Zentralbanken / Rentenmärkte

Die EWU-Schuldenkrise beherrscht die Märkte

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den Leitzins erwartungsgemäß unangetastet belassen. Wir gehen davon aus, dass die Notenbank über unseren Prognosehorizont von zwölf Monaten hinweg ihre abwartende Haltung beibehalten wird. Aufgrund eines sich eintrübenden Inflationsausblicks haben wir von bislang prognostizierten EZB-Leitzinssenkungen Abstand genommen. Nicht zuletzt anhaltend hohe Energiepreise und Steuererhöhungen zur Konsolidierung der Staatshaushalte haben europaweit einen preistreibenden Effekt. Darüber hinaus rechnen wir speziell für Deutschland, auch mit Blick auf aktuell getroffene Tarifabschlüsse, mit höherem Preisdruck von der Lohnseite. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Inflationsprognose für den Euroraum für dieses und für das kommende Jahr auf 2,4% angehoben. Zinssenkungen erscheinen uns in diesem Umfeld nicht angebracht.

Die Euphorie nach den Tendern ist verflogen

Die aus den beiden EZB-Dreijahrestendern resultierende Euphorie ist inzwischen verflogen. Die Marktteilnehmer wenden sich nun wieder den ungelösten Problemen der Schuldenkrise zu. Die Ungleichgewichte in der Eurozone sind weiterhin immens. Die Rezession im Süden der Währungszone hält an und könnte sich möglicherweise noch verschärfen. Auch andere Staaten leiden inzwischen unter einem sehr schwachen Wachstum oder befinden sich, wie die Niederlande, in der Rezession. Die Sparprogramme werden in vielen Staaten nur zähneknirschend umgesetzt, der Widerstand in der Bevölkerung wächst, und auch die politischen Eliten bekennen sich nicht uneingeschränkt zu den Spar- und Reformprogrammen. In dieser Hinsicht werden die kommenden Monate interessant werden. Die europäischen Währungshüter haben, wenig überraschend, bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den Leitzins unverändert bei 1,00% belassen. Damit setzt die EZB nunmehr seit vier Monaten auf eine Leitzinspolitik der „ruhigen Hand“. In Anbetracht der nach wie vor erheblichen Abwärtsrisiken für die europäische Konjunktur halten wir eine weitere Zinssenkung der EZB…

Lohn-Preis-Spirale in Deutschland?

Die deutsche Wirtschaft schneidet derzeit im internationalen Vergleich – und besonders innerhalb des Euro-Raums – konjunkturell sehr gut ab. Deutschland führt die Rangliste beim Wirtschaftswachstum an, die Arbeitslosigkeit gehört im EWU-Vergleich zu den niedrigsten. Daraus ergibt sich tendenziell auch ein relativ hoher Preisdruck, denn es gilt: Je stärker die Produktionskapazitäten ausgelastet sind, desto stärker ist in der Regel auch der durch Lohn- und andere Kostensteigerungen ausgelöste Inflationsdruck. Die Daten im Euro-Raum zeigen es derzeit auch: Die Länder mit den höchsten Arbeitslosenquoten weisen aktuell auch die niedrigsten Teuerungsraten auf. Dagegen ist die Inflationsrate in Ländern mit noch recht positiver Arbeitsmarktlage relativ hoch. Das Auseinanderklaffen der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen EWU-Ländern mit einer noch recht guten Konjunktur in Ländern wie Deutschland und den Ländern der südlichen Peripherie stellt die Geldpolitik der EZB aber vor immense Probleme. Die EZB wird in den kommenden Jahren auf die deutschen Bedürfnisse und die sich hierzulande…

Die „Dicke Bertha 2.0“ dominiert das Marktgeschehen – wie lange noch

Die Liquidität bleibt das Schmiermittel an den Rentenmärkten. Nach dem Erfolg des ersten Dreijahrestenders vor Weihnachten werden nun mit dem zweiten Tender ähnliche Hoffnungen verknüpft. Und in der Tat zeigt sich auch EZB-Präsident Mario Draghi von der Wirkung des ersten Tenders beeindruckt. So nennt er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 24. Februar den Tender – nur halb im Scherz – „Dicke Bertha“ und spielt damit auf einen großkalibrigen Mörser an, den Deutschland im Ersten Weltkrieg einsetzte. Dagegen nimmt sich die von vielen, insbesondere angelsächsisch geprägten, Marktteilnehmern geforderte „Bazooka“, mit der der unbegrenzte Ankauf von Anleihen in Bedrängnis geratener Staaten durch die EZB gemeint ist, geradezu wie ein Spielzeuggewehr aus.

Politikwechsel in der EZB

Mit einem Paukenschlag hat sich der neue EZB-Präsident ins Amt eingefunden, indem er mit seinen Kollegen im EZB-Rat die Leitzinsen, ohne die Märkte vorbereitet zu haben, von 1,5% auf 1,25% gesenkt hat. Die Äußerungen der jüngsten Pressekonferenz deuten auf einen Politikwechsel hin. Anscheinend werden die „Falken“ im Rat von nun an einen deutlich schwierigeren Stand haben. Unsere Prognose für die EZB-Leitzinsen haben wir vor diesem Hintergrund angepasst.

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