Zentralbanken / Rentenmärkte

Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen. Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell…

Weiter wachsende Zinseinbußen privater Haushalte in Deutschland

Zu den gravierendsten Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase zählt der Einbruch der Zinseinkünfte bei der Geldanlage. Nach unseren neuesten Berechnungen summieren sich die entsprechenden Einkommenseinbußen der Bürger im Vergleich zum „Normalzinsniveau“ in den Jahren 2010 bis 2017 auf fast 436 Mrd. Euro. Selbst wenn man die Einsparungen durch günstigere Kreditzinsen gegenrechnet, verbleiben Netto-Zinseinbußen von fast 250 Mrd. Euro. Auch 2017 werden die Zinseinbußen der Bürger weiter wachsen. Zudem ist mit einer „Rückkehr“ der Inflation zu rechnen. Dadurch dürfte der durchschnittliche Realzins für Einlagen, Rentenwerte und Versicherungen in diesem Jahr auf -0,8 Prozent sinken. Das verursacht einen Wertverlust des privaten Geldvermögens von über 37 Mrd. Euro. Nicht nur aus diesem Grund, sondern vor allem auch weil fundamentale Daten wie Wirtschaftswachstum und Inflation die aktuelle Geldpolitik der EZB nicht mehr rechtfertigen, wird es Zeit für den geldpolitischen Kurswechsel.

Wie die EZB die geldpolitische Normalisierung gestalten könnte

Innerhalb der EZB diskutiert man kontrovers über die richtige Strategie zur geldpolitischen Normalisierung. Die Grafik zeigt, wie aus meiner Sicht der Ausstieg gestaltet werden könnte. Dabei sollte im ersten Schritt der Einlagezins etwas angehoben und damit die aus der Angst vor Deflation geborene Notmaßnahme wieder rückgängig gemacht werden. Zudem würde die EZB auch anerkennen, dass sich das fundamentale Umfeld im Euroraum merklich verbessert hat. Die Finanzmärkte werden damit auch auf den geldpolitischen Wandel eingestimmt. Das Anleihekaufprogramm sollte aus meiner Sicht erst nach der Wahl in Italien reduziert werden. Die politische Unsicherheit vor der Wahl ist schlicht zu groß, so dass es zu unerwünschten Verwerfungen an den Kapitalmärkten kommen könnte.

EZB – Es wird Zeit den Kurs zu ändern

Die geldpolitische Strategie der EZB steht immer mehr in der öffentlichen Kritik und dies auch zu recht. Die fundamentalen Daten wie BIP Wachstum und Inflation rechtfertigen die negativen Einlagezinsen und das laufende Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen nicht mehr. Trotzdem hält die EZB an dieser Politik fest und begibt sich immer mehr in die politische Abhängigkeit. Die nationalen Notenbanken sind bereits oder werden die größten Gläubiger der Euro-Staaten. Eine unabhängige Zinspolitik wird somit immer schwieriger durchzusetzen, da die EZB erpressbar wird. Dadurch wird mit der Zeit die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigt und eine effiziente Geldpolitik massiv erschwert. In den letzten Jahren hat die EZB durch die Geldpolitik zur stabilen Entwicklung des Euroraumes beigetragen, aber nun wird es Zeit den Kurs zu ändern.

Inflationsrate im Euro-Raum: Ostern treibt Teuerung – Jahreshöchststand sollte erreicht worden sein

Noch einmal nimmt die Inflationsrate im Euro-Raum Anlauf. Die jährliche Rate lehnt sich im April, nach vorläufigen Daten, mit +1,9 Prozent wieder an die Zielmarke der EZB von „nahe aber unter 2 Prozent“ an. Ein Indiz für einen zunehmenden Preisdruck in der Währungsunion liefert der Aprilwert allerdings nicht. Der Anstieg ist vielmehr auf den sogenannten Ostereffekt zurückzuführen, was insbesondere an dem abrupten Anstieg der Kernrate ablesbar ist. Von nun an dürfte sich der Preisdruck im weiteren Jahresverlauf wohl tendenziell erst einmal wieder abbauen, da insbesondere der starke Auftrieb bei den Energiepreisen abnehmen dürfte – vorausgesetzt, der Ölpreis schlägt keine unerwarteten Kapriolen.  Damit sollte er Rechtfertigungsdruck der EZB zunächst wieder abnehmen. Jedoch bleibt festzuhalten, dass die weniger volatile Kernrate der Inflation auf 1,2% gestiegen ist. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzen sollte, dürfte die EZB schnell wieder in Erklärungsnot kommen, warum man den geldpolitischen Kurs nicht den fundamentalen Entwicklungen anpasst. Der erneute…

EZB bleibt zunächst sehr expansiv

Die heutige EZB-Zinssitzung hat keine Überraschungen bereitgehalten. So haben die Währungshüter ihre Forward Guidance unverändert belassen. Notenbankchef Draghi stand aber vor der Herausforderung der voranschreitenden konjunkturellen Erholung in der Eurozone Rechnung zu tragen, ohne Spekulationen über eine unmittelbar bevorstehende Anpassung der geldpolitischen Ausrichtung zu schüren. Diese Gratwanderung hat Draghi insfoern gemeistert, dass er eng am Skript des EZB-Protokolls blieb. Setzt sich die konjunkturelle Erholung in der Eurozone allerdings weiter fort, dürften sich die Währungshüter der Diskussion um eine Verminderung des geldpolitischen Stimulus nicht dauerhaft entziehen können. Auch die Formulierung, wonach der Leitzins für längere Zeit und weit über das Ende des Anleiheankaufprogramms hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigen Niveau bleiben wird, wurde unverändert belassen. Aus den Accounts der März-Zinssitzung geht hervor, dass die Ratsvertreter darüber diskutiert hatten, auf die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung zu verzichten. Dies war zumindest im Rahmen der heutigen Pressekonferenz kein Thema. Doch auch wenn die…

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