Großbritannien

Brexit wirkt sich schon vor dem Austrittstermin auf die Lieferketten deutscher Branchen aus

Am 31. Januar 2020 wird Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Wie die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich danach aussehen werden, ist bislang noch völlig unklar. Diese Unsicherheit beschäftigt britische und europäische Unternehmen nun bereits seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016. Deutsche Unternehmen mit Handelsbeziehungen nach Großbritannien haben einen Teil der Auswirkungen des Brexit aber bereits vorweggenommen. Die Exporte Deutschlands ins Vereinigte Königreich brachen gegenüber 2015 insgesamt um über 11% ein. Auch die Einfuhr britischer Güter, die für deutsche Unternehmen aufgrund der Wechselkursentwicklung deutlich günstiger wurden, sank über die vergangenen vier Jahre leicht. Bei den wichtigsten Zielen für deutsche Warenexporte fiel Großbritannien vom dritten auf den fünften Platz. Bei den wichtigsten Herkunftsländern fiel das Land sogar aus den Top 10. Nur noch 3,4% ihrer Importe bezieht die deutsche Wirtschaft von Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich. Viele Unternehmen haben ihre Wertschöpfungsketten bereits an die zu erwartende Veränderung durch den Brexit angepasst….

Großbritannien wählt – Belastungen bleiben

Großbritannien steht heute vor einer Richtungswahl. Sowohl in der Brexit-Frage als auch in der Wirtschaftspolitik klaffen die Vorstellungen der wichtigsten Parteien weit auseinander. Die Konservativen unter Premierminister Boris Johnson wollen Großbritannien Anfang nächsten Jahres zu relativ einschneidenden Konditionen aus der EU führen. Jeremy Corbyns Labour-Partei wirbt stattdessen mit einem zweiten Referendum über einen weicheren Brexit. Gleichzeitig stellt die Partei aber auch radikale wirtschaftliche Umbrüche in Aussicht, einschließlich der Verstaatlichung ganzer Industriezweige. Kleinere Parteien, wie die Liberaldemokraten (LibDems) oder die schottischen Nationalisten (SNP) lehnen den Brexit ganz ab. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen zwar vorn, die absolute Mehrheit wird jedoch zur Zitterpartie. Wird sie erreicht, kann Boris Johnson „durchregieren“, und dem EU-Austritt Großbritanniens Ende Januar 2020 dürfte kaum noch etwas im Wege stehen. Dann allerdings wartet bereits die nächste Hürde im Brexit-Prozess – der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU nach einer denkbar kurzen Verhandlungsfrist von lediglich elf Monaten. Ohne Freihandelsabkommen…

Großbritannien und der Brexit

Das Hin und Her im Brexit-Prozess hat in den vergangenen Monaten für große Unsicherheit in Großbritannien gesorgt. Dafür hat die britische Wirtschaft im zurückliegenden Quartal immer noch ein ordentliches Wachstum erzielt. Mit einem Plus von 0,3% gegenüber dem Vorquartal hat das Land nicht nur eine Rezession souverän vermieden. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal hat auch das Quartalsergebnis der EWU leicht und das aus Deutschland voraussichtlich sogar recht deutlich übertroffen. Und das, obwohl das Vorjahreswachstum mit 1,0% zuletzt so niedrig ausgefallen ist, wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr: Im Kreis der G7-Staaten ist Großbritannien trotz des drohenden Brexit damit längst nicht das Schlusslicht. Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch die Bremsspuren, die die Brexit-Unsicherheit inzwischen hinterlassen hat. Im August und September ist die Wirtschaft geschrumpft, und zwar über nahezu alle Sektoren hinweg. Das relativ gute Ergebnis vom Sommerquartal geht also hauptsächlich auf ein kräftiges Wachstum im Juli zurück, das wiederum…

Brexit – ein Lehrstück für die Spieltheorie

Der Verlauf des Brexits und die Frage, ob er nun mit oder ohne Vertrag erfolgt, haben sich seit Längerem von rationalen Überlegungen verabschiedet. Eigentlich geht es nur noch um Überzeugungen und den Willen, die eigene Überzeugung durchzusetzen. Der jüngste Schachzug von Premier Boris Johnson ist hier keine Ausnahme. Mit der auferlegten Zwangspause des Parlaments geht Johnson sicherlich an seine verfassungsmäßigen Grenzen, vielleicht sogar etwas darüber hinaus. Verhandlungstaktisch ist es jedoch ein guter Schachzug. Denn seine Drohung gegenüber der EU, tatsächlich einen No-Deal-Brexit umzusetzen, hat damit deutlich an Glaubwürdigkeit gewonnen. Somit sind der Handlungsspielraum und die Möglichkeiten des britischen Parlaments, die Pläne von Premier Johnson zu durchkreuzen, kleiner geworden. Für Johnson ist in den letzten Tagen der Druck, eine Einigung mit der EU zu finden, eigentlich größer geworden. So gaben regierungseigene Analysen klare Warnungen vor bevorstehenden Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln und medizinischen Produkten im Falle eines ungeregelten Brexits. Dies dürfte aber nur…

Brexit-Effekte führen zum erste Wachstums-Minus in Großbritannien seit sechs Jahren

Der Brexit ist immer noch nicht vollzogen, hinterlässt aber bereits deutliche Spuren in der britischen Wirtschaft. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die Wirtschaftsleistung in Großbritannien um 0,2% gegenüber dem ersten Vierteljahr geschrumpft – das erste Minus seit Ende 2012. Wesentliche Bremseffekte kamen dabei vom Verarbeitenden Gewerbe, dessen Produktion um fast 2,5% sank und damit so stark einbrach wie seit der Finanzkrise 2008/09 nicht mehr. Der für die britische Wirtschaft wichtige Service-Sektor trat während der drei Frühjahrsmonate nur auf der Stelle, die Finanzindustrie setzte ihren Schrumpfkurs fort. Noch sind es nicht die Handelshemmnisse selbst, die das britische Wachstum belasten. Sie wären im Falle eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens zu erwarten – der seit Amtsantritt von Boris Johnson wieder wahrscheinlicher geworden ist – und würden die britische Wirtschaft aus unserer Sicht in eine tiefe Rezession stürzen. Aktuell sind es „nur“ Verzerrungen: Rückschläge nach den deutlichen Vorzieheffekten im ersten Quartal, als die Briten…

Premierminister(in) verzweifelt gesucht

Kaum hat Theresa May ihren (von vielen lang ersehnten) offiziellen Rücktritt angekündigt, geht der Kampf um ihre Nachfolge los. Am Wochenende werden die Kandidaten unweigerlich beginnen, sich in Position zu bringen. Allen voran sicherlich der streitbare Boris Johnson, der als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt. Doch die Liste der möglichen Nachfolger Mays ist lang und der Ausgang des Wahlprozesses ungewiss. Schätzungen zufolge gab es zeitweise mehr als 30 potenzielle Kandidaten für den Posten des konservativen Parteichefs. Am einen Ende des Spektrums sind Hardliner wie Boris Johnson und Steve Baker anzutreffen, ebenso wie die moderateren, jedoch ebenfalls Brexit-orientierten Ester McVey, Dominic Raab und Michael Gove. Am anderen Ende des Spektrums steht Amber Rudd als einzige Vertreterin des Remain-Lagers allein auf weiter Flur. Die Wahrscheinlichkeit ist also extrem hoch, dass Mays Nachfolger(in) entweder einen ähnlichen Kurs wie die geschiedene Premierministerin verfolgt oder sich etwas deutlicher in Richtung des Hard-Brexit-Lagers orientiert. Letzteres wäre…

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