Zentralbanken / Rentenmärkte

Lohn-Preis-Spirale in Deutschland?

Die deutsche Wirtschaft schneidet derzeit im internationalen Vergleich – und besonders innerhalb des Euro-Raums – konjunkturell sehr gut ab. Deutschland führt die Rangliste beim Wirtschaftswachstum an, die Arbeitslosigkeit gehört im EWU-Vergleich zu den niedrigsten. Daraus ergibt sich tendenziell auch ein relativ hoher Preisdruck, denn es gilt: Je stärker die Produktionskapazitäten ausgelastet sind, desto stärker ist in der Regel auch der durch Lohn- und andere Kostensteigerungen ausgelöste Inflationsdruck. Die Daten im Euro-Raum zeigen es derzeit auch: Die Länder mit den höchsten Arbeitslosenquoten weisen aktuell auch die niedrigsten Teuerungsraten auf. Dagegen ist die Inflationsrate in Ländern mit noch recht positiver Arbeitsmarktlage relativ hoch. Das Auseinanderklaffen der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen EWU-Ländern mit einer noch recht guten Konjunktur in Ländern wie Deutschland und den Ländern der südlichen Peripherie stellt die Geldpolitik der EZB aber vor immense Probleme. Die EZB wird in den kommenden Jahren auf die deutschen Bedürfnisse und die sich hierzulande…

Die „Dicke Bertha 2.0“ dominiert das Marktgeschehen – wie lange noch

Die Liquidität bleibt das Schmiermittel an den Rentenmärkten. Nach dem Erfolg des ersten Dreijahrestenders vor Weihnachten werden nun mit dem zweiten Tender ähnliche Hoffnungen verknüpft. Und in der Tat zeigt sich auch EZB-Präsident Mario Draghi von der Wirkung des ersten Tenders beeindruckt. So nennt er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 24. Februar den Tender – nur halb im Scherz – „Dicke Bertha“ und spielt damit auf einen großkalibrigen Mörser an, den Deutschland im Ersten Weltkrieg einsetzte. Dagegen nimmt sich die von vielen, insbesondere angelsächsisch geprägten, Marktteilnehmern geforderte „Bazooka“, mit der der unbegrenzte Ankauf von Anleihen in Bedrängnis geratener Staaten durch die EZB gemeint ist, geradezu wie ein Spielzeuggewehr aus.

Politikwechsel in der EZB

Mit einem Paukenschlag hat sich der neue EZB-Präsident ins Amt eingefunden, indem er mit seinen Kollegen im EZB-Rat die Leitzinsen, ohne die Märkte vorbereitet zu haben, von 1,5% auf 1,25% gesenkt hat. Die Äußerungen der jüngsten Pressekonferenz deuten auf einen Politikwechsel hin. Anscheinend werden die „Falken“ im Rat von nun an einen deutlich schwierigeren Stand haben. Unsere Prognose für die EZB-Leitzinsen haben wir vor diesem Hintergrund angepasst.

EZB senkt Leitzins überraschend auf 1,25%

Zur allgemeinen Überraschung hat der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung, der ersten unter der Leitung des neuen Zentralbank-Präsidenten Draghi, den Leitzins für die Eurozone um 25 Basispunkte auf 1,25% gesenkt. Er begründet dies mit einer Wachstumsschwäche und nachlassendem Inflationsdruck in der Eurozone. Die jüngsten Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung in Griechenland haben die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen wieder in die Region von 1,80% getrieben.

Eurozone: EZB belässt Leitzins vorerst unverändert

Bislang hat sich die EZB für eine weitere Straffung der Geldpolitik ausgesprochen. Eine verhaltene wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und rückläufige Inflationsraten in den kommenden Monaten sprechen jedoch für eine abwartende Haltung der Notenbank. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Prognose für die Geldpolitik der Eurozone nach unten revidiert und rechnen nun bis auf weiteres mit keiner weiteren Verschärfung des Restriktionsgrades.

Stimmung in der europäischen Wirtschaft hat sich kräftig eingetrübt

Das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsklima (ESI) hat sich im August deutlich eingetrübt. Für den Euro-Raum sank das Klima von 103 Punkten im Vormonat auf 98,3 Punkte – dies war der stärkste Rückgang seit zweieinhalb Jahren. Bis auf den Bausektor, der sich seit nunmehr drei Jahren in einem Stimmungstief befindet, trübte sich in allen Wirtschaftssektoren das Klima ein. Das Industrieklima notiert trotz seines fünften Rückgangs in Folge allerdings immer noch oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Verantwortlich für die Verschlechterung in diesem Wirtschaftssektor waren eine schlechtere Auftragslage und damit verbundene schlechtere Produktionserwartungen.

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