Großbritannien

Die Brexit-Verhandlungen stehen vor einem „heißen Herbst“

Auf den heutigen Tag in genau sieben Monaten wird Großbritannien die Europäische Union (EU) verlassen. Ob es Brüssel und London bis dahin rechtzeitig gelingt, sich auf einen Austrittsvertrag zu einigen, ist aber weiterhin unsicher. Dabei herrscht über wesentliche Aspekte des Brexits bereits Einigkeit – die Abschlusszahlung der Briten, die Bürgerrechte, die Übergangsphase. Wie aber eine „harte“ Grenze auf der irischen Insel verhindert werden kann, ist zwischen den Verhandlungspartnern höchst strittig. Das Problem kann kaum unabhängig von der Frage über die künftigen Handelsbeziehungen gelöst werden, und da gehen die Vorstellungen auf beiden Seiten weit auseinander. Gibt es keine Lösung für die innerirische Grenze, gibt es keinen Austrittsvertrag und damit auch keine Übergangsphase. Das Risiko für den sogenannten „No deal“-Brexit, einen ungeordneten und chaotischen Ausstieg der Briten im kommenden Frühjahr, ist hoch und es steigt von Tag zu Tag. Inzwischen liegt es aus unserer Sicht nur noch knapp unter 50 Prozent. Wir…

Britische Wirtschaft trotzt dem Brexit – noch…

Nein, schwungvoll entwickelt sich die britische Wirtschaft momentan sicherlich nicht. Hält man sich aber vor Augen, dass Großbritannien in nur noch sieben Monaten aus der EU austreten wird und immer noch keine Verhandlungslösung mit Brüssel absehbar ist, ist das moderate Wirtschaftswachstum des Landes durchaus beachtlich. Im zweiten Quartal hat das Wachstum gegenüber dem Vorquartal sogar noch etwas an Tempo zulegen können. Um 0,4 Prozent ist die Wirtschaft während der Frühjahrsmonate gewachsen – zum Jahresauftakt wurden nur 0,2 Prozent erreicht. Damit hat Großbritannien zuletzt sogar wieder die EWU in puncto Wachstum leicht überholt. Der Blick auf die Nachfragedetails vom vergangenen Quartal ist allerdings weniger vielversprechend. Der private Konsum, der die Konjunktur im vergangenen Jahr maßgeblich gebremst hat, blieb auch zuletzt verhalten, obwohl die Einzelhandelsumsätze dank der wieder etwas moderateren Inflation in den letzten Monaten deutlich zugelegt hatten. Die Investitionstätigkeit ist zwar ins Plus zurückgekehrt, wobei vor allem die Bauproduktion kräftig expandierte….

Das Brexit „White Paper“: Eine Sackgasse

Das lang erwartete Brexit „White Paper“ wurde am gestrigen Nachmittag veröffentlicht und in der anschließenden Parlamentsdebatte prompt in der Luft zerrissen. Der Regierung ist es weder gelungen, die Brexit-Hardliner zufriedenzustellen, noch die Befürworter eines „soft Brexits“ für ihren Vorschlag zu gewinnen. Aus Sicht der Hardliner ist der Deal zu „soft“, aus Sicht der Remainer ist er zu „hart“. Nachdem es am Anfang der Woche noch Hoffnung gab, dass der Rücktritt der Brexit-Hardliner Davis und Johnson sowie der neue Vorstoß der Regierung endlich die langersehnte Einigung innerhalb der britischen Regierung herbeiführen könnte, ist von Einigkeit heute nichts mehr zu spüren. Die EU hat sich bislang nicht zu dem Vorschlag der Regierung geäußert, wir vermuten jedoch, dass auch sie viele (kritische) Fragen haben wird. Zwar ist der grundsätzliche Ansatz der Regierung, zumindest so wie er vergangenen Freitag in Chequers angedeutet wurde, aus unserer Sicht nicht verkehrt. So wie er nun umgesetzt wurde,…

Brexit-Belastungen für die britische Wirtschaft immer deutlicher

Schlechte Nachrichten aus der britischen Industrie: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im April gegenüber dem Vormonat so stark gesunken, wie seit fünf Jahren nicht mehr – minus 1,4 Prozent stehen zu Buche. Es ist bereits der dritte Rückgang in Folge. In der Gesamtindustrie war das Minus nicht ganz so verheerend, weil die Ölförderung deutlich zulegen konnte. Ebenfalls schwach sind die Exportzahlen ausgefallen. Die Warenausfuhren sanken um fast 6 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegen nun mehr als 7 Prozent unter dem Niveau vom April letzten Jahres. Damit reihen sich auch die britischen Angaben in die Serie schwacher Industrie- und Außenhandelsdaten ein, die momentan aus vielen Ländern der EU für den Start des zweiten Quartals gemeldet werden. Die Exportkonjunktur in ganz Europa stockt. Für die Briten ist dieser Rückschlag jedoch besonders herb. Dank der lebhaften Nachfrage aus dem Ausland, die zudem durch das schwache Pfund befeuert wurde, waren die Belastungen…

Brexit: Am Modell „Zollunion“ scheiden sich die Geister

Nach wie vor ist völlig unklar, wie die künftigen Handelsbeziehungen Großbritanniens mit der EU nach dem Brexit aussehen werden und wie lang der Weg noch sein wird, bis ein endgültiger Rahmen steht. Die von uns favorisierte „Vernunftlösung“ eines Verbleibs in der Zollunion war in den zurückliegenden Wochen zunehmend unwahrscheinlicher geworden: Nicht nur, weil Premierministerin May kompromisslos an ihrem Credo festhält, dass Großbritannien mit dem Brexit auch Binnenmarkt und Zollunion den Rücken kehren wird. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte Anfang März resigniert festgestellt, dass die Brexit-Verhandlungen dann wohl „nur“ noch auf ein Freihandelsabkommen hinauslaufen werden. Allerdings ist der britischen Regierungschefin ihr striktes „Nein“ zur Zollunion nun gehörig auf die Füße gefallen: Das Oberhaus fordert von der Regierung, die Option einer Zollunion explizit in die Brexit-Verhandlungen mit aufzunehmen. Zahlreiche Unterhausabgeordnete stehen diesem Vorschlag sehr wohlwollend gegenüber und könnten May eine neue Abstimmungsschlappe verpassen. Die oppositionelle Labour-Partei hat sich schon vor Monaten für…

Wenig überraschend bremst die britische Wirtschaft zum Jahresauftakt scharf ab

Die britische Wirtschaft hat zu Beginn dieses Jahres kaum mehr als stagniert. Das Wirtschaftswachstum, das im vergangenen Jahr bereits deutliche Schwächen zeigte, lag im ersten Quartal nach einer ersten offiziellen Schätzung nur noch bei 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal – das ist der niedrigste Zuwachs seit fünf Jahren. Das jährliche Wachstum bremste auf 1,2 Prozent ab. Ende letzten Jahres hatte es noch 1,4 Prozent, zu Jahresbeginn sogar 2,1 Prozent betragen. Damit festigt Großbritannien seine Position als „Wachstumsschlusslicht“ innerhalb der G7-Staaten. Der stärkste Bremseffekt ging im zurückliegenden Quartal von der Bauproduktion aus. Sie schrumpfte um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit so stark wie seit Anfang 2012 nicht mehr. Seit einem Jahr schon tendiert die Bauwirtschaft nach dem Boom der vorangegangenen Jahre zur Schwäche. Aber auch der wichtige Servicesektor erreichte mit +0,3 Prozent erneut nur ein unterdurchschnittliches Wachstum. Konsumnahe Dienstleistungen, wie der Einzelhandel, stagnierten, die Gastronomie verzeichnete zum wiederholten Male…

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