Zentralbanken / Rentenmärkte

Notenbanken: Das Ende der Inflationssteuerung

Der Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Claudio Borio, hat sich bei einer Rede für eine Neuausrichtung der Rahmenwerke der Zentralbanken ausgesprochen. Die Inflationsrate, so Borio, sei der Kompass der bisherigen Geldpolitik der großen Notenbanken. Dieser Kompass sei angesichts struktureller Faktoren, wie Globalisierung und technischer Fortschritt, zerbrochen. Daher sei es irrig anzunehmen, dass die Notenbanken trotz historisch expansiver Geldpolitik und robuster Konjunktur ihre Inflationsziele erreichen könnten. Versuchten sie es weiter, könne das mit schweren „Kollateralschäden“ für die Finanzstabilität verbunden sein. Statt einseitig auf die Inflation fokussiert zu sein, sollten die Zentralbanken ihr Rahmenwerk den neuen Realitäten anpassen, der Inflationsentwicklung weniger Bedeutung als bisher beimessen und stattdessen stärker auf die Finanzstabilität achten. Dass die BIZ anstrebt, der Finanzstabilität in der Notenbankpolitik ein größeres Gewicht beizumessen, ist zwar nicht neu, aber sinnvoll. Schon auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole wurde Regulierung als Instrument der Feinsteuerung von Notenbanken thematisiert – als „Skalpell“…

Fed bleibt auf Kurs

Die US-Währungshüter werden im Oktober damit beginnen, ihr 4.500 Mrd. US-Dollar großes Portfolio langsam zu reduzieren und damit die außergewöhnlichen Maßnahmen zurückzudrehen, die nach der schweren Finanzmarktkrise implementiert wurden. Außerdem prognostizieren die FOMC-Mitglieder eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr. Als Begründung gaben sie an, dass die Sturmschäden durch die schweren Hurrikans nur vorübergehende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. So könnte das Wirtschaftswachstum aufgrund der sturmbedingen Schäden zwar kurzfristig niedriger ausfallen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigten jedoch, dass der Kurs der Volkswirtschaft mittelfristig kaum wesentlich beeinflusst werde. Insgesamt war das jüngste Treffen des geldpolitischen Rats der US-Notenbank deutlich hawkisher als von den Marktteilnehmern erwartet und es scheint als bleibe die Fed auf Kurs. Nichtsdestotrotz gewinnt man dabei den Eindruck, dass bei der Fed-Chefin eher der Wille vorherrscht, so weit wie möglich im Normalisierungsprozess der Geldpolitik voranzuschreiten. Auf der Pressekonferenz gab Fed-Chefin Yellen zu Protokoll, dass die Bilanz kein Instrument sei,…

US-Tropenstürme: Mögliche wirtschaftliche Auswirkungen

In den Vereinigten Staaten sind die Zerstörungen, durch die beiden Tropenstürme „Harvey“ und „Irma“ noch nicht vollständig absehbar. Daher ist es noch zu früh für eine genaue Analyse der ökonomischen Auswirkungen der Stürme, doch lassen sich bereits jetzt einige mögliche Schlussfolgerungen ziehen. Insgesamt zeigt die Erfahrung, dass sich Naturkatastrophen (Hurrikans „Katrina“ 2005 und „Sandy“ 2012) nur kurzfristig auf das Wirtschaftswachstum auswirken und dass unmittelbar nach einem Sturm auftretende Einbrüche in der Regel durch nachfolgende Wiederaufbaumaßnahmen wieder aufgeholt wurden. Kurzfristige negative volkswirtschaftliche Konsequenzen sind jedoch zu erwarten, insbesondere aufgrund der dichten zeitlichen Abfolge von „Harvey“ und „Irma“ sowie der Tatsache, dass mit Texas und Florida gleich zwei wichtige Regionen betroffen sind. Durch den Hurrikan „Harvey“, der mit Houston die viertgrößte Stadt der USA getroffen hat, sind auch viele Ölraffinerien betroffen. Der Rohölpreis ist im Nachgang des Hurrikans „Harvey“ von unter 46,0 auf 48,5 US-Dollar je Barrel angestiegen. Der Hurrikan „Irma“ schwächte…

EZB verschiebt die Entscheidung über das Kaufprogramm auf Oktober

Mit Blick auf das heutige Zusammentreffen der europäischen Währungshüter ist eine Überraschung ausgeblieben. Die Ratsvertreter haben keine Änderungen bei den Leitzinsen oder dem Anleiheankaufprogramm (APP) beschlossen. Dies war im Vorfeld auch von der Mehrzahl der Finanzmarktakteure so erwartet worden. Bezüglich der Forward Guidance für das APP gab es allerdings Spekulationen, wonach die Möglichkeit für eine erneute Aufstockung der Anleihekäufe gestrichen werden könnte. Die EZB-Vertreter haben aber entscheiden, das einleitende Statement im Vergleich zur Juli-Sitzung gänzlich unverändert zu belassen. Als Reaktion auf die in den vergangenen Monaten zu beobachtende Aufwertung der europäischen Einheitswährung hat Draghi im Wörterbuch seines Vorgängers Trichet nachgeschlagen und angemerkt, dass die Volatilität des Euro eine Quelle für Unsicherheit sei. Vor diesem Hintergrund müsse die weitere Entwicklung „beobachtet“ werden. In einer ersten Reaktion hat sich die europäische Devise von der Warnung Draghis weitestgehend unbeeindruckt gezeigt und pendelt weiter um die Marke von 1,20 USD. Im Rahmen der Pressekonferenz…

Euro – bremst die Wirtschaft kaum, schafft aber Spielräume für die EZB

Die Aufwertung des Euros hat die Diskussion über die potentiellen negativen Konsequenzen für die Konjunktur im Euro-Raum zuletzt befeuert. Doch wie kritisch ist die Aufwertung der vergangenen Monate wirklich? Unbestritten ist, dass sich die europäische Gemeinschaftswährung seit dem Frühjahr von ihrer starken Seite präsentiert. Gegenüber dem US-Dollar legte der Euro seit Jahresanfang rund 12 Prozent zu, was zunächst durchaus Anlass zu berechtigter Sorge zu geben scheint. Im breiteren Spektrum der handelsgewichteten Betrachtung fällt die Aufwertung allerdings deutlich niedriger aus, was den potentiellen Schaden für die Wirtschaft relativiert. Hinzu kommt, dass es gute Gründe für den stärkeren Euro gibt, die nicht zuletzt die Verbesserung des fundamentalen Umfelds. Dieses hat sich in den vergangenen Monaten merklich aufgehellt. Wurde zu Jahresbeginn für 2017 marktseitig noch ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent erwartet, so liegt unsere Prognose zurzeit immerhin bei 2,0 Prozent. Bislang zeigt sich die EWU-Konjunktur von der jüngeren Euro-Stärke also weitestgehend unbeeinflusst. Solange…

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