Regulierung / Banken

Weltspartag 2019: „Mehr als Geld und Zinsen“

In Deutschland boomte der Weltspartag in den 1970er- und 1980er-Jahren, als Jahr für Jahr Millionen Kunden mit ihren Kindern in die Banken pilgerten, um Sparschweine zu leeren, Geld anzulegen und sich am Wachstum des Geldvermögens zu erfreuen. Heute herrscht dagegen eher Frust, wenn es ums Sparen geht. Schuld ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Seit Längerem reichen die mageren Zinserträge nicht mehr, um wenigstens die Inflation auszugleichen. Negative Realrenditen sind an der Tagesordnung und sorgen für einen Wertverlust des Geldvermögens in Milliardenhöhe. In diesem Umfeld fragen sich viele Bankkunden, ob Sparen überhaupt noch Sinn macht. Tatsächlich besteht jedoch reichlich Bedarf für regelmäßiges Sparen. Schließlich lässt der demografische Wandel unserer Gesellschaft den „Generationenvertrag“, auf dem die gesetzliche Rente basiert, immer schlechter funktionieren. Für verzinsliche Anlageformen besteht jedoch das Problem, dass mit dem Zinsrückgang der Zinseszinseffekt als wichtiges Standbein des Vermögensaufbaus weitgehend weggebrochen ist. Dabei ist eine Zinsnormalisierung spätestens seit den geldpolitischen Beschlüssen der…

Negativzins auf Einlagen: Aus Anleger- und Bankenperspektive problematisch

Mit dem nahenden Weltspartag 2019 verstärkt sich die Diskussion um drohende Negativzinsen. Tatsächlich rückt eine Zinsnormalisierung spätestens durch die geldpolitischen Beschlüsse der EZB vom September in weite Ferne und die Angst vor anhaltend niedrigen oder gar negativen Einlagenzinsen wächst. Meist wird das Thema aus Anlegerperspektive diskutiert. Doch wie stellt sich die Entwicklung aus Sicht der Banken dar? Während im Kreditgeschäft immer neue Zinstief-Rekorde gemeldet werden, hat sich der Durchschnittszinssatz auf die Kundeneinlagen asymptotisch der 0%-Linie genähert und scheint dort seit Längerem eingefroren zu sein. Gerade die Tatsache, dass den Banken, die als erste Negativzinsen für Normalsparer einführen, Kundenabwanderung droht, macht die 0%-Linie zu einer hohen geschäftspolitischen Hürde. In der Folge schrumpft die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinssätzen. Mit dem beschleunigten Rückgang der Kreditzinsen seit Jahresbeginn hat sich dieser Effekt noch verstärkt und belastet so die Hauptertragsquelle der Banken. Die Einführung von Negativzinsen auf „normale“ Einlagen würde nicht nur zu Kundenabwanderung…

Bank Lending Survey: Deutsche Banken befürchten sinkende Unternehmenskreditnachfrage

Die konjunkturelle Eintrübung in Deutschland schlägt sich spürbar in den Ergebnissen der aktuellen Bankenbefragung der EZB nieder. So gehen die deutschen Institute erstmals seit fünf Jahren mehrheitlich von einer rückläufigen Kreditnachfrage der Firmenkunden in den nächsten Monaten aus. Vor allem von großen Unternehmen wird ein geringerer Kreditbedarf erwartet. Gleichzeitig plant eine leichte Mehrheit der Banken Verschärfungen ihrer Kreditvergaberichtlinien für die Firmenkunden. Damit reagieren die Kreditanbieter auf die aktuelle Abschwächung des Wirtschaftswachstums, von der insbesondere exportstarke Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes betroffen sind. Wie aus der Oktober-Befragung weiter hervorgeht, dürften private Wohnungsbaukredite dagegen zur Stabilisierung des Kreditmarktes beitragen. Hier glaubt eine Mehrheit der Banken an eine weiter wachsende Kreditnachfrage und die Institute beabsichtigen eher eine Lockerung ihrer Kreditrichtlinien als eine Verschärfung. Der Zuwachs der Immobilienkreditnachfrage dürfte sich jedoch allmählich abschwächen. Darauf deuten zumindest die Wohnungsbaugenehmigungen hin, die in Deutschland von Januar bis August um 2,5 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des…

Money for nothing…

Wer kennt nicht den Song der Dire Straits „Money For Nothing“. Die Realität hat uns sogar noch eingeholt. Für Schulden gibt es heute sogar noch Geld zurück. In dieser Logik sind Schulden also ein Vermögensgegenstand geworden und keine Belastung mehr. Damit drehen sich natürlich viele Gesetzmäßigkeiten in der realen Wirtschaft und an den Finanzmärkten um. In den USA kaufen Unternehmen mit neuen Schulden Aktien zurück, da sie sich angesichts der niedrigen Zinsen für Unternehmensanleihen Finanzierungsvorteile versprechen. In Deutschland kann man Immobilienkredite bald zum Nulltarif bekommen. Die niedrigen Zinsen sind natürlich auch ein Grund für die steigenden Hauspreise. Das günstige Zinsumfeld bedeutet jedoch nicht, dass der Weg ins Eigenheim prinzipiell einfacher und erschwinglicher geworden ist. Vielmehr haben sich die Herausforderungen verändert. Die Hürde, die die Haushalte beim Erwerb vom Wohneigentum heute überspringen müssen, ist nicht mehr die tragfähige monatliche Belastung. Da die Eigenkapitalanforderungen der Banken mit den steigenden Immobilienpreisen zugenommen haben,…

Balance wahren

Die erratische Politik von US-Präsident Trump zieht ihre Furchen durch die Weltwirtschaft mit der Folge einer spürbar größeren Unsicherheit hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen. Entsprechend ist die Investitionsneigung der Unternehmen gesunken und die Investitionstätigkeit wird weitgehend auf das Notwendige beschränkt. Immer lauter wird der Ruf nach staatlicher Unterstützung. Im Mittelpunkt dieser Forderungen steht vor allem Deutschland, eines der wenigen Länder mit einem Haushaltsüberschuss. Auch die Zentralbanken stemmen sich gegen die Wachstumsrisiken. Während in den USA die Zentralbank noch versucht, ihr geldpolitisches Pulver trocken zu halten, ist die EZB bereits einen Schritt weiter und prüft alle weiteren Optionen der Geldpolitik, bis hin zum Kauf von Aktien und Bankanleihen. Zumindest hat EZB-Chef Draghi den Prüfauftrag in der letzten Pressekonferenz nicht eingeschränkt. Mit einer zunehmend expansiven Geld- und Fiskalpolitik versuchen Regierungen und Zentralbanken, der Abkühlung der weltwirtschaftlichen Dynamik entgegenzuwirken. Dabei scheint bislang die Geschwindigkeit der Lockerung so hoch zu sein, dass man…

US Notenbank lässt sich alles offen, Zinsen dürften aber sinken

Viele Marktteilnehmer erhofften sich von der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole weitere Informationen, ob sich die jüngste Anpassung in der Mitte des Konjunkturzyklus nicht doch noch zu einem ausgewachsenen Leitzinssenkungszyklus entwickeln wird. Fed-Chef Powell wollte sich aber nicht festlegen und gab keine konkreten Hinweise auf den zukünftigen Pfad der Geldpolitik. Offen war er dagegen dahingehend, dass man kein Handbuch für den Umgang mit dem laufenden Handelskonflikt habe. Dies deutet wiederum auf eine hohe Unsicherheit im FOMC selbst hin. Zwar ist es aus meiner Sicht relativ sicher, dass die US-Leitzinsen im Laufe des Jahres weiter sinken werden. Die spannende Frage ist aber eher, ob weitere Zinssenkungen überhaupt noch einen positiven Effekt auf die Realwirtschaft haben werden, oder nur die Finanzmärkte beflügeln. Der politische Druck auf die US-Notenbank ist zudem weiter gestiegen. Nach Trump ist Powell nun ein Feind – man weiß aber nicht genau für wen oder was. Inwieweit dies in den…

1 2 16