Zentralbanken / Rentenmärkte

EZB-Accounts: Anpassung der Forward Guidance verfrüht

Aus den heute veröffentlichten EZB-Accounts geht hervor, dass sich einige Notenbanker bereits zur Januar-Sitzung für eine Adjustierung der Forward Guidance für das Anleiheankaufprogramm (PSPP) ausgesprochen haben. Die Befürworter eines solchen Schritts verwiesen unter anderem auf die wachsende Zuversicht, dass sich die Teuerungsrate mittelfristig in Richtung des EZB-Inflationsziels entwickeln werde. Daher wurde im Rahmen der Januar-Sitzung darüber diskutiert, auf die Möglichkeit einer erneuten Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe zu verzichten. Letztlich haben sich die Notenbank-Oberen aber darauf verständigt, dass es (eventuell die Italien-Wahlen im Blick?) verfrüht sei, auf diese Handlungsoption zu verzichten. Den jüngsten Renditeanstieg sah man aber noch nicht als restriktiv wirkend an. Die EZB-Vertreter stimmen dennoch darüber überein, dass die Forward Guidance in den kommenden Monaten im Einklang mit den Aussichten für die Teuerungsentwicklung angepasst werden solle. Besondere Aufmerksamkeit wollen die EZB-Vertreter hierbei auch der Entwicklung des Euro-Wechselkurses zukommen lassen. So sei dessen Volatilität ein Unsicherheitsfaktor für den mittelfristigen Inflationsausblick….

Bundesanleihen werden ein knappes Gut

Seit Beginn des Staatsanleihekaufprogramms der EZB (PSPP) ist eine zunehmende Knappheit bei Bundesanleihen zu beobachten. Das liegt sowohl am schrumpfenden Angebot infolge einer sinkenden Emissionstätigkeit der Deutschen Finanzagentur als auch an der hohen Nachfrage. Allen voran hat sich das ESZB seit PSPP-Beginn zu einem strukturellen Nachfrager von Bundesanleihen entwickelt. Inzwischen hält das ESZB nicht nur etwa ein Viertel aller PSPP-fähigen Bundesanleihen – bei kaum einem anderen EWU-Land ist der Anteil vergleichbar hoch -, die Nachfrage der europäischen Notenbanken ist zudem preisunelastisch, was den marktverzerrenden Einfluss des PSPP verstärkt. Nicht nur das ESZB fragt Bundesanleihen stark nach, auch Nicht-EWU-Geschäfts- und Notenbanken, die keinen Zugang zur EZB-Einlagefazilität haben, investieren in Schätze, um Euro-Liquidität möglichst risikoarm vorhalten zu können. Die bereits jetzt augenscheinliche Knappheit bei Bundesanleihen wird nicht nur bis zum Ende des PSPP anhalten. Da das ESZB alle Anleihefälligkeiten reinvestiert, wird die Knappheit solange evident bleiben oder sogar noch zunehmen, bis sich…

Stühlerücken in der EZB – Draghi-Nachfolger gesucht

Die europäischen Währungshüter stehen angesichts einer sich zusehends erholenden europäischen Konjunktur derzeit vor der Herausforderung, ihre bisherige geldpolitische Ausrichtung allmählich zu adjustieren. Angesichts einer weiterhin auf niedrigem Niveau verharrenden Teuerung dürfte der geldpolitische Stimulus allerdings nur sehr behutsam zurückgenommen werden. Doch als wäre diese Gratwanderung nicht schon Herausforderung genug, müssen binnen der kommenden zwei Jahre vier des sechs Sitze umfassenden EZB-Direktoriums neu besetzt werden. So endet die achtjährige Amtszeit von EZB-Vize Constancio bereits in etwa vier Monaten. Bis Ende 2019 scheiden zudem EZB-Chefvolkswirt Praet, EZB-Chef Draghi und Ratsvertreter Coeuré aus dem Gremium aus. Formell bestimmen die Vertreter des Europäischen Rats über die Nachfolge der ausscheidenden EZB-Direktoriumsmitglieder. Im Vorfeld sind allerdings auch noch Anhörungen durch das Europäische Parlament und den EZB-Rat vorgesehen. Wie immer bei europäischen Spitzenämtern muss zwischen den divergierenden Interessen der Mitgliedsstaaten ein Kompromiss gefunden werden. Besonders heikel ist in diesem Zusammenhang wohl die Personalie des neuen EZB-Chefs. Bundes-bankchef…

Draghi kann Höhenflug des Euro nicht aufhalten

Die EUR-Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen das einleitende geldpolitische Statement unverändert belassen. Spekulationen über eine mögliche Anpassung der Forward Guidance für das Anleiheankaufprogramm (APP) haben sich unseren Erwartungen entsprechend nicht bewahrheitet. Draghi hat vielmehr weiterhin hervorgehoben, dass das APP zumindest bis September 2018 fortgeführt werde. Darüber hinaus bleibt eine zeitliche Verlängerung bzw. Aufstockung der Anleihekäufe eine der möglichen Handlungsoptionen, sollte sich die Inflationsrate nicht in die gewünschte Richtung entwickeln. Bemerkenswert ist allerdings, dass Draghi erstmals wieder seit September die Volatilität des Euros als eine mögliche Quelle für Unsicherheit bezeichnete, welche näher beobachtet werden müsse. Doch auch wenn Draghi damit sein grundsätzliches Unbehagen hinsichtlich der jüngsten Wechselkursbewegungen zum Ausdruck gebracht hat, war dies nicht ausreichend um die Euro-Stärke im Zaum zu halten. So ist es der Europäischen Einheitswährung im Umfeld der Ratssitzung gelungen, kurzzeitig die Marke von 1,25 USD zu überspringen. Im Zuge der Pressekonferenz kam die Frage auf, inwieweit…

EZB-Accounts deuten Anpassung der Forward Guidance an

Die europäischen Währungshüter stimmen darin überein, dass im Falle einer weiteren Annäherung der Inflationsrate an den EZB-Zielwert die gegenwärtige Forward Guidance angepasst werden muss. Dies geht aus den heute veröffentlichten Accounts zur EZB-Ratssitzung vom 14. Dezember hervor. Hierbei steht allerdings weniger der Ausblick für den Leitzins als vielmehr der Fortgang des Anleiheankaufprogramms (APP) im Fokus. Bislang hat die EZB in Aussicht gestellt, dass das APP bis mindestens September 2018 fortgeführt wird. Sollte sich die Inflationsrate bis dahin nicht in die von der Notenbank gewünschte Richtung entwickeln, hat diese ihre Bereitschaft zu einer zeitlichen Verlängerung bzw. Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe signalisiert. Dieser Passus scheint nunmehr zur Debatte zu stehen. Im letzten Jahr wurde schon die Formulierung zum Einlagesatz „oder tiefer“ kassiert. Die im EZB-Rat an Schwung gewinnende Debatte über die Anpassung der Forward Guidance hat in den zurückliegenden Tagen an Schärfe gewonnen. So hat unter anderem Bundesbankchef Weidmann gefordert, das Kaufprogramm…

2018 wird das Jahr der Notenbanken

Aus Sicht der Kapitalmärkte wird 2018 ein überaus spannendes Jahr. Die Notenbanken müssen in einem schwierigen Umfeld beweisen, ob es ihnen gelingt, das richtige Maß an geldpolitischer Straffung zu finden. Das alles dürfte mit mehr Volatilität an den Kapitalmarkten einhergehen. Seit fast 10 Jahren wächst die Weltwirtschaft. Die globale Wachstumsdynamik ist aktuell sogar so stark, dass selbst strukturschwache Länder wie Griechenland und Italien ordentliche Wachstumsraten schaffen. In strukturell besser aufgestellten Ländern wie Deutschland oder den USA ist die Zahl der Beschäftigten inzwischen so kräftig gestiegen, dass sich deren Arbeitsmärkte der Vollbeschäftigung nähern. Aber nicht nur in den Industrieländern kann man eine sehr stabile Entwicklung des Wirtschaftswachstums beobachten. Auch in den Schwellenländern zeigt sich eine robuste Entwicklung. Selbst Lateinamerika hat trotz politischer Turbulenzen die Rezession hinter sich gelassen. Generell kann man festhalten, dass politische Entwicklungen kaum einen Einfluss auf die Länder hatten. Das beste Beispiel sind wahrscheinlich die USA. Der Beginn…

1 2 64