Regulierung / Banken

Lagarde hat keine Eile

Die 500. Ratssitzung genau fünf Jahre nach der Ankündigung des QE-Programms hätte eigentlich für ein aufregendes Ereignis hergehalten. Dass es heute dennoch keine neuen Ankündigungen zur aktuellen Geldpolitik der EZB gab, war nicht überraschend. Zum einen entwickelt sich das Konjunkturbild mit abnehmenden Abwärtsrisiken in etwa so, wie von der EZB erwartet. Dementsprechend musste man den Kurs nicht ändern. Ein interessantes Statement bezüglich Hinweisen, ob Frau Lagarde eher einen hawkishen oder dovishen Kurs favorisiert, war die Brosche, die sie heute trug – eine Eule! Auf der anderen Seite wird die EZB angesichts der nun laufenden strategischen Überprüfung der Geldpolitik auch nicht unbedingt gewillt sein, Anpassungen vorzunehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Warum sollte man auch, wenn man in einem Jahr vielleicht eine andere Herangehensweise hat. Bezüglich der strategischen Überprüfung der Geldpolitik ließ sich Frau Lagarde erstmal nicht in die Karten schauen bzw. festlegen. Auch die Presseinformationen, die inzwischen veröffentlicht wurden,…

Industriekonjunktur bremst Wachstum der Firmenkundenkredite in Deutschland

Die konjunkturellen Probleme in Teilen der deutschen Industrie schlagen sich zunehmend im Kreditgeschäft der Banken nieder. Wie aus Ergebnissen der aktuellen Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) in Deutschland hervorgeht, haben die Banken im Schlussquartal 2019 ihre Kreditbedingungen für Unternehmen verschärft, z. B. indem Margen ausgeweitet wurden. Zwar war die Kreditnachfrage der Firmenkunden insgesamt weiter gestiegen. Das Wachstum ging jedoch von den kleinen und mittleren Unternehmen aus, während die Kreditnachfrage von Großunternehmen sogar zurückging. Für die kommenden Monate rechnet eine deutliche Mehrheit der Banken mit einer schrumpfenden Kreditnachfrage der Firmenkunden. Im Vergleich zur Oktober-Befragung hat der Anteil pessimistischer Kreditinstitute sogar noch zugenommen, insbesondere was große Unternehmen anbelangt. Auch wenn zunächst keine weiteren Verschärfungen, teils sogar Lockerungen der Kreditvergaberichtlinien geplant sind, dürfte sich das Wachstum der Firmenkundenkredite in den Büchern der Banken Anfang 2020 weiter abschwächen. Damit verstärkt sich ein Trend, der bereits Ende letzten Jahres erkennbar war. Vor…

Konjunkturelle Abkühlung erreicht Kreditgeschäft der Banken in Deutschland

Die konjunkturelle Abkühlung in Deutschland ist inzwischen auch im Kreditgeschäft angekommen. So hat sich das äußerst dynamische Wachstum der Kundenkredite der Banken zuletzt abgeschwächt. Von Ende September 2018 bis Ende September 2019 stiegen die Kredite an Unternehmen, private Haushalte und Staat um 4,0 Prozent auf 2.928,2 Mrd. Euro. Der stärkste Zuwachs konnte erneut bei den Firmenkundenkrediten verzeichnet werden. Allerdings hat sich der Anstieg im Vergleich zur Jahresmitte verlangsamt. Dafür blieb das Wachstum der privaten Wohnungsbaukredite weiterhin stabil auf hohem Niveau. Das konjunkturelle Umfeld, das von einer schwächelnden Industrie, aber einer anhaltend guten Baukonjunktur geprägt ist, spiegelt sich auch in den Erwartungen der Kreditinstitute für die nächsten Monate wider. Diese rechnen mehrheitlich mit einer sinkenden Nachfrage nach Unternehmenskrediten und planen Verschärfungen ihrer Kreditrichtlinien für diese Kunden. Optimistischer zeigen sich die Banken hinsichtlich der Kreditnachfrage privater Haushalte, für die kaum Änderungen der Kreditrichtlinien geplant sind. Mit der allmählichen Wachstumsabschwächung im Kreditgeschäft dürften…

Notenbanken brauchen Entlastung

Die Grenzen der Geldpolitik werden spätestens seit dem jüngsten Lockerungspaket der EZB im September wieder verstärkt diskutiert. Denn je tiefer die Zinsen ins Minus rutschen, desto fragwürdiger erscheinen die positiven realen Effekte für die Konjunktur, die sich die Notenbank davon verspricht. Gleichzeitig steigen die Risiken für die Finanzstabilität, sei es durch eine übermäßige Verschuldung, sei es durch Preisübertreibungen auf den Aktien-, Renten- oder Immobilienmärkten. Doch die Finanzmärkte haben sich auf die überreichliche Liquiditätsversorgung längst eingestellt. Die Jagd nach Rendite führt zu immer riskanteren Investments. Und eine übermäßige Verschuldung scheint bei einem Null- oder Negativzins zunächst einmal kein großes Risiko darzustellen. Das macht für die Zentralbanken den Weg aus den Niedrigzinsen umso schwieriger. Um den Notenbanken ihre Aufgabe zu erleichtern, müssen sie von Seiten der Politik unterstützt werden. Und zwar nicht durch die regelmäßige Aufforderung, die Zinsen doch bitte noch weiter zu senken. Vielmehr müssen die Wachstumsbedingungen in den Volkswirtschaften verbessert…

Weltspartag 2019: „Mehr als Geld und Zinsen“

In Deutschland boomte der Weltspartag in den 1970er- und 1980er-Jahren, als Jahr für Jahr Millionen Kunden mit ihren Kindern in die Banken pilgerten, um Sparschweine zu leeren, Geld anzulegen und sich am Wachstum des Geldvermögens zu erfreuen. Heute herrscht dagegen eher Frust, wenn es ums Sparen geht. Schuld ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Seit Längerem reichen die mageren Zinserträge nicht mehr, um wenigstens die Inflation auszugleichen. Negative Realrenditen sind an der Tagesordnung und sorgen für einen Wertverlust des Geldvermögens in Milliardenhöhe. In diesem Umfeld fragen sich viele Bankkunden, ob Sparen überhaupt noch Sinn macht. Tatsächlich besteht jedoch reichlich Bedarf für regelmäßiges Sparen. Schließlich lässt der demografische Wandel unserer Gesellschaft den „Generationenvertrag“, auf dem die gesetzliche Rente basiert, immer schlechter funktionieren. Für verzinsliche Anlageformen besteht jedoch das Problem, dass mit dem Zinsrückgang der Zinseszinseffekt als wichtiges Standbein des Vermögensaufbaus weitgehend weggebrochen ist. Dabei ist eine Zinsnormalisierung spätestens seit den geldpolitischen Beschlüssen der…

Negativzins auf Einlagen: Aus Anleger- und Bankenperspektive problematisch

Mit dem nahenden Weltspartag 2019 verstärkt sich die Diskussion um drohende Negativzinsen. Tatsächlich rückt eine Zinsnormalisierung spätestens durch die geldpolitischen Beschlüsse der EZB vom September in weite Ferne und die Angst vor anhaltend niedrigen oder gar negativen Einlagenzinsen wächst. Meist wird das Thema aus Anlegerperspektive diskutiert. Doch wie stellt sich die Entwicklung aus Sicht der Banken dar? Während im Kreditgeschäft immer neue Zinstief-Rekorde gemeldet werden, hat sich der Durchschnittszinssatz auf die Kundeneinlagen asymptotisch der 0%-Linie genähert und scheint dort seit Längerem eingefroren zu sein. Gerade die Tatsache, dass den Banken, die als erste Negativzinsen für Normalsparer einführen, Kundenabwanderung droht, macht die 0%-Linie zu einer hohen geschäftspolitischen Hürde. In der Folge schrumpft die Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinssätzen. Mit dem beschleunigten Rückgang der Kreditzinsen seit Jahresbeginn hat sich dieser Effekt noch verstärkt und belastet so die Hauptertragsquelle der Banken. Die Einführung von Negativzinsen auf „normale“ Einlagen würde nicht nur zu Kundenabwanderung…

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