Zentralbanken / Rentenmärkte

Politikwechsel in der EZB

Mit einem Paukenschlag hat sich der neue EZB-Präsident ins Amt eingefunden, indem er mit seinen Kollegen im EZB-Rat die Leitzinsen, ohne die Märkte vorbereitet zu haben, von 1,5% auf 1,25% gesenkt hat. Die Äußerungen der jüngsten Pressekonferenz deuten auf einen Politikwechsel hin. Anscheinend werden die „Falken“ im Rat von nun an einen deutlich schwierigeren Stand haben. Unsere Prognose für die EZB-Leitzinsen haben wir vor diesem Hintergrund angepasst.

EZB senkt Leitzins überraschend auf 1,25%

Zur allgemeinen Überraschung hat der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung, der ersten unter der Leitung des neuen Zentralbank-Präsidenten Draghi, den Leitzins für die Eurozone um 25 Basispunkte auf 1,25% gesenkt. Er begründet dies mit einer Wachstumsschwäche und nachlassendem Inflationsdruck in der Eurozone. Die jüngsten Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung in Griechenland haben die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen wieder in die Region von 1,80% getrieben.

Eurozone: EZB belässt Leitzins vorerst unverändert

Bislang hat sich die EZB für eine weitere Straffung der Geldpolitik ausgesprochen. Eine verhaltene wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und rückläufige Inflationsraten in den kommenden Monaten sprechen jedoch für eine abwartende Haltung der Notenbank. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für die Geldpolitik der Eurozone nach unten revidiert und rechnen nun bis auf weiteres mit keiner weiteren Verschärfung des Restriktionsgrades.

Stimmung in der europäischen Wirtschaft hat sich kräftig eingetrübt

Das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsklima (ESI) hat sich im August deutlich eingetrübt. Für den Euro-Raum sank das Klima von 103 Punkten im Vormonat auf 98,3 Punkte – dies war der stärkste Rückgang seit zweieinhalb Jahren. Bis auf den Bausektor, der sich seit nunmehr drei Jahren in einem Stimmungstief befindet, trübte sich in allen Wirtschaftssektoren das Klima ein. Das Industrieklima notiert trotz seines fünften Rückgangs in Folge allerdings immer noch oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Verantwortlich für die Verschlechterung in diesem Wirtschaftssektor waren eine schlechtere Auftragslage und damit verbundene schlechtere Produktionserwartungen.

IWF löst Kapitalkontroverse aus

Für Aufsehen sorgte die IWF-Chefin Lagarde, die forderte, dass die europäischen Banken eine schnelle und verpflichtende Stärkung ihrer Kapitaldecke benötigen, um sie so gegen die Risiken aus der Staatsschuldenkrise und aus einem schwachen Wirtschaftswachstum zu wappnen. Hierin sieht sie auch einen entscheidenden Schlüssel, Ansteckungseffekte zu verhindern und die Liquiditätskrise einzudämmen.

Kurzläufer und Floater

Nach der jüngsten Anhebung dürfte auf Sicht der kommenden zwölf Monate der Leitzins im Euroraum nach unserem Dafürhalten von derzeit 1,50% um weitere 75 Basispunkte auf 2,25% angehoben werden. Die Zinsen am Geldmarkt sollten in diesem Zeitraum um rund 90 Basispunkte ansteigen, die Kapitalmarktrenditen in einer Spanne zwischen 100 und 150 Basispunkten. Bei festverzinslichen Anleihen sollten vor dem Hintergrund unserer Zinsprognose lediglich Kurzläufer gekauft werden.

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