Leitzinsen

EZB – Rasche Leitzinswende besser als langes Zögern

Mit der Negativzins-Politik verbundene Hoffnungen haben sich nur teilweise erfüllt. Die unerwünschten Nebenwirkungen dieser Politik gewinnen an Bedeutung. Argument der Deflationsbekämpfung verliert an Relevanz. Der Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik ist überfällig, aber nicht einfach. Schnelle Zinserhöhungen bei gleichzeitiger Reduktion der Anleihekäufe („Tapering“) könnten zu Marktverwerfungen führen. Erst Tapering und dann Zinserhöhungen? Diese Reihenfolge ist nicht zwingend. Mit einer raschen Normalisierung der Leitzinsen und einer nur langsamen Rückführung der Anleihekaufprogramme könnte der Spagat aber gelingen. Im Juli 2012 senkte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz auf null, knapp zwei Jahre später erreichte er mit minus 0,1% das erste Mal negatives Terrain. Seitdem müssen die Geschäftsbanken in der Eurozone einen „Strafzins“ dafür zahlen, dass sie überschüssige Liquidität bei ihrer Zentralbank parken. Schon drei Monate später, im September 2014, senkten die Währungshüter den Einlagensatz ein weiteres Mal auf minus 0,2%, im Dezember 2015 auf minus 0,3% und dann schließlich im März 2016…