Zentralbanken / Rentenmärkte

Libra – Großangriff auf die Zentralbanken dieser Welt?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einer oder mehrere Vertreter vonseiten der Politik, der Finanzaufsicht und von Zentralbanken zu der von einem Konsortium um den Tech-Giganten Facebook geplanten Kryptowährung Libra äußern. Und zumeist sind es lautstarke Kritik oder zumindest mahnende Worte, die zu vernehmen sind. Dies zeigt vor allem eines: Auch wenn sich das Libra-Projekt in einem vorläufigen Stadium befindet, wird die private weltweite Einheitswährung von vielen als ernst zu nehmende Konkurrenz für das etablierte Geld- und Finanzsystem wahrgenommen. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großen Nutzerbasis und der Finanzkraft der beteiligten Unternehmen. Die von den Initiatoren ausgegebenen Ziele sind es sicherlich nicht, die den Kritikern Furcht einflößen. Wer könnte schon etwas dagegen haben, insbesondere denjenigen Menschen auf der Welt einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen, die bislang ausgeschlossen sind – sofern sie nur über ein Smartphone und Internetzugriff verfügen? Auch ist die Idee, Finanztransaktionen…

Geldmarkt in USA trocknet aus, US-Notenbank steuert nun dagegen

Die Liquiditätsprobleme am US-Geldmarkt bestehen bereits einige Zeit und haben sich in den letzten Monaten stetig verstärkt. Mitte September hat die US-Notenbank dann zum ersten Mal seit über einer Dekade wieder Liquidität in den Geldmarkt gepumpt. Die Maßnahme wurde notwendig, nachdem die Effective-Fed-Funds-Rate (EFFR), also der Zinssatz zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, deutlich angestiegen war. Auslöser für diese Zuspitzung war eine Verkettung von Ereignissen – wie die vierteljährlich anstehenden Zahlungen der Unternehmenssteuer oder die Zahlungen für neue T-Bill-Emissionen seitens der Banken –, die alle zu einer weiteren Verknappung der bereits engen Liquidität beigetragen haben. In der Folge stieg der US-Overnight-Repo-Satz stark an (intraday: 10%!). Die Fed musste mit mehreren Liquiditätsspritzen in Höhe von insgesamt rund 75 Mrd. US-Dollar intervenieren, wodurch die Geldmarktsätze wieder sanken. Danach war eigentlich klar, dass die die US-Notenbank etwas unternehmen wird, um eine weitere Austrocknung des Interbanken-Marktes in den USA zu verhindern. Nun…

EZB ist am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen

Die EZB hat heute eigentlich fast alles geliefert, was sich die Investoren gewünscht haben. Der Einlagesatz ist wie erwartet auf minus 0,5% abgesenkt worden. Begleitet wird diese Maßnahme durch einen Freibetrag, für den kein Negativzins anfällt. Zweck dieser Staffelung ist es, die Belastungen der Banken durch den negativen Einlagenzins in Grenzen zu halten. Die Staffelung dürfte insbesondere für deutsche, französische und niederländische Banken eine Erleichterung bringen. Diese halten mit zusammen knapp 70% den größten Teil an den Überschussreserven bei der EZB. Die EZB muss jedoch darauf achten, dass die Geldmarktsätze durch dieses abgestufte System nicht in Bewegung nach oben geraten. Die Anleihekäufe sollen zum 1. November wiederaufgenommen werden – diesmal jedoch ohne festes Enddatum. Das Programm soll nahezu solange durchgeführt werden, bis sie die Leitzinsen wieder erhöht. Da das sehr lange dauern kann, ist dies ein klares Signal an die Märkte, dass die EZB bis auf weiteres sehr expansiv agieren…

US Notenbank lässt sich alles offen, Zinsen dürften aber sinken

Viele Marktteilnehmer erhofften sich von der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole weitere Informationen, ob sich die jüngste Anpassung in der Mitte des Konjunkturzyklus nicht doch noch zu einem ausgewachsenen Leitzinssenkungszyklus entwickeln wird. Fed-Chef Powell wollte sich aber nicht festlegen und gab keine konkreten Hinweise auf den zukünftigen Pfad der Geldpolitik. Offen war er dagegen dahingehend, dass man kein Handbuch für den Umgang mit dem laufenden Handelskonflikt habe. Dies deutet wiederum auf eine hohe Unsicherheit im FOMC selbst hin. Zwar ist es aus meiner Sicht relativ sicher, dass die US-Leitzinsen im Laufe des Jahres weiter sinken werden. Die spannende Frage ist aber eher, ob weitere Zinssenkungen überhaupt noch einen positiven Effekt auf die Realwirtschaft haben werden, oder nur die Finanzmärkte beflügeln. Der politische Druck auf die US-Notenbank ist zudem weiter gestiegen. Nach Trump ist Powell nun ein Feind – man weiß aber nicht genau für wen oder was. Inwieweit dies in den…

EZB muss sich für ein neues Anleihekaufprogramm mehr Spielraum schaffen

Die EZB bereitet eine Wiederaufnahme der Nettoneukäufe von EWU-Staatsanleihen (PSPP) vor, die sie bereits auf ihrer September-Sitzung verkünden könnte. Eine PSPP-Fortsetzung wäre unter den gegenwärtigen Programmbedingungen allerdings zeitlich stark beschränkt. Bereits nach etwa sieben Monaten dürfte das ESZB im Fall von Deutschland das Emittenten-Limit erreichen. Eine Änderung der PSPP-Bedingungen wird deswegen vielfach diskutiert. In der Praxis dürften sich Anpassungen aber deutlich schwieriger als gemeinhin angenommen gestalten. Eine Anhebung des Emittenten-Limits von derzeit 33% auf 50% könnte nicht nur gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verstoßen, sie bliebe ohne Anpassung des Emissions-Limits nahezu wirkungslos. Eine Änderung des Emissions-Limits von derzeit überwiegend 33% würde jedoch ebenfalls Fragen nach sich ziehen. Alle seit 2013 begebenen EWU-Staatsanleihen enthalten eine Euro area model Collective Action Clause (CAC). Hielte die EZB in Zukunft mehr als 33% des ausstehenden Kapitals einer Emission, müsste sie zumindest ihre bisherige politisch neutrale Haltung aufgeben. Insbesondere in Krisenfällen, in denen beispielsweise…

Internationaler Zinssenkungswettlauf

Die Zinsen sinken rund um den Globus. Noch Anfang 2019 sah es so aus, als sollte sich die gerade erst gestartete Normalisierung der Geldpolitik, ausgehend von der US-Notenbank, auch allmählich auf die anderen Zentralbanken der Welt übertragen. Heute stehen die Zeichen dagegen weltweit schon wieder auf Zinssenkung. Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Fed haben jedenfalls verschiedene andere Notenbanken ebenfalls einen Schwenk in Richtung expansiver Geldpolitik vollführt. So haben beispielsweise die Währungshüter in Indien, Thailand, Neuseeland, Brasilien oder Peru nachgezogen und den Expansionsgrad ihrer Geldpolitik erhöht. Die EZB wird wohl im September ein großes Maßnahmenpaket ankündigen. Der politische Druck auf die US-Notenbank dürfte in den kommenden Monaten hoch bleiben. Andere Zentralbanken könnten dann erneut im Schlepptau folgen. Sollte sich dieser vermeintliche Wettlauf um die lockerste Geldpolitik fortsetzen, können die Zentralbanken jedoch nur verlieren. Die Zeiten extrem niedriger Renditen an den Anleihemärkten dürften also weitergehen, die Situation könnte sich sogar noch verschärfen….

1 2 77