Zentralbanken / Rentenmärkte

Besorgte Notenbanken – sorglose Anleger?

In den Vereinigten Staaten dreht sich die aktuelle geldpolitische Diskussion nicht mehr um die Frage, ob die Zinsen in der nächsten Notenbanksitzung gesenkt werden sollen, sondern nur noch darum, wie stark sie sinken werden. Damit steht die erste Zinssenkung seit zehn Jahren bevor, und das, obwohl sich die US-Konjunktur in einer – von Deutschland aus gesehen – beneidenswert guten Verfassung befindet. Die Arbeitslosenquote steht mit 3,7 Prozent fast auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre, und auch andere wichtige Kennzahlen zeigen sich ausgesprochen robust. Es ist daher in Notenbankkreisen viel von einem Zinsschritt zur „Versicherung“ gegen die zahlreichen weltwirtschaftlichen Risiken die Rede. Als Begründung wird auch die sehr moderate Inflationsrate herangezogen. Sie liegt auf einem für die Spätphase eines Konjunkturaufschwungs untypisch niedrigen Niveau. Das wiederum hat mit der verhaltenen Lohndynamik zu tun, die auf den ersten Blick so gar nicht zum leergefegten Arbeitsmarkt passen will. Wenn die Notenbanken die…

Wie tief können die Bund-Renditen fallen?

Die Rendite zehnjähriger Bunds sorgte jüngst für Schlagzeilen, als sie mit -0,41% unter das Niveau des derzeit wichtigsten EZB-Leitzinses fiel, dem Satz der Einlagefazilität. Anstatt die vorhandene Liquidität günstiger bei der EZB zu -0,40% zu parken, kauften einige Investoren also lieber zehnjährige Bunds. Den Anstoß für die Bund-Rallye, welche die Rendite zehnjähriger Bunds zum neuen Allzeittief gut 20 Bp unterhalb des alten führte, gab EZB-Präsident Mario Draghi. Er sagte bei seiner Rede beim EZB-Forum in Sintra am 18. Juni 2019, dass weiterer Stimulus erforderlich sei, falls sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen über den Sommer nicht besserten. Demnach stelle die andauernde Unsicherheit über den EU-Haushaltsstreit mit Italien, den Brexit oder durch Handelsstreitigkeiten in sich eine Materialisierung der Risikofaktoren dar. Die Rendite für Schätze notiert seither mit 0,73% außerhalb der bislang gültigen Spanne. Der Renditerückgang um 15 Bp spricht dafür, dass sich die Marktteilnehmer nicht ganz einig sind, ob sie für eine Senkung…

Zinsen – how low can you go?

Vor einigen Tagen ist die Rendite von deutschen Bundesanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit unter die Marke von -0,4 Prozent gefallen. Bei -0,4 Prozent hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins festgesetzt, also den Satz, zu dem die Banken ihre überschüssige Liquidität bei der EZB parken können. Demnach erschien es Investoren also zumindest vorübergehend attraktiver, ihr Geld in langlaufende Bundesanleihen zu investieren, obwohl sie dafür selbst im Vergleich zur sicheren, flexiblen und kurzfristigen Anlage bei der EZB einen zusätzlichen Strafzins berappen müssen. Zwar hat sich die Bundrendite in den letzten Tagen etwas erholen können, doch drängt sich nach dieser Erfahrung die Frage auf: Wie tief können die Renditen auf sichere Staatsanleihen noch sinken? Wir kommen zu dem Schluss, dass bei der Rendite wohl noch gehörig „Luft nach unten“ ist. Wenn sich die schwelenden ökonomischen und politischen Risiken wie der „harte“ Brexit und eine weitere Eskalation im Handelsstreit materialisieren und die EZB ihr Anleihekaufprogramm…

Die US-Notenbank will unbedingt die Zinsen senken

Gestern hat der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, bei einer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Repräsentantenhauses relativ klar signalisiert, dass die US-Zentralbank beabsichtigt, die Zinsen zu senken. So erscheinen jetzt drei Leitzinssenkungen auf Sicht der nächsten zwölf Monate möglich und wahrscheinlich; die erste Senkung könnte bereits im Juli erfolgen. Aus dem am gestrigen Abend veröffentlichten geldpolitischen Protokoll der US-Notenbank geht hervor, dass die Währungshüter im Rahmen der Juni-Ratssitzung grundsätzlich davon ausgegangen sind, dass die wirtschaftliche Aktivität in moderatem Tempo weiter zunehme. In diesem Zusammenhang rechnen die Fed-Vertreter mit einer anhaltend starken Entwicklung am Arbeitsmarkt und einer Inflationsrate im Bereich des Zielwertes. Allerdings habe nach Einschätzung zahlreicher Ratsmitglieder die Wahrscheinlichkeit einer ungünstigeren Entwicklung zugenommen. Risiken würden unter anderem von dem weiter ungelösten Handelsstreit ausgehen. Aus diesen unterschiedlichen Kommentaren und Einschätzungen lässt sich ableiten, dass für die US-Notenbank der neutral wirkende Leitzins nach unten verschoben wurde. Damit wirkt die aktuelle Zinspolitik bereits…

Präsident Erdogan – immer für negative Überraschungen gut

Der türkische Präsident Erdogan hat den Zentralbankvorsitzenden Cetinkaya völlig unerwartet gefeuert. Künftig soll dessen Stellvertreter Uysal die Position übernehmen. Hintergrund der Entscheidung ist ein Streit um die angemessene Ausrichtung der Geldpolitik. Nach Einschätzung Erdogans ist diese viel zu restriktiv. Diese Auffassung fußt auf der wirren ökonomischen Ansicht des Staatspräsidenten, dass hohe Leitzinsen eine hohe Inflationsrate nach sich ziehen. Eine andere Auffassung werde Erdogan weder in den Reihen der Regierung noch in der Zentralbank akzeptieren, dies soll der Präsident laut Medienberichten klargestellt haben. Dass Cetinkaya mit der im September letzten Jahres ergriffenen signifikanten Leitzinserhöhung auf 24% zur Beruhigung der Lage, einer Stabilisierung der Lira und damit auch zu dem seit Ende 2018 spürbar nachlassenden Preisdruck im Land wesentlich beigetragen hat, scheint Erdogan sehr erfolgreich auszublenden. Eigentlich konnten Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten den Eindruck gewinnen, dass die Zentralbank tatsächlich ein gewisses Maß an Unabhängigkeit genießt. Damit dürfte es nun wieder vorbei…

Die Politisierung der Notenbanken

Die steigende Hoffnung auf noch mehr billiges Geld und weiter fallende Notenbankzinsen ist am Kapitalmarkt sichtbar. So kann man seit einiger Zeit wieder beobachten, dass die Renditen von Anleihen fallen und gleichzeitig risikobehaftete Assets, wie Aktien oder Unternehmensanleihen, steigen. Mit der Ernennung von Christine Lagarde als Nachfolgerin von EZB-Chef Mario Draghi kann man nun auch nach der Ära Draghi mit einer lockeren Zinspolitik rechnen. Wie schon in der US Notenbank wird mit Frau Lagarde nun auch in der EZB eine Juristin das Ruder übernehmen. Damit setzt sich die Politisierung der Notenbanken konsequent fort. Diese Entwicklung ist keine wirkliche Überraschung, da die Notenbankpolitik durch ihre Handlungsbereitschaft, auch in den extremen Bereichen der Geldpolitik, für die Regierungen sehr relevant wurde. Welchen Stellenwert geldpolitische Steuerungsinstrumente in Zukunft einnehmen werden ist offen, aber im Zweifel werden politische Überlegungen ebenfalls eine bedeutende Rolle einnehmen. Dies alles findet vor dem Hintergrund einer spürbar nachlassenden Konjunkturdynamik und…

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