Konjunktur

Eine höhere Staatsverschuldung wäre jetzt sogar sinnvoll

Die schwarze Null in Deutschland wackelt. Ausgabenwünsche und Einnahmeerwartungen laufen immer deutlicher auseinander. Dabei kommen die Belastungen von beiden Seiten. Die Steuereinnahmen werden mit der sich abschwächenden Konjunktur perspektivisch sinken, während die Ausgabenwünsche weiter steigen. Noch im letzten Jahr gab es einen komfortablen Überschuss: Im öffentlichen Gesamthaushalt waren 2018 die Einnahmen um knapp 54 Mrd. Euro höher als die Ausgaben. Und das, obwohl schon im letzten Jahr die Staatsausgaben stärker zulegten als die Steuereinnahmen. Ich bin eigentlich ein großer Freund eines ausgeglichenen Haushalts bei Staaten, vor allem vor dem Hintergrund der Generationengerechtigkeit. Dies wird jedoch zurzeit ad absurdum geführt. Die Bundesregierung kann sich aktuell mit negativen Zinsen verschulden. Zunehmende Verschuldung führt also eben nicht zu einer Belastung der zukünftigen Generationen. Wenn man eine positive Rendite der Investitionen auf Wachstum und Beschäftigung unterstellt, hätte eine heutige steigende Verschuldung auch in der Gesamtbetrachtung eine positive Rendite für die kommenden Generationen. Deutschland steht…

USA vs. China – Trump dreht wieder an der Zollschraube

Nach mehrwöchiger Pause haben in der vergangenen Woche erstmals wieder Handelsgespräche zwischen den USA und China stattgefunden. Anscheinend war bei den chinesischen Delegierten aber letztendlich wohl doch wenig Bereitschaft zu erkennen, den amerikanischen Interessen entgegen zu kommen. Denn anders ist es kaum nachzuvollziehen, dass unmittelbar nach dem Ende der Konsultationen zwar von guten Gesprächen die Rede war, aber der US-Präsident dann doch plötzlich schon zum 1. September die Einführung von weiteren Strafzöllen ankündigte. Damit erklimmt der Handelskonflikt zwischen den USA und China jetzt doch eine neue Eskalationsstufe, nachdem es zuvor danach aussah, als wenn diese Klippe auf dem G20-Gipfel in Osaka umschifft worden wäre. Auch wenn Trump der Meinung ist, dass China die Zölle bezahlt, so treffen letztlich die negativen Effekte doch die US-Konjunktur. Wegen Vergeltungsmaßnahmen sind die US-Exporte nach China deutlich gesunken und lagen im zweiten Quartal um 18 Prozent unter dem Vorjahr. Die hiervon besonders betroffene Landwirtschaft hat…

EWU-Konjunktur findet noch keinen Halt

Die Aussichten für die Konjunktur im Euro-Raum haben sich im Juli weiter eingetrübt. Das zeigt der Euro-Indikator der DZ BANK, der im abgelaufenen Monat um 0,3 Prozent gesunken ist. Der Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung steht nunmehr bei 98,4 Punkten, das ist der niedrigste Stand seit rund drei Jahren. Die Jahresveränderungsrate hat im Juli ebenfalls leicht nachgegeben, sie fiel von -1,8 auf -1,9 Prozent. Wie bereits in den vergangenen Monaten zeigte sich der Industriesektor besonders schwach. Die Auftragseingänge waren rückläufig und die Unternehmen haben ihre Produktionserwartungen für die kommenden Monate weiter reduziert. Auch die von IHS Markit befragten Einkaufsmanager zeigten sich pessimistischer. Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone fiel im Juli auf den tiefsten Stand seit Dezember 2012. Geschadet haben der Binnen- und Exportnachfrage laut den Befragten die anhaltenden Handelskonflikte, die Krise der Automobilindustrie und die politische Unsicherheit. Unterdessen zeigten die Finanzmärkte im abgelaufenen Monat ein gemischtes Bild. Während die Erwartungen…

Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran

Die Konjunkturabkühlung im Euroraum schreitet voran. Im zweiten Quartal des laufenden Jahres war das Wachstum im Euroraum mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal nur noch halb so hoch wie in Q1. Wenig überraschend hat die Binnenwirtschaft das Wachstum gestützt, während die Nettoexporte wohl eher das Wachstum gedämpft haben. Das deckt sich mit dem generellen Bild eines eher schwierigen internationalen Umfelds, das durch geopolitische Konjunkturrisiken und protektionistische Tendenzen gehemmt wird. Die Daten aus dem Euroraum sprechen für ein leicht positives Wirtschaftswachstum in Q2 in Deutschland. Der Ausblick für die Konjunktur im Euroraum ist nicht vielversprechend. Nahezu alle relevanten Frühindikatoren im Euroraum sind in den letzten Monaten gefallen und deuten auf eine weitere Wachstumsabkühlung hin, insbesondere die Industrie leidet unter dem schwachen Welthandel. Jedoch ist eine nachlassende Wachstumsdynamik zwischenzeitlich auch in den binnenwirtschaftlichen Sektoren feststellbar. Die EZB hat auf die abnehmende Wachstumsdynamik reagiert und relativ deutlich eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung…

Euroraum: Konjunktur und Inflation „geht die Puste aus“ – Italien bleibt Wachstumsschlusslicht

Das Wirtschaftswachstum im Euroraum hat sich im Frühjahr merklich abgebremst. Mit mageren 0,2% gegenüber dem Vorquartal lag der Zuwachs nur noch halb so hoch wie im ersten Quartal 2019. Details stehen mit der Vorabschätzung zwar noch nicht zur Verfügung. Offenbar stützte aber weiterhin die Binnennachfrage, während die Nettoexporte wohl eher gebremst haben. Das deckt sich mit dem generellen Bild eines eher schwierigen internationalen Umfelds, das durch geopolitische Konjunkturrisiken und protektionistische Tendenzen gehemmt wird. Ein Garant für eine stetige Binnennachfrage im Euroraum bleibt – zumindest vorerst – der gut laufende Arbeitsmarkt sowie allmählich steigende Löhne. Aber auch der anhaltende Boom im Bausektor hält die Investitionstätigkeit aufrecht. Erste Länderergebnisse hatten das geschwächte Quartalsergebnis für den Euroraum bereits angedeutet. So ging das Wirtschaftswachstum in Frankreich von 0,3% auf 0,2% zurück. Italien stagniert und dürfte damit weiterhin zu den konjunkturellen Schlusslichtern im Währungsgebiet gehören. Spanien wird zwar mit 0,5% wieder zu der vorderen Riege…

USA: Solides Wirtschaftswachstum in Q2, dank Kauffreude der Verbraucher

Vor allem dank eines kräftigen Schubs vom privaten Konsum ist die US-Wirtschaft im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 2,1 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum kräftigen Jahresauftakt hat sich die Wachstumsdynamik damit weniger stark verlangsamt als erwartet. Die deutlich bremsenden Effekte vom Außenhandel und von den Lagervorräten entsprechen hingegen unseren Erwartungen. Zum einen hatten diese im ersten Quartal das Wachstum deutlich gestützt. Zum anderen spiegeln beide Faktoren seit ungefähr einem Jahr das Auf und Ab beim Handelskonflikt mit China wider und zeigen dementsprechend starke Schwankungen. Die jüngsten Zahlen belegen, dass der private Konsum weiterhin seiner Rolle als Wachstumsgarant gerecht wird. Angesichts der sehr guten Beschäftigungssituation in den USA ist das keine allzu große Überraschung. Nachdem zwei Quartale in Folge eher verhaltene Wachstumsraten beim privaten Verbrauch verzeichnet worden waren, waren Zweifel an der Robustheit der US-Konjunktur aufgekommen. Letztlich hatte aber wohl doch der mehrwöchige „Shutdown“ zum Jahreswechsel die Konsumdynamik nur…

1 2 3 178