgetdefizits hat Portugal nun ein Jahr mehr Zeit: Für 2012 wird jetzt ein Defizit in Höhe von 5,0 Prozent der Wirtschaftsleistung und für das kommende Jahr in Höhe von 4,5 Prozent angestrebt. Zu stark war der Einbruch bei den Steuereinnahmen im laufenden Jahr. So mussten für 2013 zusätzliche Sparmaßnahmen beschlossen werden, obwohl die Ausgaben zwischenzeitlich stärker als vereinbart gesenkt werden konnten. Ein positives Signal ist die zuletzt recht gute Entwicklung der Exporte, die das jahrzehntelang vorhandene Handelsbilanzdefizit schon fast vollständig abgebaut haben. Aber nicht nur die…

Griechenland erneut im Fokus der EU-Politik

Kurz vor der Veröffentlichung des Prüfberichts der Troika, der wohl Ende Oktober vorliegen wird, ist die Lage in Griechenland auf allen Ebenen angespannt. Auch nach zwei beschlossenen Rettungspaketen inklusive eines Schuldenschnitts ist die Staatsverschuldung weiter angestiegen. Das Haushaltsdefizit konnte zwar reduziert werden, bleibt aber weiterhin hoch. Gleichzeitig sinkt die Wirtschaftsleistung weiter. Das Jahr 2013 wird das sechste Jahr der Rezession werden. Der innenpolitische Druck auf die Regierung ist immens. Auf der anderen Seite hat das Land trotz der Verschleppung einiger Reformen die staatlichen Ausgaben erheblich reduzieren können und wichtige Grundsteine gelegt, um ein Anwachsen der Ausgaben in Zukunft zu verhindern. Tiefgreifende strukturelle Reformen haben dazu beigetragen, die Lohnstückkosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Wenn Griechenland seinen bisherigen Reformkurs fortsetzt, kann es Potenziale realisieren und langfristig wieder stärkeres Wachstum erzielen. Die Frage ist, ob ein Bankrott Griechenlands auf kurze Sicht abgewendet werden kann. Der Prüfbericht der Troika wird mit…

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