Politik

Schwellenländer im Umbruch

Der Handelskonflikt zwischen USA und China hat sich in den letzten Monaten dämpfend auf das Weltwachstum ausgewirkt. So stagniert bzw. fällt der Welthandel bereits seit einiger Zeit. Länder deren Wachstumsmodell stark vom Export und damit von der ausländischen Nachfrage abhängt, sind von dieser Entwicklung negativ betroffen. Die Wachstumsdynamik hat in diesen Ländern, wie z. B. Deutschland, deutlich nachgelassen. Dies ist natürlich nicht nur ein Problem in den Industrieländern. Die einst gefeierten Schwellenländer leiden unter dieser Entwicklung ebenfalls. Die starke Abhängigkeit vom Welthandel ist hier ebenfalls ein Problem geworden. Die Wachstumsabschwächung und damit verbundene ungünstige Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Steuereinnahmen rücken strukturelle Schwächen, Korruption und soziale Ungleichheit in den Ländern wieder stärker in das Rampenlicht. Die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung kann nicht mehr durch ein Wohlstandsversprechen eingegrenzt oder gar gelöst werden. Somit steigt in vielen Schwellenländern der soziale Druck und damit die politische Instabilität. Die Schwellenländer gehen unterschiedlich mit dieser Situation…

Bis der Krug bricht

Die Zentralbanken, insbesondere die EZB und die Fed, machen sich zunehmend Sorgen um die Folgen der niedrigen Zinsen für die Finanzstabilität. Viele Assetklassen haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und teilweise deutlich von ihren fundamental gerechtfertigten Preisen entfernt. Die Bewertung ist teuer geworden. Das gilt für die Immobilienmärkte, die Anleihemärkte bis hin zu den Aktienmärkten. Diese Entwicklung sollte nicht überraschen, denn es wurde oft auf dieses zu erwartende Szenario hingewiesen. Dabei spielen die niedrigen Zinsen die wichtigste Rolle. Eigentlich sollen sie die Investitionen und den Konsum anregen. Im aktuellen Zyklus blieb die Kreditnachfrage jedoch recht schwach, und die erwarteten und erhofften realwirtschaftlichen Effekte blieben aus. Die niedrigen Zinsen haben aber auf der anderen Seite dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingegangen sind. Dies wurde unterstützt durch die bislang gerechtfertigte Annahme, dass die Notenbanken bei jedem noch so kleinen Krisensignal bereitstünden. Die…

ESG – Eine nachhaltige Welle überrollt die Finanzbranche

Das Thema ESG übernimmt im Investmentprozess eine zunehmend wichtige Rolle. Die Performance ist mit herkömmlichen Indices vergleichbar. Anleger können somit auf nachhaltige Strategien setzen, ohne Abstriche bei der Performance erwarten zu müssen. Gleichzeitig kann dadurch Druck auf Unternehmen ausgeübt werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Ein guter Ertrag und ein gutes Gefühl sind somit vereinbar. Die Definition von Nachhaltigkeit im Investmentprozess ist bislang sehr heterogen. Einer der wesentlichsten Unterschiede besteht darin, dass ein großer Teil der Produkte mit Ausschlussfiltern arbeitet, der andere Teil hingegen direkte ESG-Themen (wobei „E“ für Umweltbewusstsein (Environmental), „S“ für Sozial und „G“ für Betriebsführung (Governance) steht) in der Anlagestrategie verankert hat. Bei Produkten im Aktienbereich kommt zusätzlich die Herausforderung hinzu, dass anders als bei „Green-Bonds“, typischerweise eine Zweckbindung an umweltfreundliche Projekte nicht möglich ist. Aktienprodukte stützen sich stärker auf ESG-Ratings. Die Kundennachfrage nach ESG-Produkten hat deutlich zugenommen. Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von 90 Billionen USD bekennen…

Spanien hat gewählt, aber nicht entschieden

Sozialisten bleiben nach Parlamentswahl zwar stärkste Kraft eine stabile Regierung ist aber nicht in Sicht. Ultrarechte gewinnen am stärksten hinzu und verdoppeln Anzahl ihrer Sitze. Nach der Parlamentswahl im April dieses Jahres haben es die Sozialisten (PSOE) in Spanien abermals geschafft, die stärkste Fraktion im Unterhaus zu stellen. Laut vorläufigem Endergebnis werden sie mit 120 Sitzen in das Unterhaus einziehen. Auf dem zweiten Platz landen die Konservativen (PP), die mit 88 Sitzen einen Zugewinn von 22 Mandaten im Unterhaus verzeichneten. Der klare Wahlsieger des Abends ist die ultrarechte VOX, die mit 52 Sitzen nun die drittstärkste Fraktion in Madrid stellen wird. Im April lag die VOX mit 24 Sitzen noch auf Platz fünf. Die gewonnenen Sitze der VOX gingen vor allem auf Kosten der rechtsliberalen Ciudadanos (Cs; 10 Sitze), die mit einem Verlust von 47 Sitzen nahezu marginalisiert worden sind. Der von der PSOE präferierte Koalitionspartner, Unidas Podemos (UP), erleidet…

US-Wirtschaft profitiert von steigenden Schulden, ein Beispiel für andere Länder?

In Deutschland ist eine hitzige Debatte über die Sinnhaftigkeit der Schuldenbremse entbrannt. Dabei bietet die jetzige Regelung der Regierung eigentlich genug Flexibilität, diese möchte man aber nicht nutzen. In den USA geht man dagegen einen völlig anderen Weg, was zu einer deutlichen Ausweitung des Defizits im staatlichen Haushalt geführt hat. Insbesondere die Steuersenkungen und wachsende Sozialkosten haben die Lücke im US Bundeshaushalt deutlich vergrößert. Vor allem die finanzielle Entlastung der Unternehmen und der privaten Haushalte hat für positive Konjunkturimpulse gesorgt hat. Durch die Steuersenkungen der Trump’schen Regierung sind die Unternehmen Schätzungen zu Folge um rund 80 Mrd. US-Dollar entlastet worden und die privaten Haushalte um rund 120 Mrd. US-Dollar. Dies alleine dürfte zu einem Wachstumsplus von rund 0,7 %-Punkten beigetragen haben. Bei einem erwarteten BIP-Wachstum von 2,3% gg. Vj. im Jahr 2019 ist das ein nicht unerheblicher Beitrag. Ob geplant oder nicht, mit diesen Maßnahmen hat die US-Regierung die Wirtschaft…

„Den Strukturwandel meistern“ – oder: wie gute Ideen wieder einmal zu verpuffen drohen

Das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrates für Wirtschaft (SVR) wurde heute an die Bundesregierung übergeben. Ein alljährliches Ritual, einschließlich Anwesenheit der Kanzlerin. Das Gutachten 2019/20 trägt den Titel „Den Strukturwandel meistern“ und umfasst mehr als 350 Seiten. Es geht darin unter anderem um die konjunkturellen Aussichten und um Empfehlungen in aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen. Diese Kapitel bieten für öffentliche Diskussion in der Regel das am leichtesten zugängliche Futter. So auch dieses Mal. Gibt es eine Rezession? Viele Kommentatoren dachten in den letzten Wochen ja, der Rat sagt: Nein. Und: Wie hältst Du es mit der schwarzen Null und der Schuldenbremse? Der SVR ist mehrheitlich dafür, doch nicht alle Mitglieder stimmen zu. Sicherlich ist es vor allem für die Medien interessant, wenn man inhaltliche Positionen mit Personen identifizieren kann. Und in diesem Fall besonders: Dass sich Frau Prof. Schnabel, die deutsche Kandidatin für einen Sitz im EZB-Direktorium, in dieser international umstrittenen Frage von…

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