Zentralbanken / Rentenmärkte

EZB: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die EZB-Vertreter haben zur gestrigen Ratssitzung verschiedene Maßnahmen beschlossen, um sicherzustellen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen bis auf Weiteres günstig bleiben. Die Forward Guidance für die Leitzinsentwicklung wurde dahingehend angepasst, dass der Hauptrefinanzierungssatz zumindest noch bis zum Ende des Jahres auf dem aktuellen Niveau verbleiben wird – bisher wurde noch eine Erhöhung im Herbst angedeutet. Wie von uns erwartet, haben die EZB-Vertreter eine neue Serie von Targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) auf den Weg gebracht. Diese neuen Langfristtender sollen vierteljährlich im Zeitraum zwischen September 2019 und März 2021 angeboten werden. Die TLTRO III haben eine Laufzeit von jeweils zwei Jahren; ihre Verzinsung orientiert sich am Hauptrefinanzierungssatz. Wie die bisherigen TLTRO II sollen die neuen Tender ein nicht näher spezifiziertes Anreizsystem beinhalten, fallen aber insgesamt ungünstiger aus. Weitere Details zu den neuen längerfristigen Tenderoperationen will die EZB später bekannt geben. Bemerkenswert ist zudem, dass die EZB ihre Vollzuteilungspolitik für die regulären…

Türkische Zentralbank bleibt standhaft

Die türkische Zentralbank (TCMB) hat jüngst beschlossen, ihren Leitzins bei 24% zu belassen. Wahrscheinlich noch wichtiger war die erneute Ankündigung, dass der restriktive geldpolitische Kurs beibehalten wird, „bis der Inflationsausblick eine deutliche Verbesserung zeigt“ und bei Bedarf „eine zusätzliche geldpolitische Straffung durchgeführt wird“. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen, die Ende dieses Monats stattfinden, sollte die jüngste Entscheidung die Reputation der Zentralbank tendenziell stützen. Obwohl die Unabhängigkeit der Geldpolitik in der Türkei im Vergleich zu den Standards in den USA, im Vereinigten Königreich oder in der EWU nicht gänzlich unabhängig ist, scheint die Bekämpfung des weiterhin erhöhten Preisdrucks ganz oben auf der Agenda der Zentralbank zu stehen. Insgesamt ist die jüngste Entscheidung der türkischen Zentralbank eine positive Entwicklung für die Türkei. Eine politisch unabhängige Zentralbank ist ein hohes Gut für ein Land und die Beschädigung oder Einschränkung dieser Unabhängigkeit führt in der Regel zu einer stärkeren Zurückhaltung von ausländischen Investoren. Vor…

EZB-Accounts: Technischer Rahmen für TLTRO in Vorbereitung

Aus den EZB-Accounts zur Januar-Ratssitzung geht hervor, dass die Währungshüter ausgiebig über die möglichen Risiken für die EWU-Konjunkturperspektiven beraten haben. Die letzten Wirtschaftsdaten waren schwächer ausgefallen als von den EZB-Vertretern erwartet. Als eine Ursache hierfür wurde unter anderem auf die Einführung des neuen Emissionsstandards (WLTP) verwiesen, welcher sich dämpfend auf die Autoproduktion ausgewirkt habe. Die Währungshüter stimmten darin überein, dass noch nicht abschließend auszumachen sei, wie lange die Konjunkturdelle noch anhalte. Zudem sei unsicher, wie sich diese auf den mittelfristigen Wachstumsausblick auswirke. Die EZB-Vertreter stimmten mit der Analyse von Chefvolkswirt Praet überein, wonach die Wachstumsrisiken für die Eurozone abwärtsgerichtet seien. Im Hinblick auf die Teuerungsentwicklung gehen die Notenbank-Oberen nach wie vor davon aus, dass der grundlegende Preisdruck in der Eurozone Auftrieb erfahre. Eine sich fortsetzende konjunkturelle Expansion und höhere Lohnzuwächse werden als treibende Faktoren angeführt. Zugleich räumen die Währungshüter aber auch ein, dass aufgrund der gegenwärtigen Wachstumsdelle weitere Informationen notwendig…

Die zwei Seelen der EZB

In den zurückliegenden Wochen haben sich Spekulationen belebt, wonach die EZB eine neue Liquiditätsspritze für europäische Banken auf den Weg bringen könnte. Neue Langfristtender würden es den Währungshütern grundsätzlich ermöglichen, sicherzustellen, dass die Finanzierungsbedingungen auch nach Fälligkeit der derzeit ausstehenden TLTRO-II-Operationen weiterhin günstig bleiben. Bemerkenswert ist, dass über diese Thematik bereits heute debattiert wird. Der erste TLTRO-II-Tender wird allerdings erst im Juni 2020 fällig. Die zeitliche Brisanz resultiert aus bankregulatorischen Anforderungen. Sinkt die Restlaufzeit von Fundingmitteln unter ein Jahr, können diese für gewisse Kennzahlen (Net Stable Funding Ratio / Liquidity Coverage Ratio) nicht mehr herangezogen werden. Insbesondere Banken in der europäischen Peripherie – insbesondere italienische und spanische Banken – könnten vor diesem Hintergrund gezwungen sein, ihre Bilanzen zu reduzieren, um die erforderlichen Quoten einzuhalten. Eine eingeschränkte und teurere Kreditvergabe wäre eine mögliche unerwünschte Folge hiervon. Zudem wäre es auch vorstellbar, dass die Banken ihren Staatsanleihebestand abbauen. Höhere Risikoaufschläge wären eine…

Zankapfel „Staaten-Banken-Nexus“

Neun Jahre nach Beginn der europäischen Staatenfinanzkrise ist das Problem des „Staaten-Banken-Nexus“ weiterhin ungelöst. Im Gegenteil: Die jüngsten Ergebnisse des EBA-Stresstests zeigen einen ausgesprochen großen Home Bias europäischer Banken auf, der in der Peripherie sogar noch größer ist als in Kerneuropa. Sowohl die Privilegierung von EU-Staatsanleihen in Bankenbilanzen als auch die Vorgaben von Liquiditätskennziffern sorgen für eine erhöhte Nachfrage nach Staatspapieren. Zwar ist in den meisten Ländern – mit Ausnahme von Italien und Griechenland – der von inländischen Banken gehaltene Anteil aller ausstehenden Staatsanleihen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die Gründe liegen PSPP-bedingt aber in der hohen Nachfrage des ESZB. Entscheidet sich die EZB mittel- oder längerfristig, ihre Bilanzsumme zu reduzieren, droht eine Nachfragelücke für Staatsanleihen der Eurozone. Auch die Gefahren eines Teufelskreises, der durch einen exogenen wirtschaftlichen Schock ausgelöst werden könnte, sind allgegenwärtig. Während die kerneuropäischen Staaten eine Einführung von ratingäquivalenten Risikogewichten überwiegend gutheißen würden, stemmen sich die Peripheriestaaten…

Italien: Populisten-Bündnis wackelt

Die panpopulistische Koalition in Italien gerät immer mehr ins Wanken. Zogen M5S (Fünf-Sterne-Bewegung) und Lega im Kampf gegen die Haushaltsvorgaben aus Brüssel im Herbst letzten Jahres noch an einem Strang, ist das Verhältnis der Koalitionäre derzeit vor allem durch Streit geprägt. Die Konflikte drehen sich zum einen um die Flüchtlingspolitik, da sich die rechtspopulistische Lega für eine besonders harte Gangart gegen Zuwanderung ausspricht. Zum anderen gibt es einen größeren Dissens sowohl in der Wirtschafts- als auch in der Finanz- sowie der Verkehrspolitik. Während die Lega das Regierungsvorhaben zum Grundeinkommen eher widerwillig mitträgt, wehrt sich die linkspopulistische M5S gegen teure Infrastrukturprojekte wie die Bahnverbindung zwischen Turin und Lyon (Gesamtkosten: 26 Mrd. Euro). Zwar bestreiten beide Regierungspartner bislang, mit einem Bruch der Koalition zu liebäugeln. Die Lega lotet Medienberichten zufolge aber bereits ein alternatives Rechtsbündnis mit Forza Italia und den rechtsnationalen „Brüder Italiens“ nach etwaigen Neuwahlen aus. Auf Basis der aktuellen Wahlumfragen…

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