Zentralbanken / Rentenmärkte

EZB-Geldpolitik bis Sommer 2019 auf Autopilot

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen beschlossen, das Anleiheankaufprogramm (APP) bis zum Ende des Jahres zu verlängern. Sollte sich die Inflation in die von der Notenbank gewünschten Richtung entwickeln, wird das Volumen der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) ab Oktober auf 15 Mrd. Euro vermindert. Unter den genannten Voraussetzungen würden die Nettoneukäufe dann Ende Dezember beendet werden. Um unerwünschten Zinserhöhungsspekulationen zu begegnen, hat die EZB ihre Forward Guidance für den Leitzinsausblick grundlegend adjustiert. So gehen die Währungshüter nunmehr davon aus, dass die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben werden. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die EZB für einen solch langen Zeitraum festlegt. Dies wurde von den Marktakteuren als „dovishes“ Signal interpretiert und der Bund-Future hat mit Kursgewinnen reagiert. Aus der Forward Guidance selbst lässt sich nicht sicher ableiten, inwieweit die EZB eine Zinserhöhung für Herbst 2019 oder sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt erwägen…

Steilerer Zinspfad der Fed nach dem „Trial-and-Error“-Konzept

Die Fed hat gestern Abend den geldpolitischen Kurs der vergangenen Monate fortgesetzt und die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Daneben wurden die Erwartungen über den zukünftigen Zinspfad nach oben angepasst. Die US-Währungshüter gehen im Median davon aus, dass die Fed die Leitzinsen im weiteren Verlauf dieses Jahres noch zweimal anheben wird. Im kommenden Jahr dürften insgesamt drei Zinsanhebungen erfolgen. Damit hat sich der allgemeine Tenor der Fed in Richtung einer leicht restriktiveren Geldpolitik verschoben. Die Wachstums- und Inflationsprojektionen der einzelnen Währungshüter spiegeln eine zuversichtliche Entwicklung der konjunkturellen Dynamik wider, während die Inflationsrate bei nur leicht oberhalb von 2% weiterhin gemäßigt ausfallen sollte. Dieser Entscheid wurde einstimmig getroffen. Im Großen und Ganzen hat die US-Notenbank unsere Meinung bestätigt, dass die Leitzinsen weiterhin in Richtung eines neutralen Niveaus angepasst werden, wenn wir auch bisher von einem vorsichtigeren Kurs ausgegangen waren. Außerdem hat die Fed die Forward Guidance verändert sowie eine technische Anpassung…

EZB debattiert über Ende des Kaufprogramms – Überraschung?

In den letzten beiden Handelstagen zeigten sich offensichtlich einige Marktteilnehmer überrascht von den zunächst internen Quellen in der EZB, die davon sprachen, dass im Rahmen der kommenden Ratssitzung die Debatte über das Ende des Anleihekaufprogramms beginnen würde und sogar mögliche Entscheidungen anstünden. Garniert wurde das Ganze dann noch mit Kommentaren der EZB-Falken Knot und Weidmann, die ein Ende des Programms zum Jahresende für sinnvoll erachten – ein taktisches Manöver vor der Funkstille vor der Ratssitzung. Aber auch der EZB-Chefvolkswirt Praet blies in dasselbe Horn, in dem er die Inflationspfadkriterien der EZB (Konvergenz, Vertrauen, Belastbarkeit) insoweit als erfüllt ansieht, dass der Rat die Diskussion über ein Ende der Anleihekäufe beginnen müsste. Scheinbar waren einige Marktteilnehmer der Ansicht, dass die EZB aufgrund der jüngst deutlich gestiegenen Unsicherheit – ausgehend von Italien und dem Handelsstreit – zumindest zaudern, wenn nicht sogar vor einer Beendigung des Kaufprogramms zurückschrecken würde. Sicherlich praktiziert die Europäische Zentralbank…

Inflationsrate im Euro-Raum: Ölpreis, das schwarze Schaf

Die Inflationsrate im Euro-Raum macht einen überraschend kräftigen Satz nach oben. Die jährliche Rate hat sich innerhalb von nur einem Monat von +1,2 Prozent auf +1,9 Prozent beschleunigt. Damit liegt sie auf den ersten Blick auf der Zielgeraden nach EZB-Vorstellung, die eine Teuerung nahe aber unter 2 Prozent anstrebt. Die Preistreiber im Mai lassen sich im Wesentlichen auf zwei Komponenten eingrenzen: Ein Auslaufen des sogenannten Ostereffekts und auf einen markanten Anstieg des Ölpreises. Da das Osterfest in diesem Jahr in den März rutschte, stiegen die Preise vor allem für tourismusnahe Dienstleistungen in dem Monat besonders kräftig an. Im April folgte dann ein entgegengesetzter Effekt und die Preise gaben im Vorjahresvergleich überdurchschnittlich stark nach. Diese Verwerfungen (Ostereffekt) sind im Mai nun weitestgehend ausgelaufen und haben den Preisdruck bei den Dienstleistungen wieder „normalisiert“. Daher wurde auch bei der Kernrate – also der Teuerungsrate ohne Energie-, Nahrungs- und Genussmitteln – ein sichtbarer Anstieg auf +1,1 Prozent vermeldet,…

Fed-Minutes: Zinsschritt im Juni

» Die US-Notenbank will die Leitzinsen „bald“ (im Juni) anheben – unter den Marktakteuren wäre dies jedoch keine Überraschung » Wohl keine Beschleunigung des Tempos der Zinserhöhungen, auch wenn die Inflation eine Zeit lang oberhalb von 2% tendiert » Die US-Notenbank hält an ihrem graduellen Erhöhungskurs fest – der Fed-Funds-Korridor dürfte gegen Ende 2018 bei 2% bis 2,25% liegen Gestern Abend wurde das Protokoll der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Rates der US-Notenbank (Minutes) vom 2. Mai veröffentlicht. Für viele Marktteilnehmer war interessant, wie intensiv im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed über mögliche Inflationsrisiken diskutiert wurde und ob die Währungshüter im Falle eines steigenden Preisdrucks das Tempo ihrer Leitzinsanhebungen beschleunigen werden. Zusätzlich wurde am Finanzmarkt darüber spekuliert, ob die Fed-Oberen die Verflachung der Renditestrukturkurve thematisiert haben. Nicht zuletzt wurden die Minutes nach Hinweisen durchsucht, ob die US-Notenbank im Juni die Leitzinsen erneut anheben wird. So waren auch die meisten FOMC-Mitglieder der Ansicht,…

Italien: Populisten nahe Ziellinie

In Italien setzte sich in den letzten Tagen das Ränkespiel der Regierungsbildung fort. Bereits am Mittwoch sickerten die Namen der Minister einer zukünftigen, technokratischen Übergangsregierung durch. Kurz darauf baten jedoch M5S und Lega Staatspräsident Mattarella um weiteren Aufschub, um doch noch eine Regierung aus den beiden populistischen Lagern auf die Beine stellen zu können. Die Chancen hierfür stiegen deutlich, nachdem sich die Forza Italia von Silvio Berlusconi nicht mehr gegen ein solches Bündnis stemmen wird. Die Verhandlungen zwischen M5S und Lega, die im 630 Sitze starken Parlament auf eine klare Mehrheit von 351 Abgeordneten kommen, dürften sich wohl noch über das Wochenende hinziehen. Trotz oder vielleicht gerade auch wegen der langwierigen Verhandlungen seit der Wahl am 4. März deuten jüngste Meldungen bereits auf eine recht konkrete Formierung einer möglichen neuen Regierung hin. So haben Lega-Vorsitzender Salvini und M5S-Chef Di Maio ihren Verzicht auf den Posten des Ministerpräsidenten erklärt – dieser…

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