Zentralbanken / Rentenmärkte

Bis der Krug bricht

Die Zentralbanken, insbesondere die EZB und die Fed, machen sich zunehmend Sorgen um die Folgen der niedrigen Zinsen für die Finanzstabilität. Viele Assetklassen haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und teilweise deutlich von ihren fundamental gerechtfertigten Preisen entfernt. Die Bewertung ist teuer geworden. Das gilt für die Immobilienmärkte, die Anleihemärkte bis hin zu den Aktienmärkten. Diese Entwicklung sollte nicht überraschen, denn es wurde oft auf dieses zu erwartende Szenario hingewiesen. Dabei spielen die niedrigen Zinsen die wichtigste Rolle. Eigentlich sollen sie die Investitionen und den Konsum anregen. Im aktuellen Zyklus blieb die Kreditnachfrage jedoch recht schwach, und die erwarteten und erhofften realwirtschaftlichen Effekte blieben aus. Die niedrigen Zinsen haben aber auf der anderen Seite dazu geführt, dass Investoren auf der Suche nach Rendite immer größere Risiken eingegangen sind. Dies wurde unterstützt durch die bislang gerechtfertigte Annahme, dass die Notenbanken bei jedem noch so kleinen Krisensignal bereitstünden. Die…

US-Notenbank macht Pause… bis zur nächsten Krise

Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 29. und 30. Oktober zeigt, dass die Währungshüter die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick weiterhin als hoch einstufen. Vor diesem Hintergrund sei eine Leitzinssenkung angebracht gewesen, wenn die Entscheidung hierfür auch knapp ausgefallen war. Die meisten FOMC-Mitglieder waren jedoch auch der Meinung, dass die geldpolitische Ausrichtung nach dem jüngsten Zinsschritt nun angemessen sei. Damit sind weitere Zinssenkungen erst einmal unwahrscheinlich geworden. Für eine Fortsetzung der Zinssenkungen müsste sich der konjunkturelle Ausblick wieder merklich verschlechtern. Die Risiken, die mit dem nach wie vor schwelenden Handelskonflikt mit China einhergehen, sind groß und können auch schnell zu einem bedeutenden Konjunkturrisiko werden. Über den Stand der Verhandlungen zwischen den USA und China gibt es unterschiedliche Interpretationen. Festzuhalten bleibt aber, dass beide Seiten eine positive Entwicklung begrüßen dürften. Auf chinesischer Seite wären gute Nachrichten eine willkommene Ablenkung vom Konflikt rund um Hongkong. Und US-Präsident Trump hätte in…

Ciao, Signor Draghi!

Nach acht Jahren endet die Amtszeit von Mario Draghi als Präsident der EZB. Bei seiner letzten Pressekonferenz war mit keinen geldpolitischen Überraschungen mehr zu rechnen, doch war diese Zusammenkunft auch kein Non-Event. So hat der oberste Währungshüter im Vergleich zu seinem Eingangsstatement der September-Ratssitzung einen etwas düstereren Konjunkturausblick gezeichnet. Die Notenbank-Oberen rechnen mit einer anhaltenden Schwäche der Wirtschaft. So besteht das Risiko, dass die Rezession im Verarbeitenden Gewerbe auch den Servicebereich in Mitleidenschaft ziehen könnte. Damit würde dann auch die Binnenkonjunktur Schaden nehmen. Vor diesem Hintergrund sind die zuletzt im EZB-Rat sehr umstrittenen geldpolitischen Maßnahmen als Absicherung zu verstehen. Die Hoffnungen der Marktakteure, weitere Informationen zur genauen Ausgestaltung der Anleihekäufe zu erhalten, wurden aber enttäuscht. Daher ist zu erwarten, dass sich die APP-Käufe am Vorgehen der Vergangenheit orientieren. Spätere Anpassungen sind allerdings nicht auszuschließen. Da das PSPP unter den aktuellen Rahmenbedingungen spätestens zum Ende des kommenden Jahres an seine Grenzen…

Libra – Großangriff auf die Zentralbanken dieser Welt?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einer oder mehrere Vertreter vonseiten der Politik, der Finanzaufsicht und von Zentralbanken zu der von einem Konsortium um den Tech-Giganten Facebook geplanten Kryptowährung Libra äußern. Und zumeist sind es lautstarke Kritik oder zumindest mahnende Worte, die zu vernehmen sind. Dies zeigt vor allem eines: Auch wenn sich das Libra-Projekt in einem vorläufigen Stadium befindet, wird die private weltweite Einheitswährung von vielen als ernst zu nehmende Konkurrenz für das etablierte Geld- und Finanzsystem wahrgenommen. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großen Nutzerbasis und der Finanzkraft der beteiligten Unternehmen. Die von den Initiatoren ausgegebenen Ziele sind es sicherlich nicht, die den Kritikern Furcht einflößen. Wer könnte schon etwas dagegen haben, insbesondere denjenigen Menschen auf der Welt einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen, die bislang ausgeschlossen sind – sofern sie nur über ein Smartphone und Internetzugriff verfügen? Auch ist die Idee, Finanztransaktionen…

Geldmarkt in USA trocknet aus, US-Notenbank steuert nun dagegen

Die Liquiditätsprobleme am US-Geldmarkt bestehen bereits einige Zeit und haben sich in den letzten Monaten stetig verstärkt. Mitte September hat die US-Notenbank dann zum ersten Mal seit über einer Dekade wieder Liquidität in den Geldmarkt gepumpt. Die Maßnahme wurde notwendig, nachdem die Effective-Fed-Funds-Rate (EFFR), also der Zinssatz zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen, deutlich angestiegen war. Auslöser für diese Zuspitzung war eine Verkettung von Ereignissen – wie die vierteljährlich anstehenden Zahlungen der Unternehmenssteuer oder die Zahlungen für neue T-Bill-Emissionen seitens der Banken –, die alle zu einer weiteren Verknappung der bereits engen Liquidität beigetragen haben. In der Folge stieg der US-Overnight-Repo-Satz stark an (intraday: 10%!). Die Fed musste mit mehreren Liquiditätsspritzen in Höhe von insgesamt rund 75 Mrd. US-Dollar intervenieren, wodurch die Geldmarktsätze wieder sanken. Danach war eigentlich klar, dass die die US-Notenbank etwas unternehmen wird, um eine weitere Austrocknung des Interbanken-Marktes in den USA zu verhindern. Nun…

EZB ist am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen

Die EZB hat heute eigentlich fast alles geliefert, was sich die Investoren gewünscht haben. Der Einlagesatz ist wie erwartet auf minus 0,5% abgesenkt worden. Begleitet wird diese Maßnahme durch einen Freibetrag, für den kein Negativzins anfällt. Zweck dieser Staffelung ist es, die Belastungen der Banken durch den negativen Einlagenzins in Grenzen zu halten. Die Staffelung dürfte insbesondere für deutsche, französische und niederländische Banken eine Erleichterung bringen. Diese halten mit zusammen knapp 70% den größten Teil an den Überschussreserven bei der EZB. Die EZB muss jedoch darauf achten, dass die Geldmarktsätze durch dieses abgestufte System nicht in Bewegung nach oben geraten. Die Anleihekäufe sollen zum 1. November wiederaufgenommen werden – diesmal jedoch ohne festes Enddatum. Das Programm soll nahezu solange durchgeführt werden, bis sie die Leitzinsen wieder erhöht. Da das sehr lange dauern kann, ist dies ein klares Signal an die Märkte, dass die EZB bis auf weiteres sehr expansiv agieren…

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