Zentralbanken / Rentenmärkte

In Deutschland wird mehr gespart

Das Umfeld für die Geldanlage der privaten Haushalte in Deutschland bleibt schwierig. Hatte die Ankündigung der EZB im September letzten Jahres, ihre Netto-Anleihekäufe stufenweise zu beenden, noch Hoffnungen auf ein Abklingen der Niedrigzinsphase geweckt, verflüchtigten sich diese bereits wieder ab der Jahreswende. Mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und Europa sowie der Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China rückte eine geldpolitische Normalisierung wieder in die Ferne. Die durchschnittliche Umlaufsrendite festverzinslicher Wertpapiere verzeichnet seit Monaten eine sinkende Tendenz – seit Juni mit negativem Vorzeichen. Für die Aktienmärkte ergeben sich gegensätzliche Signale: Während expansive Geldpolitik und niedrige Zinsen die Aktiennachfrage als Anlagealternative anschieben, lasten Handelsstreitigkeiten und eingetrübte Konjunkturaussichten auf den Umsatz- und Gewinnperspektiven börsennotierter Unternehmen. Das begrenzt das Kurspotenzial und verstärkt die Volatilität. Im ersten Quartal des laufenden Jahres legten die privaten Haushalte erneut einen höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Damit setzt sich ein seit…

EZB, Banken und negative Zinsen

Die EZB möchte die Zinsen weiter senken. Man glaubt im EZB-Rat fest daran, dass noch niedrigere Zinsen am Ende zu einer höheren Inflation oder zumindest einer höheren Inflationserwartung führen. Jedoch bringen negative Zinsen einige volkswirtschaftliche Kosten mit sich. Die Überschussliquidität im Euroraum-Bankensystem liegt zurzeit bei rund 1.800 Mrd. Euro. Damit zahlen die Banken also etwa 7 Mrd. Euro an Zinsen pro Jahr an die EZB. Dabei sind die Banken in sehr unterschiedlichem Maße vom negativen Einlagesatz betroffen, da die Überschussliquidität ungleichmäßig im Euroraum verteilt ist. Der Großteil (35%) der bei der EZB geparkten Gelder stammt von deutschen Banken. Auf französische Institute entfällt mit etwas über 25% ebenfalls ein beträchtlicher Anteil. Demgegenüber parken italienische (5%) oder spanische (4%) Banken nur in sehr geringem Umfang Liquidität bei der Notenbank. Wenn nun der Einlagesatz von minus 0,4% weiter gesenkt wird, steigen die Zinszahlungen entsprechend weiter an. Bereits die aktuellen Zinszahlungen wirken wie eine…

EZB ändert die Inflationssteuerung

Wenn die jüngste Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi eine Sache gezeigt hat, dann die, dass die Währungshüter mit der Inflationsentwicklung alles andere als zufrieden sind. Insbesondere die Inflationserwartungen bereiten Sorgen, da diese mittlerweile diejenigen Niveaus unterschritten haben, die bei Auflegung der Netto- Anleihekäufe beziehungsweise bei der Aufstockung der Anleihekäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro herrschten. Die Währungshüter haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, damit die Inflationserwartungen nicht ihre Verankerung verlieren. So wurde erst im Juni die Forward Guidance bis Mitte 2020 verlängert. Außerdem hatte die EZB neue TLTROs auf den Weg gebracht. All diese Maßnahmen scheinen jedoch kaum Wirkung entfaltet zu haben, denn die Inflationserwartungen sind weiter gesunken. Diese Entwicklung könnte in einer letzten Konsequenz darauf hindeuten, dass die Marktteilnehmer befürchten, die EZB habe die Kontrolle über die Inflation verloren. Vor diesem Hintergrund haben die Währungshüter zu einem weiteren Schachzug gegriffen, um die Sorgen des Marktes zu zerstreuen und die Inflationserwartungen…

US-Notenbank bleibt vernünftig

Die US-amerikanische Notenbank hat ihren Leitzins, wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, um 25 Basispunkte gesenkt. Gleichzeitig hat sie die Bilanzreduktion vorzeitig beendet. Insgesamt hat die Fed damit das geldpolitische Umfeld leicht gelockert, es aber vermieden, dies als Trendwende zu klassifizieren. Damit hat sie dem hohen politischen Druck widerstanden und ihre relativ vernünftige Geldpolitik fortgesetzt. Das Statement, das nach dem Zinsentscheid veröffentlicht wurde, klingt optimistisch und kaum verändert. So hat die Fed attestiert, dass das Wirtschaftswachstum anhaltend moderat ausfalle und die Konsumtätigkeit zugelegt habe. Die markt-basierten Inflationserwartungen seien weiterhin niedrig. Die Auswirkungen der sich abkühlenden globalen Wirtschaftsentwicklung sowie der gedämpfte Inflationsdruck erklären die Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. Nun werde man die Entwicklungen „weiter beobachten“, was eine sprachliche Abrüstung gegenüber der Formulierung „eng beobachten“ ist, mit der in der Regel eine baldige geldpolitische Maßnahme signalisiert wird. In der Pressekonferenz erklärte Fed-Chef Powell erneut, dass der Ausblick für die US-Wirtschaft günstig sei…

EZB überrascht mit Dreisprung

Die EZB hat im Rahmen der gestrigen Sitzung ihre Forward Guidance adjustiert. Hieß es im geldpolitischen Statement bislang, dass die Leitzinsen bis mindestens Mitte des kommenden Jahres auf dem aktuellen Niveau bleiben werden, wurde dieser Ausblick nunmehr um die Möglichkeit eines niedrigen Leitzinsniveaus erweitert. Damit erscheint eine Senkung des Einlagesatzes nur noch eine Frage der Zeit. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die Notenbank-Oberen die EZB-Stabsmitarbeiter dazu angewiesen haben, Vorschläge zur Ausgestaltung eines abgestuften Einlagesatzes zu erarbeiten. Draghi zufolge würde eine mögliche Zinssenkung von Abmilderungsmaßnahmen begleitet. Die EZB-Komitees sind zudem damit beauftragt, Möglichkeiten zur Wiederbelebung des Anleiheankaufprogramms (APP) zu untersuchen. In diesem Zusammenhang erscheint es nach den Ausführungen Draghis möglich, dass die EZB auch neue Assetklassen ins Visier nimmt. Auch wenn die Währungshüter mit einer Zinssenkung gezögert haben, ist es Ihnen dennoch gelungen, ein „dovishes“ Signal auszusenden. Die Marktfantasie hinsichtlich weiterer expansiver EZB-Maßnahmen wurde gestützt. Sollte die EZB aber nach der…

Besorgte Notenbanken – sorglose Anleger?

In den Vereinigten Staaten dreht sich die aktuelle geldpolitische Diskussion nicht mehr um die Frage, ob die Zinsen in der nächsten Notenbanksitzung gesenkt werden sollen, sondern nur noch darum, wie stark sie sinken werden. Damit steht die erste Zinssenkung seit zehn Jahren bevor, und das, obwohl sich die US-Konjunktur in einer – von Deutschland aus gesehen – beneidenswert guten Verfassung befindet. Die Arbeitslosenquote steht mit 3,7 Prozent fast auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre, und auch andere wichtige Kennzahlen zeigen sich ausgesprochen robust. Es ist daher in Notenbankkreisen viel von einem Zinsschritt zur „Versicherung“ gegen die zahlreichen weltwirtschaftlichen Risiken die Rede. Als Begründung wird auch die sehr moderate Inflationsrate herangezogen. Sie liegt auf einem für die Spätphase eines Konjunkturaufschwungs untypisch niedrigen Niveau. Das wiederum hat mit der verhaltenen Lohndynamik zu tun, die auf den ersten Blick so gar nicht zum leergefegten Arbeitsmarkt passen will. Wenn die Notenbanken die…

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