Politik

Europawahlen voraus – der Euro gibt sich gelassen

Nach letzten Umfragen könnten die Skeptiker der Gemeinschaftswährung in Europa (hierunter fallen insbesondere die Fraktionen ECR und EFD im derzeitigen EU-Parlament sowie fraktionslose Abgeordnete) mehr als ein Fünftel der Wählerstimmen erhalten. Dabei machen nicht nur Briten, enttäuschte Griechen und „wahre Finnen“ ihr Kreuz bei den Euro(pa)-kritischen Parteien. Auch im Kern des gemeinsamen Währungsraumes erhalten Euro-Gegner nennenswerten Zuspruch. So liegt die AfD in Deutschland aktuellen Umfragen zufolge bei sieben Prozent. In Frankreich könnte die rechtskonservative Front National sogar stärkste politische Kraft werden. Grund genug zu fragen, ob die Wahl zum Europäischen Parlament das Potenzial hat, den Euro unter Abgabedruck zu bringen. Zugunsten dieser These spricht die Erfahrung der vergangenen Jahre. So wurden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Ländern des Währungsraums (man erinnere sich an die Urnengänge in Griechenland und Frankreich 2012 und in Italien 2013) vor allem von Investoren außerhalb des Euroraums mit Sorge beobachtet. Auf der anderen Seite ist die Unsicherheit über…

Griechenland: Schuldenschnitt durch die Hintertür

In den laufenden Gesprächen zwischen Griechenland und den Kreditgebern über etwaige Schuldenerleichterungen werden vor allem eine Verlängerung der Kreditlaufzeiten sowie eine Herabsetzung der Zinslast diskutiert. Unsere Berechnungen zeigen, dass die Verlängerung der Kreditlaufzeit von 24 auf 50 Jahre den gleichen Barwertvorteil für Griechenland aufweist, als wenn man die Laufzeiten unverändert ließe, aber den Kreditnominalbetrag um ca. 23% reduzierte. Gewährte man Griechenland außerdem einen Zinsvorteil in Höhe von 50 Basispunkten, entspräche dies sogar einer Kreditnominalwertherabsetzung von ca. 40%. Der Barwert der griechischen Gesamtverbindlichkeiten inklusive Zinszahlungen in Höhe von gegenwärtig 194% des BIP ließe sich durch die angedachten Erleichterungen auf 174% reduzieren, wohingegen die aktuelle Schuldenstandsquote – anders als bei einer Herabsetzung des Kreditnominalbetrages – hiervon unberührt und damit auf Rekordniveau bliebe. Der Aussagewert der vielfach beachteten und als Vergleichsgröße gängigen Schuldenstandsquote würde bei einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten damit sinken. Griechenlands finanzielle Lasten als Barwertgröße wären unter Berücksichtigung der diskutierten Krediterleichterungen zwar…

Was passiert, wenn die Ukraine-Krise weiter eskaliert?

Die Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konfliktes in der Ukraine haben sich bislang leider nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Situation spitzt sich immer noch weiter zu und es gibt ständig neue Unruheherde. Die Vereinbarung von Genf hat keine Lösung gebracht. Nach wie vor besteht die Gefahr einer Eskalation. In einem solchen Fall würden wir hierzulande deutlich die Auswirkungen zu spüren bekommen. Mit welchen Einbrüchen müssten wir dann rechnen? Eine weitere Verschärfung der Lage und ein Eingreifen russischer Truppen ist ein durchaus realistisches Risikoszenario. Eine solche Entwicklung hätte dann erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen zur Folge – auch auf Deutschland und die EU-Länder. Denn in diesem Fall würden die westlichen Länder wichtige Wirtschaftssanktionen beschließen. Wir gehen davon aus, das dann die Exporte von Deutschland und den anderen EWU-Länder nach Russland im laufenden Jahr um rund 25% und im Jahr 2015 um rund 50% zurückgehen würden. Die russischen Gasexporte über das ukrainische Pipeline-Netz…

Bank of Japan sieht schwächeres Wachstum

Die Bank of Japan hat ihren Wachstumsausblick für Japans Wirtschaft nach unten revidiert. Im laufenden Fiskaljahr (ab 1. April) sollte die Wirtschaft ein Wachstumstempo von rund 1,1 % erreichen. Dies ist etwa ein Viertelprozentpunkt weniger als noch zu Jahresbeginn von der BoJ erwartet. Ihre Wachstumsprognosen für die folgenden zwei Fiskaljahre sind mit Werten von +1,5 % (Fiskaljahr 2015) bzw. 1,3 % (Fiskaljahr 2016) praktisch unverändert geblieben. Mit diesen Werten würde Japan immer noch ein Wachstum über seiner derzeitigen Potenzialrate erzielen und eine bestehende negative Outputlücke langsam schließen. Am derzeit festen Arbeitsmarkt lässt sich dies gut ablesen. Immerhin ist die Arbeitslosenquote mit 3,6 % zuletzt auf ein neues zyklisches Tief gefallen. Sowohl die kurzfristige Reaktion der Verbraucher auf die Anhebung der Konsumsteuer am 1. April als auch eine schwächer als erwartete Exporterholung dämpfen den Konjunkturaufschwung aber nun erst einmal. Die steuerbedingte Konsumschwäche dürfte im laufenden Frühjahrsquartal zu einer im Vergleich zum…

Einsparpläne in Frankreich: Weniger ambitioniert als gedacht

Nach der Ankündigung von Präsident Hollande zum Jahresbeginn hat Premierminister Valls nun erste Details zu den geplanten Einsparungen im französischen Staatshaushalt folgen lassen. Zwischen 2015 und 2017 sollen die Ausgaben des französischen Staates um 50 Mrd. Euro reduziert werden. Bei einer staatliche Ausgabenquote von mehr als 57 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, um die Abgabenlast für die Wirtschaft zu senken und das Budgetdefizit 2015 wieder unter die 3-Prozent-Grenze zu bringen. Allerdings dürfte sich aus der geplanten Aufteilung der Einsparungen Konfliktpotenzial ergeben. 18 Mrd. Euro sollen im Bereich der Zentralregierung  gekürzt werden, 11 Mrd. an Einsparungen sind bei den Departements und lokalen Verwaltungseinheiten geplant. Darüber hinaus sollen die Ausgaben im Gesundheitswesen um 10 Mrd. Euro und im Sozialsystem um 11 Mrd. Euro reduziert werden. Neben den Gehältern im öffentlichen Dienst und zahlreicher Leistungen im Sozialsystem sollen die Renten, deren Entwicklung sonst an die Inflationsrate…

Deutsche Konjunktur: Gegenwind wird 2015 stärker

Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland wird dieses Jahr zu einer kräftigen Wachstumsbeschleunigung führen, doch die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung sorgen im kommenden Jahr zunehmend für Gegenwind. Vor allem die Einführung des Mindestlohns und die abschlagsfreie Rente ab 63 werden die Wirtschaftsentwicklung und den Arbeitsmarkt belasten. Das sind die Kernaussagen des Gutachtens, das die Wirtschaftsforschungsinstitute aus der „Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose“ heute veröffentlicht haben. Das heimische Wirtschaftswachstum dürfte gemäß der Analyse der Institute 2014 und 2015 jeweils rund 2% betragen, das ist gegenüber dem vergangenen Jahr (+0,4%) eine kräftige Beschleunigung. Dazu trägt die Konjunkturerholung in anderen Industrieländern wie den USA bei, aber vor allem auch die kräftige Binnennachfrage in Deutschland. Da der Arbeitsmarkt fest ist und die Einkommen steigen, wird der private Konsum eine wichtige Wachstumsstütze sein. Die Unternehmen sind nach dem Abflauen der Euro-Krise auch wieder zu mehr Investitionen bereit. Insofern ist das gesamtwirtschaftliche Umfeld derzeit ausgesprochen günstig. Neben globalen Risiken…

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