Zentralbanken / Rentenmärkte

FOMC 2019: Tauben erhalten Aufwind

Seit der Zinswende im Dezember 2015 fragen sich die Marktteilnehmer zu Beginn eines neuen Jahres, wie häufig die Fed wohl in den kommenden zwölf Monaten die Leitzinsen anheben wird. Mit zwei erwarteten Zinsschritten für 2018 haben die Marktteilnehmer im vergangenen Jahr die Geldpolitik der US-Notenbank unterschätzt, denn die Fed hatte letzten Endes vier Leitzinserhöhungen durchgeführt. Dies mag daran gelegen haben, dass 2018 die Falken die Oberhand im wichtigsten Kontrollgremium der US-Notenbank innehatten. Gegen Ende des vergangenen Jahres wurden die Währungshüter großzügiger bei der Inflationsbekämpfung, während die Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung zunahmen. Diese Änderung der geldpolitisch dominierenden Meinung innerhalb des vergangenen Jahres mündete darin, dass die Zentralbanker bei den Dezember-Projektionen im Durchschnitt nur noch zwei Leitzinserhöhungen für das Jahr 2019 erwartet hatten anstatt der vorherigen drei Zinsschritte. Die turnusmäßige Rotation der regionalen Fed-Präsidenten in diesem Jahr könnte die derzeit vorsichtige Haltung der Fed untermauern. Denn beim ersten Treffen der FOMC-Mitglieder in…

Positiver Ratingausblick für 2019 – mit Ausnahme von Italien

Die führenden Ratingagenturen haben Ende Dezember die Termine für die Ratingüberprüfungen der EWU-Staaten in diesem Jahr bekanntgegeben. Die Aussichten auf eine Fortsetzung des positiven Ratingtrends stehen gut. Insgesamt sechs Staaten weisen mindestens einen positiven Ratingausblick einer Agentur auf – im Fall von Griechenland sind es sogar drei der führenden vier Agenturen. Zum Vergleich: Anfang 2018 waren es nur drei Staaten, die mit mindestens einem positiven Ausblick versehen waren. Ferner fällt auf, dass neben den Peripheriestaaten Griechenland, Spanien und Portugal, die bereits vor einem Jahr zum Kreis der Kandidaten mit Ratingheraufstufungspotenzial zählten, nunmehr noch die (Semi-) Kernstaaten Finnland, Frankreich und Österreich hinzugekommen sind. Italien ist einmal mehr das einzige Land der Eurozone, dessen Ratingtrend nach unten zeigt. Trotz der 2018 bereits erfolgten Herabstufungen haben aktuell zwei der vier Agenturen Italien mit einem negativen Ausblick versehen. Nicht nur der negative Ratingtrend als solcher, auch die Entscheidung der Regierung in Rom, den fiskalischen…

Fed: Zins (noch) unverändert

Beim jüngsten Treffen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank wurde der Leitzinskorridor wie allgemein erwartet unverändert gelassen. Schon im letzten Statement hatten sich die Währungshüter sehr optimistisch bezüglich des Wirtschaftswachstums geäußert. An diesem positiven Tenor hielten die Fed-Oberen fest. So haben die Währungshüter bestätigt, dass die Binnenkonjunktur sehr stark ausfalle. Die Arbeitslosenquote wird nun als „fallend“ und nicht mehr als „tief“ betrachtet. Nur die Unternehmensinvestitionen fielen im Vergleich zum kräftigen Anstieg zu Beginn des Jahres moderater aus. Die Inflationserwartungen seien unverändert. Insgesamt gaben die FOMC-Mitglieder zu Protokoll, dass die wirtschaftlichen Risiken ausgeglichen seien. Vor diesem Hintergrund seien weitere, graduelle Zinserhöhungen angebracht. Eine Leitzinserhöhung im Dezember dürfte daher höchstwahrscheinlich sein. So steht zu befürchten, dass ein starkes Wirtschaftswachstum, höhere Zölle und steigende Löhne zu einem zunehmenden Inflationsdruck führen. Die geldpolitische Ausrichtung wurde wie in den vergangenen Monaten einstimmig beschlossen. Unveränderte Leitzinsen sowie ein nahezu gleichgebliebenes FOMC-Statement waren im Vorfeld der geldpolitischen Ratssitzung der…

EZB – Warten auf’s Christkind

Erwartungsgemäß haben die EWU-Währungshüter im Rahmen ihres heutigen Zusammentreffens keine Änderungen am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs vorgenommen. Notenbankchef Draghi räumte zwar ein, dass die konjunkturelle Dynamik in der Eurozone zuletzt schwächer ausgefallen sei als ursprünglich angenommen, doch hat dies die grundsätzliche Zuversicht der Notenbank-Oberen nicht erschüttert – ein Abschwung sei das nicht. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Währungshüter trotz der zahlreichen Spannungsfelder (Brexit, Budgetstreit Italien, US-Handelskonflikt) die Risiken für den Konjunkturausblick nach wie vor als ausgeglichen betrachten. Eine Anpassung dieser Formulierung hätte allerdings auch nachhaltige Zweifel am EZB-Kurs genährt. Gegenwärtig sieht es danach aus, dass die Notenbank zum Ende des Jahres die Anleihekäufe (netto neu) beenden wird. Trotz der EZB Forward Guidance zeigen sich die Marktakteure aber nicht ganz überzeugt, dass die EZB im Herbst des kommenden Jahres tatsächlich erstmals an der Zinsschraube drehen wird. Die EONIA Forward Notierungen haben im Nachgang zur Ratssitzung niedriger tendiert. Der gegenwärtige Streit…

Fed beugt sich nicht dem Diktat

US-Präsident Donald Trump hat zuletzt seine Kritik bezüglich der geldpolitischen Ausrichtung der US-Notenbank verschärft. Nachdem er sich zunächst nur unglücklich über die Fed-Politik zeigte, hat er nochmals nachgelegt und die Notenbank und deren Währungshüter als „verrückt“ bezeichnet. Mit den jüngsten Äußerungen geht der US-Präsident erneut eine Eskalationsstufe weiter. Nicht nur, dass Trump nun bedauere, dass er Powell zum Fed-Chef ernannt habe. Auf die Frage eines Journalisten, unter welchen Bedingungen er den Notenbankchef absetzen würde, antwortete Trump, dass er es nicht wüsste. Vor wenigen Wochen hatte er auf diese Frage noch die klare Antwort gegeben, dass er Powell nicht absetzen werde. Außerdem fordert Trump nun ganz offen niedrigere Leitzinsen. Die Macht des US-Präsidenten: Er bestimmt den Fed-Vorsitzenden Die wichtigste Frage, die sich die Finanzmarktteilnehmer stellen, ist die nach der Möglichkeit des US-Präsidenten, den Fed-Vorsitzenden seines Amtes zu entheben. Diese Frage gewinnt an Priorität, da Trump seit seiner Amtseinführung schon kräftig am…

Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

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