Politik

Wohnen zum Nulltarif

Vom Mieterparadies Deutschland ist nicht viel übriggeblieben. Gute Angebote an günstigen Wohnungen sind von hohen Mieten und langen Wartelisten abgelöst worden. Selbst solide verdienende Familien stoßen an ihre Belastungsgrenze. Die Politik steht unter Druck, doch die Regulierungsmaßnahmen lösen die Probleme nicht, weil sich am viel zu knappen Wohnungsangebot so schnell nichts ändern lässt. Dazu kommt, dass viele Mieterhaushalte über kaum Vermögen verfügen. Unsere europäischen Nachbarn, die im Gegensatz zu den Deutschen meist im Eigenheim wohnen, stehen besser da. Sie haben höhere Vermögen und sind besser vor Mieterhöhungen geschützt. Die niedrigen Zinsen von unter einem Prozent sind jedoch eine Chance, auch hierzulande die Verbreitung von Wohneigentum zu steigern. Aber vermutlich verhelfen auch die niedrigen Zinsen den Deutschen nicht allen zum Eigenheim. Die Angst vor hohen Schulden und langfristigen Verpflichtungen stehen dem oft im Wege. Auf der politischen Agenda für den Wohnungsmarkt steht Mietregulierung ganz oben. Die Eigenheimförderung dürfte dagegen mit dem…

Spanien – politische Unsicherheit hält an, macht aber nichts

Pedro Sanchez, der bisherige Ministerpräsident konnte sich am Ende nicht genügend Unterstützer unter den anderen Parlamentsparteien sichern, um seine Wiederwahl zu garantieren. Der spanische König hat als Folge seine Kandidatur für die Wahl zum Ministerpräsidenten gekippt. Der wahrscheinlichste Termin für eine Neuwahl ist der 10. November. Die Frist der EU-Kommission für die Einreichung des Haushaltsentwurfs für das Jahr 2020 (bis Mitte Oktober) ist unter dieser Voraussetzung wohl kaum noch einzuhalten. Für die konjunkturelle Entwicklung sehen wir aber vorerst keine spürbaren Auswirkungen. Zwar hat sich das Wirtschaftswachstum im Frühjahr mit 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal etwas abgeschwächt. Dahinter steht vor allem ein grundsätzlich schwächeres Wachstumsumfeld, dem sich auch die spanische Wirtschaft nicht gänzlich entziehen kann. Die grundsätzliche Aufwärtsdynamik sehen wir jedoch weiterhin intakt. Insbesondere der Binnenkonsum dürfte auch in den kommenden Quartalen eine wichtige Unterstützung bleiben. Das liegt unter anderem an der kräftigen Erholung am Arbeitsmarkt und der kräftigen Erhöhung des…

Angriff auf die Ölproduktion in Saudi-Arabien

Am Wochenende kam es in Saudi-Arabien zu einem Drohnenangriff auf die größte weltweite Ölraffinerie („Abkaik“) und das Ölfeld („Khurais“). Das Staatsunternehmen Aramco meldete daraufhin einen Produktionsausfall von 5,7 MMBD, was etwa der Hälfte der gesamten Produktion des Königreiches entspricht und rund 5 Prozent der weltweiten Versorgung mit Öl ausmacht. In der Ölhistorie gab es ein solches Produktionsausfallereignis noch nicht. Selbst der Irak-Krieg und die Iranische Revolution hatten einen geringeren Einfluss auf die Ölproduktion. Der Ölpreis stieg aufgrund der Nachrichtenlage sehr deutlich an und erreichte in der Spitze sogar über 70 USD. Im Tagesverlauf hat sich der Preis jedoch wieder spürbar reduziert und liegt aktuell bei rund 66 USD. Es ist damit zu rechnen, dass a) Aramco einen Gutteil der Produktion in wenigen Tagen wieder hochfahren kann und b) die Bestände des Staatsunternehmens reichen, um Kundenverpflichtungen nachzukommen. Ein „Force-Majeur“ (Lieferausfall wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses) kann also aller Voraussicht nach abgewendet werden….

Hoffnung – mal wieder

Die letzten Tage haben in Bezug auf die größten politischen Risiken für die Weltwirtschaft eine leichte Entspannung gebracht. In Großbritannien scheint die unmittelbare Gefahr eines No-Deal-Brexit zum 31.10.2019 fürs Erste abgewendet. In Italien wurde eine Zusammenarbeit zwischen den Sozialdemokraten und der 5-Sterne-Bewegung vereinbart und damit schnelle Neuwahlen und ein möglicher Durchmarsch von Salvinis Lega bis auf Weiteres ausgeschlossen. Und schließlich werden zwischen den USA und China zumindest wieder Gesprächstermine vereinbart, auch das ist angesichts des Zerwürfnisses der letzten Wochen schon ein Fortschritt. An den Finanzmärkten wurden diese Entwicklungen bereits mit großer Erleichterung aufgenommen. Die Renditen der Bundesanleihen konnten sich von ihrem Tiefststand wieder etwas erholen, auch an den Aktienmärkten haben die Notierungen zugelegt. Deutlich profitiert haben auch die italienischen Staatsanleihen. Doch könnte die Erleichterung verfrüht sein und schon bald wieder einer Enttäuschung Platz machen. In Bezug auf den Brexit scheint uns die „harte“ Variante keineswegs ausgeschlossen zu sein. Sie könnte…

Klein, hohe Wachstumsdynamik und hoch verschuldet

Für Portugal und Griechenland ging es im Zuge der globalen Finanz- und Schuldenkrise gemeinsam in eine tiefe Wirtschaftskrise. Inzwischen hat sich das Blatt gedreht. Beide Länder überraschten im zweiten Quartal 2019 mit einem starken Wachstum: Mit Steigerungsraten von 0,5% und 0,8% gehören Portugal und Griechenland zu den Wachstumstreibern im Euroraum. An dieser Stelle hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon weitestgehend auf. Denn die Ausgangslage, die zu diesem Ergebnis geführt hat, ist für beide Länder recht unterschiedlich. Dass Portugal zeitlich deutlich früher den Sprung aus den roten Zahlen schaffte, liegt vor allem daran, dass das Land bereits frühzeitig begonnen hat, umfangreiche Strukturprogramme umzusetzen und dabei vielfach die Vorgaben der „Troika“ sogar übertraf. In Griechenland hingegen blieb den jeweils amtierenden Regierungen infolge der prekären haushaltspolitischen Lage kaum eine Wahl, als den Forderungen der Troika nachzukommen und harte Reformeinschnitte zu verfolgen. Häufig wurden die Auflagen jedoch unvollständig oder verzögert umgesetzt. Bis heute ist…

Balance wahren

Die erratische Politik von US-Präsident Trump zieht ihre Furchen durch die Weltwirtschaft mit der Folge einer spürbar größeren Unsicherheit hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Entsprechend ist die Investitionsneigung der Unternehmen gesunken und die Investitionstätigkeit wird weitgehend auf das Notwendige beschränkt. Immer lauter wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung. Im Mittelpunkt dieser Forderungen steht vor allem Deutschland, eines der wenigen Länder mit einem Haushaltsüberschuss. Auch die Zentralbanken stemmen sich gegen die Wachstumsrisiken. Während in den USA die Zentralbank noch versucht, ihr geldpolitisches Pulver trocken zu halten, ist die EZB bereits einen Schritt weiter und prüft alle weiteren Optionen der Geldpolitik, bis hin zum Kauf von Aktien und Bankanleihen. Zumindest hat EZB-Chef Draghi den Prüfauftrag in der letzten Pressekonferenz nicht eingeschränkt. Mit einer zunehmend expansiven Geld- und Fiskalpolitik versuchen Regierungen und Zentralbanken, der Abkühlung der weltwirtschaftlichen Dynamik entgegenzuwirken. Dabei scheint bislang die Geschwindigkeit der Lockerung so hoch zu sein, dass man…

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