Konjunktur

Polen und Ungarn: bald nicht mehr Billiglohnland?

Die osteuropäischen Staaten haben bislang auf niedrige Löhne als Standortvorteil gesetzt. Seit einiger Zeit verzeichnen Polen und Ungarn aber spürbare Lohnzuwächse, die dieses Konzept in Frage stellen. Aufgrund des Fachkräftemangels und angekündigter Mindestlohnerhöhungen wird die Lohndynamik in den nächsten Jahren wohl hoch bleiben. Das gilt insbesondere für Polen, wo die derzeitige Regierungspartei kurz vor den Mitte Oktober stattfindenden Parlamentswahlen nahezu eine Verdoppelung des derzeitigen Mindestlohns bis 2023 auf dann monatlich 4.000 Zloty (etwa 912 Euro) in Aussicht gestellt hat. Von dem Image eines „Billiglohnlandes“ will man sich offensichtlich bewusst lösen. Bei den Arbeitskosten dürfte es daher Druck nach oben geben. Die Arbeitsproduktivität müsste aber mit dem Lohnzuwachs Schritt halten, damit die osteuropäischen Länder im internationalen Wettbewerb nicht zurückfallen und Arbeitsplätze sowie wichtige Investitionen in Produktionsstandorte nicht gefährdet werden. Der Blick auf die Entwicklung der Lohnstückkosten zeigt, dass dies gerade in den letzten Jahren nicht mehr der Fall gewesen ist. Zwar…

Industrieschwäche lastet weiter auf der EWU-Konjunktur

Herbstliche Grautöne dominieren im September 2019 das Konjunkturbild im Euro-Raum. Die Aufhellung im August war also nur vorübergehend. Das jedenfalls folgt aus unseren Berechnungen zum DZ BANK Euro-Indikator, der auf konjunkturelle Wendepunkte frühzeitig hinweisen kann. Im abgelaufenen Monat ist der Euro-Indikator um 0,2 Prozent gesunken. Mit einem Wert von 98,5 Punkten liegt er fast genau auf dem Juli-Niveau und damit dem tiefsten Stand seit rund drei Jahren. Im Vorjahresvergleich verliert der Indikator 1,5 Prozent. Der Rückstand in der J/J-Rate hat sich seit Anfang 2019 vermindert, was darauf hinweist, dass zumindest das Tempo der konjunkturellen Verschlechterung in den letzten Monaten nachgelassen hat. Im August hatten überraschend positive Daten aus dem Industriesektor den Ton angegeben und den Euro-Indikator ansteigen lassen. Im September wiesen die Industriedaten nun wieder in die Gegenrichtung. Die Umfrage unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe zeigt, dass die Stimmung dort so schlecht ist wie seit rund sieben Jahren nicht…

Italien bleibt sich treu und folgt dem Rat der EZB

Die neue italienische Regierung plant für 2020 ein Haushaltsdefizit von 2,2%. Das ist mehr als die anvisierten 2,04% in diesem Jahr. Dabei soll der expansive Haushalt die Zuwachsrate der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr auf 0,6% bringen, nach geplanten 0,1% in diesem Jahr. Der Haushaltsentwurf 2020 enthält eine Reihe expansiver Maßnahmen. Die Regierung plant Entlastungen für die unteren Einkommensschichten und ein Investitionsprogramm für den Umweltschutz. Zudem wird die eigentlich für Anfang 2020 geplante und beschlossene Mehrwertsteuererhöhung nicht umgesetzt. Zur Deckung der Mehrausgaben sollen Einsparungen in verschiedenen Bereichen, Erlöse aus Privatisierungen und Erträge aus dem Kampf gegen die Steuerhinterziehung erzielt werden. Letztendlich ist das aber nicht genug, um das Defizit zu reduzieren. Ein weiteres Problem bleibt, denn die Schuldenstandquote soll in diesem Jahr auf über 135% des BIP steigen und erst in den kommenden Jahren langsam sinken. Bis 2022 soll sie dann auf 131,4% zurückgehen. Dies dürfte der Kommission neben der fehlenden…

Inflationsrate im Euro-Raum sinkt unter die 1,0 Prozent-Marke

Der Preisauftrieb bei den Verbraucherpreisen im Euro-Raum hat im September nachgelassen. Gemäß der Schnellschätzung belief sich die Jahresrate der Inflation im Währungsgebiet auf 0,9 Prozent. Im Vormonat lag sie noch bei 1,0 Prozent. Auf Länderebene zeigte sich einheitlich eine rückläufige Preisentwicklung. In Deutschland ging der der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) von 1,0 auf 0,9 Prozent zurück, in Frankreich sank er von 1,3 auf 1,1 Prozent. Deutlich niedriger liegt die Inflationsrate in Italien und Spanien. Die spanischen Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich nur noch um 0,2 Prozent nach 0,4 Prozent im Vormonat. In Italien sank die Jahresrate von 0,5 auf 0,3 Prozent. Der Preisauftrieb ging bei den unverarbeiteten Lebensmitteln sehr deutlich zurück und für Energiegüter mussten die europäischen Verbraucher erneut weniger bezahlen als von einem Jahr. Dass im September unverarbeitete Nahrungsmittel vergleichsweise billig waren, mag daran liegen, dass im Vorjahresmonat die Ernten nach dem Dürresommer 2018 schlecht ausgefallen waren und die Lebensmittelpreise daher…

Stimmungsindex in der japanischen Industrie fällt auf ein Sechsjahrestief

Die Stimmung bei Japans großen Industrieunternehmen ist dem jüngsten Tankanbericht der Bank of Japan zufolge auf ein Sechsjahrestief gefallen. Der entsprechende Sentimentindex erreichte im dritten Quartal nur noch einen Wert von 5 Zählern auf der Skala, die von +100 bis ‑100 reicht. Der Stimmungsrückgang hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen hat die exportorientierte japanische Industrie weiterhin Absatzprobleme, die mit dem US-chinesischen Handelskonflikt beziehungsweise einer verringerten Nachfrage aus China zu tun haben. Zum anderen ist im Vorfeld der Mehrwertsteueranhebung (ab 1. Oktober) viel Unsicherheit entstanden über die tatsächlichen Kaufabsichten der inländischen Konsumenten. Der Index der Anschaffungsneigung der privaten Haushalte ist schon seit längerem im Sinkflug. Gleichzeitig gab es aber gute Einzelhandelsumsätze, die offenbar mit Vorzieheffekten zu tun hatten. Nun dürfte die Konsumgüternachfrage aber erst einmal deutlich sinken, mit Auswirkungen auf das Geschäftsumfeld der Unternehmen. Positiver eingestellt sind die Großunternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Deren Index fiel „nur“ um zwei Punkte auf…

Der Rubel lässt die Muskeln spielen

Der russische Rubel bewegt sich nach wie vor auf der Sonnenseite des Währungslebens. Er kletterte gegenüber dem Euro jüngst auf den höchsten Stand seit März 2018. Aber auch gegenüber dem robusten Greenback muss er sich nicht verstecken. Hier kann er momentan, verglichen mit Werten vom Jahresbeginn, ein Kursplus von rund 8,5% verbuchen. Rückenwind erfährt er derzeit einerseits von dem wieder etwas aufgehellten globalen Emerging-Markets-Sentiment. Dass der Markt Schwellenländerwährungen wieder zuversichtlicher gegenübersteht, ist mehreren Dingen zuzuschreiben: der grundsätzlichen Suche der Investoren nach Rendite sowie der expansiveren geldpolitischen Gangart der Fed – besonders den sich im US-chinesischen Handelsstreit abzeichnenden Entspannungstendenzen – sowie der marktseitig nachgelassenen Furcht vor einem Hard-Brexit. Andererseits ist dem Rubel zuletzt auch der sprunghafte Anstieg der weltweiten Ölpreise infolge eines Drohnenangriffs auf saudi-arabische Ölanlagen zugutegekommen. Unserer Ansicht nach dürfte sich der Rubel zum Ende des Jahres hin nach wie vor wacker schlagen. Anlass zu dieser Einschätzung gibt uns zum…

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