Rohstoffmärkte

Wie abhängig ist Saudi-Arabien vom US-Goodwill?

Zuletzt ist der Preis für Brent-Rohöl bis auf 58 US-Dollar je Barrel zurückgegangen. Der Hauptgrund für diesen erneuten Preisrutsch waren Spekulationen, dass Saudi-Arabien die Förderung ausweiten würde – im Gegenzug für die jüngste öffentliche US-Rückendeckung Riads im Zusammenhang mit der „Khashoggi-Affäre“. Khalid Al Falih hatte erklärt, dass der Wüstenstaat seine Förderung im November – auf expliziten Nachfragewunsch seiner Kunden – von 10,6 mbd im Oktober auf „über 10,7 mbd“ angehoben habe. Jenseits dieser offiziellen Verlautbarung gehen am Markt aber auch anonyme Stimmen um, die von einer Förderanhebung auf über 11 mbd berichten. Im Kontext der aktuellen „Angebotsüberschuss-Debatte“ und der Markterwartung hinsichtlich einer unmittelbar bevorstehenden OPEC+-Förderkürzung wäre eine solche Produktionshöhe Saudi-Arabiens natürlich äußerst kontraproduktiv für den Preis. Da sich US-Präsident Donald Trump erst kürzlich bei Saudi-Arabien zunächst öffentlichkeitswirksam per Twitter für die sinkenden Rohölpreise bedankt hatte und später noch überraschend deutlich erklärte, dass die USA trotz der Fragen aufwerfenden Ermordung des…

Rohöl – Preissturz auf 65 US-Dollar nach der übertriebenen Party

Ein Barrel Brent-Rohöl kostet nur noch rund 65 US-Dollar – vor sechs Wochen stand der Preis noch bei 85 USD. Es wurde damals sogar spekuliert, er könne möglicherweise schon in Kürze die 100-USD-Marke erreichen. In volatilen Marktphasen können sechs Wochen eine lange Zeit sein. Ausschließlich fundamental ist der 24%ige Preissturz des Nordsee-Rohöls aber nicht zu erklären. Die vergangenen drei Monate waren eine Phase von Über- und Untertreibungen. Im August war das Preisumfeld ausgesprochen „bullish“: Von den USA waren gerade die ersten Sanktionen gegen Teheran verhängt worden. Iranischen Rohöl-Kunden wurde nahegelegt, ihre Einfuhren auf null zu reduzieren, um scharfen Sekundärsanktionen zu entgehen. In diesem Kontext begann der Markt, iranische Export-Verluste von 1,5-2,0 Mio. Barrel pro Tag (mbd) einzupreisen. Zeitgleich sorgten innenpolitische Probleme in Libyen dafür, dass die Produktion von 1,0 mbd auf 0,6 mbd zurückfiel. Überdies nahm das US-Energieministerium (DOE) unter Verweis auf Pipeline-Probleme im Schiefergas-Premium-Gebiet Permian seine Produktionserwartungen zurück. Schließlich…

Rohölpreise von über 100 USD sind möglich, … aber sehr unwahrscheinlich

Der Brent-Rohölpreis ist in den vergangenen Wochen vor dem Hintergrund der immer näher rückenden US-Energiesanktionen gegen den Iran beständig angestiegen. Im Rahmen dieses jüngsten Versorgungsangst getriebenen Aufwärtsimpulses kletterte der Preis für einen Barrel „Nordsee-Rohöl“ Anfang Oktober sogar erstmals seit 2014 wieder über die Marke von 86 USD. Neuerliche saudische Zusicherungen etwaige Iran-Ausfälle kompensieren zu können, der Mitte Oktober publizierte „Weltkonjunktur-Mahnbescheid“ des Internationalen Währungsfonds sowie die unlängst reduzierten Nachfragewachstumsschätzungen von DOE, IEA und OPEC sorgten zuletzt aber wieder für eine spürbare Preisberuhigung in den Bereich von 81 USD. Angesichts der wieder normalisierten OECD-Lagerbestände, der strukturellen Output-Verluste in Venezuela, der volatilen Produktionsentwicklungen in Libyen und Nigeria sowie der produktionswachstumshemmenden Infrastrukturprobleme im Permian-Becken mehren sich die Stimmen, die die Fähigkeit der OPEC+ zur vollumfänglichen Kompensation der sanktionsbedingten Produktionsverluste im Iran anzweifeln und den Rohölmarkt in den kommenden Monaten in ein veritables Angebotsdefizit abrutschen sehen. Vor diesem Hintergrund sind die OPEC+-Reservekapazitäten und die geschätzen…

Dr. Kupfer stellt nicht immer die richtige Diagnose

Der Kupferpreis ist in den letzten Monaten deutlich unter Druck geraten. Im Vergleich zu seinem Sommerhoch stürzte er um etwa 16% auf aktuell 6.200 USD je Tonne ab. Da Kupfer in ganz unterschiedlichen Branchen, wie etwa der Elektrotechnik, Bauwirtschaft und Telekommunikation eingesetzt wird, gilt „Doktor Kupfer“ als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Daher findet ein solcher Preissturz auch eine hohe Beachtung unter den Anlegern. Dr. Kupfer funktioniert durchaus als Frühindikator, allerdings haben wir aktuell Zweifel, ob die Diagnose des weltwirtschaftlichen Gesundheitszustandes korrekt ist. Die spürbare Preiskorrektur ist nämlich aus unserer Sicht überwiegend auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China zurückzuführen. Die dadurch entstandenen Unsicherheiten schürten Ängste, dass sich die chinesische Kupfernachfrage womöglich deutlich abschwächen könnte. Da China mehr als 50% der globalen Nachfrage stellt, kann nicht verwundern, dass sich daraufhin insbesondere die spekulativen Großanleger von Kupfer trennten und den Preis damit drückten. Allerdings hat sich diese Nachfrageschwäche in China…

Gold-/Silber-Ratio stark erhöht

» Gold-/Silber-Ratio ist aktuell so hoch wie seit 27 Jahren nicht mehr. » Silber kommt als verkapptes Industriemetall unter Druck. » In den nächsten zwölf Monaten wird der Silber- den Goldpreis schlagen Zusammenfassung: Das Preisverhältnis von Gold und Silber (Gold-/Silber-Ratio) findet am Edelmetallmarkt schon immer eine hohe Beachtung. Das Gold-/Silber-Ratio gibt an, welche Menge an Silber aufgebracht werden muss, um eine Unze Gold zu kaufen. Aktuell ist ein Blick auf das Bewertungsparameter besonders interessant, weil es dramatisch auf über 80 gestiegen ist und mittlerweile rund 60% über dem langjährigen Mittelwert notiert. Bei einem Rückblick in die Vergangenheit zeigt sich oftmals, dass Werte oberhalb von 80 eine relative Unterbewertung des Silbers (gegenüber Gold) signalisieren und als Folge mit einer angleichenden Preisbewegung zu rechnen ist. Die Verhältniszahl lag nur Anfang der 1990er-Jahre auf einem noch höheren Niveau. Damals steckten die USA in einer Rezession und der zweite Golfkrieg begann. Die konjunkturelle Lage…

Der Druck im Rohöl-Kessel steigt – Prognose angehoben

Trotz großer Spannungen im Vorfeld konnte sich die OPEC-NOPEC-Kürzungskoalition („OPEC+“) Ende Juni darauf verständigen, ihre kumulierte Fördermenge – aufgrund der angespannten globalen Versorgungslage – zu erhöhen. Ermöglicht wurde die Einigung durch die Formulierung einer bewusst vage gehaltenen Abschlusserklärung, die es praktisch jedem Sitzungsteilnehmer erlaubte, sich zum diplomatischen Gewinner des OPECs auszurufen. Im Atom-Poker mit dem Iran hat sich US-Präsident Donald Trump zwar persönlich bisher noch nicht endgültig festgelegt, mit welcher Rigorosität – und gegebenenfalls mit welchem Zeitplan – er Teherans Rohöl-Exporte aus dem Markt drängen will. Stattdessen hat er vom US-Außenministerium kürzlich eine aggressive „Null-Toleranz-Duftmarke“ (Kurzfristiges Total-Embargo, keine Sekundärsanktions-Sonderregelungen für Irans Kunden) setzen lassen. Obwohl diese Position nachfolgend durch andere Stimmen etwas abgemildert wurde, dürfte die unerwartet scharfe US-Drohgebärde dazu führen, dass sich Irans Rohöl-Kunden mit ihren Einfuhren stärker als zuvor geplant zurückhalten werden. Je erfolgreicher die USA beim kurzfristigen Ausbremsen der iranischen Exporte sind, desto stärker ist – speziell…

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