Regulierung / Banken

US Notenbank freut sich über stabiles Wachstum, macht sich aber zunehmend Sorgen um den Finanzmarkt

Die amerikanische Notenbank ist weiterhin sehr zufrieden mit dem fundamentalen Umfeld und dem Wirtschaftswachstum. So kann man es aus dem Protokoll der letzten FOMC Sitzung lesen. Der Arbeitsmarkt, der Konsum und auch die Produktion des verarbeitenden Gewerbes zeigten alle soliden Zuwächse. Die Wirtschaftsleistung sei trotz der Hurrikan-bedingten Störungen mit einer soliden Rate gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt wächst schneller als das Produktionspotenzial und die Inflation sei durch temporäre beziehungsweise idiosynkratrische Faktoren gebremst worden. Meinungsverschiedenheiten gab es aber bezüglich der mittelfristigen Inflationsdynamik und daraus folgend auch eine Diskussion über mögliche Änderungen der Maßnahmen zur Sicherstellung der Preisstabilität. Auf der einen Seite laufe laut einiger FOMC-Mitglieder die Fed Gefahr, derzeit zu lange auf einen Anstieg der Inflation zu warten und genau damit eine mögliche Instabilität an den Finanzmärkten zu riskieren. Auf der anderen Seite weisen einige Ratsmitglieder auf die im Jahresverlauf wieder gesunkenen Inflationserwartungen hin. Die Inflationsentwicklung wollen die Ratsmitglieder daher genau beobachten, bevor…

Retail Banken: Bei wieder steigenden Zinsen wird die Luft dünner

Dem deutschen Bankensektor droht in der Zeit nach der Niedrigzinsphase, wenn die Zinsen wieder spürbar steigen, eine drastische Verengung der Zinsmargen. Dabei gilt: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss der Banken. Außerdem dürfte der Konditionenwettbewerb zwischen Direktbanken und traditionellen Filialbanken bei wieder steigenden Zinsen in eine zweite Runde gehen. Im wettbewerbsintensiven deutschen Retail Banking haben Kreditinstitute keinen großen Konditionengestaltungsspielraum. Da auch keine grundsätzlich neuen Ertragsquellen absehbar sind, bleiben vor allem zwei strategische Optionen, um einer drohenden Verschlechterung der Cost-Income-Ratio entgegen zu wirken: Kostenreduktion und/oder Marktanteilsgewinne. Insgesamt erhöht sich bei wieder steigenden Zinsen der Druck auf die GuV, die Risiken nehmen zu und den Banken dürfte es schwerer fallen, Rücklagen zu bilden. Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB unterstreichen zwar, dass die EZB einen unkontrollierten kräftigen Zinsanstieg nicht zulassen will. Das ist im Hinblick auf die Finanzmarktstabilität und…

EZB Strukturbericht: Nichtbanken-Finanzsektor nimmt an Bedeutung zu

Gestern hat die EZB ihren jährlichen Bericht zur Strukturentwicklung des Finanzsektors in der Eurozone veröffentlicht. Darin zeigt die Notenbank kurzfristige, aber auch längerfristige Entwicklungen auf, die teilweise intuitiv erscheinen, teilweise aber auch überraschen. Bei der Betrachtung des gesamten Finanzsektors, der neben Banken auch Versicherungen, Pensionsfonds, Investmentfonds und andere Finanzunternehmen umfasst, ist die interessanteste Feststellung, dass der Bankensektor an relativer Bedeutung verliert. Lag der Anteil des Nichtbanken-Finanzsektors vor der Finanzkrise 2008 noch bei 43%, ist er seither bis auf 55% gestiegen. Dabei ist der Finanzsektor insgesamt weiter gewachsen. Summierte sich dessen Volumen 2008 noch auf 55 Bio. Euro, waren es Ende 2015 bereits auf 71 Bio. Euro und Anfang 2017 rund 76 Bio. Euro. Die steigende Bedeutung des Nichtbanken-Sektors erklärt sich auch durch die Tatsache, dass die Veränderungsrate bei den Nettobankkrediten an Unternehmen seit der Finanzkrise in den meisten Jahren negativ war und erst 2016 wieder in den positiven Bereich zurückgekehrt…

Kaum Fortschritte durch neue Vorschläge der EU-Kommission zur Einlagensicherung

Die EU-Kommission hat neue Vorschläge für die vor ihr angestrebte gemeinsame europäische Einlagensicherung EDIS (European Deposit Insurance System) vorgelegt. Abweichend von ihrem bisherigen Entwurf soll der mehrstufige Übergang in ein gemeinsames europäisches Sicherungssystem jetzt beispielsweise nicht mehr automatisch erfolgen, sondern erst nach Prüfung möglicher Altlasten in den Bilanzen der Banken. Insgesamt wird dem Abbau von Altlasten und sonstigen Risiken mehr Gewicht eingeräumt. Außerdem sollen begrenzte subsidiären Hilfen des europäischen Sicherungstopfes im Bedarfsfall lediglich als Liquiditätshilfen für von Schadensfällen überforderte nationale Sicherungseinrichtungen gewährt werden – auf Kreditbasis. Die Kommission will damit die ins Stocken geratenen Verhandlungen über die Einlagensicherung wieder in Gang bringen. So sollen weitere Fortschritte auf dem Weg in eine europäische Bankenunion ermöglicht werden. Mit ihren überarbeiteten Vorschlägen kommt die Kommission Kritikern entgegen, ohne jedoch das Grund-problem zu beseitigen: Vor dem Hintergrund gravierender Risikoungleichgewichte auf den nationalen Bankenmärkten in Europa birgt EDIS die Gefahr, dass eine Vergemeinschaftung von Risiken…

Kaufprogramme von Notenbanken – Nutzen und Nebenwirkungen

Wenn Notenbanken Anleihen kaufen profitieren Schuldner und Investoren in risikobehaftete Assetklassen, wie Aktien. Unternehmen profitieren natürlich auch als Schuldner von solchen Programmen. Die Übernahmen von Unternehmen lassen sich leichter und günstiger finanzieren. Die Größe der Unternehmensübernahmen steigt. Zudem werden wenig profitable Unternehmen durch die niedrigen Zinsen subventioniert. Die Folge von solchen extrem niedrigen Renditen ist im Unternehmenssektor also ein schleichender Prozess der Konzentration, die durchschnittliche Unternehmensgröße nimmt in einzelnen Sektoren tendenziell zu und die Marktkräfte nehmen entsprechend ab. Der größte Profiteur ist aber der Staat. Die Staaten sind die größten Schuldner, entsprechend ist die Zinsersparnis hier auch am größten. Zudem wird es für die Staaten auch sehr leicht, ihre Anleihen zu platzieren, da die Notenbank als ultimativer Nachfrager immer bereit steht. Diese beiden Effekte führen dazu, dass die Reformbereitschaft der Staaten abnimmt. Entsprechend ist es wenig überraschend, dass die Reformbereitschaft der Euro-Länder in den letzten Jahren wieder abgenommen hat. Anleihekaufprogramme…

„Faule Kredite“ bremsen Kreditvergabe und verstopfen geldpolitischen Zinskanal

Die Kreditvergabe im Euroraum hat sich zuletzt insgesamt positiv entwickelt. So wuchsen die Firmenkundenkredite der Banken von Ende Mai 2016 bis Ende Mai 2017 um 2,4 Prozent. Die Erholung der Kreditmärkte verschafft den Eindruck, dass der geldpolitische Zinskanal immer besser in Fluss kommt. Allerdings entwickeln sich die Kredite in sehr unterschiedlichem Tempo: Schrumpfenden Kreditbeständen in einigen südlichen Ländern sowie Irland und den Niederlanden steht ein starkes Kreditwachstum in anderen Ländern gegenüber. Neben konjunkturellen Gründen sind die extrem hohen Bestände „fauler Kredite“ in Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Irland für die Schwäche nationaler Kreditmärkte verantwortlich. Das behindert nicht nur die Investitionen, sondern verstopft auch den Zinskanal in den betroffenen Staaten. Dadurch steht die EZB vor besonderen Herausforderungen: Während die geldpolitische Stimulanz in einigen Ländern kaum greift, ist die Hebelwirkung in anderen regionalen Märkten umso stärker – mit der Gefahr einer Überhitzung vor allem bei Immobilien. Akuter Handlungsbedarf in punkto faule Kredite…

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