Regulierung / Banken

Das Ende der Zinsen?

Zinsen gab es schon lange vor Christi Geburt, vermutlich gibt es sie seit die Menschen systematisch wirtschaften und Handel treiben. Heute scheint es, als ob diese vieltausendjährige Geschichte der Zinsen an ihr Ende gekommen ist. Der Zins wird zu Grabe getragen von den Zentralbanken. So liegt der durchschnittliche Leitzins in den G10-Staaten derzeit bei gerade einmal 0,05 Prozent. Vielfach haben wir es derzeit sogar mit Negativzinsen zu tun – etwas, das von den Ökonomen bis vor kurzem nur für ein theoretisches Konstrukt gehalten wurde. Wie kommt es zu diesem Ausnahmezustand, und wie lange wird er andauern? Die Nullzinsen sind nur der Endpunkt eines Abwärtstrends, der schon seit den 1980er Jahren andauert. Dem zugrunde wiederum liegt eine lang anhaltende Abwärtsbewegung bei den Inflationsraten, die in den meisten Ländern ziemlich synchron zu beobachten ist. Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen für die sinkenden Inflationsraten – etwa die zunehmende Globalisierung, die demografische…

Corona-Krise dominiert Entwicklung des Kreditgeschäfts im Euroraum

Die Kreditvergabedynamik im Euroraum hat sich im April weiter verstärkt. Das geht aus Zahlen hervor, die heute von der EZB im Zusammenhang mit der Geldmengenentwicklung veröffentlicht wurden. Danach stieg die jährliche Wachstumsrate der Gesamtkreditvergabe an Ansässige im Euroraum auf 4,9 Prozent. Der kräftige Anstieg ist vor allem auf die Folgen der Corona-Krise und die ergriffenen Hilfsmaßnahmen zurückzuführen und macht sich bei den Kreditnehmern unterschiedlich bemerkbar: Während sich der Zuwachs der Bankschulden privater Haushalte verlangsamte, beschleunigte er sich bei den Unternehmen von 5,5 Prozent im März auf beachtliche 6,6 Prozent im April. Noch stärker fiel die Dynamik beim Staatskredit aus. Für die Kreditwirtschaft bedeutet die Krise eine große Herausforderung. Das gilt nicht nur für den organisatorischen Aufwand im Zusammenhang mit den Hilfskrediten. Hinzu kommen die massiven Verschiebungen in der Kreditnachfrage: Während kurz- bis mittelfristige Kredite zur Überbrückung der Krise wachsen, dürfte die Nachfrage nach Investitionskrediten der Unternehmen und nach privaten Wohnungsbaukrediten,…

EUR-USD: Zwischen zwei Fronten gefangen

Die Corona-Krise hat an den internationalen Finanzmärkten extreme Turbulenzen ausgelöst. Insbesondere im März waren zum Teil dramatische Kursbewegungen zu beobachten. Das „Risk-off“ Sentiment zog Aktienmärkte ins schier Bodenlose, während aggressive Spreadausweitungen das Bild an den Kreditmärkten dominierten. An den Devisenmärkten stellt sich die Lage etwas komplexer dar. Auch hier gibt es natürlich traditionelle „Risk-off“ Verhaltensmuster – diese waren zuletzt vor allem unter den Schwellenländerwährungen zu beobachten, die herbe Verluste einstecken mussten. Währungen sind jedoch per definitionem immer eine relative Betrachtung: es ist nicht damit getan festzustellen, dass die Corona-Krise mit massiven wirtschaftlichen Einbußen für alle Länder verbunden sein wird. Die Aufgabe eines Deviseninvestors ist es, einzuschätzen, welche Länder stärker bzw. weniger betroffen sind als der Rest. Wie schwer sich der Markt mit der Abwägung der unterschiedlichen wirtschaftlichen Perspektiven und der Einschätzung darüber, welche Währungen in diesem Umfeld als Sichere Häfen gelten können, getan hat, ist deutlich an den Kursentwicklungen der…

Kommt eine europäische Bad Bank?

Die Financial Times berichtete am Sonntag, dass hochrangige Gespräche zwischen Vertretern der EZB und der EU-Kommission bezüglich der möglichen Gründung einer Bad Bank für die Eurozone stattgefunden hätten. Diese könnte zahlungsgestörte Kredite (NPLs) in Milliardenhöhe von Banken übernehmen und damit deren Bilanzen bereinigen. Dabei scheint es um NPLs zu gehen, die noch aus der Finanzkrise 2008/09 stammen. Die Idee einer Bad Bank zur Entlastung der Banken von NPLs ist nicht neu. So hatten beispielweise Irland, Deutschland und Spanien Abwicklungsgesellschaften im Nachgang zur Finanz- beziehungsweise europäischen Staatsschuldenkrise gegründet und zum Abbau nicht-strategischer Aktiva und NPLs genutzt. Auch eine europäische Bad Bank, wurde bereits Anfang 2017 als Teil einer möglichen Lösung für den hohen NPL-Bestand im Auftrag der EU-Kommission näher untersucht. Die Gründung von nationalen oder einer europäischen Bad Bank könnte zweifelsohne eine wichtige Rolle dabei spielen, die Banken von steigenden NPLs zu entlasten und damit Platz für die Vergabe von neuen…

FOMC: Fed stellt Liquiditätsversorgung sicher

Die eindeutige Botschaft der US-Notenbank von gestern Abend lautet: Das aktuelle Leitzinsniveau ist angemessen. Die derzeitige geldpolitische Ausrichtung dürfte das Wirtschaftswachstum stärken und die Rückkehr zum Inflationsziel von 2% fördern. Vor diesem Hintergrund hat der geldpolitische Ausschuss der Fed bei seiner gestrigen Sitzung den Leitzinskorridor unverändert bei 1,5% bis 1,75% gelassen. Der Leitzinsentscheid ist einstimmig getroffen wurden. Dies war unisono von den Marktteilnehmern erwartet worden. Trotz des unveränderten Leitzinsniveaus wurden andere, wichtige geldpolitische Entscheidungen getroffen. So wurde der Zins für die Überschussreserven (Interest on Excess Reserves IOER) wie erwartet um fünf Basispunkte angehoben. Diese Anpassung ist in erster Linie als technische Maßnahme zu verstehen, damit die IOER und die effektive Fed-Funds-Rate in der Mitte des angestrebten Zinskorridors liegen. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass die Repo-Geschäfte mindestens bis April fortgesetzt werden und die T-Bill Käufe bis ins zweite Halbjahr. Die Notenbanker möchten sicherstellen, dass die Überschussreserven der Geschäftsbanken mindestens bei 1,5…

Lagarde hat keine Eile

Die 500. Ratssitzung genau fünf Jahre nach der Ankündigung des QE-Programms hätte eigentlich für ein aufregendes Ereignis hergehalten. Dass es heute dennoch keine neuen Ankündigungen zur aktuellen Geldpolitik der EZB gab, war nicht überraschend. Zum einen entwickelt sich das Konjunkturbild mit abnehmenden Abwärtsrisiken in etwa so, wie von der EZB erwartet. Dementsprechend musste man den Kurs nicht ändern. Ein interessantes Statement bezüglich Hinweisen, ob Frau Lagarde eher einen hawkishen oder dovishen Kurs favorisiert, war die Brosche, die sie heute trug – eine Eule! Auf der anderen Seite wird die EZB angesichts der nun laufenden strategischen Überprüfung der Geldpolitik auch nicht unbedingt gewillt sein, Anpassungen vorzunehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Warum sollte man auch, wenn man in einem Jahr vielleicht eine andere Herangehensweise hat. Bezüglich der strategischen Überprüfung der Geldpolitik ließ sich Frau Lagarde erstmal nicht in die Karten schauen bzw. festlegen. Auch die Presseinformationen, die inzwischen veröffentlicht wurden,…

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