Konjunktur

Notenbanken in Emerging Markets machen sich Gedanken

Während es bei der Geldpolitik in den Industrieländern im Wesentlichen nur darum geht, wer seine Zinsen länger bei null, oder tiefer hält, ist die Welt der Emerging Markets deutlich vielfältiger. Zum einen sind hier die Zinsen meist noch erkennbar oberhalb der Nulllinie, und zum anderen hat zuletzt mit der türkischen Notenbank sogar ein Währungshüter die Zinsen angehoben. Im Falle der Türkei war dies wohl auch überfällig, drohte hier doch der Preisauftrieb deutlich davonzulaufen. Bei Inflationsraten von hartnäckig über 10% (J/J) und zuletzt 11,8%, ließ sich der Leitzins von 8,25% nicht durchhalten und selbst die jüngste Anhebung auf 10,25% sollte nicht ausreichen, den Preisauftrieb in die Nähe der Zielmarke von 5,0% zu drücken. Hierfür sind noch stärkere Geschütze notwendig. Im Universum unserer Währungsanalysen ragt die Türkei mit einer massiven Verfehlung ihres Inflationsziels zwar klar heraus, deutliche Währungsverluste, die zu einem beschleunigten Preisauftrieb führen könnten, sind aber keine Seltenheit. Entsprechend lohnt ein…

USA: Aufholprozess am Arbeitsmarkt kommt noch gut voran, Herausforderungen bleiben aber

Ein Monat vor den Präsidentschaftswahlen unterstreichen die jüngsten Daten vorm Arbeitsmarkt die kräftige Erholung der US-Wirtschaft im dritten Quartal. So sank die Zahl der Arbeitslosen im September erneut spürbar, gegenüber dem Vormonat um gut 1 Mio. Personen. Daher machte die Arbeitslosenquote wiederholt einen deutlichen Satz nach unten: Sie sank von 8,4 auf 7,9 Prozent. Auch das Plus bei der Beschäftigung fiel mit rund 661.000 Personen ordentlich aus, auch wenn viele Beobachter mit einer höheren Zahl gerechnet hatten. Besonders die Dienstleister stockten ihr Personal auf. Gerade der Einzelhandel sowie Unternehmen des Beherbergungs- und Freizeitsektors stellten neue Mitarbeiter ein. Dabei dürfte es sich weiterhin vor allem um eine „Normalisierung“ handeln, da diese Bereiche besonders stark unter den strengen Corona-Restriktionen litten, und deshalb im Frühjahr einen großen Teil ihrer Belegschaft entlassen hatten. Die Erholung am Arbeitsmarkt dürfte sich auch in den kommenden Monaten fortsetzten. Allerdings wird die Wirtschaft das hohe Wachstumstempo vom Sommer…

EWU Inflationsrate bleibt im September negativ

Im September blieb die Inflationsrate im Euro-Raum mit -0,3 Prozent weiterhin im negativen Bereich. Im Vormonat lag sie schon bei -0,2 Prozent. Zu der Preisreduktion haben erneut die Energiepreise mit einem kräftigen Minus im Vorjahresvergleich beigetragen. Bei den industriellen Gütern fiel die Teuerungsrate nach der Verschiebung des Sommerschlussverkaufs überraschend schwach aus und ging erneut zurück. In einigen Ländern haben sich die „summer sales“ wohl sogar bis in den September hineingezogen und die Preise noch länger gedrückt. Der Preisauftrieb bei den immer noch Corona-geplagten Dienstleistungen schwächte sich erneut ab. Allein für Nahrungsmittel mussten die Verbraucher zuletzt etwas tiefer ins Portemonnaie greifen. Die abgebremste Preisentwicklung bei Gütern und Dienstleistungen prägt auch die Kernrate: Sie ging im September von 0,6 auf 0,4 Prozent zurück Dieses Bild zeigt sich fast einheitlich in den großen Mitgliedsländern des Euro-Raums: Insgesamt kaum oder negativer Preisdruck. In Frankreich lag die Inflationsrate im September bei 0,0 Prozent, in Deutschland…

Bauboom stützt die deutsche Wirtschaft

Dass die deutsche Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie nicht noch tiefer in die Rezession gerutscht ist, hat sie neben dem Staatskonsum vor allem der – im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Großbritannien – erfreulichen Entwicklung der Bauwirtschaft zu verdanken. Zwar gaben auch die Bauinvestitionen in diesem Frühjahr nach. Das lag aber nicht an der Corona-Krise, sondern an der überaus guten Entwicklung im ersten Quartal. Die Bauinvestitionen nahmen im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um 3,2 Prozent und nominal sogar um 6,3 Prozent zu. Zum Vergleich: Die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen brachen im gleichen Zeitraum nominal um 18 Prozent und real um über 19 Prozent ein. Damit stieg die Bedeutung der Bauinvestitionen für die deutsche Wirtschaft weiter. Lag der Anteil der Bauinvestitionen am nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2005 noch bei lediglich 8,7 Prozent, betrug er in der ersten Hälfte dieses Jahres 12,1 Prozent. Obwohl die Auftragseingänge…

Kollateralschäden

In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Welt aus Sicht der Notenbanken noch in Ordnung. Es gab wirtschaftliche Zyklen und Inflation. Das Bestreben der Notenbanken war, die zeitweise überschäumenden Teuerungsraten zu bändigen und dafür wurden auch Kollateralschäden in Kauf genommen. Sie konnten sogar sehenden Auges eine „Stabilisierungsrezession“ herbeiführen, nur um aus dem Ruder gelaufene Inflationserwartungen wieder einzufangen und die Preissteigerungsraten zu dämpfen. Heute sehen sich die Notenbanken (existenziellen) Krisen und struktureller niedriger Inflation gegenüber. Krisenbewältigung und Schaffung von Inflation sind die Hauptaufgaben geworden. Auch diese Herausforderungen werden von den Notenbanken mit Vehemenz angegangen und Kollateralschäden werden wieder in Kauf genommen. Die Kollateralschäden sind jetzt aber keine Rezession, sondern überbordende Kapital- und Immobilienmärkte sowie eine steigende Verschuldung. Den gordischen Knoten, den die Notenbanken geschaffen haben, könnte eine steigende Inflation zerschlagen. Es ist jedoch offen und unsicher, ob mit niedrigen Zinsen und einer steigenden Geldmenge tatsächlich Inflation geschaffen…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Die Angst vor der zweiten Welle unter den Dienstleistern

Unter den europäischen Dienstleistern scheint mehr und mehr die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle im Herbst Oberhand zu gewinnen. Weite Teile des Dienstleistungssektors leiden ohnehin noch immer unter den teilweise geschäftseinschränkenden Sicherheitsmaßnahmen der Pandemie-Bekämpfung wie Abstandsregeln und Maskenpflicht. Ein weiterer Lockdown wäre eine wirtschaftliche Katastrophe. Kein Wunder, dass sich die Stimmung unter den Dienstleistern gemäß der Umfrage von IHS Markit im September deutlich eingetrübt hat. Trotz einer besseren Stimmung in der Industrie ging daher der umfassende Composite Index von 51,9 auf 50,1 Punkte zurück. Corona und seine Folgen sind noch lange nicht ausgestanden. Auch die Stimmung der deutschen Einkaufmanager war im September zweigeteilt. Während die Messzahl im lange Zeit kriselnden verarbeitenden Gewerbe deutlich zulegte, sank das Stimmungsbarometer der Dienstleister unter die Expansionsmarke von 50 Indexpunkten. In der Summe ging der Composite-Index von 54,4 auf 53,7 Punkte leicht zurück. Das merkliche Stimmungsplus in der Industrie ist gemäß IHS Markit auf ein…

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