Zentralbanken / Rentenmärkte

Investoren weiterhin am Tropf der Geldpolitik

Potenzielle Krisenherde gibt es derzeit reichlich. Ob Italien, Trump, die Türkei, der rapide nahende Brexit oder der schwellende Handelskonflikt, Investoren müssen nicht lange suchen, um gute Gründe zu finden, sich defensiv zu verhalten. Dennoch bleibt die tatsächlich gemessene Risikoaversion am Markt niedrig. Die globalen Aktienmärkte laufen nach wie vor gut, die Bundrendite ist wieder gestiegen, während Peripherie-Spreads zuletzt reingelaufen sind und auch an den Devisenmärkten ist von erhöhter Risikoaversion nichts zu sehen. Aller Krisenherde zum Trotz scheinen die Finanzmärkte tiefenentspannt zu sein. Ausnahmen bilden sicherlich einige der Schwellenländerwährungen, die ihre Abwertung jedoch vorrangig lokalen Faktoren zu verdanken haben (die Tatsache, dass sich dies nicht deutlicher im breiteren EM-Spektrum widerspiegelt, größere Ansteckungseffekte also ausgeblieben sind, bestätigt sogar, wie gelassen der Markt derzeit ist). Sucht man nach Gründen für die Widerstandsfähigkeit des Marktes, ist zum einen das weiterhin als robust zu bezeichnende volkswirtschaftliche Umfeld zu nennen. Die USA dürften in diesem Jahr…

EZB – Weiter so wie angekündigt!

Wenig überraschend hat die EZB auf der heutigen Ratssitzung ihre Absicht bekräftigt, die Leitzinsen frühestens ab Sommer 2019 zu erhöhen. Gleichzeitig gab die Notenbank nun endgültig bekannt, die Anleihekäufe ab Oktober dieses Jahres von 30 Mrd. Euro auf 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Außerdem beabsichtigen die Währungshüter, die Nettokäufe im Dezember zu beenden, wenngleich diese Option weiterhin unter dem Vorbehalt steht, dass sich die Inflationsrate mittelfristig den Erwartungen der Währungshüter annähert. Damit wurde das Ende der Nettoanleihekäufe letztlich offengelassen. Wir gehen jedoch davon aus, dass die Hürde für die EZB, von dem skizzierten Weg abzuweichen, sehr hoch sein wird. An der Reinvestitionspolitik wird vorerst festgehalten. Insgesamt haben die Finanzmärkte kaum auf die Sitzung des EZB-Rates und/oder auf die Pressekonferenz des EZB-Präsidenten reagiert. Dies deutet darauf hin, dass der Markt den langsamen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik ausreichend antizipiert. Außerdem herrscht die Marktmeinung vor, dass die Geldpolitik weiterhin sehr akkommodierend bleiben…

Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb. Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira…

Anleiheankäufe der EZB im Zenit, aber noch lange nicht auf absteigendem Ast

Ab dem kommenden Jahr wird das Eurosystem keine Nettoneukäufe im Rahmen seiner Anleiheankaufprogramme mehr vornehmen und lediglich fällig werdende Wertpapiere reinvestieren. Auf den kommenden EZB-Sitzungen wird das Direktorium die Reinvestitionspolitik konkretisieren, wobei grundsätzlich davon auszugehen ist, dass die EZB eine größtmögliche Flexibilität anstreben wird. Mit Blick auf die „beträchtliche Zeit“, in der die Reinvestitionen vollumfänglich fortgeführt werden sollen, ist allerdings noch nicht mit einer klaren Aussage zu rechnen. Zieht man jedoch Parallelen zum Agieren der Fed, könnte die EZB in etwa drei Jahre nach dem Ende der Anleihe-Nettoneukäufe mit ihrer Bilanzreduktion beginnen. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass das Eurosystem angesichts bedeutender Fälligkeiten bis auf Weiteres als stetiger Nachfrager in den betroffenen Anleihe-Segmenten erhalten bleibt. Grundpfeiler der Reinvestitionen sollten wie schon bisher die Orientierung am Kapitalschlüssel der EZB und das Bestreben sein, möglichst keine Verwerfungen an den jeweiligen Märkten zu verursachen (Marktneutralität). Entsprechend ist mit keinen Änderungen an diesen Stellschrauben…

Fed Chef Powell antwortet Trump subtil

In seiner ersten Rede auf der jährlich stattfindenden Notenbankkonferenz in Jackson Hole bekräftige US Notenbank Chef Powell, dass nur die wirtschaftliche Entwicklung für die zinspolitischen Entscheidungen der Fed entscheidend seien. In seiner grundsätzlichen Rede verteidigte er den graduellen geldpolitischen Ansatz der Fed. Es war wohl aber auch eine subtile Antwort auf die Kritik von US-Präsident Trump, die geldpolitische Straffung sei zu aggressiv. Powell legte die generelle Vorgehensweise im aktuellen Leitzinserhöhungszyklus offen. So erklärte er, dass die geldpolitische Ausrichtung der US-Notenbank sowohl auf theoretischen Modellen als auch auf der tatsächlichen Entwicklung der volkswirtschaftlichen Größen beruhe. Angesichts der momentanen soliden Konjunkturentwicklung, eines robusten Arbeitsmarktes und einer Inflationsrate von rund 2% werde die Notenbank ihre graduellen Leitzinserhöhungen fortsetzen. Gleichzeitig bestätigte er die Markterwartung, dass die Fed die Leitzinsen im September erneut um 25 Basispunkte anheben wird. Zusammenfassend lautet die Botschaft von Powell, dass die Fed die Leitzinsen in den kommenden Monaten moderat erhöhen…

US-Aktienmarkt auf dem Weg zu neuen Rekorden

Trotz einer Vielzahl globaler Unruheherde notiert der amerikanische Leitindex S&P 500 nahe dem Allzeithoch. Der Aufschwung am US-Aktienmarkt dauert nun bereits 9,3 Jahre, was einem der längsten Bullenmärkte überhaupt entspricht. Als Bullenmarkt wird ein anhaltender Aufwärtstrend von mindestens 20% ohne Rückschlag von 20% oder mehr bezeichnet. Nimmt man es ganz genau und berücksichtigt sogar die Tagesschwankungen der Aktien, befinden wir uns aktuell sogar im längsten Aktienmarktzyklus überhaupt. Wir bevorzugen hingegen die Variante mit monatlichen Kursen, die ein geglättetes Bild zeigt. Ob wir uns nun im längsten oder in einem der längsten Bullenmärkte befinden ist, jedoch zweitrangig. Der Aufschwung dauert inzwischen sehr lange und da es am Aktienmarkt nach jedem Aufschwung bisher auch einen Abschwung gegeben hat, ist die viel entscheidendere Frage, wie lange der Bullenmarkt noch anhalten kann. Da es zuletzt zu einer starken Häufung von globalen Krisen gekommen ist, besteht das Risiko, dass diese sich mittelfristig stärker auf die…

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