Großbritannien

Brexit: Vorteile eines Handelsabkommens müssen deutlich werden

In den Freihandelsgesprächen zwischen Großbritannien und der EU herrscht schon seit Monaten Stillstand, seit letzter Woche haben sie aber einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das Brexit-Drama ist zurück. Erneut scheint wieder alles auf einen No-deal Brexit hinauszulaufen, der die britischen Handelsbeziehungen mit der EU ungeregelt auf WTO-Niveau zurückwerfen würde. Die wirtschaftlichen Verluste, die dann für Großbritannien zu erwarten wären, scheinen in der politischen Kalkulation von Boris Johnson keine große Rolle zu spielen. Oder sind sie nur nicht hoch genug im Vergleich zu den Wohlstandseinbußen, die auch beim erfolgreichen Abschluss eines Freihandelsabkommens zu befürchten wären? Tatsache ist: Durch den Binnenmarktaustritt Großbritanniens werden im Handel mit der EU wieder zahlreiche Barrieren entstehen, die lange beseitigt waren. Einige dieser Handelshürden könnten mit einem Freihandelsabkommen vermieden werden, vor allem die Wiedereinführung von Importzöllen. Viele nicht-tarifäre Handelshemmnisse dürften dagegen auch unter einem Freihandelsabkommen auftreten, Grenzkontrollen beispielsweise zur Überprüfung von Qualitätsstandards oder Marktzugangsbeschränkungen für Dienstleistungsbetriebe, wie für…

Britische Wirtschaft stürzt in historische Rezession

Desaströs – anders kann man die Bilanz der britischen Wirtschaft für das zweite Quartal wohl kaum bezeichnen. Rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung ging im zurückliegenden Vierteljahr, das über weite Strecken von einem strengen Corona-Lockdown geprägt war, gegenüber dem Vorquartal verloren – das ist mehr als in allen anderen wichtigen Industrieländern. Nur wenn man das erste Quartal, in dem der Absturz fast allerorts bereits begann, mit in die Betrachtung einbezieht, schneidet das Vereinigte Königreich nicht mehr schlechter ab als das von der Pandemie ebenfalls besonders hart getroffene EWU-Schlusslicht Spanien – das ist allerdings nur ein schwacher Trost. Wie konnte es soweit kommen? Erst spät hat die britische Regierung die Gefahr der Epidemie ausreichend ernst genommen und sich zu Schul- und Geschäftsschließungen und Ausgangsbeschränkungen durchgerungen. Damit hielten sich die wirtschaftlichen Verluste im ersten Quartal zwar noch in Grenzen, das Infektionsgeschehen verlief aber umso gravierender. Wahrscheinlich auch unter dem Eindruck seiner eigenen Covid-Erkrankung…

Brexit wirkt sich schon vor dem Austrittstermin auf die Lieferketten deutscher Branchen aus

Am 31. Januar 2020 wird Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Wie die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich danach aussehen werden, ist bislang noch völlig unklar. Diese Unsicherheit beschäftigt britische und europäische Unternehmen nun bereits seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016. Deutsche Unternehmen mit Handelsbeziehungen nach Großbritannien haben einen Teil der Auswirkungen des Brexit aber bereits vorweggenommen. Die Exporte Deutschlands ins Vereinigte Königreich brachen gegenüber 2015 insgesamt um über 11% ein. Auch die Einfuhr britischer Güter, die für deutsche Unternehmen aufgrund der Wechselkursentwicklung deutlich günstiger wurden, sank über die vergangenen vier Jahre leicht. Bei den wichtigsten Zielen für deutsche Warenexporte fiel Großbritannien vom dritten auf den fünften Platz. Bei den wichtigsten Herkunftsländern fiel das Land sogar aus den Top 10. Nur noch 3,4% ihrer Importe bezieht die deutsche Wirtschaft von Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich. Viele Unternehmen haben ihre Wertschöpfungsketten bereits an die zu erwartende Veränderung durch den Brexit angepasst….

Großbritannien wählt – Belastungen bleiben

Großbritannien steht heute vor einer Richtungswahl. Sowohl in der Brexit-Frage als auch in der Wirtschaftspolitik klaffen die Vorstellungen der wichtigsten Parteien weit auseinander. Die Konservativen unter Premierminister Boris Johnson wollen Großbritannien Anfang nächsten Jahres zu relativ einschneidenden Konditionen aus der EU führen. Jeremy Corbyns Labour-Partei wirbt stattdessen mit einem zweiten Referendum über einen weicheren Brexit. Gleichzeitig stellt die Partei aber auch radikale wirtschaftliche Umbrüche in Aussicht, einschließlich der Verstaatlichung ganzer Industriezweige. Kleinere Parteien, wie die Liberaldemokraten (LibDems) oder die schottischen Nationalisten (SNP) lehnen den Brexit ganz ab. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen zwar vorn, die absolute Mehrheit wird jedoch zur Zitterpartie. Wird sie erreicht, kann Boris Johnson „durchregieren“, und dem EU-Austritt Großbritanniens Ende Januar 2020 dürfte kaum noch etwas im Wege stehen. Dann allerdings wartet bereits die nächste Hürde im Brexit-Prozess – der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU nach einer denkbar kurzen Verhandlungsfrist von lediglich elf Monaten. Ohne Freihandelsabkommen…

Großbritannien und der Brexit

Das Hin und Her im Brexit-Prozess hat in den vergangenen Monaten für große Unsicherheit in Großbritannien gesorgt. Dafür hat die britische Wirtschaft im zurückliegenden Quartal immer noch ein ordentliches Wachstum erzielt. Mit einem Plus von 0,3% gegenüber dem Vorquartal hat das Land nicht nur eine Rezession souverän vermieden. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal hat auch das Quartalsergebnis der EWU leicht und das aus Deutschland voraussichtlich sogar recht deutlich übertroffen. Und das, obwohl das Vorjahreswachstum mit 1,0% zuletzt so niedrig ausgefallen ist, wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr: Im Kreis der G7-Staaten ist Großbritannien trotz des drohenden Brexit damit längst nicht das Schlusslicht. Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch die Bremsspuren, die die Brexit-Unsicherheit inzwischen hinterlassen hat. Im August und September ist die Wirtschaft geschrumpft, und zwar über nahezu alle Sektoren hinweg. Das relativ gute Ergebnis vom Sommerquartal geht also hauptsächlich auf ein kräftiges Wachstum im Juli zurück, das wiederum…

Brexit – ein Lehrstück für die Spieltheorie

Der Verlauf des Brexits und die Frage, ob er nun mit oder ohne Vertrag erfolgt, haben sich seit Längerem von rationalen Überlegungen verabschiedet. Eigentlich geht es nur noch um Überzeugungen und den Willen, die eigene Überzeugung durchzusetzen. Der jüngste Schachzug von Premier Boris Johnson ist hier keine Ausnahme. Mit der auferlegten Zwangspause des Parlaments geht Johnson sicherlich an seine verfassungsmäßigen Grenzen, vielleicht sogar etwas darüber hinaus. Verhandlungstaktisch ist es jedoch ein guter Schachzug. Denn seine Drohung gegenüber der EU, tatsächlich einen No-Deal-Brexit umzusetzen, hat damit deutlich an Glaubwürdigkeit gewonnen. Somit sind der Handlungsspielraum und die Möglichkeiten des britischen Parlaments, die Pläne von Premier Johnson zu durchkreuzen, kleiner geworden. Für Johnson ist in den letzten Tagen der Druck, eine Einigung mit der EU zu finden, eigentlich größer geworden. So gaben regierungseigene Analysen klare Warnungen vor bevorstehenden Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln und medizinischen Produkten im Falle eines ungeregelten Brexits. Dies dürfte aber nur…

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