Regulierung / Banken

EZB bleibt auf Kurs

Die europäischen Währungshüter stimmen darin überein, dass nach wie vor ein umfangreicher geldpolitischer Stimulus geboten sei. Dies geht aus dem Protokoll der EZB-Ratssitzung vom 9./10. September hervor. Zwar deuten die jüngsten Konjunkturdaten, im Einklang mit den EZB-Projektionen, auf eine kräftige Erholung der wirtschaftlichen Aktivität hin, doch bestehen zugleich erhebliche Abwärtsrisiken. In diesem Zusammenhang wird auf die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und den zunehmend wahrscheinlichen No-Deal Brexit verwiesen. Die EZB werde daher zunächst eine abwartende Haltung einnehmen und die weiteren Wirtschaftsdaten sehr sorgfältig analysieren. Zugleich heben die Notenbank-Oberen aber ihre grundsätzliche Handlungsbereitschaft hervor, sollte dies mit Blick auf den zukünftigen Inflationspfad notwendig werden. In diesem Zusammenhang habe man unter anderem auch die weitere Entwicklung des Euro-Außenwerts im Blick. Man sei grundsätzlich bereit, alle zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente zu adjustieren. Im Zuge der Beratungen wurde nochmals besonders hervorgehoben, dass man davon ausgehe den PEPP-Verfügungsrahmen (1.350 Mrd. Euro) gänzlich…

Notenbanken in Emerging Markets machen sich Gedanken

Während es bei der Geldpolitik in den Industrieländern im Wesentlichen nur darum geht, wer seine Zinsen länger bei null, oder tiefer hält, ist die Welt der Emerging Markets deutlich vielfältiger. Zum einen sind hier die Zinsen meist noch erkennbar oberhalb der Nulllinie, und zum anderen hat zuletzt mit der türkischen Notenbank sogar ein Währungshüter die Zinsen angehoben. Im Falle der Türkei war dies wohl auch überfällig, drohte hier doch der Preisauftrieb deutlich davonzulaufen. Bei Inflationsraten von hartnäckig über 10% (J/J) und zuletzt 11,8%, ließ sich der Leitzins von 8,25% nicht durchhalten und selbst die jüngste Anhebung auf 10,25% sollte nicht ausreichen, den Preisauftrieb in die Nähe der Zielmarke von 5,0% zu drücken. Hierfür sind noch stärkere Geschütze notwendig. Im Universum unserer Währungsanalysen ragt die Türkei mit einer massiven Verfehlung ihres Inflationsziels zwar klar heraus, deutliche Währungsverluste, die zu einem beschleunigten Preisauftrieb führen könnten, sind aber keine Seltenheit. Entsprechend lohnt ein…

Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird. Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst. Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell…

Auch Notenbanken haben Grenzen

Auch für Notenbanken gibt es Grenzen. Die Leitzinsen können nicht beliebig gesenkt werden, da negative Zinsen den Anreiz erhöhen, Bargeld zu horten und die Kreditvergabe schwächen. Tieringsysteme und Krypto-Währungen bieten hier einen Ausweg und können diese Grenze nach unten verschieben. In den zurückliegenden Jahren haben die Notenbanken den geldpolitischen Stimulus zusehends ausgeweitet und die Zinsen auf Null Prozent und teilweise sogar in den negativen Bereich gesenkt. Die Möglichkeit, den Leitzins unter die Nullprozent-Schwelle zu senken, stärkt nach Ansicht der Verfechter einer negativen Leitzinspolitik (NIRP) den geldpolitischen Transmissionsprozess. Im Vergleich zu einer „regulären“ Leitzinssenkung könne durch den Vorstoß in den negativen Bereich der geldpolitische Impuls seine Wirkung über zusätzliche Transmissionskanäle entfalten. Negative Leitzinsen sind allerdings kein Allheilmittel und nicht frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Eine Studie von Brunnermeier und Koby („The Reversal Interest Rate“) hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dabei insbesondere die Auswirkungen der NIRP auf die Kreditvergabe der Banken…

Türkische Zentralbank ohne Mut

Ungeachtet einer anhaltend schwachen Lira ging die jüngste Sitzung der türkischen Zentralbank ohne neue Beschlüsse zu Ende. Im zugehörigen Statement bekräftigten die Währungshüter zwar das Ziel, den „zugrundeliegenden Trend einer rückläufigen Inflationsrate“ fortzusetzen. Ein negativer realer Leitzins im Bereich von 3,5% in Kombination mit einer Abwertung der Landeswährung in Höhe von fast 9% seit Anfang Juni gegenüber einem momentan nicht gerade vor Kraft strotzenden US-Dollar lassen derartige Lippenbekenntnisse jedoch alles andere als glaubwürdig erscheinen. Mit ihrer Zurückhaltung hat die türkische Zentralbank eine weitere Chance ausgelassen, marktseitiges Vertrauen zurückzugewinnen, die Transparenz ihrer Geldpolitik zu verbessern und den offiziellen Leitzins in seiner Steuerungsfunktion für die Finanzmärkte zu rehabilitieren. So hält die Notenbank den Einwochen-Reposatz zwar offiziell seit Mai konstant bei 8,25%. Allerdings stellt sie den heimischen Finanzinstituten seit einigen Wochen vorrangig Liquidität über die mit 9,75% deutlich teureren Übernachtgeschäfte zur Verfügung. In Folge dieser „restriktiven Geldpolitik durch die Hintertür“ haben sich die…

Mehr Macht für die Zentrale

Der neue EU-Hilfsfonds – oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde – soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen. Der Fonds wird in den kommenden drei Jahren 390 Mrd. Euro an Zuschüssen und 360 Mrd. Euro an Krediten an die Mitgliedsstaaten ausreichen. Zur Finanzierung dieses Programms wird die EU-Kommission ermächtigt, im Namen der EU eigene Anleihen aufzulegen und am Kapitalmarkt zu platzieren. Damit hat die EU erstmals die Möglichkeit, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Der Schuldendienst für die neuen EU-Bonds wird dann über den EU-Haushalt abgewickelt, der zukünftig auch eigene Steuereinnahmen haben soll: Ab 2021 soll eine Steuer auf Einwegplastik eingeführt werden, und ab 2023 sollen eine Digitalsteuer und eine CO2-Grenzsteuer hinzukommen. Eine Finanztransaktionssteuer ist ja ohnehin schon länger in Planung. Die EU wird mit den Brüsseler Beschlüssen erstmals zu einem…

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