Politik

Schulden sind nicht die Lösung für alles

Die Welt durchläuft die tiefste Krise in der Nachkriegsgeschichte. Doch der Gaube, dass man mit Geld oder mit Schulden alle Probleme lösen kann, hat sich offenbar festgesetzt. So scheint es vielfach kaum noch Hemmungen und kein Überlegen mehr zu geben. Alle Probleme sollen mit schuldenfinanzierten Ausgaben gelöst werden. Diese Überzeugung spiegelt sich auch im neuen Plan von Merkel und Macron wider. Die beiden Regierungschefs wollen der EU-Kommission die Möglichkeit eröffnen, 500 Mrd. Euro am Finanzmarkt aufzunehmen. Die Anleihen werden von den EU-Mitgliedsländern garantiert und sollen aus EU-Haushaltsmittel zurückgezahlt werden. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung einer gemeinsamen Finanzpolitik. Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes sicherlich ein konsequenter Schritt. Aber gerade in Deutschland sollte man solche politischen Entscheidungen gut erklären und die Menschen mitnehmen. Ansonsten könnten die falschen politischen Kräfte aus der wachsenden Unzufriedenheit Kapital schlagen. So richtig diese Initiative im EU-Kontext sein mag, sie zeigt deutlich, dass man…

Vor Inflation muss man keine Angst haben

Angst und Sorge vor Inflation ist unbegründet. Die langfristigen Folgen der Notenbankpolitik sind wohl auf anderen Feldern zu beobachten, die aber genauso folgenreich sein können wie eine dauerhaft hohe Inflation. Wieder einmal geht die Angst vor Inflation um. Auslöser sind diesmal, wie immer wieder in den letzten Jahren, die großen Rettungsprogramme der Zentralbanken. Weltweit wurden die Zinsen gesenkt, Liquidität in die Märkte gepumpt und Assets gekauft. In der Corona Krise haben diese Programme in den größeren Ländern in der Regel die Billionengrenze weit überschritten. Ein Ende ist nicht absehbar. Der enorme Einsatz der Zentralbanken ist kein neues Phänomen. Bereits nach der Finanz- und Schuldenkrise haben die Zentralbanken die Weltwirtschaft mit Programmen dieser Art vor größeren Schäden bewahrt. Auch damals gab es immer wieder Phasen mit einer größeren Sorge vor einem schnellen Inflationsanstieg, doch Inflation gab es in den letzten 10 Jahren aber eigentlich nicht. In der Regel haben die Protagonisten…

Die fetten Jahre sind vorbei

Seit dem Jahr 2014 konnten die deutschen Finanzminister stets Haushaltsüberschüsse vermelden. Insgesamt sind im bundesstaatlichen Gesamthaushalt über die vergangenen sechs Jahre mehr als 200 Mrd. Euro zusammengekommen, die zur Schuldentilgung eingesetzt werden konnten oder in die Rücklagen für die Bewältigung der Flüchtlingskrise geflossen sind. Doch damit ist es nun vorbei, wie spätestens die aktuelle Steuerschätzung deutlich macht. Allein in diesem Jahr werden dem Staatshaushalt im Vergleich zu den Prognosen aus der Vor-Corona-Zeit rund 100 Mrd. Euro an Steuereinnahmen fehlen. Gleichzeitig fallen hohe zusätzliche Ausgaben zur Krisenbewältigung an. Deutschland wird 2020 also auf allen staatlichen Ebenen hohe Defizite aufweisen und vermutlich in nur einem Jahr deutlich mehr neue Schulden machen müssen, als in den sechs Jahren zuvor aufgespart werden konnte. Dabei sind die neuen Schulden unvermeidbar, und man sollte nicht versuchen, dagegen anzusparen. Ökonomen sprechen von „automatischen Stabilisatoren“, die in guten Zeiten die Wirtschaft vor einer Überhitzung bewahren, in schlechten Zeiten…

Europa braucht Europa

Inmitten der Corona-Krise bieten uns zwei ganz besondere Jubiläen die Gelegenheit, trotz der aktuellen Geschehnisse, einen Schritt vom Alltag zurückzutreten und zu erinnern: die Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Terror am 8. Mai 1945 und die Geburt des Europas, wie wir es kennen, nur fünf Jahre später. Wenn Bundeskanzlerin Merkel davon spricht, dass wir uns derzeit den größten Herausforderungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu stellen haben, sagt das nicht nur viel über die gegenwärtige Lage. Es zeugt auch davon, dass wir auf eine inzwischen 75 Jahre währende Phase des Friedens zurückblicken, von der alle Europäer in großem Maße profitieren. Seit der Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950 ist aus einer bloßen Idee ein Bündnis erwachsen, das dem Kontinent neben Frieden auch Wohlstand und soziale Sicherheit gegeben hat. Nicht nur wurden aus ehemaligen Feinden Freunde, auch die Spaltung des Kontinents konnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs überwunden werden. Erfolg kann…

Europa und EZB am Limit

Die Wirtschaft im Euro-Raum stürzt in die mit Abstand tiefste Krise seit der Einführung der Gemeinschaftswährung. Die EU-Kommission spricht in ihrer aktuellen Frühjahrsprognose sogar davon, dass Europa 2020 einen ökonomischen Schock erlebt, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat. In der Eurozone dürfte die Wirtschaftsleistung dieses Jahr demnach um 7,7 Prozent schrumpfen. Für 2021 wird zwar eine deutliche Erholung vorhergesagt, doch wird sie den großen Einbruch nicht wettmachen können. Nach unseren aktualisierten Prognosen dürfte es in diesem Jahr sogar noch kräftiger nach unten gehen. Wir gehen von einem Minus von gut neun Prozent für den Euro-Raum aus. Ob sich dann eine schnelle Erholung anschließt, ist noch alles andere als ausgemacht. Auch wenn EU-Kommission, die nationalen Regierungen und die Europäische Zentralbank alles in ihrer Macht Stehende dafür tun. Durch ein Urteil aus Karlsruhe ist die EZB in dieser Woche noch zusätzlich unter Druck geraten. Das Bundesverfassungsgericht hat…

US Banken scheuen das Risiko

Die US-Banken werden im Kredit deutlich restriktiver. Dies zeigen die jüngsten Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage der US Notenbank unter den Banken zum Kreditgeschäft (Senior Loan Officer Survey). Sollte es zu einer Insolvenzwelle kommen, dürfte die konjunkturelle Erholung sehr schleppend verlaufen. Daher versucht die US Notenbank zurzeit fast im Alleingang die Kreditversorgung zu sichern. Die Standards für kommerzielle Kredite sowie für Kredite an private Haushalte haben sich im Zuge der COVID-19-Krise dramatisch verschärft. In der Subkategorie der Unternehmen gaben die Befragten zu Protokoll, dass die Kreditbedingungen per Saldo sowohl für die großen und mittleren als auch für die kleinen Firmen in einem erheblichen Maße verschärft wurden. Außerdem sind die Margen für risikoreichere Kredite kräftig gestiegen und die Erfordernisse für Sicherheiten wurden erheblich erhöht. Als Ursache, die zu der deutlichen Verschärfung der Gewährung von Unternehmenskrediten beigetragen haben, erwähnten die Kreditinstitute vor allem eine geringere Risikotoleranz. Diese basiere insbesondere auf den allgemeinen Konjunkturaussichten,…

1 2 3 123