Kapitalmärkte

Niedrige Zinsen für einen sehr langen Zeitraum – geht das?

Im Zuge einer zurückhaltenden Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken einerseits und einer ständig zunehmenden Zentralbankliquidität andererseits hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Januar 2012 das Mindestreserve-Soll von 2% auf 1% des Volumens der hierfür zur Berechnung herangezogenen Einlagen einer Bank gesenkt. Gegenwärtig beträgt die Verzinsung auf das Mindestreservesoll 0% und entspricht damit dem Hauptrefinanzierungssatz, zu dem die EZB den Geschäftsbanken Zentralbankgeld zur Verfügung stellt. Insgesamt beträgt das Mindestreservesoll aller Banken zusammen gegenwärtig rund 123 Mrd. Euro. Dagegen liegt der Zinssatz, zu dem die Geschäftsbanken ihre überschüssigen Reserven bei der EZB anlegen können, seit März 2016 bei minus 0,4%. Die EZB hatte den Mindestreservesatz 2012 auf 1% gesenkt, weil das Instrument mit der Vollzuteilung bei den Tendergeschäften zur Feinsteuerung des Geldmarktes an Bedeutung verloren hatte und die Geldpolitik insgesamt expansiver gestaltet werden sollte. Angesichts eines massiven Überschusses an Zentralbankliquidität ging allerdings mit der Reduktion des Mindestreservesatzes auch die Verzinsung der gesamten Einlagen der…