Zentralbanken / Rentenmärkte

EZB bleibt sich treu

Die europäischen Währungshüter haben im Zuge der heutigen Zinssitzung sowohl die „Forward Guidance“ angepasst, als auch ihre Einschätzung hinsichtlich der Risiken für den Konjunkturausblick adjustiert. Gegenüber dem geldpolitischen Statement im April wurde nun auf den Hinweis über die grundsätzliche Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung verzichtet. Notenbankchef Draghi begründete diese Entscheidung unter anderem, mit dem Verweis auf das deutlich gesunkene Risiko eines Abrutschens in die Deflation. Hinsichtlich der Konjunkturaussichten ist bei den Währungshütern eine wachsende Zuversicht auszumachen. Dies spiegelt sich unter anderem darin wider, dass die Notenbank-Oberen die Risiken für den Konjunkturausblick nunmehr als weitestgehend ausgeglichen betrachten. Doch trotz dieser grundsätzlich erfreulichen Anpassungen, haben Spekulationen auf eine baldige Abkehr der EZB von ihrem derzeitigen ultra-expansiven geldpolitischen Kurs einen Dämpfer erfahren. So beklagen die Währungshüter einen nur schwach ausgeprägten grundlegenden Preisauftrieb in der Eurozone. Im Zuge der heutigen Zinssitzung hat Notenbankchef Draghi die überarbeiteten Projektionen der EZB-Stabsmitarbeiter zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt. Erfreulich…

Globale Geldpolitik steht vor großen Veränderungen

Der Beginn der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise liegt nun fast genau zehn Jahre zurück, doch in der internationalen Geldpolitik ist die Krise noch so präsent als wäre es gestern gewesen. Fast alle großen Notenbanken, zumindest in den Industrieländern, halten ihre Leitzinsen bei Null oder nur wenig darüber und in vielen Ländern wird daneben noch laufend Liquidität über den Ankauf von Aktiva in die Märkte gepumpt. Nie zuvor gab es eine derart lange Phase extrem expansiver Geldpolitik. Doch aktuell mehren sich nicht nur in den USA und im Euro-Raum die Anzeichen, dass ein größerer geldpolitischer Umbruch bevorsteht. Zwar sieht es derzeit so aus, als könnte er sich sehr langsam vollziehen. Denn die Notenbanken haben keinen Grund zur Eile, die Inflationsaussichten sind zwar angestiegen, sie halten sich aber immer noch in Grenzen. Das muss aber nicht so bleiben. Besonders in den USA besteht das Risiko, dass sich die Inflationsrate beschleunigt und damit…

Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen. Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell…

Weiter wachsende Zinseinbußen privater Haushalte in Deutschland

Zu den gravierendsten Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase zählt der Einbruch der Zinseinkünfte bei der Geldanlage. Nach unseren neuesten Berechnungen summieren sich die entsprechenden Einkommenseinbußen der Bürger im Vergleich zum „Normalzinsniveau“ in den Jahren 2010 bis 2017 auf fast 436 Mrd. Euro. Selbst wenn man die Einsparungen durch günstigere Kreditzinsen gegenrechnet, verbleiben Netto-Zinseinbußen von fast 250 Mrd. Euro. Auch 2017 werden die Zinseinbußen der Bürger weiter wachsen. Zudem ist mit einer „Rückkehr“ der Inflation zu rechnen. Dadurch dürfte der durchschnittliche Realzins für Einlagen, Rentenwerte und Versicherungen in diesem Jahr auf -0,8 Prozent sinken. Das verursacht einen Wertverlust des privaten Geldvermögens von über 37 Mrd. Euro. Nicht nur aus diesem Grund, sondern vor allem auch weil fundamentale Daten wie Wirtschaftswachstum und Inflation die aktuelle Geldpolitik der EZB nicht mehr rechtfertigen, wird es Zeit für den geldpolitischen Kurswechsel.

Wie die EZB die geldpolitische Normalisierung gestalten könnte

Innerhalb der EZB diskutiert man kontrovers über die richtige Strategie zur geldpolitischen Normalisierung. Die Grafik zeigt, wie aus meiner Sicht der Ausstieg gestaltet werden könnte. Dabei sollte im ersten Schritt der Einlagezins etwas angehoben und damit die aus der Angst vor Deflation geborene Notmaßnahme wieder rückgängig gemacht werden. Zudem würde die EZB auch anerkennen, dass sich das fundamentale Umfeld im Euroraum merklich verbessert hat. Die Finanzmärkte werden damit auch auf den geldpolitischen Wandel eingestimmt. Das Anleihekaufprogramm sollte aus meiner Sicht erst nach der Wahl in Italien reduziert werden. Die politische Unsicherheit vor der Wahl ist schlicht zu groß, so dass es zu unerwünschten Verwerfungen an den Kapitalmärkten kommen könnte.

EZB – Es wird Zeit den Kurs zu ändern

Die geldpolitische Strategie der EZB steht immer mehr in der öffentlichen Kritik und dies auch zu recht. Die fundamentalen Daten wie BIP Wachstum und Inflation rechtfertigen die negativen Einlagezinsen und das laufende Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen nicht mehr. Trotzdem hält die EZB an dieser Politik fest und begibt sich immer mehr in die politische Abhängigkeit. Die nationalen Notenbanken sind bereits oder werden die größten Gläubiger der Euro-Staaten. Eine unabhängige Zinspolitik wird somit immer schwieriger durchzusetzen, da die EZB erpressbar wird. Dadurch wird mit der Zeit die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigt und eine effiziente Geldpolitik massiv erschwert. In den letzten Jahren hat die EZB durch die Geldpolitik zur stabilen Entwicklung des Euroraumes beigetragen, aber nun wird es Zeit den Kurs zu ändern.

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