Zentralbanken / Rentenmärkte

Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

Fed-Minutes: In Richtung restriktiv

Die gestern Abend veröffentlichten Minutes der US-Notenbanksitzung vom 26. September zeigen, dass die Fed-Oberen angesichts einer soliden Wachstumsdynamik intensiv darüber diskutiert haben, die Leitzinsen zeitweise über das neutrale Zinsniveau zu erhöhen. Etliche FOMC-Mitglieder befürworteten eine temporär restriktive geldpolitische Ausrichtung. Einige andere Währungshüter sprachen sich gegen einen solchen Schritt aus, da die Wirtschaft derzeit weder Zeichen einer Überhitzung zeige noch ein deutlicher Anstieg der Inflationsraten auszumachen sei. Unabhängig von dem geldpolitischen Zielniveau, das die Fed letzten Endes ansteuern wird, waren sich die Geldpolitiker über weitere moderate Zinsanhebungen in den kommenden Monaten einig. Außerdem wurde genauer erläutert, warum im FOMC-Statement lange bevor ein neutrales Zinsniveau erreicht wurde, der Passus über die akkommodierende Geldpolitik gestrichen wurde. Ein weiteres Hinauszögern dieser Entscheidung hätte dazu geführt, dass sich die Marktteilnehmer in Sicherheit wiegen würden, die Fed wisse genau, wann die Geldpolitik nicht mehr akkommodierend sei. Märkte sind weiterhin vorsichtiger als die Währungshüter Insgesamt ist das…

Kapitalmarktrenditen dies und jenseits des Atlantiks dürften auf Jahressicht moderat höher tendieren

Die europäischen Währungshüter sind zwischenzeitlich wieder aus der Sommerpause zurückgekehrt und haben ihren eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bestätigt. Ab Oktober werden die monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des EZB-Ankaufprogramms (APP) auf 15 Mrd. Euro verringert. Perspektivisch sollen die Nettoneukäufe dann zum Ende des Jahres gänzlich beendet werden. Auch wenn die Währungshüter damit einen weiteren kleinen Schritt in Richtung geldpolitischer Normalität unternehmen, bleibt der geldpolitische Stimulus nach wie vor umfassend. So sind angesichts der EZB-Forward Guidance Leitzinserhöhungen zunächst kein Thema. Erst auf Jahressicht halten wir es für vorstellbar, dass die Notenbank-Oberen den Einlagesatz vorsichtig nach oben schleusen. Einen ersten „richtigen“ Zinsschritt halten wir frühestens Ende nächsten Jahres für wahrscheinlich. Während sich die EZB sichtlich schwertut, die Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik ernsthaft anzugehen, treiben die US-Amtskollegen diese zusehends voran. Bis Mitte nächsten Jahres rechnen wir mit insgesamt vier Zinserhöhungen von je 25 Basispunkten. Mit 2,75% bis 3,00% dürfte die US-Notenbank dann ein neutrales…

Investoren weiterhin am Tropf der Geldpolitik

Potenzielle Krisenherde gibt es derzeit reichlich. Ob Italien, Trump, die Türkei, der rapide nahende Brexit oder der schwellende Handelskonflikt, Investoren müssen nicht lange suchen, um gute Gründe zu finden, sich defensiv zu verhalten. Dennoch bleibt die tatsächlich gemessene Risikoaversion am Markt niedrig. Die globalen Aktienmärkte laufen nach wie vor gut, die Bundrendite ist wieder gestiegen, während Peripherie-Spreads zuletzt reingelaufen sind und auch an den Devisenmärkten ist von erhöhter Risikoaversion nichts zu sehen. Aller Krisenherde zum Trotz scheinen die Finanzmärkte tiefenentspannt zu sein. Ausnahmen bilden sicherlich einige der Schwellenländerwährungen, die ihre Abwertung jedoch vorrangig lokalen Faktoren zu verdanken haben (die Tatsache, dass sich dies nicht deutlicher im breiteren EM-Spektrum widerspiegelt, größere Ansteckungseffekte also ausgeblieben sind, bestätigt sogar, wie gelassen der Markt derzeit ist). Sucht man nach Gründen für die Widerstandsfähigkeit des Marktes, ist zum einen das weiterhin als robust zu bezeichnende volkswirtschaftliche Umfeld zu nennen. Die USA dürften in diesem Jahr…

EZB – Weiter so wie angekündigt!

Wenig überraschend hat die EZB auf der heutigen Ratssitzung ihre Absicht bekräftigt, die Leitzinsen frühestens ab Sommer 2019 zu erhöhen. Gleichzeitig gab die Notenbank nun endgültig bekannt, die Anleihekäufe ab Oktober dieses Jahres von 30 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Außerdem beabsichtigen die Währungshüter, die Nettokäufe im Dezember zu beenden, wenngleich diese Option weiterhin unter dem Vorbehalt steht, dass sich die Inflationsrate mittelfristig den Erwartungen der Währungshüter annähert. Damit wurde das Ende der Nettoanleihekäufe letztlich offengelassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Hürde für die EZB, von dem skizzierten Weg abzuweichen, sehr hoch sein wird. An der Reinvestitionspolitik wird vorerst festgehalten. Insgesamt haben die Finanzmärkte kaum auf die Sitzung des EZB-Rates und/oder auf die Pressekonferenz des EZB-Präsidenten reagiert. Dies deutet darauf hin, dass der Markt den langsamen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ausreichend antizipiert. Außerdem herrscht die Marktmeinung vor, dass die Geldpolitik weiterhin sehr akkommodierend bleiben…

Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb. Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira…

1 2 69