Politik

Türkische Zentralbank: Vertrauen braucht Zeit

Die türkische Zentralbank hat im Rahmen ihrer ersten Sitzung unter neuer Führung den Leitzins von 10,25% auf 15,00% angehoben und mehr Transparenz versprochen. Damit hat sie die aktuell marktseitig vorherrschenden Erwartungen zwar erfüllt. Den Währungshütern dürfte jedoch klar sein, dass man Vertrauen nicht über Nacht zurückgewinnt. Hierfür bedarf es einer angemessenen Geldpolitik über einen längeren Zeitraum. Und sicherlich nicht ohne Grund betonen die Währungshüter in ihrer Stellungnahme, eine restriktive Geldpolitik so lange aufrecht erhalten zu wollen, bis ein dauerhafter Rückgang der Inflationsrate erreicht wurde. Ebenso wird die Notwendigkeit von Transparenz, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der geldpolitischen Maßnahmen hervorgehoben, um das Ziel der Preisniveaustabilität zu erreichen und zu wahren. Nicht nur für die Zentralbank gilt es nun, die jüngsten Aussagen mit Leben zu füllen. Die weitere Entwicklung in der Türkei dürfte auch davon abhängen, ob Staatspräsident Erdogan seine jüngst für die restriktivere geldpolitische Ausrichtung zum Ausdruck gebrachte Rückendeckung dauerhaft aufrechterhält. Schließlich waren…

Japans Wirtschaft mit kräftigem „Rebound“ im Sommer

Japans Wirtschaftsleistung hat im dritten Quartal mit 5,0 Prozent zum Vorquartal vorläufigen Angaben zufolge einen stärker als erwarteten Sprung nach oben vollzogen. Maßgeblich dafür waren Nachholeffekte beim Konsum nach dem Corona-Tief vom Frühjahr und kräftig gestiegene Güterausfuhren. Auch die expansive Fiskalpolitik hat geholfen. Das Vorkrisenniveau vom ohnehin bereits schwachen Jahresbeginn konnte aber noch nicht wieder erreicht werden. Zudem wurde das Ergebnis vom zweiten Quartal erneut nach unten revidiert auf nun -8,2 Prozent (Q/Q). Obwohl Japans inländischer Dienstleistungssektor, und hier vor allem das Gastgewerbe, der Fremdenverkehr und alle freizeitbezogenen Bereiche, nach wie vor unter Corona-bedingten Einschränkungen leiden, hat sich bei den privaten Konsumausgaben im Sommer doch ein Wachstum von immerhin 4,7 Prozent (Q/Q) eingestellt, nach -8,1 Prozent im „Corona-Quartal“ vom Frühjahr. Die staatlichen Einkommenshilfen für Privathaushalte haben mitgeholfen, dass die Ausgaben für langlebige Güter, z.B. Klimaanlagen für zuhause, deutlicher als erwartet anzogen. Ausgaben für die Gesundheitsversorgung stiegen ebenfalls deutlich an. Größter…

Geld- und Wirtschaftspolitik unter neuen Vorzeichen in der Türkei?

Markiert das Wochenende vom 7. November 2020 tatsächlich einen strukturellen Umbruch in der türkischen Geld- und Wirtschaftspolitik? Zumindest die derzeit an den Finanzmärkten vorherrschende Hoffnung darauf ist berechtigt. Auslöser waren in der letzten Woche Äußerungen von niemand geringerem als dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan – dem Mann, der in den vergangenen Jahren nicht müde wurde, gegen ausländische Spekulanten zu wettern, und der mit Maßnahmen zur Beschneidung der Notenbankunabhängigkeit in Kombination mit seiner unorthodoxen Forderung nach niedrigeren Leitzinsen zur Reduzierung des Preisdrucks das Vertrauen in die Landeswährung zunehmend beschädigt hatte.   Seit der Entlassung des Zentralbankvorsitzenden Uysal und des Rücktritts von Finanzminister Albayrak sind völlig neue Töne aus Ankara zu vernehmen. Nicht weniger als eine Periode der Reform von Wirtschaft und Justiz kündigte Präsident Erdogan an. Dabei hält sich das Staatsoberhaupt neuerdings nicht nur mit Kritik an der Zentralbank zurück, sondern gibt ihr die investorenseitig langersehnte Rückendeckung für die „bittere Pille“ einer…

USA: Preisdruck lässt wieder nach

Der jüngste Inflationsbericht des Bureau of Labor Statistics hält vor allem eine Nachricht bereit: Die andauernde ultra-lockere Geldpolitik in den USA führt weiterhin nicht zu einem hohen Preisdruck, die konjunkturellen Probleme lassen das nicht zu. Im Oktober blieben die Preise für Güter und Dienstleistungen im Durchschnitt gegenüber dem Vormonat unverändert. Zwar verteuerten sich Nahrungsmittel und auch in einzelnen Dienstleistungs- und Güterkategorien wurden die Preise angehoben. An anderer Stelle wurde das aber ausgeglichen. Beispielsweise wurde Benzin günstiger, und bei Bekleidung und Autoversicherungen wurden wieder höhere Rabatte gewährt. Der Grund dafür dürfte vor allem darin zu sehen sein, dass die Konjunktur wieder an Schwung verliert: Der Weltmarktpreis für Rohöl (WTI) tendierte daher im Herbst zwischenzeitlich etwas niedriger als im Sommer und Unternehmen wurden wohl mit einer schwächeren Konsumnachfrage konfrontiert. Gegenüber dem Vorjahr gerechnet, bremsten die Energiepreise die Inflationsrate im Oktober wieder etwas stärker, während der Preisdruck bei Dienstleistungen und industriellen Gütern moderat…

Gutes Anlagejahr 2021 voraus

2020 war ein Jahr für die Geschichtsbücher. Die wichtigste Lektion für Aktienanleger lautete erneut: Im Portfolio streuen, auf gute Unternehmen setzen, nicht in Panik verkaufen. Dank der Impulse der Staaten und Notenbanken ging es auch diesmal schnell wieder bergauf. Zunächst wird der Machtübergang in den USA noch den Nachrichtenfluss an den Börsen bestimmen. Aber unter Biden wird sich das Marktumfeld für die Unternehmen nicht wesentlich ändern. Biden wirkt jedoch schon auf die Stimmung: Die Politik in den USA wird wohl verlässlicher werden. Dies sind auch gute Nachrichten für die Aktienmärkte. Nach dem Machtübergang rückt thematisch die Aussicht auf ein Ende der Corona-Pandemie 2021 in den Fokus. Tag um Tag rückt die flächendeckende Verteilung eines Impfstoffs an die Weltbevölkerung näher. Damit steigen die Chancen auf eine deutliche Erholung der Konjunktur. Eingebettet wird die Hoffnung auf eine starke Konjunkturbelebung, neben der Aussicht auf mehr Verlässlichkeit in die Politik, in ein sehr freundliches…

Präsident Erdogan entlässt Zentralbankchef

Die letzten Tage hatten es in sich mit Blick auf die für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Türkei verantwortlichen Personen. Zunächst wurde bekannt, dass Staatspräsident Erdogan seinen Zentralbankchef Uysal per Dekret entlassen hat. Am Sonntagabend verkündete zudem Finanzminister Albayrak, Schwiegersohn Erdogans, seinen Rücktritt. Hintergrund dieser Weichenstellungen war offenbar, dass dem Staatspräsidenten der Lira-Verfall der vergangenen Monate ebenso missfiel wie das Dahinschmelzen der Währungsreserven.   Nachfolger Uysals wird Naci Agbal. Der ehemalige Finanzminister gilt zwar laut Medienberichten als investorenfreundlicher Technokrat. Allerdings ist Agbal ein treuer Gefolgsmann des Staatspräsidenten und Zentralbankchef von Erdogans Gnaden. Auch ihm dürfte es nicht gelingen, die ökonomischen Vorstellungen des Präsidenten, wonach ein niedrigerer Leitzins eine niedrigere Inflationsrate nach sich zieht, und die Realität unter einen Hut zu bekommen. Will die türkische Zentralbank die Lira stabilisieren (und auf Kapitalverkehrskontrollen verzichten), dürfte Agbal folglich nichts anderes übrigbleiben, als den offiziellen Leitzins spürbar anzuheben. Seine Hauptaufgabe dürfte folglich vor allem…

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