Konjunktur

Japan: Konsumsteueranhebung verschoben

So wie es aussieht wird Japans Premierminister Shinzo Abe die für den 1. April 2017 geplante Anhebung der Konsumsteuer von 8 auf 10 Prozent verschieben. Die Rede ist davon, dass sie nun erst im Oktober 2019 kommen soll. Es ist bereits die zweite Verschiebung dieses kontroversen Steuerprojektes, das im Wesentlichen dazu dienen soll, angesichts steigender Soziallasten die Budgetreserven der japanischen Sozialversicherung aufzufüllen. Als Begründung ist diesmal, wie schon bei der ersten Verschiebung vor 18 Monaten, die schwache Konjunktur genannt worden. Man erinnere sich: Die erste Stufe der Steueranhebung (von 5 auf 8 Prozent vom 1. April 2014) hatte ein rezessives Sommerhalbjahr 2014 zur Folge, und das Gesamtjahr 2014 schloss mit einem jahresdurchschnittlichen Wachstumsrückgang von -0,1 Prozent. Der Konsum hatte deutlich stärker reagiert als zuvor für möglich gehalten worden war, und war geradezu eingebrochen. Mit ihm wurde auch die Investitionstätigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Auch diesmal scheint – ungeachtet der überraschenden Wachstumsrate…

EWU: BIP-Wachstum in Q1 verdoppelt – Inflationsrate aber wieder in negativem Terrain

Das Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion hat sich im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Schlussquartal 2015 beschleunigt. Nach einem Plus von 0,3 Prozent verdoppelte sich gemäß heutiger Schnellschätzung die Zuwachsrate auf +0,6 Prozent im ersten Quartal 2016. Mit Beginn dieses Jahres ist die europäische Statistikbehörde Eurostat dazu übergegangen, eine erste Schätzung zur Wirtschaftsleistung rund 30 Tage nach Ablauf des jeweiligen Berichtsquartals zu veröffentlichen. Bislang hat Eurostat eine erste Schätzung erst nach rund 45 Tagen veröffentlicht. Damit stehen ab jetzt zeitgleich Wachstumszahlen für die großen Wirtschaftsräume zur Verfügung, denn für die USA wurden schon gestern erste Quartalszahlen vermeldet. Das stärkere Wachstum in der Währungsunion kommt nicht ganz überraschend. Auch wenn Eurostat noch keine detaillierte Aufgliederung des Wachstums mitgeliefert hat, lassen sich aus den vorliegenden Konjunkturindikatoren und den Informationen aus einigen Mitgliedsländern einige Rückschlüsse ziehen. Denn die vorliegenden Zahlen zur EWU-Industrieproduktion und zur Entwicklung im Bausektor haben schon eine höhere Gangart angedeutet. Auf…

Einkaufsmanagerbefragung im April: EWU-Konjunktur weiter mit moderater Erholung

Im April hat sich die Einschätzung der europäischen Einkaufsmanager aus der Industrie und dem Dienstleistungsbereich in Bezug auf ihre Geschäftsentwicklung kaum verändert. Nach Angaben von Markit ging der zusammengefasste Composite-Index um 0,1 auf 53,0 Indexpunkte zurück. Dahinter standen eine marginale Verbesserung im Service-Sektor und ein kleiner Rückgang bei der Industrie. Alle Indizes liegen weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten. Zum Beginn des zweiten Quartals bleibt das Bild der EWU-Wirtschaft damit nahezu unverändert. Der moderate Aufschwung dürfte sich weiter fortsetzen. Von einer steigenden Konjunkturdynamik kann aber auf Basis der Befragungsergebnisse noch immer keine Rede sein, trotz noch immer niedriger Energiepreise und der extrem expansiven Geldpolitik. In Deutschland zeigten sich die Einkaufsmanager im Industriebereich deutlich optimistischer. Der Teilindex nahm hier von 50,7 auf 51,9 deutlich zu und vergrößerte damit den Abstand zu der neutralen Marke von 50 Indexpunkten wieder. Die deutsche Industrie legt ihre Schwäche aus den Vormonaten weiter ab, denn…

Zeitenwende bei den deutschen Exporten

Zum Jahresbeginn 2016 ist das Klima im deutschen verarbeitenden Gewerbe so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Vor allem die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich in den letzten Wochen massiv verschlechtert. Hauptgrund für den dramatischen Einbruch ist die anhaltende Schwäche des Welthandels. Das spürt die deutsche Industrie unmittelbar in ihren Orderbüchern. Immerhin kommen schon seit vielen Jahren mehr als die Hälfte aller Aufträge aus dem Ausland. Daneben dürften aber auch die Turbulenten der letzten Wochen an den Finanz- und Rohstoffmärkten erheblich zur Verunsicherung beigetragen haben. Der Welthandel erlebte 2015 mit einem preisbereinigten Wachstum von rund zwei Prozent das schwächste Jahr seit der Krise 2009. Maßgeblich verursacht wurde diese Schwäche durch die einbrechende Importnachfrage aus Asien. So haben die Einfuhren der Industrieländer 2015 real um 3,6 Prozent zugelegt, während die Schwellenländer ihre Importe um 0,9 Prozent zurückgefahren haben. Dass die Importe der Industrieländer schneller steigen als die der…

Polen: Vom Musterschüler zum „Enfant terrible“ der EU

Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste treibt die neue polnische Regierung den Umbau des polnischen Rechtsstaates voran und griff bereits massiv in die Bereiche der Justiz und der Medien ein. Innerhalb der EU regt sich deutlicher Widerstand über diese Entwicklung. Am 13. Januar kommt die EU-Kommission zusammen, um über die Lage in Polen zu beraten. Die EU verfügt theoretisch über eine Reihe von Sanktionsmechanismen, mittels derer sie den Druck auf Polen eigentlich erhöhen könnte. Das Problem ist jedoch, dass diese Instrumente immer mehr zu stumpfen Waffen verkommen. Dies liegt zum einen daran, dass die EU die Eskalation eines Konflikts mit einem Mitgliedsland scheut. Und zum anderen – und dies ist das größere Problem – führt die herrschende Uneinigkeit unter den EU-Mitgliedsstaaten dazu, dass die diversen Sanktionsmechanismen an Schlagkraft verloren haben, bzw. diese nie hatten. Letztendlich muss Polen aus heutiger Sicht keine drastischen Konsequenzen seitens der EU wie beispielsweise den Entzug von…

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