Brexit

Brexit-Gespräche: Gute Stimmung, wenig Substanz

Die Brexit Gespräche stecken weiterhin fest, wenn auch die Atmosphäre etwas besser wurde. Beide Chefunterhändler haben eine „neue Dynamik“ konstatiert, die insbesondere auf die Äußerungen von Premierministerin Theresa May im Rahmen ihrer Grundsatzrede vergangene Woche in Florenz zurückzuführen sei. Der Brite Davis sprach mit Blick auf die vergangenen Tage gar von „entscheidenden Schritten“ und „beträchtlichem Fortschritt“. Sein Gegenüber Michel Barnier wollte sich dieser (beinahe euphorischen) Einschätzung nicht anschließen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass größere Differenzen bestehen bleiben. Von ausreichenden Fortschritten in den Fragen des Loslösungsprozesses seien die Verhandlungspartner immer noch weit entfernt. Die Bewertung der Fortschritte in den Fragen des Loslösungsprozess ist entscheidend für den weiteren Pfad der Verhandlungen. Die britische Seite drängt darauf, die mögliche Ausgestaltung der künftigen Partnerschaft und der Handelsbeziehungen wie ursprünglich geplant Ende Oktober auf die Agenda der Gespräche zu nehmen. Die Voraussetzung, die von Brüsseler Seite für diese zweite Phase festgelegt wurde, ist die…

Allmählich nehmen die Brexit-Belastungen für die Briten zu

Die Inflation in Großbritannien hat erneut Kurs auf die 3-Prozent-Marke genommen und dürfte in den kommenden Monaten sogar darüber liegen. Während der Preisdruck in anderen Industrieländern gerade wieder nachlässt, treibt das durch die Brexit-Unsicherheit geschwächte Pfund die britischen Verbraucherpreise kräftig in die Höhe. Leidtragende sind die Konsumenten, die ihre Anschaffungen inzwischen deutlich einschränken – der private Konsum, eine der tragenden Säulen der Konjunktur im Vereinigten Königreich, ist im zweiten Quartal fast zum Stillstand gekommen und hat das Wirtschaftswachstum deutlich ausgebremst. Auch auf die Zuwanderung wirkt das schwache Pfund sowie die Unsicherheit rund um den bevorstehenden EU-Austritt dämpfend. Damit steuert die britische Wirtschaft auf nicht unerhebliche Beschäftigungsengpässe zu. Großbritannien bekommt die Bremswirkungen durch den Brexit mehr und mehr zu spüren – und sie dürften in den kommenden Monaten weiter zunehmen. Die britischen Konsumenten müssen zurzeit wieder tiefer in die Tasche greifen: die Verbraucherpreise lagen im August um 2,9 Prozent über dem…

Britische Wirtschaft mit ersten Brexit-Kratzern

Die britische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gestiegen, das Wirtschaftswachstum bleibt in der ersten Jahreshälfte also relativ verhalten. Vor allem die durch die Pfund-Abwertung stark gestiegene Inflation ist zur Belastung geworden. Der Brexit-Effekt kommt somit erst einmal „durch die Hintertür“. Eine Wachstumsbeschleunigung im zweiten Halbjahr ist nicht absehbar, das Wachstumstempo dürfte vielmehr bis Ende kommenden Jahres weiter sukzessive nachlassen. Wir senken unsere Prognose für dieses Jahr leicht von 1,8 auf 1,6 Prozent. Im kommenden Jahr rechnen wir unverändert mit einem relativ schwachen Wachstum von 0,8 Prozent. Nach dem vergleichsweise schwachen Jahresauftakt ist die Konjunktur in Großbritannien auch im zweiten Quartal dieses Jahres verhalten geblieben – das vierteljährliche Wirtschaftswachstum legte nur leicht von 0,2 auf 0,3 Prozent zu. Die konsumnahen Dienstleistungen, wie der Einzelhandel, konnten nach dem Einbruch im ersten Quartal nun zwar eine Erholung verbuchen. Insgesamt bleibt die Konsumlaune der Briten aber getrübt, was vor allem an…

Britisches Wirtschaftswachstum verliert in Q1 an Dynamik, der Brexit spielt hierbei aber noch keine Rolle

Die britische Wirtschaft hat im ersten Quartal dieses Jahres sichtlich an Tempo verloren. Das vierteljährliche Wirtschaftswachstum ist auf 0,3 Prozent gesunken. Im Schlussquartal 2016 wurde noch ein deutlich höheres Wachstum von 0,7 Prozent erreicht. In dieser Abschwächung könnte eine konjunkturelle Reaktion auf den soeben angestoßenen Brexit-Prozess zu sehen sein. Wir halten dies aber höchstens für bedingt plausibel. Die Entwicklung der einzelnen Wirtschaftssektoren zeigt recht solide Wachstumsbeiträge aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie der Bau- und der Ölindustrie. Alle Bereiche haben das BIP-Wachstum gestützt – ein Bild, das in der Vergangenheit bei diesen sehr volatilen Branchen und der chronisch schwachen Entwicklung der britischen Industrie eher selten zu sehen war und deshalb positiv ist. Auffällig ist jedoch das relativ schwache Wachstum im Dienstleistungsbereich mit lediglich 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Dies ist der niedrigste Zuwachs seit zwei Jahren. Mit seinem sehr hohen Anteil von fast 80 Prozent ist der Service-Sektor das Rückgrat der…

Britische Wirtschaft zeigt sich auch im vierten Quartal unbeeindruckt vom Brexit-Votum

Ist die britische Wirtschaft so widerstandsfähig, dass sie den Brexit-Schock ohne große Beeinträchtigung “verdauen” kann? Zu diesem Urteil könnte man angesichts der robusten Konjunkturentwicklung Großbritanniens in den Monaten nach dem Referendum durchaus gelangen. Auch im vierten Quartal des vergangenen Jahres blieb das Wirtschaftswachstum weitgehend ungebremst. Wie das Office for National Statistics heute Morgen berichtete, wurde die Wirtschaftsleistung zuletzt, wie schon während der Sommermonate, um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesteigert. Mit einem Wachstum von 2 Prozent im vergangenen Jahr hat sich das Vereinigte Königreich in puncto Wachstumsstärke sogar an die Spitze der G7-Staaten gesetzt. Für die Befürworter des Brexits, vor allem diejenigen, die für einen harten Schnitt mit der EU plädieren, sind diese Wachstumszahlen „Wasser auf die Mühlen“: Die Warnungen vor den wirtschaftlichen Belastungen des EU-Ausstiegs scheinen vor diesem Hintergrund kaum mehr als Schwarzmalerei. Vor allem konsumnahe Dienstleistungen zeigten sich im Schlussquartal kräftig – der private Konsum dürfte also erneut…

„Hard Brexit“-Sorgen sind zurück

Die britische Premierministerin Theresa May scheint von einem „sanften Brexit“ nach wie vor nicht viel zu halten – zumindest dann nicht, wenn Großbritannien dafür auf eine nationale Einwanderungskontrolle verzichten muss. Britische Medien berichten, dass die Regierungschefin in einer Rede am morgigen Dienstag Eckpunkte ihrer Brexit-Strategie erläutern will und dass sie dabei wohl an ihrer harten Haltung gegenüber der EU, die sie bereits auf dem Parteitag der Tories Anfang Oktober an den Tag gelegt hat, festhalten wird. Spekulationen über „Soft-Brexit“-Modelle à la Norwegen oder Schweiz, die noch vor einigen Wochen Rückenwind erhielten – nicht zuletzt durch kompromissbereitere Töne einiger Kabinettskollegen Mays –, würde damit das Wasser abgegraben, denn diese Länder müssen für den Zugang zum EU-Binnenmarkt auch die innerhalb der EU geltende Personenfreizügigkeit akzeptieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen „harten Brexit“ steigt also wieder, das Pendel schlägt zurück. Unstrittig ist sicherlich nach wie vor, dass ein „harter Brexit“, also der vollständige Verlust…

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