Rentenmärkte

Frankreich: Linkes Lager der Sozialisten misstraut der eigenen Regierung

Der linke Fraktionsflügel der Sozialisten hat am vergangenen Mittwoch einen Versuch unternommen, einen Misstrauensantrag gegen die eigene Regierung zu stellen, scheiterte aber knapp an der für die Beantragung notwendigen, minimalen Anzahl von 58 Abgeordneten. Gestern Abend hatte die Opposition ihrerseits dann einen Misstrauensantrag gestellt, konnte mit 246 jedoch die nicht Mehrheit von 289 Stimmen der Nationalversammlung auf sich vereinen. Hintergrund der innerparteilichen Revolte bei den Sozialisten ist das Vorhaben der französischen Exekutive, die aktuelle Arbeitsmarktreform, an der Nationalversammlung vorbei, zu verabschieden, nachdem das linke Lager der Sozialisten wiederholt angemerkt hatte, das Gesetz zu behindern. In dem aktuellen Gesetzesvorstoß möchte die Regierung das komplexe französische Arbeitsrecht reformieren. Obwohl die Regierung aufgrund der Proteste das Reformvorhaben in den vergangenen Monaten bereits wieder leicht aufgeweicht hatte, konnte sie das linke Lager der Sozialistischen Partei nicht besänftigen. Mit dem erstmaligen Versuch einen Misstrauensantrag zu stellen, erfährt die zunehmende Spaltung zwischen linken und gemäßigten Sozialisten…

Österreich: Das Kern-Risiko

Österreichs designierter Nachfolger des zurückgetretenen Faymanns im Amt des Bundeskanzlers ist Christian Kern. Kern ist Konzernchef der Österreichischen Bundesbahn, hat bisher weder weitergehende politische Erfahrungen gesammelt noch gehört er dem Nationalrat an. Die Entscheidung der SPÖ, keinen Politiker sondern einen Manager zum Regierungschef zu machen, darf als verzweifelte Flucht nach vorne bewertet werden. Sowohl die Umfragewerte der SPÖ als auch das Vertrauen der Bürger in die Regierung haben einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Innerhalb der SPÖ rumort es. Außerdem fand sich im Kreise der führenden Parteipolitiker keine politische Persönlichkeit, die sowohl innerhalb der SPÖ als auch beim Koalitionspartner ausreichendes Vertrauen genossen hätte, das Ruder herumzureißen und sich der immer stärker werdenden populistischen FPÖ entgegenzustellen. Kern genießt als Manager einen guten Ruf. Er soll die Koalition zusammenhalten und für die notwendigen Reformen im Land sorgen, die über Jahre hinweg versäumt wurden und so den Weg für den Aufstieg der FPÖ ebneten. Wenngleich…

Stress am High Yield-Markt – Ansteckungsgefahr für Aktien?

Bei Kapitalanlegern werden die Sorgenfalten immer tiefer. Erst waren es Rohstoff- und Emerging Markets-Investitionen, die deutliche Kursverluste verbuchen mussten. Später folgten die Aktienkurse, die in einem Umfeld rückläufiger Unternehmensgewinne, hoher Bewertung und allgemeiner Reife des Kursaufschwungs in einen Bärenmarkt gezwungen wurden. Wenige Tage vor dem lang erwarteten Zinsschritt der US-Notenbank ist nun der nächste Dominostein umgefallen und der Abverkauf von Risikoassets hat sich nochmal beschleunigt. Diesmal kamen in den USA die „High Yield“-Anleihen, Unternehmensanleihen mit deutlich schlechterer Bonität, unter massiven Verkaufsdruck. Der Auslöser für die initialen Kursverluste dieser Anleihen war der fallende Rohölpreis, der die Gewinnperspektiven – und damit auch die Zinstragfähigkeit – vieler Unternehmen aus der Ölbranche infrage stellt. In den letzten Tagen hatte sich die Korrektur am High Yield-Markt nochmals verstärkt, unter anderem auch, weil ein renommierter US-Vermögensverwalter einen Fonds schloss und den Kunden den Verkauf der Anteile verbot. Viele Investoren fühlen sich nun an das Jahr 2007…