Brexit

„Hard Brexit“-Sorgen sind zurück

Die britische Premierministerin Theresa May scheint von einem „sanften Brexit“ nach wie vor nicht viel zu halten – zumindest dann nicht, wenn Großbritannien dafür auf eine nationale Einwanderungskontrolle verzichten muss. Britische Medien berichten, dass die Regierungschefin in einer Rede am morgigen Dienstag Eckpunkte ihrer Brexit-Strategie erläutern will und dass sie dabei wohl an ihrer harten Haltung gegenüber der EU, die sie bereits auf dem Parteitag der Tories Anfang Oktober an den Tag gelegt hat, festhalten wird. Spekulationen über „Soft-Brexit“-Modelle à la Norwegen oder Schweiz, die noch vor einigen Wochen Rückenwind erhielten – nicht zuletzt durch kompromissbereitere Töne einiger Kabinettskollegen Mays –, würde damit das Wasser abgegraben, denn diese Länder müssen für den Zugang zum EU-Binnenmarkt auch die innerhalb der EU geltende Personenfreizügigkeit akzeptieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen „harten Brexit“ steigt also wieder, das Pendel schlägt zurück. Unstrittig ist sicherlich nach wie vor, dass ein „harter Brexit“, also der vollständige Verlust…

Aus dem Brexit wird wohl ein soft Brexit

Rund ein halbes Jahr nachdem sich die britische Bevölkerung mit knapper Mehrheit für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) ausgesprochen hat, ist immer noch völlig offen, wie diese Trennung aussehen soll: Einschneidend und radikal, auch wenn dies harte Folgen für die Wirtschaft – auf beiden Seiten des Ärmelkanals – hätte? Oder können sich Brüssel und London auf einen Kompromiss verständigen, der den Übergang möglichst sanft gestaltet und die ökonomischen Belastungen in Grenzen hält? „Hard Brexit oder „soft Brexit“? Diese Frage hat derzeit Hochkonjunktur und die Erwartungen schwanken je nach Nachrichtenlage stark. Dabei ist die Ausgangslage denkbar schwierig: Premierministerin Theresa May möchte die Kontrolle über die Einwanderung nach Großbritannien wieder in nationaler Hand wissen. Durch die sog. Personenfreizügigkeit innerhalb der EU ist dies momentan aber nicht möglich. Die EU besteht allerdings darauf, dass die Personenfreizügigkeit integraler Bestandteil des Binnenmarktkonzeptes ist. Ohne deren Akzeptanz könne ein Land auch nicht mehr Teil…

Britische Wirtschaft trotzt dem Brexit – noch…

Die britische Wirtschaft hat heute Morgen gezeigt, dass sie immer wieder für eine Überraschung gut ist: Entgegen anfänglicher Befürchtungen hat das unerwartete Brexit-Votum vom Juni der Wirtschaft bislang kaum geschadet – das Wachstum ist nicht nur nicht einknickt, der konjunkturelle Schwung hat während der Sommermonate sogar nur unwesentlich nachgelassen. Mit einem BIP-Anstieg von 0,5 Prozent im dritten gegenüber dem zweiten Quartal, das selbst schon ein kräftiges Wachstum aufwies, hat sich die Wirtschaft in den vergangenen Monaten äußerst robust entwickelt. Das jährliche Wachstum hat sich zuletzt sogar von 2,1 auf 2,3 Prozent beschleunigt. Können die Brexit-Sorgen also abgehakt werden? Es ist wohl kein Wunder, dass die Warnungen vor den ökonomischen Konsequenzen des Volksentscheids inzwischen vielfach als Schwarzmalerei angesehen werden. Trotzdem wäre es aus unserer Sicht fahrlässig zu glauben, dass die Folgen einer solch einschneidenden politischen Zäsur wie dem EU-Austritt glimpflich sind und Großbritannien weitgehend unbeschadet aus dem Trennungsprozess hervorgeht. Der jüngste…

Britische Wirtschaft steuert zielsicher auf eine Rezession zu

Letztlich war es kaum anders zu erwarten gewesen: Aber das Bild, das die jüngsten Umfrageindikatoren zur Stimmung in der britischen Wirtschaft unmittelbar nach dem Brexit-Votum zeichnen, ist erdrückend. Das Industrieklima, gemessen am Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, ist im Juli auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen, der Einbruch um fast vier Indexpunkte war sogar so kräftig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Mit nur noch knapp 48 Punkten notiert der Indikator nun deutlich unter der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Dabei hat sich die Einschätzung der Einkaufsmanager noch während der Befragungsperiode deutlich verschlechtert. Der nun endgültige Indikatorwert ist gegenüber einer vorläufigen Schätzung, die nur auf 85 Prozent der Umfrageergebnisse basierte, nochmals um fast einen vollen Indexpunkt nach unten revidiert worden. Einhellig geben die befragten Unternehmen die nun bestehende Unsicherheit über die wirtschaftlichen Konsequenzen des Volksentscheids als Hauptgrund für die nun deutlich schlechtere Bewertung an….

Der Kniesehnenreflex des Finanzmarktes

Der bekannte Kniesehnenreflex funktioniert ganz einfach: Bei einem leichten Schlag auf die Patellarsehne, hebt sich der Unterschenkel. Ähnlich funktionieren zurzeit die internationalen Zentralbanken. Es gibt eine außergewöhnliche Entwicklung, im aktuellen Fall der Brexit, nach kurzer Zeit kommen starke Versprechen der Notenbanken, dass man baldigst das monetäre Umfeld weiter lockert. So geschehen gestern, als die Zentralbank von Großbritannien vorsorglich Zinssenkungen in naher Zukunft angekündigt hat und die EZB eine baldige Änderung bei den Modalitäten des Staatsanleihekaufprogramms ankündigte. Zukünftig könnte der Ankaufschlüssel nach der Marktkapitalisierung und nicht nach den EZB-Kapitalanteilen der Länder ausgerichtet werden. Das könnte bedeuten, dass die Schuldenhöhe eines Landes den Anteil der zukaufen Anleihen im Kaufprogramm der EZB bestimmt. Die Reaktionen am Kapitalmarkt waren auch die üblichen. Die Aktien und Unternehmensanleihen haben profitiert und die Renditen von Staatsanleihen sind gefallen. Jedoch denke ich nicht, dass solche Ankündigungen noch einen nachhaltig positiven Effekt auf das Vertrauen der Investoren haben. Damit…

Vielleicht ist der Brexit das Beste, was der EU passieren konnte

Vielen kommt es wie ein Alptraum vor, aus dem sie endlich aufwachen wollen: Die Briten haben sich für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden. Dennoch könnte der Brexit das Beste werden, was der EU in den letzten Jahren passiert ist. Der Brexit könnte ein Katalysator für ein besseres, moderneres Europa werden. Mit 52 Prozent „Leave“ ist die Entscheidung der Briten denkbar knapp ausgefallen – eine Entscheidung, mit der niemand im Vorfeld ernsthaft gerechnet hatte. Das spiegelte sich auch an den Finanzmärkten wieder, sie wurden kalt erwischt. Kurzfristig werden sich die Börsen wieder beruhigen, doch für die langfristige Entwicklung der Finanzmärkte ist die weitere politische und konjunkturelle Entwicklung entscheidend. Jetzt sind Politik und Wirtschaft gefordert, die Lage wieder zu stabilisieren. Es ist nichts anderes als eine Mammut-Aufgabe, vor der die Verantwortlichen stehen. Großbritannien ist nach der Abstimmung ein gespaltenes Land. Während es in Schottland und Nord-Irland eine deutliche Ablehnung des…