Zentralbanken / Rentenmärkte

Der Federal Reserve auf der Spur

Europäische Notenbanken nähern sich mit ihren Leitzinsen der Nullzinsmarke an beziehungsweise haben diese bereits erreicht. Der Bank of England und der EZB bleiben mit aktuellen Leitzinsen von 0,5% beziehungsweise 0,75% nicht mehr viel Spielraum nach unten. Ein weiterhin schwieriges gesamtwirtschaftliches Umfeld wird auch in naher Zukunft für reichlich Druck auf die Notenbanker sorgen. Des Weiteren wird die Euro-Schuldenkrise die Zentralbanken sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten für eine weitere ungewisse Zeit beschäftigen. Dänemark, als Beispiel für einen Sicheren Hafen in Europa ohne Euro, hat auf die Zinssenkung der EZB mit einer Leitzinssenkung auf 0% reagiert und den Einlagensatz sogar auf minus (!) 0,20% gesetzt. Die Flucht in dänische Vermögensgüter, als Absicherung gegen eine sich verschärfende Euro-Krise, hat die Notenbank des Landes massiv unter Druck gesetzt. Selbst ein negativer Einlagenzins hält Banken nicht davon ab ihr Geld dort zu horten. Dänische Verhältnisse könnten, bei weiter eskalierenden Ereignissen, bald…

EU-Gipfel lässt viele Fragen offen – EZB senkt Leitzins

Auch nach dem EU-Gipfel von Ende Juni bleiben viele Fragen offen. Neben den Details zu den akuten Hilfsmaßnahmen, die verhindern sollen, dass nun auch Spanien und Italien vollends in den Strudel aus höheren Zinsen, steigender Verschuldung und tieferer Rezession gerissen werden, zeichnet sich vor allem ein Punkt immer deutlicher ab: Die Gräben in Europa werden größer und lassen sich immer weniger durch Gipfelkompromisse übertünchen.

EU-Gipfel: Deutschland unter Druck

Die Regierungen der Euro-Zone haben sich in der vergangenen Nacht auf eine zentrale Bankenaufsicht für die Euro-Zone geeinigt, die unter der Beteiligung der EZB organisiert werden soll. In einem zweiten Schritt soll dann dem Rettungsfonds EFSF erlaubt werden, angeschlagene Banken direkt mit Kapital zu versorgen. Dies soll bis Ende 2012 erreicht werden. Mit der Einigung in der Eurogruppe beim Thema „Bankenunion“ ist auch der Weg für ein EU-Wachstumspaket frei, mit dem 120 Milliarden Euro an Investitionen mobilisiert werden sollen. Außerdem wurde eine Reihe von Maßnahmen vereinbart, um den Zinsdruck von Ländern wie Italien und Spanien zu nehmen. Im Falle Spaniens, das um Unterstützung aus den Euro-Rettungsfonds gebeten hat, haben die Regierungen der Euro-Zone vereinbart, dass die Hilfen zwar beim EFSF beantragt, dann aber in den geplanten dauerhaften Rettungsschirm ESM überführt werden sollen. Dieser verzichtet auf seinen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit wird einer Forderung Spaniens entsprochen, das ansonsten die Abschreckung privater Investoren…

Die EWU-Schuldenkrise beherrscht die Märkte

Die europäischen Währungshüter haben bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den Leitzins erwartungsgemäß unangetastet belassen. Wir gehen davon aus, dass die Notenbank über unseren Prognosehorizont von zwölf Monaten hinweg ihre abwartende Haltung beibehalten wird. Aufgrund eines sich eintrübenden Inflationsausblicks haben wir von bislang prognostizierten EZB-Leitzinssenkungen Abstand genommen. Nicht zuletzt anhaltend hohe Energiepreise und Steuererhöhungen zur Konsolidierung der Staatshaushalte haben europaweit einen preistreibenden Effekt. Darüber hinaus rechnen wir speziell für Deutschland, auch mit Blick auf aktuell getroffene Tarifabschlüsse, mit höherem Preisdruck von der Lohnseite. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Inflationsprognose für den Euroraum für dieses und für das kommende Jahr auf 2,4% angehoben. Zinssenkungen erscheinen uns in diesem Umfeld nicht angebracht.

Die Euphorie nach den Tendern ist verflogen

Die aus den beiden EZB-Dreijahrestendern resultierende Euphorie ist inzwischen verflogen. Die Marktteilnehmer wenden sich nun wieder den ungelösten Problemen der Schuldenkrise zu. Die Ungleichgewichte in der Eurozone sind weiterhin immens. Die Rezession im Süden der Währungszone hält an und könnte sich möglicherweise noch verschärfen. Auch andere Staaten leiden inzwischen unter einem sehr schwachen Wachstum oder befinden sich, wie die Niederlande, in der Rezession. Die Sparprogramme werden in vielen Staaten nur zähneknirschend umgesetzt, der Widerstand in der Bevölkerung wächst, und auch die politischen Eliten bekennen sich nicht uneingeschränkt zu den Spar- und Reformprogrammen. In dieser Hinsicht werden die kommenden Monate interessant werden. Die europäischen Währungshüter haben, wenig überraschend, bei ihrem jüngsten Zusammentreffen den Leitzins unverändert bei 1,00% belassen. Damit setzt die EZB nunmehr seit vier Monaten auf eine Leitzinspolitik der „ruhigen Hand“. In Anbetracht der nach wie vor erheblichen Abwärtsrisiken für die europäische Konjunktur halten wir eine weitere Zinssenkung der EZB…

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