Konjunktur

EU-Haushalt 2021-2027: Mehrbelastungen statt Innovationen

Nach dem Willen der EU-Kommission soll nach der Europawahl im Mai rasch eine Einigung über den neuen EU-Haushalt erreicht werden. Angestrebt wird, dass das Budget für die Jahre 2021 bis 2027 noch 2019 vom Europäischen Parlament und dem Rat genehmigt wird. Wir befürchten aber, dass die Chance zur Modernisierung des Haushalts kaum genutzt wird und eine Einigung sich wohl doch länger hinzieht – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Streitpunkte und der zunehmenden Europa-Skepsis in einigen Ländern. Leiden werden darunter die EU-Bürger, denen kaum Innovationen in Aussicht gestellt werden, dafür aber höhere Abgaben drohen. Der Haushalt soll moderner und den großen politischen Herausforderungen der nächsten Jahre gerecht werden; zudem sind höhere Investitionen in Zukunftsbereiche geplant. In ihrem Modernisierungsprozess zeigt sich die EU jedoch äußerst behäbig – die Neugewichtung der Ausgabenbereiche erfolgt im Kommissionsvorschlag nur zaghaft. Das ist problematisch, denn die EU droht Schlüsselbereiche zu spät und wenig wirksam anzugehen und setzt…

US-Politik bremst das Wirtschaftswachstum deutlich

Die Zeit bis zur nächsten Kongress- und Präsidentenwahl in den USA dürfte durch ein sehr unsicheres wirtschaftspolitisches Umfeld gekennzeichnet sein. Auch wenn für den Bundeshaushalt in den nächsten drei Wochen ein Kompromiss gefunden wird, den auch Präsident Trump unterzeichnet, rechnen wir mit dämpfenden Effekten auf die US-Konjunktur. Das Hangeln von „Deadline“ zu „Deadline“ wird wohl den politischen Alltag bis zum November 2020 bestimmen. Konsumenten und Unternehmer werden künftig etwas vorsichtiger agieren. Wir haben deshalb unsere Wachstumsprognose gesenkt und erwarten jetzt 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2,1% und 2020 von 1,6% – eine insgesamt gedrosselte Dynamik, aber immer noch ein solides Wachstum. Im Hinblick auf den etwas schwächeren Ausblick für die US-Konjunktur haben wir auch unsere Prognose für die Inflation gesenkt. Letztendlich dürfte trotz der guten Beschäftigungslage die Lohndynamik weniger stark anziehen als zunächst angenommen. Nach einer durchschnittlichen Inflationsrate von knapp 2% in diesem Jahr rechnen wir im nächsten mit 2,3%. In…

Euroraum: Leicht abgeschwächtes Wachstum der Unternehmenskredite im Schlussquartal 2018

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank sind die Unternehmenskredite im Euroraum 2018 um knapp 4 Prozent gewachsen. Damit hat sich der Anstieg der um Verkäufe, Verbriefungen und fiktive Cash-Pooling-Aktivitäten bereinigten Kreditbestände im vierten Quartal des vergangenen Jahres leicht abgeschwächt. Allerdings verlief die Entwicklung von Land zu Land recht unterschiedlich. Während die Firmenkundenkredite in Deutschland mit 6,4 Prozent den höchsten Zuwachs seit fast zehn Jahren verzeichnen konnten, schrumpften sie in Spanien. In Frankreich hat sich das Wachstum im Schlussquartal 2018 etwas und in Italien spürbar abgeschwächt. Uneinheitlich entwickelten sich auch die Kredite an private Haushalte, die im Euroraum leicht beschleunigt um 3,3 Prozent zulegten. Alles in allem verlief die Entwicklung im abgelaufenen Jahr erfreulich: Die europäischen Kreditmärkte, die von 2012 bis 2015 noch unter Rückgang bzw. Wachstumsschwäche litten, profitierten von einer hohen Kreditnachfrage der Unternehmen und privaten Haushalte. Nach unserer Einschätzung dürfte sich die zuletzt in Teilen des Marktes beobachtbare Abschwächung der…

USA: Die politische Zitterpartie geht weiter

Eine Phase der Konsensfindung zwischen den beiden Parteiblöcken war für uns das wahrscheinlichste Szenario gewesen, nachdem die Republikaner im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren hatten. Denn so hatte in den letzten Jahrzehnten das politische Prozedere bei gespaltenen Mehrheiten meist ausgesehen. Tatsächlich ist es aber anders gekommen, unter Trump herrscht eisige Blockade. Einige Bundesbehörden mussten für 34 Tage schließen, da der US-Präsident auf die Bereitstellung von 5,7 Mrd. US-Dollar für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko besteht. Das inzwischen von den demokratischen Abgeordneten dominierte Repräsentantenhaus verweigert diese Gelder, aber auch zahlreiche republikanische Abgeordnete geben hierfür nicht ihre Zustimmung. Erst am Ende der vergangenen Woche ist der Präsident eingeknickt und hat einem vom Kongress vorgelegten Überbrückungshaushalt zugestimmt. Die wesentlichen Gründe hierfür dürften sicher die finanzielle Not einiger Bundesangestellte, die während des Shutdowns keine Gehälter ausgezahlt bekamen, und auch zunehmende Sicherheitsrisiken gewesen sein. Der Lösung des ursprünglichen Konfliktes ist…

SPF – Abwärtsrevision BIP- und Inflationsausblick

Heute Vormittag hat die EZB das Ergebnis der jüngsten Umfrage unter professionellen Marktbeobachtern zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung in der Eurozone veröffentlicht. Dem Survey of Professional Forecasters (SPF) zufolge haben sich die Konjunkturaussichten für die Eurozone für das laufende und das kommende Jahr eingetrübt. So wurde der BIP-Ausblick für 2019 auf 1,5% (1,8%) und für 2020 auf 1,5% (1,6%) nach unten revidiert. Im Zuge dieses SPF-Surveys haben die Umfrageteilnehmer erstmals eine Wachstumsprognose für das Jahr 2021 abgegeben. Für diesen Zeithorizont rechnen die Marktbeobachter mit einer weiter an Schwung verlierenden Wirtschaftsentwicklung (1,4%). Im Vergleich zu den aktuellen EZB-Stabsprojektionen unterstellt der SPF-Survey insbesondere für das laufende und kommende Jahr eine schwächere konjunkturelle Dynamik (siehe Tabelle unten). Inflationsrate verharrt auf Sicht der kommenden Jahre unterhalb des EZB-Ziels Hinsichtlich der Aussichten für die Teuerungsentwicklung deutet die SPF-Umfrage auf eine zwar allmählich steigende, aber mittelfristig weiter unterhalb des EZB-Zielwertes von 2,0% verharrende Inflationsrate hin. EZB-Stabsprojektionen: Abwärtsrevision…

Dividendenrenditen so attraktiv wie selten zuvor

Die Aktienkurse verzeichneten in den letzten Monaten weitaus stärkere Rückgänge als die erwarteten Dividendenzahlungen. Folglich sind die Dividendenrenditen erheblich angestiegen. DAX und Euro Stoxx 50 versprechen 3,7% beziehungsweise 4,3%, was deutlich über den historischen Werten liegt. Gleichzeitig sind die Renditen am Anleihemarkt in den letzten Monaten stark gefallen. Der Renditeaufschlag der DAX-Dividenden gegenüber zehnjährigen deutschen Staatsanleihen hat dadurch einen neuen Rekordwert erreicht und beträgt satte 3,1 Prozentpunkte. Dividenden sind also attraktiv – sowohl absolut als auch relativ. Insgesamt sind die Aktienmärkte versöhnlich in das neue Jahr gestartet und liegen deutlich im Plus. An der Gemengelage hat sich allerdings nichts geändert: Die politischen Unsicherheiten sind weiterhin in Vielzahl und Größe vorhanden. Lediglich wagt der Markt – nachdem sich unser Börsenbarometer zum Jahresende tief in den negativen Bereich gebohrt hatte – nun auch wieder einen Blick auf positive Nachrichten. Wem die hohe Volatilität an den Märkten ungeheuerlich ist, wer nicht jeden Tag…

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