Rohstoffmärkte

Rohöl: Supertanker sind voll

Erstmals seit Januar sind die Lagerbestände von Rohöl in den USA marginal gefallen. Die Preisreaktion war sehr positiv. Wir halten sie aber zumindest kurzfristig für übertrieben. Da einige Länder in die Post-Lockdown-Phase übergehen, ist zwar eine Nachfrageerholung im zweiten Halbjahr plausibel. Allerdings bleibt das „Vor-Corona-Niveau“ in weiter Ferne. Erst 2021 ist mit einer nachhaltigeren Nachfragestabilisierung zu rechnen. Aufgrund der globalen Angebotskürzungen dreht der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte wohl leicht in den defizitären Bereich. Dies wird aber bestenfalls ausreichen, um den sehr hohen Angebotsüberhang in 2020 minimal zu schmälern. Wer sich aber über den leichten Bestandsrückgang in den USA von 750 Tausend Barrel freut, ist jedoch mindestens auf einem Rohöl-Auge blind. Denn: Über 30 Supertanker, die mit saudischem Öl gefüllt sind, werden in den kommenden Wochen an der US-Golf- und Westküste anlanden. Es handelt sich um gut 50 Millionen Barrel, die in Bälde wieder die US-Lagerbestände füllen werden. Die globalen…

Kupfer erholt sich, aber (noch) keine Entwarnung

Wir befinden uns in einer schweren globalen Rezession. Dafür halten sich die konjunktursensitiven Industriemetalle, allen voran Kupfer, erstaunlich stabil. Seit Jahresbeginn ist das Infrastrukturmetall nur um 14,3 Prozent gefallen. Der Rohstoffmarkt ist im selben Zeitraum um 24,9 Prozent eingebrochen. Seit seinem Jahrestief Mitte März legte Kupfer mit einem Anstieg von 13 Prozent eine deutliche Aufwärtsbewegung hin. Wir stellen uns nun die Frage, wie nachhaltig diese positive Preisreaktion sein kann? Da auf China mehr als die Hälfte der globalen Nachfrage bei Kupfer entfällt, ist die chinesische Verbrauchsentwicklung stets im Fokus der Anleger. In der Post-Lockdown-Phase ist der chinesische Verbrauch wieder etwas gestiegen. Auch die Raffinerien haben ihre Auslastung spürbar hochgefahren. Allerdings erwarten wir, dass die chinesische Konjunktur 2020 bestenfalls stagniert. Daher wird die Nachfrageerholung bei Kupfer im weiteren Verlauf des Jahres nicht ausreichen, um den Verbrauchsverlust des ersten Quartals auszugleichen. Diese etwas positiveren „Verbrauchssignale“ halfen in Verbindung mit den „Lockdown-bedingten“ Angebotsausfällen…

Rohölmarkt spiegelt Konjunktureinbruch wider

Wir alle wissen, dass die Weltwirtschaft auf eine tiefe Rezession zusteuert, die die vergangenen Krisen wohl noch deutlich in den Schatten stellen wird. An den Finanzmärkten kann man von dieser Entwicklung bislang nur wenig sehen. Zwar sind die Aktienmärkte in der ersten Reaktion um gut 40% angestürzt, die unglaublich hohen staatlichen Zusagen zur Unterstützung von Unternehmen und privaten Haushalten haben aber zu einer schnellen Erholung der Aktienmärkte beigetragen. Die Bewertung der Aktienmärkte liegt nun fast wieder auf dem sehr hohen Niveau, das man vor der Corona Krise beobachten konnte. Bei den Anleihemärkten und hier insbesondere bei den Staatsanleihen zeigen die quasi unlimitierten Zusagen der Zentralbanken Wirkung. Kaum ein Anleihesegment, das nicht von den Käufen der Zentralbanken profitieren kann. Auch hier sind die Auswirkungen, in Form von höherer Staatsverschuldung oder steigenden Bilanzrisiken der Unternehmen, wenn überhaupt nur sehr gedämpft zu sehen. Die wirtschaftliche Abkühlung spiegelt sich aber mit voller Wucht im…

Gold-Patient wieder genesen

Im Laufe der Corona-Krise ist der Goldpreis zunächst auch unter Druck geraten. Anleger verkauften ihr Gold, um Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Liquidität war stark gesucht. Mittlerweile hat sich bei Gold aber eine Corona-Immunität ergeben. Der Goldpreis ist seit seinem Jahrestief um knapp 18 Prozent gestiegen. Die wichtigste Medizin wurde dem Gold-Patienten von der Fed verabreicht. Die Auflage eines unbefristeten Kaufprogramms für Anleihen und die massiven Zinssenkungen zeigten ihre Wirkung. Erinnerungen an 2008/2009 werden wach. Damals reagierte der Goldpreis ebenfalls sehr positiv auf die Ausweitung der Fed-Bilanz. Da sich seit Jahresbeginn die Fed-Bilanz um über 45 Prozent aufblähte, spricht im aktuellen Umfeld viel für einen weiter steigenden Goldpreis. Anleger steuern das Edelmetall als Währungs- bzw. Geldalternative an. Alleine die ETF-Anleger bauten ihre Goldpositionen im bisherigen Jahresverlauf um 343 Tonnen aus. Die ökonomischen Folgen der Corona-Krise sind ebenso wie die ergriffenen Maßnahmen der Zentralbanken und Regierungen historisch. Weltweit werden umfangreiche Fiskalpakete geschnürt,…

Opec-Kürzung ist historisch, aber nicht ausreichend!

Die Bekämpfung der Corona-Krise führt zu historischen Maßnahmen. Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen versuchen mit ihren monetären als auch fiskalischen Instrumenten bestmöglich gegenzusteuern, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Nun greift ebenfalls die Opec+ zu historischen Maßnahmen und drosselt die Ölproduktion um 9,7 Millionen Barrel pro Tag (MMBD) im Mai und Juni. Für die zweite Jahreshälfte wird das Kürzungsziel auf 7,7 MMBD herabgesetzt – ab 2021 dann auf 5,8 MMBD. Das Kürzungsprogramm läuft bis Ende April 2022. Auch die USA, Brasilien und Kanada werden ihren Output um 3,7 MMBD zurückfahren. Ein Wermutstropfen ist aber die Tatsache, dass im Rahmen des „Kürzungsakkords“ die tatsächlichen Produktionsdaten mit den Werten von Oktober 2018 verglichen werden. Bei Russland und Saudi-Arabien liegt der so genannte Referenzwert bei 11 MMBD. Vergleicht man innerhalb der Opec aber die Kürzungsziele mit den aktuellen Produktionszahlen, fällt die tatsächliche Produktionsdrosselung selbst bei einer 100%igen Kürzungsdisziplin um 5 MMBD…

Öl: Angebotsseite kommt in Bewegung und China geht auf Schnäppchenjagd!

Der epische Ölpreisverfall führt dazu, dass die drei größten Ölproduzenten Saudi-Arabien, Russland und die USA wieder miteinander reden. Der US-Präsident twittert derweil und verkündet eine im Raum stehende Förderkürzung der Opec+ in Höhe von 10 Millionen Barrel pro Tag. Der Ölpreis ist daraufhin kräftig gestiegen. Seit Mittwoch kletterte der Brent-Rohölpreis um über 25 Prozent. Allerdings hat weder Russland noch Saudi-Arabien irgendeine Einigung bestätigt. Für Montag wurde lediglich eine virtuelle Sondersitzung vereinbart – mehr aber bis dato nicht. Einfach wird es aber nicht werden und die US-amerikanische Ölindustrie wird ihren Beitrag leisten müssen. Wenn es hier kein Signal gibt, werden sich auch die restlichen OPEC+ Länder zurückhalten. Die Erhöhung der amerikanischen Ölreserven könnte zumindest im Ansatz ein solches Signal sein. Besser wäre jedoch, wenn sich die US-Fracker branchenübergreifend auf ein reduziertes Produktionsziel einigen könnten. Eine gemeinschaftliche Kürzung der großen Drei („Opec+Texas-Allianz“) wäre dann wahrscheinlicher. Ohne Zweifel sind die tiefen Energiepreise gerade…

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