Regulierung / Banken

Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird. Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst. Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell…

Auch Notenbanken haben Grenzen

Auch für Notenbanken gibt es Grenzen. Die Leitzinsen können nicht beliebig gesenkt werden, da negative Zinsen den Anreiz erhöhen, Bargeld zu horten und die Kreditvergabe schwächen. Tieringsysteme und Krypto-Währungen bieten hier einen Ausweg und können diese Grenze nach unten verschieben. In den zurückliegenden Jahren haben die Notenbanken den geldpolitischen Stimulus zusehends ausgeweitet und die Zinsen auf Null Prozent und teilweise sogar in den negativen Bereich gesenkt. Die Möglichkeit, den Leitzins unter die Nullprozent-Schwelle zu senken, stärkt nach Ansicht der Verfechter einer negativen Leitzinspolitik (NIRP) den geldpolitischen Transmissionsprozess. Im Vergleich zu einer „regulären“ Leitzinssenkung könne durch den Vorstoß in den negativen Bereich der geldpolitische Impuls seine Wirkung über zusätzliche Transmissionskanäle entfalten. Negative Leitzinsen sind allerdings kein Allheilmittel und nicht frei von unerwünschten Nebenwirkungen. Eine Studie von Brunnermeier und Koby („The Reversal Interest Rate“) hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dabei insbesondere die Auswirkungen der NIRP auf die Kreditvergabe der Banken…

Türkische Zentralbank ohne Mut

Ungeachtet einer anhaltend schwachen Lira ging die jüngste Sitzung der türkischen Zentralbank ohne neue Beschlüsse zu Ende. Im zugehörigen Statement bekräftigten die Währungshüter zwar das Ziel, den „zugrundeliegenden Trend einer rückläufigen Inflationsrate“ fortzusetzen. Ein negativer realer Leitzins im Bereich von 3,5% in Kombination mit einer Abwertung der Landeswährung in Höhe von fast 9% seit Anfang Juni gegenüber einem momentan nicht gerade vor Kraft strotzenden US-Dollar lassen derartige Lippenbekenntnisse jedoch alles andere als glaubwürdig erscheinen. Mit ihrer Zurückhaltung hat die türkische Zentralbank eine weitere Chance ausgelassen, marktseitiges Vertrauen zurückzugewinnen, die Transparenz ihrer Geldpolitik zu verbessern und den offiziellen Leitzins in seiner Steuerungsfunktion für die Finanzmärkte zu rehabilitieren. So hält die Notenbank den Einwochen-Reposatz zwar offiziell seit Mai konstant bei 8,25%. Allerdings stellt sie den heimischen Finanzinstituten seit einigen Wochen vorrangig Liquidität über die mit 9,75% deutlich teureren Übernachtgeschäfte zur Verfügung. In Folge dieser „restriktiven Geldpolitik durch die Hintertür“ haben sich die…

Mehr Macht für die Zentrale

Der neue EU-Hilfsfonds – oder die neue Aufbau- und Resilienzfazilität (Recovery and Resilience Facility (RRF)), wie sie im Abschlussdokument des Gipfels bezeichnet wurde – soll wie von der EU-Kommission vorgeschlagen 750 Mrd. Euro umfassen. Der Fonds wird in den kommenden drei Jahren 390 Mrd. Euro an Zuschüssen und 360 Mrd. Euro an Krediten an die Mitgliedsstaaten ausreichen. Zur Finanzierung dieses Programms wird die EU-Kommission ermächtigt, im Namen der EU eigene Anleihen aufzulegen und am Kapitalmarkt zu platzieren. Damit hat die EU erstmals die Möglichkeit, sich über eine eigene Kreditaufnahme am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Der Schuldendienst für die neuen EU-Bonds wird dann über den EU-Haushalt abgewickelt, der zukünftig auch eigene Steuereinnahmen haben soll: Ab 2021 soll eine Steuer auf Einwegplastik eingeführt werden, und ab 2023 sollen eine Digitalsteuer und eine CO2-Grenzsteuer hinzukommen. Eine Finanztransaktionssteuer ist ja ohnehin schon länger in Planung. Die EU wird mit den Brüsseler Beschlüssen erstmals zu einem…

Corona-Krise belastet Kreditgeschäft der Banken im Euroraum

  Die Corona-Krise dominiert weiter das Kreditgeschäft der Banken im Euroraum. Rechneten die Kreditinstitute in der April-Umfrage der EZB noch mit einer stark steigenden Firmenkreditnachfrage und einem deutlichen Rückgang der privaten Immobilienkredite in den nächsten Monaten, hat sich das Bild in der aktuellen Umfrage wieder normalisiert: Jetzt findet sich nur noch eine kleine Mehrheit, die mit einer fortgesetzt steigenden Unternehmenskreditnachfrage rechnet und bei den Immobilienkrediten sind die Banken inzwischen leicht optimistisch. Tatsächlich fragten die Unternehmen als Folge der Krise zuletzt verstärkt Hilfskredite nach, um Liquiditätsengpässen durch Lockdown und Produktionsstopps zu begegnen. Vor allem Kredite mit mittlerer Laufzeit waren gefragt. Ende Mai konnte in diesem Segment ein beachtlicher Zuwachs von 15,5 Prozent registriert werden. Dagegen hat sich der Pessimismus bei den Wohnungsbaukrediten nicht bewahrheitet. Das Kreditwachstum hat sich hier bis Mai sogar leicht auf 4,1 Prozent beschleunigt. Allerdings machen sich die Banken zunehmend Sorgen um die Bonität der Kunden. Beabsichtigten die…

Das Ende der Zinsen?

Zinsen gab es schon lange vor Christi Geburt, vermutlich gibt es sie seit die Menschen systematisch wirtschaften und Handel treiben. Heute scheint es, als ob diese vieltausendjährige Geschichte der Zinsen an ihr Ende gekommen ist. Der Zins wird zu Grabe getragen von den Zentralbanken. So liegt der durchschnittliche Leitzins in den G10-Staaten derzeit bei gerade einmal 0,05 Prozent. Vielfach haben wir es derzeit sogar mit Negativzinsen zu tun – etwas, das von den Ökonomen bis vor kurzem nur für ein theoretisches Konstrukt gehalten wurde. Wie kommt es zu diesem Ausnahmezustand, und wie lange wird er andauern? Die Nullzinsen sind nur der Endpunkt eines Abwärtstrends, der schon seit den 1980er Jahren andauert. Dem zugrunde wiederum liegt eine lang anhaltende Abwärtsbewegung bei den Inflationsraten, die in den meisten Ländern ziemlich synchron zu beobachten ist. Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen für die sinkenden Inflationsraten – etwa die zunehmende Globalisierung, die demografische…

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