Politik

Made in China 2025“: Zukunftsstrategie für China – eine Bedrohung für die Industrieländer?

Spätestens seit US-Präsident Donald Trump die Strafzölle auf chinesische Importe auch zur Kampfansage gegen „Made in China 2025“ erklärt hat, ist das chinesische Zukunftsprojekt in aller Munde. Ziel der Strategie ist es, Chinas Industrie grundlegend zu modernisieren und in die Lage zu versetzen, Hightech-Produkte, die das Land bislang importieren muss, selbst zu produzieren. Dies ist grundsätzlich erst einmal ein wichtiger, wenn nicht sogar ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Denn Chinas bisheriges Wachstumsmodell – die billige Massenproduktion relativ einfacher Industriegüter – ist mit dem demografischen Wandel und dem gestiegenen Wohlstandsniveau des Landes in die Jahre gekommen. „Made in China 2025“ ist an das Konzept der „Industrie 4.0“ angelehnt, der Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Fertigung. Zehn ausgewählte Schlüsselindustrien in China, darunter Elektromobilität und Robotics, sollen mittels Digitalisierung bis zum Jahr 2025 zum technologischen Niveau der Industrieländer aufschließen. Bis Mitte des Jahrhunderts will China in diesen Bereichen dann die…

Trotz G20-Gipfel: Gegenwind für Aktien nimmt zu

Den Ergebnissen des G20-Gipfels zum Trotz: Beim volkswirtschaftlichen Wachstum zeigen sich Bremsspuren. Einige Zeit waren die Probleme auf die aufstrebenden Länder begrenzt. Nun zeigt sich auch in einigen Industrieländern, dass der Wachstumszenit überschritten wurde. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China, Schwächen in Brasilien, Argentinien und der Türkei, dazu die Unsicherheiten rund um den Brexit und der Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU: Für die zyklischen DAX-Unternehmen haben diese Faktoren im zweiten Halbjahr zu zahlreichen Gewinnwarnungen geführt. Ergänzt wurde diese belastende Situation durch strukturelle Herausforderungen in der deutschen Automobilindustrie sowie durch Probleme bei einzelnen Unternehmen, zum Beispiel bei der Deutschen Bank oder Thyssen Krupp. Zwar läuft das Binnengeschäft in Deutschland dank hoher Kauffreude der Bürger und der Staatsausgaben gut. Aber die Belastungen im Außenhandel spiegeln sich wegen der hohen Exportquote von über 70% im DAX wider. Nach Beendigung der Berichtssaison der Zahlen für das dritte Quartal zeigt sich, dass im…

Wie abhängig ist Saudi-Arabien vom US-Goodwill?

Zuletzt ist der Preis für Brent-Rohöl bis auf 58 US-Dollar je Barrel zurückgegangen. Der Hauptgrund für diesen erneuten Preisrutsch waren Spekulationen, dass Saudi-Arabien die Förderung ausweiten würde – im Gegenzug für die jüngste öffentliche US-Rückendeckung Riads im Zusammenhang mit der „Khashoggi-Affäre“. Khalid Al Falih hatte erklärt, dass der Wüstenstaat seine Förderung im November – auf expliziten Nachfragewunsch seiner Kunden – von 10,6 mbd im Oktober auf „über 10,7 mbd“ angehoben habe. Jenseits dieser offiziellen Verlautbarung gehen am Markt aber auch anonyme Stimmen um, die von einer Förderanhebung auf über 11 mbd berichten. Im Kontext der aktuellen „Angebotsüberschuss-Debatte“ und der Markterwartung hinsichtlich einer unmittelbar bevorstehenden OPEC+-Förderkürzung wäre eine solche Produktionshöhe Saudi-Arabiens natürlich äußerst kontraproduktiv für den Preis. Da sich US-Präsident Donald Trump erst kürzlich bei Saudi-Arabien zunächst öffentlichkeitswirksam per Twitter für die sinkenden Rohölpreise bedankt hatte und später noch überraschend deutlich erklärte, dass die USA trotz der Fragen aufwerfenden Ermordung des…

Die Fed rudert zurück

Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Rates der US-Notenbank vom 8. November 2018 („Minutes“) hat überraschende Neuigkeiten über die weitere geldpolitische Ausrichtung der Fed zutage gefördert. Zwar lassen die Minutes kaum Zweifel daran, dass die US-Währungshüter den Leitzinskorridor im Dezember erneut um 25 Basispunkte erhöhen werden. Neu war jedoch, dass die Fed-Oberen beabsichtigen, ihren Tenor im Protokoll zu ändern. Während in der Vergangenheit darauf hingewiesen wurde, dass eine graduelle Erhöhung des Leitzinsniveaus angemessen sei, könnte demnächst im Kommuniqué stehen, dass weitere Leitzinserhöhungen strikt von den Datenveröffentlichungen abhängig sein werden. Noch vor wenigen Wochen hatte Fed-Chef Jerome Powell darauf hingewiesen, dass die Fed einen leicht restriktiven Leitzins in Erwägung ziehe. Viele Marktteilnehmer hatten in den zurückliegenden Monaten daher den Eindruck gewonnen, dass eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte pro Quartal auf absehbare Zeit in Stein gemeißelt sei. Diese Erwartungshaltung wurde mit dem jüngsten Protokoll in Frage gestellt. Eine…

High-Noon in Westminster

Es ist spannender als jeder Krimi. Erst die zähen und langwierigen Verhandlungen mit Brüssel, jetzt der Showdown im britischen Parlament. Der Brexit entpuppt sich einmal mehr als politisches Drama erster Klasse, welches am 11. Dezember seinen vorläufigen Höhepunkt erreichen wird: Dann wird das britische Unterhaus über den EU-Austrittsvertrag abstimmen. Gut sieht die Lage nicht aus. Das Parlament stemmt sich mit Händen und Füßen gegen den Vertrag – wenngleich aus sehr unterschiedlichen Beweggründen. Die Brexit-Hardliner befürchten, dass der Backstop ein Hintertürchen ist, durch das Großbritannien auf alle Ewigkeit in einer Zollunion mit der EU gefangen bleiben wird. Die Befürworter eines Soft-Brexits wünschen sich hingegen ein zweites Referendum – auch um den EU-Austritt möglicherweise noch abwenden zu können. Theresa May versucht derweil, die Bevölkerung für ihren Deal zu gewinnen, um über diesen Weg Druck auf das Parlament auszuüben. Wie geht es also nun weiter? Die Debatten über die „Motion“ beginnen in der…

Rubel bewahrt im Ukraine-Russland-Konflikt die Nerven

Das Jahr 2018 neigt sich allmählich dem Ende zu, Zeit auch für den Rubel, Bilanz zu ziehen. Diese dürfte für die russische Landeswährung durchwachsen ausfallen, musste sie doch im Jahresverlauf sowohl gegenüber dem Euro als auch dem US-Dollar zeitweise spürbar Federn lassen. Einige Klippen gab es zu umschiffen – unter anderem die Schwellenländerkrise sowie den restriktiveren geldpolitischen Kurs der Fed. Doch in den vergangenen Monaten brachten primär die von den USA verhängten Sanktionen gegenüber Russland die dortige Landeswährung in die Defensive. Die erste Runde erfolgte Anfang April als Antwort auf die mutmaßliche russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf. Weitere Strafmaßnahmen folgten im August/September in Reaktion der USA auf die vermutete russische Beteiligung an dem Giftgasanschlag auf den Ex-Agenten Skripal und dessen Tochter sowie auf generell „bösartige Aktivitäten“ Russlands. Überraschenderweise konnte der steigende Ölpreis, traditionell ein Unterstützungsfaktor für die russische Landeswährung, in diesen Zeiten keinen nennenswerten Support bieten. Vielmehr verlor der Rubel…

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