Politik

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird’s langsam eng

Im Rahmen ihrer regelmäßigen „Engpassanalyse“ hat die Bundesagentur für Arbeit festgestellt, dass vor allem in technischen Berufsfeldern, wie z. B. in der Automatisierungs- und Energietechnik, aber auch in Gesundheits- und Pflegeberufen, also z. B. bei Humanmedizinern und examinierten Pflegekräften, mittlerweile ein „bundesweiter Fachkräftemangel“ besteht. Die deutschen Unternehmen haben demnach immer größere Schwierigkeiten, geeignetes Personal für ihre Vakanzen zu finden. Dies mag in Anbetracht von immer noch knapp drei Millionen Arbeitslosen zunächst verwundern. Doch bereits seit 2011 haben sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt Beschäftigung und Arbeitslosigkeit entkoppelt. So stieg in den ersten Monaten 2014 die Beschäftigung im Vorjahresvergleich insgesamt um rund 360.000, die Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs erhöhte sich sogar um mehr als 400.000. Die Arbeitslosenzahl liegt 2014 bislang dagegen nur etwa 35.000 unter Vorjahr. Das heißt, der weitaus größte Teil der neu geschaffenen Stellen kann nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus besetzt werden. Vielmehr sind die Unternehmen auf neu auf den Arbeitsmarkt…

Bundestag beschließt Mindestlohn

Nachdem die Regierungskoalition sich zu Wochenbeginn auf letzte Übergangsregelungen für den Mindestlohn (Zeitungszusteller, Erntehelfer und freiwillige Praktika) geeinigt hatte, hat der Bundestag den Weg für das Gesetz zur allgemeinen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro frei gemacht. Damit dürften ab dem 1.1.2015 laut Regierungsangaben rund 3,7 Mio. Beschäftigte in Deutschland von einer Lohnanhebung auf 8,50 Euro profitieren. Andere Untersuchungen kommen auf eine Größenordnung von 4 bis 4,5 Mio. Besonders starke Auswirkungen wird die Einführung des Mindestlohns in Ostdeutschland und in Kleinstunternehmen haben: Einerseits verdienen in den ostdeutschen Bundesländern rund 30 Prozent der Beschäftigten weniger als 8,50 Euro, andererseits rund 40 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Welche Auswirkungen sind nun gesamtwirtschaftlich zu erwarten? Zunächst einmal verteuert die Einführung eines Mindestlohns den Faktor Arbeit im geringfügigen Beschäftigungsbereich. Inwieweit die Unternehmen diesen Kostenanstieg über höhere Preise an die Verbraucher weitergeben können oder Arbeitsplätze streichen müssen, hängt auch von der konjunkturellen Lage…

Irische Regierung kommt bei Konsolidierung erfolgreich voran

Das irische Finanzministerium hat gestern erfreuliche Zahlen für die finanzielle Entwicklung des Regierungshaushalts im ersten Halbjahr gemeldet. So lag zwischen Januar und Juni das Defizit zwar immer noch bei gut 4,9 Mrd. Euro. Das Plan-Soll der Regierung sah aber einen Fehlbetrag von knapp 6 Mrd. Euro vor, sodass der Musterschüler Irland wieder einmal seine fiskalischen Hausaufgaben mit Bravour gemeistert hat. Verglichen mit dem ersten Halbjahr im zurückliegenden Jahr wurde das Defizit um 1,7 Mrd Euro zusammengezurrt. Der Primärsaldo, der die Zinszahlungen herausrechnet, hat sich ebenfalls deutlich verbessert: So lag das Minus nur noch bei 0,6 Mrd Euro. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2013 waren es noch gut 2,2 Mrd Euro! Bei den Einnahmenposten konnte Finanzminister Noonan fast überall positive Nachrichten vermelden. Besonders kräftig zogen im ersten Halbjahr die Steuereinnahmen an. Sprudelnde Einnahmen aus den Einkommensteuern und aus Mehrwert- und Verbrauchsteuern sprechen dafür, dass die irische Wirtschaft dieses Jahr wieder ein…

Katalonien strebt nach Unabhängigkeit

Katalonien liebäugelt bereits seit Langem mit der Unabhängigkeit von Spanien. Die Folgen der Staatenfinanzkrise verliehen den Befürwortern noch einmal Rückenwind. Madrid wehrt sich jedoch gegen diese Bestrebungen und dürfte ein konsultatives Referendum über die Unabhängigkeit weiter hinausschieben. Da Spanien wirtschaftliche, fiskalische und politische Nachteile befürchtet, bis hin zu einem Dominoeffekt, liegt der Fortbestand der Nation in seiner jetzigen Form in Spaniens Interesse. Katalonien wäre wirtschaftlich sicher überlebensfähig, auch wenn das zumindest zeitweise Ausscheiden aus der EU auch Nachteile hätte. Wechselkursrisiken durch den Austritt aus der EWU ließen sich durch Wechselkursanbindung an den Euro minimieren. Kritisch dürfte die Frage der Verteilung der spanischen Schulden auf Rest-Spanien und Katalonien sein. Das Ergebnis hätte allerdings maßgeblichen Einfluss auf die Bewertung katalonischer sowie auch spanischer Anleihen durch den Markt. Während sich die Ratingagenturen mit deutlichen Anpassungen bei Katalonien erst einmal zurückhalten dürften, könnte Spanien in einem ungünstigen Fall sogar die Herabstufung drohen. Auch könnten…

EU-Gipfel: Fast alle haben Punkte gewonnen…

Die EU-Staats- und Regierungschefs gehen aus dem zweitätigen Gipfel im belgischen Ypern mit den im Vorfeld erwarteten Ergebnissen heraus. Befürchtungen waren nach dem sozialdemokratisch-sozialistischen Mini-Gipfel am zurückliegenden Wochenende aufgekommen, dass die Staatenlenker den Stabilitäts- und Wachstumspakt weiter aufweichen könnten. Doch am bestehenden Regelwerk wird erst einmal nicht gerüttelt: Das hat auch der designierte Kommissionschef Juncker in dieser Woche klar gemacht, die „eiserne Kanzlerin“ Merkel sowieso. Punkte für Deutschland! Doch auch die europäischen Krisenländer, die auf eine Aufweichung des Konsolidierungspfads gedrängt hatten, konnten Punkte ergattern. Denn die bestehenden Spielräume im Stabilitätspakt sollen flexibel genutzt werden, um das Wachstum anzukurbeln. Damit setzt sich der bereits eingeschlagene wirtschaftspolitische Kurs fort, dass die Konsolidierungsziele nicht mehr um jeden Preis – sprich starke Wachstumseinbußen – erzielt werden müssen, sondern dass die konjunkturelle Lage bei der Erreichung der Defizitziele stärker berücksichtigt wird. Wie „kreativ“ die Krisenländer mit den Freiräumen umgehen werden, wird sich schon im zweiten…

Abschlagsfreie Rente mit 63 verschärft Fachkräftemangel

Viele Unternehmen in Deutschland klagen seit Jahren über fehlende Fachkräfte. Monat für Monat bleiben zahlreiche offene Stellen unbesetzt. Dadurch entstehen den betroffenen Unternehmen beträchtliche Wertschöpfungsverluste, die die Wirtschaftskraft dämpfen. Die abschlagsfreie Rente mit 63, die zum 1. Juli in Kraft tritt, wird den Fachkräftemangel zusätzlich verschärfen. Durch die neue Rentenreform haben allein in diesem Jahr etwa 200.000 Personen Anspruch auf eine Frühverrentung. Die Regierung geht jedoch davon aus, dass nur ein Viertel der Berechtigten früher in Rente geht. Das Interesse ist aber bereits vor der Einführung am Dienstag groß. Der erste Andrang auf die Rentenversicherungen – über 12.000 Anträge liegen bereits vor – könnte den Anfang einer Frühverrentungswelle darstellen, die dem Arbeitsmarkt weitere händeringend gesuchte Fachkräfte entzieht. Besonders prekär wäre der Verlust für die MINT-Berufe – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – wo heute schon der Bedarf an Fachkräften das Angebot deutlich übersteigt. Diese technisch geprägten Berufe stehen ganz besonders für…

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