Zentralbanken / Rentenmärkte

Fed und EZB: Widerspruch von Denken und Handeln

Die Geldpolitik soll restriktiver werden. Dies scheint das Ziel der amerikanischen Notenbank und der EZB zu sein. Die EZB wird wohl schon bald eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe bekannt geben, während die Fed ihre Bilanz reduzieren sowie gegebenenfalls weitere Leitzinserhöhungen vornehmen wird. Obwohl diese Maßnahmen unzweifelhaft von den Marktteilnehmern erwartet werden und sich auch in Reden von verschiedenen Währungshütern widerspiegeln, scheint bei beiden Zentralbanken eine klare Kommunikationsstrategie zu fehlen. So haben es sich die Notenbanker zur Gewohnheit werden lassen, die Risiken für die Wirtschaft in den schillerndsten Farben auszuschmücken. Das jüngst veröffentlichte Protokoll der EZB hebt beispielsweise die Risiken eines möglichen Überschießens des Euro deutlicher hervor als in der Vergangenheit. Ein starker Euro könne sich negativ auf die Finanzierungsbedingungen der Wirtschaft auswirken. Auch das Thema Inflation wurde auf dem jüngsten Treffen der europäischen Geldpolitiker intensiv diskutiert. So gebe es immer noch keine überzeugenden Anzeichen dafür, dass die Inflation in den kommenden…

EZB-Käufe sorgen für steigende Target-2-Salden

In den vergangenen Monaten sind die Target-2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone weiter auseinandergedriftet. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentraler Gegenpartei des Target-2-Systems um etwa 61 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 856 Mrd. Euro (Stand Juli) erhöht. Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang, derzeit Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus. Die Target-2-Forderungen der genannten Länder summieren sich per Juni auf etwa 1.186 Mrd. Euro und liegen damit nur leicht unterhalb des im Vormonat markierten Rekordniveaus von 1.214 Mrd. Euro. Im Gegenzug haben insbesondere Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im negativen Sinne ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 413 Mrd. Euro. Dicht dahinter folgt Spanien mit einem negativen Saldo von 371 Mrd. Euro. Auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise waren die ansteigenden Target-2-Salden ein Spiegelbild…

Die Unsicherheiten der Fed-Bilanzreduktion

Mit der gestrigen FOMC-Sitzung ist klar, dass die US-Notenbank wohl relativ bald den Startschuss für die Bilanznormalisierung geben wird. Dies dürfte im September geschehen, sollte das Erreichen der US-Schuldengrenze zu dieser Zeit keine zu große Unruhe stiften. Die Fed beteuert, dass die Verringerung der Bilanz sehr langsam vonstattengehen und es daher keine gravierenden Auswirkungen auf die Finanzmärkte geben wird. Trotz dieser Zusagen fragen sich einige Marktteilnehmer, ob die Reduzierung der Fed-Bilanz tatsächlich nur ein Sturm im Wasserglas sein wird, oder ob es nicht doch zu unvorhergesehenen Monsterwellen kommen könnte. Im Rahmen einer Transparenzoffensive hat die Fed schon bekannt geben, in welchem Umfang sowohl US-Treasuries als auch Mortgage Backed Securities (MBS) abgebaut werden. Wenn gegen Ende 2021 eine optimale Bilanzhöhe von rund 2.000 bis 2.500 Mrd. US-Dollar erreicht sein wird, dürfte die Fed die Bestände von MBS weiter verringern. Damit in diesem Rahmen nicht die Bilanz weiter schrumpft, wird sie zum…

Baldige Änderung der Fed-Reinvestitionspolitik steht bevor

Die US-Währungshüter haben im Zuge ihrer gestrigen Sitzung den Leitzinskorridor unverändert bei 1,00% bis 1,25% belassen, was niemanden überraschte. Jedoch wurden die Erläuterungen zum Zinsentscheid gegenüber der letzten FOMC-Sitzung und den Inhalten der Anhörung Yellens im US-Kongress im Juni etwas angepasst. Hieß es bislang, dass man das Programm zur Normalisierung der Notenbankbilanz „noch in diesem Jahr“ implementieren würde, stellen die Fed-Vertreter nun einen „baldigen Start“ in Aussicht. Hierbei setzen die Ratsvertreter voraus, dass sich die US-Konjunktur weiter wie von ihnen erwartet entwickelt. Grundsätzlich rechnen die Währungshüter unverändert mit einem moderaten Wirtschaftswachstum und weiteren Verbesserungen am US-Arbeitsmarkt. Die kurzfristigen Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick betrachten die FOMC-Vertreter als ausgeglichen. Hinsichtlich der Inflationsentwicklung rechnen die Notenbank-Oberen auf kurze Sicht mit einem weiterhin vergleichsweise schwachen Preisauftrieb. Mittelfristig sollte sich die US-Teuerung allerdings dem Fed-Inflationsziel von 2% annähern. Der Beschluss über die geldpolitische Ausrichtung wurde von den US-Notenbankvertretern einstimmig getroffen. An den Finanzmärkten hat…

„Faule Kredite“ bremsen Kreditvergabe und verstopfen geldpolitischen Zinskanal

Die Kreditvergabe im Euroraum hat sich zuletzt insgesamt positiv entwickelt. So wuchsen die Firmenkundenkredite der Banken von Ende Mai 2016 bis Ende Mai 2017 um 2,4 Prozent. Die Erholung der Kreditmärkte verschafft den Eindruck, dass der geldpolitische Zinskanal immer besser in Fluss kommt. Allerdings entwickeln sich die Kredite in sehr unterschiedlichem Tempo: Schrumpfenden Kreditbeständen in einigen südlichen Ländern sowie Irland und den Niederlanden steht ein starkes Kreditwachstum in anderen Ländern gegenüber. Neben konjunkturellen Gründen sind die extrem hohen Bestände „fauler Kredite“ in Griechenland, Zypern, Portugal, Italien und Irland für die Schwäche nationaler Kreditmärkte verantwortlich. Das behindert nicht nur die Investitionen, sondern verstopft auch den Zinskanal in den betroffenen Staaten. Dadurch steht die EZB vor besonderen Herausforderungen: Während die geldpolitische Stimulanz in einigen Ländern kaum greift, ist die Hebelwirkung in anderen regionalen Märkten umso stärker – mit der Gefahr einer Überhitzung vor allem bei Immobilien. Akuter Handlungsbedarf in punkto faule Kredite…

EZB: Wenig Konkretes – Mehr im Herbst

Im aktuellen Pressestatement der EZB gab es keine Änderung bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung, im Juni waren die Risikoeinschätzung für die Konjunktur angepasst und eine Änderung der Forward Guidance zur Leitzinserwartung beschlossen worden. Im Vorfeld der aktuellen Sitzung gab es Spekulationen, die Notenbank würde den Passus streichen, dass die Anleihekäufe nochmals ausgeweitet werden könnten. Das wäre ein weiteres restriktives Signal gewesen, aber die Währungshüter konnten sich nicht zu dieser Maßnahme durchringen. Dennoch bleibt dieser Schritt eine Option, eine Ausstiegsstrategie zu kommunizieren. Den Marktteilnehmern und auch der EZB ist bewusst, dass das Kaufprogramm unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen Anfang des kommenden Jahres an seine Grenzen stößt. Draghi verteidigte den expansiven geldpolitischen Kurs mit Verweis auf die anhaltend niedrige Inflation. Solange sich der bessere Wirtschaftsausblick nicht in höheren Inflationsraten widerspiegele, sei die expansive Geldpolitik angebracht. Die niedrigen Inflationszahlen bereiten den Währungshütern anhaltend Kopfzerbrechen, da es noch keine Anzeichen für einen überzeugenden Aufwärtstrend gibt. Die…

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