Griechenland

Griechenland erhält besseres Rating

Moody’s hat gestern Abend für einen Paukenschlag gesorgt. Entgegen des üblichen Turnus hat Moody’s das griechische Rating außerordentlich um zwei Stufen auf „B3“ angehoben – der Ausblick bleibt positiv. Die Heraufstufung als solche wundert weniger als der gewählte Zeitpunkt. Die reguläre Überprüfung der Bonitätsnote Griechenlands hätte für den 30. März angestanden. Im Falle außerordentlicher Umstände ist es den Agenturen jedoch gestattet, von dem zuvor veröffentlichten Terminplan abzuweichen. Überwiegend nutzten die Agenturen diese Ausnahmemöglichkeit bis dato für außerordentliche Herabstufungen. Dass Moody’s sich veranlasst sah, Hellas vorzeitig heraufzustufen, dürfte die Regierung in Athen umso mehr freuen. Inhaltlich führt Moody’s drei wesentliche Gründe für die Entscheidung an. Griechenland habe sowohl substantielle fiskalische als auch institutionelle Fortschritte vollzogen. Diese würden zu einer Erholung der Wirtschaft sowie auch des Bankensektors beitragen. Konkret nennt Moody’s den Anstieg des Primärüberschusses auf mehr als 2% des BIP. Die Schuldenstandsquote des Landes würde voraussichtlich auf 174% im kommenden Jahr…

Was ist das Geschäftsmodell Griechenlands?

Auch gestern Abend gelang der große Durchbruch beim Eurogruppen-Treffen zur Freigabe weiterer Hilfsgelder für Griechenland nicht. Ausnahmsweise scheiterten die Verhandlung weniger am üblichen Streit zwischen den EWU-Gläubigern und Hellas über die Erfüllung von Reformauflagen, sondern wurden vor allem aufgrund zunehmender Uneinigkeit zwischen Brüssel und Washington vertagt. Die Europartner, hier allen voran Berlin, fordern nach wie vor, dass sich der Internationale Währungsfonds am dritten Hilfsprogramm beteiligt. Dazu stellt der IWF jedoch die Bedingung, dass die EWU-Geldgeber konkrete Pläne zur Schulden(dienst)erleichterung vorlegen. Doch vor allem die deutsche Bundesregierung will dieses heikle Thema erst nach der Bundestagswahl anfassen – muss sie sich sonst von der rechtspopulistischen Konkurrenz vorwerfen lassen, Milliardengeschenke an Griechenland zu verteilen. Die Forderung des IMF nach einer Schuldenerleichterung für Griechenland ist durchaus berechtigt. Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürfte Griechenland kaum in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen. Das zugrundeliegende Problem ist aber die unbeantwortete Frage nach dem nachhaltigen Geschäftsmodell…

Griechenland: Schulden für die Ewigkeit

In den Dauerstreit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern kommt Bewegung. Sowohl Vertreter der Eurogruppe als auch von Hellas haben Anfang Mai eine vorläufige Einigung über einen neuen Maßnahmenkatalog bekanntgegeben. Dieser sieht unter anderem Einsparungen in Höhe von 2% des griechischen BIP vor. Die Eurogruppe tritt am 22. Mai zusammen und befindet über mögliche Auszahlungen. Ein Liquiditätsengpass, der im Juli gedroht hätte, sollte somit noch rechtzeitig abgewendet werden. Eine langfristige Schuldentragfähigkeit ist damit aber nach wie vor nicht gegeben. Bislang profitiert das Land davon, dass die Aufwendungen für den Schuldendienst minimal sind. Unsere Modellanalyse zeigt aber auf, dass Griechenlands Weg zum Abbau der massiven Verschuldung ohne einen Schuldenerlass ein langer sein wird und sowohl von einer jahrzehntelangen wirtschaftlichen Erholung als auch von langfristig sehr günstigen Kreditbedingungen abhängt. Das Land ist deswegen auch zukünftig auf neue, günstige Hilfskredite angewiesen. Würde Griechenland alternativ darauf setzen, fällige Anleihen oder Kredite über den Markt zu…

Euro-Austritt Griechenlands darf kein Tabu mehr sein

Seit dem Ausbruch der großen Finanzmarktkrise befindet sich die griechische Volkswirtschaft im Dauerstress. Von einer wirtschaftlichen Erholung ist Griechenland allerdings noch weit entfernt: Kumuliert hat das Land seit Beginn der Krise rund 26 Prozent seiner Wirtschaftskraft eingebüßt. Bereits seit 2010 ist Griechenland von der Hilfe der europäischen Partner und des Internationalen Währungsfonds abhängig – ein Ende ist nicht in Sicht. Die Finanzhilfen wurden jedoch nur unter Auflagen gewährt. Zum einen sollte Griechenland seinen Staatshauhalt sanieren und seine Finanzen auf eine nachhaltigere Basis stellen. Zum anderen sollten Strukturreformen helfen, die griechische Volkswirtschaft auf einen Wachstumspfad zurückzuführen. Beides ist bislang noch nicht gelungen. Bezüglich der Haushaltsentwicklung gibt es inzwischen Fortschritte, beim Thema Strukturreformen sind noch viele Baustellen offen. Ein höherer Primärüberschuss – Haushaltssaldo ohne Zinszahlungen – kann helfen, die relativen Schuldenkennziffern zu verbessern. Bislang wurde von Griechenland gefordert, einen Primärüberschuss von 3,5% des BIP zu erzielen. Ein solch hoher Überschuss würde mittelfristig…

Griechenland: Neues Jahr, alter Streit

Der Streit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist gefühlt inzwischen schon so alt wie das „Alte Athen“ selbst. Während der Konflikt in den vergangenen Monaten mehr oder minder unterhalb der Oberfläche weiter brodelte, ist er nun wieder offen zutage getreten. Die Gläubiger bemängeln vor allem, dass Griechenland seine Reformzusagen nach wie vor verschleppt und stets hinter dem vereinbarten Zeitplan zurückbleibt. Dies betrifft sowohl den Privatisierungsplan als auch das Rentensystem, das OECD-weit eines der teuersten ist. Der mehrfach verschobene und nun für März angepeilte Abschluss der zweiten ESM-Kreditüberprüfung gerät zunehmend in Gefahr. Ohne Abschluss der Kreditüberprüfung droht Griechenland einmal mehr in einen Liquiditätsengpass zu geraten. Die Kassen der Regierung sind chronisch leer – nur knapp 6 Mrd. Euro finanzielle Reserven stehen Griechenland aktuell zur Verfügung. Diesem Kassenstand stehen aber fällige Anleihen im Volumen von insgesamt 7,4 Mrd. Euro bis Juli dieses Jahres gegenüber. Auch an den IWF hat Griechenland fast 900…

Griechenland findet wieder zu sich selbst

Trotz der kaum tragbaren Schuldenhöhe startet die griechische Regierung eine offensivere Handhabung der Staatsfinanzen. So hat die Regierung in Athen den Rentnern im Land eine einmalige pauschale Zulage in Höhe von bis zu 800 Euro zu Weihnachten versprochen, nachdem von ihr festgestellt wurde, dass die Staatsfinanzen dieses Jahr im Plansoll liegen. Wie nicht anders zu erwarten reagierte die Eurogruppe mit harscher Kritik auf die Bekanntgabe. Den am 5. Dezember waren die Finanzminister der Eurogruppe noch übereingekommen, Griechenland sowohl eine Umwandlung der Kreditzinsverpflichtungen von variabel auf fix in Aussicht zu stellen, als auch die durchschnittliche gewichtete Restlaufzeit der EFSF-Verbindlichkeiten marginal von derzeit 31,1 auf 32,5 Jahren zu erhöhen. Für Griechenland und seine Regierung ist die Lage durchaus kritisch. Da Tsipras bereits öffentlich die Renteneinmalzahlung versprochen hat, kann er politisch gesichtswahrend keinen Rückzieher mehr vollziehen. Auf der anderen Seite steht für Griechenlands Staatsfinanzen einiges auf dem Spiel. Ohne Fixierung der Kreditzinsen drohen…