Konjunktur

Japans Regierungschef Abe zieht sich zurück

Japans Premier Shinzo Abe hat aus gesundheitlichen Gründen seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Mit Abe wird ein Politiker gehen, der große Spuren hinterlässt und der in der japanischen Politik vor allem für mehr Stabilität und Berechenbarkeit gesorgt hat. Seine „Abenomics“, also der Mix aus extrem lockerer Geldpolitik und expansiver (schuldenfinanzierter) Fiskalpolitik, verbunden mit zahlreichen Reformversprechen, hat seine knapp achtjährige Regierungszeit geprägt. Und sie dürfte die Grundrichtung der Wirtschaftspolitik bis zur nächsten Parlamentswahl in einem Jahr und wohl darüber hinaus weiter vorgeben. Zwar fällt die Bilanz der Abenomics bestenfalls gemischt aus, denn Japans Wirtschaftswachstum konnte eigentlich nur in der ersten Hälfte von Abes Amtszeit merklich beschleunigt werden. Vor allem nachhaltige Strukturreformen für die Wirtschaft sind in enttäuschender Weise zu kurz gekommen. Aber seine Politik hat Japan aus der Dauerdeflation herausgebracht. Negative Preisänderungsraten gab es dort zuletzt im Sommerhalbjahr 2016. Allerdings hat sich bisher auch noch kein wirklich dynamischer Inflationstrend durchsetzen können, das…

Erhebt da etwa jemand sein hässliches Haupt?

Die Inflation ist das Schreckgespenst der Finanzinvestoren. Insbesondere wer am Anleihemarkt sein Brot verdient, kann sich an frühere Crash-Phasen erinnern, die in kurzer Zeit die Kursgewinne von vielen Jahren ausgelöscht haben. Ausgelöst wurden diese Kurseinbrüche eigentlich immer durch Zinsanhebungen der Notenbanken, die wiederum auf steigende Inflationsraten oder -erwartungen reagiert haben. Wir leben heute in Zeiten extrem niedriger Zinsen, die Geldpolitik ist so expansiv wie nie zuvor. Frische Liquidität, die die Notenbanken zur Kursstützung in die Märkte pumpen, sorgen für ein extremes Umfeld. Anleger sind auf der Suche nach Rendite, und die ist immer schwerer zu finden. Rentenmarkt, Aktienmarkt, Immobilien, Edelmetalle – wohin man schaut sind die Notierungen extrem hoch. Die größte Gefahr wäre ein Ende der expansiven Geldpolitik und ein Umschalten der Notenbanken auf einen restriktiven Kurs. Dies könnte wohl nur durch einen plötzlichen und nachhaltigen Anstieg der Inflationsraten ausgelöst werden. Bis jetzt ist dieser Anstieg nicht in Sicht, auch…

Zombie-Unternehmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Die Diskussion um sogenannte „Zombie-Unternehmen“ hat in den letzten Tagen wegen stark rückläufiger Insolvenzmeldungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Die aktuelle Entwicklung der Insolvenzmeldungen spiegelt nämlich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise nicht wider. Während die Wirtschaft in eine tiefe Rezession gerutscht ist, sinkt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen und zwar mit zunehmender Dynamik. Im Mai lagen die Insolvenzmeldungen um fast 10% unter ihrem Vorjahreswert, im Juli betrug der Rückgang nach experimentellen Daten des Statistischen Bundesamtes sogar mehr als 29%. Diese Entwicklung ist allein auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zurückzuführen, die vorerst noch bis zum 30. September gilt. Mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sollen Unternehmen geschützt werden, die aufgrund von in der Corona-Krise weggebrochener Einnahmen zahlungsunfähig geworden wären, obwohl sie eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig sind. Das wäre grundsätzlich eine hilfreiche Maßnahme. Von der Krise betroffen sind schließlich auch viele junge sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die (noch) keine ausreichenden Rücklagen für eine derartige Krise…

ifo-Geschäftsklima: Breite Erholung bei deutschen Unternehmen

Die wirtschaftliche Erholung, die mit den ersten Lockerungen im Mai begonnen hat, setzt sich auch in den Sommermonaten fort. Die deutschen Unternehmen schätzen ihre Lage im August im Durchschnitt besser ein als in den Vormonaten, und auch ihre Geschäftserwartungen sind gemäß aktueller ifo-Umfrage bereits zum vierten Mal in Folge angestiegen. Besonders auffällig ist, dass die Erwartungen insgesamt so positiv sind wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. In den meisten Branchen macht sich also wieder Optimismus breit, sogar in der zuletzt heftig gebeutelten Industrie. Nur im Handel bleiben die Erwartungen der ifo-Umfrage zu Folge weiter pessimistisch. Hier dürfte die Angst vor einer zweiten Corona-Welle und neuen Einschränkungen in den letzten Wochen stärker geworden sein. Auch in der Bauwirtschaft bleibt der Ausblick eher verhalten. Hier allerdings – anders als beim Handel – ausgehend von einem sehr hohen Produktionsniveau. Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen immer noch schwach ein, auch wenn sich…

Auch Notenbanken haben Grenzen

Auch für Notenbanken gibt es Grenzen. Die Leitzinsen können nicht beliebig gesenkt werden, da negative Zinsen den Anreiz erhöhen, Bargeld zu horten und die Kreditvergabe schwächen. Tieringsysteme und Krypto-Währungen bieten hier einen Ausweg und können diese Grenze nach unten verschieben. In den zurückliegenden Jahren haben die Notenbanken den geldpolitischen Stimulus zusehends ausgeweitet und die Zinsen auf Null Prozent und teilweise sogar in den negativen Bereich gesenkt. Die Möglichkeit, den Leitzins unter die Nullprozent-Schwelle zu senken, stärkt nach Ansicht der Verfechter einer negativen Leitzinspolitik (NIRP) den geldpolitischen Transmissionsprozess. Im Vergleich zu einer „regulären“ Leitzinssenkung könne durch den Vorstoß in den negativen Bereich der geldpolitische Impuls seine Wirkung über zusätzliche Transmissionskanäle entfalten. Negative Leitzinsen sind allerdings kein Allheilmittel und nicht frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Eine Studie von Brunnermeier und Koby („The Reversal Interest Rate“) hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dabei insbesondere die Auswirkungen der NIRP auf die Kreditvergabe der Banken…

Inflation ist nicht zurück

Es gibt insgesamt wenig Zweifel darüber, dass die großen Notenbanken die etablierte expansive Notenbankpolitik in den kommenden Jahren kaum ändern werden. Die niedrigen Zinsen und Renditen dürften uns also erhalten bleiben. Ein Grundpfeiler für diese Annahme ist der sehr moderater Inflationsausblick in eigentlich allen relevanten Industrieländern. Dieser Ausblick dürfte durch den aktuellen Anstieg der Inflation nicht verändert werden. Der Anstieg der Konsumentenpreise ging in den letzten Monaten auf einige Sonderfaktoren zurück, die nicht zu einem anhaltenden Anstieg der Inflationsdynamik führen sollten. So waren fehlende oder weniger als üblich ausgeprägte Sommerschlussverkäufe ein wichtiger Faktor. Außerdem wurde höhere Kosten, die auf die Corona-Pandemie zurückgehen, verstärkt weitergegeben. Angesicht der schwachen Nachfrage dürften die Preiserhöhungsspielräume aber begrenzt sein. Daher ist damit zu rechnen, dass die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten wieder abflacht. Nur in Deutschland kann man im kommenden Jahr, in Folge der Normalisierung der Mehrwertsteuer, mit einer höheren Teuerungsrate rechnen. Bei einer weiter…

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