Politik

Chinas Wirtschaft drosselt Wachstumstempo weiter

Die Konjunktur in China hat zum Auftakt des laufenden Jahres weiter an Schwung verloren: Den offiziellen Angaben des National Bureau of Statistics zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und damit mit der niedrigsten Rate seit dem Tiefpunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise vor fünf Jahren. Auch im direkten Quartalsvergleich hat das Wirtschaftswachstum zuletzt nochmals etwas an Dynamik verloren: Die saisonbereinigte Quartalsrate verringerte sich von 1,5 auf 1,3 Prozent – so tief hat sie seit dem Winterhalbjahr 2008/09 nicht mehr gelegen. Ein Wachstumseinbruch ist dies sicherlich nicht, wohl aber eine Fortsetzung des moderat abwärts gerichteten Wachstumspfads, dem die chinesische Wirtschaft seit geraumer Zeit folgt und den die politische Führung in Peking auch anstrebt und gut heißt. Die jüngste Absenkung des offiziellen Zielwertes für das Wirtschaftswachstum Anfang März von 7,5 auf 7 Prozent ist in diesem Kontext zu sehen. Ein Blick auf die Ursachen des…

Der Preis niedriger Zinsen

Seit Anfang der 90er Jahre sind tendenziell immer weiter sinkende Zinsen zu beobachten. Sowohl im Bereich der Geldanlage als auch bei Krediten haben die Zinssätze in letzter Zeit neue historische Tiefststände erreicht. In verschiedenen Anlagekategorien fiel der Realzins sogar negativ aus. Von der anhaltenden Phase extrem niedriger Zinsen gehen diverse Wirkungen auf die privaten Haushalte in Deutschland aus, die mit Nachteilen, aber auch Vorteilen verbunden sind und teilweise erst zeitlich verzögert eintreten. Zu den gravierendsten Folgen zählt der Einbruch der Zinseinkünfte bei der Geldanlage: Im Vergleich zu einem Referenzzinsniveau, das den langjährigen Durchschnittszins ohne außergewöhnliche Inflationsereignisse und größere Krisen widerspiegelt, summieren sich die entsprechenden Einkommenseinbußen der privaten Haushalte in den letzten fünf Jahren auf über 190 Mrd. Euro. Problematisch sind vor allem die Jahre 2011 bis 2013, in denen der durchschnittliche Nominalzins aller verzinslichen Geldvermögensbestandteile der Bürger unter die Inflationsrate fiel. Für letztes Jahr lässt sich lediglich dank einer extrem…

Frankreich: Bonjour Réalité

Die französische Regierung hat ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum nach unten genommen und sich damit unserem Bild der schwachen Konjunkturaussichten immerhin angenähert. Für dieses Jahr erwartet Finanzminister Sapin ein Wachstum von unverändert 1,0 Prozent, in den beiden darauf folgenden Jahren jeweils nur noch 1,5 Prozent. Die vorherigen Schätzungen der Regierung lagen noch bei 1,7 bzw. 1,9 Prozent. Damit liegt die Regierungsprognose für 2016 sogar unter der Erwartung der EU-Kommission in der März-Projektion von 1,8 Prozent. Die Meldungen aus Paris bringen aber auch eine große Überraschung mit sich: Trotz der herabgesetzten Wachstumsprognosen geht die französische Regierung unverändert davon aus, dass sie im Jahre 2017 erstmals wieder die Maastricht-Grenze von 3 Prozent für die Neuverschuldung des Staates unterschreiten wird. Schon im kommenden Jahr soll das Defizit mit 3,3 Prozent nur geringfügig über dieser Marke liegen. Zur Einordnung: Selbst mit ihrem optimistischeren Wachstumsausblick als die Valls-Regierung geht die EU-Kommission im kommenden Jahr immer noch von einem Fehlbetrag von 4,1 Prozent…

Griechenlands Finanzkrise bleibt eine Never-Ending-Story

Das Pokerspiel der Griechen mit den „Institutionen“ (Troika) geht in eine neue Runde. Seit Wochen lastet die Frage auf dem Euro, ob Athen nach den Osterfeiertagen das Geld ausgeht. In der vergangenen Woche gab es noch äußerst widersprüchliche Aussagen. Innenminister Voutzis drohte, dass zuerst Gehälter und Renten bezahlten werden und daher die am Donnerstag (9.4.) anstehende Rückzahlung der IWF-Kreditrate über circa 470 Mio. EUR verschoben werden müsse. Kurze Zeit später beruhigte Arbeitsminister Skourletis die Gemüter, indem er erklärte, dass das Land genug Geld bis Ende April habe. Finanzminister Varoufakis stellte dann nach seinem Treffen mit IWF-Chefin Lagarde klar, dass seine Regierung den Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird. Ein Restrisiko, dass die Rate aus irgendwelchen Gründen doch nicht überwiesen wird, bleibt eindeutig. Für den Euro bedeutet die Fortsetzung der „Griechenland-Saga“ in den nächsten Tagen nicht nur erneuten Gesprächsstoff, sondern durchaus potentiellen Sprengstoff. Die griechische Regierung setzt ihre weltweite Suche nach finanzieller Unterstützung mit…

Griechenland kommt der Staatspleite bedrohlich nahe

Griechenlands öffentliche Kassenlage verschlechtert sich in einem zunehmend bedrohlichen Maße. Nach deutlich schlechter als erwarteten Steuereinnahmen in den ersten knapp drei Monaten des Jahres läuft Griechenland Gefahr, nicht mehr aus eigener Kraft die anstehenden Zahlungen für Gehälter, Renten und an die Gläubiger in vollem Umfang zu leisten. Allein an den IWF muss Griechenland bereits am 9. April eine Tranche in Höhe von rund 470 Mio. Euro überweisen. Weiteres Ungemach droht der Regierung in Athen durch die Beschränkungen für griechische Geschäftsbanken, T-Bills zu kaufen. Bei der nächsten T-Bill Auktion am 8. April wird die Regierung von Ministerpräsident Tsipras darauf hoffen müssen, dass die griechische Notenbank die Nachfragelücke, die die Geschäftsbanken aber auch ausländische Investoren hinterlassen, schließen wird. Da es sich mehr um eine Frage von Tagen oder Wochen handeln würde, bis Griechenland selbst bei einer Aussetzung von Gehaltszahlungen in Zahlungsschwierigkeiten geriete, hängt Griechenlands finanzielle Zukunft nun vor allem davon ab, ob…

Die missbrauchte EZB

Viele Bürger im Euroraum haben Schwierigkeiten die aktuelle Politik der Europäischen Zentralbank zu verstehen. Der Aufkauf von Anleihen für mehr als 1000 Milliarden Euro übersteigt ihre Vorstellungskraft. Negative Zinsen halten viele für etwas Absurdes. Viele Menschen haben in diesem Umfeld eine diffuse Angst vor dem Zusammenbruch unseres Geld- und Finanzsystems. Und sie haben eine konkrete Angst vor Altersarmut. Schließlich macht sich bei vielen Bürgern ein zunehmendes Unverständnis über das politische Taktieren der griechischen Regierung und die sich endlos hinziehenden Verhandlungen über die Zukunft Griechenlands breit. In der letzten Woche kam es anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes zu gewalttätigen Protesten in Frankfurt. Das Befremdliche dabei war, dass laut Medienberichten viele der Protestierenden aus dem südlichen Euroraum kamen. Dabei sind das genau diejenigen Länder, die von der aktuellen Geldpolitik der EZB am meisten profitieren. Nicht jeder Protestierer war mit dem Ziel angereist, sein Recht der freien Meinungsäußerung friedlich zu nutzen….

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