Politik

Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen. Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell…

Unternehmen verdienen prächtig

Das Ende der Berichtssaison zum ersten Quartal 2017 steht unmittelbar bevor und die Berichte der Unternehmen waren sehr positiv. In den USA stiegen die Umsätze der Unternehmen im S&P 500 um 8% an, die Gewinne überproportional um 15%. Dies ist das stärkste Wachstum seit dem 3. Quartal 2011. Bis auf eine Ausnahme (Telekom-Titel) zogen in allen US-Sektoren die Gewinne an – das Wachstum verläuft breit gestützt und dies trotz des im Jahresvergleich stärker gewordenen US-Dollars. Auch in Europa zeigte der Trend im Auftaktquartal deutlich nach oben: Beim Stoxx 600 wuchsen die Unternehmensumsätze um 10%, die Gewinne legten um knapp 37% zu. Beim DAX ging es bei den Umsätzen um knapp 4% nach oben, bei den Gewinnen um 11 %. Bei den deutschen Unternehmen stiegen Umsätze und Ergebnisse weniger stark als beim S&P 500 und Stoxx 600 an, dies ist auf die geringe Relevanz erdölabhängiger Titel in der Indexzusammensetzung zurückzuführen. Bei…

Brasilien: Politische Unsicherheit droht Reformen zu verzögern

In Brasilien sprang das Thema Korruption zuletzt wieder an die Spitze der Schlagzeilen. Das Präsident Temer ebenfalls tief in den Korruptionssumpf verstrickt ist, wurde zwar schon immer vermutet, mit der Veröffentlichung von Tonaufnahmen eines Gesprächs mit dem Eigner des großen Fleischkonzerns JBS Batista im März, kamen aber mögliche Beweise für die Verstrickung des Präsidenten an die Öffentlichkeit. Gemäß der Aufnahme soll Temer die Zahlung von Schweigegeldzahlungen an den ehemaligen Präsidenten des Abgeordnetenhauses Cunha gebilligt und deren Fortsetzung angeregt haben. Temer bezeichnete die Vorwürfe als fingiert und beantragte, dass der Oberste Gerichtshof die gegen ihn aufgenommenen Ermittlungen einstellt. Hierüber will der Gerichtshof am Mittwoch entscheiden. Dabei dürfte es vor allem auch darum gehen zu klären, ob und inwieweit die Aufnahmen technisch manipuliert wurden. Das Oberste Gericht steht in dieser Woche folglich vor wichtigen Entscheidungen. Sollte er seine Ermittlungen fortsetzen, droht ein Bruch der Regierungskoalition. Dies würde dann auch den Fortgang der…

Für jeden etwas dabei: Theresa May stellt Wahlprogramm vor

An Pathos mangelt es dem Programm der Konservativen Partei für die anstehende Unterhauswahl Anfang Juni sicherlich nicht. Um eine „starke und stabile Führung durch den Brexit und darüber hinaus“ sowie „gigantische Herausforderungen“ gehe es. Es gelte, in den nächsten fünf Jahren die Weichen für den „künftigen Wohlstand“ und die „Chancen für unsere Kinder und Enkelkinder“ richtig zu stellen. So bedeutungsschwer die begleitenden Worte des Programms auch sind, mit Blick auf die Inhalte bleiben die Aussagen insgesamt vage – wohl nicht zuletzt, um ein möglichst breites Wählerspektrum anzusprechen. Dies gilt insbesondere für die Innenpolitik. Unter anderem sollen die Unternehmenssteuer bis 2020 auf 17% gesenkt und die Mitspracherechte der Arbeitnehmer gestärkt werden. In das Gesundheitssystem und die Bildung könnten insgesamt rund 15 Mrd. EUR fließen. Zugleich werden Rentner der Mittelklasse – eigentlich eine Stammwählerschaft der Tories – stärker zur Kasse gebeten. Die vorgesehenen Maßnahmen sind nach den Plänen der Konservativen ausgabenneutral, ohne…

Weiter wachsende Zinseinbußen privater Haushalte in Deutschland

Zu den gravierendsten Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase zählt der Einbruch der Zinseinkünfte bei der Geldanlage. Nach unseren neuesten Berechnungen summieren sich die entsprechenden Einkommenseinbußen der Bürger im Vergleich zum „Normalzinsniveau“ in den Jahren 2010 bis 2017 auf fast 436 Mrd. Euro. Selbst wenn man die Einsparungen durch günstigere Kreditzinsen gegenrechnet, verbleiben Netto-Zinseinbußen von fast 250 Mrd. Euro. Auch 2017 werden die Zinseinbußen der Bürger weiter wachsen. Zudem ist mit einer „Rückkehr“ der Inflation zu rechnen. Dadurch dürfte der durchschnittliche Realzins für Einlagen, Rentenwerte und Versicherungen in diesem Jahr auf -0,8 Prozent sinken. Das verursacht einen Wertverlust des privaten Geldvermögens von über 37 Mrd. Euro. Nicht nur aus diesem Grund, sondern vor allem auch weil fundamentale Daten wie Wirtschaftswachstum und Inflation die aktuelle Geldpolitik der EZB nicht mehr rechtfertigen, wird es Zeit für den geldpolitischen Kurswechsel.

1 2 67