Konjunktur

Deutschland muss mehr Geld ausgeben – kann aber nicht

Deutschland soll mehr Geld ausgeben. Das ist kurzgefasst die Forderung von IWF und OECD. Es sollen die Staatsausgaben steigen, um die Infrastruktur zu verbessern und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit. Zurzeit ist die Notwendigkeit für diese Maßnahmen aber nicht unmittelbar sichtbar. So ist Deutschland im Standortranking des World Economic Forum in 2018 um 3 Plätze auf dem 3 Platz gestiegen. Es scheint also weitere Gründe für diese Forderungen zu geben, vor allem die Sorge um die Wachstumsaussichten für Deutschland. Ein wichtiger Hintergrund für diese immer vehementer vorgetragene Forderung dürften die schwindenden Handlungsspielräume der Zentralbanken sein und hier insbesondere der EZB. Die amerikanische Notenbank ist zurzeit die einzige große Notenbank, die problemlos stärkere Konjunkturimpulse geben könnte. Damit bekommen fiskalpolitische Maßnahmen eine merklich höhere Bedeutung, um der aktuellen Wachstumsverlangsamung zu begegnen. Deutschland hat auf den ersten Blick den dafür notwendigen fiskalpolitischen Spielraum. Die Staatsverschuldung Deutschlands hat sich in den letzten 5 Jahren spürbar…

Übertriebene Rezessionsängste

Die globale Konjunkturdynamik wird schwächer. Die Geschwindigkeiten sind dabei unterschiedlich, aber die Richtung ist in allen Ländern die gleiche. Natürlich kommen damit auch sofort Ängste vor einer globalen Rezession auf. Aber man sollte das Kind nun nicht mit dem Bade ausschütten. So schlimm ist die Lage aus meiner Sicht nicht. Die Rezessionsängste finden zurzeit in der US-amerikanischen Renditestruktur eine gewichtige Untermauerung. Die US-Staatsanleihekurve zwischen drei Monaten und zehn Jahren Laufzeit hat sich kürzlich invertiert. Dies war in der Vergangenheit ein oft treffsicherer Indikator für eine nahende Rezession in den USA. An den Finanzmärkten ist der Satz „Diesmal ist alles anders“ nicht ungefährlich. Aber es spricht einiges dafür, dass die Renditestruktur tatsächlich an Aussagekraft verloren hat. Hintergrund ist, dass die US Notenbank ihre Reaktionsfunktion in den letzten Monaten spürbar modifiziert hat und nun mehr auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten achtet. Inflation und Wachstumsindikatoren haben dagegen etwas an Bedeutung verloren. Die…

Industrie im Euroraum weiterhin im Rückwärtsgang

Die Stabilisierung des Konjunkturausblicks für den Euro-Raum, die sich seit Beginn des Jahres 2019 angedeutet hat, wird durch die anhaltenden Belastungen im Industriesektor gefährdet. Das zeigt die aktuelle Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK. Unser konjunktureller Frühindikator ist im März wieder um 0,2 Prozent gesunken, nachdem er sich in Januar und Februar 2019 leicht erholen konnte. Während sich fast die Hälfte der Einzelindikatoren, die in die Berechnung des Euro-Indikators eingehen, im abgelaufenen Monat zumindest leicht positiv entwickelten, gab es aus dem Industriebereich einen deutlich negativen Beitrag. Besonders ungünstig wirkte sich die Stimmungsverschlechterung unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe aus. Denn gemäß Markit-Umfrage verzeichnete der EWU-Industriesektor im März die stärksten Geschäftseinbußen seit knapp sechs Jahren. Zudem sind auch die Produktionserwaetungen im verarbeiteten Gewerbe zum vierten Mal in Folge gefallen. Eine eher optimistische Stimmung herrscht dagegen weiterhin bei den privaten Haushalten vor. Zwar sehen auch sie den Konjunkturausblick nicht mehr ganz so…

Starke Exportabhängigkeit wird auch in Japan zum Problem

Die Stimmung der japanischen Unternehmen hat im ersten Quartal des Jahres stark gelitten. Der vierteljährliche Umfrageindex der Bank of Japan (Tankan-Index) ist zuletzt auf ganzer Linie eingeknickt. Bei den großen exportorientierten Industrieunternehmen sank die Beurteilung der aktuellen Lage von 19 auf nur noch 12 Punkte. Das war schwächer als allgemein erwartet worden war und der tiefste Wert seit zwei Jahren. Bei den großen Dienstleistern sank der Index von 24 auf 21 Punkte. Bezogen auf alle Unternehmen (alle Sektoren und alle Größenklassen) ging der Tankan von 16 auf 12 Punkte zurück. Mehrere Faktoren dürften zum Stimmungseinbruch geführt haben: Erstens hat sich durch den Handelsstreit der USA mit China auch das Umfeld für Japans Exporte deutlich getrübt. Japan liefert viele Vorprodukte für Chinas Exportindustrie und ist so von deren Einbußen im US-Geschäft mit betroffen. Zweitens ist auch – unabhängig von Handelskonflikten – die Weltwirtschaft nun in eine Phase schwächeren Wachstums eingetreten, was…

Ostereffekt drückt Inflationsrate im Euro-Raum leicht auf 1,4 Prozent

Die Inflationsrate im Euro-Raum hat sich im März kaum bewegt. Nach der vorläufigen Berechnung von Eurostat fielen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,4 Prozent höher aus. Im Vormonat belief sich die jährliche Rate noch auf 1,5 Prozent. Der leicht geringere Preisdruck geht dabei auf die Dienstleistungen zurück. Dies dürfte an dem vergleichsweise späten Termin für das Osterfest am 21. April in diesem Jahr liegen. Deutlich wird dies auch an der Kernrate, die die volatileren Elemente der Nahrungs- und Energiepreise ausklammert. Sie sank um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Im vergangenen Jahr lag Ostern am 1. April. Dementsprechend begannen die Osterferien im letzten Jahr zu großen Teilen schon im März. Die Preise im Hotel- und Übernachtungsbereich sowie für Transportdienstleistungen fielen im März 2018 dementsprechend höher aus. Dies bremste dann den Preisauftrieb bei den Dienstleistungspreisen im März 2019. Das bedeutet aber auch, dass im April 2019 bei den Dienstleistungspreisen ein entsprechender…

China: Industrie schöpft Hoffnung

Erstmals seit vier Monaten liegen die beiden Einkaufsmanagerindizes für die chinesische Industrie wieder oberhalb der 50-Punkte-Marke. Beide Stimmungsindikatoren sind im März gegenüber dem Vormonat deutlich angestiegen. Der sog. „offizielle“ Index des chinesischen Statistikamts war im Februar noch auf ein Dreijahrestief von 49,2 Punkte gefallen, nun notiert er bei 50,5 Zählern. Der „inoffizielle“ Index des privaten Analysehauses IHS Markit hatte den Tiefpunkt schon im Januar bei 48,3 Punkten erreicht, aktuell steht er bei 50,8 Punkten. Zeichnet sich damit eine Erholung in der chinesischen Industrie ab? Sicherlich ist eine gewisse Vorsicht geboten: Gerade zum Jahresbeginn rund um das chinesische Neujahrsfest weisen die beiden Stimmungsindikatoren stets eine höhere Volatilität auf. Ein erneuter Rückschlag im laufenden Monat wäre daher keine Überraschung. Auch dürfte die Hoffnung, dass der US-chinesische Zollstreit letztlich glimpflich ausgeht, wesentlich zur Stimmungsaufhellung beigetragen haben. Immerhin ist die befürchtete Eskalation Anfang März ausgeblieben. Allerdings dringt aus den laufenden Gesprächen auch wenig Greifbares,…

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