Zentralbanken / Rentenmärkte

Bei den Notenbanken geht es sehr geordnet zu

Im Vergleich zur Realpolitik verlaufen bei bedeutendsten Notenbanken die Entwicklungen in ruhigen Bahnen und dies wird sich in den kommenden Monaten auch kaum ändern. Die europäischen Währungshüter haben jüngst die Weichen für den weiteren Fortgang der Geldpolitik neu gestellt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Leitzins unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen bis über den Sommer nächsten Jahres unverändert bleiben soll. Damit befindet sich die Geldpolitik der EZB derzeit im Autopilot-Modus. Einzig das Thema „Target2“ wird zuletzt wieder kontrovers debattiert. Jedoch liegen die Schwerpunkte bei der Diskussion falsch. Weniger die Haftungsrisiken sollten im Vordergrund der Debatte stehen, als vielmehr die Frage, wie das Vertrauen in die Peripheriestaaten wieder gestärkt werden kann. Auf der anderen Seite des Atlantiks sollte das geldpolitische Vorgehen der Fed ebenfalls weiterhin in sehr geordneten Bahnen verlaufen. Die US-Währungshüter sind derzeit bemüht eine weiche Landung der US-Wirtschaft hinzubekommen und straffen daher nach und nach die Zinszügel. Für das…

Es bleibt dabei: Hohe Netto-Zinseinbußen der privaten Haushalte in Deutschland

In ihrem Wirtschaftsbericht vom August berechnet die Europäische Zentralbank die Veränderung der Netto-Zinseinkommen privater Haushalte im Euroraum für den Zeitraum von 2008 bis 2017. Für Deutschland kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Zinserträge nur marginal größer ausfiel als der Rückgang der Zinsbelastungen durch Kredite. Die extrem niedrigen Zinsen hätten damit nur geringen Einfluss auf die Nettozinseinkommen der privaten Haushalte. Die EZB reagiert damit auf die – vor allem auch von uns – geäußerte Kritik zu den Auswirkungen ihrer Geldpolitik. Allerdings bezieht sie in die Berechnung der Zinseinnahmen im wesentlichen nur Einlagen und Anleihen ein und lässt Lebens- und Pensionsversicherung außen vor. Die machen in Deutschland jedoch über 30 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens aus. Obwohl der Garantiezins den Anlegern einen gewissen Schutz vor Zinsrückgängen bietet, hat die langanhaltende Niedrigzinsphase auch stark an der Durchschnittsrendite von Lebensversicherungen geknabbert. Das liegt daran, dass der Garantiezins für Neuverträge im Laufe…

Bank von England erhöht die Zinsen, eine Fortsetzung des Zinsanhebungen ist aber unwahrscheinlich

Die britische Zentralbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins zum zweiten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 um 25 Bp auf nun 0,75% angehoben. Zwar kam diese Entscheidung nicht gerade überraschend, wurde der Schritt im Vorfeld an den Geldmärkten doch zu über 90% eingepreist. Allerdings war die Einigkeit, mit der sich die neun Mitglieder des Entscheidungskomitees für die Leitzinserhöhung aussprachen, eher unerwartet. Selbst der als geldpolitische Taube angesehene Jon Cunliffe hielt eine restriktivere Ausrichtung offensichtlich für angemessen. Positiv gestimmt durch die Einstimmigkeit konnte das Pfund zwar kurzzeitig gegenüber dem Euro aufwerten. Besonders lange hielt diese Stimmungsaufhellung jedoch nicht an. Offenbar hatten Marktteilnehmer mehrheitlich darauf gehofft, dass sich der Notenbankvorsitzende klarer zugunsten einer weiteren Leitzinsanhebung auf absehbare Zeit aussprechen würde. Stattdessen hielt die Bank of England an ihrer Vorgabe fest, wonach weitere, schrittweise Zinserhöhung in begrenztem Umfang angezeigt seien. Erneut klargestellt hat die Bank of England, dass ihre…

Fed: Wachstum nun stärker – Erhöhungskurs wird fortgesetzt

Die US-Währungshüter haben bei ihrem gestrigen Zusammentreffen entschieden, den Leitzins unverändert bei 1,75% bis 2,00% zu belassen. Eine Zinsänderung wäre eine faustdicke Überraschung gewesen. So wurden in diesem Erhöhungszyklus bislang alle Beschlüsse zur Straffung des Leitzinses an FOMC-Sitzungsterminen mit anschließender Pressekonferenz getroffen. Für die August-Sitzung war lediglich die Veröffentlichung des geldpolitischen Statements vorgesehen. Im Vergleich zur Juni-Sitzung wurde dieses nur geringfügig angepasst. Die Notenbank-Oberen honorierten aber die beachtliche wirtschaftliche Dynamik im zweiten Quartal und änderten ihre Wachstumseinschätzung von „solide“ auf „stark“ ohne dabei in Wachstumseuphorie zu verfallen. Die mittelfristigen Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick werden nach wie vor als ungefähr ausgeglichen betrachtet. Die Inflation sei zuletzt über das Inflationsziel geklettert. Mittelfristig gehen die Währungshüter aber davon aus, dass die Jahresinflation um das symmetrische Inflationsziel schwanken werde. Im Fed-Statement spiegelt sich die grundsätzliche Bereitschaft der Währungshüter wider, ihren moderaten Zinserhöhungskurs fortzusetzen. Nennenswerte Marktreaktionen auf die Fed-Entscheidung sind ausgeblieben. Die zehnjährige Treasury-Rendite…

Japanische Zentralbank bleibt sich treu

Auch wenn sich eine geldpolitische Änderung in Japan angesichts der sich nicht beschleunigen wollenden Inflation und des Damoklesschwerts der handelspolitischen Unsicherheit nicht unbedingt aufgedrängt hat, gab es im Vorfeld der heutigen BoJ-Sitzung Marktspekulationen auf eine grundlegende Neuausrichtung der Strategie. Von Änderungen des Zinsziels über eine Abschaffung des Negativzinses bis hin zur offiziellen Reduzierung der JGB-Käufe wurde kaum eine Option ausgelassen, egal wie unwahrscheinlich sie bei nüchterner Betrachtung auch gewesen wäre. Quelle dieser Spekulationen war nicht etwa eine Neubeurteilung der fundamentalen Lage, sondern Informationen aus „gewöhnlich gut informierten Kreisen“, wonach die BoJ (nicht näher konkretisierte) „Änderungen“ beschließen würde. Zu „Änderungen“ ist es auch gekommen. Mit einer Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik haben diese aber nichts gemein, vielmehr geht es darum, die Geldpolitik auf eine nachhaltigere Basis zu stellen. (Und natürlich geht es auch um das Erreichen der Preisstabilität, aber dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt und seine Erwähnung ist kaum…

EZB-Geldpolitik bis Sommer 2019 auf Autopilot

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem heutigen Zusammentreffen beschlossen, das Anleiheankaufprogramm (APP) bis zum Ende des Jahres zu verlängern. Sollte sich die Inflation in die von der Notenbank gewünschten Richtung entwickeln, wird das Volumen der monatlichen Anleihekäufe (netto neu) ab Oktober auf 15 Mrd. Euro vermindert. Unter den genannten Voraussetzungen würden die Nettoneukäufe dann Ende Dezember beendet werden. Um unerwünschten Zinserhöhungsspekulationen zu begegnen, hat die EZB ihre Forward Guidance für den Leitzinsausblick grundlegend adjustiert. So gehen die Währungshüter nunmehr davon aus, dass die Leitzinsen zumindest bis über den Sommer 2019 unverändert bleiben werden. Ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass sich die EZB für einen solch langen Zeitraum festlegt. Dies wurde von den Marktakteuren als „dovishes“ Signal interpretiert und der Bund-Future hat mit Kursgewinnen reagiert. Aus der Forward Guidance selbst lässt sich nicht sicher ableiten, inwieweit die EZB eine Zinserhöhung für Herbst 2019 oder sogar noch zu einem späteren Zeitpunkt erwägen…

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