Konjunktur

China: Kräftiger Außenhandel unterstreicht Konjunkturerholung

Längst ist China zurück auf Wachstumskurs. Dass die schnelle wirtschaftliche Erholung nach dem tiefen Corona-Einbruch Anfang des Jahres nicht nur von den üblichen staatlichen Konjunkturstimuli getragen wurde, sondern sich auch auf eine hohe Nachfrage aus dem Ausland stützen konnte und kann, haben die aktuellen Außenhandelszahlen aus der Volksrepublik wieder eindrucksvoll bewiesen. Trotz der globalen Rezession konnte Chinas Exportindustrie im September rund 10 Prozent mehr Waren auf seinen Auslandsmärkten absetzen als im vergangenen Jahr. Bemerkenswert ist, dass China bei seinem immer noch wichtigsten Abnehmer, den USA, in den vergangenen Monaten hohe Absatzerfolge verzeichnen konnte, obwohl die im Handelsstreit eingeführten Importzölle weiterhin in Kraft sind. Längst ist der Anteil chinesischer Produkte an den Gesamtimporten der Amerikaner wieder so hoch wie vor Ausbruch des Zollstreits. Auch auf anderen Absatzmärkten konnten die Chinesen Marktanteile hinzugewinnen, in Australien oder Frankreich beispielsweise, wo die Nachfrage nach chinesischen Waren bis zuletzt hoch war. Profitiert hat die chinesische…

Deutschland mit Nachholbedarf bei Investitionen in Software und Datenbanken

Der internationale Erfolg der Digitalisierung spiegelt sich vor allem in den Investitionen in Software und Datenbanken, aber auch in den Investitionen für Forschung und Entwicklung (F&E) wider. Seit den neunziger Jahren wuchsen die Investitionen in diesen beiden Segmenten auch in Deutschland überdurchschnittlich und erwiesen sich dabei als relativ krisenresistent, ganz im Gegensatz zu den Ausrüstungsinvestitionen. Im zweiten Quartal 2020, also mitten in der Corona-Krise, konnten sie zusammengenommen sogar gegenüber dem Vorquartal zulegen, als einzige Komponente des deutschen Bruttoinlandsprodukts neben dem Staatskonsum. Im internationalen Vergleich sind in Deutschland zwar die Investitionen in F&E von überdurchschnittlicher Bedeutung für das Bruttoinlandsprodukt. In vielen anderen Ländern spielen Investitionen in Software und Datenbanken aber eine weitaus größere Rolle als in Deutschland. Gegenüber den Vereinigten Staaten, aber auch etwa gegenüber Großbritannien hat Deutschland hier trotz der durchaus positiven Entwicklung der vergangenen Jahre immer noch einen beträchtlichen Nachholbedarf. Ein wesentlicher Grund für den starken Nachholbedarf ist die…

USA: Inflationserwartung bleibt gedämpft

Corona-Pandemie und Lockdown: Die Inflationsrate in den USA ist deshalb im Frühjahr auf Talfahrt gegangen. Von über 2 Prozent zu Jahresbeginn 2020 ging es ab März steil bergab, erst im Mai fand sie knapp über der Nulllinie halt. Über den Sommer kletterten die Preise aber wieder ein gutes Stück nach oben. Im August lagen die Verbraucherpreise durchschnittlich 1,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Ungeachtet dessen will die Notenbank auf längere Zeit an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik festhalten. Setzt die Inflationsrate den Aufstieg in größeren Schritten fort? Wir sehen zumindest kurz- bis mittelfristig dafür keinen Grund. Zunächst: Die Preisentwicklung über die Sommermonate war vor allem Sondereffekten geschuldet. Der Rohölpreis hatte sich zwischenzeitlich ein gutes Stück erholt und zuvor gewährte Rabatte für Dienstleistungen und Güter wurden nach der Lockerung von Corona-Restriktionen zum Teil zurückgenommen. Diese „Normalisierung“ des Preisniveaus ist mittlerweile aber weit fortgeschritten und der Rohölpreis rutschte zuletzt wieder etwas tiefer, weil die Nachfrage…

Frühindikator für EWU-Konjunktur steigt zum fünften Mal in Folge

Im April 2020 – und damit zum Höhepunkt des Corona-Shutdown in Europa – war der DZ BANK Euro-Indikator auf den tiefsten Wert seit Mai 2009 gefallen. Seitdem hat sich unser Frühindikator für die EWU-Wirtschaftsentwicklung aber bereits kräftig erholt – es ging seit Mai fünf Mal in Folge aufwärts. Im September 2020 stieg der Euro-Indikator um 0,8 Prozent im Vergleich zum August und lag mit einem Niveau von 97,9 Punkten nur noch 0,6 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Im abgelaufenen Monat waren es vor allem die Kennzahlen aus dem Industriebereich sowie die extrem expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die zum Anstieg des Euro-Indikators beigetragen haben. So melden die Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe bereits seit Juli wieder steigende Auftragseingänge, auch im September hat sich die Situation weiter verbessert. Dennoch konnten in den letzten drei Monaten erst rund zwei Drittel des Order-Rückgangs aus dem Frühsommer aufgeholt werden. Auch die Stimmung unter den…

Notenbanken in Emerging Markets machen sich Gedanken

Während es bei der Geldpolitik in den Industrieländern im Wesentlichen nur darum geht, wer seine Zinsen länger bei null, oder tiefer hält, ist die Welt der Emerging Markets deutlich vielfältiger. Zum einen sind hier die Zinsen meist noch erkennbar oberhalb der Nulllinie, und zum anderen hat zuletzt mit der türkischen Notenbank sogar ein Währungshüter die Zinsen angehoben. Im Falle der Türkei war dies wohl auch überfällig, drohte hier doch der Preisauftrieb deutlich davonzulaufen. Bei Inflationsraten von hartnäckig über 10% (J/J) und zuletzt 11,8%, ließ sich der Leitzins von 8,25% nicht durchhalten und selbst die jüngste Anhebung auf 10,25% sollte nicht ausreichen, den Preisauftrieb in die Nähe der Zielmarke von 5,0% zu drücken. Hierfür sind noch stärkere Geschütze notwendig. Im Universum unserer Währungsanalysen ragt die Türkei mit einer massiven Verfehlung ihres Inflationsziels zwar klar heraus, deutliche Währungsverluste, die zu einem beschleunigten Preisauftrieb führen könnten, sind aber keine Seltenheit. Entsprechend lohnt ein…

USA: Aufholprozess am Arbeitsmarkt kommt noch gut voran, Herausforderungen bleiben aber

Ein Monat vor den Präsidentschaftswahlen unterstreichen die jüngsten Daten vorm Arbeitsmarkt die kräftige Erholung der US-Wirtschaft im dritten Quartal. So sank die Zahl der Arbeitslosen im September erneut spürbar, gegenüber dem Vormonat um gut 1 Mio. Personen. Daher machte die Arbeitslosenquote wiederholt einen deutlichen Satz nach unten: Sie sank von 8,4 auf 7,9 Prozent. Auch das Plus bei der Beschäftigung fiel mit rund 661.000 Personen ordentlich aus, auch wenn viele Beobachter mit einer höheren Zahl gerechnet hatten. Besonders die Dienstleister stockten ihr Personal auf. Gerade der Einzelhandel sowie Unternehmen des Beherbergungs- und Freizeitsektors stellten neue Mitarbeiter ein. Dabei dürfte es sich weiterhin vor allem um eine „Normalisierung“ handeln, da diese Bereiche besonders stark unter den strengen Corona-Restriktionen litten, und deshalb im Frühjahr einen großen Teil ihrer Belegschaft entlassen hatten. Die Erholung am Arbeitsmarkt dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzten. Allerdings wird die Wirtschaft das hohe Wachstumstempo vom Sommer…

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