Türkei

Türkische Zentralbank: Vertrauen braucht Zeit

Die türkische Zentralbank hat im Rahmen ihrer ersten Sitzung unter neuer Führung den Leitzins von 10,25% auf 15,00% angehoben und mehr Transparenz versprochen. Damit hat sie die aktuell marktseitig vorherrschenden Erwartungen zwar erfüllt. Den Währungshütern dürfte jedoch klar sein, dass man Vertrauen nicht über Nacht zurückgewinnt. Hierfür bedarf es einer angemessenen Geldpolitik über einen längeren Zeitraum. Und sicherlich nicht ohne Grund betonen die Währungshüter in ihrer Stellungnahme, eine restriktive Geldpolitik so lange aufrecht erhalten zu wollen, bis ein dauerhafter Rückgang der Inflationsrate erreicht wurde. Ebenso wird die Notwendigkeit von Transparenz, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit der geldpolitischen Maßnahmen hervorgehoben, um das Ziel der Preisniveaustabilität zu erreichen und zu wahren. Nicht nur für die Zentralbank gilt es nun, die jüngsten Aussagen mit Leben zu füllen. Die weitere Entwicklung in der Türkei dürfte auch davon abhängen, ob Staatspräsident Erdogan seine jüngst für die restriktivere geldpolitische Ausrichtung zum Ausdruck gebrachte Rückendeckung dauerhaft aufrechterhält. Schließlich waren…

Geld- und Wirtschaftspolitik unter neuen Vorzeichen in der Türkei?

Markiert das Wochenende vom 7. November 2020 tatsächlich einen strukturellen Umbruch in der türkischen Geld- und Wirtschaftspolitik? Zumindest die derzeit an den Finanzmärkten vorherrschende Hoffnung darauf ist berechtigt. Auslöser waren in der letzten Woche Äußerungen von niemand geringerem als dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan – dem Mann, der in den vergangenen Jahren nicht müde wurde, gegen ausländische Spekulanten zu wettern, und der mit Maßnahmen zur Beschneidung der Notenbankunabhängigkeit in Kombination mit seiner unorthodoxen Forderung nach niedrigeren Leitzinsen zur Reduzierung des Preisdrucks das Vertrauen in die Landeswährung zunehmend beschädigt hatte.   Seit der Entlassung des Zentralbankvorsitzenden Uysal und des Rücktritts von Finanzminister Albayrak sind völlig neue Töne aus Ankara zu vernehmen. Nicht weniger als eine Periode der Reform von Wirtschaft und Justiz kündigte Präsident Erdogan an. Dabei hält sich das Staatsoberhaupt neuerdings nicht nur mit Kritik an der Zentralbank zurück, sondern gibt ihr die investorenseitig langersehnte Rückendeckung für die „bittere Pille“ einer…

Präsident Erdogan entlässt Zentralbankchef

Die letzten Tage hatten es in sich mit Blick auf die für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Türkei verantwortlichen Personen. Zunächst wurde bekannt, dass Staatspräsident Erdogan seinen Zentralbankchef Uysal per Dekret entlassen hat. Am Sonntagabend verkündete zudem Finanzminister Albayrak, Schwiegersohn Erdogans, seinen Rücktritt. Hintergrund dieser Weichenstellungen war offenbar, dass dem Staatspräsidenten der Lira-Verfall der vergangenen Monate ebenso missfiel wie das Dahinschmelzen der Währungsreserven.   Nachfolger Uysals wird Naci Agbal. Der ehemalige Finanzminister gilt zwar laut Medienberichten als investorenfreundlicher Technokrat. Allerdings ist Agbal ein treuer Gefolgsmann des Staatspräsidenten und Zentralbankchef von Erdogans Gnaden. Auch ihm dürfte es nicht gelingen, die ökonomischen Vorstellungen des Präsidenten, wonach ein niedrigerer Leitzins eine niedrigere Inflationsrate nach sich zieht, und die Realität unter einen Hut zu bekommen. Will die türkische Zentralbank die Lira stabilisieren (und auf Kapitalverkehrskontrollen verzichten), dürfte Agbal folglich nichts anderes übrigbleiben, als den offiziellen Leitzins spürbar anzuheben. Seine Hauptaufgabe dürfte folglich vor allem…

Türkische Notenbank hebt Leitzins an – Lira zurecht skeptisch

Die türkische Zentralbank (TCMB) hat zuletzt eher unerwartet den Leitzins um 200 Bp auf 10,25% erhöht. Begründet wurde der Schritt explizit mit den Risiken für den Inflationsausblick sowie der Notwendigkeit, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Lange hatten sich die Währungshüter geziert, diesen Schritt in Form einer Erhöhung des offiziellen Leitzinses zu gehen und damit eine seit Wochen überfällige Abkehr von der „restriktiveren Geldpolitik durch die Hintertür“ zu vollziehen. Spätestens seit Mitte August hatte die Zentralbank die Liquiditätsversorgung so gestaltet, dass Geschäftsbanken in teurere Refinanzierungsfazilitäten gedrängt wurden. Damit gelang es den Währungshütern zwar, die durchschnittlichen Refinanzierungskosten der Finanzinstitute zu erhöhen und so einen restriktiven Impuls in Richtung der türkischen Geldmärkte zu geben. Zugleich ging jedoch geldpolitische Transparenz und Glaubwürdigkeit verloren, wurde die zögerliche Haltung doch als Kniefall vor Staatspräsident Erdogan interpretiert. Dieser hatte sich auch zuletzt wieder lautstark für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Die Anhebung des offiziellen Leitzinses stellt zwar gerade…

Türkische Zentralbank ohne Mut

Ungeachtet einer anhaltend schwachen Lira ging die jüngste Sitzung der türkischen Zentralbank ohne neue Beschlüsse zu Ende. Im zugehörigen Statement bekräftigten die Währungshüter zwar das Ziel, den „zugrundeliegenden Trend einer rückläufigen Inflationsrate“ fortzusetzen. Ein negativer realer Leitzins im Bereich von 3,5% in Kombination mit einer Abwertung der Landeswährung in Höhe von fast 9% seit Anfang Juni gegenüber einem momentan nicht gerade vor Kraft strotzenden US-Dollar lassen derartige Lippenbekenntnisse jedoch alles andere als glaubwürdig erscheinen. Mit ihrer Zurückhaltung hat die türkische Zentralbank eine weitere Chance ausgelassen, marktseitiges Vertrauen zurückzugewinnen, die Transparenz ihrer Geldpolitik zu verbessern und den offiziellen Leitzins in seiner Steuerungsfunktion für die Finanzmärkte zu rehabilitieren. So hält die Notenbank den Einwochen-Reposatz zwar offiziell seit Mai konstant bei 8,25%. Allerdings stellt sie den heimischen Finanzinstituten seit einigen Wochen vorrangig Liquidität über die mit 9,75% deutlich teureren Übernachtgeschäfte zur Verfügung. In Folge dieser „restriktiven Geldpolitik durch die Hintertür“ haben sich die…

Türkische Lira: Altbekannte Schwächen rücken wieder in den Blick

Nachdem es in den vergangenen Wochen um die türkische Lira vergleichsweise ruhig geworden und USD-TRY stabil um 6,85 TRY gependelt war, ist es mit dieser Ruhe wieder schlagartig vorbei. So hat doch das Währungspaar erstmals seit Mitte Mai wieder die Marke von 7,00 TRY und aktuell sogar die historisch schwachen Notierungen aus dem Mai hinter sich gelassen. Diese Bewegung ist umso bemerkenswerter, als dass der US-Dollar aktuell selber einen schweren Stand hat – gerade im Vergleich zur Situation im Mai – und verdeutlicht den vorherrschenden Druck auf die Lira. Dabei sind die bestehenden heimischen Probleme keineswegs neu. Trotz der relativ stabilen Entwicklung im Juni und Juli hatten wir die Konstellation für die Lira als fragil eingestuft, bietet die Türkei doch grundsätzlich mit einer tief in die Rezession abrutschenden Volkswirtschaft, einem deutlich ansteigenden Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit und einem expansiven geldpolitischen Kurs der türkischen Zentralbank ungeachtet der zu beobachtenden Inflationsentwicklung genügend Angriffsfläche….

1 2 6