Zentralbanken / Rentenmärkte

Orientiert sich die EZB an der Fed?

Vor dem Hintergrund, dass viele Zentralbanken trotz einer ultra-expansiven Geldpolitik ihre selbstgesteckten Inflationsziele schon seit Jahren verfehlen, kann die Frage nach der Angemessenheit dieser Ziele gestellt werden. Die Fed ist nun vorgeprescht und hat neue Zielgrößen für die Inflationsrate und die Beschäftigungsentwicklung angekündigt. Auch die EZB hat schon vor längerer Zeit angekündigt, ihre geldpolitische Strategie auf den Prüfstand zu stellen und eventuell die angestrebte Inflationsrate von derzeit „auf mittlere Sicht nahe, aber unter 2%“, die sie seit 2003 benutzt, anzupassen. Unseres Erachtens dürfte sich die EZB bei ihrer Strategieüberprüfung, die bis Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein soll, ebenfalls an einer durchschnittlichen Inflationsrate orientieren. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich die EZB an der Fed orientieren wird und ein flexibleres Inflationsziel anstreben wird. Dabei ist die neue strategische Ausrichtung der Fed nicht ohne Kritik zu sehen. So hat keinen konkreten Zeitraum für die Erreichung der durchschnittlichen Inflation, beziehungsweise…

Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird. Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst. Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell…

Wäre eine Insolvenz der Fed ein Problem?

Die US-Notenbank hat in den letzten Monaten in erheblichem Maße Wertpapiere und Kredite von Unternehmen aufgekauft, die im Gegensatz zu US-Staatsanleihen und hypothekengesicherten Papieren signifikanten Bonitätsrisiken unterliegen. Da die Fed aber wie alle Notenbanken im Vergleich zu ihrer Bilanzgröße über ein nur sehr geringes Eigenkapital verfügt, steigt damit natürlich das Risiko, dass aus dem Portfolio Verluste entstehen, die das Eigenkapital übersteigen. Damit wäre die Fed – technisch gesehen – insolvent. Bei einer Notenbank spielt das jedoch wirtschaftlich keine große Rolle. Zum einem könnten der Staat und die Anteilseigner der Notenbank Eigenkapital nachschießen, um eine Insolvenz abzuwenden. Aber selbst das ist nicht unbedingt notwendig, da die Fed zur Erfüllung ihrer Aufgaben auch mit negativem Eigenkapital operieren könnte. Wichtiger ist die Komponente Vertrauen. Einerseits geht es darum, dass die Fed ihre Unabhängigkeit behält und nicht im Moment ihrer wirtschaftlichen Schwäche unter verstärkten Einfluss der Politik gerät. Andererseits geht es um das Vertrauen…

Schwellenländer im Corona-Stress

Für die Schwellenländer ist die COVID-19 Krise eine große Herausforderung. Die Wachstumsdynamik der Länder leidet sichtlich und gleichzeitig nimmt die Risikobereitschaft der Investoren nimmt ab. Kapitalabzug und geringere Investitionen sind die Folge. Für die türkische Wirtschaft ist die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung, da diese noch von den Folgen der letzten Währungskrise von vor zwei Jahren geschwächt ist. In der Türkei sind mit der Exportindustrie und dem Tourismussektor zwei wichtige Branchen schwer getroffen. Anders als in der Währungskrise vor zwei Jahren fallen sie nun als Stütze völlig weg. Die türkische Wirtschaft dürfte daher im laufenden Jahr einen größeren Schaden erleiden als in der Währungskrise 2018 und in der Finanzkrise 2009. Die türkische Wirtschaft dürfte in 2020 um 8%gegenüber dem Vorjahr sinken. Die Entwicklung der Währungen spiegeln die waschsenden Sorgen der Investoren wider. So hat die türkische Lira deutlich an Wert verloren. Aber auch der brasilianische Real und andere EM-Währungen haben zuletzt…

Vor Inflation muss man keine Angst haben

Angst und Sorge vor Inflation ist unbegründet. Die langfristigen Folgen der Notenbankpolitik sind wohl auf anderen Feldern zu beobachten, die aber genauso folgenreich sein können wie eine dauerhaft hohe Inflation. Wieder einmal geht die Angst vor Inflation um. Auslöser sind diesmal, wie immer wieder in den letzten Jahren, die großen Rettungsprogramme der Zentralbanken. Weltweit wurden die Zinsen gesenkt, Liquidität in die Märkte gepumpt und Assets gekauft. In der Corona Krise haben diese Programme in den größeren Ländern in der Regel die Billionengrenze weit überschritten. Ein Ende ist nicht absehbar. Der enorme Einsatz der Zentralbanken ist kein neues Phänomen. Bereits nach der Finanz- und Schuldenkrise haben die Zentralbanken die Weltwirtschaft mit Programmen dieser Art vor größeren Schäden bewahrt. Auch damals gab es immer wieder Phasen mit einer größeren Sorge vor einem schnellen Inflationsanstieg, doch Inflation gab es in den letzten 10 Jahren aber eigentlich nicht. In der Regel haben die Protagonisten…

Zentralbanken geben Vollgas und Finanzmärkte verlieren Bodenhaftung

Die Corona-Pandemie hat zwar in unterschiedlichem Tempo, aber letztlich doch die ganze Welt erfasst. Die breite Bevölkerung pendelt zwischen Ignoranz und Hysterie, Regierungen und Notenbanken haben ihren Handlungsauftrag in dieser Krise aber angenommen. Praktisch alle hatten ihren „Whatever it takes“ Moment – nur die Auslegung dessen, was notwendig ist, unterscheidet sich. Der Wunsch nach Abfederung des Wachstumseinbruchs, Stabilisierung des Vertrauens der Finanzmärkte und Sicherung der Kreditversorgung hat die Regierungen und Notenbanken weltweit auf den Plan gerufen. So unterschiedlich die Ausgangslage vor Ausbruch der Pandemie auch war, haben inzwischen fast alle Notenbanken der von uns betreuten Währungsräume einschneidende Lockerungsmaßnahmen beschlossen. Wir sehen hierbei eine Mischung aus Verbilligung der Zentralbankliquidität (Zinssenkungen) und Ausweitung der Beschaffungswege (neue Fazilitäten, Erweiterung der Sicherheiten). Die umfangreichsten und teilweise umstrittensten Lockerungsmaßnahmen gab es fraglos von der EZB und der Fed. Die Geldpolitik in den kleineren Ländern ist insgesamt auch von einem starken Expansionsgrad gekennzeichnet, allerdings mit unterschiedlichem…

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