Konjunktur

Rückschlag am US-Arbeitsmarkt

Nach den deutlich besser als erwarteten Arbeitsmarktzahlen der Jobvermittungsfirma ADP, die für Juni 157 Tsd. neue Beschäftigungsverhältnisse im Privaten Sektor meldete, waren die Erwartungen auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der USA hoch gespannt. Vielerorts wurde sogar schon die langersehnte „Wende“ am US-Arbeitsmarkt prophezeit, mit diesmal deutlich mehr als 100 Tsd. neuen Stellen. Die nun veröffentlichten offiziellen Juni-Zahlen haben die hohen Erwartungen nicht erfüllen können, ja müssen sogar als „garstige“ Negativ-Überraschung gelten: Nur +18 Tsd. neue Non-Farm Payrolls! Zwar gab es 57 Tsd. neue Stellen im Privaten Sektor, aber auch weiteren Arbeitsplatzabbau im Bausektor und, besonders gravierend, beim Staat, der zuletzt immerhin 39 Tsd. Bedienstete freisetzte.

Steuersenkung trotz neuer Schulden?

Das Bundeskabinett hat heute den Haushaltsentwurf für das Jahr 2012 und die mittelfristige Finanzplanung bis 2015 beschlossen. Finanzminister Schäuble plant im kommenden Jahr mit Ausgaben von 306 Mrd. Euro, von denen gut 27 Mrd. Euro über Kredite finanziert werden sollen. Damit liegt die Neuverschuldung etwas niedriger als in diesem Jahr, wo mit rund 30 Mrd. Euro an neuen Krediten zu rechnen ist.

Industrievertrauen fast überall auf dem Rückzug

Die Weltkonjunktur geht derzeit durch eine Phase schwächeren Wachstums, das zeigen auch die Stimmungsindikatoren aus dem Industriesektor. Die neuesten Umfragen unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe lieferten in den großen Wirtschaftsregionen ein gemischtes Bild. So ist im Industriesektor des Euro-Raumes eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Dank der wachstumsstärkeren großen Mitgliedsländer Deutschland und Frankreich weist der EWU-Einkaufsmanagerindex für die gesamte Währungsunion zwar noch auf ein moderates Wachstum hin. Die weiterhin schlechte Stimmung bei den Industrieunternehmen in den Peripherieländern bestätigt aber das Bild der dort anhaltenden Rezession.

Renditeanstiege am heimischen Rentenmarkt

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone sollte in diesem Jahr relativ solide ausfallen. Angesichts der Schuldenkrise und des deutlichen Anstiegs der Arbeitslosenrate in vielen Mitgliedsländern ist ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,8% passabel. Die Inflation im Euroraum steigt in diesem Jahr auf voraussichtlich 2,6% und überschreitet das 2%-Ziel der EZB damit deutlich. Die EZB dürfte im Juli die Leitzinsen erneut anheben und zwar um 25 Basispunkte auf 1,5%. Gegen Ende des Jahres sehen wir das Leitzinsniveau bei 1,75%. Die Bundesanleihen dürften mittelfristig aufgrund der Inflationssorgen und des anhaltenden Wirtschaftswachstums Kursverluste erleiden. Wir gehen davon aus, dass die zehnjährigen Bundrenditen bis zum Jahresende in einem moderaten Tempo auf 3,80% ansteigen werden. Für das kurze Ende der Kurve rechnen wir hingegen mit einem kräftigeren sowie schnelleren Anstieg der Renditen über die kommenden Monate. Die zweijährigen Renditen werden einen weiteren restriktiven Kurs der Notenbank antizipieren und schon auf kurze Sicht weiter in die Höhe…

Deutsche Unternehmen auf dem Gipfel der Zufriedenheit

Die Geschäfte laufen weiter glänzend, die deutschen Unternehmen sind derzeit ausgesprochen zufrieden. Sie schätzen nach der aktuellen ifo-Umfrage ihre Geschäftslage sogar so gut ein wie zuletzt vor mehr als zwanzig Jahren – kurz nach der deutschen Wiedervereinigung. Die positiven Ergebnisse stehen damit in einem gewissen Kontrast mit den skeptischeren Einschätzungen der vom ZEW befragten Finanzmarktakteure sowie der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe, die in den letzten Tagen gemeldet wurden.

Griechenland und Portugal brauchen einen langen Atem

Die Schuldenkrise im Euro-Raum hat die hochverschuldeten Länder der Peripherie unter einen enormen Handlungs- und Anpassungsdruck gesetzt. Besonders im Fokus der Aufmerksamkeit stehen Griechenland, Portugal und Irland, die zunächst einmal die sehr hohen laufenden Defizite in ihren Haushalten abbauen und die Konsolidierung ihrer Staatsfinanzen vorantreiben müssen. In Bezug auf den strukturellen Reformbedarf mit mittel- bis langfristigem Horizont sind die Voraussetzungen in diesen drei Ländern recht unterschiedlich.

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