Rohstoffmärkte

Ölpreisszenarien

Bei einem Raketenangriff in Bagdad ist einer der höchsten iranischen Militärs ums Leben gekommen. Die USA haben sich bereits zu dem Angriff und der Tötung des Generals Soleimani bekannt. Teheran hat daraufhin massive Vergeltungsmaßnahmen angedroht. Gegendrohungen aus Washington ließen nicht lange auf sich warten. Auf die neue Eskalation im Irankonflikt reagiert der Rohölpreis mit einem kräftigen Preisanstieg. Rein fundamental hat sich an der Lage am Rohölmarkt bislang nichts verändert, allerdings sind die Unsicherheiten über Art und Umfang der Vergeltungsmaßnahmen sehr hoch. Anbei drei Szenarien, wie sich der Ölpreis entwickeln könnte. Dabei sind die Möglichkeiten im Eskalationsszenario nach oben sehr variable, was sich natürlich auch auf den Ölpreis entsprechend auswirken dürfte.

Chemiesektor weiterhin im Abwärtstrend

Die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft ist in den letzten Monaten zum Problem geworden. Auch die hiesige Chemiebranche kann sich angesichts ihrer hohen Auslandsabhängigkeit nicht entziehen. Nachdem die Auftragseingänge bereits 2018 um mehr als 1% nachgegeben hatten, kam es in den ersten neun Monaten dieses Jahres zu einem nochmals wesentlich stärkeren Rückgang. In Anbetracht dieser Entwicklung verwundert es nicht, dass auch die Produktion der Branche deutlich zurückgefahren werden musste: Sie gab im Zeitraum von Januar bis September gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 3,2% nach. Auch die Kapazitätsauslastung der deutschen Chemieunternehmen sank bereits im letzten Jahr tendenziell leicht. Deutlich stärker fiel der Rückgang jedoch in diesem Jahr aus. So liegt die derzeitige Auslastung bei nur noch gut 80%; ein noch geringerer Wert wurde im ersten Quartal 2010 gemessen. Etwas positiver zeigten sich die Auftragsbestände, die 2019 im Durchschnitt immerhin auf dem Niveau des Vorjahres lagen. Angesichts der schwachen Nachfrage muss die Chemiebranche…

Seltene Erden: Pekings Faustpfand

China hat im September so wenig Seltene Erden exportiert wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Australien dagegen will seine Ausfuhren an Seltenen Erden in naher Zukunft deutlich ausweiten, insbesondere der Absatz in den Vereinigten Staaten soll gesteigert werden. Mit Australien arbeiten die USA zurzeit an einem Kooperationsabkommen zur Förderung der Produktion Seltener Erden. Damit soll der weltweite, vor allem aber der US-Bedarf an den wichtigen Metallen von der Angebotsübermacht der Chinesen unabhängiger gemacht werden. Denn die Sorge ist groß, dass Peking ein Exportembargo der Rohstoffe gegen die USA verhängen könnte, seine dominante Position also als „Waffe“ im Handelsstreit einsetzt – auch wenn die beiden Seiten einer Beilegung des Konflikts zuletzt wieder ein kleines Stückchen nähergekommen sind. Seltene Erden sind für heutige Technologien unverzichtbar, obwohl die Metalle nur in geringen Mengen benötigt werden. Ihre Einsatzgebiete erstrecken sich von der Automobilindustrie über die Optik und Medizin bis hin zu massentauglichen Hightech…

Angriff auf die Ölproduktion in Saudi-Arabien

Am Wochenende kam es in Saudi-Arabien zu einem Drohnenangriff auf die größte weltweite Ölraffinerie („Abkaik“) und das Ölfeld („Khurais“). Das Staatsunternehmen Aramco meldete daraufhin einen Produktionsausfall von 5,7 MMBD, was etwa der Hälfte der gesamten Produktion des Königreiches entspricht und rund 5 Prozent der weltweiten Versorgung mit Öl ausmacht. In der Ölhistorie gab es ein solches Produktionsausfallereignis noch nicht. Selbst der Irak-Krieg und die Iranische Revolution hatten einen geringeren Einfluss auf die Ölproduktion. Der Ölpreis stieg aufgrund der Nachrichtenlage sehr deutlich an und erreichte in der Spitze sogar über 70 USD. Im Tagesverlauf hat sich der Preis jedoch wieder spürbar reduziert und liegt aktuell bei rund 66 USD. Es ist damit zu rechnen, dass a) Aramco einen Gutteil der Produktion in wenigen Tagen wieder hochfahren kann und b) die Bestände des Staatsunternehmens reichen, um Kundenverpflichtungen nachzukommen. Ein „Force-Majeur“ (Lieferausfall wegen eines unvorhergesehenen Ereignisses) kann also aller Voraussicht nach abgewendet werden….

Geopolitischer Konflikt erhöht den Ölpreis nicht dauerhaft

Die Spannungen im Persischen Golf sorgen für Turbulenzen am Rohölmarkt. In der Straße vom Hormus legte der Iran einen unter britischer Fahne fahrenden Öltanker an die Kette. Rund ein Drittel des über den Seeweg transportierten Rohöls durchquert die Meerenge an der südlichen Küste des Irans. Daher werden die Ereignisse sehr aufmerksam beobachtet. Allerdings bleibt ein nachhaltiger Anstieg des Rohölpreises aus. Ein Grund hierfür ist, dass nicht mit einer weiteren Eskalation zu rechnen ist. Der Iran wird den Konflikt-Bogen nur so weit spannen, dass eine militärische Auseinandersetzung vermieden werden kann. Die USA setzen überwiegend auf die eingeschlagene Sanktionspolitik gegen den Iran und wollen eine militärische Eskalation ebenfalls vermeiden. Die Festsetzung des Tankers wird von vielen Marktteilnehmern auch als Retourkutsche auf den vor Gibraltar vertäuten iranischen Tanker gesehen. Teheran sendet derweil versöhnlichere Töne und bietet einen Tausch beider Öltanker an. Zumindest bislang reicht der geopolitische Konflikt nicht aus, um den Rohölpreis dauerhaft…

Gold profitiert von Unsicherheiten

Der Goldpreis legte seit seinem Jahrestief 2018 um etwa 9% zu. Zurückzuführen ist dieser Anstieg neben der anziehenden Volatilität an den globalen Aktienmärkten auf die derzeit konjunkturellen Unwägbarkeiten. So werden infolge des weiter ungelösten Handelskonflikts zwischen den USA und China Risiken für die weltwirtschaftliche Entwicklung immer stärker wahrgenommen. Hinzu kommen politische Probleme, deren Lösungen sich langwierig und kompliziert gestalten: Neben der US-Haushaltsblockade ist hier insbesondere die gestiegene Wahrscheinlichkeit für einen ungeordneten Brexit zu nennen. So speist sich das allgemeine Unsicherheitsempfinden aus den schwankungsintensiveren Finanzmärkten, den bestehenden Risiken für die globale wirtschaftliche Entwicklung und den politischen Unstimmigkeiten. Diese Kombination lässt das Interesse der Anleger an Gold deutlich steigen. Allein die ETF-Investoren haben seit Anfang Oktober 2018 ihre Bestände um 160 Tonnen ausgeweitet – ein Plus von 7%. Neben dem zunehmenden Absicherungsbedürfnis der Anleger profitiert Gold von den seit Herbst 2018 gesunkenen US-Zinsen. Die letzten Aussagen der Fed lassen zudem darauf schließen,…

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