Türkei

Türkei: Weg der wirtschaftlichen Erholung von Risiken gezeichnet

Die gute Nachricht vorweg: Die türkische Wirtschaft befindet sich nach der Wirtschaftskrise vom vergangenen Jahr auf dem Weg der Erholung. Umfragebasierte Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sie ihr Tief mittlerweile verlassen hat. Das im Vergleich zum Herbst letzten Jahres niedrige Inflationsniveau und die Zinssenkungen haben den Unternehmen und Verbrauchern offensichtlich etwas Vertrauen zurückgegeben. Positiv hat sich das auch in den Wachstumszahlen niedergeschlagen. Seit Jahresbeginn konnte die Wirtschaftsleistung der Türkei überraschend schnell wieder zulegen. Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht – hat sich das Wachstumstempo nun wieder spürbar verlangsamt. Im dritten Quartal nahm das Bruttoinlandsprodukt der Türkei nur noch um 0,4% gegenüber dem Vorquartal zu. Zwischen April und Juni war die Rate mit 1,0% noch deutlich kräftiger ausgefallen. Die türkische Wirtschaft befindet sich somit auf keinem sehr steilen, sondern sehr holprigen Erholungspfad. Im vierten Quartal könnte sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächen – wir halten sogar eine negative Rate nicht…

Größte Gefahr für neue Lira-Krise wieder vom Tisch

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland mag zwar nicht immer einfach sein. Allerdings gelingt es dem russischen Staatschef im Gegensatz zu anderen bedeutenden Persönlichkeiten dieser Welt, Einfluss auf den türkischen Präsidenten auszuüben. Dies hat das jüngste Treffen der beiden Staatsoberhäupter gezeigt. Nicht nur wurde die Waffenruhe für den Norden Syriens um rund sechs Tage verlängert, vielmehr wurde ein Plan ausgearbeitet, wie die dortige Situation künftig geordnet werden soll. Geht dieser Plan auf, kann Erdogan sein Ziel, eine Pufferzone an der türkisch-syrischen Grenze zu etablieren, als erreicht ansehen. Dass ein Teil dieses Territoriums von russischen und syrischen Soldaten kontrolliert wird, dürfte er verschmerzen können, ebenso wie die Zusage, das Staatsgebiet Syriens nicht mehr in Frage zu stellen. Verlierer des Abkommens sind die „Demokratischen Kräfte Syriens“, überwiegend aus Kurden bestehende Milizen, die das Gebiet seit längerem kontrolliert hatten. Ihnen dürfte kaum etwas anderes übrigbleiben, als sich zurückzuziehen, sollten sie doch kaum…

Erdogans Feldzug in Syrien hat Folgen

Überraschend kommt die vergangene Woche begonnene Offensive der türkischen Armee im Norden Syriens nicht. Seit Monaten hat Präsident Erdogan angekündigt, eine Pufferzone an der türkischen Grenze auf syrischem Gebiet etablieren zu wollen. Bislang wird das Terrain von kurdischen Milizen, den Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) kontrolliert. In den Augen der Türkei handelt es sich bei dieser Gruppierung um eine terroristische Vereinigung. Möglich wurde der Einmarsch türkischer Truppen erst durch den Rückzug des wichtigsten Verbündeten der SDF. So hatte US-Präsident Trump jüngst überraschend den Rückzug der verbliebenen Militärangehörigen seines Landes aus dem Norden Syriens bekanntgegeben. Nicht nur die Kurden werteten diese Ankündigung als Dolchstoß, selbst in den USA wurde viel Kritik gegenüber dem Vorgehen Trumps laut. Für Präsident Erdogan dürften nicht zuletzt innenpolitische Motive eine Rolle für den Feldzug spielen. Nach dem schlechten Abschneiden seiner AKP bei den Kommunalwahlen vom Frühjahr sowie der weiterhin angeschlagenen wirtschaftlichen Situation seines Landes kann das Staatsoberhaupt…

Treibt Erdogan die Türkei in die nächste Krise?

Präsident Erdogan hat in den letzten Tagen demonstriert, dass er immer wieder für eine negative Überraschung gut ist. Mit der unerwarteten Entlassung des Zentralbankvorsitzenden Cetinkaya und der Ankündigung, die Notenbank vollständig umzubauen, hat das Staatsoberhaupt verdeutlicht, dass er künftig die Geldpolitik als Teil seiner Wirtschaftspolitik ansieht. Und als ob der Frontalangriff auf die Zentralbankunabhängigkeit nicht schon schlimm genug wäre, spitzt sich der diplomatische Konflikt mit den USA um den Kauf eines russischen Luftabwehrsystems weiter zu. Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr, politische Querelen zwischen Ankara und Washington – die Parallelen zu den Treibern der Lira-Krise des vergangenen Jahres sind offensichtlich. Dennoch bleibt die Reaktion an den Finanzmärkten bislang sehr verhalten. Klare Anzeichen für eine vorhandene oder zu erwartende Krise der Türkei sind nicht auszumachen. Dass sich dieses Bild rasch drehen kann, liegt vor allem an der kurzfristig fälligen Auslandsverschuldung der türkischen Volkswirtschaft. Diese beläuft sich derzeit auf rund 120 Mrd. USD…

Präsident Erdogan – immer für negative Überraschungen gut

Der türkische Präsident Erdogan hat den Zentralbankvorsitzenden Cetinkaya völlig unerwartet gefeuert. Künftig soll dessen Stellvertreter Uysal die Position übernehmen. Hintergrund der Entscheidung ist ein Streit um die angemessene Ausrichtung der Geldpolitik. Nach Einschätzung Erdogans ist diese viel zu restriktiv. Diese Auffassung fußt auf der wirren ökonomischen Ansicht des Staatspräsidenten, dass hohe Leitzinsen eine hohe Inflationsrate nach sich ziehen. Eine andere Auffassung werde Erdogan weder in den Reihen der Regierung noch in der Zentralbank akzeptieren, dies soll der Präsident laut Medienberichten klargestellt haben. Dass Cetinkaya mit der im September letzten Jahres ergriffenen signifikanten Leitzinserhöhung auf 24% zur Beruhigung der Lage, einer Stabilisierung der Lira und damit auch zu dem seit Ende 2018 spürbar nachlassenden Preisdruck im Land wesentlich beigetragen hat, scheint Erdogan sehr erfolgreich auszublenden. Eigentlich konnten Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten den Eindruck gewinnen, dass die Zentralbank tatsächlich ein gewisses Maß an Unabhängigkeit genießt. Damit dürfte es nun wieder vorbei…

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

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