Zentralbanken / Rentenmärkte

Geldpolitik der EZB erhöht Druck auf die Banken

Die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank belasten zunehmend die Ertragslage der Banken in Deutschland und Europa. Dies hat die Bank Lending Survey der EZB im April zum Kreditgeschäft der Banken ergeben. Zwar hat das erweiterte Anleihen-Kaufprogramm des Eurosystems die Liquiditätsposition und die Finanzierungsbedingungen der Banken in den letzten sechs Monaten direkt oder indirekt verbessert. Die Verbesserungen in Deutschland resultierten vor allem aus Geldvermögensumschichtungen der Kunden in Bankeinlagen und in geringerem Umfang aus dem Verkauf bankeigener Wertpapiere. Allerdings berichtet eine deutliche Mehrheit der befragten Institute in Europa auch von schrumpfenden Netto-Zinsmargen und einer Verschlechterung der Gesamtertragslage der Bank. Hierzu hat insbesondere der vom Anleihen-Kaufprogramm beflügelte Rückgang der Kreditzinsen beigetragen. So fiel der durchschnittliche europäische Effektivzins im Neugeschäft mit Firmenkunden im Februar auf ein neues Rekordtief von 1,56 Prozent. In Deutschland erreichte der entsprechende Zinssatz bereits im Januar ein neues Minimum von gerade einmal 1,32 Prozent. Hinzu kommt die Belastung der Bankenerträge…

Märkte hängen immer stärker am EZB-Tropf

Seit Frühjahr 2015 kauft die EZB Anleihen im Rahmen ihres mehrfach angepassten Kaufprogramms auf und hat dabei inzwischen ein Volumen von knapp 1772 Mrd. Euro erreicht. Das monatliche Ankaufvolumen wurde seit diesem Monat von 80 wieder auf 60 Mrd. Euro reduziert. Laut EZB sollen die Ankäufe mindestens bis Ende Dezember 2017 laufen, und eine Verlängerung ist nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich. Die Notenbank sollte angesichts der zunehmenden Probleme, die das Ankaufprogramm am Kapitalmarkt verursacht, besser früher als später mit den Vorbereitungen für den Ausstieg beginnen. In einigen Marktsegmenten mehren sich die Anzeichen für Liquiditätsengpässe und Marktverzerrungen. Die EZB hat mit ihrer anhaltend hohen Nachfrage die Märkte in eine Abhängigkeit gebracht, die wohl nur schwer ohne Entzugserscheinungen wieder beendet werden kann. Das zeigt sich etwa bei längeren Anleihelaufzeiten, bei denen im Laufe des vergangenen Jahres aufgrund der hohen Nachfrage und des relativ knappen Angebots die Geld-Brief-Spannen teilweise um das Drei-…

EZB hat Spielraum zur Reduzierung des Stimulus

Seit EZB-Chef Draghi im Rahmen der Zinssitzung im März hat durchblicken lassen, dass die Währungshüter eine Anpassung ihrer Forward Guidance erwogen haben, sind vermehrt Spekulationen aufgekommen, wie und ob eine Verminderung des geldpolitischen Stimulus vollzogen werden könnte. Unter anderem aufgrund der EZB-Anleihekäufe ist die Überschussliquidität im Euroraum zwischenzeitlich auf über 1,5 Billionen Euro angewachsen und wird im Fortgang des Programms noch an die 2-Billionen-Marke stoßen. Die im Markt befindliche Zentralbankliquidität ist aber sehr heterogen zwischen den verschiedenen Euroländern verteilt. Über 70% der Überschussliquidität konzentriert sich bei deutschen, französischen und niederländischen Geldinstituten. Die deutschen Geschäftsbanken halten signifikant mehr Zentralbankliquidität bei der Bundesbank als sie im Zuge der Tenderoperationen nachfragt haben oder ihnen im Rahmen der Anleihekäufe zugeflossen ist. Dies hat wiederum zur Folge, dass deutsche Geschäftsbanken im Vergleich zu den übrigen europäischen Geldinstituten übermäßig durch den negativen Einlagesatz belastet werden. Doch nicht nur dieser Umstand spricht dafür, den negativen Einlagensatz zu…

EZB schlägt weniger expansiven Kurs ein

Die Stimmungsindikatoren in der Eurozone sind in Feierlaune. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes als auch die Geschäftsklimaindikatoren deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone in den kommenden Monaten zunimmt. Dabei scheint die Erholung nicht nur auf einzelne Länder beschränkt zu sein: Etliche EWU-Mitgliedsländer gaben zuletzt robuste Konjunktursignale. So dürfte der Aufschwung in der Eurozone eine breitere Basis gewinnen. Das Deflationsgespenst, das die Marktteilnehmer und Geldpolitiker noch im letzten Jahr in Atem gehalten hatte, hat mit dem kräftigen Anstieg der europäischen Inflationsraten seinen Schrecken verloren. Der Inflationsdruck ist zwar weiterhin niedrig, aber die jüngsten positiven Entwicklungen hinsichtlich der Konjunktur- und Inflationsentwicklung sorgen für Unruhe bei den Währungshütern. Schon bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rates klang Präsident Draghi nicht mehr ganz so pessimistisch wie in der Vergangenheit. In den kommenden Monaten dürfte die Geldpolitik auch in der Wortwahl sukzessive weniger expansiv werden. Auf der Septembersitzung dürfte die Notenbank dann gemäß dem…

Irland droht Führungs-Chaos nach Brexit-Entscheidung

Enda Kenny hat sich bei den Feierlichkeiten zum St. Patrick’s Day in den USA nicht dazu durchgerungen, die Frage über seine Zukunft als irischer Ministerpräsident zu klären. Entgegen seines Versprechens, in Washington den Zeitplan für seinen vorzeitigen Rücktritt als Taoiseach zu verkünden, spielt Kenny nun auf Zeit. Der Fine Gael-Chef scheint zu hoffen, dass die Rücktrittsforderungen innerhalb der eigenen Reihen angesichts der Brexit-bedingt akuten außenpolitischen Herausforderungen Irlands wieder verstummen. Kenny, der in den vergangenen Wochen im Umgang mit einem schon länger zurückliegenden Polizeiskandal in die Kritik geraten war, ließ verlauten, dass Themen wie die Regierungsbildung in Nord-Irland sowie die Erarbeitung eines gemeinsamen Standpunkts der EU-Mitglieder in Sachen Brexit-Verhandlungen nun Priorität genießen – die Taoiseach-Frage sei zurückzustellen. Da sich die Einigung der EU-Mitglieder über die Bedingungen der Austrittsverhandlungen mit Großbritannien auf Wochen oder gar Monate hinziehen könnte, verschafft sich Kenny Handlungsspielraum und lässt gleichzeitig seine Parteianhänger sowie Koalitionspartner im Unklaren. Das…

Target2-Salden bergen hohe Fiskalrisiken

Seit Monaten bereits ist ein erneuter spürbarer Anstieg der Target2-Salden in der Eurozone zu beobachten. Während die Ursache für die Entwicklung vor allem im PSPP und weniger wie im Jahr 2012 in einer akuten Kapitalflucht zu sehen ist, richtet sich die öffentliche Diskussion vor allem auf die Risiken für Gläubiger und Schuldner. Die finanziellen Risiken, die – hypothetisch gesprochen – bei einem EWU-Austritt eines Landes mit hohen Target2-Verbindlichkeiten, beispielsweise Italien, entstünden, wären ganz erheblich. Sollte das aus der EWU austretende Land die Schulden nicht begleichen, würde der finanzielle Puffer der EZB, als Gläubigerin der Forderung, kaum ausreichen, um den Verlust aufzufangen. Zwar kann die EZB auch mit negativem Eigenkapital operieren, würden die nationalen Notenbanken als Anteilseigner dennoch einspringen, reichten aber nicht die Risikopuffer aller Banken aus, den Verlust aufzufangen. Während Bundesbank und Banque de France über einen ausreichend großen Risikopuffer verfügen, könnte die Banco de Espana beispielsweise in Bedrängnis geraten….

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