Konjunktur

Einkaufsmanagerindizes im Euroraum: Industrie bremst weiter, vor allem in Deutschland

Insgesamt hat sich die Stimmungslage der europäischen Einkaufsmanager im Mai leicht aufgehellt. Der Composite-Index stieg aber nur marginal von 51,5 auf 51,6 Indexpunkte. Die Messzahl für die Gesamtlage im verarbeitenden Gewerbe konnte sich nicht verbessern und bleibt unter der neutralen Marke von 50 Indexpunkten. Allein ein leichter Anstieg der Produktionskomponente sorgte dafür, dass der Composite-Index etwas zulegen konnte. Denn bei den Dienstleistern musste auch ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Ein in der Summe weiter rückläufiges Exportgeschäft drückt auf die Stimmung der Einkaufsmanager. Insgesamt dürfte sich auf Basis dieser Umfrageergebnisse der Aufschwung im Euroraum fortsetzen; die Wachstumsrate im zweiten Quartal dürfte aber die 0,4% aus dem ersten Quartal schwerlich erreichen. Die zunehmende Diskrepanz zwischen Deutschland und Frankreich ist bemerkenswert. Das deutsche Wirtschaftsmodell, das auf industrielle Produktion und Export ausgerichtet ist, kommt im jetzigen Umfeld natürlich an seine Grenzen. Im Gegensatz dazu ist das binnenwirtschaftlich orientierte Modell von Frankreich zurzeit noch relativ…

Japan: Starkes Wachstum in Q1, Konjunktur bleibt aber schwach

Japans Gesamtwirtschaft ist im ersten Quartal 2019 um 0,5% gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Dieser Anstieg kam für die Marktbeobachter völlig überraschend – erst recht in diesem Ausmaß. Denn nach den zuletzt sehr schlechten Stimmungswerten unter Japans Unternehmen wie auch den Privathaushalten und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des US-chinesischen Handelsstreites, der auch Japans Exporte negativ beeinflusst, war bestenfalls eine Rate um die Null-Linie erwartet worden. Was den Ausschlag für das letztlich doch recht starke Wachstum gegeben hat, waren die Importe, die mit minus 4,6% (Q/Q) noch schneller zurückfielen als die Exporte (minus 2,4%). Damit ist das aktuelle Zahlenwerk keineswegs ein Beleg für eine starke Konjunktur, eher für eine schwächelnde Binnennachfrage. Dies zeigt sich auch daran, dass sowohl die Investitionen als auch die privaten Konsumausgaben in den ersten drei Monaten des Jahres gesunken sind, und zwar um minus 0,3% beziehungsweise minus 0,1%. Selbst der Staatsverbrauch trug – mit minus 0,2% –…

Österreich auf dem Weg zu niedrigeren Steuern

Die österreichische Wirtschaft hat ihre langsame Gangart zu Jahresbeginn 2019 beibehalten. Das Wirtschaftswachstum betrug zwischen Januar und März unverändert 0,3% gegenüber dem Vorquartal. Auch in den kommenden Monaten rechnen wir nur mit einer geringen wirtschaftlichen Dynamik. Besonders der Außenhandel birgt Risiken. Einen Impuls durch höhere Konsumausgaben und steigende Investitionen könnte mittel- bis langfristig die geplante Steuerreform bringen. Sie ist daher zu begrüßen. Die veröffentlichten Eckpunkte der Reform sehen ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor. Das Entlastungsvolumen ist mit jährlich 8,3 Mrd. Euro ab 2022 durchaus beträchtlich. Besonders Bürger mit niedrigen oder mittleren Einkommen sollen in den kommenden Jahren profitieren. Die Steuerreform hält aber auch eine Entlastung der Unternehmen bereit. Getrieben wird dieses Vorhaben vor allem von dem Steuerwettbewerb mit Osteuropa. Die österreichische Regierung will trotz der spürbaren Steuersenkungen im Wesentlichen auf neue Steuern oder Steuererhöhungen an anderer Stelle verzichten. Gleichzeitig soll es aber auch keine neuen Schulden geben. Die gesamtstaatliche…

Deutsche Wirtschaft startet gut ins Jahr 2019

Die deutsche Wirtschaft ist mit einem robusten Wachstum von 0,4 Prozent ins Jahr 2019 gestartet. Damit kann sie die Schwächephase aus dem zweiten Halbjahr 2018 hinter sich lassen. Und das obwohl die Industrie als Konjunkturlokomotive derzeit ausfällt, weil das internationale Umfeld zur Belastung geworden ist. Da der Arbeitsmarkt in Deutschland weiter fest ist und die Einkommen steigen, konnten die privaten Haushalte mehr Geld für den privaten Konsum ausgeben und kräftig in Immobilien investieren. Das hat – zusammen mit höheren Investitionen der Unternehmen – die heimische Konjunktur im ersten Quartal stabil gehalten. Der Wechsel vom exportgetriebenen Wachstum zu einer stärkeren Binnenorientierung ist für die Spätphase des Zyklus normal und auch wünschenswert. Er ermöglicht ein stabileres Wachstum, wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau. Gegen einen Einbruch der Weltkonjunktur aufgrund einer weiteren Eskalation des Handelsstreits ist die deutsche Wirtschaft dadurch aber nicht gefeit. Das ist zweifellos das größte Risiko für die zweite Jahreshälfte….

Niedrigzinsphase: keine Trendwende erkennbar – wachsende Zinseinbußen privater Haushalte

Vor rund zehn Jahren schwenkte die Zinslandschaft in Richtung Niedrigzinsphase ein. So gingen die Renditen festverzinslicher Wertpapiere in Deutschland tendenziell immer weiter zurück, bis 2016 erstmals sogar eine negative Durchschnittsrendite registriert werden musste. Begleitet wurde die Entwicklung von der EZB, die im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise die Leitzinsen auf historische Tiefstände senkte und ein gigantisches Anleihekaufprogramm startete. Für die privaten Haushalte führte das Niedrigzinsniveau zu beträchtlichen Einbußen bei den Zinseinkünften. Obwohl das in Einlagen, Rentenpapiere und Versicherungen angelegte Vermögen seit 2009 um über 40% gewachsen ist, reduzieren sich die Zinseinnahmen hieraus auf voraussichtlich 54 Mrd. Euro im laufenden Jahr und damit auf nur noch gut die Hälfte der Zinseinkünfte des Jahres 2009. Die jährlichen Zinseinbußen im Vergleich zum Normalzinsniveau summieren sich nach unseren Berechnungen auf 648 Mrd. Euro in zehn Jahren. Während Sparer unter den niedrigen Zinsen leiden, freuen sich die Kreditnehmer unter den privaten Haushalten über günstige Konditionen….

Brexit-Unsicherheit sorgt für kräftiges Wachstum

In Großbritannien hat sich das vierteljährliche Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2019 auf 0,5% beschleunigt. Gegenüber dem Vorjahr stieg es sogar auf 1,8%, der höchste Wert seit rund eineinhalb Jahren. Paradoxerweise hat die britische Wirtschaft in den letzten Wochen vor dem ursprünglich geplanten Brexit-Termin am 29. März vor allem von der Angst vor einem „No-Deal“-Brexit profitiert – das zeigen die Details der Wirtschaftsleistung zu Beginn dieses Jahres. Aus Sorge vor Versorgungsengpässen haben die Verbraucher offenbar Notvorräte angelegt, auch die Unternehmen haben ihre bereits hohe Lagerhaltung weiter aufgestockt. In der Industrie wurden noch so viele Aufträge wie möglich vor dem Brexit-Stichtag abgearbeitet, sie verzeichnete im ersten Quartal das höchste Produktionsplus seit zehn Jahren. Auch der Staat hat erneut viel Geld für die Brexit-Vorbereitungen in die Hand genommen. Das vierteljährliche Plus bei den Staatsausgaben lag zum zweiten Mal über 1% – auch das ein Novum seit der Finanzkrise. Die Kehrseite: Auch die Importe…

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