Zentralbanken / Rentenmärkte

Lagarde hat keine Eile

Die 500. Ratssitzung genau fünf Jahre nach der Ankündigung des QE-Programms hätte eigentlich für ein aufregendes Ereignis hergehalten. Dass es heute dennoch keine neuen Ankündigungen zur aktuellen Geldpolitik der EZB gab, war nicht überraschend. Zum einen entwickelt sich das Konjunkturbild mit abnehmenden Abwärtsrisiken in etwa so, wie von der EZB erwartet. Dementsprechend musste man den Kurs nicht ändern. Ein interessantes Statement bezüglich Hinweisen, ob Frau Lagarde eher einen hawkishen oder dovishen Kurs favorisiert, war die Brosche, die sie heute trug – eine Eule! Auf der anderen Seite wird die EZB angesichts der nun laufenden strategischen Überprüfung der Geldpolitik auch nicht unbedingt gewillt sein, Anpassungen vorzunehmen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Warum sollte man auch, wenn man in einem Jahr vielleicht eine andere Herangehensweise hat. Bezüglich der strategischen Überprüfung der Geldpolitik ließ sich Frau Lagarde erstmal nicht in die Karten schauen bzw. festlegen. Auch die Presseinformationen, die inzwischen veröffentlicht wurden,…

Die EZB hat sich verändert

Die EZB hat nach der Finanzkrise ihr Verhalten und die Reaktionsfunktion spürbar verändert und die Geldpolitik einen Strukturbruch erfahren. Gab es im ersten Jahrzehnt des Bestehens der Notenbank noch einen engen Gleichlauf zwischen konjunktureller Entwicklung und geldpolitischer Ausrichtung, ist in den letzten zehn Jahren eine zunehmende Entkoppelung der Geldpolitik vom realwirtschaftlichen Geschehen zu verzeichnen. Ein Grund hierfür liegt in der asymmetrischen Reaktionsfunktion der Währungshüter. In wirtschaftlichen Abschwung reagiert die EZB schneller und stärker als in Aufschwungphasen. Dies fiel besonders sowohl in der ausklingenden Finanzkrise als auch 2015 auf, als die EZB trotz Aufschwung, aber aus Sorge vor deflationären Risiken, den Einstieg in das PSPP verkündete. Trotz der Nullzinspolitik sowie des umfangreichen Einsatzes unkonventioneller Maßnahmen ist es der EZB bislang nicht gelungen, den Trend sinkender Inflationserwar-tungen zu stoppen. Das primäre Ziel der Geldwertstabilität wird seit Jahren überwiegend verfehlt, was den niedrigen Wirkungsgrad der geldpolitischen Mittel belegt. Der Grund hierfür liegt darin,…

Notenbanken brauchen Entlastung

Die Grenzen der Geldpolitik werden spätestens seit dem jüngsten Lockerungspaket der EZB im September wieder verstärkt diskutiert. Denn je tiefer die Zinsen ins Minus rutschen, desto fragwürdiger erscheinen die positiven realen Effekte für die Konjunktur, die sich die Notenbank davon verspricht. Gleichzeitig steigen die Risiken für die Finanzstabilität, sei es durch eine übermäßige Verschuldung, sei es durch Preisübertreibungen auf den Aktien-, Renten- oder Immobilienmärkten. Doch die Finanzmärkte haben sich auf die überreichliche Liquiditätsversorgung längst eingestellt. Die Jagd nach Rendite führt zu immer riskanteren Investments. Und eine übermäßige Verschuldung scheint bei einem Null- oder Negativzins zunächst einmal kein großes Risiko darzustellen. Das macht für die Zentralbanken den Weg aus den Niedrigzinsen umso schwieriger. Um den Notenbanken ihre Aufgabe zu erleichtern, müssen sie von Seiten der Politik unterstützt werden. Und zwar nicht durch die regelmäßige Aufforderung, die Zinsen doch bitte noch weiter zu senken. Vielmehr müssen die Wachstumsbedingungen in den Volkswirtschaften verbessert…

Bis der Krug bricht

Die Zentralbanken, insbesondere die EZB und die Fed, machen sich zunehmend Sorgen um die Folgen der niedrigen Zinsen für die Finanzstabilität. Viele Assetklassen haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und teilweise deutlich von ihren fundamental gerechtfertigten Preisen entfernt. Die Bewertung ist teuer geworden. Das gilt für die Immobilienmärkte, die Anleihemärkte bis hin zu den Aktienmärkten. Diese Entwicklung sollte nicht überraschen, denn es wurde oft auf dieses zu erwartende Szenario hingewiesen. Dabei spielen die niedrigen Zinsen die wichtigste Rolle. Eigentlich sollen sie die Investitionen und den Konsum anregen. Im aktuellen Zyklus blieb die Kreditnachfrage jedoch recht schwach, und die erwarteten und erhofften realwirtschaftlichen Effekte blieben aus. Die niedrigen Zinsen haben aber auf der anderen Seite dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingegangen sind. Dies wurde unterstützt durch die bislang gerechtfertigte Annahme, dass die Notenbanken bei jedem noch so kleinen Krisensignal bereitstünden. Die…

US-Notenbank macht Pause… bis zur nächsten Krise

Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 29. und 30. Oktober zeigt, dass die Währungshüter die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick weiterhin als hoch einstufen. Vor diesem Hintergrund sei eine Leitzinssenkung angebracht gewesen, wenn die Entscheidung hierfür auch knapp ausgefallen war. Die meisten FOMC-Mitglieder waren jedoch auch der Meinung, dass die geldpolitische Ausrichtung nach dem jüngsten Zinsschritt nun angemessen sei. Damit sind weitere Zinssenkungen erst einmal unwahrscheinlich geworden. Für eine Fortsetzung der Zinssenkungen müsste sich der konjunkturelle Ausblick wieder merklich verschlechtern. Die Risiken, die mit dem nach wie vor schwelenden Handelskonflikt mit China einhergehen, sind groß und können auch schnell zu einem bedeutenden Konjunkturrisiko werden. Über den Stand der Verhandlungen zwischen den USA und China gibt es unterschiedliche Interpretationen. Festzuhalten bleibt aber, dass beide Seiten eine positive Entwicklung begrüßen dürften. Auf chinesischer Seite wären gute Nachrichten eine willkommene Ablenkung vom Konflikt rund um Hongkong. Und US-Präsident Trump hätte in…

Ciao, Signor Draghi!

Nach acht Jahren endet die Amtszeit von Mario Draghi als Präsident der EZB. Bei seiner letzten Pressekonferenz war mit keinen geldpolitischen Überraschungen mehr zu rechnen, doch war diese Zusammenkunft auch kein Non-Event. So hat der oberste Währungshüter im Vergleich zu seinem Eingangsstatement der September-Ratssitzung einen etwas düstereren Konjunkturausblick gezeichnet. Die Notenbank-Oberen rechnen mit einer anhaltenden Schwäche der Wirtschaft. So besteht das Risiko, dass die Rezession im Verarbeitenden Gewerbe auch den Servicebereich in Mitleidenschaft ziehen könnte. Damit würde dann auch die Binnenkonjunktur Schaden nehmen. Vor diesem Hintergrund sind die zuletzt im EZB-Rat sehr umstrittenen geldpolitischen Maßnahmen als Absicherung zu verstehen. Die Hoffnungen der Marktakteure, weitere Informationen zur genauen Ausgestaltung der Anleihekäufe zu erhalten, wurden aber enttäuscht. Daher ist zu erwarten, dass sich die APP-Käufe am Vorgehen der Vergangenheit orientieren. Spätere Anpassungen sind allerdings nicht auszuschließen. Da das PSPP unter den aktuellen Rahmenbedingungen spätestens zum Ende des kommenden Jahres an seine Grenzen…

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