Zentralbanken / Rentenmärkte

Türkische Zentralbank mit schlechtem Timing

Die türkische Zentralbank hat im Zuge ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, den Leitzins bei 24,00% zu belassen – so weit, so gut. Weniger gut ist, dass nun der Passus im begleitenden Statement fehlt, wonach bei Bedarf weitere restriktive Schritte ergriffen werden. Neuerdings heißt es, dass die geldpolitische Ausrichtung so festgelegt wird, dass sich die Inflationsrate im Rahmen des Zielpfades bewegt. Marktseitig wurde dies als Signal einer Aufweichung der restriktiven Haltung interpretiert. Die Lira zeigte sich entsprechend verunsichert und fiel gegenüber dem Euro sowie dem US-Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Bei genauerer Betrachtung ist die veränderte Haltung der Notenbank auf Basis der fundamentalen Gegebenheiten durchaus nachvollziehbar. Der Preisdruck hat in den vergangenen Monaten spürbar nachgelassen und sollte perspektivisch weiter zurückgehen. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts gibt ebenfalls wenig Anlass für eine übermäßig restriktive Geldpolitik, ist die Wirtschaft doch im zweiten Halbjahr 2018 in eine tiefe Rezession gerutscht. Und…

Die Angst vor der Abkühlung

Der Brexit wurde erneut verschoben. Nun bis Halloween. Die Rahmenbedingungen sind für Großbritannien jedoch nicht sehr attraktiv und man kann weiter hoffen, dass der vorliegende Austrittvertrag doch noch angenommen wird. Auch politische Konsequenzen für Frau May sollte man nun nicht mehr ausschließen. Damit wurde ein ungeregelter Brexit abermals umschifft. Aus Sicht der Notenbanken sicherlich eine sehr willkommene Entwicklung. Denn die Realisierung eines der politischen Risiken könnte das fragile Wachstumsumfeld deutlich stören. Eine spürbare Verschlechterung der konjunkturellen Lage würde die Mehrheit der Zentralbanken wiederum vor ein schier unlösbares Problem stellen. Agieren sie proaktiv, werden sie schnell an ihre Grenzen stoßen und könnten sich gezwungen sehen, zu immer unorthodoxeren Maßnahmen zu greifen. Dies könnte eine Vertrauenskrise auslösen. Das gleiche Risiko bestünde jedoch auch für den Fall, dass Zentralbanken (zu) passiv blieben. Es gibt aber auch positive Meldungen von der konjunkturellen Seite. So mehren sich die positiven Signale für die chinesische Konjunktur. Die…

Die Hoffungen der EZB kollidieren mit der Wirklichkeit

Die Währungshüter haben im Rahmen ihrer heutigen Ratssitzung keine neuen geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Dies war grundsätzlich auch nicht zu erwarten, da die EZB jüngst ihre Forward Guidance verlängert und neue Liquiditätsmaßnahmen auf den Weg gebracht hatte. Im Hinblick auf die TLTRO III hat Draghi in Aussicht gestellt, dass deren genaue Rahmenbedingungen im Zuge einer der nächsten Ratssitzungen bekanntgegeben werden. Es wurde hervorgehoben, dass sich die Ausgestaltung der TLTROs sowohl an der Entwicklung der europäischen Konjunktur als auch an der Kreditvergabe der Banken orientiert. Es deutet sich an, dass die Notenbank-Oberen im Rahmen der Juni-Ratssitzung über die TLTRO III-Details entscheiden werden. Zu diesem Zeitpunkt werden turnusgemäß die BIP-Projektionen überarbeitet. Bemerkenswert ist, dass Draghi im Eingangsstatement hervorgehoben hat, dass die EZB die Auswirkungen auf des Niedrigzinsumfelds auf den Bankensektor untersuchen werde. Dies stützt Spekulationen, wonach die Notenbank einen abgestuften Einlagesatz/Freibetrag einführen könnte. Der EZB-Chef war zwar bemüht zu betonen, dass die Währungshüter…

Negative Zinsen wirken wie eine Sondersteuer im Euroraum

Die geringe Rentabilität europäischer Banken ist schon seit längerer Zeit ein Problem und die EZB in ihrer Funktion als Bankenaufsicht adressiert dies auch regelmäßig. Während die der US-Einlagensicherung FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) angeschlossenen Institute im vierten Quartal 2018 eine Eigenkapitalrendite von 11,8% erwirtschaften konnten, lag der Wert bei 190 europäischen Banken im Durchschnitt bei gerade einmal 6,5%. Die EZB in ihrer geldpolitischen Funktion ist dabei aber auch ein Grund – neben weiteren strukturellen Themen und geschäftspolitischen Entscheidungen – für die geringe Rentabilität. Während die Banken in den USA davon profitieren, dass ihre Einlagen, die zu einem großen Teil immer noch unverzinst sind, dank der Leitzinserhöhungen an Wert gewonnen haben, müssen europäische Banken für ihre Überschussreserven bei der EZB sogar einen Zins von derzeit 0,40% pro Jahr zahlen, denn der Einlagensatz ist negativ. Auf Basis der aktuellen Guthaben entspricht dies einem Zinsaufwand von 7,6 Mrd. Euro pro Jahr. Nach unseren…

Nächste EZB Ratssitzung – was kann man erwarten

In der kommenden Woche beraten die europäischen Währungshüter turnusgemäß über die Angemessenheit der Geldpolitik. Da die EZB-Vertreter bereits im Rahmen der März-Ratssitzung die geldpolitischen Weichen adjustiert haben (Forward Guidance / TLTRO III), rechnen wir zu dieser Zusammenkunft mit keinen richtungsweisenden Entscheidungen. Leider ist auch davon auszugehen, dass sich die EZB hinsichtlich der noch ausstehenden Details zu den neuen TLTRO III-Operationen weiter bedeckt halten wird. Spätestens im Rahmen der an die Ratssitzung anschließenden Pressekonferenz dürften die gegenwärtigen Marktspekulationen über die Einführung eines abgestuften Einlagesatzes zur Sprache kommen. Über dieses Thema wird am Finanzmarkt und auch in der EZB kontrovers debattiert. Als problematisch erachten wir in diesem Zusammen-hang unter anderem, dass die EZB durch einen gestaffelten Einlagesatz widersprüchli-che Signale aussenden würde. Während die Forward Guidance derzeit auf ein unverändertes Leitzinsniveau hindeutet, nährt die Debatte um einen abgestuften Einlagesatz Zinssenkungsfantasien. Daher stehen wir dem Vorhaben grundsätzlich skeptisch gegenüber.

Negative Zinsen können unerwünschte Nebenwirkungen haben

Im Zuge der geldpolitischen Beratungen in der letzten EZB-Ratssitzung wurden endlich die möglichen negativen Auswirkungen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus auf die Profitabilität des Bankensektors diskutiert. Zudem wurde auch erörtert, ob sich solche unerwünschten Konsequenzen längerfristig negativ auf die Finanzstabilität auswirken können. Zugleich wurde aber auch hervorgehoben, dass die Auswirkungen auf die Banken je nach Geschäftsmodell sehr unterschiedlich seien. Über konkrete Maßnahmen, wie die Belastungen für den Bankensektor gemildert werden könnten, wurde den Accounts zufolge nicht gesprochen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass sich zuletzt die Spekulationen über die Einführung eines abgestuften Einlagesatzes belebt haben. Unserer Einschätzung nach würde dies allerdings die geldpolitische Kommunikation zusätzlich verkomplizieren. Daher sind wir gegenüber einer Adjustierung des Einlagesatzes skeptisch eingestellt. Für eine ausführlichere Darstellung der Thematik verweisen wir auf unsere Studie „Adjustierung Einlagesatz: Unerwünschte Nebenwirkungen“ vom 1. April. Zum jüngsten Maßnahmenpaket der EZB gehört auch eine neue Serie an Langfristtendern (TLTRO III). Bemerkenswert ist in diesem…

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