Politik

Trump oder Biden – kurzfristig macht das wohl kaum einen Unterschied für die Wirtschaft

Welche Auswirkung hätte eine Wiederwahl Trumps oder ein Wahlsieg Bidens? Beide würden ihren Fokus nach der Wahl wohl darauf richten, die Wirtschaft auf ihrem Erholungskurs zu unterstützen. Vor allem Biden hat sich wiederholt für eine stärkere Rolle des Staates ausgesprochen – die Staatsausgaben würde er kräftig steigern. Finanzieren will er das mit höheren Steuern für Unternehmen und wohlhabende Bürger. Trump dürfte dagegen seinem Kurs treu bleiben: Er will mit Steuersenkungen der Wirtschaft wieder Schwung verleihen. Selbst wenn sich die Herangehensweise an das Thema Fiskalpolitik zwischen Trump und Biden damit unterscheidet, würde das Wahlergebnis zumindest mit Blick auf die kommenden zwei bis drei Jahre wohl kaum einen größeren Effekt für die Wirtschaft bedeuten. Die Maßnahmen, die letztlich umgesetzt werden können, werden maßgeblich von der Zusammensetzung im Kongress abhängen. Nur mit der Rückendeckung beider Kammern könnte der künftige US-Präsident größere Reformen umsetzen. Gerade für Trump scheinen die Chancen dafür derzeit gering. Auch…

Japans Regierungschef Abe zieht sich zurück

Japans Premier Shinzo Abe hat aus gesundheitlichen Gründen seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Mit Abe wird ein Politiker gehen, der große Spuren hinterlässt und der in der japanischen Politik vor allem für mehr Stabilität und Berechenbarkeit gesorgt hat. Seine „Abenomics“, also der Mix aus extrem lockerer Geldpolitik und expansiver (schuldenfinanzierter) Fiskalpolitik, verbunden mit zahlreichen Reformversprechen, hat seine knapp achtjährige Regierungszeit geprägt. Und sie dürfte die Grundrichtung der Wirtschaftspolitik bis zur nächsten Parlamentswahl in einem Jahr und wohl darüber hinaus weiter vorgeben. Zwar fällt die Bilanz der Abenomics bestenfalls gemischt aus, denn Japans Wirtschaftswachstum konnte eigentlich nur in der ersten Hälfte von Abes Amtszeit merklich beschleunigt werden. Vor allem nachhaltige Strukturreformen für die Wirtschaft sind in enttäuschender Weise zu kurz gekommen. Aber seine Politik hat Japan aus der Dauerdeflation herausgebracht. Negative Preisänderungsraten gab es dort zuletzt im Sommerhalbjahr 2016. Allerdings hat sich bisher auch noch kein wirklich dynamischer Inflationstrend durchsetzen können, das…

Auch Notenbanken haben Grenzen

Auch für Notenbanken gibt es Grenzen. Die Leitzinsen können nicht beliebig gesenkt werden, da negative Zinsen den Anreiz erhöhen, Bargeld zu horten und die Kreditvergabe schwächen. Tieringsysteme und Krypto-Währungen bieten hier einen Ausweg und können diese Grenze nach unten verschieben. In den zurückliegenden Jahren haben die Notenbanken den geldpolitischen Stimulus zusehends ausgeweitet und die Zinsen auf Null Prozent und teilweise sogar in den negativen Bereich gesenkt. Die Möglichkeit, den Leitzins unter die Nullprozent-Schwelle zu senken, stärkt nach Ansicht der Verfechter einer negativen Leitzinspolitik (NIRP) den geldpolitischen Transmissionsprozess. Im Vergleich zu einer „regulären“ Leitzinssenkung könne durch den Vorstoß in den negativen Bereich der geldpolitische Impuls seine Wirkung über zusätzliche Transmissionskanäle entfalten. Negative Leitzinsen sind allerdings kein Allheilmittel und nicht frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Eine Studie von Brunnermeier und Koby („The Reversal Interest Rate“) hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dabei insbesondere die Auswirkungen der NIRP auf die Kreditvergabe der Banken…

Türkische Zentralbank ohne Mut

Ungeachtet einer anhaltend schwachen Lira ging die jüngste Sitzung der türkischen Zentralbank ohne neue Beschlüsse zu Ende. Im zugehörigen Statement bekräftigten die Währungshüter zwar das Ziel, den „zugrundeliegenden Trend einer rückläufigen Inflationsrate“ fortzusetzen. Ein negativer realer Leitzins im Bereich von 3,5% in Kombination mit einer Abwertung der Landeswährung in Höhe von fast 9% seit Anfang Juni gegenüber einem momentan nicht gerade vor Kraft strotzenden US-Dollar lassen derartige Lippenbekenntnisse jedoch alles andere als glaubwürdig erscheinen. Mit ihrer Zurückhaltung hat die türkische Zentralbank eine weitere Chance ausgelassen, marktseitiges Vertrauen zurückzugewinnen, die Transparenz ihrer Geldpolitik zu verbessern und den offiziellen Leitzins in seiner Steuerungsfunktion für die Finanzmärkte zu rehabilitieren. So hält die Notenbank den Einwochen-Reposatz zwar offiziell seit Mai konstant bei 8,25%. Allerdings stellt sie den heimischen Finanzinstituten seit einigen Wochen vorrangig Liquidität über die mit 9,75% deutlich teureren Übernachtgeschäfte zur Verfügung. In Folge dieser „restriktiven Geldpolitik durch die Hintertür“ haben sich die…

Japans Wirtschaft im zweiten Quartal im Corona-Tief

  Die japanische Wirtschaft hat im zweiten Quartal schwere Wachstumseinbußen erlitten. Die Wirtschaftsleistung sank vorläufigen Meldungen zufolge um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal und ist damit das dritte Mal in Folge gesunken. Die Corona-Pandemie, die im April und Mai die Ausrufung des nationalen Notstands ausgelöst hatte, hat damit nun zu einem noch stärkeren Konjunkturrückschlag geführt als die letzte globale Finanzkrise von 2009. Dass vor allem der private Konsum im letzten Quartal stark zurückgefallen ist (-8,2 % Q/Q), war angesichts der Anti-Corona-Restriktionen zu erwarten gewesen. Viele Geschäfte waren ja zumindest temporär geschlossen, die Unternehmen hatten Produktionsstopps verkündet und die Arbeitslosigkeit war im Mai auf den höchsten Stand in drei Jahren geklettert. Die Konsumunlust war auch deutlich in den Sentiment-Indikatoren der Wirtschaft ablesbar gewesen. Eindeutig enttäuschend ist allerdings der Umstand, dass auch der Staatsverbrauch im zweiten Quartal negativ war (-0,3 % Q/Q). Hier hätte man erwarten können, dass die expansiven Maßnahmen der…

Sommerloch

Wir sind mitten im Sommerloch. Wirtschaftlich wie politisch gibt es kaum Neuigkeiten. Zumal in den letzten Monaten auf alle eine Vielzahl von Beschlüssen eingeprasselt ist, die jetzt nach und nach auch erst noch verdaut werden muss. Es rückt immer stärker in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit, dass wir lernen müssen, mit Corona zu leben. Das Virus ist auch in den Sommermonaten hoch aktiv und sobald man in der Bevölkerung die notwendige Disziplin schleifen lässt, steigt die Zahl der Neuinfektionen. Zwischenzeitlich gibt es zumindest einige Behandlungsmöglichkeiten, was die theoretischen Kapazitäten der Gesundheitssysteme erhöht. Die Sorge vor einer massiven zweiten Welle ist zwar da, zeigt sich aber nicht in den Stimmungsindikatoren. Hier überwiegt weiterhin die Hoffnung auf eine Normalisierung. Zumal sich einen weiteren nationalen Lockdown aus meiner Sicht eigentlich kein Land mehr erlauben kann, da die wirtschaftlichen Folgekosten zu hoch wären. Was bleibt, ist der Appell an die Menschen achtsam zu sein,…

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