Eurozone

EZB: Senkung des Einlagensatzes sicher – zweistufiger Einlagensatz möglich

Angesichts des jüngsten Rückgangs der Kerninflationsrate und des anhaltenden Verfalls der längerfristigen Inflationserwartungen stehen die europäischen Währungshüter mit Blick auf die März-Zinssitzung unter erheblichem Handlungsdruck. Um die Marktspekulationen nicht zusätzlich anzufachen, haben sich die Notenbank-Oberen im Hinblick auf weitere geldpolitische Maßnahmen zuletzt zurückhaltend geäußert. Für die anstehende Zinssitzung erwarten wir mindestens eine Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte auf minus 0,40%. Ein solcher Schritt ist allerdings von den Marktakteuren bereits vorweggenommen. Vor diesem Hintergrund könnte die EZB mit der Einführung eines zweistufigen Einlagensatz positiv überraschen. Dieser würde es der Notenbank ermöglichen den Einlagensatz tiefer in den negativen Bereich zu drücken und zugleich die negativen Auswirkungen für den Bankensektor zu dämpfen. Mit umfangreicheren Anpassungen des Anleiheankaufprogrammes ist zu dieser Zinssitzung nicht zu rechnen. Im Zusammenhang mit der turnusgemäßen Überarbeitung der EZB-Projektionen ist hervorzuheben, dass die Stabsmitarbeiter zur März-Zinssitzung erstmals einen Blick bis ins Jahr 2018 wagen. Hier steht vor allem die…

Schicksalsjahre einer Währung

Verrückte Welt – verrücktes Europa: Wer sparsam und weitsichtig handelt wird bestraft. Verantwortungsvolle Regierungen, die zur Zukunftssicherung ihres Landes wichtige Reformen vorantreiben, werden vom der Wählergunst systematisch abgestraft. Ihnen bleibt am Ende nichts anders übrig als den Kurs zu ändern. Stattdessen werden nun die Rufe lauter nach mehr Solidarität und Unterstützung durch die reichen Länder. Es beginnt eine neue Eskalationsstufe im Streit um die gemeinsame Zukunft der europäischen Währung und damit auch Europas. Die jüngsten Wahlen im Euroraum in Portugal und Spanien haben abermals gezeigt, dass wirtschaftlicher Reformeifer sich für die regierenden Parteien politisch nicht auszahlt. Der Zeitraum zwischen dem Beginn der Reformen und den ersten sichtbaren Erfolgen ist bei den vorherrschenden Wahlzyklen von vier Jahren offensichtlich zu lang. Dieses Muster wurde auch schon zuvor in den Wahlergebnissen einer Reihe anderer Länder deutlich. Regierenden Parteien, die notwendige und ökonomisch auch sinnvolle Reformen vorangetrieben, verloren deutlich an Zustimmung und teilweise sogar…

Geheimniskrämerei der EZB schadet ihrer Glaubwürdigkeit

Seit einigen Tagen machen Berichte über die unkontrollierte Geldschöpfung einiger Notenbanken des Eurosystems in den Jahren 2006 bis 2012 die Runde. Genannt werden hier die französische und die italienische, aber auch die belgische, irische und griechische Zentralbank. EZB-Ratspräsident Mario Draghi wurde auf der Pressekonferenz am 3. Dezember darauf angesprochen, reagierte aber ausweichend auf die Frage, gab allerdings zu, das System sei „schwer zu verstehen“ und die EZB habe hierauf keinen Einfluss. Außerdem müsse man sich an die betreffenden Notenbanken wenden, um konkretere Informationen darüber zu erhalten. Die Faktenlage ist dabei relativ einfach, aufgrund der damit verbundenen Geheimniskrämerei aber recht intransparent. Es geht um Käufe von Wertpapieren, darunter wohl vor allem Staatsanleihen, die die betreffenden Zentralbanken im Rahmen eines nicht-öffentlichen Abkommens („Anfa“: Agreement on net-financial assets) als „nicht-geldpolitische“ Transaktionen getätigt haben. Dabei soll es sich um einen Betrag von gut 500 Mrd. Euro handeln, dessen Bestimmung unklar ist. Die einzelnen Zentralbanken…

Herausforderung, Veränderung und Werte

Wenn Europa auf der weltpolitischen Bühne und in der Weltwirtschaft seine Wettbewerbsfähigkeit und sein Standing – und damit die Basis für Wohlstand und Lebensqualität – erhalten will, dann muss es mit Einigkeit, Flexibilität und Kreativität auf die sich veränderten Anforderungen reagieren. Jedoch sollten sich die notwendigen Veränderungen entlang eines gemeinsamen Wertegerüstes bewegen, das die Basis für die europäische Integration ist. Ansonsten verliert der Veränderungsprozess die Richtung, und die Gemeinschaft entwickelt sich möglicherweise hin zu politischen oder wirtschaftlichen Strukturen, die weder die Politik noch die Bürger Europas sich wünschen. Die Reaktionen in der Europäischen Union auf die schrecklichen Anschläge von Paris zeigen deutlich das Dilemma. Lediglich in der Verurteilung dieser Terrorakte sind sich alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einig. Und damit endet die Einigkeit. In Fragen der Bewertung der Anschläge oder den notwendigen weiteren Maßnahmen, gehen die Meinungen unter den EU-Staaten weit auseinander. Auch die aktuelle Flüchtlingskrise wirft ein grelles…

Implikationen des „Nein“ in Griechenland

In Griechenland zeichnet sich ein „Nein“ zum Sparkurs ab. Damit wird zunächst weiteren Verhandlungen die Grundlage entzogen. Wenn es weitere Verhandlungen geben sollte, muss man zwischen der griechischen Regierung und den Institutionen erst wieder das notwendige Vertrauen aufbauen. Wie das gelingen soll und in welchem zeitlichen Rahmen dies möglich sein könnte ist zurzeit mehr als ungewiss. Was passiert jetzt? Auf Basis dieser Abstimmung wird die EZB das ELA Programm sicherlich nicht ausweiten, sondern im besten Falle auf dem aktuellen Niveau belassen.Dies hätte zur Folge, dass dem griechischen Bankensystem in den nächsten Tagen die Barreserven ausgehen und man keine Euro mehr ausgeben kann. Spätestens dann müsste die griechische Regierung auf eine andere Währung oder Schuldscheine umstellen. Damit dürfte die griechische Wirtschaft in eine tiefe Krise gehen und das wirtschaftliche Leben sollte zum Stillstand kommen. Die europäischen Partner werden sicherlich in den nächsten Tagen über eine mögliche humanitäre Hilfe für die Bevölkerung…

Griechenland vor dem Staatsbankrott

Nun hat es die griechische Regierung mit ihrer aggressiven Verhandlungstaktik doch übertrieben und steht vor einem Scherbenhaufen. Die Ankündigung am 5. Juli ein Referendum über das mögliche 3.Programm abzuhalten hat allen weiteren Verhandlungen den Boden entzogen. Denn gleichzeitig mit der Ankündigung des Referendums hat die griechische Regierung sich auch klar gegen die Vorschläge der Eurogruppe positioniert. Griechenland hätte bis zu dem Referendum eine Verlängerung der laufenden Programme benötigt und vor allem die weitere Unterstützung der EZB. Die griechische Bevölkerung hat bereits kurz nach der Ankündigung des Referendums reagiert und soviel Euro wie möglich abgehoben. An den Geldautomaten hatten sich lange Schlangen gebildet. Entsprechend müsste die EZB am Montag mit großer Wahrscheinlichkeit die ELA Höchstgrenzwerte weiter anheben, denn es kann von einem regelrechten Ausbluten des griechischen Bankensystems ausgegangen werden. Jedoch würde eine solche Entscheidung weit über das Mandat der EZB gehen, da die Solvenz der Banken nun konditioniert wäre und vom…

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