Konjunktur

Deutsche Industrie: Wirklich so schwach?

Die „harten“ Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie, die in den letzten Tagen veröffentlicht worden sind, waren schon fast schockierend schwach. Demnach sind die Auftragseingänge im Dezember letzten Jahres im Vergleich zum Vormonat nochmals um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Sie lagen damit zum Jahresende 2019 um fast neun Prozent niedriger als Ende 2018. Die Produktionsergebnisse fielen sogar noch schlechter aus: Zum Jahresschluss sank der Output im gesamten Produzierenden Gewerbe im Vormonatsvergleich um 3,5 Prozent, wobei das Minus in der Industrie bei 2,5 Prozent und im Baugewerbe bei fast neun Prozent gelegen hat. Diese Zahlen haben auch deswegen so enttäuscht, weil die Stimmungsindikatoren der letzten Wochen eigentlich den Eindruck einer Stabilisierung der Industriekonjunktur erweckt hatten. So hatte das Geschäftsklima unter den Einkaufsmanagern bereits im September letzten Jahres seinen Tiefpunkt erreicht und sich seitdem wieder etwas gefangen, und auch die von ifo-Institut ermittelten Exporterwartungen des verarbeitenden Gewerbes schienen sich zumindest stabilisiert zu…

US-Vorwahl in Iowa: Ein Erfolg für einen finanzpolitisch gemäßigten Außenseiter

Mit Spannung wurde die erste Vorwahl für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber erwartet. Durch einige technische Pannen hat die Bekanntgabe der Ergebnisse dann eine schon fast peinliche Dramaturgie erhalten. Rein rechnerisch hat dieser Bundesstaat für die erst im Juli anstehende Nominierung zum offiziellen Gegenkandidaten zwar nur eine recht geringe Bedeutung. Dennoch haben die Demokraten in der Vergangenheit meistens den Iowa-Sieger zum Präsidentschaftskandidaten gekürt. Hinzu kommt noch der positive Schub, den das Gewinner-Team für den (Vor-)Wahlmarathon in den kommenden Wochen und vor allem für den „Super-Tuesday“ am 3. März erhält. An dem Tag wird allein in 15 Bundesstaaten abgestimmt, darunter befinden sich auch die beiden Schwergewichte Kalifornien und Texas. Aber wie ist das Ergebnis zu bewerten, das sich inzwischen abzeichnet? Der Newcomer Pete Buttigieg hat dem Sozialisten Bernie Sanders den Spitzenplatz wohl knapp streitig gemacht. Der vergleichsweise junge Afghanistan-Veteran hat damit überraschend gut abgeschnitten. Da sein Wahlkampf sich aber sehr stark auf Iowa konzentriert…

Euro-Raum: Frankreich und Italien belasten Wachstum in Q4

Die konjunkturelle Dynamik des Euro-Raums hat sich im Schlussquartal 2019 verlangsamt. Gemäß der ersten Schnellschätzung legte das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem dritten Quartal nur um 0,1 Prozent zu. Zwischen August und Oktober lag die Zuwachsrate noch bei 0,3. Für das Gesamtjahr 2019 beläuft sich damit das Wirtschaftswachstum des Währungsgebiets auf 1,2 Prozent, nach 1,9 Prozent in 2018. Die Verlangsamung kommt etwas unerwartet, hatten sich doch Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes oder das Wirtschaftsvertrauen im Quartalsverlauf stabilisiert. Auf Länderebene waren es gemäß den ersten Berechnungen vor allem die ökonomischen Schwergewichte Frankreich und Italien, die mit negativen Zuwachsraten von 0,1 bzw. 0,3 Prozent das Gesamtergebnis für den Euro-Raum im Schlussquartal gedrückt haben. In Spanien, Belgien und Österreich wurden dagegen positive Zuwächse verzeichnet. Für das deutsche Bruttoinlandsprodukt wurden noch keine Quartalsergebnisse veröffentlicht. Der bisher vorliegende Datenkranz weist aber darauf hin, dass im vierten Quartal 2019 das deutsche Wirtschaftswachstum ebenfalls positiv ausgefallen ist und das Ergebnis…

Die Welt hat Grippe

Die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung des chinesischen Coronavirus hat die Medien und die Finanzmärkte fest im Griff. Das schnelle und vehemente Handeln der chinesischen Regierung und die nun anlaufenden Reaktionen auch in den übrigen betroffenen Ländern dürften allerdings das Risiko einer weltweiten Pandemie begrenzen. Natürlich kann niemand ausschließen, dass der Erreger mutiert und sich ungünstig entwickelt, aber diese Gefahr besteht eigentlich immer. Falls es zu einer ernsthaften Pandemie kommen sollte, wären die wirtschaftlichen Folgen sicherlich sehr einschneidend, da es den Hauptnerv der vernetzten globalen Wirtschaft treffen würde. Der bisherige und der weiter erwartete Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus deutet bislang nicht darauf hin, dass man mit nachhaltigen realwirtschaftlichen Folgen rechnen muss. Dennoch dürften sich die wirtschaftlichen Frühindikatoren in den kommenden Wochen verschlechtern. Dabei ist die Betroffenheit der europäischen Unternehmen vor allem von ihrer Exponiertheit im Hinblick auf den chinesischen Markt abhängig. So erwirtschaften etwa die großen Luxusgüterhersteller hohe Umsatzanteile…

Österreich: Wirtschaft muss vorerst ohne Schützenhilfe auskommen

Die neue türkis-grüne Koalition in Österreich hat bei einer Regierungsklausur die versprochenen Steuersenkungen konkretisiert. Das ist begrüßenswert. Denn die Wirtschaft nahm zum Jahresende 2019 nur leicht Fahrt auf und die konjunkturelle Dynamik blieb insgesamt niedrig. So betrug das Wirtschaftswachstum nach der ersten Schätzung im Schlussquartal 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nach jeweils mageren 0,1 Prozent in den beiden vorangegangenen Quartalen. Die Schwäche der Wirtschaft wird nach wie vor allem voran vom Industriesektor verursacht. Die geplanten Senkungen der Einkommen- und Körperschaftsteuer hätten sicherlich das Potenzial dazu, der lahmenden Wirtschaft einen Schub geben. Leider werden die Maßnahmen aber nur stufenweise umgesetzt, beginnend erst ab dem Jahr 2021. Dann wird zumindest der erste Grenzsteuersatz in der Einkommensteuer von 25 auf 20 Prozent gesenkt. Bis dahin muss die Wirtschaft also ohne Schützenhilfe auskommen. Wir rechnen daher vorerst nicht mit einer raschen Beschleunigung der Konjunkturdynamik. Die vielen internationalen politischen und wirtschaftlichen Risiken sorgen weiterhin für…

Es läuft für Italien und Griechenland

Die Götter zeigen sich den Regierenden in Athen und Rom gegenüber derzeit gnädig gestimmt. Bei den Regionalwahlen in Emilia-Romagna blieb der befürchtete Rechtsruck aus. Die sozialdemokratische PD wird auch in Zukunft den Regionalpräsidenten stellen. Ihr Kandidat, Bonaccini, erhielt 51,4% der Stimmen, wohingegen die Kandidatin der Lega, Borgonzoni, nur auf 43,6% der Stimmen kam. Auch bei der Wahl zum Regionalparlament liegt Mitte-links vor den Rechtspopulisten. Einen rabenschwarzen Tag erwischte hingegen die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), deren Kandidat im Zweikampf der beiden anderen Parteien mit 3,4% Zustimmung nahezu unterging. Trotz der Niederlage der M5S ist das gestrige Ergebnis als Sieg der Regierungsparteien in Rom zu werten, wohingegen der Höhenflug der Lega damit erst einmal einen Dämpfer erlitt. Entsprechend positiv reagierten heute Morgen auch die Anleger. Renditen 10-jährige Staatsanleihen sanken um bis zu 20 Basispunkte, der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen fiel unter die Marke von 140 Basispunkten. Der Optimismus fußt auf der Annahme, dass die Gefahr…

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