Lira

Russischer Rubel: Der Wind hat sich gedreht

Nachdem sich der russische Rubel in den vergangenen Monaten auf breiter Front unauffällig seitwärts bewegt hat, geriet er Anfang August unter spürbaren Abgabedruck. Diese Verunsicherung der russischen Landeswährung ist maßgeblich auf das zeitliche Zusammentreffen zweier Ereignisse zurückzuführen: Der verschärften US-Sanktionspolitik sowie der massiven Abwertung der türkischen Lira. Unserer Ansicht nach wäre der Rubel gut beraten, sich in den kommenden Monaten auf anhaltenden Gegenwind einzustellen. Anlass zu dieser Einschätzung geben uns in erster Linie die Anfang November in den USA anstehenden Kongresswahlen. Wir gehen davon aus, dass die USA in deren Vorfeld weiter eine harte Sanktionslinie gegenüber Russland fahren werden. Neben der Ungewissheit, mit welchen weiteren Strafmaßnahmen sich die russische Wirtschaft sowie die dortigen Finanzmärkte noch konfrontiert sehen könnten, dürfte dem ohnehin angeschlagenen Rubel in den Herbstmonaten zudem die zunächst noch präsente Lira-Problematik und damit verbunden, das massiv eingetrübte EM-Sentiment, zu schaffen machen. Obwohl der Rubel im weiteren Jahresverlauf einen eher…

Türkei-Krise erreicht Rom

Die hausgemachte Krise der Türkei hat auf den ersten Blick wenig mit Italien zu tun. Nichtsdestotrotz hat ausgerechnet der Absturz der Lira auch den italienischen Staatsanleihen deutlich zugesetzt. Seit Mitte Juli weiteten sich Risikoaufschläge italienischer Schuldtitel gegenüber Bundesanleihen zunächst aus Sorge vor einer Zunahme der Neuverschuldung Italiens sowie einer möglichen Eskalation im Streit mit der EU-Kommission bereits aus. Die jüngste Zunahme der Risikoprämien geht allerdings primär auf die verschärfte Krise in der Türkei zurück. Erst heute Morgen erholten sich erstmals seit Tagen die Kurse italienischer Staatstitel wieder, als auch die türkische Lira ebenfalls leichte Gewinne verzeichnen konnte. Wenngleich der ökonomische Vordenker der Lega, Borghi, Pressemeldungen zufolge jedwede Ausstrahlungseffekte der Türkei-Krise in Richtung Italien für unlogisch erachtet, dürften zwei wesentliche Gründe die Bewegung erklären: Zum einen steigt die Sorge, dass eine Pleitewelle in der Türkei auch europäischen Banken schaden könnte. Nach spanischen und französischen sind italienische Banken die am stärksten in…

Türkei: In der Wahrnehmungsfalle

Ein speziell für die Türkei enorm wichtiges Fundament hat tiefe Risse bekommen: Das Vertrauen der internationalen Märkte. Der erhebliche externe Finanzbedarf des Landes – beispielsweise zur Finanzierung des chronischen Leistungsbilanzdefizits – erfordert regelmäßig den Rückgriff auf den globalen Kapitalmarkt. Sollte sich die Wahrnehmung der Märkte in Bezug auf die Türkei eintrüben, wird diese Fremdfinanzierung schwieriger oder zumindest kostspieliger. Dabei ist die Liste der Faktoren, welche die Risikowahrnehmung belastet haben, lang: Der Umbau des Landes hin zu einem System mit hoher präsidialer Machtfülle, die Aussagen von Präsident Erdogan, die Geldpolitik nun stärker mitgestalten zu wollen sowie die Ablösung erfahrener und angesehener Wirtschaftspolitiker sind Beispiele. Eine Reihe außenpolitischer Konfrontationen war auch nicht hilfreich. Der jüngste Streit mit Washington ist vielleicht der eine Konflikt zu viel – zumal im Weißen Haus auch nicht mit diplomatischem Florett gefochten wird. Welche Auswege gibt es? Es bleibt der Eindruck, dass Ankara mindestens eine bittere Pille schlucken…

Türkei: Lira-Krise strahlt aus

Die Krise der Türkischen Lira nimmt kein Ende – im Gegenteil! Über 11% verlor die Landeswährung heute Morgen binnen weniger Minuten gegenüber dem US-Dollar. Dass sich hieraus neue Rekordtiefs der Lira gegenüber Euro und US-Dollar ergaben, versteht sich nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen schon beinahe von selbst. Die Ursachen der Krise sind bekannt. Eine Zentralbank, die trotz einer ausufernden Inflationsrate nicht aktiv wird und deren Unabhängigkeit mehr als fraglich ist, sowie ein türkischer Präsident, der zweifelhafte ökonomische Thesen vertritt, vor ausländischen Verschwörern warnt und außenpolitisch auf Konfrontationskurs mit den USA geht. Der gestrige Versuch der Regierung in Person des Finanzministersund Schwiegersohns Erdogans, der Krise entgegenzuwirken, indem die Wachstumserwartungen in den Budgetplanungen nach unten revidiert wurden, schlug – wenig überraschend – fehl. Die Auswirkungen des Lira-Verfalls bleiben mittlerweile nicht mehr auf die Landeswährung der Türkei begrenzt, sondern strahlen auf andere Währungen aus. Dies gilt vor allem für den Südafrikanischen Rand….