Großbritannien

Vorgeschmack auf die Konjunkturbremse Brexit

Auf den ersten Blick hat sich die britische Wirtschaft 2018 gar nicht mal so schlecht geschlagen: Mit 1,3% ist die Wirtschaftsleistung in Großbritannien im vierten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr kräftiger gestiegen als in der EWU und ihren größten Mitgliedsstaaten. Auch das Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr 2018 kann sich mit 1,4% vor dem Hintergrund der anhaltenden Brexit-Unsicherheit durchaus sehen lassen. In den letzten Wochen des Jahres allerdings scheinen die britischen Unternehmen angesichts der immer verworreneren politischen Entwicklung im britischen Unterhaus endgültig die Notbremse gezogen zu haben. Das zeigen die – neuerdings auch monatlich veröffentlichten – Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Dezember mit einem kräftigen Minus von 0,4% gegenüber dem Vormonat. Die Wachstumsschwäche im Schlussmonat 2018 zieht sich durch alle Bereiche der Wirtschaft – zum ersten Mal seit 2012. Die britische Industrie verbuchte den vierten monatlichen Rückgang in Folge, der Ausstoß des verarbeitenden Gewerbes schrumpft bereits seit einem halben Jahr und…

Brexit: Eine Verschiebung des Austritts wird wahrscheinlicher

Es war eine katastrophale Nacht für die britische Premierministerin. Während absehbar war, dass ihr „Deal“ vom Parlament entschieden abgelehnt werden würde, war die Niederlange mit 202:432 Stimmen ein Schlag, den selbst die düstersten Pessimisten nicht erwartet hatten. Theresa May forderte daraufhin Oppositionsführer Jeremy Corbyn auf, ein Misstrauensvotum einzubringen. Die Abstimmung findet heute Abend um 20 Uhr statt. Wie völlig verfahren die Situation im britischen Parlament aktuell ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass May trotz der krachenden Niederlage gestern das Votum heute Abend aller Voraussicht nach unbeschadet überstehen wird. Selbst die nordirische DUP hat May ihre Unterstützung zugesagt, und die Tory-Abgeordneten haben ohnehin keine andere Wahl, als für ihre Parteichefin zu stimmen, da sie keinerlei Interesse an Neuwahlen haben. Sobald die heutige Abstimmung aus dem Weg ist, muss die Regierung wieder an die Arbeit gehen und damit geht auch das Zittern um einen glimpflichen Ausgang des Brexit-Dramas in die nächste…

Das Brexit-Chaos geht in die nächste Runde

Es war eine katastrophale Nacht für die Premierministerin. Während klar war, dass ihr Deal vom Parlament entschieden abgelehnt werden würde, war die Niederlage mit 202:432 ein Schlag, den selbst die düstersten Pessimisten nicht erwartet hatten. In einem weiteren bewundernswerten Beweis ihrer Widerstandsfähigkeit trat May jedoch äußerlich gefasst ans Podium und forderte den Oppositionsführer auf, ein Misstrauensvotum einzubringen. Nur so könne sichergestellt werden, dass „diese Regierung immer noch das Vertrauen des Parlaments besitzt“. Die Abstimmung findet heute Abend um 20.00 Uhr nach einer umfassenden Debatte am Nachmittag statt. Doch es bestehen kaum Zweifel daran, dass die Premierministerin gewinnen wird: Die Tories haben keine andere Wahl, als ihre Parteichefin zu unterstützen, und selbst die nordirische DUP hat ihre Unterstützung zugesagt. Sobald die heutige Abstimmung aus dem Weg ist, muss die Regierung wieder an die Arbeit gehen. In ihrer kurzen Rede nach der Abstimmung kündigte May Pläne für parteiübergreifende Gespräche an. Ziel ist…

Großbritannien: Kräftiges Wachstum im Sommer nur ein Strohfeuer

Die britische Wirtschaft hat erneut mit einem soliden Wachstum überrascht. Im zurückliegenden dritten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen – der höchste vierteljährliche Zuwachs seit fast zwei Jahren. Im Jahresverlauf hat sich das Wirtschaftswachstum damit sichtbar beschleunigt. Übergroßer Optimismus, dass die Wachstumsrisiken durch die Brexit-Unsicherheit vernachlässigt werden können, ist jetzt allerdings fehl am Platz. Der Wachstumsschub ist primär auf zwei Sondereffekte zurückzuführen: Die günstige Witterung während der Sommermonate, die die Bautätigkeit beflügelt hat, und kräftige Exporte, die von Vorzieheffekten profitiert haben. Mit Blick auf das hohe Risiko eines „No deal“-Brexits, der den britischen Außenhandel im kommenden Frühjahr drastisch ausbremsen würde, beginnen sich die Handelspartner der Briten augenscheinlich, mit unverzichtbaren Produkten aus Großbritannien einzudecken. Damit dürfte das BIP-Wachstum in diesem Jahr wohl etwas höher ausfallen als bislang geschätzt. An unserem vorsichtigen Konjunkturausblick halten wir dennoch unverändert fest. Im laufenden vierten Quartal rechnen wir nur noch…

Die Brexit-Verhandlungen stehen vor einem „heißen Herbst“

Auf den heutigen Tag in genau sieben Monaten wird Großbritannien die Europäische Union (EU) verlassen. Ob es Brüssel und London bis dahin rechtzeitig gelingt, sich auf einen Austrittsvertrag zu einigen, ist aber weiterhin unsicher. Dabei herrscht über wesentliche Aspekte des Brexits bereits Einigkeit – die Abschlusszahlung der Briten, die Bürgerrechte, die Übergangsphase. Wie aber eine „harte“ Grenze auf der irischen Insel verhindert werden kann, ist zwischen den Verhandlungspartnern höchst strittig. Das Problem kann kaum unabhängig von der Frage über die künftigen Handelsbeziehungen gelöst werden, und da gehen die Vorstellungen auf beiden Seiten weit auseinander. Gibt es keine Lösung für die innerirische Grenze, gibt es keinen Austrittsvertrag und damit auch keine Übergangsphase. Das Risiko für den sogenannten „No deal“-Brexit, einen ungeordneten und chaotischen Ausstieg der Briten im kommenden Frühjahr, ist hoch und es steigt von Tag zu Tag. Inzwischen liegt es aus unserer Sicht nur noch knapp unter 50 Prozent. Wir…

Britische Wirtschaft trotzt dem Brexit – noch…

Nein, schwungvoll entwickelt sich die britische Wirtschaft momentan sicherlich nicht. Hält man sich aber vor Augen, dass Großbritannien in nur noch sieben Monaten aus der EU austreten wird und immer noch keine Verhandlungslösung mit Brüssel absehbar ist, ist das moderate Wirtschaftswachstum des Landes durchaus beachtlich. Im zweiten Quartal hat das Wachstum gegenüber dem Vorquartal sogar noch etwas an Tempo zulegen können. Um 0,4 Prozent ist die Wirtschaft während der Frühjahrsmonate gewachsen – zum Jahresauftakt wurden nur 0,2 Prozent erreicht. Damit hat Großbritannien zuletzt sogar wieder die EWU in puncto Wachstum leicht überholt. Der Blick auf die Nachfragedetails vom vergangenen Quartal ist allerdings weniger vielversprechend. Der private Konsum, der die Konjunktur im vergangenen Jahr maßgeblich gebremst hat, blieb auch zuletzt verhalten, obwohl die Einzelhandelsumsätze dank der wieder etwas moderateren Inflation in den letzten Monaten deutlich zugelegt hatten. Die Investitionstätigkeit ist zwar ins Plus zurückgekehrt, wobei vor allem die Bauproduktion kräftig expandierte….

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