Politik

Industrie im Euroraum weiterhin im Rückwärtsgang

Die Stabilisierung des Konjunkturausblicks für den Euro-Raum, die sich seit Beginn des Jahres 2019 angedeutet hat, wird durch die anhaltenden Belastungen im Industriesektor gefährdet. Das zeigt die aktuelle Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK. Unser konjunktureller Frühindikator ist im März wieder um 0,2 Prozent gesunken, nachdem er sich in Januar und Februar 2019 leicht erholen konnte. Während sich fast die Hälfte der Einzelindikatoren, die in die Berechnung des Euro-Indikators eingehen, im abgelaufenen Monat zumindest leicht positiv entwickelten, gab es aus dem Industriebereich einen deutlich negativen Beitrag. Besonders ungünstig wirkte sich die Stimmungsverschlechterung unter den Einkaufsmanagern im verarbeitenden Gewerbe aus. Denn gemäß Markit-Umfrage verzeichnete der EWU-Industriesektor im März die stärksten Geschäftseinbußen seit knapp sechs Jahren. Zudem sind auch die Produktionserwaetungen im verarbeiteten Gewerbe zum vierten Mal in Folge gefallen. Eine eher optimistische Stimmung herrscht dagegen weiterhin bei den privaten Haushalten vor. Zwar sehen auch sie den Konjunkturausblick nicht mehr ganz so…

Steht die Türkei vor der nächsten Krise?

In der Türkei finden am kommenden Wochenende Kommunalwahlen statt. An den Finanzmärkten macht sich diese eigentlich nicht relevante Wahl deutlich bemerkbar. So fielen gestern die Aktienkurse in der Türkei über 5%. Gleichzeitig verstärkt die Regierung oder besser die Notenbank ihre Aktivitäten, um Spekulationen gegen die türkische Lira (TRY) zu erschweren: Zum einen wurden die TRY-Refinanzierungsbedingungen türkischer Geschäftsbanken verteuert, was einer etwas restriktiveren Geldpolitik gleichkommt. Zum anderen wurden die normalerweise täglich durchgeführten US-Dollar-Swap-Auktionen der Zentralbank ausgesetzt. Eine weitere Maßnahme limitiert den Umfang der Lira-Geschäfte, die türkische Banken mit ausländischen Instituten durchführen dürfen. Über die geringere Lira-Liquidität soll es ausländischen Geschäftsbanken offensichtlich erschwert werden, auf eine Abwertung der Lira zu spekulieren. Problematisch ist hierbei, dass türkische Banken – sollte es bei einer restriktiven Regelung bleiben – auch nicht die Möglichkeit haben, über Swap-Geschäfte an Devisen zu kommen. Angesichts der hohen Auslandsverschuldung der türkischen Volkswirtschaft ist ein günstiger Zugang zu Fremdwährungen für die…

Die aktuellen Konjunkturdaten sollte man nicht überinterpretieren

Die jüngsten Daten zur Stimmung in der deutschen und europäischen Industrie sind überraschend schwach ausgefallen. So ist der PMI für Deutschland kräftig gefallen und deutet in der Industrie auf eine Rezession hin. Ähnlich schwach waren die Daten für die restlichen Länder im Euroraum, wenn auch etwas stabiler. Eine schwache Nachfrage aus China und weiterhin hohe politische Risiken, hier vor allem der weiterhin ungelöste Brexit, dürften die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung sein. Aber die wichtige Frage ist nun, wie geht es weiter? Aus meiner Sicht ist die Lage immer noch besser als die Stimmung. Ich rechne weiterhin damit, dass man eine Lösung für den Brexit Streit findet. Es läuft dabei aus meiner Sicht auf eine längere Verschiebung des Brexit hinaus. Auch der Handelskonflikt der USA mit China sollte sich nicht zu einem globalen Handelskrieg ausweiten. Die wirtschaftlichen Impulse aus China dürften auch in den kommenden Monaten schwach bleiben, jedoch sollten…

Immobilienpreise steigen in einigen Ländern langsamer

Die Hauspreise sind an den internationalen Immobilienmärkten im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Der von uns für 20 Länder berechnete Hauspreisindex zeigt aber auch, dass die Preisdynamik trotz des verbreitet niedrigen Zinsniveaus nachgelassen hat. Dahinter verbirgt sich allerdings kein genereller Trend, sondern zunehmend gegenläufige Entwicklungen. Denn während die Häusermärkte in einigen Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder Portugal kräftig auf die Tube gedrückt haben, sind die Hauspreise insbesondere dort, wo es über viele Jahre fast kontinuierlich bergauf ging, unter Druck geraten. In Australien und Schweden sanken die Preise sogar etwas. Aufgrund der voraussichtlich auch weiterhin niedrigen Hypothekenzinsen dürften die Preise an den meisten internationalen Immobilienmärkten weiter steigen. Die Zeit für besonders kräftige Preiszuwächse scheint aber vorüber. Makroprudentielle Instrumente erschweren die Immobilienfinanzierung, hohe Kaufpreise belasten die Erschwinglichkeit und die international schwächere konjunkturelle Entwicklung schiebt die Märkte weniger stark an. Dazu kommt, dass der Wohnungsbau in einer ganzen Reihe von Ländern zugenommen hat…

China: Die Gründe für den unheimlichen Kursaufschwung

In China steigen die Börsen wie in den besten Tagen. Mit dem katapultartigen Anstieg der Kurse 2019 wurde eine Einigung der amerikanisch-chinesischen Zollverhandlungen vorweggenommen. Auch der langfristige Ausblick spricht für China: Die chinesische Wirtschaft dürfte in diesem Jahr rund viermal so schnell wachsen wie die deutsche Wirtschaft. Darüber hinaus wird das „alte China“ langfristig durch das „neue China“ in der Industrie- und Dienstleistungslandschaft ersetzt. Das „alte China“ wird an der Börse repräsentiert von Unternehmen aus den Bereichen wie Immobilien, Grundstoffe oder Finanzen. Diese wachsen langsamer oder kämpfen mit Problemen wie Überkapazitäten oder notleidenden Kredite. Dies ist einer der Gründe, warum diese Aktien im ohnehin schwachen Marktumfeld im Dezember 2018 mit besonders hohen Abschlägen zur Bewertung des Gesamtmarktes gehandelt wurden. Diese Unterbewertung wurde durch den Kursanstieg 2019 wieder ausgeglichen. Dennoch sind die Anleger immer noch auf der Suche nach Wachstumsstories jenseits defensiver Aktien (obwohl dies auch gute Anlagemöglichkeiten sein können). Diese…

Deutscher Wohnungsmarkt: Genehmigungen 2018 leicht rückläufig, zunehmende Regulierung könnte dies noch verschlimmern

Das zu knappe Wohnungsangebot ist ein wesentlicher Grund für kräftig steigende Immobilienpreise und Mieten. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Denn die Zahl der Baugenehmigungen ist im vergangenen Jahr sogar minimal um 0,2% auf 347.300 Wohnungen zurückgegangen. Das ist auf den ersten Blick weniger gravierend, schließlich ist die Genehmigungszahl nicht einmal um 1.000 Einheiten gesunken. Abwärts ging es zudem vor allem bei Wohnheimen. Dagegen ist die Zahl der genehmigten Häuser und Wohnungen um 3.000 auf 332.600 Stück gestiegen. Problematischer ist, dass der Bau neuer Wohnungen nicht hinterherkommt: Es stockt bei den Fertigstellungen. Im vergangenen Jahr dürften rund 300.000 gebaut worden sein, rund 100.000 Einheiten unter dem geschätzten jährlichen Neubaubedarf. Ein größerer Zuwachs ist angesichts der weitgehend ausgelasteten Bauwirtschaft kaum möglich. Für wesentlich mehr Fertigstellungen benötigt der arbeitsintensive Bausektor mehr Mitarbeiter, die zwar händeringend gesucht werden, angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt aber kaum verfügbar sind. Gebremst wird der…

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