Rohstoffmärkte

Aktuelle Entwicklungen am Rohölmarkt: Bleibt der Preis stabil?

Nach vier Monaten auf dem außergewöhnlich stabilen Niveau von 54-57 USD hat der Rohölpreis zuletzt um 10% auf 51 USD nachgegeben. Der Grund für die ausgeprägte Korrekturbewegung ist vor dem Hintergrund steigender US-Rohöllagerbestände zu sehen: Es herrscht eine zunehmende Unsicherheit, wann beziehungsweise ob sich die von der OPEC angestrebte Normalisierung der globalen Rohöllagerbestände einstellt. Tatsächlich haben sich die Lagerbestände nicht abgebaut, was wohl großteils daran liegt, dass es den US-Schieferölunternehmen gelungen ist, ihre Fördermengen zügig wieder hochzufahren. Zudem scheinen die Erwartungen einiger Investoren hinsichtlich der Geschwindigkeit des Lagerabbaus etwas überambitioniert gewesen zu sein. Angesichts der aus OPEC-Sicht (noch) suboptimalen Gemengelage sollten sich die OPEC und ihre NOPEC-Partner im Laufe des 2Q2017 zu einer modifizierten Sechs-Monats-Verlängerung des Produktionsbegrenzungsabkommens durchringen. Auf dem Weg zum OPEC-Beschlussgipfel in Wien (25.05.) wird sich in erster Linie Saudi-Arabien wieder mehrdeutig und nebulös zum Fortgang der Dinge äußern, um die Niveauhöhe und die Form der Rohöl-Terminkurve mittels…

Rohöl: Kürzende OPEC und steigende Lagerbestände – ein Paradoxon?

So mancher Marktteilnehmer reibt sich beim Blick auf die derzeit über die Ticker laufenden Rohöl-Nachrichten schon etwas verwundert die Augen. So sind die im Investorenfokus stehenden Rohöllagerbestände in den USA seit dem Jahresbeginn – ergo: dem Startzeitpunkt des viel beschriebenen OPEC-/NOPEC-Produktionskürzungs-Deals – in sechs (jeweils positiven) Wochenschritten um 40 Mio. Barrel (+8%) gestiegen. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich auch in der westeuropäischen „ARA-Speicherregion“ (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen), wo die Rohöllagerbestände im gleichen Zeitraum um 8 Mio. Barrel (+14%) anzogen. Aber wieso anzogen? Hatten die zehn „kürzungsgebundenen“ OPEC- und die elf „kürzungswilligen“ NOPEC-Staaten nicht für die Zeit vom 1. Januar bis zum 30. Juni eine kumulierte Produktionsabsenkung von insgesamt 1,8 Mio. Barrel pro Tag (OPEC-10: 1,2 mbd und NOPEC-11: 0,6 mbd) versprochen, um die seit dem 3Q2014 geradezu aufgequollenen globalen Rohöllagerbestände wieder auf das Normalmaß des 5-Jahresdurchschnittswertes abzuschmelzen? Und stand nicht zuletzt in nahezu jeder Wirtschaftszeitung zu lesen, dass insbesondere die OPEC ihr…

Langfristige Perspektiven für Gold

Die historischen Preismuster bei Gold zeigen, dass sich der Preis langfristig hauptsächlich an den ökonomischen Bedingungen in den USA orientiert. In der Rückschau stechen mit der (a) Zins-, (b) Inflations- und (c) US-Dollar-Entwicklung insbesondere drei Preistreiber hervor. Gold fungiert aber immer auch als Angstbarometer. Die letzte Aufwärtsbewegung, die bis 2013 andauerte, wurde sowohl durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise als auch die europäische Schuldenkrise begünstigt. In unserem Basisszenario (Gewichtung: 60%) gehen wir davon aus, dass sich die US-Konjunktur über die nächsten Jahre bei einem moderaten Inflationsniveau robust entwickeln wird („Goldilocks-Bedingungen“). Damit wird bei einer fortschreitenden Zinsnormalisierung auch das Realzinsniveau steigen. Dies wirkte sich historisch stets negativ auf den Goldpreis aus. Aber auch in Europa steht die Zinswende unseres Erachtens bevor, was zunehmend eine Debatte über die Opportunitätskosten des Goldbesitzes auslösen dürfte. Darüber hinaus unterstellen wir, dass es in den nächsten Jahren nicht zu ähnlichen systemischen Unsicherheiten kommen wird, wie das…

Weitere Kürzungen in der Ölproduktion

Wie von uns erwartet hat sich am Wochenende eine Phalanx von elf Nicht-OPEC-Staaten darauf geeinigt, ihre gemeinsame Rohöl-Fördermenge um 558 kbd  zu reduzieren. Damit kommt der Nicht-OPEC- einer entsprechenden „Conditio-sine-qua-non-Forderung“ der OPEC-Staaten nach. Die OPEC hatte die Umsetzung ihrer eigenen Produktionsdrosselungsentscheidung (30.11.) von nominell 1,2 mbd unter den Vorbehalt gestellt, dass sich auch die Nicht-OPEC-Staaten zu einem additiven Kürzungsbeitrag in einem Volumen von 500-880 kbd zusammenfinden. Den Hauptteil der beschlossenen Nicht-OPEC-Kürzung wird Russland übernehmen, dass sein Erzeugungsniveau im Laufe des 1H2017 um 300 kbd reduzieren will. Russlands Energieminister Alexander Novak führte aus, dass es sich um eine „echte Kürzung“ handeln werde, die das Fördervolumen von 11,25 mbd bis April/Mai auf 10,95 mbd reduziert. Weitere Kürzungsbeiträge stammen u.a. von Mexiko (-100 kbd), Oman (-45 kbd), Aserbaidschan (-35 kbd), Malaysia (-20 kbd) und Kasachstan (-20 kbd). Den Weg zu dieser Nicht-OPEC-Vereinbarung hatte die OPEC am vergangenen Mittwoch freigemacht, als sich das Förderkartell…

Inflationsausblick 2017: Gefahren durch Ölpreis oder Trump?

Selten hat es am Anfang eines neuen Jahres so viele und so große Unsicherheiten gegeben. Eine besonders wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang, welchen Wirtschaftskurs der künftige US-Präsident Trump am Ende tatsächlich einschlagen wird. Zusätzliche Unsicherheiten sind der Ölpreis und der Ausgang vieler wichtiger Wahlen in Europa. Vor wenigen Tagen hat sich die OPEC zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder auf eine Erdöl-Förderkürzung geeinigt. Das Ziel ist vor allem, die übervollen globalen Lagerbestände abzubauen. Diese lasten schon seit Längerem auf dem Rohölpreis. Allein die Ankündigung wirkte sofort: Die Aussicht auf ein verringertes Öl-Angebot hat die in den Vorwochen kräftig gefallenen Rohölpreise wieder sprunghaft ansteigen lassen. Brent- und WTI-Rohöl kletterten in den ersten Dezembertagen um mehr als zehn Prozent auf zuletzt über 50 US Dollar pro Barrel. Rohölpreisveränderungen auf dem Weltmarkt schlagen sich üblicherweise recht schnell an den Zapfsäulen und bei den Heizölhändlern in Deutschland nieder. Bedeutet der jüngste…

Rohöl: Die OPEC sendet ein Lebenszeichen

Die OPEC hat sich gestern nicht nur auf die erste Förderkürzung seit 2008 verständigt, sondern zugleich das im Jahr 2011 ausgesetzte System individueller Mitgliedsländer-Produktionsquoten wiedereingeführt. Mit der zuletzt von weiten Teilen der Marktteilnehmer angezweifelten OPEC-Einigung hat das Kartell seine Marktrelevanz nachdrücklich unterstrichen. Offizielles Ziel der Kartellmaßnahme ist es, die sich derzeit nur zögerlich vollziehende Resynchronisierung von Angebot und Nachfrage auf dem Rohölmarkt signifikant zu beschleunigen und die global angehäuften „Lager-Überbestände“ solchermaßen forciert zurückzuführen. Gemäß dem gestrigen Beschluss will die OPEC ihre Gesamtfördermenge zunächst von Januar bis Juni 2017 auf 32,5 Mio. Barrel pro Tag (mbd) begrenzen. Nach eigenem Bekunden entspricht dies einer kumulierten OPEC-Output-Kürzung um 1,2 mbd. Über eine Ausdehnung der beschlossenen Output-Selbstbeschränkung um weitere sechs Monate soll im Rahmen des nächsten OPEC-Treffens am 25. Mai 2017 in Wien befunden werden. Mit der gestrigen „Last-Minute-Einigung“ hat die OPEC – zumindest auf dem Papier – das untere Ende der bereits Ende…

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