Konjunktur

Stimmung in der europäischen Wirtschaft hat sich kräftig eingetrübt

Das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsklima (ESI) hat sich im August deutlich eingetrübt. Für den Euro-Raum sank das Klima von 103 Punkten im Vormonat auf 98,3 Punkte – dies war der stärkste Rückgang seit zweieinhalb Jahren. Bis auf den Bausektor, der sich seit nunmehr drei Jahren in einem Stimmungstief befindet, trübte sich in allen Wirtschaftssektoren das Klima ein. Das Industrieklima notiert trotz seines fünften Rückgangs in Folge allerdings immer noch oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Verantwortlich für die Verschlechterung in diesem Wirtschaftssektor waren eine schlechtere Auftragslage und damit verbundene schlechtere Produktionserwartungen.

Fiskalpolitik: Der Finanzmarkt gibt die Richtung vor

Die Staatsschuldenkrise und schwache Wirtschaftsindikatoren sorgen für große Nervosität an den Finanzmärkten, und sie drängen die Politik vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten dazu, endlich nachhaltige Konsolidierungsprogramme in Angriff zu nehmen. Nach den kleineren EWU-Ländern haben unter dem Druck der Ereignisse nun auch Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten umfassende Konsolidierungsprogramme beschlossen oder zumindest in Aussicht gestellt.

Konjunktur: Schwaches Frühjahrsquartal

Die wirtschaftliche Dynamik hat sich im zweiten Quartal in den Ländern des Euro-Raums deutlich verlangsamt – dabei fungierte Deutschland erstmals seit zwei Jahren nicht als konjunktureller Tempomacher in der Währungsunion. Fast überall dürfte vor allem der private Konsum die Erholung deutlich belastet haben. Während in Frankreich die Autoverkäufe mit dem Ende der Abwrackprämie einbrachen, hat in Deutschland anscheinend die EHEC-Krise ihre Spuren hinterlassen.

Politik, Vertrauen und Finanzmärkte

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten in der letzten Woche, hauptsächlich sichtbar an den Aktienmärkten, deutet auf einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Politik. Zwar wurden im Vorfeld Wachstumssorgen durch die schwachen US-Wirtschaftsdaten verstärkt, aber der Downgrade der USA durch die Ratingagentur S&P hat vor allem die europäische Schuldenkrise wieder in den Brennpunkt des Interesses gestellt. Die europäische Reaktion ist seit den Beschlüssen vom 21. Juli bekannt, aber eine Vielzahl von darauf folgenden Kommentaren ließ offensichtlich werden, dass der europäischen Politik eine klare Vision fehlt. Insbesondere der Eindruck, dass die Währungsunion in Richtung einer ungesteuerten Transferunion stolpert, anstatt an den dafür notwendigen Regeln zu arbeiten, scheint zu dem Vertrauensverlust beizutragen.

USA: Ein kleiner Hoffnungsschimmer vom Arbeitsmarkt

Die Zahl der Beschäftigten in den USA ist im Juli um 117 Tsd. angestiegen. Die niedrige Zahl vom Vormonat wurde von +18 Tsd. auf +47 Tsd. nach oben revidiert. Positiv zu bemerken ist, dass der private Sektor im Juli per Saldo immerhin 154 Tsd. neue Stellen geschaffen hat. Im Juni waren es nur rund halb so viel. Im öffentlichen Sektor gingen dagegen erneut viele Stellen (-37 Tsd.) verloren, was angesichts der Sparzwänge in Washington und bei den Einzelstaaten nicht verwundern kann. 

USA: Schuldenkompromiss in letzter Minute

Mit der Einigung zur Erhöhung der Schuldenobergrenze für die US-Regierung ist ein wichtiger Unsicherheits- und Risikofaktor vorerst aus der Welt geräumt worden, nämlich die drohende teilweise Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung. Auch das AAA-Rating kann wohl vorerst beibehalten werden. Von daher ist am Ende das Drama im US-Kongress gut ausgegangen. Es ist sicher auch positiv zu bewerten, dass die Anhebung der Obergrenze in zwei Schritten ausreichen wird, um vor den nächsten Präsidentschafts- und Kongresswahlen im November 2012 keine erneute Entscheidung treffen zu müssen und man mit diesem Thema damit erst einmal „Ruhe“ hat. Auch dies sollte einen beruhigenden Effekt für die Märkte haben.

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