Politik

Der Euroraum ist stabil

Der konjunkturelle Tiefpunkt wurde im April/Mai durchschritten, soweit die gute Nachricht. Die Tiefe des konjunkturellen Falls war jedoch ohne jedes Beispiel und Folgen für Investitionen und Beschäftigung werden erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. Im Euroraum trafen die größten Belastungen Spanien und Italien. Mit Italien war ein Land betroffen, dass bereits in den letzten Jahren von einer ausgeprägten politischen und wirtschaftlichen Strukturkrise erfasst war. Die Staaten haben reagiert und versuchen, durch eine kräftige Steigerung der Staatsausgaben die negativen Effekte der Corona-Krise abzufedern. Die Staatsverschuldungsquote sollte daher auf etwa 104 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in 2020 im Euroraum steigen, wobei Italien mit 160 Prozent heraussticht. Diese Entwicklung führte bislang aber nicht zu einer Diskussion über die Stabilität des Euroraums und einer Neuauflage der Eurokrise. Ausschlaggebend für die gelassene Entwicklung war der Zusammenhalt der Euro-Länder und die Unterstützung der EZB. Die EZB hat durch Staatsanleihekäufe und dauerhaft niedrige Zinsen die Schuldentragfähigkeit der…

Der politische Rückenwind für den US-Dollar wird schwächer

Seit Donald Trump vor dreieinhalb Jahren das Amt als US-Präsident übernommen hat, hat er reichlich Anlass zu Diskussionen geboten. In vielen Belangen hat er neue Wege beschritten, gegen diplomatische Konventionen verstoßen und sich regelmäßig an der Grenze des guten Geschmacks entlang gehangelt. Dennoch müssen ihm nicht nur seine Parteifreunde einen bemerkenswerten ökonomischen Erfolg bescheinigen. Alles andere als eine Wiederwahl Trumps schien vor wenigen Monaten undenkbar. Weder der Handelskrieg mit China noch das Amtsenthebungsverfahren konnten dieser Erfolgsgeschichte etwas anhaben. Und dann kam Covid-19. Trump sieht sich derzeit einem bis dato ungeahnten Gegenwind ausgesetzt. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden verfügt in Umfragen inzwischen über einen äußerst komfortablen Vorsprung. Bis zur US-Präsidentschaftswahl sind es noch 127 Tage, eine kleine Ewigkeit in so volatilen politischen Zeiten wie den aktuellen. Es wäre töricht, bereits jetzt davon auszugehen, dass der Machtwechsel sicher bevorsteht. Nicht nur, dass Trump wie ein angeschossener Tiger aggressiver denn je um jede…

Veränderungen zulassen

Die aktuellen Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung lassen einem den kalten Schauer über den Rücken laufen. In vielen Ländern ist die Produktion im April um rund 20 Prozent eingebrochen. Zur Beruhigung kann man sich sagen, dass im April damit wohl der Tiefpunkt des wirtschaftlichen Einbruchs durchschritten wurde und die Daten sich im Mai schon wieder merklich verbessern werden. Richtig beruhigen kann das aber nicht. Die mittelfristigen Folgen des Lockdowns und der Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken für die wirtschaftlichen Strukturen sind nicht im vollem Umfang abschätzbar. Die einfachste Annahme wäre, dass sich nichts ändert, da die Rezession zwar tief aber nur kurz war. Dies erscheint mir aber zu einfach. Bereits vor Corona ist die Weltwirtschaft in eine Phase der stagnierenden Globalisierung eingetreten. Zusammen mit COVID-19 dürfte dies in der Zukunft zu Veränderungen in Präferenzen und Verhalten führen. Welche Geschäftsmodelle wie von der Veränderung betroffen sein werden ist kaum vorherzusagen. Die auf…

Fed: Niedrige Kapitalmarktrenditen verankern

Am 9. und 10. Juni tagt der Rat der US-Notenbank. Bei der anstehenden FOMC-Sitzung werden die US-Währungshüter wohl intensiv über die Möglichkeit einer sogenannten „yield curve control“ diskutieren. Dabei werden – wie in schon in Japan – Renditeziele für bestimmte in der Regel längere Laufzeiten von der Notenbank vorgegeben. Außerdem stehen die überarbeiteten Projektionen auf der Agenda, eine mögliche Konkretisierung der Forward Guidance und die Frage, ob die Fed Aussagen über die Höhe der zukünftigen Anleihekäufe vornehmen wird. Angesichts eines Leitzinskorridors von 0,00%-0,25% sind diesbezüglich keine Änderungen zu erwarten. In verschiedenen Reden haben die Fed-Oberen zuletzt darüber diskutiert, wie sie mittelfristig die Kapitalmarktrenditen auf einem niedrigen Niveau verankern können. Doch ob die Fed tatsächlich den Paradigmenwechsel wagt und auf eine Steuerung der Zinskurve umschwenkt, ist nicht nur fraglich, sondern im aktuellen Umfeld unseres Erachtens auch unnötig. So sind die Kapitalmarktrenditen in den Vereinigten Staaten schon sehr niedrig. Nicht zuletzt hat…

Ein Perpetuum Mobile gibt es nicht

Die Finanzmärkte scheinen sich immer weiter von der Realwirtschaft abzukoppeln. Diesen Eindruck kann man zunehmend gewinnen. Alle Assetklassen profitieren von den weltweit niedrigen Zinsen, den sehr niedrigen Zinsenerwartungen bei gleichzeitig einer schier unerschöpflichen Bereitstellung von Liquidität. Dazu kommt noch ein nicht enden wollender Reigen an staatlichen Hilfspaketen. Alles zusammen scheint ein Umfeld zu erschaffen, in dem selbst in der schlimmsten wirtschaftlichen Krise seit mehr als 50 Jahren, die Hoffnung alle aktuellen Ängste und Sorgen überwiegt. Die Folge sind hohe Bewertungen in allen Assetklassen, insbesondere Staats- und Unternehmensanleihen haben sich von den fundamentalen Grundlagen zum Teil weit entfernt, da hier die Zentralbanken auch direkt kaufen. Diese Beobachtungen sind nicht neu. Seit der Finanzmarktkrise kann man diese Entwicklung an den Finanzmärkten mit unterschiedlicher Intensität beobachten. Die hohen Bewertungen waren in der Vergangenheit zu keiner Zeit ein wesentlicher Risikofaktor. Wichtig war letztendlich nur, dass die Zentralbanken jederzeit bereit sind die Finanzmärkte zu stützen….

Der EU-Wiederaufbaufonds: Auf dem Weg zur Transferunion

Es kommt Bewegung in die Diskussion um einen EU-Wiederaufbaufonds. Nach dem deutsch-französischen Vorschlag und dem Gegenentwurf der „Sparsamen Vier“ in der vergangenen Woche hat nun auch die EU-Kommission ihr Konzept vorgestellt. Wie erwartet weist der Brüsseler Plan deutliche Parallelen zum deutsch-französischen Modell auf. Das Gesamtvolumen des Fonds soll mit 750 Mrd. Euro aber noch größer sein. Analog zum Merkel-Macron-Plan sieht auch Brüssel Zuschüsse von insgesamt 500 Mrd. Euro vor. Darüber hinaus soll der Fonds aber auch Kredite in Höhe von 250 Mrd. Euro vergeben. Der Plan der Kommission nennt sogar bereits Details, welches Land wie stark vom Fonds profitieren würde. Erwartungsgemäß soll das durch die Corona-Krise besonders hart getroffene Italien Hauptnutznießer sein. Es würde 81 Mrd. Euro an Zuschüssen und 90 Mrd. Euro an Krediten erhalten. Zum Vergleich: Deutschland soll Zuschüsse in Höhe von 28 Mrd. Euro und keine Kredite erhalten. Die Gelder sollen möglichst schnell fließen. Zur Finanzierung des…

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