Zentralbanken / Rentenmärkte

EU Parlament könnte Belastung vieler Banken erleichtern

Die Banken in der EU verfügen in einzelnen Ländern über enorm hohe Bestände an zahlungsgestörten Krediten (NPLs). So ist der Durchschnitt in der EU zwar in den letzten Jahren gesunken, von 6,5% Ende 2014 auf 4,5% Ende Juni 2017, er liegt damit aber immer noch deutlich über dem Wert in den USA (1,2% per Ende Juni 2017). Zudem liegt er in einigen Ländern teilweise deutlich über 10%. Der Abbau dieser NPLs erfolgte in den letzten Jahren sehr schleppend, da ein solcher die Eigenkapitalquoten der Banken in der Regel doppelt trifft: zum einen belasten Veräußerungsverluste bei den zu verkaufenden Portfolien die Ertragslage und somit die Eigenkapitalquoten. Zum anderen sorgen sie dafür, dass die Verlustschätzungen für den Restbestand an Krediten beziehungsweise vor allem für die in den Bankbilanzen verbleibenden NPLs und damit die berechneten Kreditrisikoaktiva höher ausfallen. Genau hier setzt möglicherweise das EU-Parlament an. So schlägt der Ausschuss für Wirtschaft und Währung…

Niedrige Zinsen für einen sehr langen Zeitraum – geht das?

Im Zuge einer zurückhaltenden Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken einerseits und einer ständig zunehmenden Zentralbankliquidität andererseits hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Januar 2012 das Mindestreserve-Soll von 2% auf 1% des Volumens der hierfür zur Berechnung herangezogenen Einlagen einer Bank gesenkt. Gegenwärtig beträgt die Verzinsung auf das Mindestreservesoll 0% und entspricht damit dem Hauptrefinanzierungssatz, zu dem die EZB den Geschäftsbanken Zentralbankgeld zur Verfügung stellt. Insgesamt beträgt das Mindestreservesoll aller Banken zusammen gegenwärtig rund 123 Mrd. Euro. Dagegen liegt der Zinssatz, zu dem die Geschäftsbanken ihre überschüssigen Reserven bei der EZB anlegen können, seit März 2016 bei minus 0,4%. Die EZB hatte den Mindestreservesatz 2012 auf 1% gesenkt, weil das Instrument mit der Vollzuteilung bei den Tendergeschäften zur Feinsteuerung des Geldmarktes an Bedeutung verloren hatte und die Geldpolitik insgesamt expansiver gestaltet werden sollte. Angesichts eines massiven Überschusses an Zentralbankliquidität ging allerdings mit der Reduktion des Mindestreservesatzes auch die Verzinsung der gesamten Einlagen der…

Retail Banken: Bei wieder steigenden Zinsen wird die Luft dünner

Dem deutschen Bankensektor droht in der Zeit nach der Niedrigzinsphase, wenn die Zinsen wieder spürbar steigen, eine drastische Verengung der Zinsmargen. Dabei gilt: Je länger die Niedrigzinsphase andauert und je kräftiger der anschließende Zinsanstieg ausfällt, desto stärker belastet das den künftigen Zinsüberschuss der Banken. Außerdem dürfte der Konditionenwettbewerb zwischen Direktbanken und traditionellen Filialbanken bei wieder steigenden Zinsen in eine zweite Runde gehen. Im wettbewerbsintensiven deutschen Retail Banking haben Kreditinstitute keinen großen Konditionengestaltungsspielraum. Da auch keine grundsätzlich neuen Ertragsquellen absehbar sind, bleiben vor allem zwei strategische Optionen, um einer drohenden Verschlechterung der Cost-Income-Ratio entgegen zu wirken: Kostenreduktion und/oder Marktanteilsgewinne. Insgesamt erhöht sich bei wieder steigenden Zinsen der Druck auf die GuV, die Risiken nehmen zu und den Banken dürfte es schwerer fallen, Rücklagen zu bilden. Die jüngsten geldpolitischen Entscheidungen der EZB unterstreichen zwar, dass die EZB einen unkontrollierten kräftigen Zinsanstieg nicht zulassen will. Das ist im Hinblick auf die Finanzmarktstabilität und…

EZB bleibt sich treu und geht Risiken ein

Die EZB hat wie erwartet das laufende Kaufprogramm für Anleihen noch einmal deutlich verlängert, wenn auch bei einem geringen monatlichen Kaufvolumen. Damit vermeidet es die EZB ihre selbst gesetzten Grenzen zu verletzten. Die Märkte haben die anhaltende Liquiditätsflut ausreichend gewürdigt. Entsprechend sind die europäischen Aktienmärkte kräftig gestiegen. Die wichtige Nachricht war aber auch, dass die EZB das Programm auch in Zukunft nicht beenden möchte. Zwar könnte man die monatlichen Käufe mittelfristig gänzlich zurückfahren. Aber die fälligen Anleihen wird man ersetzen und dafür läuft das akutelle Programm weiter. Damit hat die EZB volle Flexibilität, da man innerhalb des laufenden Programms natürlich jederzeit das monatliche Kaufvolumen möglichen politischen Entwicklungen in den Euro-Ländern anpassen kann. Mit einem festen Enddatum des Programms hätte man sich diese Flexibilität genommen. Als Begründung für diese Entscheidung hat man wieder einmal die weiterhin moderate Inflationsentwicklung herangezogen, das robuste Wachstum wurde nicht gewürdigt. Ziel der EZB ist es weiterhin…

Bitcoin-Blase könnte kurz vor dem Platzen stehen, Aktienmärkte davon weit entfernt

Es wird viel darüber geschrieben, dass die aktuelle Zentralbankpolitik zu massiven Übertreibungen an den Kapitalmärkten führt. Für die Rentenmärkte trifft dies sicherlich zu. Wenn man sich jedoch die Aktienmärkte einzelner Länder, relevante Aktiensektoren, Gold und Immobilienmärkte betrachten kann man dies nicht feststellen. Im Vergleich zu früheren Übertreibungen an den Aktienmärkten verläuft die aktuelle Entwicklung fast noch moderat. Erst wenn man den Bitcoin mit berücksichtigt, sieht man, dass sich hier eine Blase entwickelt hat, die jederzeit platzen kann. Noch extremer ist die Entwicklung wenn man die Entwicklung des Bitcoin ab 2012 betrachtet. Die Kurssteigerungen zeigt eine  bisher noch nicht dagewesen Dimension. Die Gründe für den rasanten Anstieg des Bitcoin sind vielschichtig, maßgeblich aber getrieben von einer hohe Nachfrage bei einem engen und intransparenten Markt. Daneben dürften auch die wachsenden Zweifel über das aktuelle Geld- und Zentralbanksystem, dass bestimmt ist von einer stark steigenden Geldmenge und wachsender Staatsverschuldung, zu dem starken Interesse…

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