Polen

Polnische Notenbank stellt für Ende 2017 Leitzinsanhebung in Aussicht

Die polnische Notenbank (NBP) zeigte sich gestern Nachmittag bei ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause überraschend „hawkish“ und zeichnete hierbei ein ungewohnt klares Bild über den möglichen künftigen Verlauf ihrer Geldpolitik. Konkret brachte NBP-Chef Glapinski in diesem Zusammenhang erstmals für Ende 2017 eine Leitzinsanhebung zur Sprache. Weiter machte die NBP deutlich, dass sie zunächst jedoch eine abwartende Haltung favorisiert. Euro-Zloty taucht unter dem Eindruck dieser geldpolitischen Einschätzungen unterdessen gen Süden ab und nimmt Kurs auf die runde Marke von 4,3000 PLN. Die 6*9-PLN-FRA-Notierungen stiegen im Umfeld der Rede von Glapinski zeitweise recht deutlich bis auf knapp 1,65% an und präsentieren sich auch heute Morgen weiterhin in diesen luftigen Gefilden. Wir fühlen uns durch die Einschätzungen der NBP in unserer Leitzinsprognose auf Jahressicht bestätigt, rechnen wir doch hier bereits seit Längerem mit einem unveränderten Leitzinsniveau von 1,50%. Dass die polnische Notenbank allerdings bereits Ende 2017 die geldpolitischen Zügel zu straffen beginnt,…

Jüngste Zloty-Gewinne stehen auf wackeligen Beinen

Nachdem sich Euro-Zloty in den vergangenen Monaten in einer Range zwischen rund 4,3500 PLN und 4,4500 PLN eingependelt hatte, geriet die Gemeinschaftswährung Anfang August unter deutlichen Abgabedruck und fiel hierbei jüngst auf den niedrigsten Stand seit Anfang April 2016. Der Auslöser für diese Abwärtsbewegung ist auf polnischer Seite zu suchen. Konkret war es die Bekanntgabe, dass die polnische Regierung, anders als bislang erwartet, auf einen Zwangsumtausch der ausstehenden Frankenkredite verzichten wird. Stattdessen sollen Anreize gesetzt werden, damit die Geschäftsbanken einen möglichst großen Teil dieser Fremdwährungshypotheken quasi freiwillig umwandeln. Wenngleich wir der polnischen Landeswährung die aktuelle Erholung gönnen, so dürfte sie unserer Ansicht nach nicht von Dauer sein. Vielmehr sollten bald wieder andere Größen das Ruder übernehmen und dafür sorgen, dass der Gegenwind für den Zloty bereits auf Sicht von drei Monaten zunehmen wird. Anlass für diese Einschätzung geben uns die sich durch das Brexit-Votum eingetrübten Wachstumsaussichten der E(W)U, welche sich…

Konflikt zwischen Polen und der EU gewinnt an Schärfe – Zloty als Leidtragender

Dass es in der EU an verschiedenen Ecken und Enden immer stärker knirscht, machte in letzter Zeit neben der Uneinigkeit der Staatengemeinschaft im Umgang mit der Flüchtlingskrise auch das anstehende Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union deutlich. In dieser Gemengelage geriet ein anderer, seit Ende 2015 schwelender und in den vergangenen Tagen an Schärfe gewonnener Konflikt aus dem Blickfeld – der Streit zwischen der EU und Polen in der Frage nach der Rechtmäßigkeit der polnischen Justizreform. Nicht nur, dass sich die polnische Regierung weigert, Verfassungsrichter, die noch von der Vorgängerregierung ernannt wurden, zu vereidigen. Hinzu kam zuletzt eine von der polnischen Regierung angestoßene Reform des dortigen Verfassungsgerichts, welche von den polnischen Verfassungsrichtern selbst als rechtswidrig bezeichnet wurde. Bereits Anfang des Jahres hatte die EU-Kommission deswegen, erstmals in ihrer Geschichte, eine Überprüfung der Rechtsstaatlichkeit in einem Mitgliedsland eingeleitet. Seither bemüht sich Brüssel um einen Kompromiss, beißt sich allerdings…

Polen: Vom Musterschüler zum „Enfant terrible“ der EU

Scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste treibt die neue polnische Regierung den Umbau des polnischen Rechtsstaates voran und griff bereits massiv in die Bereiche der Justiz und der Medien ein. Innerhalb der EU regt sich deutlicher Widerstand über diese Entwicklung. Am 13. Januar kommt die EU-Kommission zusammen, um über die Lage in Polen zu beraten. Die EU verfügt theoretisch über eine Reihe von Sanktionsmechanismen, mittels derer sie den Druck auf Polen eigentlich erhöhen könnte. Das Problem ist jedoch, dass diese Instrumente immer mehr zu stumpfen Waffen verkommen. Dies liegt zum einen daran, dass die EU die Eskalation eines Konflikts mit einem Mitgliedsland scheut. Und zum anderen – und dies ist das größere Problem – führt die herrschende Uneinigkeit unter den EU-Mitgliedsstaaten dazu, dass die diversen Sanktionsmechanismen an Schlagkraft verloren haben, bzw. diese nie hatten. Letztendlich muss Polen aus heutiger Sicht keine drastischen Konsequenzen seitens der EU wie beispielsweise den Entzug von…