Politik

Einer gegen alle – einer für alle

In unserem westlichen Nachbarland gehen die Menschen deutlich häufiger auf die Barrikaden als diesseits des Rheins. Daran haben wir uns nicht erst in den letzten Jahren gewöhnt. Aktuell führt ein großflächiger Streik in Frankreich wieder einmal zu geschlossenen Schulen und einem zusammenbrechenden Nah- und Fernverkehr, vor allem im Großraum Paris. Das ist – insbesondere in der heißen Phase des Weihnachtsgeschäftes – auch wirtschaftlich eine große Herausforderung. Politisch geht es um die geplante Rentenreform der Regierung. Diese ist dringend notwendig, vor allem angesichts der vergleichsweise hohen Kosten des französischen Rentensystems und des sehr frühen Ruhestands in einigen Berufsgruppen. Doch in Frankreich werden auch Partikularinteressen seit jeher mit großer Militanz verteidigt. Den Protesten schließen sich nicht nur die in der Defensive befindlichen Gewerkschaften, sondern auch die erstarkten Populisten von rechts und links außen an. Präsident Macron steht mit den Seinen relativ allein in der Mitte und muss dem Druck standhalten. Wir alle…

Die SPD hat entschieden – der Anfang vom Ende der großen Koalition?

In der SPD siegen die Gegner der großen Koalition in der Mitgliederbefragung. Damit könnte das Ende der Regierung begonnen haben. Deutschland wird darunter leiden, Frankreich und ggf die USA könnten profitieren. Neuwahlen im jetzigen Umfeld bergen viele Risiken, aber auch die Chance für einen Schröder-Effekt. Die SPD Mitglieder haben in einer Stichwahl die neuen Parteivorsitzenden gewählt. Mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans wurden die beiden Kandidaten gewählt, die sich für ein schnelles Ende der großen Koalition ausgesprochen haben. Die beiden Vorsitzenden streben stattdessen eine Regierung links der Mitte an. Die Wahl selbst ist knapp ausgefallen. Esken und Walter-Borjans bekamen 53% der Stimmen, Finanzminister Scholz und Klara Geywitz kamen auf 45% der Stimmen. Dieses Paar war mit dem Ziel angetreten, die Koalition erfolgreich fortzuführen. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 54%. Offensichtlich hatte das lange Wahlverfahren die Mitglieder zuletzt sichtlich ermüdet. Das erfolgreiche Paar soll nun in den nächsten Tagen auf einem…

Indien verpasst eine Chance

Indien hat mitgeteilt, sich nicht länger an den Vorarbeiten zur Gründung der asiatischen Freihandelszone (RCEP) zu beteiligen und der Handelszone auch später nicht beitreten zu wollen. Aber auch ohne Indien wird die RCEP mit jeweils fast einem Drittel der globalen Wirtschaft sowie der Weltbevölkerung die größte Freihandelszone der Welt sein. Aktuell ist die indische Leistungsbilanz zwar insgesamt relativ stabil und das leichte Minus von rund 2% des Bruttoinlandsproduktes gibt nur wenig Grund zur Sorge. Betrachtet man jedoch nur den Güterhandel, also die klassische Handelsbilanz, so existiert hier derzeit ein enormes indisches Handelsdefizit gegenüber China, das sich in den letzten zehn Jahren auf rund 58 Mrd. US-Dollar fast vervierfacht hat – bei einem totalen bilateralen Handel von rund 95 Mrd. US-Dollar. Die Sorge, dass billige Importgüter die heimische Industrie weiter unter Druck setzen, ist wohl berechtigt. Zudem gibt es in Indien unzählige Unternehmen, die noch keine Erfahrung im Export haben und…

Frankreich versus Deutschland: Mehr Staat ist keine Alternative

Die französische Volkswirtschaft hat sich in den letzten Quartalen vergleichsweise robust geschlagen. Zwischen Juli und September lag die Zuwachsrate wie schon in den Vorquartalen bei 0,3%. Die deutsche Volkswirtschaft wuchs dagegen nur um 0,1% und entging damit knapp einer technischen Rezession. Nach den Gründen für die unterschiedliche Entwicklung der beiden Schwergewichte der Europäischen Währungsunion muss man nicht lange suchen. Während die binnenwirtschaftliche Entwicklung in Frankreich traditionell eine große Rolle spielt, beruhte das vergleichsweise kräftige Wirtschaftswachstum in Deutschland in den vergangenen Jahren bis 2017 maßgeblich auf einer gut laufenden Exportindustrie. Die Exporte in Deutschland machen immerhin fast 50% des Bruttoinlandsprodukts aus, in Frankreich nur 30%. Auch die Bedeutung der Industrie ist in Deutschland mit einem Wertschöpfungsanteil von 24% wesentlich höher als in Frankreich mit 12%. Die relative Dominanz des Exportsektors und der Industrie in Deutschland erweist sich in Zeiten von Handelsstreitigkeiten und Brexit-Unsicherheiten als eine wichtige Ursache für die konjunkturelle Schwäche….

Schwellenländer im Umbruch

Der Handelskonflikt zwischen USA und China hat sich in den letzten Monaten dämpfend auf das Weltwachstum ausgewirkt. So stagniert bzw. fällt der Welthandel bereits seit einiger Zeit. Länder deren Wachstumsmodell stark vom Export und damit von der ausländischen Nachfrage abhängt, sind von dieser Entwicklung negativ betroffen. Die Wachstumsdynamik hat in diesen Ländern, wie z. B. Deutschland, deutlich nachgelassen. Dies ist natürlich nicht nur ein Problem in den Industrieländern. Die einst gefeierten Schwellenländer leiden unter dieser Entwicklung ebenfalls. Die starke Abhängigkeit vom Welthandel ist hier ebenfalls ein Problem geworden. Die Wachstumsabschwächung und damit verbundene ungünstige Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Steuereinnahmen rücken strukturelle Schwächen, Korruption und soziale Ungleichheit in den Ländern wieder stärker in das Rampenlicht. Die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung kann nicht mehr durch ein Wohlstandsversprechen eingegrenzt oder gar gelöst werden. Somit steigt in vielen Schwellenländern der soziale Druck und damit die politische Instabilität. Die Schwellenländer gehen unterschiedlich mit dieser Situation…

Bis der Krug bricht

Die Zentralbanken, insbesondere die EZB und die Fed, machen sich zunehmend Sorgen um die Folgen der niedrigen Zinsen für die Finanzstabilität. Viele Assetklassen haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und teilweise deutlich von ihren fundamental gerechtfertigten Preisen entfernt. Die Bewertung ist teuer geworden. Das gilt für die Immobilienmärkte, die Anleihemärkte bis hin zu den Aktienmärkten. Diese Entwicklung sollte nicht überraschen, denn es wurde oft auf dieses zu erwartende Szenario hingewiesen. Dabei spielen die niedrigen Zinsen die wichtigste Rolle. Eigentlich sollen sie die Investitionen und den Konsum anregen. Im aktuellen Zyklus blieb die Kreditnachfrage jedoch recht schwach, und die erwarteten und erhofften realwirtschaftlichen Effekte blieben aus. Die niedrigen Zinsen haben aber auf der anderen Seite dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingegangen sind. Dies wurde unterstützt durch die bislang gerechtfertigte Annahme, dass die Notenbanken bei jedem noch so kleinen Krisensignal bereitstünden. Die…

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